Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Grußwort-Archiv

Gruß zum Sonntag Rogate am 09.05.21

Gruß zum Sonntag Kantate am 02.05.21

Gruß zum Sonntag Jubilate am 25.04.21

Gruß zum Sonntag Misericordias Domini am 18.04.21

Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti am 11.04.21

Gruß zum Ostersonntag am 04.04.21

Gruß zum Sonntag Palmarum am 28.03.21

Gruß zum Sonntag Judika am 21.03.2021

Gruß zum Sonntag Lätare am 14.03.2021

Gruß zum Sonntag Okuli am 07.03.2021

Gruß zum Sonntag Reminiscere am 28.02.2021

Gruß zum Sonntag Invokavit am 21.02.2021

Gruß zum Sonntag Estomihi am 14.02.2021

Gruß zum 4. Sonntag vor der Passionszeit am 06.02.2021

Gruß zum letzten Sonntag nach Epiphanias am 31.01.2021

Gruß zum 3. Sonntag nach Epiphanias am 24.01.2021

Gruß zum 2. Sonntag nach Epiphanias am 17.01.2021

Gruß zum 1. Sonntag nach Epiphanias am 10.01.2021

Gruß zum 2. Sonntag nach Weihnachten am 03.01.2021

Gruß zum 1. Sonntag nach Weihnachten am 27.012.2020

Gruß zum 1. Weihnachtstag am 25.12.2020

Gruß zum Heiligabend am 24.12.2020

Gruß zum 4. Advent am 20.12.2020

Gruß zum 3. Advent am 13.12.2020

Gruß zum 2. Advent am 06.12.2020

Gruß zum Ewigkeitssonntag am 22.11.2020

Gruß zum vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, 15.11.20

Gruß zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, 08.11.20

Gruß zum 21. Sonntag nach Trinitatis, 01.11.20

Gruß zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 25.10.20

Gruß zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 18.10.20

Gruß zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 11.10.20

Gruß zum Erntedankfest, 04.10.20

Gruß zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 20.09.20

Gruß zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 20.09.20

Gruß zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 13.09.20

Gruß zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 06.09.20

Gruß zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 23.08.20

Gruß zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 16.08.20

Gruß zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 09.08.20

Gruß zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 02.08.20

Gruß zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 26.07.20

Gruß zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 19.07.20

Gruß zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 12.07.20

Gruß zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 05.07.20

Gruß zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 28.06.20

Gruß zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 21.06.20

Gruß zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 14.06.20

Gruß zum Sonntag Trinitatis, 07.06.20

Gruß zu Pfinsten, 31.05.2020

Gruß zum Sonntag Exaudi, 23.05.2020

Gruß zu Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Gruß zum Sonntag Rogate, 17.05.2020

Gruß zum Sonntag Kantate, 10.05.2020

Gruß zum Sonntag Jubilate, 03. Mai 2020

Gruß zum Sonntag Miserikordias, 26. April.2020

Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

Gruß zum Ostersonntag, 12. April 2020

Gruß zum Karfreitag, 10. April 2020

Gruß zum Gründonnerstag, 09. April 2020

Gruß zum Palmsonntag, 5.April 2020

Gruß zum Sonntag Judika am 29. März 2020

Gruß zum Sonntag Lätare am 22.03.2020


Gruß zum Sonntag Rogate am 09.05.21
von Pastorin Glatthor

 Du und ich, Gott, nur du und ich. Was soll ich sagen? Was kann ich sagen? Und wie kann ich dir sagen, was mich beschäftigt? Weißt du nicht sowieso schon, was in mir vorgeht? Schweigen? Einfach sagen, was mir in den Sinn kommt, bruchstückhaft, loslegen ohne nachzudenken, den Blick weiten. Ein Gefühl von Schweben, von Losfliegen zulassen, über den Dingen sein und schwebend auf den Alltag aus Entfernung schauen. Du und ich, Gott, nur du und ich. In Gedanken auch bei den Anderen, aber in dem Moment bei mir sein, bei dir sein, Gott. Ich suche den fremden Blick, steuere den Raum ohne Wände an, horche in mich hinein, vertraue dir, gebe Vertrauen ab. Spreche Sehnsüchte aus und Trauer, Wut, Klage, Freude. Frage für mich selbst, frage für die Welt, frage nach dir. Höre, spreche, schweige. Möchte nicht stehen bleiben, sondern erhoffe Veränderung. Du und ich, Gott, und all die Anderen.

In Gebeten haben sich Menschen immer wieder Gott anvertraut. Ob laut oder leise, alleine oder gemeinsam mit anderen, frei oder mit geprägten Worten. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft. noch seine Güte von mir wendet“ oder „bittet, so wird euch gegeben“. Unzählige Beispiele sind in der Bibel zu finden. Auf unterschiedliche Arten traten Menschen mit Gott in Kontakt. Von Mose, dem sich Gott als brennenden Dornbusch offenbarte und ein Gespräch entstand, über die vielen Gebete, die wir in den Psalmen nachlesen können und Jesus, der seine Jünger das Vaterunser lehrte und immer wieder zum Gebet aufrief: Nicht unser, sondern Gottes Wille soll geschehen.

In Jesus Sirach schrieb ein vermutlich wohlhabender Gelehrter um 175 v.Chr. in Jerusalem: „Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.“

Dieser Abschnitt wird als Kernstück seines Glaubens an die Gerechtigkeit Gottes angesehen. Eine bildhafte Sprache, mit der Sirach seine Gedanken über Gott als gerechten Richter darstellt. Ein Gott des Rechts, der auf der Seite der Armen, Witwen und Weisen steht und unbestechlich ohne Ansehen der jeweiligen Person, richtet. Besonders hervorzuheben sind aber seine Gedanken zum Gebet. Er schildert das Gebet als einen „Gedankenflug“. Hierbei würden die Gebete der „Demütigen“ zu den Wolken aufsteigen und nach einiger Zeit auch die Wolkendecke durchbrechen. Er versteht das Gebet dabei als Ort der Klage, dass das Leid und die Not der Welt zur Sprache bringt und auf einen Gott vertraut, der sich diesem nicht verschließt. Das Gebet als ein Weg der Klage zu den Wolken stellt Sirach auch wie eine Zeit ohne Trost dar. Auch wenn ein Gebet nicht unbedingt eine sofortige Erhörung bedeutet, sollte Geduld geübt und auf eine nachhaltige Wirkung gehofft werden. Leid und auch die Erfahrungen des vermeintlichen Nichterhörens werden direkt angesprochen. Dabei vertraut Sirach auf Gottes Treue, die sich erweisen und den Betenden wie Regenwolken in der Trockenzeit vorkommen wird. Sirach benennt das Leid und die Not der Menschen explizit und erweist sich sowohl als Lehrer als auch als Tröster.

Das Gebet kann auch eine Quelle, die Mut macht, Kraft schenkt um weiterzumachen und um nicht aufzugeben sein, die der Wüste neuen Regen schenkt. Beten kann im Sinne einer

Selbstbesinnung, eine Unterbrechung des eigenen Alltags darstellen. Es kann Impulse für einen veränderten Alltag schenken, aber gleichzeitig auch die eigene existenzielle Zerrissenheit sichtbar machen. Dabei benennt es Leiden und Schmerz an der Welt sowie den ausbleibenden Trost. Es bleibt eine Spannung aufrechterhalten, die in der Hoffnung und dem Glauben auf Gott mündet. Ein Luxus, dass solche Räume mit Gott angesteuert werden können. Ein Luxus, den Jede und Jeder individuell abhängig von der Situation, den vorherrschenden Gefühlen und den Gedanken wählen kann.

Du und ich, Gott. Ich konnte alles loswerden, erzählen, was auf mir lastet: All die Ängste, Sorgen, die Traurigkeit, aber auch die schönen Momente aufzeigen, all das, was mich jubeln lässt. Danke, Gott. Konnte loslassen, abgeben, eine neue Sicht auf mein Leben, auf das Weltgeschehen erhalten. Mitten in diesem Moment, in dem ein Gefühl von Schweben in mir aufkam, meinen Alltag unterbrechen. Abstand gewinnen. All das mag bleiben – vorerst oder sowieso - auch nach meiner Reise in diesen Raum ohne Wände. All das wird bleiben und doch hat sich etwas verändert, in mir, an meiner Sichtweise auf mich, auf meine Welt, auf dich, Gott. Amen.


P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zum Sonntag Kantate am 02.05.21(mit Konfirmationen)

von Pastor Kroglowski

 

 

Aufbruch - „mit Zuversicht“

 

Liebe Gemeinde,

anders als im letzten Jahr sind Konfirmationen in diesem Frühjahr bei uns in der Kirchengemeinde wieder möglich. Darüber freue ich mich sehr! In kleinen Gruppen segnen wir die Jungen und Mädchen ein. Ein besonderes Fest in einer besonderen und nicht leichten Zeit. Oft haben wir uns über Wochen nicht im Konfirmandenunterricht sehen können. Unsere Freizeit an der Ostsee musste ausfallen. Für mich immer auch eine intensive Zeit, um die Konfirmandengruppe näher kennen zu lernen.

Die Pandemie Zeit hat uns alle geprägt – auch unsere Konfirmanden. Eine Begebenheit kommt mir in Erinnerungen:

Im Gottesdienst fällt mein Blick auf eine Konfirmandin. Ihre Stimmung wirkt gedrückt. Nach einem Lied hat sie Tränen in den Augen. Am Ausgang, an der Kirchentür spreche ich sie kurz an. „Wie geht es Dir?“, frage ich. Plötzlich kullern die Tränen und sie antwortet: „Ich habe Angst, wieder so viele Menschen zu treffen. Die Schule geht weiter, die Geschäfte öffnen – vielleicht stecke ich mich jetzt doch mit Corona an? Ich war so vorsichtig in den letzten Wochen, habe meine Großeltern extra nicht besucht.“ Dann geht sie schnell weiter und mir fehlen die tröstenden Worte.

Ja – denke ich etwas später– der Lockdown hat auch bei den Jüngeren Spuren hinterlassen. Tiefe Spuren. Ängste, wo ich sie gar nicht vermutet habe. Da erwarte ich von der Konfirmandin ein Hurra – endlich geht es wieder los. Shoppen. Schule. Freunde treffen. Und dann höre ich, so einfach ist das nicht für alle. Die Konfirmandin hat erfahren, unser Leben ist zerbrechlich. Sie möchte sich und andere schützen. Sie braucht die Zusage von Schutz und Bewahrung; das Gefühl – nicht allein zu sein; sie braucht Mut und Zuversicht.

Bald werde ich sie konfirmieren und im Stillen gebe ich ihr einen Konfirmationsspruch mit auf ihren Weg: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst (Josua 1,9).“

Nun feiern wir Konfirmationen und die Konfirmanden haben sich ihre Konfirmationssprüche ausgesucht und begründen sie im Gottesdienst. Viele Konfirmandensprüche gehen in die gleiche Richtung. Drücken Hoffnung und Zuversicht aus. Machen Mut für die eigene Zukunft. Wir alle haben erfahren wie zerbrechlich unser Leben ist und sein kann. Ein unsichtbares Virus hat in kurzer Zeit den Lebensverlauf von uns allen verändert und geprägt. Und genauso verändert und prägt auch unser christlicher Glaube. Aber er zerstört nicht – sondern baut auf. Auch wir leben von der Zuversicht, dass Gott unsere Lebenswege kennt und begleitet.

