Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Grußwort-Archiv

Gruß zum 14. Sonntag nach Trinitatis am 05.09.21

Gruß zum 12. Sonntag nach Trinitatis am 22.08.21

Gruß zum 11. Sonntag nach Trinitatis am 15.08.21

Gruß zum 9. Sonntag nach Trinitatis am 01.08.21

Gruß zum 8. Sonntag nach Trinitatis am 25.07.21

Gruß zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 18.07.21

Gruß zum 6. Sonntag nach Trinitatis am 11.07.21

Gruß zum 5. Sonntag nach Trinitatis am 04.07.21

Gruß zum 4. Sonntag nach Trinitatis am 27.06.21

Gruß zum 3. Sonntag nach Trinitatis am 20.06.21

Gruß zum 2. Sonntag nach Trinitatis am 13.06.21

Gruß zum 1. Sonntag nach Trinitatis am 06.06.21

Gruß zum 1. Sonntag nach Pfingsten

Gruß zu Pfingsten am 23.05.21

Gruß zum Sonntag Exaudi am 16.05.21

Gruß zum Sonntag Rogate am 09.05.21

Gruß zum Sonntag Kantate am 02.05.21

Gruß zum Sonntag Jubilate am 25.04.21

Gruß zum Sonntag Misericordias Domini am 18.04.21

Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti am 11.04.21

Gruß zum Ostersonntag am 04.04.21

Gruß zum Sonntag Palmarum am 28.03.21

Gruß zum Sonntag Judika am 21.03.2021

Gruß zum Sonntag Lätare am 14.03.2021

Gruß zum Sonntag Okuli am 07.03.2021

Gruß zum Sonntag Reminiscere am 28.02.2021

Gruß zum Sonntag Invokavit am 21.02.2021

Gruß zum Sonntag Estomihi am 14.02.2021

Gruß zum 4. Sonntag vor der Passionszeit am 06.02.2021

Gruß zum letzten Sonntag nach Epiphanias am 31.01.2021

Gruß zum 3. Sonntag nach Epiphanias am 24.01.2021

Gruß zum 2. Sonntag nach Epiphanias am 17.01.2021

Gruß zum 1. Sonntag nach Epiphanias am 10.01.2021

Gruß zum 2. Sonntag nach Weihnachten am 03.01.2021


Gruß zur zum 14. Sonntag nach Trinitatis am 05.09.21

von Pastor Pfeifer

Liebe Gemeinde!

An diesem Sonntag wird uns in einem Evangelientext davon berichtet, dass Jesus 10 Aussätzige heilte und sie in den Tempel zu den Priestern schickte. Aber einer kam nur zurück zu Jesus. "Wo sind die anderen neun?!" Ich kann die Frage von Jesus gut verstehen. Zehn  Aussätzige hat Jesus geheilt, nur einer kommt zurück, um sich zu bedanken. "Wo sind die anderen neun?", aus der Frage, die Jesus stellt, spricht Verwunderung,
vielleicht auch Enttäuschung. Die Erfolgsquote von Jesus scheint erschreckend gering: Zehn Aussätzige hat Jesus wieder gesund gemacht, für neun von ihnen ist das offensichtlich schon genug. Sie kommen nicht, um sich zu bedanken. Nur einer tut das, ein Außenseiter, ein Samaritaner. Vorsicht: Schnell kann diese Geschichte drauf verkürzt werden, den moralischen Zeigefinger zu erheben. Seid dankbar. So wie wir oft die Kinder heute fragen: Wie heißt das Zauberwort? Oder wenn Leute enttäuscht sagen: Undank ist der Welt Lohn.
Jesus klagt nicht an. Jesus verurteilt nicht. Sondern er fragt nur verwundert: „Wo sind die anderen neun?“
Manchmal erinnert mich diese Szene an uns heute in der Kirche. Wir bieten so viel an. Engagieren uns. Werben, Helfen. Und trotzdem kommen nur wenige. Aber die können nichts dafür, wie bei dem einen Samaritaner, dass die anderen nicht da sind.
Was ist der Ausgangspunkt der Geschichte? Wir hören, dass 10 Aussätzige Jesus auf seinem Weg durch Galiläa um Hilfe anrufen. Eine Gruppe von Menschen, die es nicht mehr aushielten in ihrer Isolation. Sie waren ausgegrenzt. Sie waren ausgeschlossen. Sie durften nicht mehr bei ihren
Familien wohnen, nicht an Gottesdiensten teilnehmen, keiner Arbeit nachgehen und waren meist auf Bettelei angewiesen. Als diese zehn Männer Jesus begegnen, haben sie nur einen Wunsch: gesund sein, zurück nach Hause, zurück zu ihren
Familien, zurück ins normale Leben. Alles soll so sein wie früher, vor der Erkrankung. Darum ihr Ruf: „Herr, erbarme dich“. Wir erfahren nicht genau, wie Jesus sie heilt. Nur dass er sie zu den Priestern schickt. Das bedeutete: Als Geheilte wurden sie von den Priestern rein gesprochen und durften so am normalen Leben wieder teilnehmen.
Vielleicht ist das der Grund, warum neun von ihnen nicht noch einmal zu Jesus kommen: sie wollen so schnell wie möglich ihren Freunden und Familien zeigen: "Ich bin wieder da, ich bin wieder gesund, ich bin wieder wie früher." Sie wollen da weitermachen, wo ihr Leben mit der Erkrankung unterbrochen wurde, alles soll so sein wie vorher, die Zeit der Krankheit  
soll so schnell wie möglich vergessen werden. Das Erschrecken über, die Erkrankung, die entsetzliche Angst, nie mehr gesund zu werden, das Leiden, ausgeschlossen zu sein, die flehentliche verzweifelte Bitte an Jesus, all das: nie mehr daran denken, nie mehr so Schreckliches empfinden.
Irgendwie kann ich die neun, die nicht wiederkommen, verstehen. Diese Episode der Krankheit ist für sie abgeschlossen, überwunden und vergessen. Nicht noch einmal diesem Jesus über den Weg laufen, der gesehen hat, wie dreckig es mir ging. Das war doch gar nicht mein "richtiges" Leben“, so werden sie wohl denken. Schnell wieder zur
Tagesordnung übergehen nach einer Zeit der Krankheit und nach der Heilung, das ist für viele unter uns zumeist der größte Wunsch. Möglichst schnell zurückkehren in den Alltag der Gesunden. Wieder normal sein. „Wo sind die anderen neun?“ fragt Jesus. Ihm ist es offenbar nicht gleichgültig, wie es ihnen ergangen ist.
Einer aber, von dem es heißt, er sei ein Samaritaner, verhält sich anders. Er hat den Wunsch, zu Jesus zurückzukehren. Denn er erkennt, dass sich sein Leben verändert hat. Nach der Krankheit und der Heilung ist für ihn nichts mehr so wie vorher. Er begreift: was mir widerfahren ist, das hat mich verändert; was mir widerfahren ist, das hat mit Gott zu tun. Er erkennt: In meinem Leben ist auch Gott am Werk. Und so wird aus seiner Lebenserfahrung eine Glaubensaussage. Dieser eine von zehn traut sich, die wunden Punkte und sensiblen Stellen seines Lebens nicht zu verdrängen. Er traut sich, Jesus noch einmal zu begegnen und damit an die Zeit der Krankheit erinnert zu werden. Weil er in seinem Leben eine neue Tiefe gewonnen hat. Er traut sich, dankbar zu sein. Dankbar für das neue Leben. Dankbar zu sein für die erfahrene Heilung?
Ist das so eine enorme Leistung, dass das vom Evangelisten so betont werden muss. Eigentlich ist Dankbarkeit doch etwas ganz Selbstverständliches. Dankbar zu sein, bedeutet von mir selbst absehen zu können. Ich verdanke nicht mir selbst etwas, sondern Gott und meinem Mitmenschen.
Wenn wir Gott danken, dann wird uns dabei doch auch bewusst: wir können nicht alles selbst machen, regeln und bewerkstelligen. Und so nehmen wir, indem wir danken, einen angemessenen Platz zwischen Himmel und Erde ein. Mit den Füßen auf dem Boden, der manchmal auch hart und steinig ist, im Dank aber mit dem Himmel verbunden. Wir gewinnen im Dank ein Gegenüber, dem wir sagen können: "Ich weiß, ich habe es nicht selbst gemacht. Ich weiß, es ist nicht selbstverständlich. Ich danke dir Gott, ich freue mich Gott.
 So wie es der Beter des 103. Psalmes, der uns diese Woche begleitet, formuliert: „Lobe den Herren meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat .“
Vergiss nicht, ruf es dir in Erinnerung, -mach es dir von Neuem bewusst, was Gott dir Gutes getan hat. So kannst du dein Leben immer wieder mit anderen Augen sehen. Vielleicht fällt uns manches Gute erst beim längeren Nachdenken ein.
Und vielleicht hat dir Gott auch durch Schweres letztlich Gutes getan."
In der Dankbarkeit: gewinnen wir einen neuen Blick, eine tiefere Dimension für unser Leben - und darin begegnen wir Gott. Noch etwas anderes ist mir wichtig, wenn ich an den geheilten Samariter denke. Er hat in der Begegnung mit Jesus etwas erfahren, was den anderen neun scheinbar entgangen ist. Während die anderen Geheilten weitermachen wie bisher
und die Zeit der Krankheit als eine glücklicherweise abgeschlossene Episode betrachten, hat für ihn in seinem Leben eine Veränderung stattgefunden. Für ihn
ist Jesus nicht nur ein erfolgreicher Arzt, den die Gesunden ja zum Glück nicht mehr brauchen. Nein, der Samaritaner  erkennt, dass Jesus mit seinem ganzen Leben zu tun hat. Schwere Erfahrungen und dunkle Seiten seines Lebens sind eben nicht Etappen, die möglichst schnell verdrängt werden müssen. Nein gerade solche belastenden Lebenserfahrungen gehören ja zu jedem Leben dazu. Für diesen einen geheilten Samaritaner ist Jesus nicht nur ein Wunder-heiler, der nach getaner Arbeit wieder von der Bildfläche verschwindet. Nein er sucht die Begegnung mit diesem Jesus, der auf dem Weg ist nach Jerusalem, auf dem Weg zum Kreuz.
In dem Mitfühlen und Mitleiden kreuzen sich die Wege dieser beiden noch einmal. Und Jesus erkennt: es ist nicht nur die Dankbarkeit, die den Samaritaner umkehren lässt. Es ist sein Glaube. Darum sagt Jesus: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Dein Glaube hat dich umkehren lassen.
Dein Glaube- ein Wort, dass wir immer wieder gemeinsam durchbuchstabieren.
Glaube, das G steht für gehen. Der Samaritaner als Fremder unter den Juden geht mutig seinen Weg., er setzt sich über Grenzen hinweg. Er geht auf Jesus zu, nicht umgekehrt. Glaube – das L ist wie Leiden. Glaube an Gott und an Jesus Christus schließt die Erfahrung von Leid immer mit ein. Glaube ist die Kraft, das Leid auszuhalten. G L A U B E . Das A steht für Anhören und Annehmen. Die Aussätzigen haben von Jesus gehört. Wir hören im Gottesdienst Gottes Wort, hören es nehmen es an. Glaube, das U steht für Umkehr. Wir kehren im Glauben um zu Gott, wir kreisen im Glauben nicht um uns selbst, sondern richten uns auf Gott aus. Glaube, das ist B wie Beten. Unser Gebet ist unser Gespräch mit Gott. Unser Gebet ist unser Dialog mit Gott. Unser Gebet ist verinnerlichter Glaube. Glaube, am Ende steht das   E wie Erneuern. Unser Glaube schließt immer unsere Sehnsucht mit ein, dass sich in unserem Leben etwas ändern, etwas neu werden kann. Glaube Gehen, Leiden, Anhören, Umkehren, Beten und Erneuern, so erfasst der Glaube immer unser ganzes Leben mit seinen verschiedenen Seiten. Darum können wir singen und aus vollem Herzen danken: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Wieder sind wir nur bei uns geblieben. Die Frage Jesu, wo sind die anderen neun? Steht immer noch im Raum. Ich möchte diese Frage heute so aktualisieren: Wo sind die anderen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben? Wo sind die anderen, denen geholfen wurde, aber die in der Kirche kein zuhause mehr finden. Ich möchte uns als Kirche Mut machen, ihnen nach zu gehen. Sie zu verstehen, was sie glauben, wo sie vielleicht enttäuscht sind. Gottes Geist helfe uns auf diesem Weg. Amen.
 

Ihr / Euer Pastor Christoph Pfeifer 

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zur zum 13. Sonntag nach Trinitatis am 29.08.21

von Pastor Kroglowski

 

„Ich sehe dich – die Geschichte vom barmherzigen Samariter“

 

Liebe Gemeinde,

 

In einem afrikanischen Land hat ein Bibelübersetzer beinahe die ganze Arbeit getan, aber immer vergeblich nach einem Wort für „lieben“ gesucht. Das ist schlimm, denn was ist die Bibel ohne dieses Wort? Er war fast so weit, sich sein Scheitern einzugestehen. Da beobachtete er wie ein junger Mann zu seiner Braut sagte: „Ich sehe dich.“ Da ging es ihm endlich auf. „ich sehe dich“ und „ich liebe dich“, das ist ein und dasselbe. Ich sehe dich – einen Menschen und sich selbst wirklich wahrnehmen – um dieses Wahrnehmen – dieses Herunterbeugen – darum geht es auch in der Bibelgeschichte für den heutigen Sonntag vom barmherzigen Samariter.

Ein Kenner der Schrift versucht Jesus mit der Frage nach dem ewigen Leben. Was muss ich tun? Mit seiner Rückfrage entlockt Jesus diesem Schriftgelehrten das richtige Bekenntnis, das Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott und deinen Nächsten. Aber dieser Schriftgelehrte lässt nicht locker. Er weiß, was er tun soll, aber er fragt - vielleicht ganz gesetzlich denkend, vielleicht aber auch aus echter Not heraus: Wer ist denn mein Nächster? Muss ich wirklich mit jedem zurechtkommen? Was ist denn mit der Person xy? Da stimmt einfach die Chemie nicht. Egal, was ich sage, es wird missverstanden. Egal, was sie sagt, ich fühle mich verletzt. Ist das auch mein Nächster? Für Jesus ist der mein Nächster, der Hilfe braucht. Was bringt mir das, jemanden zu helfen? Diese Geschichte ist eine Allerweltsgeschichte. Erzählt wird etwas, was jeden Tag in den Zeitungen steht – uns über das Fernsehen erreicht: Ein Mensch fällt in der Stadt um oder wird angepöbelt – eine Familie kann den Kredit nicht mehr zurückzahlen – ein Kind wird in der Schule nicht mehr versetzt und traut sich nicht nach Hause – ein alter Mensch lebt vergessen in seiner Wohnung ... Flüchtlinge auf der Flucht kommen zu uns …   „Was habe ich, davon hier zu helfen?“ Was habe ich davon, mich auf so einen Menschen einzulassen?

Jesus erzählt diese Alltagsgeschichte, weil er unseren Blick auf unser Miteinander lenken will, weil sich die Frage nach gelingendem Leben – die Frage „Was habe ich davon“ eben im Alltag entscheidet – in der Familie – in der Nachbarschaft – in der Schule - am Arbeitsplatz – in meiner Kirchengemeinde ... Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: eine Alltagsgeschichte – die aber geschickt von Jesus erzählt wird. Er erzählt die Geschichte aus der Sicht des Opfers. Wer die Geschichte bewusst hört, wird mit hineingenommen in die Situation – in die Lage dessen, der da am Weg liegt und auf Hilfe angewiesen ist.  Jede Form von Hilfe bringt dem Opfer etwas!

Man erlebt mit, wie Priester und Levit näher kommen und vorbei gehen. Warum tun sie das? Ärger kommt hoch – Wut. Und man spürt selbst wie wenig es diesem Überfallenen hilft, wenn diese beiden Entschuldigungen dafür haben, nicht angehalten zu haben.

Die Frage „Was habe ich davon“ – macht auch einsam …Wer sich in die Situation des Mannes versetzt, der da hilflos am Weg liegt – der begreift mit einem Mal auch, wie zerstörerisch Vorurteile und Feindschaften sind, die Menschen untereinander und gegenseitig aufbauen. Ob es ein Samariter, Palästinenser,  Türke – der grimmige Nachbar oder der schlecht gelaunte Arbeitskollege – Verwandte – wenn ich mir selbst nicht helfen kann, dann ist mir vielleicht jede Hilfe recht. Jesus erzählt die Geschichte aus der Sicht des Opfers – und das heißt auch: Wenn du einem begegnest, der Hilfe braucht, dann versetz dich in dessen Lage ... vielleicht findet ihr beide einen neuen Anfang. Und du findest auf die Frage „Was habe ich davon“ deine eigene Antwort, weil du ihn plötzlich mit anderen Augen siehst.

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski    

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zur zum 12. Sonntag nach Trinitatis am 22.08.21

von Pastorin Parra

 

 

Ottheinrich-Bibel 1425-1430, Bayerische Staatsbibliothek

 

Die Heilung eines Tauben (Mk 7,31-37)

Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.

 

Liebe Gemeinde,

was tut Jesus da bloß? Offenbar steckt er seine Finger in die Ohren eines Fremden und streicht seinen Speichel auf dessen Zunge! Ein Schock für uns, die wir uns inzwischen daran gewöhnt haben, mit unseren von Desinfektionsmittel ausgetrockneten Händen nicht einmal das eigene Gesicht zu berühren, geschweige denn jemand anders die Hand zu geben oder auch nur etwas anzufassen, das zuvor jemand berührt hat, der nicht zu unserem Haushalt gehört.

Auch wenn sie noch nichts von Viren und deren Übertragungswegen wussten, haben die Evangelisten Matthäus und Lukas die Geschichte von der Heilung eines Tauben nicht übernommen, sondern sie gehört zu den wenigen, die nur Markus erzählt. In anderen Wunderheilungen genügt das bloße Wort Jesu – sogar wenn die Kranken weit weg sind. Diese Geschichte lässt Jesus ein bisschen wie einen Quacksalber wirken, ja sogar irgendwie übergriffig. Warum war es Markus wichtig, diese Geschichte genau so zu erzählen?

Er beginnt seine Erzählung mit einer Reisebeschreibung, aus der sich entnehmen lässt, dass Jesus sich auf heidnischem Gebiet befindet. Auch dort haben die Menschen von Jesu Heilkünsten gehört und bringen einen, der wohl von Geburt an nicht hören und daher auch nur undeutlich sprechen kann, zu ihm. Jesus nimmt ihn beiseite. Kann die Menge noch sehen, was er tut? Benutzt er deshalb die Rituale der Wunderheiler seiner Zeit? Das hat er doch sonst nicht nötig. Hätte es nicht genügt, die Hand aufzulegen, wie er gebeten worden ist?

Der Taube ist ganz passiv. Will er überhaupt, dass Jesus ihn heilt? Er hätte doch auch selber kommen können. Seine Beine waren ja gesund.

Vielleicht wusste er einfach nicht von Jesus? Er konnte ja die Frohe Botschaft nicht hören. Und klar sagen, dass er gesund werden wollte, so wie der blinde Bartimäus, über den Markus später schreibt, konnte er auch nicht.

Jesu Gegenüber ist gewissermaßen in sich selbst eingeschlossen. Jesus befreit ihn aus diesem Zustand, öffnet ihn. Zuerst stößt er sinnbildlich mit den Fingern in das Gehör des Tauben vor als wäre alles schon da und auch funktionstüchtig, müsste nur freigelegt werden. Dann nimmt er von seinem Speichel, gibt gewissermaßen etwas von sich in den anderen hinein. Ist das nun Übergriffig und eklig oder eine Geste tiefer Verbundenheit mit seinem Gegenüber? Der lässt alles geschehen. Er hätte sich ja auch wehren können, aber er hält anscheinend ganz still. Nun wendet Jesus sich direkt an ihn: „Werde geöffnet!“  „Lass dich aufwecken!“ könnte man vielleicht auch sagen, denn die Öffnung bezieht sich nicht nur auf die Ohren, sondern auch auf Herz und Verstand. Sie geschieht durch das Wort, nicht durch das uns fremdartig anmutende Ritual.

Das Hephata ist wie ein Weckruf für einen Schlafenden – vielleicht auch ein wenig unbequem. Es ist sicher manchmal einfacher, so ganz für sich und in sich eingeschlossen zu sein und alle Stimmen ringsherum nicht wahrzunehmen, aber was entginge uns alles!

Für den Tauben öffnet sich die Welt in dem Maße, in dem er sich selbst hat öffnen lassen. Er kann verstehen, was er hört, begreift auch auf neue Weise, was er sieht und in sich fühlt. Sein Reden ist kein unverständliches Gestammel mehr, sondern er redet richtig.

„Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor“, so heißt es in Jochen Kleppers Morgenlied und weiter: „Ich werde nicht zuschanden, wenn ich nur ihn vernehm. Gott löst mich aus den Banden, Gott macht mich ihm genehm.“

Wie so oft im Markusevangelium verbietet Jesus den Zuschauern, von seiner Tat zu berichten. Erst von seinem Sterben und Auferstehen her soll Jesus als der Messias erkannt werden. Doch die Zeugen des Wunders bringt das erst recht dazu, das Geschehene weiterzusagen.

Zutiefst erstaunt rufen sie aus: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden!“ – Und das erstaunt wiederum die kundigen Leserinnen und Leser des Markusevangeliums, denn das Ganze trägt sich ja unter Menschen zu, die Tora und Propheten nicht kennen.

Beides scheint sich den Zuschauern in diesem Wunder Jesu zu erschließen: Das „Sehr gut“, das Gott über seine Schöpfung sprach und die Worte des Propheten Jesaja: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken.“ (Jes 35,5f)

„Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage, nichts gilt mehr als sein Ruf!“ dichtet Jochen Klepper.

Natürlich können sie davon nicht schweigen, was hier geschehen ist. Es hat sie alle angerührt in diesem einen. Auch sie hören das „Hephata“ und das Wort wirkt, wie in unserem Wochenpsalm: „Er sendet sein Wort, da schmilzt der Schnee, er lässt seinen Wind wehen, da taut es.“ (Ps 147,18) Die Herzen der Umstehenden werden geöffnet, so dass ihr Mund übergeht vom Lob Gottes.

Hören zu können, in sich hereinströmen zu lassen, was außen ist, ist eine wunderschöne Gabe. Musik oder liebevolle Worte unserer Mitmenschen können wie ein Echo des Schöpferwortes klingen und uns ausrufen lassen: Er hat alles wohl gemacht!

Was wird der einst Taube mit dieser Gabe anfangen? Vielleicht wird er sich verlieben, Kinder haben. Manchmal aber wird ihm vielleicht auch alles zu viel und die Welt um ihn herum zu laut. Wenn zu viele auf einmal seine Aufmerksamkeit brauchen, wird er vielleicht manchmal seine Ohren auf Durchzug stellen und ganz bei sich und seinen inneren Gedanken sein, in sich hineinhorchen. Hochschrecken, wenn sein Kind ruft: „Papa, Papa, Du hörst ja gar nicht zu!“

Das ist auch richtig und gut, dass er sich diese Zeit nimmt. Später kann er seinem Kind erzählen, woran er gerade gedacht hat: Vielleicht daran, wie Jesus ihm damals ganz nahegekommen ist – zu nahe, dachte er erst. Wie er sich hat aufwecken lassen zu dem Leben, das er jetzt führt.

Wir sorgen uns oft, anderen zu nahe zu kommen. Nicht nur jetzt wegen der Pandemie, sondern auch sonst, wollen auf keinen Fall aufdringlich wirken. Manches versäumen wir so mit und an anderen.

Wer hört, lässt sich nahe gehen, was um ihn herum geschieht und reagiert in Worten und Taten so gut er oder sie kann. Hört aus den Zwischentönen heraus, was die anderen sich von ihm wünschen, hört in sich hinein, was er oder sie selbst sich wünscht.

Hört vor allem aber auch „das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört“- und antwortet mit seinem Leben.            Amen

 

Er weckt mich alle Morgen;
er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
daß ich mit seinem Worte
begrüß’ das neue Licht.
Schon an der Dämmerung Pforte
ist er mir nah und spricht.

Er spricht wie an dem Tage,
da er die Welt erschuf.
Da schweigen Angst und Klage;
nichts gilt mehr als sein Ruf!
Das Wort der ewigen Treue,
die Gott uns Menschen schwört,
erfahre ich aufs neue
so wie ein Jünger hört.

Er will, daß ich mich füge.
Ich gehe nicht zurück.
Hab’ nur in ihm Genüge,
in seinem Wort mein Glück.
Ich werde nicht zuschanden,
wenn ich nur ihn vernehm’:
Gott löst mich aus den Banden!
Gott macht mich ihm genehm!

Er ist mir täglich nahe
und spricht mich selbst gerecht.
Was ich von ihm empfahe,
gibt sonst kein Herr dem Knecht.
Wie wohl hat’s hier der Sklave –
der Herr hält sich bereit,
daß er ihn aus dem Schlafe
zu seinem Dienst geleit’!  (J. Klepper 1938)

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zur Sommerkirche zum 11. Sonntag nach Trinitatis am 15.08.21

von Pastorin Parra

 

Man wird ja wohl noch danke sagen dürfen!

Liebe Gemeinde,

es wird wieder getauft. Die Eltern bringen ihre Kinder nach dieser langen Zeit der Einschränkungen und der Sorge, in der man jede Nähe und Berührung vermieden hat wieder zu uns – Wie schön!