Eine gesegnete und zuversichtliche Woche wünscht  

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski


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Gruß zum Sonntag Jubilate am 25.04.21

von Pastor Pfeifer

Der heutige Sonntag Jubilate stellt das Lob und die Ehre Gottes in den Mittelpunkt. Gott, der die Welt erschaffen hat, die Fülle der Lebewesen. Die Kostbarkeit der Natur.

Nicht selten benutzt Jesus für Gott und für sich selbst solche Bilder aus der Natur und der Schöpfung , um von sich zu erzählen und Gott den Menschen nahe zu bringen.

In dem Evangelium für den Sonntag Jubilate geht es um das bekannte Bild vom Weinstock und den Reben.

An vielen Stellen hebt Jesus im Johannesevangelium seine besondere Bedeutung hervor. Er greift konkrete Bilder auf, die dem Menschen in ihrer Erfahrungswelt vertraut sind und etwas bedeuten. Unter denen sie sich etwas vorstellen können.

 Ich bin das Licht der Welt. Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin der gute Hirte. Ich bin der Weg. Ich bin der Weinstock.

In diesem Text aus dem Johannesevangelium vom Weinstock und den Reben geht es schon um Abschied nehmen. Mitten in einer längeren Abschiedsrede sagt Jesus diesen Satz: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“. Es ist so etwas wie ein Vermächtnis. Deswegen passen ja auch diese Gedanken so gut in die Zeit nach Ostern. Jesus wusste, wenn seine Jünger ohne ihn zurechtkommen müssen, dass sie dann etwas brauchen, was sie tröstet und was ihnen hilft. Woran sie sich festhalten können.

So verstehe ich dieses Bild. Genau genommen wird in diesem Bild vom Weinstock und den Reben schon ein Stück Pfingsten vorweggenommen. Die christliche Gemeinschaft ist wie ein Weinstock mit vielen Reben. Und Jesus Christus ist der Mittelpunkt.

Jesus vergleicht sich selbst mit dem Weinstock. Ein Weinstock ist ja fest verwurzelt in der Erde. Der Weinstock hat er einen knorrigen Stamm. Muss beschnitten werden, aber jedes Jahr treibt er wieder aus.

Jesus selber vergleicht sich mit dem Weinstock, weil er damit sagen will: in mir habt ihr Halt. In mir seid ihr fest verwurzelt. Meine Kraft, mein guter Geist schenkt euch das Leben. Auf mich könnt ihr euch verlassen. Ich gebe euch immer wieder neu die Kraft zum Wachsen und Gedeihen.

Aber Jesus schränkt dieses Mut machende Wort auch wieder ein wenn er sagt:

„Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird der Weingärtner wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. „

Mahnende Worte. Lebt entsprechend dem, was ich euch schenke. Bringt gute Frucht. Lebt entsprechend dem Evangelium. Nutzt die Lebenskraft, die euch durchströmt.

Diese Mahnung lässt aufhorchen. Müssen wir also erst Gutes tun, um überhaupt die Berechtigung zu behalten, dazu zu gehören?

Das würde ja dem widersprechen, was Luther immer gepredigt hat: wir sind angenommen ohne eigenes Zutun, ohne eigene Werke.

Kann Jesus das wirklich meinen: wenn ihr keine gute Frucht bringt, gehört ihr nicht mehr dazu?

Nein, denn das Evangelium, die Verheißung steht am Anfang: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Diese Verheißung der Gnade geht all unserem Tun voran.

Und gerade, weil wir von seiner Kraft durchströmt werden wie die Lebenskraft des Weinstocks durch die Reben fließt, so hängen wir an ihm, an Christus, dem Weinstock.

Und Jesus macht das noch einmal ganz deutlich, indem er sagt: „Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Das ist der entscheidende Zusammenhang: die Reben bringen keine Frucht aus sich selbst. So auch wir, wir können uns abmühen im Leben. Alle Anstrengungen unternehmen, wenn wir aber nicht mit Christus verbunden bleiben, spüren wir von dieser Kraft nichts. Ohne unseren Glauben haben wir keinen Halt, kein verwurzelt sein.

Verdeutlichen wir uns noch einmal den Zusammenhang, in dem Jesus diese Worte sagt. Vor seinem Tod. In dem Wissen, dass seine Jünger eines Tages alleine ohne ihn zurechtkommen müssen. Zeit zwischen Ostern und Pfingsten. Noch einmal eine Überprüfung, worauf es ankommt in der Kirche.

Er ahnt, wie leicht diese Gemeinschaft auseinanderbrechen kann. Wenn einer sich über den anderen erhebt. Wenn sie sich nicht einreihen können in die Gemeinschaft untereinander.

Wenn die Jünger eines Tages versuchen, ohne den Glauben an Jesus Christus die Gemeinden aufzubauen.

All ihr Tun und all ihr Wirken werden nicht von langer Dauer sein, wenn sie sich nicht im Glauben verwurzelt wissen, wie die Reben, die mit dem Weinstock verbunden sind.

Ich muss an die Konfirmanden denken, die wir in diesen Wochen einsegnen. Zwei Jahre haben wir über Kirche und Glauben nachgedacht, haben über Gott gesprochen, über die Bibel und Geschichten von Jesus. In dem Moment, wo die Jugendlichen konfirmiert sind, heißt es wie bei Jesus und den Jüngern, loslassen, ihnen ein eigenes Leben zuzutrauen und zuzumuten. Auch ein Stück Abschied zu nehmen.

In der Hoffnung, dass diese jungen Menschen im Glauben verwurzelt bleiben und sich an diese Kraft, den Geist Gottes immer wieder erinnern können.

„Denn wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt viel Frucht.“

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Stellen wir uns dieses Bild noch einmal konkret vor. Der Weinstock an dem viele Reben hängen oben und unten, der Sonne zugewandt die einen, andere eher ein Stück im Schatten.

So unterschiedlich fühlen es ja auch Menschen in einer Gemeinschaft. Da sind die einen, die bekommen mehr Sonne ab als die anderen. Da sind die anderen, die nicht so viel Sonne abbekommen, eher eine Art Schattendasein führen.

Aber eines ist allen Trauben und Reben gemeinsam, sie sind alle mit dem Weinstock verbunden. Alle durchströmt der Lebenssaft, die Lebenskraft.  Und wenn der Wein geerntet wird, dann wird auch kein Unterschied gemacht zwischen den großen und kleineren Trauben. Alle gehören zusammen.

So auch wir als Kirche Jesu Christi eine Gemeinschaft, in der es immer beides gibt, Licht und Schatten.

„Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt viel Frucht“.

 In Christus bleiben und er in uns – Jesus möchte das seinen Jüngern und seiner Gemeinde mit auf den Weg geben. Diese Verbundenheit im Glauben, dieses von seiner Kraft durchströmt sein.

Wir kommen von Ostern her, der Mut machenden Botschaft seiner Auferstehung. Wir gehen auf Himmelfahrt und Pfingsten zu. Dem schritt weisen auf sich allein gestellt sein.

Als Jünger, als Gemeinde als Boten der Sache Jesu.

„Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“ – verliert in all dem nicht eure Wurzeln, euern Glauben nicht.

Denn, so sagt der Auferstandene: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

 

Christoph Pfeifer

 

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Gruß zum Sonntag Misericordias Domini am 18.04.21

von Pastorin Glatthor

Hirte sein und gehütet werden.

Hirtin sein in ihrem Alltag: Jeden Morgen wird sie schon früh von Kinderstimmen geweckt. Immer in der Hoffnung, dass keine 5 zu sehen ist, führt ihr Blick zum Wecker. Aufstehen, Kinder wickeln, anziehen, Frühstück machen, darauf achten, dass sie genug Essen. Aufräumen, spielen, putzen, einkaufen, organisieren, strukturieren und immer die Sorgen und Gedanken im Hinterkopf: Werden die Kinder zu selbstständigen Menschen erzogen, die Vertrauen schenken sowie Liebe leben können und mit ihren Mitmenschen so umgehen, wie sie es sich selbst auch wünschen? Fühlen sie sich wohl behütet und gut aufgehoben? Können sie vor Gefahren beschützt werden? Bleibt genug Geld für Essen und Kleidung? Hirtin sein in ihrem Alltag: Verantwortung tragen, für sich, ihre Kinder, ihren Mann und ihre Familie. Für sie da sein, sich um sie kümmern, sie erziehen, Antworten auf Fragen suchen, Entscheidungen treffen und dafür geradestehen, emphatische und zugleich sachliche Bemühungen anstellen, lieben und Vertrauen – zeigen und zulassen.

Hirte sein in seinem Alltag: Jeden Tag nach der Arbeit fährt er zum Seniorenheim im Nachbardorf. Betreten darf er es im Moment nicht. In den vergangenen Wochen durfte er noch jeweils einmal pro Woche dorthin. Doch seit dieser Woche ist es wieder komplett geschlossen. Die Inzidenzzahlen sind in seinem Landkreis erneut angestiegen. Zu hoch und damit zu risikohaft für das Seniorenheim. Und sein Vater? Er wartet immer schon am Fenster. Jeden Abend. Er weiß genau, wann er Feierabend hat. So steht er auf dem Parkplatz vor dem Heim und schaut hoch, zu seinem Fenster im 2.Stock. Manchmal macht er noch einen Umweg. Holt seine Kinder ab und bringt sie mit - mit auf den Parkplatz. Wie heute. Sie haben Plakate für ihren Opa gemalt. Zu dritt stehen sie neben dem Auto, halten die Plakate hoch und schauen zum Fenster, an dem sich sein Vater und ihr Opa die Nase plattdrückt. Hirte sein in seinem Alltag: Verantwortung tragen, für sich, seine Kinder, seine Familie und seinen Vater. Für sie da sein, sich um sie kümmern, Antworten auf Fragen suchen, Entscheidungen treffen und dafür geradestehen, emphatische und zugleich sachliche Bemühungen anstellen, lieben und Vertrauen – zeigen und zulassen.

Als Hirtinnen und Hirten füreinander da sein, aufeinander achten, einander helfen und tragen, voller Liebe leben und handeln sowie Verantwortung füreinander übernehmen – es wagen und sich zutrauen dies wahrzunehmen. In dem Vertrauen darauf, sie auch abgeben zu können.

Hirte sein und gehütet werden.

Hirtin sein in meinem eigenen Alltag, im privaten Bereich: Als Mama von zwei Kindern, als Ehefrau, als Freundin, als Nachbarin, als Tochter und als Schwester respektvoll und voller Liebe mit meinen Lieben umzugehen; Hirtin sein in meinem beruflichen Bereich: Als Pastorin, als Seelsorgerin, als Leitende, als Unterrichtende, als Gottesdienstfeiernde, als Trägerin einer Kita gemeinsam mit anderen Gemeinde gestalten und von Gottes Liebe erzählen und sie unter den Menschen verbreiten. Jede und Jeder von uns kann auf seine ganz individuelle Weise Hirte und Hirtin sein. Es kann durchaus schwierig und mit Widrigkeiten verbunden sein. Doch sind wir nicht nur Hirte oder Hirtin, sondern zugleich auch Gehütete und Gehüteter. 

 

Der Prophet Ezechiel prophezeite den Herrschern über sowie dem Volk Israel selbst, was Gott ihm in einer Vision gesagt und gezeigt hatte.

„Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.“ (Ezechiel 34,1-2.10-16.31)

 

Der gute Hirte. Gott selbst macht sich zum guten Hirten seiner Herde. Er versteht sich als Fürsorger, Unterstützer, Helfer und Begleiter seiner Herde, uns Menschen. In dieser Tradition steht Jesus, der von sich sagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (Joh 10,11)

Gehütet werden in ihrem Alltag: Jeden Morgen wartet bereits das Frühstück auf sie, wenn sie aufgestanden sind. Das geschmierte Brot und der duftend-heiße Tee stehen auf den Platzdeckchen auf dem Tisch bereit. Die zusammengelegten Pullover und T-Shirts, die gebügelten Hosen und die geputzten Schuhe lassen sich einfach anziehen. Vertrauen und Liebe spüren sie von klein auf, wie eine warme Decke, die täglich über ihrem Alltag ausgebreitet wird.

Gehütet werden in seinem Alltag: Er kann und braucht sich um nichts mehr kümmern. Die Papiere unterschreibt sein Sohn für ihn, seine Wäsche wird gewaschen, das Essen für ihn gekocht. Und jeden Abend bekommt er Besuch. Er wird umsorgt, behütet und kann sich auf seinen Sohn verlassen.

Als Gehütete Teil einer Gemeinschaft sein, Teil einer Herde sein; Verantwortung abgeben können; sich auf andere verlassen und anderen vertrauen können; Vertrauen schenken; in schönen, fröhlichen und traurigen, schweren Momenten nicht alleine sein müssen; Unterstützung und Hilfe erleben können; Schwachheit zulassen können; Entlastung erfahren; sich stärken lassen und Kraft tanken um dann weiterhin oder erneut Hirtin sein zu können; sich geliebt, getröstet und begleitet fühlen dürfen – von Mitmenschen und besonders von Gott.

So kann sich beides anfühlen: Hirtin sein und gehütet werden.

Hirtin sein und gehütet werden. Als Hirtinnen und Hirten füreinander da sein, aufeinander achten, einander helfen und tragen, voller Liebe leben und handeln sowie Verantwortung füreinander übernehmen – es wagen und sich zutrauen dies wahrzunehmen. In dem Vertrauen darauf, gleichzeitig auch Gehütete zu sein und so die Verantwortung abgeben können; sich auf andere verlassen und anderen vertrauen können; Vertrauen schenken; in schönen, fröhlichen und traurigen, schweren Momenten nicht alleine sein müssen; Unterstützung und Hilfe erleben können; Schwachheit zulassen können; Entlastung erfahren; sich stärken lassen und Kraft tanken um dann weiterhin oder erneut Hirtin sein zu können; sich geliebt, getröstet und begleitet fühlen dürfen.

Im Vertrauen darauf, dass unser Tun und Lassen, unser Hirte sein und gehütet werden, unter der Zusage Gottes steht: „Ich will euer Gott sein und ihr sollt meine Herde sein.“

Hirtin sein und gehütet werden. Amen.

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti am 11.04.21

Tauferinnerung mit Pastorin U. Parra und Kantorin G. Corvaglia

 

 

 

Audiofile

 

Martin Luther soll das damals mit Kreide auf sein Pult geschrieben haben, damit er immer dran denkt, auch wenn er sich gottverlassen und hilflos fühlt. Daraus hat er die Gewissheit gewonnen, dass er in allem, was geschieht, mit Gott verbunden ist.

Tauferinnerung hat am Sonntag nach Ostern Tradition. Die zu Ostern Getauften der Alten Kirche trugen bis zu diesem Tag weiße Kleider als sichtbares Zeichen, dass sie zum Auferstandenen gehören und rein gewaschen sind von allem, was sie von ihm trennte.

Bei uns in der Stadtkirche findet diesen Sonntag auch ein Tauferinnerungsgottesdienst statt. Es wird schöne Musik geben und meditative Gedanken zur Geschichte vom Frühstück des Auferstandenen mit seinen Freunden am Strand (Joh 21,1-14). Mit der Audiodatei oben möchten wir Sie und Euch herzlich einladen, sich zu Hause an die eigene Taufe zu erinnern. Was man dazu braucht: Einen bequemen Platz, eine Kerze (vielleicht sogar die eigene Taufkerze) und Feuer.                    

Herzliche Einladung!

Ihre und Eure Pastorin Ute Parra

 

Die Geschichte aus dem Johannesevangelium (21,1-14):

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:  Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

Jesus, unser Trost und Leben,
der dem Tode war ergeben;
der hat herrlich und mit Macht
Sieg und Leben wiederbracht.
Er ist aus des Todes Banden
als ein Siegesfürst auferstanden.
Halleluja! Halleluja!
 Es ist wie damals, bevor sie Ihn zum ersten Mal trafen: Heut ist wieder das Netz leer, sie selbst ausgelaugt und enttäuscht - als hätten Sie sich das alles nur eingebildet, den reiche Fang mit dem alles begann und ihren gemeinsamen Weg bis hierhin. Sind sie wirklich dem Aufrstandenen begegnet, der den Tod besiegt und ihr Leben neu gemacht hat? Am Horizont geht die Sonne auf, doch in ihnen ist alles dunkel und leer wie das Netz.
Nunmehr liegt der Tod gebunden,
von dem Leben überwunden,
wir sind seiner Tyrannei,
seines Stachels quitt und frei.
Nunmehr steht der Himmel offen,
wahrer Friede ist getroffen.
Halleluja! Halleluja!

Von fern ruft sie da einer und sie tun, was er rät: Werfen die Netze nochmal aus - trotz aller Müdigkeit, kommen mit reichem Fang zurück und erkennen: Das ist Er! Ein Kohlefeuer brennt am Strand mit frisch gebackenem Brot und Fisch. Sie bringen dazu auch von ihrem Fang. Ein himmlischer Moment, dies Frühstück am Strand: Erinnerung, Trost, Stärkung, Gemeinschaft, Leben! 

 Alle Welt sich des erfreuet,
sich verjünget und verneuet,
alles, was lebt weit und breit,
leget an sein grünes Kleid ,
ja, das Meer für Freuden wallet,
Berg und Tal weithin erschallet:
Halleluja! Halleluja!
(EG 552 – T: E.C. Homburg 1659; M: Halle 1714)
 Siehst Du Ihn am Ufer stehen, wo die Zweige der Weiden in der Morgensonne schon einen grünen Flaum zeigen? Riechst Du den Holzrauch? Trau Dich und zieh Dein Boot ans Ufer auch wenn das Wasser noch kalt ist. Zünde dein Licht an am Feuer dieses Augenblicks, denn Du gehörst zu Ihm, der lebt! 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Gruß zum Ostersonntag am 04.04.21

von Pastorin Pfeifer

 

Liebe österliche Festgemeinde,  

 

Christ ist erstanden von der Marter alle,

des soll`n wir alle froh sein. Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Wär ´er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.

Seit, dass er erstanden ist, so loben wir den Vater Jesu Christ, Kyrieleis.

(Unter dem Titellink oben hören Sie den Choral gesungen und gespielt von Giulia Crovaglia) 

Mit diesem Lied haben wir die besondere Freude des Osterfestes zum Klingen gebracht und zusammengefasst: Christ ist erstanden!

 Das ist der Grund, weshalb Christen heute hier und in aller Welt zusammenkommen und Ostern feiern.

Die frohe Botschaft, dass Gottes Liebe stärker ist, als der Tod. Dass Jesus Christus wirklich gestorben war und begraben   wurde, dass er aber am dritten Tage auferstanden ist von den Toten und wieder lebendig geworden ist.   

 Auch, wenn das höher ist, als unser menschliches Denken und Verstehen begreift. Auch, wenn das alles übersteigt, was Menschen fassen und begreifen können. Weil das etwas ist, das jenseits unserer menschlichen Erfahrungen und unserer Lebenserfahrung liegt.  Denn niemand außer Christus allein ist    gestorben und wieder lebendig geworden und hat sich als Auferstandener der Welt gezeigt. Niemand, der uns sonst hier in dieser Welt von dem neuen Leben nach dem Tod erzählen könnte oder berichtet hat. Auch, wenn Menschen zu allen Zeiten immer wieder versucht haben dahinter zu kommen. Und wenn    sogenannte  Nahtoderlebnisse unsere christliche Hoffnung auf eine Leben nach dem Tod ein Stück weit bestärken. Und trotzdem bleibt es dabei: Wir können hinter den Vorhang des Todes nicht schauen. Jedenfalls nicht in diesem Leben. Und beweisen können wir ein Leben nach dem Tod auch nicht.

Aber glauben dürfen wir das! Und davon hören, was Christen der ersten Stunde erzählen. Von dem, was ihnen widerfahren ist, wovon wir in der Epistellesung im 1. Brief des Paulus an die Korinther vorhin gehört haben.  

Die frohe Botschaft , dass Christus  gestorben und begraben wurde, dass er also  wirklich tot gewesen ist . Dass er dann aber auferweckt wurde und  vielen Menschen erschienen ist.  Den Frauen am Grab, danach Petrus und den zwölf Jüngern danach 500 Männern, dazu Frauen und Kindern und dann dem Jakobus und den Aposteln.

Alles Männer und Frauen, die Jesus von Nazareth zu Lebzeiten gekannt, begleitet, verehrt und geliebt haben.

Weil sie durch ihn die Liebe und Freundlichkeit Gottes erfahren haben,   weil sie in seiner Nähe begriffen haben, dass Gott sie   liebt. Weil sie gespürt haben, dass er gekommen ist, sie mit sich selbst und ihrem Leben zu versöhnen. Und ihrem Leben Sinn, Orientierung und Richtung zu geben.

Und dann das an Karfreitag:

  Die Hinrichtung Jesu am Kreuz . Dieser furchtbare Tod, dieses schreckliche Ende  des Jesus aus Nazareth, mit dem scheinbar auch die Sache Jesu zu Ende war. Die tiefe Enttäuschung, dass mit diesem Tod scheinbar alles, was er verkündigt und verkörpert hat aus und vorbei und gestorben war. Sodass seine Freunde mit all ihrer Hoffnung, mit all ihrem Glauben und ihrem Vertrauen am Ende und am Boden zerstört sind.

Aber dann das:   Eine Erfahrung, die so außergewöhnlich und wunderbar war, so geheimnisvoll bleibt bis auf den heutigen Tag, dass die ersten Christen das, was sie erlebt haben erst gar nicht begreifen und fassen können.

 Da  brauchte es schon die Deutung der Engel am Grab und   den Auferstandenen selbst ,der  seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus und den Jüngern in Jerusalem begegnet.        Damit sie in seiner Person den Auferweckten erkennen. Jesus den  Christus, der von den Toten auferstanden ist und der sich ihnen durch vertraute  Zeichen und Gesten zu erkennen gibt. Sodass sie spüren, dass der Verstorbene wirklich da und ganz nah ist, dass er wirklich lebendig war.  

Ein absolut außergewöhnliches und unfassbares  Ereignis.

Eines dass wir bis heute nicht fassen und manchmal auch nur schwer glauben können.