 

Nur eins hat mich daran zuerst gestört: Fast jeden Sonntag singen wir „Danke für diesen guten Morgen“, weil die Tauffamilien sich dies Lied wünschen. Ich denke an die sogenannte „Kerngemeinde“, die jeden Sonntag da ist und wie die das wohl findet, denke an das Evangelium vom heutigen Sonntag (Lk 18,9-14):

 

 

 Wieskirche, Beichtstuhlbild (um 1754)

 Zwei Menschen beten auf ganz verschiedene Weise im Tempel. Das Gebet des scheinheiligen Pharisäers höre ich als Strophe dieses Liedes: „Danke, dass ich nicht so bin wie der da! Danke, ich gebe stets was ab, danke, dass für mich nichts zu schwer war und ich alles hab.“

Dann greife ich zum Hörer. - Es wird doch dies eine Mal auch ohne das Lied gehen? Ich versuche zu erklären: An diesem Sonntag gehe es um Demut, darum, zu erkennen, wie angewiesen wir in allem auf die Gnade Gottes sind. - Ungern, sagt man mir. Die Oma hat sich das Lied gewünscht. Das sei schon wichtig. Und mir wird klar, dass die Familie Recht hat: Man wird doch wohl noch danke sagen dürfen: Danke für das Kind, das heute getauft wird und das schon so viel Freude und Licht ins Leben seiner Familie gebracht hat. Danke dass Gott heute in der Taufe seinen Geist gibt und in der Ferne und Nähe die Menschen liebt. Danke auch für seine Barmherzigkeit und seine Bereitschaft, uns einen Neuanfang zu schenken. Schluss mit dieser „protestantischen Zerknirschtheit“.

Im Predigttext aus dem Epheserbrief lese ich (Eph 2,4-10): „Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“

Und ich verstehe: Ja, wir sind am Ende, wenn wir uns nur auf uns verlassen – alle: gefangen in uns selbst, wie tot. Aber Gott macht  uns lebendig – aus Gnade. Dafür ist die Taufe ein Zeichen: Untertauchen im Wasser, alles Alte abwaschen und mit Gott in Jesus Christus neu beginnen.

„Danke, dass ich Dein Wort verstehe“, das geht mir als Theologin, die schon so viel daran herumgedacht und immer wieder neue Facetten entdeckt hat immer noch nicht so leicht von den Lippen. Da ist doch immer noch so vieles, das wir nicht verstehen können. Aber dies eine, das ist doch eigentlich ganz einfach: Gottes Liebe macht uns lebendig und frei. Das müssen wir nicht selbst machen und darum können wir uns auch damit nicht brüsten, sondern das bekommen wir geschenkt – einfach so! Der Zöllner hat zutiefst und zu Recht zerknirscht im Tempel ausgerufen: „Gott sei mir Sünder gnädig!“ Dann aber ist er gerechtfertigt nach Hause gegangen in ein neues Leben „in Jesus Christus neu geschaffen zu guten Werken“ wie es im Epheserbrief heißt – frei und dankbar für dies Geschenk: Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag!

Ihre Pastorin Ute Parra

 

Psalmcollage aus Wochenpsalm und Wochenlied

 

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht
Bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich!

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen
und gnädig in allen seinen Werken.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn mit Ernst anrufen.


Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt
Bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich!

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.


Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit
Bringe ich vor dich.
Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich!


Der Herr hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.


Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit
Bringe ich vor dich.
Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich!

 

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Der Herr ist allen gütig
und erbarmt sich aller seiner Werke.
Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke
und deine Heiligen dich loben.
Sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht;
deinen Wundern will ich nachsinnen.
Sie sollen reden von deinen mächtigen Taten,
und ich will erzählen von deiner Herrlichkeit!

 

Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag! Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.

 

 

Ps 145 / „Meine engen Grenzen (E. Eckert)/ „Danke für diesen guten Morgen“ (Mickie Krause)

 

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zur Sommerkirche zum 9. Sonntag nach Trinitatis am 01.08.21

von Lasse Helgenberger

 

Liebe Gemeinde,

fünftausend Menschen und keine Nahrung in Reichweite. Das ist eine unangenehme Lage.

Wie kann man mit so einer Situation umgehen? Was kann man tun um allen zu helfen, um alle zu verpflegen? Die Jünger wussten sich nicht anders zu helfen als loszugehen und Lebensmittel für alle zu kaufen. Im ersten Moment ist das vielleicht auch die naheliegendste Idee.

Trotzdem sagt Jesus: Nein, wir müssen keine neuen Lebensmittel herbeiholen. Er hat zwar nur fünf Brote und zwei Fische zur Verfügung, aber er meint das reicht.Und doch schafft Jesus es, dass am Ende nicht nur alle satt sind, es ist sogar mehr Brot da als vorher. Zwölf Körbe sind übrig.

Wie kann das funktionieren? Manche würden jetzt sagen: Das war ein Wunder. Und damit wäre die Erklärung abgeschlossen. Aber ich frage mich: Was genau war das Wunder in dieser Geschichte? War das Wunder wirklich, dass zu wenig Brot dort war und Jesus hat neues Brot aus dem Nichts erschaffen?

Das würden wir heute ganz bestimmt als Wunder bezeichnen. Aber so verstehe ich die Erzählung nicht.

Wenn ich die Geschichte von der Speisung der fünftausend höre, dann stelle ich mir vor, wie Jesus die fünf Brote bricht und an die ersten Menschen verteilt. Einige von ihnen haben vielleicht eigenen Proviant mit, den sie nun nicht mehr benötigen. Also geben sie ihn weiter, an die nächsten Menschen. Und so geht es weiter. Jeder nimmt so viel, wie er braucht und gibt den Rest weiter an seine Sitznachbarn.

Die fünf Brote, die Jesus verteilen konnte, waren vielleicht schon lange vergeben und aufgegessen, als ein Stück weiter andere Lebensmittel weitergegeben wurden. Wie eine Welle, die bei Jesus ausgelöst wurde, breitet sich Hilfsbereitschaft durch die Menschenmenge aus, bis alle versorgt sind und keiner mehr Hunger hat.

Solche Hilfsbereitschaft kennen wir auch heute noch. Denken Sie zurück an den Anfang der Corona-Pandemie. Menschen haben für ihre älteren Nachbarn eingekauft, damit die keinem Risiko ausgesetzt sind. Später haben sie Unterstützung bei der Onlinebuchung von Impfterminen angeboten. Viele Menschen haben Gutscheine von Geschäften gekauft, die nicht öffnen durften, um den Unternehmen durch die Krise zu helfen. Es gab Spendenaufrufe um der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche zu helfen.

Ganz aktuell können wir nach Nordrhein-Westphalen gucken, auf die Hilfsbereitschaft nach den schrecklichen Überflutungen.

Kurz nachdem der Regen begonnen hat, waren die Feuerwehren in der Gegend im Einsatz. Wenig später das THW und die Strömungsretter der DLRG. Die Bundespolizei rettete eingeschlossene Leute von den Dächern ihrer Häuser mit Hubschraubern. Die Bundeswehr baut Behelfsbrücken, damit die Rettungskräfte wieder alle Ortsteile erreichen können. Das Rote Kreuz verteilt Trinkwasser. Die Rathäuser zahlen eine erste Soforthilfe und organisieren Notunterkünfte.

Die Behörden und tausende Ehrenamtliche in den Hilfsorganisationen tun alles, um den Menschen vor Ort zu helfen. Auch Menschen die nicht zu Hilfsorganisationen gehören, reisen ins Katastrophengebiet und helfen mit Schaufeln die Keller und Straßen vom Schlamm zu befreien. Man muss aber nicht vor Ort sein um zu helfen. Allein bei den Spendenaktionen von ARD und Sat1 wurden zusammen mehr als 100 Millionen Euro gesammelt. Hinzu kommen viele andere Spendenaktionen von Hilfsorganisationen, Gewerkschaften und Vereinen und natürlich die Hilfen der Bundes- und Landesregierungen.

Die Organisatoren am Nürnburgring haben direkt nach der Katastrophe begonnen, Sachspenden zu sammeln. Schon nach wenigen Tagen mussten sie einen Annahmestopp verhängen. In kürzester Zeit waren so viele nützliche Dinge zusammengekommen, dass die Helfer vor Ort nicht mehr mit dem Sortieren und Verteilen hinterherkommen.

Vieleicht ist es auch hier so, dass am Ende, wenn jeder bekommen hat, was er benötigt, noch etwas übrig bleibt.

Wie damals bei Jesus.

Ich glaube, das ist das eigentliche Wunder: Jesus hat uns gezeigt, dass wir nicht alleine sind. Damals, wie heute, können wir uns in der Not darauf verlassen, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und uns helfen.

Ob wir nun in der Rolle des Helfenden sind, oder ob uns geholfen werden muss, eins ist immer gleich: Wir sind nicht allein und seine Hilfsbereitschaft breitet sich noch immer wie eine Welle durch die Gesellschaft aus.

 

Amen

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zur Sommerkirche zum 8. Sonntag nach Trinitatis am 25.07.21

zum Thema "Mein Lieblingstext aus der Bibel"
von Marlis Hürtgen-Boenkost

 

Liebe Gemeinde,

da geht ein Sämann über sein Feld und streut seine Saat aus. Der Sämann heute lässt maschinell die Saat verteilen. Die Gedanken der beiden mögen aber ähnlich sein: Wie wird die Ernte werden? Wie wird die Ernte heute sein? Hat die Saat im Frühjahr einen guten fruchtbaren Boden bekommen? Kann sie keimen, ins Licht wachsen und reifen? Und wird sie schließlich gute Frucht bringen? Fragen über Fragen und jeder Landwirt, der auch Sämann ist, hofft auf guten Ertrag. Hat er doch voll ausgeteilt und sich nicht beirren lassen von möglichem Verlust und von Schäden.

Der Sämann Jesus sät Worte. Er teilt sie aus in Fülle – tröstende, heilende, belehrende. Über allem aber Worte voll Liebe. Fallen sie aber auch auf fruchtbaren Boden? Dichtgedrängt sammeln sich die Zuhörenden um ihn, nichts soll ihnen entgehen. Doch – zuhören und bewahren wollen sind zweierlei. Auf einem bloßen Weg hält sich sein Wort nicht lange. Wie auch, wenn es dort ungeschützt liegt und keinen Raum zum Bleiben bekommt. Die Wort-Saat wird weggeweht und vergessen.

Es war gut und wohltuend dir zuzuhören, aber sollte alles von dir Gesagte wirklich so wichtig sein für unser Leben?

Der Sämann Jesus sät Worte. Und sein Wort muss guten Boden finden, damit es Wurzeln treiben und weiterleben kann. Wenn Saatkörner auf kalten, glatten Felsen fallen, leben sie nicht lange. Sonne und Regen lassen sie zwar keimen, aber sie finden keinen Halt. So wird das gesäte Wort mit Freude aufgenommen, aber die ist nur von kurzer Dauer. Denn das Gehörte findet keine Bleibe, keinen Grund. Es darf sich nicht festigen.

Ja, wir haben dir die ganze Zeit mit Freude zugehört. Aber – wenn wir so richtig bedenken, jetzt wartet Anderes, viel Wichtigeres auf uns.

Der Sämann Jesus sät Worte. Aber was ist, wenn sein Wort guten Boden findet und trotzdem nicht erhalten bleibt? Eine Saat, die in dichtes Dornengestrüpp fällt, hat wenig Chance, genügend Licht, Luft und Wasser zu bekommen. Was nützt es, wenn die Körner anfangen zu reifen und dann buchstäblich im Keim erstickt werden. Wie schade, wenn das Wort Raum gefunden hat und doch nicht lange leben darf. Weil es erdrückt und erstickt wird von so vielen Einflüssen des Lebens drumherum. Von Sorgen und Ängsten, aber auch von Macht und Habgier.

Wir hören dir jetzt zu, ganz nah bei dir. Aber wenn wir nah Hause kommen, was bedrängt und beschwert uns da wieder. Und jeden Tag neu. Und das andere ist, dass wir uns endlich mal behaupten wollen, egal mit welchen Mitteln.

Der Sämann Jesus sät Worte. Und schließlich fallen sie auf gutes Land. Denn Menschen, die sie aufnehmen und bewahren und sich nicht beirren lassen in ihrem Vertrauen, sind so ein Land. Sie lassen das Wort in sich wachsen und reifen. Und sie hoffen auf gute Früchte, die sie weitergeben.

Wir haben dir zugehört in allem, was du uns gesagt hast. Deine Worte haben uns Achtsamkeit und Geduld füreinander gelehrt, sie haben geheilt und getröstet. Und sie geben uns Hoffnung. Wir wissen aber auch um unsere Grenzen und dass uns Manches misslingt. Wir wollen deinen Worten aber ein gutes Land sein und uns freuen und bestärken an dem, was Früchte gebracht hat.

Amen.

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Gruß zur Sommerkirche zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 18.07.21
von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,

Am heutigen Sonntag steht eine wundersame Bibelgeschichte im Mittelpunkt der Lesungen. Die Speisung der 5000.

Wunder gibt es immer wieder, besingt ein alter Schlager. Auch diese Geschichte im Johannesevangelium gehört zu den vielen Wundergeschichten, die uns von Jesus überliefert sind.

5000 Menschen werden mit zwei Fischen und fünf Gerstenbroten  satt. Es bleiben sogar noch Körbe mit Brotkrumen übrig.

Kaum zu glauben.

Ja, wenn wir uns nur ganz auf dieses unglaubliche Geschehen fixieren und versuchen das Wunderbare zu verstehen, bleibt der wahre Sinn der Geschichte uns verschlossen.

Denn anders als in den anderen drei Evangelien, die auch diese Geschichte überliefern, spricht der Evangelist Johannes nicht von einem Wunder, sondern von einem Zeichen.

Damit setzt Johannes   einen ganz anderen Akzent. Jesus setzt ein Zeichen. Eine Zeichenhandlung, die eigentlich auf etwas ganz anderen hinweisen will. Auf eine Wirklichkeit, die über unseren Verstand hinausweist.

So wie mit der Taufe, die heute in der Stadtkirche gefeiert wird.  Tomke Brückner, eine Jugendliche, die im August mit anderen konfirmiert wird. . Ein Zeichen für die wunderbare Natur und Schöpfung.

Natürlich wird schnell bald bei Kindern  überlegt: was hat er von dir? Was hat er , was hat sie von mir? Ruhig oder eher hippelig?

Kinder sind einzigartig. Unverwechselbar.

Mit dem Geschenk des Lebens setzt Gott ein Zeichen.

Ein Zeichen dafür, dass uns das Leben anvertraut ist. Kostbar und einmalig. Aber dass es auch begleitet werden will.

 

Kinder  wachsen auf in einer Familie. Sie wachsen auf in einer Gemeinschaft, in der einer für den anderen Verantwortung trägt.

Das wird auch in Jesu Zeichenhandlung als erstes deutlich. Viele Menschen sind gekommen. Sie haben Hunger. Ein Urbedürfnis des Lebens. Aus Sicht der Jünger ist nicht genug zu essen da. Kurze Zeit bricht Panik aus. Was tun? Jesus bleibt gelassen. Sie entdecken einen Jungen Der hatte zwei Fische und fünf Gerstenbrote. Das soll reichen? Ja, sagt Jesus, das reicht. Und er nimmt die Fische und das Brot, sprach das Dankgebet, segnete die Speise und verteilte sie.

Darauf kommt es an: Auf das Teilen. Natürlich war das kein großes Büffet. Keine reich gedeckte Tafel. Bescheiden ging es zu. Aber es reichte. Sie wurden, so heißt es, alle satt. Ich verstehe dieses „satt“ werden als zufrieden sein. Der erste Hunger ist gestillt. Es geht mir gut.

Dieses Zeichen spiegelt schon etwas wieder, was wir unseren Kindern eigentlich kaum noch vermitteln können. Bescheidenheit. Die Zeiten sind so. Es ist auch unglaublich schwer, da etwas dagegen zu setzen. Wir wissen genau: eigentlich haben sie alles reichlich. Eher zu viel. Genau so wie wir oft auch feiern.

Aber dieses Zeichen Jesu ist nun nicht überliefert, dass wir uns nun ständig mit einem schlechten Gewissen herumplagen, sondern vielleicht eines davon lernen: Teilen.

Teilen , ob Spielzeug, das was wir an Lebensmöglichkeiten haben. Genau genommen zählen meine Zeit, die ich habe und die Liebe, die ich geben kann, genauso dazu Es mit anderen zu teilen.

Wenn ich glaube, das ist viel zu wenig, das reicht nicht aus, dann macht es vielleicht doch andere glücklich. Sättigt den Hunger nach Leben.

So ist es oft auch mit der Begleitung der Kinder. Diese bange Frage im Nachhinein: Habe ich genug getan? Ich denke Ja, alle Eltern, die sich so mit Erziehung und einer liebevollen Begleitung Zeit für Ihre Kinde genommen haben, haben das getan, was in ihren Möglichkeiten steht und stand.

Sie wurden alle satt – heißt es in der Zeichenhandlung von der Speisung der 5000.

Indem Johannes vom Zeichen und nicht vom Wunder spricht, wird schon deutlich: es geht um mehr als nur das leibliche satt werden.

Das Brot, das Jesus hier verteilt, ist letztlich das Leben, die Hoffnung, die er selber schenkt. Ich bin das Brot des Lebens, sagt Jesus praktisch als Deutung dieses Zeichens.

Ich gebe euch ein Stück von mir.

 

Was das für uns im Leben der Gemeinde bedeuten kann, erleben wir heute in der Taufe. : Die Taufe  ist auch so ein Zeichen der Liebe Jesu und der Liebe Gottes. Ich bin bei euch.

Durch die Taufe sind wir  hinein genommen in die Schutzgemeinschaft Gottes.

Taufsprüche, Bibelworte sind im Sinne der Zeichenhandlung Jesu und seiner deutenden Worte genau das, was Jesus meint: Brot des Lebens. Nahrung für die Seele.

Und unsere Kinder können von dieser Nahrung nie genug bekommen.

Taufe bedeutet,  ich bin geliebt. Ich bin getauft, von Gott angenommen. Ich habe dadurch ganz viel Stärke und Mut für das Leben.

Ich komme noch einmal zurück zu unserer Zeichenhandlung, der Speisung der 5000.

Die Vorgeschichte der Zeichenhandlung hat eines deutlich gemacht: Die Jünger waren ratlos, ja fast in Panik. Wie kriegen wir diese Menschenmenge satt?

Jesus vermittelt Ihnen: Es gibt eine Lösung.

Es gibt immer eine Hoffnung. Manchmal geht es uns in alltäglichen Dingen wie den Jüngern: Was sollen wir bloß machen? Dann braucht es diesen Anstoß von außen. Es geht. Vertraut. Glaubt. Handelt. Teilt mit anderen. Eure Liebe. Eure Fürsorge. Das, was ihr habt.

Das ist eigentlich der größte Schatz, den wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können. Diese positive Lebenseinstellung.

Durch den, der von sich sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Amen
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Gruß zur Sommerkirche zum 6. Sonntag nach Trinitatis am 11.07.21
von Pastor Kroglowski

 

 

„Nun steht in Laub und Blüte“

 

Liebe Gemeinde,

 

In der diesjährigen Sommerkirche stehen Lieblingstexte im Mittelpunkt. Wir haben uns für ein Lied von Detlef Block entschieden „Nun steht in Laub und Blüte“ EG 639. Der Sommer spannt die Segel und schmückt sich dem zum Lob, der Lilienfeld und Vögel zu Gleichnissen erhob, so dichtet der Lieddichter und Pastor Detlev Block. Darüber hinaus ist er Astronom. Er weiß die Sommermonate sind wie eine Waage. An den Juniabenden erreicht das Sternbild der Waage seinen höchsten Stand. Danach sinkt es im Westen wieder ab. Die ganze Schöpfung erinnert daran, dass wir den Moment, die Gegenwart nicht verspielen dürfen. Wir sollen leben und tun, was uns unmittelbar vor den Füßen liegt. Kein Lebensmoment kehrt zurück. Vertrauen und Sorgen sollten sich im Leben die Waage halten.

 

So sagt es auch Jesus im Matthäusevangelium, das wir gehört haben, in dem Jesus uns fragt:

Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen.

Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine Plage hat.

                                                            

Wissen wir eigentlich, wie viel wir besitzen? Auf die Flucht können wir damit wohl nicht gehen. Was wir so alles in Schränken, Regalen und Kisten aufbewahren? Und im Keller und auf dem Dachboden? Was sich da so alles ansammelt! Wichtige Dinge – und unwichtige.

Kleidung und Küchenkram. Bücher, gelesene und ungelesene. Plakate, die einmal toll waren; alte Briefe. Dinge, von denen man sich nicht trennen kann.

Ich habe immer gedacht. Ich hänge nicht an Äußerlichkeiten. Aber wenn es ans wegwerfen geht – vor allem das Wegwerfen von Kleidung und alten Büchern und Zeitschriften – dann tue ich mich schwer. Dann finde ich auch den ältesten Pulli wunderschön und das Buch könnte ich ja vielleicht noch mal lesen, wenn ich zeit habe. Dann ist plötzlich die Sorge da, ich könnte ja etwas Wesentliches verlieren. Jesus sagt: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.

 

Dieser Satz hilft mir – immer mal wieder zu unterscheiden, was wichtig und was nicht. Das muss ich wirklich noch lernen! Und sich von etwas trennen – etwas was ablegen können – kann eine ungeahnte Freiheit geben. Da entsteht ein freier Raum. Freiheit – und zwar in meinem Inneren. Die Erfahrung machen - es geht mit weniger, weil die wahre Fülle um mich herum zu finden ist. Nicht unser Sammeln und Sorgen hält uns am Leben, sondern unser Gott, der die Welt erschaffen hat und auch mich gemacht hat. Mein Leben hat nicht deshalb Bestand und Bedeutung, weil ich mir solche Mühe damit gebe, sondern weil mein Gott mir Zeit und Freiräume schenkt. Wie schön ist es, zu leben und Gottes Kind zu sein. Auf dieses Vertrauen kommt es an!

Eine vertrauensvolle Sommerzeit wünscht,

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski


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Gruß zum 5. Sonntag nach Trinitatis am 04.07.21
von A. Pfeifer und Dr. R. Pfau

 

Lesung  1.Kön 3, 5-14

Predigt  Mk10, 46-52: Heilung  des blinden Bartimäus

Von  Jesus  werden  viele  Heilungswunder  berichtet.  Jedes  hat  seine  Besonderheit,  auch  die Geschichte vom blinden Bartimäus.

Außerhalb Jeriochs, irgendwo am Wegesrand, sitzt dieser blinde Bettler. Er hat einen Namen, "Bartimäus", und eine Identität, "Sohn des Timäus".

Bartimäus  hatte  von  Jesus  gehört.  Ihm  wurde  berichtet,  dass  "Blinde  sehen,  Lahme  gehen, Aussätzige rein werden, Taube hören ... und den Armen wird das Evangelium verkündet." (Lk 7,22) Bartimäus war Jesus nie begegnet und doch setzte sich diese frohe Botschaft in seinem Herzen fest. Der Glaube wuchs, dass dieser Jesus sein Leben grundsätzlich verändern könnte.

Glaube - genährt nur vom Hören-Sagen.

Und dann hört Bartimäus Lärm und eine fröhlich laute Menge. Er erfährt, dass es   Jesus und seine Jünger sind, die da kommen.

Bartimäus beginnt zu rufen "Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner."

Die Leute um ihn wollen ihn ruhig stellen, beschimpfen ihn. Aber Bartimäus lässt sich nicht beirren. Das Rufen wird zum Schrei. Bartimäus schreit aus Leibeskräften.

Er glaubt, dass Jesus, der verheißene Sohn Davids ist.

Er glaubt, dass dieser Jesus sein Leben verändern kann. Dieser Glaube ist zur Gewissheit geworden und gibt Bartimäus die Kraft, nach Jesus zu rufen. Gegen alle Einwände und Zurückweisungen. Er schreit nach Jesus und bittet um Erbarmen. Der Glaube an die lebensverändernde Botschaft gibt ihm die Kraft dazu.

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Direkt im Anschluss an unsere Geschichte wird das Palmsonntagsgeschehen erzählt. Jesus ist also auf der Zielgeraden seines Wirkens. Er geht dem Höhepunkt seines Auftrags entgegen.

Die Jünger hatten versucht, Jesus vom Gang nach Jerusalem abzuhalten. Aber Jesus weiß um seinen

Auftrag und hält unbeirrt am Weg nach Jerusalem fest.

Die Jünger und viel Volk begleiten ihn: Geschwätziges Treiben, Lachen und Rufen, eine bunte Gesellschaft. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Ruf des Bettlers zu überhören. Viele rufen nach Jesus in dieser Menge.

Aber in allem Lärm hört Jesus den Notschrei des Hilflosen. Jesus bleibt stehen. Er lässt sich aufhalten, obwohl er seinem wichtigsten Auftrag entgegen geht. Jesus vernimmt den Ruf nach Erbarmen und kümmert sich.  Persönlich! Er selbst will wissen, was los ist.

Auf der Zielgeraden seines Auftrags ist Zeit und Raum für Menschen in Not.

Bartimäus merkt, dass der Lärm sich verändert hat. Er hört, dass Jesus ihn ruft.

Ohne Zögern wirft er seinen Mantel ab und springt auf. Der Mantel, sein wertvollster Besitz, seine

Schutzhülle gegen Unwetter und menschliche Kälte - er braucht ihn nicht mehr.

Schutzlos und mittellos wird er zu Jesus gebracht. Bartimäus sieht nichts und sagt nichts. In der Gegenwart Jesu ist dies nicht erforderlich.

Alle starren gebannt auf die Szene und warten was passiert. Und dann geschieht das Ungeheuerliche: Jesus, der Sohn Gottes, fragt einen blinden Bettler, was er sich wünscht. "Was willst du, dass ich für dich tun soll?"

Vielleicht zum ersten Mal im Leben, wird Bartimäus gefragt, was er möchte. Jesus stellt keine Bedingungen.  Keine  Ermahnung,  sich  über  die  Folgen  des  Wünschens  Gedanken  zu  machen. Einfach nur "Was willst du, dass ich für dich tun soll?"

Bartimäus darf sich wünschen, was er will.

So viel könnte er sich wünschen. Wir denken natürlich zuerst an das Augenlicht.  Aber Bartimäus könnte sich auch etwas anderes wünschen. Z.B. Reichtum, um nie wieder betteln zu müssen. Eine eigene Familie, um geborgen und geliebt zu sein. Macht und Ansehen könnte er sich wünschen, um all die Verachtung und Demütigung heimzuzahlen. Oder wie König Salomo in der Lesung könnte er sich ein  "gehorsames Herz" wünschen und vielleicht von Gott zusätzlich reich beschenkt werden

(1.Kön 3,9).

"Was willst du, dass ich für dich tun soll?"

Diese Frage ist das ganz Besondere dieser Heilungsgeschichte. Sie kommt sonst nirgends vor. "Was willst du, dass ich für dich tun soll?"

Die Frage öffnet die Freiheit des Evangeliums. Weite im Reich Gottes. Vielfalt der Lebensperspektiven. Jesus spricht auch von den "vielen Wohnungen im Haus des Vaters" (Joh14,2).

"Was willst du, dass ich für dich tun soll?"

Bei dieser Frage, geht es nicht um ein oberflächliches Wünschen. Es geht um die grundsätzlichen

Fragen der Lebensperspektive. Es geht um den Lebensweg, den man einschlagen möchte. Jesus fragt also nach den tiefsten Herzenswünschen.

Der Theologe Johannes Bours schreibt "Man wird des Wegs geführt, den man wählt".

Dabei geschieht das Wählen nicht aus einer Laune heraus, sondern im Dialog mit Jesus. Wie bei Bartimäus nimmt das Wünschen im Hören auf Jesu Wort, in der Stille und im Reden mit Jesus Gestalt an. Die tiefsten Herzenswünsche basieren ja auf den Gaben und Talenten eines Menschen. Im Dialog mit Gott regen sich diese Gaben und Drängen ans Licht, drängen nach Entfaltung. Diese Sehnsucht nimmt Jesus ernst und ermutigt zur Wahl des eigenen Lebenswegs. Einem Weg, der die geschenkten Talente und Gaben ernst nimmt. Gott stellt sich zu dieser Wahl und ermöglicht durch seine liebevolle Führung, dass diese Wahl zu einem gelingenden Leben wird.

Bartimäus hat das Sehen gewählt und damit die Eigenverantwortung für sein weiteres Leben, die

Arbeit und Mühe, die Rückschläge und alles was damit verbunden ist.

Wer seinen eigenen Lebensweg wählt, wählt die schönen Seiten der Erfüllung, des Erfolgs und der Freude. Es gehören aber auch die Steine dazu, die im Weg liegen und den Gang schwer machen. Gerade in den schweren Zeiten muss sich die Wahl bewähren. Deshalb ist es so wichtig, dass das Wählen im Glauben und Vertrauen auf Gott geschieht. Im Dialog mit Gott sind wir zur freien Wahl des Lebenswegs ermutigt. Gott ermöglicht die Verwirklichung dieser Wahl durch seine väterliche Führung. Es gilt die Zusage, die wir gesungen haben "führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nötge Pflege" (EG 391,4)

In  dieser Geschichte schenkt Jesus einem blinden Bettler die  ganze Bandbreite der  Lebensfülle, bedingungslos. "Was willst du, dass ich für dich tun soll?"

Die Frage gilt auch uns.  Was würden wir Jesus antworten?

Kehren wir nach diesen Gedanken zum Wünschen und Wählen wieder zu unserer Geschichte zurück. Das erste persönliche Wort, das Bartimäus an Jesus richtet ist "Rabbuni", d.h. lieber Meister. Eine Vertrauensanrede mit der Bartimäus seinen tiefsten Herzenswunsch äußert.

"Rabbuni, dass ich sehend werde".

Jesus und Bartimäus brauchen nicht viele Worte, um sich zu verständigen. Ihr Gespräch geht von

Herz zu Herz, direkt, ohne wenn und aber, ohne hätte und wäre. Bartimäus glaubt und vertraut Jesus von ganzem Herzen.

Jesus antwortet auf dieses Vertrauen "Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen."

Es war der Glaube vom Hören-Sagen, das Vertrauen, dass dieser Jesus ihm helfen kann. Dieser Glaube und dieses Vertrauen reichen offenbar bei Jesus aus.

"Und sogleich wurde er sehend."

Bartimäus  kann  nicht  anders,  er  folgt  Jesus  nach.  Als  Antwort  auf  dieses  lebensverändernde

Eingreifen Jesu. Jesu "geh hin" wurde für Bartimäus zum "ich folge dir".

Wie Bartimäus haben auch wir Jesus nie gesehen und kennen ihn nur vom Hören-Sagen - aus der

Bibel und von Menschen, die sein Eingreifen erlebt haben.

Wie Bartimäus sind wir gerufen, diesen Glauben wachsen zu lassen. Und auch uns gilt die Frage, "was willst du, dass ich für dich tun soll?"

In die Freiheit des Evangeliums sind auch wir hinein genommen. Diese Freiheit ist Auftrag und Verheißung zugleich.

Dazu helfe uns Jesus immer wieder neu. Amen .


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Gruß zum 4. Sonntag nach Trinitatis am 27.06.21
von Propst Faehling

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.


1.    Mos 50, 15-21
2.    15 Als Josefs Brüder begriffen, dass ihr Vater tot war, bekamen sie Angst. Sie dachten: »Hoffentlich ist Josef uns gegenüber nicht nachtragend. Sonst wird er uns all das Böse heimzahlen, das wir ihm angetan haben.« 16 Darum ließen sie ihm mitteilen: »Dein Vater hat uns vor seinem Tod aufgetragen, 17 dir zu sagen: ›Vergib deinen Brüdern das Unrecht und ihre Schuld! Ja, sie haben dir Böses angetan. Nun vergib ihnen dieses Unrecht. Sie dienen doch dem Gott deines Vaters!‹ «Als Josef das hörte, fing er an zu weinen. 18 Da gingen seine Brüder zu ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und sagten: »Wir sind deine Knechte.« 19  Aber Josef sagte zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Bin ich etwa Gott? 20 Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet. Er wollte tun, was heute Wirklichkeit wird: ein großes Volk am Leben erhalten. 21Deshalb fürchtet euch nicht! Ich werde für euch und für eure Kinder sorgen. «Er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Das ist das Ende der Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Es ist in Vielem eine ganz normale Familiengeschichte. Vater, Mutter, eine ganze Reihe von Kindern. Und aus der Menge der Kinder ragt einer heraus, nicht der Älteste, nicht der Jüngste, sondern der Träumer: Josef. Josef träumt Dinge, die seine Brüder ärgern. Er träumt z.B. in Symbolen, dass sie sich alle vor ihm verneigen. Er träumt es in mehreren Varianten. Am Ende schimpft sogar sein Vater, der seinen Träume Josef ansonsten über alles liebt.
Die Brüder schmieden daraufhin einen Plan. Sie tun so, als sei Josef auf dem Feld im Kampf mit einem wilden Tier ums Leben gekommen. Dem Vater zeigen sie blutige Kleidung. In Wirklichkeit haben sie ihren Bruder aber an eine Sklavenkarawane verkauft, die ihn von ihrer Heimat Palästina nach Ägypten bringt.
Dort kommt Josef schnell zu einer guten Stellung. Der Pharao merkt, was in dem jungen Mann steckt. Die Frau des Pharao merkt es auch, und will Josef verführen. Als er sich weigert, tut sie so, als habe er sie überfallen, und so kommt er ins Gefängnis.
Dort wird er wieder zum Träumer. Und weil seine Träume sich als wahr erweisen, holt ihn der Pharao in einer großen Not zurück in den Palast. Und dort wird Josef sozusagen sein wichtigster Mann.
Zu diesem Zeitpunkt, vielleicht ca. 20 Jahre nach dem, was seine Brüder getan haben, kommen sie durch eine große Hungersnot in ihrer Heimat Palästina selbst nach Ägypten. Hier empfängt Josef, den sie nicht wiedererkennen, sie und gibt ihnen Nahrung für die Heimat. Aber er versteckt auch einen silbernen Becher in einem der Getreidesäcke. Und als sie auf dem Heimweg sind, lässt er sie durch eine seiner Patrouillen anhalten. Sie finden den Becher und bezichtigen die Brüder des Diebstahls.
Das Ganze wird kompliziert, denn nun lässt Josef sie nur ziehen, wenn sie Benjamin, den jüngsten Bruder als Geisel dalassen. Sie sollen den Vater holen und mit ihm zurückkehren. Dieses Mal erweisen sich die Brüder als treu. Sie lassen Benjamin zurück, aber sie halten ihr Versprechen und bringen den Vater.
So ist die Familie auf großen Umwegen wieder vereint. Alle fallen sich in die Arme.
Aber dann noch eine letzte Wendung: Der Vater stirbt. Er hat seine Jungs zusammengehalten. Und nach seinem Tod fürchten die Brüder nun die späte Rache des Josef.

Und hier setzt unser Predigttext ein:

Frau Diehl liest ihn uns noch einmal
15 Als Josefs Brüder begriffen, dass ihr Vater tot war, bekamen sie Angst. Sie dachten: »Hoffentlich ist Josef uns gegenüber nicht nachtragend. Sonst wird er uns all das Böse heimzahlen, das wir ihm angetan haben.« 16 Darum ließen sie ihm mitteilen: »Dein Vater hat uns vor seinem Tod aufgetragen, 17 dir zu sagen: ›Vergib deinen Brüdern das Unrecht und ihre Schuld! Ja, sie haben dir Böses angetan. Nun vergib ihnen dieses Unrecht. Sie dienen doch dem Gott deines Vaters!‹ «Als Josef das hörte, fing er an zu weinen. 18 Da gingen seine Brüder zu ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und sagten: »Wir sind deine Knechte.« 19  Aber Josef sagte zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Bin ich etwa Gott? 20 Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet. Er wollte tun, was heute Wirklichkeit wird: ein großes Volk am Leben erhalten. 21 Deshalb fürchtet euch nicht! Ich werde für euch und für eure Kinder sorgen. «Er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Mich berührt die Angst derer, die es vorher so hart getrieben hatten mit ihrem Bruder. Mich berührt ihre Hilflosigkeit, mit der sie die Hilfe des von ihnen verratenen Bruders in Anspruch nahmen, als die Familie zu verhungern drohte.
Und mich berührt, wie Josef die kränkende Vergangenheit hinter sich lassen kann, um im jeweiligen Augenblick zu tun, was nötig und richtig ist.
Der Träumer wird zum Retter. Der Visionär macht Zukunft möglich. Rache ist nicht sein Ding. Er will Leben retten und den nächsten Schritt möglich machen.

Das Alte Testament macht Josef damit zu einer Art Botschafter Gottes. Josef ist mehr als eine spannende Figur der Geschichte. Er übersteigt seine Geschichte vielmehr, hebt sie aus den Angeln, hebt auch Recht und Rache und Strafe aus den Angeln, und macht es am Ende wirklich gut.

Josef handelt damit nach einer Grundeinstellung Gottes – das will diese Bibelgeschichte uns erzählen. Mich fasziniert dieser kleine Satz so:
20 Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet.
Da kommt der Träumer wieder durch. Der Realist hätte geurteilt und gesagt: Hier muss gerechte Strafe her. Und niemand hätte ihm widersprochen. Außer vielleicht der Vater, dem die Liebe zu seinen Kindern über alles geht. Aber der war ja tot.
Und so kommt Gott ins Spiel: Wie Vater und Mutter ändert er den normalen Lauf des Lebens. Mit Hilfe von Liebe, die in der Lage ist, Unrecht zu übersteigen, löst er den logischen Kreis aus Tat und Strafe auf. Rache verliert Bedeutung. Das, was einer tut, und das, was daraus folgt, wird getrennt. Da tritt einer dazwischen, der über einen tieferen Blick verfügt.
Die Missgunst der Brüder sieht er ebenso mit eigenen Augen, wie den Hunger der Familie.
Ihm liegt an einem Handeln, das am Ende dem Guten Vorrang gibt.

Und das ist übrigens nicht zu verwechseln mit einer weichgespülten Haltung, die nicht durchgreift. Das sind nicht laue fünf Grade nach dem Motto: Lass mal nicht so schlimm sein.
Sondern so schlimm es ist, ist die Liebe zum Leben am Ende größer.

Dietrich Bonhoeffer hat das mal in eigene Worte gefasst und gesagt:
Damit Gott so handeln kann,
braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Und weiter schreibt er: Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

So wird es für mich lebendig: Kein Übertünchen von Fehlern, von Hunger, von Verrat; kein billiges „ist schon nicht so schlimm“.
Sondern so schlimm es auch zugeht im Leben, gibt es eine Idee – man könnte mit der Geschichte auch sagen: einen Traum - von: Es kann wieder zurechtkommen – zu Recht kommen.
Zurecht – wir können es auch in zwei Worte teilen: Es kommt zu einem Recht.
Gott nimmt sich das Recht zum Leben.
Und Menschen profitieren davon.
Und Josefs Brüder zeigen uns, wie.
Für mich ist dies eine alte Geschichte von der Liebe Gottes zum Leben. So will sie ansteckend sein und ist es auch gewesen durch alle Jahrtausende seit ihrem Entstehen.

Amen.

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Gruß zum 3. Sonntag nach Trinitatis am 20.06.21
von Pastorin Parra

 

Über den Wert von Umarmungen (Lk 15,20)

Liebe Gemeinde,
„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!“ Wenn ich diesen Satz heute höre, dann denke ich nicht so sehr an Sünde und Buße als vielmehr an das, was Jugendliche wohl im Blick hatten, als sie  „lost“ zum Wort des Jahres 2020 gewählt haben: Es bedeutet so etwas wie „unsicher“, „ahnungslos“ oder „unentschlossen“. Wer „lost“ ist, hat den Anschluss verloren, ist desorientiert – mit einem Wort so, wie wir uns in der Pandemie alle irgendwie gefühlt haben und auch noch fühlen.
Unser Evangelium heute ist überschrieben mit „Der verlorene Sohn“ und tatsächlich kommt sich der Sohn in der Geschichte sicher „lost“ vor, als er in der Fremde sitzt – ohne sein Erbe, das er verprasst hat, ohne Freunde, ohne Essen, ohne ein Dach über dem Kopf. Spannend finde ich aber, dass auch die Daheimgebliebenen irgendwie „lost“ sind. Ihnen allen fehlt etwas Wichtiges in ihrem Leben. Der jüngere Sohn hat eine Lücke in ihnen hinterlassen.
So sitzt der Vater - wie orientalische Patriarchen es zu tun pflegen – äußerlich würdevoll vor seinem Anwesen. Doch innerlich vermisst er den, der mit seinem Erbe in die Fremde zog, wünscht sich dessen Rückkehr vielleicht so sehnlich, dass er sich erst gar nicht sicher ist: Bildet er sich die Gestalt, die sich von Ferne nähert, nur ein oder kommt da wirklich jemand? Dieser Mensch bewegt sich genau wie sein Sohn, wenn auch etwas gebeugter. Er kneift die Augen zusammen, erkennt seinen Sohn und sieht diesem an, wie „lost“ auch er ist. Es jammert ihn, alles in ihm zieht sich zusammen. Und dann hält ihn nichts mehr auf seinem Ehrenplatz. Der Vater springt auf und läuft seinem Sohn entgegen.
 
Höhepunkt dieser Geschichte ist die Umarmung: Der Vater fällt dem Sohn um den Hals. Er kommt aus dem Gleichgewicht – innerlich wie äußerlich. Nichts hält ihn mehr, denn dort gehört sein Sohn hin: In seine Arme. In dieser Umarmung wird alles wieder gut und richtig. Die beiden sind nicht mehr „lost“, sondern „found“. Der Vater küsst seinen wiedergefundenen Sohn und in der Freude dieser Umarmung findet er auch wieder zu sich selbst. Es lässt sich verwegen behaupten: Gott wendet sich uns Verlorenen zu, weil er selbst ohne uns nicht sein will – und kann? Er findet uns und wir ihn.  

Nicht von Ungefähr ist die Umarmung Sinnbild fürs Gefundenwerden und fürs Ankommen am Ziel.
Seit weit über einem Jahr fallen wir Menschen einander nicht mehr unbeschwert um den Hals oder in die Arme, ja reichen einander nicht einmal mehr die Hand. Erst war es schwer, sich daran zu gewöhnen und den Impuls zu unterdrücken. Wir fragten uns: Kann wirklich schlecht sein, was doch beide schmerzlich vermissen?
Es scheint paradox, dass gerade die Distanz zu den geliebten Menschen uns gerettet haben soll. Diese Schere im Kopf kann auch so etwas wie ein „lost-Gefühl“ erzeugen – Unsicherheit und Unentschlossenheit.
Was wird aus der Umarmung in Post-Pandemiezeiten? Ein Privileg für Menschen, die in einem Haushalt leben? - Nein! Schon jetzt wagen manche wieder mehr. Ein unsicherer Blick: „Dürfen wir?“ Eine Beteuerung: „Ich bin frisch getestet und auch schon einmal geimpft.“ Die ersten Umarmungen finden wieder statt.
Wie schön, wenn Eltern und erwachsene Kinder sich zum ersten Mal wieder kräftig drücken können, wenn Enkel noch wissen, dass man mit einem Vorlesebuch auf Omas Schoß kriechen kann und Freunde, dass ein Arm um die Schulter oft mehr tröstet als tausend Worte. Jetzt, wo wir noch kurz zögern und uns fragen „Darf ich?“ wird uns umso mehr bewusst, was wir zurückgewinnen und wie lebensnotwendig Berührungen sind.
Jedenfalls solche, nach denen wir uns sehnen, die nicht bloß aufgrund von Konventionen geschehen. Die kurze Sekunde des Zögerns bietet auch Raum, sich zu fragen: „Will ich?“
Der Vater fällt seinem Sohn um den Hals, weil es ihm gegen jede Konvention ein Bedürfnis ist. Aber er weiß auch: Eine Umarmung ist kein Allheilmittel. Sein älterer Sohn, der die ganze Zeit über zu Hause war, ist auf andere Weise „lost“, ist ahnungslos in Bezug auf die Kraft der Vergebung und die Freude des Wiederfindens. Hier braucht es erklärende Worte: „ Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“ Wie schön wäre es, wenn auch dies Gespräch mit einer Umarmung endete. Darüber erfahren wir jedoch nichts in der Geschichte.
Sich gemeinsam über Wiedergefundenes zu freuen, das gibt uns eine Ahnung davon, wie Leben sein soll und sein kann. Wenn wir nun wieder in Umarmungen finden, dann vorsichtig, vernünftig und reflektiert aber gleichzeitig auch bereit, auf unser Herz zu hören. Und mit Mut, aus dem Gleichgewicht zu geraten, um uns wirklich finden zu lassen und selbst zu finden. Feiern wir miteinander die wiedergewonnene Nähe – wo und wie immer es schon möglich ist!
Ihre Pastorin Ute Parra

 

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zum 2. Sonntag nach Trinitatis am 13.06.21
von Propst Faehling

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.


1. Kor 14, 1-12 (23-25)
1 Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet! 2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse. 3 Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. 4 Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. 5 Ich möchte, dass ihr alle in Zungen reden könnt; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch redet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, auf dass die Gemeinde erbaut werde.
6 Nun aber, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? 7 So verhält es sich auch mit leblosen Instrumenten, es sei eine Flöte oder eine Harfe: Wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? 8 Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zur Schlacht rüsten? 9 So auch ihr: Wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. 10 Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. 11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein.
12 So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut.


1. Auslegung

Strebt nach der Liebe (strebt nach der Gemeinde, nach der Predigt, nach dem Christentum in liebevoller Gestalt, mitmenschlich, aufbauend, verständlich – in der eigenen Sprache)
Der Auftrag von Pfingsten heißt: Was da wunderbar geschah – die Verständlichkeit – soll immer neu passieren: Herunterbrechen, elementarisieren, in den Schuhen der Menschen gehen.
Dass ihr prophetisch redet bedeutet, so zu reden, dass es die Verhältnisse zum Besseren ändert. Propheten sind Boten Gottes, die das Leben der Menschen auf den Weg des Lebens ausrichten wollen.
Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen … das meint selbstgenügsamen bis hin zu selbstherrlichem Glauben. Geheimnisse: Als wäre Verstehen Privateigentum, etwas für Eingeweihte. Hier liegt die Wiege der Besser-Christen. S. Vers 4
Wer aber prophetisch redet … im Sinne, wie Paulus meint, ist das ein hilfreiches, ein dienendes Sprechen – Erbauung – Trost. S. Vers 5
Wenn ich zu euch käme und redete in Zungen …  Paulus nimmt sich als Beispiel
Flöte …, Harfe …, Posaune .. Bilder aus der Lebenswelt der Korinther (Hafenstadt, kulturelles Zentrum – militärische Bilder gehören damals zum Alltag, sie stehen für Auseinandersetzung, die oft auch kriegerisch waren
Sprache und ihre Bedeutung: Wer die Bedeutung nicht kennt, ist wie ein Fremder. Paulus will die Zungenrede nicht verdammen. Sie hat schon Bedeutung. Sie kommt vor allem viel vor. Aber sie ist abgeschottet. Paulus will nicht abschotten; er will Menschen gewinnen. Dazu braucht er klare, direkte Ansprache.
So trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt (die Gaben des Geistes) und die Gemeinde erbaut
Paulus will Gemeinde bauen. Gemeinde ist ein Gebilde, das trägt; soziales Gefüge, dass einen eigenen Raum hat mit Halt und Haltung.


2. Auslegung

Paulus kommt nach Korinth in eine Gemeinde, die die Welt kennt im doppelten Sinn. Sie kennt die Welt, die Welt kennt sie. Hafenstadt, soziale Vielfalt, weltoffen, bedeutsam.
Christliche Eigenbrötelei kann hier nicht gewinnen. Man ist von Welt.
Und zugleich haben aber auch die Menschen von Welt ihre Themen in den Zwischenräumen des Lebens: Sinn, Liebe, Zukunft, Hoffnung, Selbstwert, soziales Gefüge, Verantwortung, Umgang mit Krisen, Trauer, Tod usw.
Da ist ein „Markt“ für die Botschaft des Paulus. Er bringt weisheitliche Elemente, aber auch soziale Verantwortung, weiche Themen in einer relativ harten Welt. Die Korinther wissen auch: Ihr wirtschaftliches Streben, ihre geografische Vorrangstellung befreit sie nicht von menschlichen Untiefen.
Paulus mit seinen paradoxen Angeboten von Stärke in der Schwachheit und Besiegen des Todes gerade durch das Erleiden des Todes hat da ein Angebot, dass sich gegenüber den bisherigen religiösen Größen als etwas Besonderes zeigt. Paulus ist schräg. Aber damit macht er neugierig.


3. Auslegung

Korinth im Jahre 50 nach Christus und unsere Welt 2021 im starken Nachklang von Corona liegen vielleicht gar nicht so ganz weit auseinander, jedenfalls, was die Gemütslagen der Menschen angeht. Die Korinther waren  machtbewusste Weltbürgerinnen. Wirtschaftlicher Erfolg und geostrategisch gute Lage kamen zusammen. Die griechische Kultur galt als Hochkultur. Man hatte Ideen vom Leben, von der Ordnung des Lebens, von der eigenen Sinnhaftigkeit und vor allem von der eigenen Macht.
Und trotzdem war man römisches Besatzungsland – die Hochzeit der griechischen Kultur lag in der Vergangenheit und ganz offensichtlich reichte die eigene Macht nicht dazu – oder noch nie - aus, das Leben ganz in der eigenen Hand zu halten. Man hatte also mit Scheitern zu tun – wie jede Kultur, wie jeder Mensch.
Und nun kam man in Berührung mit einem Glauben, der Scheitern als regelhafte Selbstverständlichkeit einpreiste. Jesus hatte nicht das Kreuz überlebt. Er hatte eine neue Existenz nach dem Tod begonnen. Und Gott hatte das möglich gemacht.
Man muss das übrigens nicht in den Bereich des Naturwunders legen und damit unnötigen Streit auslösen. Die Bibel ist relativ deutlich, wenn auch zwischen den Zeilen, dass die Existenz Jesu nicht ein wiederhergestelltes menschliches Leben war, wie man es kannte.
Vielmehr beschreibt die Bibel Jesu Auferstehung als ein Neuwerden, eine neue Existenz voller Unerklärlichkeiten. Und Sinn war auch nicht, den Herzstillstand am Kreuz und drei Tage Grab ungeschehen zu machen.
Sondern der Sinn des Lebens nach dem Kreuz liegt vor allem in der Botschaft, dass Gott eine Idee vom Leben auch dann noch hat, wenn wir nur an aus und vorbei denken können. Diese Botschaft bezieht sich auch heute noch auf den Tod als physisches Erleben. Auch heute noch hat unser Glaube eine Idee von dem, was danach neu beginnen kann.
Vor allem aber trägt diese Botschaft etwas aus für die sogenannten kleinen Tode des Lebens. Sei es Liebe, Hoffnung, Sinn oder andere Krisen, die sich für Menschen immer wieder anfühlen wie tot. In diesem innerlich wie abgestorben sein, erweist sich die Idee von einem Gott, der dann noch weiter weiß, als hilfreich. Und nicht zuerst der nächste Schritt, den man am liebsten sofort sähe, ist dann entscheidend, sondern eine Art zu trauen, dass es ihn überhaupt gibt.
Ich finde, die Zeit heute, in der dieses winzig kleine Virus unsere ganze Welt mehr oder weniger auf den Kopf gestellt hat ist ein interessanter Erfahrungsraum für diese Gedanken.
Und viele sprechen davon: Dass sie lernen wollen aus der Corona-Krise. Vielleicht ja z.B. dieses: Auch wenn die Welt in verschiedenen Abschnitten in einen Lockdown fährt, auch wenn Menschen, Kinder und Alte, Gewerbetreibende und Künstlerinnen, Verwirrte und hilflos Wütende sich ausgeliefert fühlen einer Pandemie, die sie nicht durchschauen und davor weglaufen können; dass Neustart eine immerwährend anwesende Option bleibt. Einfacher gesagt. Das wird, auch wenn die Krise mächtig ist. Zukunft ist aus der Perspektive Gottes unabdingbarer Bestandteil des Lebens. Das darf man glauben. Es ist eine Chance, keine Pflicht.
Das können übrigens auch Menschen für wahr halten, die nicht an Gott glauben. Aber in jedem Fall ist es für Paulus verbunden mit einem Bild von Gott, das fest von Gottes Liebe und Zuneigung zum Leben ausgeht. Und wie gesagt: Kein Gott der Naturwunder tut, der verlangt, dass Glaube die Vernunft ausschalten muss. Sondern ein Gott, der wie eine unüberschaubare Kraft alles Leben durchzieht – auch weit über unsere Welt hinaus; als gäbe es einige unüberwindliche Kraft, die immer von neuem Leben möglich macht – übrigens Leben sehr grundsätzlich, unter Umständen weit auch außerhalb unserer Vorstellungen.