Die frohe Gewissheit , die schon die ersten Christen ergriffen hat ,dass die  Liebe Gottes die Kraft hat Elend und Not, sogar den Tod zu überwinden. Dass auch  die  Botschaft von der Liebe Gottes, die Sache Jesu einfach   nicht totzukriegen ist, Sondern weitergeht und weiter wirkt, weil Gott alles ,was Jesus gesagt und gemacht hat  durch die  Auferweckung Jesu auch nachträglich und postum legitimiert  und bestätigt . Jesu Botschaft von der schier unerschütterlichen Freundschaft und Liebe Gottes , die sogar im Tod noch Bestand hat , durch den Tod hindurch trägt und ihn überwindet, sodass es Sinn macht  selbst in den schlimmsten Zeiten und schwersten Situationen   auf Gott zu vertrauen.

Liebe Gemeinde, die Christen der ersten Stunde sind Menschen, die Jesus schon zu Lebzeiten gekannt und begleitet haben.

Erst bei Paulus ist das anders. Auf dem Weg nach Damaskus, den er geht, um die Christen dort zu bekämpfen und zu vernichten, hat er ein  Erlebnis, dass außergewöhnlich ist. Eine Begegnung mit dem Auferstandenen,  die ihm unmittelbar einleuchtet und ihn  ergreift und auch   die Kraft hat sein ganzes Leben, sein Denken, Fühlen, Glauben und Handeln   auf den Kopf zu stellen und zu verändern. Sodass er gar nicht anders kann, als fortan landauf, landab von dieser Erfahrung zu reden. Die Liebe Gottes in der Person Jesu Christi zu verkünden. Und alles zu tun, um den Menschen diese frohe Botschaft nahe zu bringen.  

Paulus ist durchdrungen von der tiefen Gewissheit, dass Jesus Christus lebt und sich Gott in ihm ein für alle mal zu erkennen gegeben hat, damit wir Menschen uns an der Liebe Gottes festhalten, aufrichten und orientieren können.

Damit wir die Hoffnung haben, dass Gott letztendlich alles in allem ist. Oder anders gesagt, dass wir immer und überall von seiner Liebe umfangen, gehalten und getragen sind in diesem Leben und darüber hinaus.

Dass Gott uns   durch alles Schwere und Schlimme hindurch begleitet und trägt. Und letztendlich dazu helfen will, alles Leid  und Unglück zu überwinden.

 

Eine Erfahrung, die Menschen tatsächlich bis heute machen.

Dass der Tod eines lieben Menschen zwar unendlich schmerzhaft ist und dass die Trauer auch tatsächlich Raum und Zeit braucht. Dass es dann aber doch langsam und allmählich gelingt,   mit dem  Schmerz und der Trauer zu leben .Dass man ganz langsam lernt  wieder auf und nach vorne zu sehen .Dass die Trauer sich langsam hebt und dass dann sogar wieder    schöne Momente und Augenblicke kommen. Dass die Freude am Leben allmählich wieder kommt und wir sogar wieder Freude und Lust am Leben habe.

Oder Menschen erleben, dass eine Beziehung, auch eine Ehe am Ende ist. Dass es manchmal gar nicht anders geht, als sich zu trennen, um ein noch längeres und schlimmeres Leid zu verhindern. Aber es kann auch gelingen mit einer guten Beratung von außen, dass zwei Menschen es schaffen, an sich selbst und aneinander zu arbeiten, zusammen zu bleiben und dann auch wieder eine gute Perspektiven für das   Zusammenleben zu haben.

Und auch in diesen wirklich schwierigen Zeiten der Pandemie, mit den vielen unzähligen Opfern , der fortdauernden Gefahr für Gesundheit und Leben , den Sorgen ,die viele Menschen sich um ihre wirtschaftliche Existenz machen, dürfen wir immer noch Hoffnung auf neues ,anderes   Leben haben. Darauf hoffen, dass es irgendwann, Dank der Impfung von vielen Menschen, auch wieder ein Leben nach der Pandemie für uns gibt, in der manches  vielleicht   anders  als vorher sein mag,  wo es dann aber auch wieder möglich sein wird    leichter und unbeschwerter zu leben.  

Unser kleiner Ostergarten hier in der Kirche ist auch ein Zeichen und ein Symbol für neues Leben. Dass   selbst nach schweren Zeiten, harten Tagen mit Dürren und Brachen auch wieder langsam neues Leben aufkeimt, sprießen und wachsen kann. Dass es sich lohnt selbst schlimme Zeiten, Stunden und Tage auszuhalten und durchzustehen, weil wir auf Gott und durch ihn immer wieder auf neues und sogar pralles Leben  hoffen können und hoffen dürfen.

 

An Ostern  feiern wir Gott sei Dank,  die nicht ausrottbare Hoffnung  , dass Gott uns das Leben nicht nur erneuert  sondern auch die Freude am  Leben wieder bringt und dass es uns möglich sein wird, diese Freude nicht nur zu erleben und erfahren, sondern sie auch  an andere Menschen weiterzugeben. Das , was wir können, dazu beizutragen, dass auch das Leben  anderer Menschen ein bisschen     heller und schöner und froher  wird. Dass sie wenigstens eine kleine   Freude erfahren und sie dann auch irgendwann wieder Freude am Leben haben.

 An den großen aber  meistens viel eher   kleinen Dinge , die unser Leben bunt machen und schön. Dass wir das Blühen und Sprießen ringsherum wieder sehen oder uns freuen am  Singen der Vögel, an einer zufälligen Begegnung ,an einem fröhlichen Winken oder einem kleinen  Lächeln  , am  Lachen der der Kinder, an einem kurzen Anruf , der uns  mitten in der Pandemie daran erinnert , dass wir nicht allein oder vergessen sind , dass jemand da ist , der sich für mich interessiert und dem ich sagen und auch erzählen kann, was mich bewegt.  Manchmal sind es tatsächlich die kleinen Dinge die unerwartet fröhlich und glücklich machen. Ein Buch , das wir lesen , ein kleiner Gedanke , der uns in den Sinn kommt und den Augenblick  plötzlich heller macht. Dass wir das strahlende Blau des Himmels wieder sehen oder die Wärme der Sonne spüren. Dass wir eine kleine Melodie hören, die uns plötzlich beschwingt. Und uns das Gefühl gibt, dass es trotz manchem, was schwer ist,   gut ist und schön auf der Welt zu sein.    

Gott sei Dank gibt es bis heute diese österlichen Erfahrunge !  In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch frohe Ostern und die frohe Gewissheit an der Osterfreude, die wir eingangs gehört haben.

Denn Christ ist erstanden, von der Marter alle.

Des sollen wir alle froh sein Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.

Seit, dass er erstanden ist, so loben wir den Vater Jesu Christ.Kyrieleis. Halleluja. Amen

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum Sonntag Palmarum am 28.03.21

von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,

Palmensonntag. Palmarum. Früher der Konfirmationssonntag, eine Woche vor Ostern. Vielleicht wurden einige von Ihnen früher auch an Palmarum konfirmiert.

Der Palmensonntag, eng verbunden mit der bekannten Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem. Wenn wir die letzten Stationen Jesu vor seiner Kreuzigung mit den Kindergottesdienstkindern besprechen, dann spielen sie das sehr lebhaft und lebendig nach, wie das Volk mit Palmenzweigen wedelt und alle Hosianna rufen.

Palmensonntag, das ist aber zugleich auch der Moment, in dem die anfängliche Jubelstimmung schnell umschlägt. Die, die Jesus heute Hosianna zujubeln, rufen morgen das „Kreuzige ihn!“

So nahe liegt beides nebeneinander. Die Erhöhung und das gefeiert sein als König auf der einen Seite und das erniedrigt werden, verspottet und verstoßen werden auf der anderen Seite. Fern von all diesem Lärm und all den Emotionen kurz vor dem Leidensweg Jesu wird uns heute an Palmarum ein kleiner Abschnitt aus einer der letzten Gebete Jesu vorgestellt, so wie es der Evangelist Johannes überliefert.

 „So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;

Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig [a] erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

 Jesus betet zu Gott. Anders als im Garten Gethsemane scheint er das ganz bewusst vor allen seinen Jüngern zu tun. Er nutzt einen dieser letzten Momente, um mit seinem Vater Zwiesprache zu halten. So recht passt diese ruhige Gebetsstunde gar nicht zu dem lauten Jubel beim Einzug in Jerusalem. Diese Gedanken bereiten uns vor auf die letzten Tage, die Stille Woche, die Karwoche.

„Vater, die Stunde ist da“ – so beginnt Jesus sein Gebet.

In dem Vers, der diesem Gebet vorausgeht, ging es noch um die Angst der Welt. „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ – Er nimmt den Jüngern die Angst. Er wirbt für Vertrauen, seine Sendung richtig zu begreifen. Es sind eines seiner letzten Worte.

„Die Stunde ist da. Es ist alles gesagt.“ Die Menschen konnten sich entscheiden, so wie es Johannes oft genug in seinem vierten Evangelium herausstellt: Wer wirklich glaubt, der erkennt Jesus in seiner wahren Bedeutung.

Und es ist besonders das vierte Evangelium nach Johannes, das die Kreuzigung Jesu nicht als Erniedrigung darstellt, sondern als eine Erhöhung. Am Kreuz, in seinem Sterben und Auferstehen wird Jesus erst am Ende seines Wirkens wirklich erkannt.

„Vater, die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn.“

Uns, die wir das Leiden und den Gekreuzigten schon so kurz vor Ostern vor Augen haben, fällt es schwer, das Kreuz als Verherrlichung zu verstehen.

Aber genau darauf richtet Jesus nach Johannes seinen Blick. Seid nicht verzweifelt darüber, dass mein Weg ans Kreuz führt, sondern glaubt an mich, der ich zugesagt habe: Ich bin das Licht. Ich bin das Brot. Ich bin der Weg. Ich bin die Tür. Ich bin die Auferstehung, der gute Hirte, der wahre Weinstock –

 Bildworte, die eine Brücke schlagen sollen zwischen Erde und Himmel, zwischen ensch und Gott.

Damit sie verstehen, sagt Jesus oft bei Johannes, damit sie mich erkennen. Und den, der mich gesandt hat.

„Vater, die Stunde ist da, dass ich verherrlicht werde“. Der Beginn dieses Gebetes schlägt schon den Bogen zu Jesu letzten Worten am Kreuz, wie wir sie am Karfreitag hören werden: „Es ist vollbracht.“

„Die Stunde ist da, dass ich von dir Vater verherrlicht werde.“ Das bedeutet zweierlei: zum einen: lasst nicht die Köpfe hängen unter meinem Kreuz. Ich muss diesen Weg gehen, um erhöht zu werden, verherrlicht zu werden bei Gott, meinem Vater. Das ist die eine Seite. Die andere: dieses „Vater, die Stunde ist da, dass ich verherrlicht werde“ ist so etwas wie der „point of no retourn“, auf Deutsch: es gibt jetzt kein Zurück mehr.