Schluss

Ich komme zum Schluss und sage: Paulus spricht einen Bereich der Seele an, der Menschen seit allen Zeiten nachfragen lässt: Dass sie ein Verlangen haben, getröstet und mit Ausblick auf das eigene Leben zu schauen, und auf das Leben ihrer Lieben und auf das Leben der Welt zu; und zwar ganz besonders dann, wenn die eigenen Möglichkeiten keine Antworten finden und keinen Halt auf die anstehenden Fragen und Krisen des Lebens.
Paulus sagt: Immer, wenn wir „Ende des Lebens“ denken, sagt Gott „Anfang der Zukunft“ des Lebens.              Amen.

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Gruß zum 1. Sonntag nach Trinitatis am 06.06.21
von Pastorin Parra

 

DU VERWANDELST MICH! (Jona 1-2)

Liebe Gemeinde,

das Wort Gottes hören - so klar und deutlich, dass es keinen Zweifel gibt über den Weg, den Gott für mich vorgesehen hat, das wäre schön, das wünsche ich mir oft. Aber würde ich dann auch bereit sein, diesen Weg zu gehen? Menschen haben die Angewohnheit, nur zu hören, was sie hören wollen. So auch Jona: Als Prophet sehnte er sich ja eigentlich nach einem Auftrag Gottes. In unserem Predigttext erfahren wir, was passiert, als ihn  Gottes Wort tatsächlich trifft:

Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: „Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.“  Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN.

Jona hat keine Lust, nach Ninive zu gehen. Die Leute da sind ihm egal. Sie sind keine Juden, beten fremde Götter an. Wer weiß, was sie mit ihm als Überbringer schlechter Nachrichten machen. Weit weg will er von Gott und von dem Ort, an den dieser ihn schickt.

Mir ging es so ähnlich als die Coronakrise begann: Das Ganze wollte mir nicht in den Kopf: Was im fernen China begann konnte doch nicht die Kraft haben, unser Leben hier so von Grund auf zu verändern? Ein paar Wochen vielleicht, aber deswegen muss man doch wohl keine Gottesdienste absagen! Lange hat es gedauert, bis ich akzeptiert habe, dass wir Gründonnerstag 2020 kein Abendmahl feiern, nicht einmal zusammen singen konnten. Sollte nun wirklich das Gebot der Stunde sein, Nähe zu vermeiden, auf gemeinschaftliche Glaubenserlebnisse zu verzichten? Das fühlte sich falsch an und wo es ging, blendete ich das ganze aus und machte weiter wie bisher. Keine Coronaleugnerin, eher erstmal eine Coronaflüchterin – zumindest in Gedanken. Bis mir die Unausweichlichkeit klar wurde, die Realität der Krise. Bei Jona kommt sie als Sturm daher:

Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: „Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben.“ Und einer sprach zum andern: „Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht.“ Und als sie losten, traf's Jona. Da sprachen sie zu ihm: „Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du?“ Er sprach zu ihnen: „Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.“ Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: „Was hast du da getan?“ Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. Da sprachen sie zu ihm: „Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse?“ Denn das Meer ging immer ungestümer. Er sprach zu ihnen: „Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist.“ Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an. Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: „Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir's gefällt.“ Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.

Ich frage mich an dieser Stelle oft: Warum ist Jona eigentlich nicht selbst gesprungen - wenn er doch erkannt hatte, dass er die Seeleute seinetwegen in Gefahr sind, dass sie noch alle gemeinsam untergehen werden? Wenn er doch erkannt hat, dass er nicht fliehen kann vor Gott?

Ich denke, dass dieses Gefühl, ausgeliefert zu sein, einen ziemlich lähmen kann. Jona fehlt der Antrieb. Weder für sich noch für andere will er etwas bewegen, sieht sich dazu auch nicht in der Lage. So wird die Krise gewissermaßen ganz ohne sein Zutun überwunden. Das Meer glättet sich. Das Schiff fährt weiter und Jona bleibt allein zurück. Zunächst in den endlosen Fluten:

Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach: „Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme.  Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!  Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.  Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.  Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will ich erfüllen. Hilfe ist bei dem HERRN.“ 

Beschützt nun und doch ganz allein und auf sich geworfen steckt Jona im Bauch des Fisches. Drei Tage können dort bestimmt ziemlich lang werden. Aber Jonas Zeit ist gefüllt mit dem, was ihn nicht nur am Leben erhält und durch diese Zeit hilft, sondern ihn wachsen lässt und erneuert: Mit Gebet.

Erst jetzt hier im Bauch des Fisches klagt er Gott seine Verstrickungen, wie er von Seetang gefesselt in die tiefste Tiefe sank.

Jona überwindet seine Lähmung im Gebet. So habe ich es auch bei vielen Menschen in der Krise erlebt.  Sie haben Kraft gewonnen in dem Wissen, dass sie jeder und jede für sich in ihrer Vereinzelung, aber auch über die Distanz hinweg gemeinsam ihre Klagen vor Gott bringen können und von Ihm getragen sind.

Während sich an Jonas Situation äußerlich nichts ändert findet er von der Klage ins Lob. Im Bauch des Fisches wachsen in Jona neue Gedanken heran so wie ein Kind wächst im Bauch seiner Mutter.  

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, aufzuatmen und sich gerettet zu wissen? Wir singen heute in der Kirche zum ersten Mal wieder gemeinsam in der Kirche, wenn auch hinter der Maske zum Schutz vor den Aerosolen. Das Lob klingt verhalten und gedämpft, fast wie aus dem Bauch eines Fisches:

„Du verwandelst meine Trauer in Freude, Du verwandelst meine Ängste in Mut. Du verwandelst meine Sorgen in Zuversicht, guter Gott, Du verwandelst mich!“

Diese ersten Töne sind so wichtig, weil sie herausführen aus Schweigen und Lähmung. Alle fragen: „Wenn jetzt die Normalität zurückkommt, werden wir noch dieselben sein?“ Jona ist nicht derselbe:

Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.

(Emporenmalerei in der Arnstädter Oberkirche)

Noch ganz benommen liegt Jona am Strand. Das helle Licht blendet ihn und während er langsam blinzelnd auf die Füße kommt richten sich seine Gedanken auf die Stadt Ninive. Auch ihren Bürgern will Gott die Chance eines Neuanfangs geben.

 Die Krise hat auch uns verwandelt. Auch wir haben die Chance für einen Neuanfang: Wen möchten wir wirklich treffen, wohin reisen? Wie möchten wir leben angesichts der leibhaften Erkenntnis, dass alles Lebendige miteinander verbunden und aufeinander angewiesen ist?

Werden wir aus der Krise lernen? Jona gelang das - wie der weitere Verlauf der Geschichte zeigt - nur bedingt. Es wird nötig sein, mit Bedacht zu dieser vielzitierten „Neuen Normalität“ aufzubrechen, aber auch mit Aufatmen und Freude. Lassen wir uns von Gott verwandeln!

Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum Sonntag nach Pfingsten am 30.05.21
von Pastorin Pfeifer

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

der Heilige Geist- was ist das? So lautet eine häufig gestellte Frage im Konfirmandenunterricht.

Der Heilige Geist, was ist das? Was kann man da sagen?

Vielleicht erstmal das:

Der Heilige Geist ist keine olle Kamelle. Gott selbst ist keine olle Kamelle, der die Welt irgendwann geschaffen oder uns einmal vor 2000 Jahren seine Liebe in Jesus Christus gezeigt hat.

Der Heilige Geist ist Ausdruck für die Erfahrung, dass Gott wirklich da, wirklich wahr und gegenwärtig ist. Dass er an uns und in uns handelt auch heute und hier. Gestern-heute und morgen, an jedem Ort und zu jeder Zeit.

An Pfingsten feiern wir das. Gott ist wirklich da und wirklich nah und will uns mit seinem guten und heilenden, lebendig machenden Geist erfüllen. Manchmal, in den Sternstunden des Glaubens spüren wir das so kräftig und stark, wie das Brausen vom Himmel, das die ersten Christen beim ersten Pfingstfest durchströmt und ergriffen hat.

Ein anderes Mal erscheint uns der Heilige Geist eher schwach, wie ein laues und zaghaftes Lüftchen, das wir kaum wahrnehmen und spüren. Und manchmal scheint es fast so, als seien wir von Gott und seinem Heiligen Geist – wir sagen dann: Von allen guten Geistern verlassen. Und  trotzdem ist Gott dann immer noch da und ganz nah ,um an uns und  in uns zu wirken und für uns zu handeln.  Gott ist also da, selbst wenn wir das Gefühl haben, dass Gott scheinbar weit weg ist, wenn wir zaudern und zweifeln und mehr offene Fragen als Antworten, mehr Argwohn als sichere Glaubensgewissheit haben. Gott selbst lässt uns nicht los. Und manchmal merken wir das dann auch.   

Junge Eltern, die angesichts der Geburt ihres Kindes plötzlich wieder ein Gespür dafür bekommen, wie kostbar und ganz besonders das Geschenk des Lebens ist. Die das Staunen neu lernen und dadurch auch wieder eine ganz andere Offenheit für Gott, als Schöpfer des Lebens haben. Menschen , die angesichts einer Krankheit plötzlich begreifen , dass Gesundheit  und Vitalität nicht selbstverständlich sind , sondern dass unser Körper tatsächlich bis in die allerkleinste Zelle hinein  ein außergewöhnliches Kunstwerke ist und dass es in Wahrheit ein Wunder ist, wie alles zusammen und ineinandergreift, dass wir Menschen uns überhaupt bewegen ,dass wir denken, fühlen und handeln können.

Und wer in diesen Tagen draußen unterwegs ist , der kann eigentlich gar nicht anders ,als über das Wunder der Schöpfung zu  staunen , das satte und helle Grün oder das Gelb und der Duft des Rapses , das Werden und Wachsen rings herum . Gott du hast wirklich alles wunderbar gemacht, das erkennt meine Seele. Halleluja !

Ja ,liebe Gemeinde, das Pfingstfest soll uns wieder das Staunen lehren. Über das Wunder der Schöpfung , aber noch viel mehr darüber,   dass Gott wirklich wahr und wirklich da ist , selbst wenn wir ihn nicht wahrnehmen, nicht sehen und hören, nicht spüren und anfassen und erst recht nicht beweisen können.   Und trotzdem dürfen wir glauben und darauf vertrauen dass Gott wirklich wahr und für uns da ist.

 Auch Gottes guter und heilender Geist , der ganz genauso  da ist und wahr ist, wie vieles andere ,das wirklich da ist, auch wenn wir es nicht fassen und messen und beweisen können.

Wie die Liebe , die plötzlich   unser   Herz  hüpfen lässt oder ganz warm, weit und weich werden  lässt, etwa beim  Anblick unserer Kinder und Enkel. 

Wie die Hoffnung   und  Zuversicht , die uns erfüllt und     ermutigt   und uns sogar dazu beflügelt fröhlich und guten Mutes in die in die Zukunft zu sehen,

 wie die gute Laune  oder auch den Spaß, den wir plötzlich haben, weil uns etwas oder jemand zum Lachen bringt.  

Das Pfingstfest soll uns dazu  bewegen, an Gott, seine Kraft und seine Liebe zu glauben  und ihm zu vertrauen , auch wenn wir ihn mit unseren menschlichen Denken und Verstehen nicht fassen und auch nicht begreifen können. Und wir auch deshalb immer Mal wieder am Zweifeln und manchmal sogar am Verzweifeln sind. Weil wir das Leid, das wir sehen oder auch persönlich erleben, mit dem Glauben einen liebevollen Gott oft nicht zusammenkriegen.    

In dieser Zeit merken viele Menschen das wieder ganz besonders  Angesichts dieser Pandemie, die so viel Leid  und Unglück über so viele   Menschen , erst recht in den ärmeren Ländern der Welt gebracht hat.   Angesichts des wieder neu und furchtbar aufflammenden Konflikts zwischen Palästinensern, vor allem der Hammas und dem Staat Israel . Und dem entsetzlichen Hass und Antisemitismus , der auch hier in Deutschland  auf unseren Straßen sichtbar wird.

Angesichts der Konflikte und Abgründe in dieser Welt fällt es vielen Menschen tatsächlich schwer, an Gott zu glauben und ihm zu vertrauen.

Auch der Predigttext vom Turmbau zu Babel, führt uns an den Rand eines Abgrunds. An den Abgrund der menschlichen Seele. Obwohl die Menschen damals mit dem Bau ihrer Stadt und ihres Turms das genaue Gegenteil vorhatten. Sie wollten mit ihrem Turm  wirklich hoch hinaus und immer höher .Und was historisch betrachtet vielleicht tatsächlich einmal der missglückte Versuch war, einen sehr hohen Turm zu bauen, ist heutzutage   längst zum Synonym und Symbol geworden für das menschliche Streben  immer höher und noch höher hinaus zu wollen. Alles  immer noch besser , noch schöner , noch höher und größer zu machen. Immer noch weiter und größer und schöner und höher hinaus.

Der Turmbau zu Babel steht bis heute für die menschliche Gier nach immer mehr Reichtum, immer größeren Einfluss immer mehr Macht. Und für das Bestreben Gott gleich zu sein und sich selbst an die Stelle Gottes zu setzten   

Eine Gier  und ein Streben , das wahrscheinlich in der Natur des Menschen angelegt ist und so alt , so uralt ist ,wie die Menschheit  selbst. Und auch unsere  Geschichte ist uralt und stammt in ihren Wurzeln noch aus der Zeit vor dem Glauben an den einen und einzigen Gott, worauf der Plural  und dieses scheinbare Gespräch Gottes mit anderen göttlichen Wesen hin- weist, wenn es heißt: Wohlauf, lasst uns herniederfahren        und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache versteht.  

Gott selbst erkennt hier die Gefahr, die von Menschen ausgeht wenn sie sich darin einig darin sind, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Er verwirrt ihre Sprache, er zerstört die Verständigung untereinander und ihr sich Verstehen, um sie von ihrem gemeinschaftlichen Tun abzubringen. Und sie daran zu hindern, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen, sodass für sie fortan alles möglich und machbar und nichts mehr unmöglich wäre.

So , wie es in der Menschheitsgeschichte ja auch immer und immer wieder versucht worden ist.

Gerade unsere deutsche Geschichte macht das in schlimmer  Weise deutlich .

Im Konfirmandenunterricht betrachte ich mit meinen Konfirmanden, wenn es um das erste Gebot geht: Ich bin der Herr dein Gott , du sollst keine anderen Götter haben neben mir ,oft ein Bild, auf dem ein deutsches Mädel aus dem Jungvolk, ihrem Idol  Adolf Hitler geradezu einen Altar errichtet. Auf einem schmalen Tisch steht in der Mitte ein Bild Hitlers, das sie  rechts und links mit Blumen  schmückt . Es wird schnell klar, dass das Mädchen Hitler hier geradezu an die Stelle Gottes setzt und ihn wie eine Gottheit verehrt. So, wie Hitler das ja selber gewollt hat und wie er es durch seine Helfershelfer den jungen Leuten immer wieder eingebläut hat. Es wird offen sichtlich, dass Hitler tatsächlich versucht hat, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen.

Der 2.Weltkrieg mit seinem unermesslichen Leid  und den unzähligen Opfern und Toten  in den Konzentrationslagern, an der Front und unter der Zivilbevölkerung hat gezeigt, wohin das geführt hat, und wohin das führt , wenn Menschen sich in welcher Weise auch immer selbst an die Stelle Gottes setzen.  

Und wir können heute nur dankbar und froh sein, dass diese  böse Macht, das sogenannte dritte Reich, dann mit dem Ende des Krieges zugrunde ging . Auch wenn heute nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa plötzlich wieder Rechtsradikale aktiv sind und entsetzlicher Weise auch wieder viele Anhänger finden. Darum lasst uns wachsam sein, immer dort, wo Menschen versuchen sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Das beginnt dann schon meistens damit, dass sie sich selbst über andere Menschen erheben und Menschen anderer Herkunft, anderer Hautfarbe, anderen Glaubens, anderer  Lebensweise, Kultur und Traditionen herabsetzen und verachten. Und sich gemeinschaftlich zusammenrotten, um gegen Menschenrechte, Menschenwürde und echte Mitmenschlichkeit zu verstoßen und anzugehen.

Die Geschichte der Menschheit lehrt uns, dass das immer ein böses Ende nimmt. Gleichzeitig lässt die Geschichte vom Turmbau zu Babel irgendwie hoffen, dass Gott selbst irgendwann, wenn gar nichts mehr geht, die Notbremse zieht und zerstört, womit Menschen sich letztendlich selbst zerstören und zu Grunde richtet.

Aber tröstlich, finde ich, ist das nicht.

Da braucht es tatsächlich Pfingsten, da braucht es die Geschichte von Pfingsten als Gegenbild. Den Geist Gottes, den Gott sendet und schenkt, um Verständigung, Verstehen und Verständnis zu schenken und eine neue Gemeinschaft zu stiften. Eine Gemeinschaft, die von der Liebe Gottes durchdrungen und getragen ist, in der sich keiner über den anderen erhebt sondern alle gleichermaßen von Gott gewollt und geliebt sind und das gegenseitig auch anerkennen. Dass sie und dass  wir allesamt Menschen sind, die in der Liebe und aus der Liebe Gottes heraus leben und diese Liebe dann auch weitergeben.

So gesehen ist die Pfingstgeschichte tatsächlich der Gegenentwurf zu der alten und zerstörerischen Turmbaugeschichte. Weil hier das Geschehen von Gott ausgeht und Gott selbst Verstehen, Verständigung und Gemeinschaft bewirkt und schafft.

Die Menschen in dieser Geschichte haben selbst gar nichts gemacht. Sie haben stattdessen erlebt, dass Gott selbst an ihnen und in ihnen handelt, was sie dazu bringt, den anderen besser wahrzunehmen und zu verstehen.  

Und ich finde es bis heute hilfreich, davon zu hören.    

Weil die Geschichte von Pfingsten uns bis heute dazu ermutigt, nicht nur auf uns selbst und unsere eigene, oft viel zu kleine Kraft zu vertrauen und zu bauen. Sondern uns daran erinnert uns von Gott selbst, von seiner Liebe und seiner Kraft beschenken, durchdringen, stärken und trösten zu lassen. Darauf zu vertrauen, das wir Gott  auch  immer wieder um Vertrauen und Glauben, um Kraft und Zuversicht bitten können.   Und dass er uns dann auch geben will, was wir zum Leben brauchen. Eine Zuversicht die auch in dem Lied zum   Ausdruck kommt, dessen Melodie wir an Pfingsten hören. Darin heißt es:
O komm du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

Verbreite Licht und Klarheit. Verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher Getreuer den Herrn bekennen kann.   

Möge Gott uns allen solches Vertrauen und solchen Glauben schenken.

Amen

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zu Pfingsten am 23.05.21
von Pastor Kroglowski

„Pfingsten verleiht Flügel“

 

Liebe Gemeinde,

„Pfingsten verleiht Flügel“  – so in diesem Jahr unser pfingstliches Thema. Und so zählt Pfingsten für mich zu den schönsten Festen des Jahres. Endlich geht es wieder raus – man kann sich durchpusten lassen – wieder aufatmen für die dunkleren Tage. Pfingsten ist wie „Luft unter die Flügel“ für den christlichen Glauben. Pfingsten zeigt uns, der christliche Glaube kann so sein wie ein frischer Windzug – ein gewaltiges Brausen – man wird durchgepustet – fühlt sich frei und getragen – neue Wege im Leben zeigen sich auf.

„Als der Pfingsttag gekommen war, waren die Jünger alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind …

Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; … und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte, Kapitel 2)

Vom himmlischen Brausen schreibt Lukas der Verfasser der Apostelgeschichte, von dem Pfingstwunder. Wie ein frischer Windzug kommt Gottes Geist am Pfingsttag über die Jünger und dieser Geist bewirkt ein großes Sprachwunder. Petrus hält eine begeisternde Predigt, die zur Gründung der ersten Gemeinde führt. Alles läuft mit viel Bewegung ab – gleichsam von viel frischem Wind getrieben und getragen: Ein Brausen vom Himmel ertönt, Feuerzungen setzen sich auf die Jünger, Festpilger aus aller Welt hören die Jünger in ihrer Muttersprache predigen, die Menge ist begeistert und alle fragen: Wie können wir Anteil haben an dieser Begeisterung? Und daraufhin lassen sich dreitausend Menschen an diesem Tag taufen.

Was ist Pfingsten passiert? Was ist der Kern dieser Geschichte, die Lukas hier so begeistert / mit viel frischem Wind aufgeschrieben hat. Vermutlich ist es am Pfingsttag, dem jüdischen Erntefest, an dem viele Juden auch aus dem Ausland in Jerusalem sind, zu einem ersten öffentlichen Auftreten der neuen Christengruppe gekommen. Und gleich mit missionarischem Erfolg – vielleicht wurden nicht gerade dreitausend Menschen an diesem Tag getauft – mit dieser Zahl wollte Lukas der verfolgten Gemeinde seiner Zeit Mut machen – aber einige dürfen es schon gewesen sein. Mit der Taufe ergreift uns Gottes frischer Wind. Er schenkt uns damals wie heute durch die Taufe einen Geist, der uns Flügel machen will – Lebensmut schenkt - in guten aber auch schweren Tagen einen hoffnungsvollen Blick auf das Leben zu behalten. „Pfingsten verleiht Flügel“ für unser Leben im Glauben.

Darum geht es Pfingsten damals wie heute. Gottes frischer Wind und sein Mut springt auf die Menschen über. Er gründet seine Kirche mit seinem Geist. Kirche entsteht nicht durch den Gründungsakt ihrer Mitglieder. Sie können sich nicht selbst mit frischer Luft und Flügel versorgen – Kirche entsteht nicht durch das Engagement der Jünger. Es geschieht etwas, mit dem niemand rechnen konnte. Die Jünger und Anhänger Jesu, die sich eben noch zurückgezogen und versteckt hatten, sie verlieren die Angst, gehen auf die Straße und erzählen davon, was es mit Jesus auf sich hat, mit seinem Tod und seiner Auferstehung. Mit dem Wehen des göttlichen Geistes – mit seiner frischen Luft verleiht Gottes Geist uns Flügel.

Frohe Pfingsten und eine beflügelte Woche wünscht,

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zum Sonntag Exaudi am 16.05.21
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe Konfis,
liebe Konfirmationsgemeinde,

am liebsten würde ich meine bunte Maske gar nicht abnehmen – eine Regenbogenmaske. Danke, dass ich sie heute tragen darf.
Ich würde sie am liebsten aufbehalten, damit alle Worte, die ich in dieser Predigt sage, durch diese bunte Maske laufen.
Mein Idee ist: Dann werden auch meine Worte bunt, freundlich, friedlich – wie ein Regenbogen aus Glück, Segen und guten Wünschen.

Damit ich besser zu hören bin, nehme ich sie jetzt trotzdem ab.

Das verbinde ich mit dem Regenbogen, das Gott ein Versprechen gibt: Auf der Erde soll es am Ende gut werden, auch wenn das Leben schwer sein kann.
Auf der Erde soll das Leben gewinnen, auch wenn Menschen immer wieder Streit und sogar Krieg beginnen.
Auf der Erde soll die Hoffnung das letzte Wort haben, gerade wenn Menschen manchmal nicht wissen, wie es weitergehen soll.

All die verschiedenen Farben des Lebens tun sich zu einem Ding zusammen. Friede statt Streit; Hoffnung statt schwarzem Blick auf die Realität. Deshalb ist der Regenbogen weltweit das Zeichen für Frieden, Liebe und Gerechtigkeit – die bunten Pace-Fahnen wehen dafür im Wind.
Und als vor einem guten Jahr Corona kam, haben viele Menschen und auch Ihr Regenbogen in die Fenster Eurer Häuser geklebt – wir hoffen.

Regenbogen – die Natur zaubert ihn. Und die Menschen sagten damals: Die Natur hängt mit Gott zusammen. Wer die Wunder der Natur sieht, denkt: das muss mit einer großen Kraft zusammenhängen – so schön, wie das ist.

Diese große Kraft – viele nennen sie Gott – ist es, unter der Ihr, liebe Konfis heute gesegnet werdet. Segen ist ein Wunsch, und er bedeutet: Euer Leben soll gut werden, auch durch schwere Zeiten hindurch. Euer Leben soll Streit, Fragen, Suchen und Zweifel überstehen, denn all das gehört nun mal dazu.
Und immer neu sollt Ihr Hoffnung haben oder wiedergewinnen, dass Euer Weg an ein gutes Ziel führt – auch z.B. in so belasteten und seltsamen Zeiten wie jetzt.

Dass das so wird, habt Ihr ganz doll selbst in der Hand. Ihr könnt vieles selbst tun – jede und jeder in eigener Weise. Dann habt Ihr dazu Eure Eltern, Familien, Freunde, Schule, Kirchengemeinde, das Dorf, die Stadt, das Land – überall gibt es Menschen, die Euch unterstützen.
Und Ihr habt diese Kraft, die wir Christen Gott nennen, die die ganze Welt durchzieht und in der Natur viele Wunder möglich macht und so schöne Himmelszeichen wie den Regenbogen.

Ich kann es auch so sagen: Euer/unser ganzes Leben ist eingebettet in die Natur, in die Schöpfung, in den Himmel, in die Sterne und das ganze Weltall.
Und so groß, wie das alles ist, glauben wir, dass Gott ein großes Versprechen sagen kann:
Du gehst nicht verloren.
Du bist wichtig.
Ich kenne sogar Deinen Namen.

Als der Regenbogen zum ersten Mal in der Bibel auftaucht, war er ein Zeichen für Noah und seine Familie. Sie hatten eine ganz schwere Zeit am Ende gut überstanden.
Und er Regenbogen zeigte Gottes Versprechen: So soll es immer wieder geschehen.

Euch, liebe Konfis, und Euren Familien wünsche ich, dass Ihr das immer wieder im Leben erlebt: „Am Ende wird es gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende.“
Der Regenbogen will Euch und uns alle daran erinnern:
Ihr seid gesegnet und habt Zukunft.

Amen.