Es ist eine ganz andere Stimmung als wir es aus den anderen Passionsgeschichten kennen: wo sich noch ein Petrus im Garten Gethsemane dazwischenwirft, wo Jesus noch bei der Ankündigung des Verrates beim letzten Mahl die Jünger bewusst anspricht: einer von euch: Vielleicht hätten sie untereinander das Schlimmste noch verhindern können. Es ist ein ganz anderer Ton in diesem letzten Gebet bei Johannes, ganz anders als im Garten Gethsemane, wo Jesus noch betet: „Vater, lass wenn es möglich ist, diesen Kelch an mir vorüber gehen.“

Dieser johannäische Jesus betet aus einem anderen Blickwinkel: „dass ich verherrlicht werde.“ Und Gott.

„Ich habe deinen Namen den Menschen, die du mir anvertraust,“ offenbart, so betet Jesus weiter,

„Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.“

Man könnte auch sagen: Mission erfüllt. Aber Jesu Weg am Kreuz ist eben nicht dieses „Ende gut, alles gut“ - sondern es bleibt der Widerspruch: Dort, wo der Leidensweg beginnt, das Ausgeliefert sein, die Schmerzen und am Ende der Tod“ genau dort in dieser dunkelsten Stunde offenbart Gott seine Herrlichkeit durch Christus selbst.

Für uns bleibt dieses Rätsel, dieser Widerspruch. Darum eröffnet uns gerade der Christus nach Johannes einen anderen Blick auf das Kreuz: mitten im Leiden erhöht zu werden, verherrlicht als Sohn Gottes.

Der Widerspruch. Wie kann Gott seinen Sohn leiden lassen wird nicht aufgelöst. Es ist ein anderer Blick auf das Kreuz.

Wir bereiten uns auf Ostern vor. Zum zweiten Mal in Zeiten der Pandemie. Viele leiden unter diesem ständigen Hin und Her. Wir erleben genau das, was zu Palmarum passt. Heute werden Entscheidungsträger hochgejubelt, Morgen verspottet. So viel Menschliches in Zeiten der Krise. Das Kreuz dieser Pandemie tragen wir nun schon ein Jahr miteinander. Anklagen und einander vorführen hilft nichts. Versuchen wir von Ostern her zusammenzubleiben und die eigenen Ängste zu überwinden. So wie Jesus Christus es für uns getan hat.

 

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Gruß zum Sonntag Judika am 21.03.2021

von Pastorin Parra

 

 

 

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Liebe Preetzerinnen und Preetzer,

führen Sie manchmal Selbstgespräche? Ich ertappe mich in letzter Zeit öfter dabei, dass mir passiert. Ist es das Alter oder vielleicht mehr das Alleinesein – über ein Jahr nun schon - mit so manchen Gedanken?

Dann denke ich: Mal ehrlich, stell dich nicht so an: Du hast doch eine Familie und da sind reichlich Leute, beruflich wie privat, denen es gut täte, wenn du sie mal wieder anrufst. Du lebst mit einem lieben Menschen zusammen, dem Du alles sagen kannst, bist gesund und das Gehalt ist auch immer pünktlich auf deinem Konto. Stell dich nicht so an!

Hab ich das jetzt vielleicht schon wieder laut gesagt? So weit ist es jetzt schon gekommen, dass  ich mir selbst sage, was ich von anderen als Antwort auf meine Klagen erwarte, aber eigentlich gar nicht hören will! Klagen dürfen ohne dass da gleich eine Stimme ist, die das verbietet - das täte gut.

Klagen lernen können wir von Hiob. Alles hat er verloren: Sein Hab und Gut, die Menschen, die ihm nahe waren, seine Gesundheit. Zu Recht verleiht er seinem Unglück Ausdruck:

„Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen!“ (Hi 19,19-24)

Niemand versteht sein Leid, so kommt es ihm vor, aber er ist darin ganz eins mit sich, schluckt es nicht herunter, sondern will für immer in den Felsen meißeln, was er klagt, denn da scheint sonst keiner zu sein, der sich erbarmt, der versteht – nicht einmal Gott.

Objektiv möchte er festhalten, wie schlimm das Leid ist, das ihm widerfährt, wie ungerecht. Während wir aber objektiv messen können, ob es kalt ist und wir also zu Recht frieren, können Schmerzen und Leid nicht objektiv gemessen werden. Wer in der Pandemie unter was wie sehr leidet, das kann nicht letztgültig verglichen und bewertet werden. Und das ist gut so. Es ist wichtig, nicht abzustumpfen und zu vergessen, was uns eigentlich fehlt.

Mitten in seiner Klage schlägt Hiobs Stimmung anscheinend plötzlich um:

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“

Wir dürfen klagen - im Selbstgespräch, einander und miteinander, Gott - Dazu haben wir alles Recht. Wir dürfen dann aber auch hoffen.

Wenn grad kein anderer da ist oder auch wenn wir uns das aufmunternde Gerede der anderen abgedroschen erscheint, dann lohnt es sich, auch mal mit der eigenen Seele ins Gespräch zu kommen, zu erlauschen und zu erspüren, welche Hoffnung dort schlummert.

Das Wort von der Auferstehung kann meiner Ansicht nach nur aus solcher inneren Zwiesprache heraus wahr gesprochen werden, aus der inneren Gewissheit heraus, dass da etwas ist, von dem wir erlöst werden wollen und einer ist, der uns erlösen wird, schon erlöst hat und gerade jetzt in dem Moment erlöst, in dem wir das erkennen.

Ihre Pastorin Ute Parra

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Gruß zum Sonntag Lätare am 14.03.2021

gehalten von Pastorin Glatthor

 

Beim Spaziergang kommt sie am Kindergarten des Dorfes vorbei. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Sie sieht die spielenden Kinder im Garten: Eins sitzt auf Schaukel und wird immer wieder von der Erzieherin angeschoben, damit es immer höher schaukeln sowie ein Gefühl vom Fliegen spüren kann und eins sitzt in der Sandkiste und spielt mit seinem Bagger. Freude, Fröhlichkeit und Unbeschwertheit kann sie über den Zaun hinweg spüren. Doch in ihr sieht es anders aus – eine große Sehnsucht füllt sie förmlich aus. Ob sie jemals ein eigenes Kind haben wird? Ein eigenes Kind? Ihr Kind? Für sie und ihren Partner ist es mitunter wie eine Zerreißprobe. Sie befinden sich schon eine lange Zeit mittendrin. Die Sehnsucht nach einem „Danach“, nach Zuversicht und einer Zukunft sind groß. Und neben ihr am Ast des Baumes gibt es eine Knospe, die ganz langsam zu blühen beginnt. Vorsichtig öffnen sich die noch geschlossenen Blätter. Ein rosa Farbkleks lässt sich erahnen. Und um sie herum sind Vögel, die zwitschern, die hoch und runter und hin und herfliegen, mit kleinen, dünnen Ästen oder Insekten im Mund. Und die Sonne lässt ihre Strahlen bis zur Erde scheinen, erwärmt sie und lässt so die ersten Frühlingsboten aufleuchten. Denn es geht weiter. Irgendwie.

Beim Spaziergang kommt er am See entlang, der am Dorfrand liegt. Er fühlt sich einsam und verlassen. Der Sandweg führt ihn direkt vorbei an der kleinen Bank aus Holz, die schon etwas abgenutzt ist und dadurch veraltet wirkt. Viele Herbst- und Wintertage musste diese Bank schon aushalten, einen Anstrich gab es schon lange nicht mehr. Oft war er mit seiner Frau hierhergekommen – gemeinsam – bis hierher hatte sie es immer geschafft zu gehen – zwar mit Anstrengung und zum Schluss mit seiner Hilfe, aber immerhin. Oft saßen sie hier, schauten über den See, beobachteten die Vögel, die sich hier treffen: Gänse, Enten, Fischreiher, Adler und viele mehr - ein Naturschauspiel. Doch heute ist er alleine hier. Ist alleine den Sandweg von seinem Haus am See entlang gegangen bis hierher, zur kleinen, abgenutzten Holzbank. Große Trauer und tiefe Sehnsucht erfüllen ihn. Einen Weg daraus, einen Weg nach vorne, sieht er im Moment nicht. Wie eingehüllt von Nebel, so fühlt sich alles für ihn an, wie eingehüllt von einer großen Nebeldecke. Und neben ihm am Ast des Baumes gibt es eine Knospe, die ganz langsam zu blühen beginnt. Vorsichtig öffnen sich die noch geschlossenen Blätter. Ein rosa Farbkleks lässt sich erahnen. Und um ihn herum sind Vögel, die zwitschern, die hoch und runter und hin und herfliegen, mit kleinen, dünnen Ästen oder Insekten im Mund. Und die Sonne lässt ihre Strahlen bis zur Erde scheinen, erwärmt sie und lässt so die ersten Frühlingsboten aufleuchten. Denn es geht weiter. Irgendwie.

„Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,20-24)

Jesus nutzt das Bild vom Weizenkorn. Es muss zunächst in die Erde fallen und sterben, kann dann aber hundertfach Frucht bringen. Leben wächst durch Leid und Sterben hindurch. Gott weiß, dass er sterben muss, damit wir leben und glauben können – für uns. Damit aus Einem Viele, aus Einsamkeit Gemeinschaft und aus Trauer Trost werden kann. Das Sterben des Weizenkorns hat nichts Endgültiges. Der Schimmer von Ewigkeit strahlt bis in unsere Gegenwart. Ein Blick über alles hinweg in das „Danach“, so wie die Hoffnung auf neues Leben, die Ostern zur Vollendung gelangt und die Sehnsucht, die sich zu einem Träumen verwandeln kann, kann eine neue Perspektive schenken. An all das kann schon an diesem heutigen Sonntag gedacht werden: Mitten in der Passionszeit eröffnet sich ein Moment der Freude, der Vorfreude. Ein Sonntag an dem bereits der Ostergedanken anklingen kann. Ein Funken von dem Osterfeuer, der bereits jetzt zu sehen sein kann; ein Leuchtstreifen in die verhüllende Dunkelheit hinein; klein und vielleicht kaum zu spüren, aber ein Hauch von Hoffnung; eine Kostprobe davon, was es heißt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass wir im täglichen Leiden, im Sterben und über den Tod hinaus uns von Gott begleitet, getröstet und gehalten fühlen dürfen!

Denn es geht weiter. Irgendwie. Jeden Tag. Noch im Nebel verhüllt. Doch es geht weiter. Mit aller Überforderung, mit aller schwerer Krankheit, mit aller Ohnmacht. Es wird weitergehen im Leben wie im Tod. Weil Gott in Christus Mensch geworden ist und litt, während er Vögel zwitschern, Knospen aufsprießen und Bäume blühen sah.

Amen.

 

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Gruß zum Sonntag Okuli am 07.03.2021

gehalten von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.