 

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Gruß zum Sonntag Rogate am 09.05.21
von Pastorin Glatthor

 Du und ich, Gott, nur du und ich. Was soll ich sagen? Was kann ich sagen? Und wie kann ich dir sagen, was mich beschäftigt? Weißt du nicht sowieso schon, was in mir vorgeht? Schweigen? Einfach sagen, was mir in den Sinn kommt, bruchstückhaft, loslegen ohne nachzudenken, den Blick weiten. Ein Gefühl von Schweben, von Losfliegen zulassen, über den Dingen sein und schwebend auf den Alltag aus Entfernung schauen. Du und ich, Gott, nur du und ich. In Gedanken auch bei den Anderen, aber in dem Moment bei mir sein, bei dir sein, Gott. Ich suche den fremden Blick, steuere den Raum ohne Wände an, horche in mich hinein, vertraue dir, gebe Vertrauen ab. Spreche Sehnsüchte aus und Trauer, Wut, Klage, Freude. Frage für mich selbst, frage für die Welt, frage nach dir. Höre, spreche, schweige. Möchte nicht stehen bleiben, sondern erhoffe Veränderung. Du und ich, Gott, und all die Anderen.

In Gebeten haben sich Menschen immer wieder Gott anvertraut. Ob laut oder leise, alleine oder gemeinsam mit anderen, frei oder mit geprägten Worten. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft. noch seine Güte von mir wendet“ oder „bittet, so wird euch gegeben“. Unzählige Beispiele sind in der Bibel zu finden. Auf unterschiedliche Arten traten Menschen mit Gott in Kontakt. Von Mose, dem sich Gott als brennenden Dornbusch offenbarte und ein Gespräch entstand, über die vielen Gebete, die wir in den Psalmen nachlesen können und Jesus, der seine Jünger das Vaterunser lehrte und immer wieder zum Gebet aufrief: Nicht unser, sondern Gottes Wille soll geschehen.

In Jesus Sirach schrieb ein vermutlich wohlhabender Gelehrter um 175 v.Chr. in Jerusalem: „Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.“

Dieser Abschnitt wird als Kernstück seines Glaubens an die Gerechtigkeit Gottes angesehen. Eine bildhafte Sprache, mit der Sirach seine Gedanken über Gott als gerechten Richter darstellt. Ein Gott des Rechts, der auf der Seite der Armen, Witwen und Weisen steht und unbestechlich ohne Ansehen der jeweiligen Person, richtet. Besonders hervorzuheben sind aber seine Gedanken zum Gebet. Er schildert das Gebet als einen „Gedankenflug“. Hierbei würden die Gebete der „Demütigen“ zu den Wolken aufsteigen und nach einiger Zeit auch die Wolkendecke durchbrechen. Er versteht das Gebet dabei als Ort der Klage, dass das Leid und die Not der Welt zur Sprache bringt und auf einen Gott vertraut, der sich diesem nicht verschließt. Das Gebet als ein Weg der Klage zu den Wolken stellt Sirach auch wie eine Zeit ohne Trost dar. Auch wenn ein Gebet nicht unbedingt eine sofortige Erhörung bedeutet, sollte Geduld geübt und auf eine nachhaltige Wirkung gehofft werden. Leid und auch die Erfahrungen des vermeintlichen Nichterhörens werden direkt angesprochen. Dabei vertraut Sirach auf Gottes Treue, die sich erweisen und den Betenden wie Regenwolken in der Trockenzeit vorkommen wird. Sirach benennt das Leid und die Not der Menschen explizit und erweist sich sowohl als Lehrer als auch als Tröster.

Das Gebet kann auch eine Quelle, die Mut macht, Kraft schenkt um weiterzumachen und um nicht aufzugeben sein, die der Wüste neuen Regen schenkt. Beten kann im Sinne einer

Selbstbesinnung, eine Unterbrechung des eigenen Alltags darstellen. Es kann Impulse für einen veränderten Alltag schenken, aber gleichzeitig auch die eigene existenzielle Zerrissenheit sichtbar machen. Dabei benennt es Leiden und Schmerz an der Welt sowie den ausbleibenden Trost. Es bleibt eine Spannung aufrechterhalten, die in der Hoffnung und dem Glauben auf Gott mündet. Ein Luxus, dass solche Räume mit Gott angesteuert werden können. Ein Luxus, den Jede und Jeder individuell abhängig von der Situation, den vorherrschenden Gefühlen und den Gedanken wählen kann.

Du und ich, Gott. Ich konnte alles loswerden, erzählen, was auf mir lastet: All die Ängste, Sorgen, die Traurigkeit, aber auch die schönen Momente aufzeigen, all das, was mich jubeln lässt. Danke, Gott. Konnte loslassen, abgeben, eine neue Sicht auf mein Leben, auf das Weltgeschehen erhalten. Mitten in diesem Moment, in dem ein Gefühl von Schweben in mir aufkam, meinen Alltag unterbrechen. Abstand gewinnen. All das mag bleiben – vorerst oder sowieso - auch nach meiner Reise in diesen Raum ohne Wände. All das wird bleiben und doch hat sich etwas verändert, in mir, an meiner Sichtweise auf mich, auf meine Welt, auf dich, Gott. Amen.


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Gruß zum Sonntag Kantate am 02.05.21(mit Konfirmationen)

von Pastor Kroglowski

 

 

Aufbruch - „mit Zuversicht“

 

Liebe Gemeinde,

anders als im letzten Jahr sind Konfirmationen in diesem Frühjahr bei uns in der Kirchengemeinde wieder möglich. Darüber freue ich mich sehr! In kleinen Gruppen segnen wir die Jungen und Mädchen ein. Ein besonderes Fest in einer besonderen und nicht leichten Zeit. Oft haben wir uns über Wochen nicht im Konfirmandenunterricht sehen können. Unsere Freizeit an der Ostsee musste ausfallen. Für mich immer auch eine intensive Zeit, um die Konfirmandengruppe näher kennen zu lernen.

Die Pandemie Zeit hat uns alle geprägt – auch unsere Konfirmanden. Eine Begebenheit kommt mir in Erinnerungen:

Im Gottesdienst fällt mein Blick auf eine Konfirmandin. Ihre Stimmung wirkt gedrückt. Nach einem Lied hat sie Tränen in den Augen. Am Ausgang, an der Kirchentür spreche ich sie kurz an. „Wie geht es Dir?“, frage ich. Plötzlich kullern die Tränen und sie antwortet: „Ich habe Angst, wieder so viele Menschen zu treffen. Die Schule geht weiter, die Geschäfte öffnen – vielleicht stecke ich mich jetzt doch mit Corona an? Ich war so vorsichtig in den letzten Wochen, habe meine Großeltern extra nicht besucht.“ Dann geht sie schnell weiter und mir fehlen die tröstenden Worte.

Ja – denke ich etwas später– der Lockdown hat auch bei den Jüngeren Spuren hinterlassen. Tiefe Spuren. Ängste, wo ich sie gar nicht vermutet habe. Da erwarte ich von der Konfirmandin ein Hurra – endlich geht es wieder los. Shoppen. Schule. Freunde treffen. Und dann höre ich, so einfach ist das nicht für alle. Die Konfirmandin hat erfahren, unser Leben ist zerbrechlich. Sie möchte sich und andere schützen. Sie braucht die Zusage von Schutz und Bewahrung; das Gefühl – nicht allein zu sein; sie braucht Mut und Zuversicht.

Bald werde ich sie konfirmieren und im Stillen gebe ich ihr einen Konfirmationsspruch mit auf ihren Weg: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst (Josua 1,9).“

Nun feiern wir Konfirmationen und die Konfirmanden haben sich ihre Konfirmationssprüche ausgesucht und begründen sie im Gottesdienst. Viele Konfirmandensprüche gehen in die gleiche Richtung. Drücken Hoffnung und Zuversicht aus. Machen Mut für die eigene Zukunft. Wir alle haben erfahren wie zerbrechlich unser Leben ist und sein kann. Ein unsichtbares Virus hat in kurzer Zeit den Lebensverlauf von uns allen verändert und geprägt. Und genauso verändert und prägt auch unser christlicher Glaube. Aber er zerstört nicht – sondern baut auf. Auch wir leben von der Zuversicht, dass Gott unsere Lebenswege kennt und begleitet.

Eine gesegnete und zuversichtliche Woche wünscht  

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski


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Gruß zum Sonntag Jubilate am 25.04.21

von Pastor Pfeifer

Der heutige Sonntag Jubilate stellt das Lob und die Ehre Gottes in den Mittelpunkt. Gott, der die Welt erschaffen hat, die Fülle der Lebewesen. Die Kostbarkeit der Natur.

Nicht selten benutzt Jesus für Gott und für sich selbst solche Bilder aus der Natur und der Schöpfung , um von sich zu erzählen und Gott den Menschen nahe zu bringen.

In dem Evangelium für den Sonntag Jubilate geht es um das bekannte Bild vom Weinstock und den Reben.

An vielen Stellen hebt Jesus im Johannesevangelium seine besondere Bedeutung hervor. Er greift konkrete Bilder auf, die dem Menschen in ihrer Erfahrungswelt vertraut sind und etwas bedeuten. Unter denen sie sich etwas vorstellen können.

 Ich bin das Licht der Welt. Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin der gute Hirte. Ich bin der Weg. Ich bin der Weinstock.

In diesem Text aus dem Johannesevangelium vom Weinstock und den Reben geht es schon um Abschied nehmen. Mitten in einer längeren Abschiedsrede sagt Jesus diesen Satz: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“. Es ist so etwas wie ein Vermächtnis. Deswegen passen ja auch diese Gedanken so gut in die Zeit nach Ostern. Jesus wusste, wenn seine Jünger ohne ihn zurechtkommen müssen, dass sie dann etwas brauchen, was sie tröstet und was ihnen hilft. Woran sie sich festhalten können.

So verstehe ich dieses Bild. Genau genommen wird in diesem Bild vom Weinstock und den Reben schon ein Stück Pfingsten vorweggenommen. Die christliche Gemeinschaft ist wie ein Weinstock mit vielen Reben. Und Jesus Christus ist der Mittelpunkt.

Jesus vergleicht sich selbst mit dem Weinstock. Ein Weinstock ist ja fest verwurzelt in der Erde. Der Weinstock hat er einen knorrigen Stamm. Muss beschnitten werden, aber jedes Jahr treibt er wieder aus.

Jesus selber vergleicht sich mit dem Weinstock, weil er damit sagen will: in mir habt ihr Halt. In mir seid ihr fest verwurzelt. Meine Kraft, mein guter Geist schenkt euch das Leben. Auf mich könnt ihr euch verlassen. Ich gebe euch immer wieder neu die Kraft zum Wachsen und Gedeihen.

Aber Jesus schränkt dieses Mut machende Wort auch wieder ein wenn er sagt:

„Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird der Weingärtner wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. „

Mahnende Worte. Lebt entsprechend dem, was ich euch schenke. Bringt gute Frucht. Lebt entsprechend dem Evangelium. Nutzt die Lebenskraft, die euch durchströmt.

Diese Mahnung lässt aufhorchen. Müssen wir also erst Gutes tun, um überhaupt die Berechtigung zu behalten, dazu zu gehören?

Das würde ja dem widersprechen, was Luther immer gepredigt hat: wir sind angenommen ohne eigenes Zutun, ohne eigene Werke.

Kann Jesus das wirklich meinen: wenn ihr keine gute Frucht bringt, gehört ihr nicht mehr dazu?

Nein, denn das Evangelium, die Verheißung steht am Anfang: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Diese Verheißung der Gnade geht all unserem Tun voran.

Und gerade, weil wir von seiner Kraft durchströmt werden wie die Lebenskraft des Weinstocks durch die Reben fließt, so hängen wir an ihm, an Christus, dem Weinstock.

Und Jesus macht das noch einmal ganz deutlich, indem er sagt: „Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Das ist der entscheidende Zusammenhang: die Reben bringen keine Frucht aus sich selbst. So auch wir, wir können uns abmühen im Leben. Alle Anstrengungen unternehmen, wenn wir aber nicht mit Christus verbunden bleiben, spüren wir von dieser Kraft nichts. Ohne unseren Glauben haben wir keinen Halt, kein verwurzelt sein.

Verdeutlichen wir uns noch einmal den Zusammenhang, in dem Jesus diese Worte sagt. Vor seinem Tod. In dem Wissen, dass seine Jünger eines Tages alleine ohne ihn zurechtkommen müssen. Zeit zwischen Ostern und Pfingsten. Noch einmal eine Überprüfung, worauf es ankommt in der Kirche.

Er ahnt, wie leicht diese Gemeinschaft auseinanderbrechen kann. Wenn einer sich über den anderen erhebt. Wenn sie sich nicht einreihen können in die Gemeinschaft untereinander.

Wenn die Jünger eines Tages versuchen, ohne den Glauben an Jesus Christus die Gemeinden aufzubauen.

All ihr Tun und all ihr Wirken werden nicht von langer Dauer sein, wenn sie sich nicht im Glauben verwurzelt wissen, wie die Reben, die mit dem Weinstock verbunden sind.

Ich muss an die Konfirmanden denken, die wir in diesen Wochen einsegnen. Zwei Jahre haben wir über Kirche und Glauben nachgedacht, haben über Gott gesprochen, über die Bibel und Geschichten von Jesus. In dem Moment, wo die Jugendlichen konfirmiert sind, heißt es wie bei Jesus und den Jüngern, loslassen, ihnen ein eigenes Leben zuzutrauen und zuzumuten. Auch ein Stück Abschied zu nehmen.

In der Hoffnung, dass diese jungen Menschen im Glauben verwurzelt bleiben und sich an diese Kraft, den Geist Gottes immer wieder erinnern können.

„Denn wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt viel Frucht.“

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Stellen wir uns dieses Bild noch einmal konkret vor. Der Weinstock an dem viele Reben hängen oben und unten, der Sonne zugewandt die einen, andere eher ein Stück im Schatten.

So unterschiedlich fühlen es ja auch Menschen in einer Gemeinschaft. Da sind die einen, die bekommen mehr Sonne ab als die anderen. Da sind die anderen, die nicht so viel Sonne abbekommen, eher eine Art Schattendasein führen.

Aber eines ist allen Trauben und Reben gemeinsam, sie sind alle mit dem Weinstock verbunden. Alle durchströmt der Lebenssaft, die Lebenskraft.  Und wenn der Wein geerntet wird, dann wird auch kein Unterschied gemacht zwischen den großen und kleineren Trauben. Alle gehören zusammen.

So auch wir als Kirche Jesu Christi eine Gemeinschaft, in der es immer beides gibt, Licht und Schatten.

„Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt viel Frucht“.

 In Christus bleiben und er in uns – Jesus möchte das seinen Jüngern und seiner Gemeinde mit auf den Weg geben. Diese Verbundenheit im Glauben, dieses von seiner Kraft durchströmt sein.

Wir kommen von Ostern her, der Mut machenden Botschaft seiner Auferstehung. Wir gehen auf Himmelfahrt und Pfingsten zu. Dem schritt weisen auf sich allein gestellt sein.

Als Jünger, als Gemeinde als Boten der Sache Jesu.

„Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“ – verliert in all dem nicht eure Wurzeln, euern Glauben nicht.

Denn, so sagt der Auferstandene: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

 

Christoph Pfeifer

 

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Gruß zum Sonntag Misericordias Domini am 18.04.21

von Pastorin Glatthor

Hirte sein und gehütet werden.

Hirtin sein in ihrem Alltag: Jeden Morgen wird sie schon früh von Kinderstimmen geweckt. Immer in der Hoffnung, dass keine 5 zu sehen ist, führt ihr Blick zum Wecker. Aufstehen, Kinder wickeln, anziehen, Frühstück machen, darauf achten, dass sie genug Essen. Aufräumen, spielen, putzen, einkaufen, organisieren, strukturieren und immer die Sorgen und Gedanken im Hinterkopf: Werden die Kinder zu selbstständigen Menschen erzogen, die Vertrauen schenken sowie Liebe leben können und mit ihren Mitmenschen so umgehen, wie sie es sich selbst auch wünschen? Fühlen sie sich wohl behütet und gut aufgehoben? Können sie vor Gefahren beschützt werden? Bleibt genug Geld für Essen und Kleidung? Hirtin sein in ihrem Alltag: Verantwortung tragen, für sich, ihre Kinder, ihren Mann und ihre Familie. Für sie da sein, sich um sie kümmern, sie erziehen, Antworten auf Fragen suchen, Entscheidungen treffen und dafür geradestehen, emphatische und zugleich sachliche Bemühungen anstellen, lieben und Vertrauen – zeigen und zulassen.

Hirte sein in seinem Alltag: Jeden Tag nach der Arbeit fährt er zum Seniorenheim im Nachbardorf. Betreten darf er es im Moment nicht. In den vergangenen Wochen durfte er noch jeweils einmal pro Woche dorthin. Doch seit dieser Woche ist es wieder komplett geschlossen. Die Inzidenzzahlen sind in seinem Landkreis erneut angestiegen. Zu hoch und damit zu risikohaft für das Seniorenheim. Und sein Vater? Er wartet immer schon am Fenster. Jeden Abend. Er weiß genau, wann er Feierabend hat. So steht er auf dem Parkplatz vor dem Heim und schaut hoch, zu seinem Fenster im 2.Stock. Manchmal macht er noch einen Umweg. Holt seine Kinder ab und bringt sie mit - mit auf den Parkplatz. Wie heute. Sie haben Plakate für ihren Opa gemalt. Zu dritt stehen sie neben dem Auto, halten die Plakate hoch und schauen zum Fenster, an dem sich sein Vater und ihr Opa die Nase plattdrückt. Hirte sein in seinem Alltag: Verantwortung tragen, für sich, seine Kinder, seine Familie und seinen Vater. Für sie da sein, sich um sie kümmern, Antworten auf Fragen suchen, Entscheidungen treffen und dafür geradestehen, emphatische und zugleich sachliche Bemühungen anstellen, lieben und Vertrauen – zeigen und zulassen.

Als Hirtinnen und Hirten füreinander da sein, aufeinander achten, einander helfen und tragen, voller Liebe leben und handeln sowie Verantwortung füreinander übernehmen – es wagen und sich zutrauen dies wahrzunehmen. In dem Vertrauen darauf, sie auch abgeben zu können.

Hirte sein und gehütet werden.

Hirtin sein in meinem eigenen Alltag, im privaten Bereich: Als Mama von zwei Kindern, als Ehefrau, als Freundin, als Nachbarin, als Tochter und als Schwester respektvoll und voller Liebe mit meinen Lieben umzugehen; Hirtin sein in meinem beruflichen Bereich: Als Pastorin, als Seelsorgerin, als Leitende, als Unterrichtende, als Gottesdienstfeiernde, als Trägerin einer Kita gemeinsam mit anderen Gemeinde gestalten und von Gottes Liebe erzählen und sie unter den Menschen verbreiten. Jede und Jeder von uns kann auf seine ganz individuelle Weise Hirte und Hirtin sein. Es kann durchaus schwierig und mit Widrigkeiten verbunden sein. Doch sind wir nicht nur Hirte oder Hirtin, sondern zugleich auch Gehütete und Gehüteter. 

 

Der Prophet Ezechiel prophezeite den Herrschern über sowie dem Volk Israel selbst, was Gott ihm in einer Vision gesagt und gezeigt hatte.

„Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.“ (Ezechiel 34,1-2.10-16.31)

 

Der gute Hirte. Gott selbst macht sich zum guten Hirten seiner Herde. Er versteht sich als Fürsorger, Unterstützer, Helfer und Begleiter seiner Herde, uns Menschen. In dieser Tradition steht Jesus, der von sich sagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (Joh 10,11)

Gehütet werden in ihrem Alltag: Jeden Morgen wartet bereits das Frühstück auf sie, wenn sie aufgestanden sind. Das geschmierte Brot und der duftend-heiße Tee stehen auf den Platzdeckchen auf dem Tisch bereit. Die zusammengelegten Pullover und T-Shirts, die gebügelten Hosen und die geputzten Schuhe lassen sich einfach anziehen. Vertrauen und Liebe spüren sie von klein auf, wie eine warme Decke, die täglich über ihrem Alltag ausgebreitet wird.

Gehütet werden in seinem Alltag: Er kann und braucht sich um nichts mehr kümmern. Die Papiere unterschreibt sein Sohn für ihn, seine Wäsche wird gewaschen, das Essen für ihn gekocht. Und jeden Abend bekommt er Besuch. Er wird umsorgt, behütet und kann sich auf seinen Sohn verlassen.

Als Gehütete Teil einer Gemeinschaft sein, Teil einer Herde sein; Verantwortung abgeben können; sich auf andere verlassen und anderen vertrauen können; Vertrauen schenken; in schönen, fröhlichen und traurigen, schweren Momenten nicht alleine sein müssen; Unterstützung und Hilfe erleben können; Schwachheit zulassen können; Entlastung erfahren; sich stärken lassen und Kraft tanken um dann weiterhin oder erneut Hirtin sein zu können; sich geliebt, getröstet und begleitet fühlen dürfen – von Mitmenschen und besonders von Gott.

So kann sich beides anfühlen: Hirtin sein und gehütet werden.

Hirtin sein und gehütet werden. Als Hirtinnen und Hirten füreinander da sein, aufeinander achten, einander helfen und tragen, voller Liebe leben und handeln sowie Verantwortung füreinander übernehmen – es wagen und sich zutrauen dies wahrzunehmen. In dem Vertrauen darauf, gleichzeitig auch Gehütete zu sein und so die Verantwortung abgeben können; sich auf andere verlassen und anderen vertrauen können; Vertrauen schenken; in schönen, fröhlichen und traurigen, schweren Momenten nicht alleine sein müssen; Unterstützung und Hilfe erleben können; Schwachheit zulassen können; Entlastung erfahren; sich stärken lassen und Kraft tanken um dann weiterhin oder erneut Hirtin sein zu können; sich geliebt, getröstet und begleitet fühlen dürfen.

Im Vertrauen darauf, dass unser Tun und Lassen, unser Hirte sein und gehütet werden, unter der Zusage Gottes steht: „Ich will euer Gott sein und ihr sollt meine Herde sein.“

Hirtin sein und gehütet werden. Amen.

 

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Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti am 11.04.21

Tauferinnerung mit Pastorin U. Parra und Kantorin G. Corvaglia

 

 

 

Audiofile

 

Martin Luther soll das damals mit Kreide auf sein Pult geschrieben haben, damit er immer dran denkt, auch wenn er sich gottverlassen und hilflos fühlt. Daraus hat er die Gewissheit gewonnen, dass er in allem, was geschieht, mit Gott verbunden ist.

Tauferinnerung hat am Sonntag nach Ostern Tradition. Die zu Ostern Getauften der Alten Kirche trugen bis zu diesem Tag weiße Kleider als sichtbares Zeichen, dass sie zum Auferstandenen gehören und rein gewaschen sind von allem, was sie von ihm trennte.

Bei uns in der Stadtkirche findet diesen Sonntag auch ein Tauferinnerungsgottesdienst statt. Es wird schöne Musik geben und meditative Gedanken zur Geschichte vom Frühstück des Auferstandenen mit seinen Freunden am Strand (Joh 21,1-14). Mit der Audiodatei oben möchten wir Sie und Euch herzlich einladen, sich zu Hause an die eigene Taufe zu erinnern. Was man dazu braucht: Einen bequemen Platz, eine Kerze (vielleicht sogar die eigene Taufkerze) und Feuer.                    

Herzliche Einladung!

Ihre und Eure Pastorin Ute Parra

 

Die Geschichte aus dem Johannesevangelium (21,1-14):

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:  Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

Jesus, unser Trost und Leben,
der dem Tode war ergeben;
der hat herrlich und mit Macht
Sieg und Leben wiederbracht.
Er ist aus des Todes Banden
als ein Siegesfürst auferstanden.
Halleluja! Halleluja!
 Es ist wie damals, bevor sie Ihn zum ersten Mal trafen: Heut ist wieder das Netz leer, sie selbst ausgelaugt und enttäuscht - als hätten Sie sich das alles nur eingebildet, den reiche Fang mit dem alles begann und ihren gemeinsamen Weg bis hierhin. Sind sie wirklich dem Aufrstandenen begegnet, der den Tod besiegt und ihr Leben neu gemacht hat? Am Horizont geht die Sonne auf, doch in ihnen ist alles dunkel und leer wie das Netz.
Nunmehr liegt der Tod gebunden,
von dem Leben überwunden,
wir sind seiner Tyrannei,
seines Stachels quitt und frei.
Nunmehr steht der Himmel offen,
wahrer Friede ist getroffen.
Halleluja! Halleluja!

Von fern ruft sie da einer und sie tun, was er rät: Werfen die Netze nochmal aus - trotz aller Müdigkeit, kommen mit reichem Fang zurück und erkennen: Das ist Er! Ein Kohlefeuer brennt am Strand mit frisch gebackenem Brot und Fisch. Sie bringen dazu auch von ihrem Fang. Ein himmlischer Moment, dies Frühstück am Strand: Erinnerung, Trost, Stärkung, Gemeinschaft, Leben! 

 Alle Welt sich des erfreuet,
sich verjünget und verneuet,
alles, was lebt weit und breit,
leget an sein grünes Kleid ,
ja, das Meer für Freuden wallet,
Berg und Tal weithin erschallet:
Halleluja! Halleluja!
(EG 552 – T: E.C. Homburg 1659; M: Halle 1714)
 Siehst Du Ihn am Ufer stehen, wo die Zweige der Weiden in der Morgensonne schon einen grünen Flaum zeigen? Riechst Du den Holzrauch? Trau Dich und zieh Dein Boot ans Ufer auch wenn das Wasser noch kalt ist. Zünde dein Licht an am Feuer dieses Augenblicks, denn Du gehörst zu Ihm, der lebt! 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zum Ostersonntag am 04.04.21

von Pastorin Pfeifer

 

Liebe österliche Festgemeinde,  

 

Christ ist erstanden von der Marter alle,

des soll`n wir alle froh sein. Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Wär ´er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.

Seit, dass er erstanden ist, so loben wir den Vater Jesu Christ, Kyrieleis.

(Unter dem Titellink oben hören Sie den Choral gesungen und gespielt von Giulia Crovaglia) 

Mit diesem Lied haben wir die besondere Freude des Osterfestes zum Klingen gebracht und zusammengefasst: Christ ist erstanden!

 Das ist der Grund, weshalb Christen heute hier und in aller Welt zusammenkommen und Ostern feiern.

Die frohe Botschaft, dass Gottes Liebe stärker ist, als der Tod. Dass Jesus Christus wirklich gestorben war und begraben   wurde, dass er aber am dritten Tage auferstanden ist von den Toten und wieder lebendig geworden ist.   