Predigttext
Eph 5, 1-9
1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder. 2 Und führt euer Leben so, dass es ganz von der Liebe bestimmt ist. Genauso hat auch Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben –als Opfer und als Duft, der Gott gnädig stimmt. 3 Über Unzucht, jede Art Unsittlichkeit oder auch über Habgier sollt ihr nicht einmal reden. Denn das gehört sich nicht für Heilige. 4 Ihr sollt nichts sagen, das andere herabsetzt, nicht dumm daherreden und keine zweideutigen Witze machen. Das ist nicht angemessen! Bringt vielmehr euren Dank zum Ausdruck. 5 Denn eines müsst ihr wissen: Jede Art von Unzucht, Unsittlichkeit und Habgier ist ja nichts anderes als Götzendienst. Wer dies tut, erhält kein Erbe im Reich von Christus und von Gott. 6 Niemand soll euch mit leeren Versprechungen verführen. Denn wegen solcher Dinge bricht der Zorn Gottes über die Menschen herein, die ihm nicht gehorchen. 7 Mit solchen Leuten dürft ihr nichts zu tun haben! 8 Früher habt ihr nämlich selbst zur Finsternis gehört. Aber jetzt seid ihr Licht, denn ihr gehört zum Herrn. Führt also euer Leben wie Kinder des Lichts! 9 Denn das Licht bringt als Ertrag lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Was, liebe Gemeinde, tun geliebte Kinder?
Was sind Ihre Erfahrungen? Was sind Ihre Erinnerungen?
Was heißt es überhaupt, ein geliebtes Kind zu sein?

Ich höre ein altes Gute-Nacht Lied vor meinem inneren Ohr. Breit aus die Flügel beide, oh Jesu meine Freude, und nimm dein Küchlein ein. Will Satan dich verschlingen, so lass die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein.
Das ist das Ende des Liedes: „dies Kind soll unverletzet sein“.
Das ist eine ideale Figur – das Leben ist nicht ideal.
Und dennoch stelle ich mir dies als eine wunderbare Situation vor: Liebe, die wirklich schützt. Liebe, die einen bergenden Mantel bildet. Gegen Lebenskälte, gegen Angriffe des Lebens.
Lebendige Liebe ist das. Sie hält. Sie weitet. Sie schafft Raum für das, was reden und offenbar werden will. Sie schützt das Verletzliche. Die Ärzte nennen das ganz am Anfang des Lebens beim Säugling den Stillschutz. Da kommt so eine Mischung aus optimaler Nahrung, bergender Nähe, wunderbaren Geräuschen usw. in das Leben eines Menschenkindes, so dass es ganz besonders gut geschützt ist und gedeiht.
Geliebte Kinder gedeihen.
Und natürlich gibt es noch weitere Formen des Aufwachsens, die einem Menschenkind helfen, gute innere Sicherheit zu gewinnen und zu erhalten.
Worauf es mir ankommt, ist dies: Je sicherer jemand in sich ist, umso weniger wird er andere angreifen, belästigen, bedrohen und gefährden. Je geschützter sich jemand selbst fühlt, desto eher gewährt sie auch anderen Schutz.
Je klarer jemand sich als geliebt empfindet, umso mehr kann er oder sie anderen Raum lassen und eigenen Wege finden lassen.
Je geliebter jemand in sich ist, desto sicherer wird man in ihrer und seiner Nähe sein.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Ich höre das als Einladung, aus dem sicheren Gefühl, von Gott geliebt zu sein, an einer Welt mitzubauen, die anderen sicheren Raum, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bietet.
1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Wer das ernstnimmt, kann keine Hassbotschaft, keine politischen Engstirnigkeiten, keinen ausschließenden Glauben vertreten.

Es geht hier um die Basis eines Lebens, dem Gott Halt und Haltung gibt. Damit sind diese Verse eine Botschaft gegen moralische Engführung und gegen christliche Machtansprüche auf jedwedes Bessersein.
Vielmehr schreibt Paulus eine Einladung an eine Lebenshaltung voller großer Gelassenheit – schlicht deshalb, weil geliebte Menschen kein Interesse an Unterdrückung, Machtausübung und neidischem Gerangel haben.

Wir hören diese Worte unter den Vorzeichen dieser aus dem Ruder geratenen Zeit. Kämpfe gegen den Lockdown, Ringen um mehr Lockerung, Gerangel um den Platz in der Schlange der Impfwilligen gehen einher mit dem Gefühl, der Lage schon lange nicht mehr gewachsen zu sein. Was soll ich bloß machen, fragen sich viele, egal, ob sie ihre Angehörigen nicht sehen und vereinsamen, oder ob ihnen die Nerven zittern nach Wochen von Homeschooling, Homeoffice, geschlossenem Allerlei.
Nerven liegen blank, normale Mechanismen greifen nicht mehr, der Rückweg ins normale Leben scheint abgeschnitten und der Ausweg scheint durch immer neue Hemmnisse verstellt.
Was hilft?

Ich glaube, es helfen vor allem die kleinen Dinge. Die Gesten in der Familie oder in der Nachbarschaft. Der Gruß, der kurze nachbarschaftliche Kaffee im Freien auf der Terrasse, das Zurufen von Grüßen, ein Anlächeln über die Maske hinweg – wenigstens mit den Augen. Es helfen die Spaziergänge, wenn die Reisen ausfallen und das Telefonat, wenn der Besuch unmöglich ist. Das, was möglich ist, ist oft viel kleiner als das Erwünschte. Aber so bekommt gerade das Kleine neues Gewicht.

Nächstenliebe war eine Zeitlang ein Begriff aus der Mottenkiste geworden, gebraucht nur noch von christlichen Insidern. Auf einmal ist die Nächstenliebe wieder IN, weil außer dem oder der in meiner Nähe gar keiner für mein Leben erreichbar ist. Und was zwischen ihm und mir passiert, wird auch nicht mehr durch so viele große und weit entfernte Attraktionen überlagert. Ostsee statt Malediven. Auf einmal sind unsere Strände eigentlich das wahre Meer. Denn sie sind erreichbar. Das gilt auch für die Menschen, mit denen ich lebe, und die ich vorher zuletzt vielleicht zu oft übersehen habe.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
So klein kann sich das anhören, Gottes Plan vom Leben in der Welt zu verwirklichen. Aber Halt und Haltung, die aus dieser Nachahmung entstammen, können tiefgreifend und nachhaltig unserem Leben guttun.

Die und den anderen wirklich in den Blick nehmen. Liebe als Maßstab des Lebens, frei von romantischer Verbrämung, vielmehr sich ausrichtend an schützender Haltung, die ich gewinne aus dem Gefühl, selbst gut aufgehoben zu sein – z.B. auch bei Gott.

Damit das zum Schluss noch einmal klar ist: Ich weiß um die Realitäten des Lebens, bei deren Anblick es sich durchaus auch schmal und zu einfach anfühlen und anhören kann, ihnen mit Liebe, mit dem Nachahmen der Liebe Gottes zu begegnen.
Deshalb, wenn Sie skeptisch sind, was sehr erlaubt ist: Fragen Sie sich nach Menschen in Ihrem eigenen Umfeld. Sie werden vermutlich ähnlich wie ich bestätigt finden, dass je geliebter, je sicherer aufgehoben ein Mensch ich fühlt, dieser Mensch umso weniger die Menschen in seiner Umgebung drangsaliert, unterdrückt, gewalttätig behandelt, sich mit anderen verhakt usw.
Sondern dass vielmehr von solchen Menschen Ermutigung, Gelassenheit, Freude, Offenheit und etwas Einladendes ausgeht.

1 Nehmt euch also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder.
Bei dem, was Paulus schreibt, geht es einmal mehr um Halt und Haltung im Leben, die Zukunft möglich machen, gerade auch in Zeiten wie diesen.

Amen.

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


Gruß zum Sonntag Reminiscere am 28.02.2021

gehalten von Pastorin Parra

 

 

 

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Liebe Leserinnen und Leser,   
haben Sie / habt Ihr heut schon gebetet? –Wie? Die Frage ist zu persönlich? Naja, ich gebe zu, das ist kein leichtes Gesprächsthema. Im Gebet treten wir schließlich ganz ungeschminkt vor Gott – mit allen Fehlern und Schwächen, mit unseren Ängsten und geheimen Sehnsüchten. Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden haben mit mir in den vergangenen Wochen in Einzelgesprächen über das Beten geredet und das war für mich sehr bereichernd. Manche der Gedanken aus diesen Gesprächen fließen in diese Predigt ein, die wir im Unterricht inhaltlich vorbereitet haben:

Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das Getsemani hieß. Er sagte zu ihnen: »Setzt euch hier! Ich gehe dort hinüber, um zu beten.« Petrus und die beiden Söhne von Zebedäus nahm er mit. Angst und tiefe Traurigkeit befielen ihn, und er sagte zu ihnen:
» »Ich bin so bedrückt, ich bin mit meiner Kraft am Ende. Bleibt hier und wacht mit mir!« Dann ging er noch ein paar Schritte weiter, warf sich nieder, das Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen! Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.«  Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Konntet ihr nicht eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt. Der Geist in euch ist willig, aber eure menschliche Natur ist schwach.« Noch einmal ging Jesus weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann geschehe dein Wille!« Als er zurückkam, schliefen sie wieder; die Augen waren ihnen zugefallen. Zum dritten Mal ging Jesus ein Stück weit weg und betete noch einmal mit den gleichen Worten. 45 Als er dann zu den Jüngern zurückkam, sagte er: »Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist da; jetzt wird der Menschensohn an die Menschen, die Sünder, ausgeliefert. 46 Steht auf, wir wollen gehen. Er ist schon da, der mich verrät!«  (Mt 26,36-46)

Jesus ist bedrückt, kraftlos, hat Angst vor Gefängnis, Folter und Tod, vor dem Alleinsein mit alldem. In seiner Not bittet er seine Freunde um Beistand: „Bleibt hier und wacht mit mir!“ Sie aber schlafen einfach ein, gleich dreimal! Vergeblich bittet er sie: „Bleibt wach und betet!“ Das will er nicht nur für sich, sondern auch, damit sie sich bereit machen können für das, was vor ihnen liegt. Sie sollen der Versuchung widerstehen, die Augen zu schließen wie das Kaninchen vor der Schlange, sollen sich sich selbst stellen – im Gebet.
Beten ist nicht nur schön, sondern manchmal auch unbequem. Es führt uns unsere Grenzen vor Augen. Im Leben gibt es Dinge, die können wir nicht allein bewirken, regeln oder reparieren. Hilft es denn wenigstens, sich Gott anzuvertrauen? Was ändert das?
Manchmal wendet sich nach einem Gebet wie durch ein Wunder das Blatt: Verlorengeglaubtes taucht wieder auf, geliebte Menschen werden vor drohender Gefahr bewahrt. Aber manchmal scheint auch alles genauso zu bleiben wie zuvor. Wieso will Gott nicht helfen? Kann er nicht?
Jesus bittet Gott in seiner Angst um Rettung, obwohl er selbst zuvor schon davon gesprochen hat,  dass er in die Hände seiner Feinde geraten und sterben muss. Er ist ganz Mensch, ist schwach, verletzlich und versucht, sich seinem Schicksal zu entziehen. Gleichzeitig will er tun, was Gottes Plan für ihn ist. Mit all dem tritt er vor Gott.
Eugen Eckert dichtete:

„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich!...“

 

Über die eigenen Grenzen zu sprechen ist wirklich sehr persönlich, darum fasse ich mehrere Gedanken meiner Konfirmanden dazu neu zusammen: „Manchmal bete ich, wenn ich merke, dass ich einen Fehler gemacht habe und nicht weiter weiß. Dann merke ich: Ich kann wieder neu anfangen. Ich sehe dann, wie das gehen kann.“ „Manchmal bete ich, wenn ich Streit habe und man mich nicht versteht. Ich brauche diese Zeit, damit ich verstehe und wir uns hinterher wieder vertragen können.“ „Manchmal bete ich, wenn ich traurig bin, weil etwas Schlimmes passiert ist, das ich nicht ändern kann.“


 „Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich. Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich...“

Wir kommen im Leben an Grenzen und Furchtbares geschieht, das wir nicht verstehen. Wieso kann ein so kleines Virus über unser aller Leben bestimmen und bewirken, dass Menschen einsam sterben, dass wir unsere Freunde nicht treffen dürfen, dass alles stillsteht? Wie lange soll das noch so gehen?


„Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich...“

Das Gebet ändert nicht immer die Welt um uns herum. Was geschieht bleibt manchmal unverständlich, macht uns auch zu Recht ängstlich, wütend und traurig. Trotzdem kann es gut tun, sich in all dem Gott anzuvertrauen. Aus diesem Eingestehen unserer Ohnmacht kann Stärke werden. Im Eingestehen unserer Ängste kann sich etwas lösen.
Am einigsten waren die Konfirmanden darüber, dass man im Gebet alles sagen darf. Und interessant: Auch wer von den Konfis meint, dass ein Gebet gar nichts bringt, hat nichts dagegen zusammen das Vaterunser zu beten. Beten ist etwas, das in Gemeinschaft leichter fallen kann. Darum wollte Jesus ja auch, dass seine Freunde mit ihm beten.


„Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.“

In unserer Gemeinschaft, die wir im Gebet haben, wird der Raum weit. Wenn wir für unsere Umwelt, für ein gerechtes und friedliches Miteinander beten, dann wird das auch unser Handeln beeinflussen.
 Was wir aneinander tun, wenn wir füreinander  und miteinander beten, das weist auf den Grund unserer Gemeinschaft hin. Wenn die Antwort auf ein Gebet uns nicht in Wundern Gottes deutlich wird, so doch in dem, was es in uns und zwischen uns verändert. Vielleicht sind das ja in Wahrheit auch Wunder Gottes. Traun wir uns, das herauszufinden!
Ihre und Eure Pastorin Ute Parra

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


Gruß zum Sonntag Invokavit am 21.02.2021

gehalten von Pastor Kroglowski

 

 

Aufbruch - „mit Versuchungen“

Liebe Gemeinde,

wir kennen sie die kleinen und die großen Versuchungen des Lebens. Da ist es jetzt vielleicht zu Beginn der Fastenzeit „die süßeste Versuchung seit es Schokolade gibt“. Die Versuchung im „home schooling“ die Schule etwas schleifen zu lassen. Der große Lotto Gewinn - das wäre es doch – aber nicht allein für mich. Gutes will ich auch damit tun. Oder die Pandemie einfach weg zaubern – alles wäre wieder normal.

Auch der Bibeltext für den heutigen Sonntag (Matthäus 4,1-4) erzählt eine Versuchungsgeschichte. Jesu Versuchung in der Wüste. Dreimal führt ihn der Teufel in Versuchung.

Aus Steinen soll er Brot machen. Eine sozial gerechte weltweite Gesellschaft … von Menschen nicht zu schaffen … Jeder Hunger soll gestillt werden … Die Zeiten der Versuchung, die durch Hunger nach Brot entstehen, kennen nur noch die Älteren in unserer Gemeinde. Oberflächlich sind wir satt. Und doch der Hunger nach Leben ist allzu bekannt. Das Konsumbedürfnis, um diesen Hunger nach Leben zu stillen – richtet sich in unserer Gesellschaft auf Besitz und Besitzstand und Geld – aber auch auf Menschen, sei es im körperlichen, seelischen oder geistigen Bereich. Jesus setzt diesem Lebenshunger seine Erfahrung entgegen, dass der Mensch vom Wort Gottes leben kann. Das stillt seinen Hunger und schafft Freiheit.

Die Versuchung durch Rettung. Gott erfüllt unsere Wünsche nicht eins zu eins. Die Versuchung Gott für alles, was in unserem Leben passiert, in die Pflicht und in die Verantwortung zu nehmen, ist groß. Ein Leben ohne Leiden, ohne Krankheit, ohne Abschied, – ein Sterben ohne Angst – eine Wellness Religion voller Engel, die einen immer bewahren - Versuchungen auch für mich. Jesus setzt dieser Versuchung entgegen: Du sollst Gott nicht versuchen! Du trägst auch selbst Verantwortung für dein Leben. Du sollst nicht versuchen, Gottes Wirken und seine Gegenwart ausschließlich an Bewahrung und Rettung zu binden, denn Gott ist in jeder Situation gegenwärtig, auch in den Wüstenzeiten, in denen man nichts von ihm spürt.

Die Versuchung durch Macht. Jesus werden alle Reiche der Welt gezeigt. Die letzte, die härteste Versuchung des Teufels, die Versuchung der Macht: Einfluss ausüben, etwas durchsetzen können, die Fäden in der Hand halten, und vielleicht heute auch vor allen über Informationen verfügen. Wissen ist Macht. Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Doch was macht diese Informationsflut mit unserer Seele? Wo werden wir manipuliert oder wo setzen wir unser Wissen über andere als böse Macht ein? Das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deines Nächsten“ bekommt eine ungeahnte Dimension.

„Das alles will ich dir geben, wenn du vor mir auf die Knie fällst“, verspricht der Teufel auf dem hohen Berg. Jesus ist vor dem Teufel nicht in die Knie gegangen. Es klingt wie eine Antwort an den Teufel, wenn Jesus an einer anderen Stelle fragt: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

Vielleicht für uns auch die Chance mal wieder genau hinzuschauen - wo unsere Versuchungen liegen - woran wir unser Herz und unsere Seele hängen?

Eine gesegnete und versuchungsarme Woche wünscht  

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

 

Gruß zum Sonntag Estomihi am 14.02.2021

gehalten von Pastorin Pfeifer

Predigt zum Text:Lk10, 38-42

Liebe Gemeinde,

Maria und Marta. Die Geschichte, die wir eben gehört haben  ist ärgerlich- jedenfalls  für die meisten. Besonders für Frauen. Vor allem wohl deshalb , weil  die meisten von uns sich Ruck Zuck mit Martha identifizieren und sich  dann auch solidarisieren .

Denn viele von uns kennen das, vielen von uns geht es ähnlich.   Da laden wir uns Besuch ein. So, wie Marta u Maria Jesus und seine Jünger und freuen uns drauf. Putzen die Stube, gehen los, kaufen ein, schleppen alles nach Haus und fangen an zu kochen. Gemüse putzen und schnibbeln. Daneben schnell  noch den Braten in den Ofen geschoben oder das Fett in der Pfanne heiß gemacht, um das Fleisch zu braten. Vielleicht noch eine Suppe gekocht , den Nachtisch gemacht ,Salatsoße gerührt , Salat gewaschen , geschnitten und gemischt.  Schnell noch den Tisch gedeckt und geschmückt, die Gläser poliert. Die Gäste kommen!

Maria und alle anderen haben es sich in unserer Geschichte inzwischen bequem gemacht. Nur Marta rührt immer noch in den Töpfen und kommt ganz schön ins Schwitzen. Kein Wunder, wird sie gedacht haben. Maria taucht  noch immer nicht auf ,um mir zu helfen .Wahrscheinlich,  wird sie  Jesus     längst schon  zu Füßen liegen und hören, was er sagt und sich freuen an seiner Nähe.  

Kein Wunder das Marta an ihren Töpfen langsam die Krise bekommt, Ärger und Wut steigen immer mehr auf.

Schließlich platzt ihr der Kragen. Sie geht rüber zum Lager   und fordert Jesus auf ihrer Schwester nun endlich Beine zu machen. Und ist wohl auch ärgerlich , dass er das nicht  längst schon gemacht hat.

Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll.

Ehrlich gesagt:  Ich kann Marta verstehen. Und muss ihr Recht geben. Kein Wunder , dass sie sich über Maria ärgert. Umso mehr , da sie sich  selbst so sehr  danach sehnt,endlich in Jesu Nähe zu sein und seine Worte zu hören.

Und ich kann mir gut vorstellen, dass Jesu Antwort sie vor den Kopf stößt und sie ziemlich brüskiert:

Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe! Eins aber ist Not: Maria hat das Gute erwählt . Das soll ihr nicht genommen werden.

Was Jesus da sagt, ist für Marta wahrscheinlich wie eine kalte Dusche.       

Da arbeitet sie sich die Hände wund und die Füße platt und Jesus bestätigt ausgerechnet Maria –diese faule Socke.

Die es sich gut gehen lässt, dem hohen Gast zu Füßen liegt,  an seinen Lippen hängt und andere arbeiten lässt, um den Gast zu bewirten.

Allerdings beim zweiten Lesen oder genauerem Hinhören    merke ich auch, dass Jesus die Arbeit der Marta auch nicht abwertet. Dass er stattdessen die Mühe, die Marta sich macht, wahrnimmt und sieht: Marta du hast viel Sorge und Mühe. Er sieht und erkennt die Arbeit, die Marta sich  macht.  

Jesus  sieht ihre Fürsorge und findet sie auch bemerkenswert. Er wertet sie auch nicht ab sondern weiß das zu schätzen.

Aus anderen Zusammenhängen wissen wir, dass Jesus nicht müde wird, Menschen zur Fürsorge und hilfreicher Tätigkeit anzuregen: Geh hin und tue desgleichen. Was du willst, dass dir die Leute tun sollen, das tu ihnen auch. Und auch Jesus selbst wird kaum müde, den Kranken zu helfen, zu handeln und zu predigen den ganzen Tag.

Und es wäre arm, um unsere Welt bestellt, wenn wir solche tatkräftigen Menschen wie Marta nicht hätten.

Mütter und Väter, die ihre Familie, den Haushalt und  die Kinder gut versorgen . Die dafür sorgen, dass morgens ein gutes Frühstück oder mittags ein warmes Essen auf dem Tisch steht. Dass Menschen sich viel Mühe machen, den Haushalt und ihre Lieben gut zu versorgen. Die sich um kranke Angehörige kümmern. Sie waschen und pflegen. Großeltern, die einspringen und die Enkel hüten, Eltern die beim Homeoffice und Homeschooling viel zu oft bis an ihre persönliche Grenze gehen, Nachbarn, die der Familie nebenan in der Not schnell mal eine warme Suppe kochen.    Solche Tätigkeiten, solche Tüchtigkeit ist gut. Ja, du hast viel Sorge und Mühe. Auch Jesus sieht  das und erkennt das an.

 Und trotzdem geht es hier um etwas anderes.

Jesus wechselt hier nämlich die Perspektive und will Marta dazu bringen, das ganze Geschehen einmal ganz anders, nämlich aus der Perspektive von Maria zu sehen und zu betrachten.

Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden.

Wir merken, wie  sich hier in unserer Geschichte die Perspektive verschiebt. Es ist gut in der Not das Notwendige zu tun. Aber was Maria da macht ist eben auch nicht verkehrt, sondern genauso richtig und wichtig.

Maria hat das gute Teil erwählt .Maria hat sich  anders als Marta entschieden.

Und Maria tut sogar gut daran, es sich in der Nähe Jesu gut gehen zu lassen..

Nämlich inne zu halten und sich in der Begegnung mit Jesus  beschenken zu lassen.

Jesus bringt Marta dazu das Verhalten von Maria anders zu sehen, neu zu begreifen und vielleicht zu verstehen.