 Auch, wenn das höher ist, als unser menschliches Denken und Verstehen begreift. Auch, wenn das alles übersteigt, was Menschen fassen und begreifen können. Weil das etwas ist, das jenseits unserer menschlichen Erfahrungen und unserer Lebenserfahrung liegt.  Denn niemand außer Christus allein ist    gestorben und wieder lebendig geworden und hat sich als Auferstandener der Welt gezeigt. Niemand, der uns sonst hier in dieser Welt von dem neuen Leben nach dem Tod erzählen könnte oder berichtet hat. Auch, wenn Menschen zu allen Zeiten immer wieder versucht haben dahinter zu kommen. Und wenn    sogenannte  Nahtoderlebnisse unsere christliche Hoffnung auf eine Leben nach dem Tod ein Stück weit bestärken. Und trotzdem bleibt es dabei: Wir können hinter den Vorhang des Todes nicht schauen. Jedenfalls nicht in diesem Leben. Und beweisen können wir ein Leben nach dem Tod auch nicht.

Aber glauben dürfen wir das! Und davon hören, was Christen der ersten Stunde erzählen. Von dem, was ihnen widerfahren ist, wovon wir in der Epistellesung im 1. Brief des Paulus an die Korinther vorhin gehört haben.  

Die frohe Botschaft , dass Christus  gestorben und begraben wurde, dass er also  wirklich tot gewesen ist . Dass er dann aber auferweckt wurde und  vielen Menschen erschienen ist.  Den Frauen am Grab, danach Petrus und den zwölf Jüngern danach 500 Männern, dazu Frauen und Kindern und dann dem Jakobus und den Aposteln.

Alles Männer und Frauen, die Jesus von Nazareth zu Lebzeiten gekannt, begleitet, verehrt und geliebt haben.

Weil sie durch ihn die Liebe und Freundlichkeit Gottes erfahren haben,   weil sie in seiner Nähe begriffen haben, dass Gott sie   liebt. Weil sie gespürt haben, dass er gekommen ist, sie mit sich selbst und ihrem Leben zu versöhnen. Und ihrem Leben Sinn, Orientierung und Richtung zu geben.

Und dann das an Karfreitag:

  Die Hinrichtung Jesu am Kreuz . Dieser furchtbare Tod, dieses schreckliche Ende  des Jesus aus Nazareth, mit dem scheinbar auch die Sache Jesu zu Ende war. Die tiefe Enttäuschung, dass mit diesem Tod scheinbar alles, was er verkündigt und verkörpert hat aus und vorbei und gestorben war. Sodass seine Freunde mit all ihrer Hoffnung, mit all ihrem Glauben und ihrem Vertrauen am Ende und am Boden zerstört sind.

Aber dann das:   Eine Erfahrung, die so außergewöhnlich und wunderbar war, so geheimnisvoll bleibt bis auf den heutigen Tag, dass die ersten Christen das, was sie erlebt haben erst gar nicht begreifen und fassen können.

 Da  brauchte es schon die Deutung der Engel am Grab und   den Auferstandenen selbst ,der  seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus und den Jüngern in Jerusalem begegnet.        Damit sie in seiner Person den Auferweckten erkennen. Jesus den  Christus, der von den Toten auferstanden ist und der sich ihnen durch vertraute  Zeichen und Gesten zu erkennen gibt. Sodass sie spüren, dass der Verstorbene wirklich da und ganz nah ist, dass er wirklich lebendig war.  

Ein absolut außergewöhnliches und unfassbares  Ereignis.

Eines dass wir bis heute nicht fassen und manchmal auch nur schwer glauben können.

Die frohe Gewissheit , die schon die ersten Christen ergriffen hat ,dass die  Liebe Gottes die Kraft hat Elend und Not, sogar den Tod zu überwinden. Dass auch  die  Botschaft von der Liebe Gottes, die Sache Jesu einfach   nicht totzukriegen ist, Sondern weitergeht und weiter wirkt, weil Gott alles ,was Jesus gesagt und gemacht hat  durch die  Auferweckung Jesu auch nachträglich und postum legitimiert  und bestätigt . Jesu Botschaft von der schier unerschütterlichen Freundschaft und Liebe Gottes , die sogar im Tod noch Bestand hat , durch den Tod hindurch trägt und ihn überwindet, sodass es Sinn macht  selbst in den schlimmsten Zeiten und schwersten Situationen   auf Gott zu vertrauen.

Liebe Gemeinde, die Christen der ersten Stunde sind Menschen, die Jesus schon zu Lebzeiten gekannt und begleitet haben.

Erst bei Paulus ist das anders. Auf dem Weg nach Damaskus, den er geht, um die Christen dort zu bekämpfen und zu vernichten, hat er ein  Erlebnis, dass außergewöhnlich ist. Eine Begegnung mit dem Auferstandenen,  die ihm unmittelbar einleuchtet und ihn  ergreift und auch   die Kraft hat sein ganzes Leben, sein Denken, Fühlen, Glauben und Handeln   auf den Kopf zu stellen und zu verändern. Sodass er gar nicht anders kann, als fortan landauf, landab von dieser Erfahrung zu reden. Die Liebe Gottes in der Person Jesu Christi zu verkünden. Und alles zu tun, um den Menschen diese frohe Botschaft nahe zu bringen.  

Paulus ist durchdrungen von der tiefen Gewissheit, dass Jesus Christus lebt und sich Gott in ihm ein für alle mal zu erkennen gegeben hat, damit wir Menschen uns an der Liebe Gottes festhalten, aufrichten und orientieren können.

Damit wir die Hoffnung haben, dass Gott letztendlich alles in allem ist. Oder anders gesagt, dass wir immer und überall von seiner Liebe umfangen, gehalten und getragen sind in diesem Leben und darüber hinaus.

Dass Gott uns   durch alles Schwere und Schlimme hindurch begleitet und trägt. Und letztendlich dazu helfen will, alles Leid  und Unglück zu überwinden.

 

Eine Erfahrung, die Menschen tatsächlich bis heute machen.

Dass der Tod eines lieben Menschen zwar unendlich schmerzhaft ist und dass die Trauer auch tatsächlich Raum und Zeit braucht. Dass es dann aber doch langsam und allmählich gelingt,   mit dem  Schmerz und der Trauer zu leben .Dass man ganz langsam lernt  wieder auf und nach vorne zu sehen .Dass die Trauer sich langsam hebt und dass dann sogar wieder    schöne Momente und Augenblicke kommen. Dass die Freude am Leben allmählich wieder kommt und wir sogar wieder Freude und Lust am Leben habe.

Oder Menschen erleben, dass eine Beziehung, auch eine Ehe am Ende ist. Dass es manchmal gar nicht anders geht, als sich zu trennen, um ein noch längeres und schlimmeres Leid zu verhindern. Aber es kann auch gelingen mit einer guten Beratung von außen, dass zwei Menschen es schaffen, an sich selbst und aneinander zu arbeiten, zusammen zu bleiben und dann auch wieder eine gute Perspektiven für das   Zusammenleben zu haben.

Und auch in diesen wirklich schwierigen Zeiten der Pandemie, mit den vielen unzähligen Opfern , der fortdauernden Gefahr für Gesundheit und Leben , den Sorgen ,die viele Menschen sich um ihre wirtschaftliche Existenz machen, dürfen wir immer noch Hoffnung auf neues ,anderes   Leben haben. Darauf hoffen, dass es irgendwann, Dank der Impfung von vielen Menschen, auch wieder ein Leben nach der Pandemie für uns gibt, in der manches  vielleicht   anders  als vorher sein mag,  wo es dann aber auch wieder möglich sein wird    leichter und unbeschwerter zu leben.  

Unser kleiner Ostergarten hier in der Kirche ist auch ein Zeichen und ein Symbol für neues Leben. Dass   selbst nach schweren Zeiten, harten Tagen mit Dürren und Brachen auch wieder langsam neues Leben aufkeimt, sprießen und wachsen kann. Dass es sich lohnt selbst schlimme Zeiten, Stunden und Tage auszuhalten und durchzustehen, weil wir auf Gott und durch ihn immer wieder auf neues und sogar pralles Leben  hoffen können und hoffen dürfen.

 

An Ostern  feiern wir Gott sei Dank,  die nicht ausrottbare Hoffnung  , dass Gott uns das Leben nicht nur erneuert  sondern auch die Freude am  Leben wieder bringt und dass es uns möglich sein wird, diese Freude nicht nur zu erleben und erfahren, sondern sie auch  an andere Menschen weiterzugeben. Das , was wir können, dazu beizutragen, dass auch das Leben  anderer Menschen ein bisschen     heller und schöner und froher  wird. Dass sie wenigstens eine kleine   Freude erfahren und sie dann auch irgendwann wieder Freude am Leben haben.

 An den großen aber  meistens viel eher   kleinen Dinge , die unser Leben bunt machen und schön. Dass wir das Blühen und Sprießen ringsherum wieder sehen oder uns freuen am  Singen der Vögel, an einer zufälligen Begegnung ,an einem fröhlichen Winken oder einem kleinen  Lächeln  , am  Lachen der der Kinder, an einem kurzen Anruf , der uns  mitten in der Pandemie daran erinnert , dass wir nicht allein oder vergessen sind , dass jemand da ist , der sich für mich interessiert und dem ich sagen und auch erzählen kann, was mich bewegt.  Manchmal sind es tatsächlich die kleinen Dinge die unerwartet fröhlich und glücklich machen. Ein Buch , das wir lesen , ein kleiner Gedanke , der uns in den Sinn kommt und den Augenblick  plötzlich heller macht. Dass wir das strahlende Blau des Himmels wieder sehen oder die Wärme der Sonne spüren. Dass wir eine kleine Melodie hören, die uns plötzlich beschwingt. Und uns das Gefühl gibt, dass es trotz manchem, was schwer ist,   gut ist und schön auf der Welt zu sein.    

Gott sei Dank gibt es bis heute diese österlichen Erfahrunge !  In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch frohe Ostern und die frohe Gewissheit an der Osterfreude, die wir eingangs gehört haben.

Denn Christ ist erstanden, von der Marter alle.

Des sollen wir alle froh sein Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.

Seit, dass er erstanden ist, so loben wir den Vater Jesu Christ.Kyrieleis. Halleluja. Amen

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum Sonntag Palmarum am 28.03.21

von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,

Palmensonntag. Palmarum. Früher der Konfirmationssonntag, eine Woche vor Ostern. Vielleicht wurden einige von Ihnen früher auch an Palmarum konfirmiert.

Der Palmensonntag, eng verbunden mit der bekannten Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem. Wenn wir die letzten Stationen Jesu vor seiner Kreuzigung mit den Kindergottesdienstkindern besprechen, dann spielen sie das sehr lebhaft und lebendig nach, wie das Volk mit Palmenzweigen wedelt und alle Hosianna rufen.

Palmensonntag, das ist aber zugleich auch der Moment, in dem die anfängliche Jubelstimmung schnell umschlägt. Die, die Jesus heute Hosianna zujubeln, rufen morgen das „Kreuzige ihn!“

So nahe liegt beides nebeneinander. Die Erhöhung und das gefeiert sein als König auf der einen Seite und das erniedrigt werden, verspottet und verstoßen werden auf der anderen Seite. Fern von all diesem Lärm und all den Emotionen kurz vor dem Leidensweg Jesu wird uns heute an Palmarum ein kleiner Abschnitt aus einer der letzten Gebete Jesu vorgestellt, so wie es der Evangelist Johannes überliefert.

 „So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;

Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig [a] erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

 Jesus betet zu Gott. Anders als im Garten Gethsemane scheint er das ganz bewusst vor allen seinen Jüngern zu tun. Er nutzt einen dieser letzten Momente, um mit seinem Vater Zwiesprache zu halten. So recht passt diese ruhige Gebetsstunde gar nicht zu dem lauten Jubel beim Einzug in Jerusalem. Diese Gedanken bereiten uns vor auf die letzten Tage, die Stille Woche, die Karwoche.

„Vater, die Stunde ist da“ – so beginnt Jesus sein Gebet.

In dem Vers, der diesem Gebet vorausgeht, ging es noch um die Angst der Welt. „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ – Er nimmt den Jüngern die Angst. Er wirbt für Vertrauen, seine Sendung richtig zu begreifen. Es sind eines seiner letzten Worte.

„Die Stunde ist da. Es ist alles gesagt.“ Die Menschen konnten sich entscheiden, so wie es Johannes oft genug in seinem vierten Evangelium herausstellt: Wer wirklich glaubt, der erkennt Jesus in seiner wahren Bedeutung.

Und es ist besonders das vierte Evangelium nach Johannes, das die Kreuzigung Jesu nicht als Erniedrigung darstellt, sondern als eine Erhöhung. Am Kreuz, in seinem Sterben und Auferstehen wird Jesus erst am Ende seines Wirkens wirklich erkannt.

„Vater, die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn.“

Uns, die wir das Leiden und den Gekreuzigten schon so kurz vor Ostern vor Augen haben, fällt es schwer, das Kreuz als Verherrlichung zu verstehen.

Aber genau darauf richtet Jesus nach Johannes seinen Blick. Seid nicht verzweifelt darüber, dass mein Weg ans Kreuz führt, sondern glaubt an mich, der ich zugesagt habe: Ich bin das Licht. Ich bin das Brot. Ich bin der Weg. Ich bin die Tür. Ich bin die Auferstehung, der gute Hirte, der wahre Weinstock –

 Bildworte, die eine Brücke schlagen sollen zwischen Erde und Himmel, zwischen ensch und Gott.

Damit sie verstehen, sagt Jesus oft bei Johannes, damit sie mich erkennen. Und den, der mich gesandt hat.

„Vater, die Stunde ist da, dass ich verherrlicht werde“. Der Beginn dieses Gebetes schlägt schon den Bogen zu Jesu letzten Worten am Kreuz, wie wir sie am Karfreitag hören werden: „Es ist vollbracht.“

„Die Stunde ist da, dass ich von dir Vater verherrlicht werde.“ Das bedeutet zweierlei: zum einen: lasst nicht die Köpfe hängen unter meinem Kreuz. Ich muss diesen Weg gehen, um erhöht zu werden, verherrlicht zu werden bei Gott, meinem Vater. Das ist die eine Seite. Die andere: dieses „Vater, die Stunde ist da, dass ich verherrlicht werde“ ist so etwas wie der „point of no retourn“, auf Deutsch: es gibt jetzt kein Zurück mehr.

Es ist eine ganz andere Stimmung als wir es aus den anderen Passionsgeschichten kennen: wo sich noch ein Petrus im Garten Gethsemane dazwischenwirft, wo Jesus noch bei der Ankündigung des Verrates beim letzten Mahl die Jünger bewusst anspricht: einer von euch: Vielleicht hätten sie untereinander das Schlimmste noch verhindern können. Es ist ein ganz anderer Ton in diesem letzten Gebet bei Johannes, ganz anders als im Garten Gethsemane, wo Jesus noch betet: „Vater, lass wenn es möglich ist, diesen Kelch an mir vorüber gehen.“

Dieser johannäische Jesus betet aus einem anderen Blickwinkel: „dass ich verherrlicht werde.“ Und Gott.

„Ich habe deinen Namen den Menschen, die du mir anvertraust,“ offenbart, so betet Jesus weiter,

„Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.“

Man könnte auch sagen: Mission erfüllt. Aber Jesu Weg am Kreuz ist eben nicht dieses „Ende gut, alles gut“ - sondern es bleibt der Widerspruch: Dort, wo der Leidensweg beginnt, das Ausgeliefert sein, die Schmerzen und am Ende der Tod“ genau dort in dieser dunkelsten Stunde offenbart Gott seine Herrlichkeit durch Christus selbst.

Für uns bleibt dieses Rätsel, dieser Widerspruch. Darum eröffnet uns gerade der Christus nach Johannes einen anderen Blick auf das Kreuz: mitten im Leiden erhöht zu werden, verherrlicht als Sohn Gottes.

Der Widerspruch. Wie kann Gott seinen Sohn leiden lassen wird nicht aufgelöst. Es ist ein anderer Blick auf das Kreuz.

Wir bereiten uns auf Ostern vor. Zum zweiten Mal in Zeiten der Pandemie. Viele leiden unter diesem ständigen Hin und Her. Wir erleben genau das, was zu Palmarum passt. Heute werden Entscheidungsträger hochgejubelt, Morgen verspottet. So viel Menschliches in Zeiten der Krise. Das Kreuz dieser Pandemie tragen wir nun schon ein Jahr miteinander. Anklagen und einander vorführen hilft nichts. Versuchen wir von Ostern her zusammenzubleiben und die eigenen Ängste zu überwinden. So wie Jesus Christus es für uns getan hat.

 

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Gruß zum Sonntag Judika am 21.03.2021

von Pastorin Parra

 

 

 

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Liebe Preetzerinnen und Preetzer,

führen Sie manchmal Selbstgespräche? Ich ertappe mich in letzter Zeit öfter dabei, dass mir passiert. Ist es das Alter oder vielleicht mehr das Alleinesein – über ein Jahr nun schon - mit so manchen Gedanken?

Dann denke ich: Mal ehrlich, stell dich nicht so an: Du hast doch eine Familie und da sind reichlich Leute, beruflich wie privat, denen es gut täte, wenn du sie mal wieder anrufst. Du lebst mit einem lieben Menschen zusammen, dem Du alles sagen kannst, bist gesund und das Gehalt ist auch immer pünktlich auf deinem Konto. Stell dich nicht so an!

Hab ich das jetzt vielleicht schon wieder laut gesagt? So weit ist es jetzt schon gekommen, dass  ich mir selbst sage, was ich von anderen als Antwort auf meine Klagen erwarte, aber eigentlich gar nicht hören will! Klagen dürfen ohne dass da gleich eine Stimme ist, die das verbietet - das täte gut.

Klagen lernen können wir von Hiob. Alles hat er verloren: Sein Hab und Gut, die Menschen, die ihm nahe waren, seine Gesundheit. Zu Recht verleiht er seinem Unglück Ausdruck:

„Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen!“ (Hi 19,19-24)

Niemand versteht sein Leid, so kommt es ihm vor, aber er ist darin ganz eins mit sich, schluckt es nicht herunter, sondern will für immer in den Felsen meißeln, was er klagt, denn da scheint sonst keiner zu sein, der sich erbarmt, der versteht – nicht einmal Gott.

Objektiv möchte er festhalten, wie schlimm das Leid ist, das ihm widerfährt, wie ungerecht. Während wir aber objektiv messen können, ob es kalt ist und wir also zu Recht frieren, können Schmerzen und Leid nicht objektiv gemessen werden. Wer in der Pandemie unter was wie sehr leidet, das kann nicht letztgültig verglichen und bewertet werden. Und das ist gut so. Es ist wichtig, nicht abzustumpfen und zu vergessen, was uns eigentlich fehlt.

Mitten in seiner Klage schlägt Hiobs Stimmung anscheinend plötzlich um:

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“

Wir dürfen klagen - im Selbstgespräch, einander und miteinander, Gott - Dazu haben wir alles Recht. Wir dürfen dann aber auch hoffen.

Wenn grad kein anderer da ist oder auch wenn wir uns das aufmunternde Gerede der anderen abgedroschen erscheint, dann lohnt es sich, auch mal mit der eigenen Seele ins Gespräch zu kommen, zu erlauschen und zu erspüren, welche Hoffnung dort schlummert.

Das Wort von der Auferstehung kann meiner Ansicht nach nur aus solcher inneren Zwiesprache heraus wahr gesprochen werden, aus der inneren Gewissheit heraus, dass da etwas ist, von dem wir erlöst werden wollen und einer ist, der uns erlösen wird, schon erlöst hat und gerade jetzt in dem Moment erlöst, in dem wir das erkennen.

Ihre Pastorin Ute Parra

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Gruß zum Sonntag Lätare am 14.03.2021

gehalten von Pastorin Glatthor

 

Beim Spaziergang kommt sie am Kindergarten des Dorfes vorbei. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Sie sieht die spielenden Kinder im Garten: Eins sitzt auf Schaukel und wird immer wieder von der Erzieherin angeschoben, damit es immer höher schaukeln sowie ein Gefühl vom Fliegen spüren kann und eins sitzt in der Sandkiste und spielt mit seinem Bagger. Freude, Fröhlichkeit und Unbeschwertheit kann sie über den Zaun hinweg spüren. Doch in ihr sieht es anders aus – eine große Sehnsucht füllt sie förmlich aus. Ob sie jemals ein eigenes Kind haben wird? Ein eigenes Kind? Ihr Kind? Für sie und ihren Partner ist es mitunter wie eine Zerreißprobe. Sie befinden sich schon eine lange Zeit mittendrin. Die Sehnsucht nach einem „Danach“, nach Zuversicht und einer Zukunft sind groß. Und neben ihr am Ast des Baumes gibt es eine Knospe, die ganz langsam zu blühen beginnt. Vorsichtig öffnen sich die noch geschlossenen Blätter. Ein rosa Farbkleks lässt sich erahnen. Und um sie herum sind Vögel, die zwitschern, die hoch und runter und hin und herfliegen, mit kleinen, dünnen Ästen oder Insekten im Mund. Und die Sonne lässt ihre Strahlen bis zur Erde scheinen, erwärmt sie und lässt so die ersten Frühlingsboten aufleuchten. Denn es geht weiter. Irgendwie.

Beim Spaziergang kommt er am See entlang, der am Dorfrand liegt. Er fühlt sich einsam und verlassen. Der Sandweg führt ihn direkt vorbei an der kleinen Bank aus Holz, die schon etwas abgenutzt ist und dadurch veraltet wirkt. Viele Herbst- und Wintertage musste diese Bank schon aushalten, einen Anstrich gab es schon lange nicht mehr. Oft war er mit seiner Frau hierhergekommen – gemeinsam – bis hierher hatte sie es immer geschafft zu gehen – zwar mit Anstrengung und zum Schluss mit seiner Hilfe, aber immerhin. Oft saßen sie hier, schauten über den See, beobachteten die Vögel, die sich hier treffen: Gänse, Enten, Fischreiher, Adler und viele mehr - ein Naturschauspiel. Doch heute ist er alleine hier. Ist alleine den Sandweg von seinem Haus am See entlang gegangen bis hierher, zur kleinen, abgenutzten Holzbank. Große Trauer und tiefe Sehnsucht erfüllen ihn. Einen Weg daraus, einen Weg nach vorne, sieht er im Moment nicht. Wie eingehüllt von Nebel, so fühlt sich alles für ihn an, wie eingehüllt von einer großen Nebeldecke. Und neben ihm am Ast des Baumes gibt es eine Knospe, die ganz langsam zu blühen beginnt. Vorsichtig öffnen sich die noch geschlossenen Blätter. Ein rosa Farbkleks lässt sich erahnen. Und um ihn herum sind Vögel, die zwitschern, die hoch und runter und hin und herfliegen, mit kleinen, dünnen Ästen oder Insekten im Mund. Und die Sonne lässt ihre Strahlen bis zur Erde scheinen, erwärmt sie und lässt so die ersten Frühlingsboten aufleuchten. Denn es geht weiter. Irgendwie.

„Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,20-24)

Jesus nutzt das Bild vom Weizenkorn. Es muss zunächst in die Erde fallen und sterben, kann dann aber hundertfach Frucht bringen. Leben wächst durch Leid und Sterben hindurch. Gott weiß, dass er sterben muss, damit wir leben und glauben können – für uns. Damit aus Einem Viele, aus Einsamkeit Gemeinschaft und aus Trauer Trost werden kann. Das Sterben des Weizenkorns hat nichts Endgültiges. Der Schimmer von Ewigkeit strahlt bis in unsere Gegenwart. Ein Blick über alles hinweg in das „Danach“, so wie die Hoffnung auf neues Leben, die Ostern zur Vollendung gelangt und die Sehnsucht, die sich zu einem Träumen verwandeln kann, kann eine neue Perspektive schenken. An all das kann schon an diesem heutigen Sonntag gedacht werden: Mitten in der Passionszeit eröffnet sich ein Moment der Freude, der Vorfreude. Ein Sonntag an dem bereits der Ostergedanken anklingen kann. Ein Funken von dem Osterfeuer, der bereits jetzt zu sehen sein kann; ein Leuchtstreifen in die verhüllende Dunkelheit hinein; klein und vielleicht kaum zu spüren, aber ein Hauch von Hoffnung; eine Kostprobe davon, was es heißt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass wir im täglichen Leiden, im Sterben und über den Tod hinaus uns von Gott begleitet, getröstet und gehalten fühlen dürfen!

Denn es geht weiter. Irgendwie. Jeden Tag. Noch im Nebel verhüllt. Doch es geht weiter. Mit aller Überforderung, mit aller schwerer Krankheit, mit aller Ohnmacht. Es wird weitergehen im Leben wie im Tod. Weil Gott in Christus Mensch geworden ist und litt, während er Vögel zwitschern, Knospen aufsprießen und Bäume blühen sah.

Amen.

 

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Gruß zum Sonntag Okuli am 07.03.2021

gehalten von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.


Predigttext
Eph 5, 1-9
1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder. 2 Und führt euer Leben so, dass es ganz von der Liebe bestimmt ist. Genauso hat auch Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben –als Opfer und als Duft, der Gott gnädig stimmt. 3 Über Unzucht, jede Art Unsittlichkeit oder auch über Habgier sollt ihr nicht einmal reden. Denn das gehört sich nicht für Heilige. 4 Ihr sollt nichts sagen, das andere herabsetzt, nicht dumm daherreden und keine zweideutigen Witze machen. Das ist nicht angemessen! Bringt vielmehr euren Dank zum Ausdruck. 5 Denn eines müsst ihr wissen: Jede Art von Unzucht, Unsittlichkeit und Habgier ist ja nichts anderes als Götzendienst. Wer dies tut, erhält kein Erbe im Reich von Christus und von Gott. 6 Niemand soll euch mit leeren Versprechungen verführen. Denn wegen solcher Dinge bricht der Zorn Gottes über die Menschen herein, die ihm nicht gehorchen. 7 Mit solchen Leuten dürft ihr nichts zu tun haben! 8 Früher habt ihr nämlich selbst zur Finsternis gehört. Aber jetzt seid ihr Licht, denn ihr gehört zum Herrn. Führt also euer Leben wie Kinder des Lichts! 9 Denn das Licht bringt als Ertrag lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Was, liebe Gemeinde, tun geliebte Kinder?
Was sind Ihre Erfahrungen? Was sind Ihre Erinnerungen?
Was heißt es überhaupt, ein geliebtes Kind zu sein?

Ich höre ein altes Gute-Nacht Lied vor meinem inneren Ohr. Breit aus die Flügel beide, oh Jesu meine Freude, und nimm dein Küchlein ein. Will Satan dich verschlingen, so lass die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein.
Das ist das Ende des Liedes: „dies Kind soll unverletzet sein“.
Das ist eine ideale Figur – das Leben ist nicht ideal.
Und dennoch stelle ich mir dies als eine wunderbare Situation vor: Liebe, die wirklich schützt. Liebe, die einen bergenden Mantel bildet. Gegen Lebenskälte, gegen Angriffe des Lebens.
Lebendige Liebe ist das. Sie hält. Sie weitet. Sie schafft Raum für das, was reden und offenbar werden will. Sie schützt das Verletzliche. Die Ärzte nennen das ganz am Anfang des Lebens beim Säugling den Stillschutz. Da kommt so eine Mischung aus optimaler Nahrung, bergender Nähe, wunderbaren Geräuschen usw. in das Leben eines Menschenkindes, so dass es ganz besonders gut geschützt ist und gedeiht.
Geliebte Kinder gedeihen.
Und natürlich gibt es noch weitere Formen des Aufwachsens, die einem Menschenkind helfen, gute innere Sicherheit zu gewinnen und zu erhalten.
Worauf es mir ankommt, ist dies: Je sicherer jemand in sich ist, umso weniger wird er andere angreifen, belästigen, bedrohen und gefährden. Je geschützter sich jemand selbst fühlt, desto eher gewährt sie auch anderen Schutz.
Je klarer jemand sich als geliebt empfindet, umso mehr kann er oder sie anderen Raum lassen und eigenen Wege finden lassen.
Je geliebter jemand in sich ist, desto sicherer wird man in ihrer und seiner Nähe sein.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Ich höre das als Einladung, aus dem sicheren Gefühl, von Gott geliebt zu sein, an einer Welt mitzubauen, die anderen sicheren Raum, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bietet.
1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Wer das ernstnimmt, kann keine Hassbotschaft, keine politischen Engstirnigkeiten, keinen ausschließenden Glauben vertreten.

Es geht hier um die Basis eines Lebens, dem Gott Halt und Haltung gibt. Damit sind diese Verse eine Botschaft gegen moralische Engführung und gegen christliche Machtansprüche auf jedwedes Bessersein.
Vielmehr schreibt Paulus eine Einladung an eine Lebenshaltung voller großer Gelassenheit – schlicht deshalb, weil geliebte Menschen kein Interesse an Unterdrückung, Machtausübung und neidischem Gerangel haben.

Wir hören diese Worte unter den Vorzeichen dieser aus dem Ruder geratenen Zeit. Kämpfe gegen den Lockdown, Ringen um mehr Lockerung, Gerangel um den Platz in der Schlange der Impfwilligen gehen einher mit dem Gefühl, der Lage schon lange nicht mehr gewachsen zu sein. Was soll ich bloß machen, fragen sich viele, egal, ob sie ihre Angehörigen nicht sehen und vereinsamen, oder ob ihnen die Nerven zittern nach Wochen von Homeschooling, Homeoffice, geschlossenem Allerlei.
Nerven liegen blank, normale Mechanismen greifen nicht mehr, der Rückweg ins normale Leben scheint abgeschnitten und der Ausweg scheint durch immer neue Hemmnisse verstellt.
Was hilft?

Ich glaube, es helfen vor allem die kleinen Dinge. Die Gesten in der Familie oder in der Nachbarschaft. Der Gruß, der kurze nachbarschaftliche Kaffee im Freien auf der Terrasse, das Zurufen von Grüßen, ein Anlächeln über die Maske hinweg – wenigstens mit den Augen. Es helfen die Spaziergänge, wenn die Reisen ausfallen und das Telefonat, wenn der Besuch unmöglich ist. Das, was möglich ist, ist oft viel kleiner als das Erwünschte. Aber so bekommt gerade das Kleine neues Gewicht.

Nächstenliebe war eine Zeitlang ein Begriff aus der Mottenkiste geworden, gebraucht nur noch von christlichen Insidern. Auf einmal ist die Nächstenliebe wieder IN, weil außer dem oder der in meiner Nähe gar keiner für mein Leben erreichbar ist. Und was zwischen ihm und mir passiert, wird auch nicht mehr durch so viele große und weit entfernte Attraktionen überlagert. Ostsee statt Malediven. Auf einmal sind unsere Strände eigentlich das wahre Meer. Denn sie sind erreichbar. Das gilt auch für die Menschen, mit denen ich lebe, und die ich vorher zuletzt vielleicht zu oft übersehen habe.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
So klein kann sich das anhören, Gottes Plan vom Leben in der Welt zu verwirklichen. Aber Halt und Haltung, die aus dieser Nachahmung entstammen, können tiefgreifend und nachhaltig unserem Leben guttun.

Die und den anderen wirklich in den Blick nehmen. Liebe als Maßstab des Lebens, frei von romantischer Verbrämung, vielmehr sich ausrichtend an schützender Haltung, die ich gewinne aus dem Gefühl, selbst gut aufgehoben zu sein – z.B. auch bei Gott.

Damit das zum Schluss noch einmal klar ist: Ich weiß um die Realitäten des Lebens, bei deren Anblick es sich durchaus auch schmal und zu einfach anfühlen und anhören kann, ihnen mit Liebe, mit dem Nachahmen der Liebe Gottes zu begegnen.
Deshalb, wenn Sie skeptisch sind, was sehr erlaubt ist: Fragen Sie sich nach Menschen in Ihrem eigenen Umfeld. Sie werden vermutlich ähnlich wie ich bestätigt finden, dass je geliebter, je sicherer aufgehoben ein Mensch ich fühlt, dieser Mensch umso weniger die Menschen in seiner Umgebung drangsaliert, unterdrückt, gewalttätig behandelt, sich mit anderen verhakt usw.
Sondern dass vielmehr von solchen Menschen Ermutigung, Gelassenheit, Freude, Offenheit und etwas Einladendes ausgeht.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Bei dem, was Paulus schreibt, geht es einmal mehr um Halt und Haltung im Leben, die Zukunft möglich machen, gerade auch in Zeiten wie diesen.

Amen.

 

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Gruß zum Sonntag Reminiscere am 28.02.2021

gehalten von Pastorin Parra

 

 

 

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Liebe Leserinnen und Leser,   
haben Sie / habt Ihr heut schon gebetet? –Wie? Die Frage ist zu persönlich? Naja, ich gebe zu, das ist kein leichtes Gesprächsthema. Im Gebet treten wir schließlich ganz ungeschminkt vor Gott – mit allen Fehlern und Schwächen, mit unseren Ängsten und geheimen Sehnsüchten. Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden haben mit mir in den vergangenen Wochen in Einzelgesprächen über das Beten geredet und das war für mich sehr bereichernd. Manche der Gedanken aus diesen Gesprächen fließen in diese Predigt ein, die wir im Unterricht inhaltlich vorbereitet haben:

Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das Getsemani hieß. Er sagte zu ihnen: »Setzt euch hier! Ich gehe dort hinüber, um zu beten.« Petrus und die beiden Söhne von Zebedäus nahm er mit. Angst und tiefe Traurigkeit befielen ihn, und er sagte zu ihnen:
» »Ich bin so bedrückt, ich bin mit meiner Kraft am Ende. Bleibt hier und wacht mit mir!« Dann ging er noch ein paar Schritte weiter, warf sich nieder, das Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen! Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.«  Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Konntet ihr nicht eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt. Der Geist in euch ist willig, aber eure menschliche Natur ist schwach.« Noch einmal ging Jesus weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann geschehe dein Wille!« Als er zurückkam, schliefen sie wieder; die Augen waren ihnen zugefallen. Zum dritten Mal ging Jesus ein Stück weit weg und betete noch einmal mit den gleichen Worten. 45 Als er dann zu den Jüngern zurückkam, sagte er: »Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist da; jetzt wird der Menschensohn an die Menschen, die Sünder, ausgeliefert. 46 Steht auf, wir wollen gehen. Er ist schon da, der mich verrät!«  (Mt 26,36-46)

Jesus ist bedrückt, kraftlos, hat Angst vor Gefängnis, Folter und Tod, vor dem Alleinsein mit alldem. In seiner Not bittet er seine Freunde um Beistand: „Bleibt hier und wacht mit mir!“ Sie aber schlafen einfach ein, gleich dreimal! Vergeblich bittet er sie: „Bleibt wach und betet!“ Das will er nicht nur für sich, sondern auch, damit sie sich bereit machen können für das, was vor ihnen liegt. Sie sollen der Versuchung widerstehen, die Augen zu schließen wie das Kaninchen vor der Schlange, sollen sich sich selbst stellen – im Gebet.
Beten ist nicht nur schön, sondern manchmal auch unbequem. Es führt uns unsere Grenzen vor Augen. Im Leben gibt es Dinge, die können wir nicht allein bewirken, regeln oder reparieren. Hilft es denn wenigstens, sich Gott anzuvertrauen? Was ändert das?
Manchmal wendet sich nach einem Gebet wie durch ein Wunder das Blatt: Verlorengeglaubtes taucht wieder auf, geliebte Menschen werden vor drohender Gefahr bewahrt. Aber manchmal scheint auch alles genauso zu bleiben wie zuvor. Wieso will Gott nicht helfen? Kann er nicht?
Jesus bittet Gott in seiner Angst um Rettung, obwohl er selbst zuvor schon davon gesprochen hat,  dass er in die Hände seiner Feinde geraten und sterben muss. Er ist ganz Mensch, ist schwach, verletzlich und versucht, sich seinem Schicksal zu entziehen. Gleichzeitig will er tun, was Gottes Plan für ihn ist. Mit all dem tritt er vor Gott.
Eugen Eckert dichtete:

„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich!...“

 

Über die eigenen Grenzen zu sprechen ist wirklich sehr persönlich, darum fasse ich mehrere Gedanken meiner Konfirmanden dazu neu zusammen: „Manchmal bete ich, wenn ich merke, dass ich einen Fehler gemacht habe und nicht weiter weiß. Dann merke ich: Ich kann wieder neu anfangen. Ich sehe dann, wie das gehen kann.“ „Manchmal bete ich, wenn ich Streit habe und man mich nicht versteht. Ich brauche diese Zeit, damit ich verstehe und wir uns hinterher wieder vertragen können.“ „Manchmal bete ich, wenn ich traurig bin, weil etwas Schlimmes passiert ist, das ich nicht ändern kann.“


 „Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich. Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich...“

Wir kommen im Leben an Grenzen und Furchtbares geschieht, das wir nicht verstehen. Wieso kann ein so kleines Virus über unser aller Leben bestimmen und bewirken, dass Menschen einsam sterben, dass wir unsere Freunde nicht treffen dürfen, dass alles stillsteht? Wie lange soll das noch so gehen?


„Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich...“

Das Gebet ändert nicht immer die Welt um uns herum. Was geschieht bleibt manchmal unverständlich, macht uns auch zu Recht ängstlich, wütend und traurig. Trotzdem kann es gut tun, sich in all dem Gott anzuvertrauen. Aus diesem Eingestehen unserer Ohnmacht kann Stärke werden. Im Eingestehen unserer Ängste kann sich etwas lösen.
Am einigsten waren die Konfirmanden darüber, dass man im Gebet alles sagen darf. Und interessant: Auch wer von den Konfis meint, dass ein Gebet gar nichts bringt, hat nichts dagegen zusammen das Vaterunser zu beten. Beten ist etwas, das in Gemeinschaft leichter fallen kann. Darum wollte Jesus ja auch, dass seine Freunde mit ihm beten.


„Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.“

In unserer Gemeinschaft, die wir im Gebet haben, wird der Raum weit. Wenn wir für unsere Umwelt, für ein gerechtes und friedliches Miteinander beten, dann wird das auch unser Handeln beeinflussen.
 Was wir aneinander tun, wenn wir füreinander  und miteinander beten, das weist auf den Grund unserer Gemeinschaft hin. Wenn die Antwort auf ein Gebet uns nicht in Wundern Gottes deutlich wird, so doch in dem, was es in uns und zwischen uns verändert. Vielleicht sind das ja in Wahrheit auch Wunder Gottes. Traun wir uns, das herauszufinden!
Ihre und Eure Pastorin Ute Parra

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


Gruß zum Sonntag Invokavit am 21.02.2021

gehalten von Pastor Kroglowski

 

 

Aufbruch - „mit Versuchungen“

Liebe Gemeinde,

wir kennen sie die kleinen und die großen Versuchungen des Lebens. Da ist es jetzt vielleicht zu Beginn der Fastenzeit „die süßeste Versuchung seit es Schokolade gibt“. Die Versuchung im „home schooling“ die Schule etwas schleifen zu lassen. Der große Lotto Gewinn - das wäre es doch – aber nicht allein für mich. Gutes will ich auch damit tun. Oder die Pandemie einfach weg zaubern – alles wäre wieder normal.

Auch der Bibeltext für den heutigen Sonntag (Matthäus 4,1-4) erzählt eine Versuchungsgeschichte. Jesu Versuchung in der Wüste. Dreimal führt ihn der Teufel in Versuchung.

Aus Steinen soll er Brot machen. Eine sozial gerechte weltweite Gesellschaft … von Menschen nicht zu schaffen … Jeder Hunger soll gestillt werden … Die Zeiten der Versuchung, die durch Hunger nach Brot entstehen, kennen nur noch die Älteren in unserer Gemeinde. Oberflächlich sind wir satt. Und doch der Hunger nach Leben ist allzu bekannt. Das Konsumbedürfnis, um diesen Hunger nach Leben zu stillen – richtet sich in unserer Gesellschaft auf Besitz und Besitzstand und Geld – aber auch auf Menschen, sei es im körperlichen, seelischen oder geistigen Bereich. Jesus setzt diesem Lebenshunger seine Erfahrung entgegen, dass der Mensch vom Wort Gottes leben kann. Das stillt seinen Hunger und schafft Freiheit.

Die Versuchung durch Rettung. Gott erfüllt unsere Wünsche nicht eins zu eins. Die Versuchung Gott für alles, was in unserem Leben passiert, in die Pflicht und in die Verantwortung zu nehmen, ist groß. Ein Leben ohne Leiden, ohne Krankheit, ohne Abschied, – ein Sterben ohne Angst – eine Wellness Religion voller Engel, die einen immer bewahren - Versuchungen auch für mich. Jesus setzt dieser Versuchung entgegen: Du sollst Gott nicht versuchen! Du trägst auch selbst Verantwortung für dein Leben. Du sollst nicht versuchen, Gottes Wirken und seine Gegenwart ausschließlich an Bewahrung und Rettung zu binden, denn Gott ist in jeder Situation gegenwärtig, auch in den Wüstenzeiten, in denen man nichts von ihm spürt.

Die Versuchung durch Macht. Jesus werden alle Reiche der Welt gezeigt. Die letzte, die härteste Versuchung des Teufels, die Versuchung der Macht: Einfluss ausüben, etwas durchsetzen können, die Fäden in der Hand halten, und vielleicht heute auch vor allen über Informationen verfügen. Wissen ist Macht. Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Doch was macht diese Informationsflut mit unserer Seele? Wo werden wir manipuliert oder wo setzen wir unser Wissen über andere als böse Macht ein? Das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deines Nächsten“ bekommt eine ungeahnte Dimension.

„Das alles will ich dir geben, wenn du vor mir auf die Knie fällst“, verspricht der Teufel auf dem hohen Berg. Jesus ist vor dem Teufel nicht in die Knie gegangen. Es klingt wie eine Antwort an den Teufel, wenn Jesus an einer anderen Stelle fragt: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

Vielleicht für uns auch die Chance mal wieder genau hinzuschauen - wo unsere Versuchungen liegen - woran wir unser Herz und unsere Seele hängen?

Eine gesegnete und versuchungsarme Woche wünscht  

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

 

Gruß zum Sonntag Estomihi am 14.02.2021

gehalten von Pastorin Pfeifer

Predigt zum Text:Lk10, 38-42

Liebe Gemeinde,

Maria und Marta. Die Geschichte, die wir eben gehört haben  ist ärgerlich- jedenfalls  für die meisten. Besonders für Frauen. Vor allem wohl deshalb , weil  die meisten von uns sich Ruck Zuck mit Martha identifizieren und sich  dann auch solidarisieren .

Denn viele von uns kennen das, vielen von uns geht es ähnlich.   Da laden wir uns Besuch ein. So, wie Marta u Maria Jesus und seine Jünger und freuen uns drauf. Putzen die Stube, gehen los, kaufen ein, schleppen alles nach Haus und fangen an zu kochen. Gemüse putzen und schnibbeln. Daneben schnell  noch den Braten in den Ofen geschoben oder das Fett in der Pfanne heiß gemacht, um das Fleisch zu braten. Vielleicht noch eine Suppe gekocht , den Nachtisch gemacht ,Salatsoße gerührt , Salat gewaschen , geschnitten und gemischt.  Schnell noch den Tisch gedeckt und geschmückt, die Gläser poliert. Die Gäste kommen!

Maria und alle anderen haben es sich in unserer Geschichte inzwischen bequem gemacht. Nur Marta rührt immer noch in den Töpfen und kommt ganz schön ins Schwitzen. Kein Wunder, wird sie gedacht haben. Maria taucht  noch immer nicht auf ,um mir zu helfen .Wahrscheinlich,  wird sie  Jesus     längst schon  zu Füßen liegen und hören, was er sagt und sich freuen an seiner Nähe.  

Kein Wunder das Marta an ihren Töpfen langsam die Krise bekommt, Ärger und Wut steigen immer mehr auf.

Schließlich platzt ihr der Kragen. Sie geht rüber zum Lager   und fordert Jesus auf ihrer Schwester nun endlich Beine zu machen. Und ist wohl auch ärgerlich , dass er das nicht  längst schon gemacht hat.

Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll.

Ehrlich gesagt:  Ich kann Marta verstehen. Und muss ihr Recht geben. Kein Wunder , dass sie sich über Maria ärgert. Umso mehr , da sie sich  selbst so sehr  danach sehnt,endlich in Jesu Nähe zu sein und seine Worte zu hören.

Und ich kann mir gut vorstellen, dass Jesu Antwort sie vor den Kopf stößt und sie ziemlich brüskiert:

Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe! Eins aber ist Not: Maria hat das Gute erwählt . Das soll ihr nicht genommen werden.

Was Jesus da sagt, ist für Marta wahrscheinlich wie eine kalte Dusche.       

Da arbeitet sie sich die Hände wund und die Füße platt und Jesus bestätigt ausgerechnet Maria –diese faule Socke.

Die es sich gut gehen lässt, dem hohen Gast zu Füßen liegt,  an seinen Lippen hängt und andere arbeiten lässt, um den Gast zu bewirten.

Allerdings beim zweiten Lesen oder genauerem Hinhören    merke ich auch, dass Jesus die Arbeit der Marta auch nicht abwertet. Dass er stattdessen die Mühe, die Marta sich macht, wahrnimmt und sieht: Marta du hast viel Sorge und Mühe. Er sieht und erkennt die Arbeit, die Marta sich  macht.  

Jesus  sieht ihre Fürsorge und findet sie auch bemerkenswert. Er wertet sie auch nicht ab sondern weiß das zu schätzen.

Aus anderen Zusammenhängen wissen wir, dass Jesus nicht müde wird, Menschen zur Fürsorge und hilfreicher Tätigkeit anzuregen: Geh hin und tue desgleichen. Was du willst, dass dir die Leute tun sollen, das tu ihnen auch. Und auch Jesus selbst wird kaum müde, den Kranken zu helfen, zu handeln und zu predigen den ganzen Tag.

Und es wäre arm, um unsere Welt bestellt, wenn wir solche tatkräftigen Menschen wie Marta nicht hätten.

Mütter und Väter, die ihre Familie, den Haushalt und  die Kinder gut versorgen . Die dafür sorgen, dass morgens ein gutes Frühstück oder mittags ein warmes Essen auf dem Tisch steht. Dass Menschen sich viel Mühe machen, den Haushalt und ihre Lieben gut zu versorgen. Die sich um kranke Angehörige kümmern. Sie waschen und pflegen. Großeltern, die einspringen und die Enkel hüten, Eltern die beim Homeoffice und Homeschooling viel zu oft bis an ihre persönliche Grenze gehen, Nachbarn, die der Familie nebenan in der Not schnell mal eine warme Suppe kochen.    Solche Tätigkeiten, solche Tüchtigkeit ist gut. Ja, du hast viel Sorge und Mühe. Auch Jesus sieht  das und erkennt das an.

 Und trotzdem geht es hier um etwas anderes.

Jesus wechselt hier nämlich die Perspektive und will Marta dazu bringen, das ganze Geschehen einmal ganz anders, nämlich aus der Perspektive von Maria zu sehen und zu betrachten.

Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden.

Wir merken, wie  sich hier in unserer Geschichte die Perspektive verschiebt. Es ist gut in der Not das Notwendige zu tun. Aber was Maria da macht ist eben auch nicht verkehrt, sondern genauso richtig und wichtig.

Maria hat das gute Teil erwählt .Maria hat sich  anders als Marta entschieden.

Und Maria tut sogar gut daran, es sich in der Nähe Jesu gut gehen zu lassen..

Nämlich inne zu halten und sich in der Begegnung mit Jesus  beschenken zu lassen.

Jesus bringt Marta dazu das Verhalten von Maria anders zu sehen, neu zu begreifen und vielleicht zu verstehen.

Maria hat das gute Teil erwählt. Das ,was für sie ganz persönlich jetzt , hier und heute in dieser Situation gut ,richtig und wichtig ist. Das soll nicht von ihr genommen werden.

 Sich ganz und gar auf den Besucher , auf Jesus den Christus zu konzentrieren. Sich seinen Worten ganz und gar hinzugeben und sie zu hören. Sich von ihm und seinem guten und heilenden Geist durchdringen zu lassen. Ganz und gar für ihn offen und da zu sein. Maria hat das gute Teil für sich erwählt. Das was sie jetzt braucht, was jetzt da und vielleicht auch nur heute und hier für sie zu haben ist .

Das soll nicht von ihr genommen werden.

Ich muss an Kinder denken, die hingebungsvoll spielen und in ihrer Welt voll und ganz versunken sind. Mir geht das manchmal auch so, wenn ich ein gutes Buch lese oder wenn ich in Gedanken versunken bin.  

Andere Menschen erleben so etwas beim Tanzen oder beim Musizieren, wieder andere beim Malen. Manche auch im Gebet. Sich ganz und gar im Hier und Jetzt einer Sache oder auch Gott hingeben. Von ihr oder ihm ganz und gar durchdrungen und inspiriert zu sein. Dass soll ihm oder ihr nicht genommen werden!  

Jesus gibt Maria Recht. Und gönnt ihr seine  Nähe , ganz und gar bei ihm und von seinen Worten durchdrungen zu sein.       Sich von seiner Liebe und Güte berühren und beschenken zu lassen.  

Maria und überhaupt alle Menschen brauchen so was. Solche   herausgehobenen Momente, um Kraft zu schöpfen und neue Energie zu tanken ,um ganz bei uns selbst oder bei Gott zu sein und dann auch neue Gedanken  und Ideen zu bekommen. 

Um dann ähnlich wie Maria, weiterzuleben und weiterzumachen, sich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen, um das zu bewältigen, was vor uns liegt.   

Damit wir, wie Marta dann tun können , was gut ,was wichtig und richtig ist .Geh hin und tue desgleichen!

Aber noch etwas anderes ist an unsrer Geschichte, die so anstößig daher kommt bemerkenswert .

Denn schon damals wird diese Geschichte Anstoß erregt haben, weil das Verhalten der Maria und die Tatsache, dass Jesus dies auch noch bestätigt ,damals vollkommen ungewöhnlich und  sogar anstößig war .

Weil Maria die damalige Rollenverteilung sprengt. Denn sie tut hier , was damals  eigentlich nur den Männern möglich war.  Sie schlüpft aus der für die Frauen damals üblichen Rolle,  die Versorgerin und Köchin zu sein. Und nimmt in der Runde der Männer Platz .Sie setzt sich gleichberechtigt und gleichgestellt an ihre Seite. Und Jesus gibt ihr darin Recht und bestätigt das.  

Die Geschichte von Marta und Maria zeigt, dass Männer und Frauen schon damals für Jesus gleich wertig, gleich wichtig und gleich berechtigt waren.

Ein wirklicher Skandal für alle, die das damals erlebt oder davon gehört haben. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg Jesu ans  Kreuz.

Kann schon sein, dass Maria damals schon etwas von dem baldigen Tod Jesus geahnt hat. Dass die wenige Zeit, die sie mit Jesus noch hatte, für sie dadurch umso wertvoller und kostbarer war.

Wir wissen nicht, wie die Geschichte von Maria und Marta   damals weiter ging. Aber ich stell mir gern vor, dass Marta vielleicht noch das Essen aufgetragen hat,   danach aber keine Zeit und keine Minute mehr mit Jesus versäumt hat. Dass beide Schwestern zusammen noch lange bei Jesus gesessen und seine Nähe genossen haben.

Und dass sie danach, als Jesus schon längst wieder aufgebrochen war, in die Küche gegangen sind, um zusammen den Abwasch zu machen und über das Erlebte zu reden.

Dass beide Frauen weiter zusammen gelebt und manchmal vielleicht auch miteinander gerungen haben. Dass beide aber auch durch die Begegnung mit Jesus gestärkt und ermutigt   waren.

Möge Gott uns allen solche ermutigenden Erfahrungen und Erlebnisse auch heute und immer wieder geben.

Amen

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


Gruß zum 4. Sonntag vor der Passionszeit am 06.02.2021

gehalten von Pastorin Glatthor

 

Gott lässt wachsen

Liebe Gemeinde,

im Alltag hören wir viele Stimmen, nehmen sie wahr, verinnerlichen einige, denken über andere noch lange nach, vergessen etliche, behalten einzelne. Zuhören, wahrnehmen, wirken lassen und dann auch noch etwas daraus machen, fällt gar nicht so leicht. Besonders wenn es darum geht, die Stimme Gottes wahrzunehmen.

Wie erkenne ich sie im Alltag und wie wirkt sie?

Im Gleichnis vom Sämann erzählt Jesus seinen Jüngern und den anderen Menschen, die sich um ihn versammelt haben, von dem „Säen“ und Wirken Gottes Wortes: Gott „streut“ die Botschaft seiner Liebe großzügig aus. Gott „wirft“ sie großzügig und mit voller Kraft über das „ganze Feld“. Einiges landet auf dem feuchten Boden, anderes aber auch unter den Dornen oder auf den Steinplatten am Rande des Feldes. Manchmal scheint es nicht zu wirken, sich nicht bemerkbar machen zu können, nicht wahrgenommen zu werden; manchmal setzt es sich aber auch fest und wächst vielleicht im Stillen.

Wie genau, wo es landet und was damit passiert, können wir nicht erahnen. Vielleicht gibt es ja Hörhilfen, die uns dabei unterstützen können, sie im Alltag leichter zu erkennen.

Die Musikgruppe um Felix Jaehn und Mark Forster hat dazu ein Lied veröffentlicht. Im Refrain heißt es: „Hör auf die Stimme, hör was sie sagt, sie war immer da, komm hör auf ihren Rat. Hör auf die Stimme, sie macht dich stark, sie will, dass du´s schaffst, also hör, was sie dir sagt.“ Sie singen zwar nicht davon, wie ich die Stimme erkenne. Aber vielleicht, was sie ausmacht: Eine Stimme, die sich manchmal direkt, manchmal aber auch nur indirekt zu erkennen gibt, die manchmal mehr, manchmal weniger Beachtung von mir bekommt; nach der ich mich mal mehr, mal weniger sehne. Es ist eine Stimme, die mir Gutes will, die mich stark macht und mir mit Rat zur Seite steht, wenn ich nicht weiterweiß. Eine Stimme, die mir Mut zuspricht.

Ich glaube, die Worte Gottes zu hören ist gar nicht so leicht. Ich glaube, ich kann sie im Alltag eher indirekt hören und wahrnehmen. Wenn Jemand über seinen eigenen Tellerrand schaut und wahrnimmt, dass es neben ihm noch andere Menschen gibt. Oder wenn sich Menschen füreinander einsetzen, Nächstenliebe gelebt wird, wenn auf die geachtet wird, denen es nicht gut geht– dann kann ich Gottes Stimme wahrnehmen, die sich unter den Menschen ereignet. Wenn nach einem langen Streit aufeinander zugegangen wird und Vergebung geschieht, dann wird Gottes Stimme hörbar. Wenn sich ehrenamtlich engagiert und sich für andere Zeit genommen wird, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten oder wenn sich ein Ehepaar nach über 50 Jahren noch sagt: Du ich habe dich gern und bin sehr glücklich mit dir. Dann kann ich Gottes Stimme wahrnehmen, die unter uns Menschen spürbar wird.

Mit offenem Herzen für Gottes Wort, kann es zwar im Alltag leicht überhört werden, aber doch auch unvermittelt mitten ins Herz treffen. Auch wenn wir es nicht immer wahrnehmen, Gott streut die Botschaft seiner Liebe großzügig aus und sie gilt uns. Es liegt an uns, damit etwas zu machen. Sie kann wirken, in uns, unter uns und es lohnt sich genauer hinzuhören, wahrzunehmen und offen zu bleiben, für das, was sich unter uns ereignet. Und dann erkenne ich vielleicht, kann sie spüren, kann selbst von der Liebe Gottes zeugen und sie laut werden lassen in der Welt.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen,

Ihre Pastorin Yasmin Glatthor

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum letzten Sonntag nach Epiphanias am 31.01.2021

gehalten von Pastor Pfeifer

 
Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir in Preetz Süd vor einem Jahr den letzten Sonntag nach Epihanias Ende Januar 2020 gefeiert haben. Sechs Konfirmandinnen und Konfirmanden wurden feierlich getauft. Die Gruppe mit 33 Jugendlichen gestaltete den Gottesdienst persönlich und zugleich nachdenklich. Immer wieder stand der Gedanke des Lichtes im Mittelpunkt. Passen zum Tag, dem letzten Sonntag nach Epiphanias. Mit diesem Gottesdienst geht der Weihnachtsfestkreis zu Ende. Noch einmal brannte der Herrenhuter Stern in unserer Mitte.

In diesem Jahr ist alles anders. Ja, es ist zwar wieder das Ende der Epiphaniaszeit gekommen.

(Anmerkung: Der 6. Januar, der Tag der Heiligen Drei Könige wirs auch als Epiphaniasfest bezeichnet. Als Fest der Erscheinung und Verherrlichung Jesu. Nach diesem Tag richten sich  die Sonntage nach Epiphanias aus, je nachdem, wie früh oder spät die Passionszeit vor Ostern beginnt.)

Aber es wurden keine Konfirmanden getauft. Der Weihnachtsstern ist längst abgehängt. Schon Weihnachten war anders. Aber auch keine Sternsinger mit ihrem Licht und fröhlichen Liedern zum 6. Januar. Ja, Corona hat uns noch immer im Griff. Vor einem Jahr war das, was wir in den Nachrichten aus Wuhan gehört haben, weit weg.

Wenn ich nun am Ende des Weihnachtsfestkreises zurückschaue, muss ich feststellen, es war nicht nur alles dunkel und traurig. Wir haben viele Gottesdienste in vielen verschiedenen Formaten an und um Weihnachten herum gefeiert. Unsere Kirchen sind weiter offen. Der Sternsinger Segen wird persönlich zu den Menschen gebracht. Nein, das Licht der Hoffnung kann man in uns Christen trotz Corona nicht so einfach auslöschen. Wir halten eine positive Grundhaltung dagegen. Trotz Lockdown und allem unsäglichen Streiten um Impfdosen.

Und gerade die Besuche an den Haustüren mit dem Segen: „Christus mansionem benedicat“ haben mir gezeigt. Die Menschen sehnen sich nach diesem Zuspruch. Sind dankbar. Und ich habe bei den vielen Besuchen in den letzten Tagen erlebt. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir sagen uns auf Abstand an der Haustür gute Wünsche zu. Aufpassen, gesund bleiben. Mutig und geduldig bleiben.

Ich hätte immer weiter machen können. Besuchen von Haus zu Haus. Mich erinnert das an das Evangelium dieses Sonntags. Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Berg. Sie erleben, wie ihr Herr plötzlich in hellem Glanz erscheint und eine Stimme aus dem Himmel Gott ganz nahe sein lässt. Verständlich, dass die Jünger entzückt sind, verzückt und Jesus bitten, dort oben auf dem Berg zu bleiben. „Hier ist gut sein“. Ein echtes Bergerlebnis. Aber er muss sie enttäuschen.

Sinngemäß ist seine Antwort: „Nein, wir müssen wieder runter in die Niederungen des Alltags.“ Wir kennen das. Wir möchten das Schöne und Glückliche am liebsten festhalten, wissen aber, dass das nicht geht.

Übertragen auf das Kirchenjahr bedeutet dieses Evangelium, wir müssen den Weihnachtsfestkreis verlassen und nun uns auf den Weg der Vorbereitung der Passionszeit machen.

Mancher mag fragen, hilft dieser Aufbruch. Wir sind doch eigentlich schon die ganze Zeit durch Corona unten im Tal und haben gar keine Bergerlebnisse erlebt.

Stimmt das? Sie können sich ja mal fragen, was seit dem letzten Jahr trotz Corona und Pandemie positiv war. Wo es doch zu glücklichen Momenten gekommen ist.

Es ist eben Leben nicht nur Berg und nicht nur Tal. Nicht nur Licht und ebenso nicht nur Dunkelheit. Immer beides. Das ist oft schwer auszuhalten. Diese Ambivalenz.

Aber ich bin davon überzeugt, wir bekommen, wie Bonhoeffer es einmal ausgedrückt hat „die Kraft, die wir brauchen“.

Und wenn man aus dem Fenster schaut, ein feiner Hauch von Winter, die Tage werden spürbar länger und langsam weicht die dunkle Jahreszeit. Es ist hell draußen. Hoffentlich auch in Ihrem Herzen. Nachhaltig. In allen Berg- und Talfahrten.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Ihr Pastor Christoph Pfeifer
 

 

Gruß zum 3. Sonntag nach dem Epiphanias am 24.01.2021

gehalten von Pastor Kroglowski

 

 

Aufbruch - „wenn Heilung möglich wird“

Liebe Gemeinde,

an diesem Sonntag steht die Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum im Mittelpunkt des Gottesdienstes (Matthäus 8,5-13). Obwohl er nicht an den „einen Gott“ glaubt - vielmehr dem römischen Kaiserkult anhängt - sucht er Hilfe und Heilung für seinen kranken Knecht bei Jesus. Der Hauptmann überschreitet die Grenze seiner Uniform, seiner Fremdheit und spricht Jesus an / unterbricht den normalen Ablauf / wagt etwas Neues: „Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.“ Mehr sagt er nicht. Er bittet um nichts, er teilt den Tatbestand mit – und bringt damit seine Not vor Gott. Er vertraut. Jesus geht ohne zu zögern auf den Hautmann ein. „Ich will kommen und ihn gesund machen.“ „Sprich nur ein Wort, so wird er gesund“, antwortet der nüchterne Soldat.

Zwei Dinge fallen mir auf:  

Erstens: Was treibt diesem Hautmann dazu für einem Menschen einzutreten  - sich für seine Heilung einzusetzen? Was setzt ihn in Bewegung zu Jesus - zu Gott? Man kommt dem auf die Spur, wenn man sich einmal genau anschaut, wer denn da krank ist. Ein Knecht heißt es in der Luther Übersetzung. Aber man kann auch übersetzen. Sein Sohn - das eigene Kind liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Ich selbst bin Vater zweier Kinder und ich glaube man kommt, wenn man im Blick hat, dass das eigene Kind des Hauptmanns krank ist an den Kern der Geschichte. Dann weiß mann und frau was diesen Hauptmann in Bewegung setzt. Nicht mehr und nicht weniger als die Liebe zu seinem Kind.

Und das zweite, was mir auffällt:

Liebe - Vertrauen - Glaube braucht nur ein Wort.

Das Gespräch zwischen Jesus und dem Hauptmann lässt der Liebe - dem Vertrauen Raum. Jesus weist ihn nicht ab, sondern lässt ihn seine Lebensgeschichte – das, was er auf dem Herzen hat - erzählen. Er hat Zeit und kann zu hören. Das ist wichtig! Auch für die Erziehung unserer Kinder - für unser Zusammenleben  - für den Glauben gerade auch in der Krise der Corona Pandemie.

Und noch mehr. Jesus verspricht diesem Hauptmann zu kommen und seinen Sohn gesund zu machen.

In dem Moment, wo Jesus ganz nah an seine Seite tritt, uneingeschränkt für ihn da ist - da entsteht im Herzen des Hauptmanns Vertrauen. Wo wir mit unserer Kräften und unserer Medizin am Ende sind - gegen den Zweifel und die Angst an - wagt der Hauptmann - der Vater - Vertrauen.

Und wenn wir einen Ort finden, an dem unsere Seele abladen kann – auf tanken kann – dann gibt unser Glaube – unser Vertrauen uns Kraft –  Dinge verändern sich – etwas wird etwas neu – Heilung beginnt - wie in der Begegnung des Hauptmanns von Kapernaum mit Jesus Christus, der von sich selbst sagt, dass bei ihm die Quelle des Glaubens – des ewigen Lebens ist.

 

Eine gesegnete und heilsame Woche wünscht   

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

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Gruß zum 2. Sonntag nach dem Epiphanias am 17.01.2021

gehalten von Propst Faehling

Die Hochzeit in Kana

(Züricher Bibelübersetzung)

 

1 Und am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort.

2 Aber auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.

3 Und als der Wein ausging, sagt die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

4 Und Jesus sagt zu ihr: Was hat das mit dir und mir zu tun, Frau?[1] Meine Stunde ist noch nicht da.

5 Seine Mutter sagt zu den Dienern: Was immer er euch sagt, das tut.

6 Es standen dort aber sechs steinerne Wasserkrüge, wie es die Reinigungsvorschriften der Juden verlangen, die fassten je zwei bis drei Mass.

7 Jesus sagt zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben.

8 Und er sagt zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt dem Speisemeister davon. Und sie brachten es.

9 Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, das zu Wein geworden war, und nicht wusste, woher es war - die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es -, da ruft der Speisemeister den Bräutigam

10 und sagt zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken sind, den schlechteren. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.

11 Das tat Jesus als Anfang der Zeichen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

 

Eine Geschichte zu Zeiten von Corona, wie aus einer anderen Welt. Und das stimmt übrigens – auch ohne Corona. Es war schon immer eine Geschichte aus einer anderen Welt.

Warum erzählt die Bibel diese Geschichten? Und warum macht es Sinn, dass wir sie noch heute hören und bedenken?

Meine Antwort beschreibe ich in einem Bild: Stellen Sie sich vor, Sie wandern, bergauf, bergab, vielleicht Berge, vielleicht eine schöne Gegend, vielleicht auch die eine oder andere schwierige Strecke zwischendurch; steil bergauf z.B., oder an einem Tag, an dem die Sonne heißt scheint.

 

Irgendwann werden Sie dann doch Durst kriegen. Erst nur so ein bisschen, und dann, je nach Anstrengung, auch richtig. Und irgendwann vielleicht sogar so, dass Sie sagen: Keinen Meter schaff ich mehr, wenn ich jetzt nicht zu trinken bekomme.

Leider hatten Sie zu wenig eingepackt; ihre kleine Trinkflasche ist schon alle.

Und nun, stellen Sie sich mal vor, kommen Sie an einen Brunnen; so ein alter, aus Felssteinen gemauert. Er hat ein kleines Dach darüber und eine Kurbel, mit der Sie einen Eimer in die Tiefe lassen können.

Und also schicken Sie den Eimer nach unten, damit er Ihnen Wasser aus der Tiefe bringt. Frisches, herrliches Wasser aus den tiefen Schichten der Erde. Saubergewaschen von den verschiedenen Ton- und Mergelschichten, aufbewahrt seit Menschengedenken in dieser Tiefe. Es trocknet nicht aus, es ist gerade deshalb so gut, weil es durch die Bodenschichten gelaufen, gefiltert, mit wertvollen Stoffen aufgeladen wurde. Niemand hat es für Sie dort aufbewahrt – es ist ein Geschenk des Lebens. Generationen vor Ihnen haben diesen Brunnen gegraben, gebaut, nachdem sie Wasser gesucht und gefunden hatten.

Sie löschen Ihren Durst aus der Tiefe des Leben, wie Generationen von Menschen vor Ihnen, wie durch ein Geschenk, das Ihnen das Leben über Generationen hinweg macht.

 

Für mich ist die Bibel so etwas wie ein solcher Brunnen. Da wird mein Lebens- mein Wissens-, mein Erklärungsdurst aus einer Tiefe gestillt, die ich aus mir alleine nicht erreicht hätte. Was von dort kommt, habe ich dort nicht hingebracht und auch kein anderer Mensch. Und das einfache Wasser aus der Tiefe, die oft ganz einfache Botschaft, erreicht mich aus der zeitlichen Ferne aus einer anderen Zeit.

 

Die Hochzeit zu Kanaan erzählt, wenn wir dieses Bild im Hintergrund haben, von Dingen, die Jesus mit der Fülle des Lebens, mit Feiern, mit guter Versorgung mit „genug-haben“, mit fröhlichen Festen in Verbindung bringt.

Sie erzählt aber auch, dass es gar nicht so leicht ist, die Brücke zwischen Mensch und Gott, zwischen Alltag und göttlichem Wunder, zwischen Verstehen und Glauben zu schlagen.

Und dann kommt sozusagen noch obendrauf ein Bild vom Glauben, der sich entwickelt, der sich von elterlichen Vorgaben emanzipiert und der allenthalben auch mit denen zu tun hat, die teilweise nicht oder noch nicht verstehen, skeptisch bleiben, Schwierigkeiten haben, Gottes Handeln ins eigene Leben einzuordnen.

 

Insgesamt erzählt für meine Ohren dieses sogenannte Speisewunder von einem Gott, der über den menschgewordenen Sohn unserm Menschsein immer wieder nahekommt, um vor allem Zuversicht zu wecken, dass es gut werden möge, manchmal auch auf unerwarteten Wegen.

 

Ich höre all das gerade heute in der so unübersichtlichen Zeit der Pandemie mit zwei Kernpunkten:

Zum einen ist es die Nähe Gottes zum ganz Normalen unseres Lebens: Hochzeit mitfeiern und für ausreichend Wein sorgen – das ist herrlich bodenständig.

Zum anderen ist diese Botschaft zu allen Zeiten genährt von der Hoffnung, dass Gott für ein Genug eintritt.

 

Füllt die Krüge bis oben. Gott spart nicht.

 

Das alles gilt, auch wenn die derartige Weltlage sich wie ein Grauschleier über solche Hoffnungsbotschaften legt. Und: Der Grauschleier geht auch für die, die Gott vertrauen, nicht einfach weg. Aber er verliert an Festigkeit, er verliert für mich seine erstickende Art; als weht er ein wenig im Wind, ahne ich: da gibt es eine Kraft, die für Leben und Zukunft eintritt, sich dafür mit mir verbindet und verbündet.

 

Das wird uns offenbart. Das wird uns veröffentlicht, aus dem Brunnen der Bibel in die heutige durstige Zeit hinein.

 

Amen.

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 1. Sonntag nach dem Epiphanias am 10.01.2021

gehalten von Pastorin Parra

 

 

Audiofile

Liebe Gemeinde,

seit Heiligabend schon sind die Weisen aus dem Morgenland über unsere Fensterbank in Richtung Krippe unterwegs gewesen. Darauf haben auch meine eigentlich schon so erwachsenen Kinder geachtet, dass die drei noch ein gutes Stück Wegs vor sich haben bis zum Stall. Endlich sind sie Mittwoch - am Dreikönigstag oder an Epiphanias - angekommen. Nun haben sie sich auf einem anderen Weg nach Hause aufgemacht. Das ist manchmal lästig, denn man stolpert über sie, weil man sie ja nicht dort vermutet.

In diesem Jahr geht es mir damit aber anders als in den vergangenen Jahren. Weihnachten ist in diesem Jahr erst später als sonst Schnee von gestern. Tannenbaum und Krippe stehen hier in der Kirche noch während in den Straßen schon so manches graues, nadelndes Exemplar zu sehen ist.

Die Weisen sind nicht zu spät dran, sondern wir brauchen das Licht der Weihnacht gerade jetzt, wo der Lockdown uns zusetzt. Auch wir hatten in diesem Jahr einen weiten Weg zur Weihnachtsfreude, den wir uns durch immer neue Schreckensmeldungen, Verordnungen und Gewissensentscheidungen hindurch bahnen mussten wie die drei geheimnisvollen Männer damals durch die Widrigkeiten ihrer Zeit.

Wer sie waren ist nicht ganz klar – Weise, Magier, Könige? Auf jeden Fall sahen sie ein Licht:  Jupiter, der Königsstern, und Saturn, der Stern des Sabbats, der auf das Volk Israel verweist, sollen sich um Jesu Geburt herum einmal in ihren Laufbahnen so überschnitten haben, dass sie von der Erde aus wie ein großer Stern aussahen. Vielleicht haben sie das beobachtet?

Diese Erscheinung ist so besonders, dass sie sich auf eine lange Reise machen. Die drei treffen das Kind noch im Stall, bringen ihre Geschenke und gehen einen anderen Weg nach Hause als sie gekommen sind. Sie folgen dem Licht und lassen es ihr Leben verändern.

Vielleicht fragen sie sich unterwegs manchmal: „Was tue ich da eigentlich? So eine teure und gefährliche Reise ohne eine Sicherheit: Einem Stern folgen - und wenn nun Wolken kommen?“

Der Weg ist ein Wagnis. Sich auf Gott einzulassen, ist ein Wagnis. Wir können den Mut der Weisen bewundern, sich auf die Suche nach dem Licht der Welt zu machen – gegen jeden Augenschein und doch voll Weisheit und Vernunft.

Im Predigttext für heute schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom:

„Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

(Röm 12,1-3)

Es erscheint mir plausibel, dass Körper und Geist frei sein müssen, um sich auf Gott und eine Begegnung mit ihm einzulassen. Den Weisen ist es gelungen, sich durch die Reise frei zu machen zum „Vernünftigen Gottesdienst“. Man könnte auch übersetzten: zum „wortgemäßen Gottesdienst“, denn das griechische Wort „Logos“ kann sowohl „Wort“ als auch „Vernunft“ bedeuten. Sie haben auf Gottes Wort durch den Engel gehört, sich in seinen Dienst gestellt und sind nicht zu Herodes zurückgegangen, sondern einen anderen Weg. Das war vernünftig und wortgemäß zugleich.

Paulus spricht von der Erneuerung des Sinnes auf Gott hin. Das, was den Weisen auf ihrer Reise widerfahren ist, soll für die Christen auch im Alltag möglich sein. Vernünftiger, wortgemäßer Gottesdienst - das ganze Leben, mit Leib und Seele.

Ich stelle mir das so vor, dass der Stern, zu dem uns unser Suchen und Sehnen führt, aus uns heraus strahlt, dass es uns gelingt, unsere Umwelt in einem neuen Licht zu sehen, eben die Sinne zu erneuern.

Der Motor für das Ganze ist nach Paulus die Barmherzigkeit Gottes. Die nimmt Paulus zur Hilfe, um die Römer an ihren anderen, neuen Weg zu erinnern. Im Griechischen steht da der gleiche Wortstamm wie in unserer Jahreslosung: „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Wie schön, dass uns dies lichte Wort das ganze Jahr hindurch begleitet!

Der Stern leuchtet noch, der Weihnachten aufgegangen ist. Wir tragen sein Licht in unseren Herzen, das uns auf neue Wege führt: Weg von der Suche nach persönlichem Vorteil und Erfolg oder der Resignation über das, was alles nicht geht hin zu den anderen Menschen. Gerade zu den Schwachen, Schutzbedürftigen, Einsamen. Hin zu einer Gemeinschaft im Lichte dieses Sterns.

Verlieren wir diesen Glanz nicht aus dem Blick angesichts ergrauter, nadelnder Tannenbäume in den Straßen, angesichts von Lockdown und gebotener „sozialer Distanz“, angesichts mutierender Vieren und stagnierenden Fortschritts bei den Impfungen! Die Weisen haben ihn auch bewahrt, trotz der finsteren Zeiten machtgieriger Herrscher, trotz fehlender Festbeleuchtung im Stall – oder gerade deswegen? Sie stellten sich nicht der Welt gleich sondern jenem Leuchten.

Wie die weisen Drei, über die ich dieser Tage in meinem Wohnzimmer stolpere kann ich die Welt in einem neuen Licht sehen, dem Licht der göttlichen Barmherzigkeit. Ich kann einen anderen Weg nehmen. Mit Leib und Seele. Welchen genau? Das muss ich wohl selbst herausfinden. Wozu habe ich sonst meine Vernunft und das Wort von der Barmherzigkeit Gottes?

Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 2. Sonntag nach dem Christfest am 03.01.2021

gehalten von Pastor Kroglowski

 

Aufbruch - "in ein neues Jahr"

Liebe Gemeinde,

herzlich grüße ich euch zu Beginn des neuen Jahres. Ein besonderes Jahr geht zu Ende - geprägt von der schweren Corona Pandemie. Es war bestimmt durch diese Pandemie und vielen Regeln, die wir einhalten mussten. Vom Lockdown bis zu Alltagsmasken. Manche mussten in Ouarantäne, Urlaubsplanungen gerieten durcheinander, über Wochen keine Schule, kein Breitensport. Viele Gottesdienste, Trauungen, Taufen und kirchliche Veranstaltungen mussten ausfallen.

Nun beginnt ein neues Jahr. Verbunden mit vielen Hoffnungen auf Besserung. Eine Impfwelle läuft an. Das Virus wird nicht weg sein, aber ein „normales“ Leben scheint am Horizont wieder möglich.

Am Anfang eines Jahres bedenken wir als Christen die Jahreslosung. Eine gute Tradition. Die Jahreslosung kann so etwas wie ein Kompass für das neue Jahr sein. Ein Kompass für die Dinge, die wir durchleben und auf die wir stoßen, auch wenn wir sie uns nicht herbeiwünschen. In diesem Jahr steht die Jahreslosung bei Lukas 6,36: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Barmherzigkeit – ein altes Wort. Es hat wenig mit Mitleid oder Moral zu tun. Vielmehr fängt die Bramherzigkeit bei mir an. Mit welchem Blick auf mein eigenes Leben gehe ich in das neue Jahr. Was hat mich geprägt und was macht mich aus? Barmherzigkeit hat etwas was zu tun mit einem ehrlichen Blick in den Spiegel. Zu sich stehen können mit den eigenen Stärken, Fehlern und Schwächen. Und da kommt auch mein Gottesbild zum tragen. Glaube ich – ja vielmehr vertraue ich auf Gottes Barmherzigkeit. Die große Zusage, dass er mich so geschaffen hat wie ich bin – zu mir steht – meine Wege kennt – und mit geht.

Von diesem Vertrauen getragen gelingt mir dann auch ein anderer Blick auf die Menschen um mich herum. Sowie in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, die Lukas auch erzählt: Ein Mensch fällt unter die Räuber, zwei Menschen laufen vorbei. Einer nimmt den halbtot geschlagen Menschen in den Blick. Ohne Angst, im Vertrauen stellt er sich der Krise. Bramherzigkeit braucht Mut. Mut aus der eigenen Barmherzigkeit mit sich selbst. Das Handeln kann gefährlich sein, aber ich weiß mich getragen durch Gott.

So hat der Samariter die Notlage des Kranken gesehen und erkannt und mit der nötigen Zeit und Geduld aus Barmherzigkeit gehandelt. Nehmen wir uns die Zeit genau hinzuschauen, welche Wege die richtigen sein könnten. Manchmal sollte man aus Barmherzigkeit den Kurs auch neu setzen.

Vertrauen in diese Barmherzigkeit Gottes schafft Aufbrüche, weil Gott uns sieht und kennt mit unserer Geduld und Ungeduld. Wir sind nicht allein und hilflos. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig, denn Neues kommt. Und wir können handeln mit Barmherzigkeit im Herzen, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es geduldig an!

Ein barmherziges neues Jahr 2021 - wünscht

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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TagesLosungen

Samstag, 18. September 2021:

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
4.Mose 6,25

Jesus sprach zu den Jüngern: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Johannes 20,21
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