Maria hat das gute Teil erwählt. Das ,was für sie ganz persönlich jetzt , hier und heute in dieser Situation gut ,richtig und wichtig ist. Das soll nicht von ihr genommen werden.

 Sich ganz und gar auf den Besucher , auf Jesus den Christus zu konzentrieren. Sich seinen Worten ganz und gar hinzugeben und sie zu hören. Sich von ihm und seinem guten und heilenden Geist durchdringen zu lassen. Ganz und gar für ihn offen und da zu sein. Maria hat das gute Teil für sich erwählt. Das was sie jetzt braucht, was jetzt da und vielleicht auch nur heute und hier für sie zu haben ist .

Das soll nicht von ihr genommen werden.

Ich muss an Kinder denken, die hingebungsvoll spielen und in ihrer Welt voll und ganz versunken sind. Mir geht das manchmal auch so, wenn ich ein gutes Buch lese oder wenn ich in Gedanken versunken bin.  

Andere Menschen erleben so etwas beim Tanzen oder beim Musizieren, wieder andere beim Malen. Manche auch im Gebet. Sich ganz und gar im Hier und Jetzt einer Sache oder auch Gott hingeben. Von ihr oder ihm ganz und gar durchdrungen und inspiriert zu sein. Dass soll ihm oder ihr nicht genommen werden!  

Jesus gibt Maria Recht. Und gönnt ihr seine  Nähe , ganz und gar bei ihm und von seinen Worten durchdrungen zu sein.       Sich von seiner Liebe und Güte berühren und beschenken zu lassen.  

Maria und überhaupt alle Menschen brauchen so was. Solche   herausgehobenen Momente, um Kraft zu schöpfen und neue Energie zu tanken ,um ganz bei uns selbst oder bei Gott zu sein und dann auch neue Gedanken  und Ideen zu bekommen. 

Um dann ähnlich wie Maria, weiterzuleben und weiterzumachen, sich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen, um das zu bewältigen, was vor uns liegt.   

Damit wir, wie Marta dann tun können , was gut ,was wichtig und richtig ist .Geh hin und tue desgleichen!

Aber noch etwas anderes ist an unsrer Geschichte, die so anstößig daher kommt bemerkenswert .

Denn schon damals wird diese Geschichte Anstoß erregt haben, weil das Verhalten der Maria und die Tatsache, dass Jesus dies auch noch bestätigt ,damals vollkommen ungewöhnlich und  sogar anstößig war .

Weil Maria die damalige Rollenverteilung sprengt. Denn sie tut hier , was damals  eigentlich nur den Männern möglich war.  Sie schlüpft aus der für die Frauen damals üblichen Rolle,  die Versorgerin und Köchin zu sein. Und nimmt in der Runde der Männer Platz .Sie setzt sich gleichberechtigt und gleichgestellt an ihre Seite. Und Jesus gibt ihr darin Recht und bestätigt das.  

Die Geschichte von Marta und Maria zeigt, dass Männer und Frauen schon damals für Jesus gleich wertig, gleich wichtig und gleich berechtigt waren.

Ein wirklicher Skandal für alle, die das damals erlebt oder davon gehört haben. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg Jesu ans  Kreuz.

Kann schon sein, dass Maria damals schon etwas von dem baldigen Tod Jesus geahnt hat. Dass die wenige Zeit, die sie mit Jesus noch hatte, für sie dadurch umso wertvoller und kostbarer war.

Wir wissen nicht, wie die Geschichte von Maria und Marta   damals weiter ging. Aber ich stell mir gern vor, dass Marta vielleicht noch das Essen aufgetragen hat,   danach aber keine Zeit und keine Minute mehr mit Jesus versäumt hat. Dass beide Schwestern zusammen noch lange bei Jesus gesessen und seine Nähe genossen haben.

Und dass sie danach, als Jesus schon längst wieder aufgebrochen war, in die Küche gegangen sind, um zusammen den Abwasch zu machen und über das Erlebte zu reden.

Dass beide Frauen weiter zusammen gelebt und manchmal vielleicht auch miteinander gerungen haben. Dass beide aber auch durch die Begegnung mit Jesus gestärkt und ermutigt   waren.

Möge Gott uns allen solche ermutigenden Erfahrungen und Erlebnisse auch heute und immer wieder geben.

Amen

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


Gruß zum 4. Sonntag vor der Passionszeit am 06.02.2021

gehalten von Pastorin Glatthor

 

Gott lässt wachsen

Liebe Gemeinde,

im Alltag hören wir viele Stimmen, nehmen sie wahr, verinnerlichen einige, denken über andere noch lange nach, vergessen etliche, behalten einzelne. Zuhören, wahrnehmen, wirken lassen und dann auch noch etwas daraus machen, fällt gar nicht so leicht. Besonders wenn es darum geht, die Stimme Gottes wahrzunehmen.

Wie erkenne ich sie im Alltag und wie wirkt sie?

Im Gleichnis vom Sämann erzählt Jesus seinen Jüngern und den anderen Menschen, die sich um ihn versammelt haben, von dem „Säen“ und Wirken Gottes Wortes: Gott „streut“ die Botschaft seiner Liebe großzügig aus. Gott „wirft“ sie großzügig und mit voller Kraft über das „ganze Feld“. Einiges landet auf dem feuchten Boden, anderes aber auch unter den Dornen oder auf den Steinplatten am Rande des Feldes. Manchmal scheint es nicht zu wirken, sich nicht bemerkbar machen zu können, nicht wahrgenommen zu werden; manchmal setzt es sich aber auch fest und wächst vielleicht im Stillen.

Wie genau, wo es landet und was damit passiert, können wir nicht erahnen. Vielleicht gibt es ja Hörhilfen, die uns dabei unterstützen können, sie im Alltag leichter zu erkennen.

Die Musikgruppe um Felix Jaehn und Mark Forster hat dazu ein Lied veröffentlicht. Im Refrain heißt es: „Hör auf die Stimme, hör was sie sagt, sie war immer da, komm hör auf ihren Rat. Hör auf die Stimme, sie macht dich stark, sie will, dass du´s schaffst, also hör, was sie dir sagt.“ Sie singen zwar nicht davon, wie ich die Stimme erkenne. Aber vielleicht, was sie ausmacht: Eine Stimme, die sich manchmal direkt, manchmal aber auch nur indirekt zu erkennen gibt, die manchmal mehr, manchmal weniger Beachtung von mir bekommt; nach der ich mich mal mehr, mal weniger sehne. Es ist eine Stimme, die mir Gutes will, die mich stark macht und mir mit Rat zur Seite steht, wenn ich nicht weiterweiß. Eine Stimme, die mir Mut zuspricht.

Ich glaube, die Worte Gottes zu hören ist gar nicht so leicht. Ich glaube, ich kann sie im Alltag eher indirekt hören und wahrnehmen. Wenn Jemand über seinen eigenen Tellerrand schaut und wahrnimmt, dass es neben ihm noch andere Menschen gibt. Oder wenn sich Menschen füreinander einsetzen, Nächstenliebe gelebt wird, wenn auf die geachtet wird, denen es nicht gut geht– dann kann ich Gottes Stimme wahrnehmen, die sich unter den Menschen ereignet. Wenn nach einem langen Streit aufeinander zugegangen wird und Vergebung geschieht, dann wird Gottes Stimme hörbar. Wenn sich ehrenamtlich engagiert und sich für andere Zeit genommen wird, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten oder wenn sich ein Ehepaar nach über 50 Jahren noch sagt: Du ich habe dich gern und bin sehr glücklich mit dir. Dann kann ich Gottes Stimme wahrnehmen, die unter uns Menschen spürbar wird.

Mit offenem Herzen für Gottes Wort, kann es zwar im Alltag leicht überhört werden, aber doch auch unvermittelt mitten ins Herz treffen. Auch wenn wir es nicht immer wahrnehmen, Gott streut die Botschaft seiner Liebe großzügig aus und sie gilt uns. Es liegt an uns, damit etwas zu machen. Sie kann wirken, in uns, unter uns und es lohnt sich genauer hinzuhören, wahrzunehmen und offen zu bleiben, für das, was sich unter uns ereignet. Und dann erkenne ich vielleicht, kann sie spüren, kann selbst von der Liebe Gottes zeugen und sie laut werden lassen in der Welt.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen,

Ihre Pastorin Yasmin Glatthor

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum letzten Sonntag nach Epiphanias am 31.01.2021

gehalten von Pastor Pfeifer

 
Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir in Preetz Süd vor einem Jahr den letzten Sonntag nach Epihanias Ende Januar 2020 gefeiert haben. Sechs Konfirmandinnen und Konfirmanden wurden feierlich getauft. Die Gruppe mit 33 Jugendlichen gestaltete den Gottesdienst persönlich und zugleich nachdenklich. Immer wieder stand der Gedanke des Lichtes im Mittelpunkt. Passen zum Tag, dem letzten Sonntag nach Epiphanias. Mit diesem Gottesdienst geht der Weihnachtsfestkreis zu Ende. Noch einmal brannte der Herrenhuter Stern in unserer Mitte.

In diesem Jahr ist alles anders. Ja, es ist zwar wieder das Ende der Epiphaniaszeit gekommen.

(Anmerkung: Der 6. Januar, der Tag der Heiligen Drei Könige wirs auch als Epiphaniasfest bezeichnet. Als Fest der Erscheinung und Verherrlichung Jesu. Nach diesem Tag richten sich  die Sonntage nach Epiphanias aus, je nachdem, wie früh oder spät die Passionszeit vor Ostern beginnt.)

Aber es wurden keine Konfirmanden getauft. Der Weihnachtsstern ist längst abgehängt. Schon Weihnachten war anders. Aber auch keine Sternsinger mit ihrem Licht und fröhlichen Liedern zum 6. Januar. Ja, Corona hat uns noch immer im Griff. Vor einem Jahr war das, was wir in den Nachrichten aus Wuhan gehört haben, weit weg.

Wenn ich nun am Ende des Weihnachtsfestkreises zurückschaue, muss ich feststellen, es war nicht nur alles dunkel und traurig. Wir haben viele Gottesdienste in vielen verschiedenen Formaten an und um Weihnachten herum gefeiert. Unsere Kirchen sind weiter offen. Der Sternsinger Segen wird persönlich zu den Menschen gebracht. Nein, das Licht der Hoffnung kann man in uns Christen trotz Corona nicht so einfach auslöschen. Wir halten eine positive Grundhaltung dagegen. Trotz Lockdown und allem unsäglichen Streiten um Impfdosen.

Und gerade die Besuche an den Haustüren mit dem Segen: „Christus mansionem benedicat“ haben mir gezeigt. Die Menschen sehnen sich nach diesem Zuspruch. Sind dankbar. Und ich habe bei den vielen Besuchen in den letzten Tagen erlebt. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir sagen uns auf Abstand an der Haustür gute Wünsche zu. Aufpassen, gesund bleiben. Mutig und geduldig bleiben.

Ich hätte immer weiter machen können. Besuchen von Haus zu Haus. Mich erinnert das an das Evangelium dieses Sonntags. Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Berg. Sie erleben, wie ihr Herr plötzlich in hellem Glanz erscheint und eine Stimme aus dem Himmel Gott ganz nahe sein lässt. Verständlich, dass die Jünger entzückt sind, verzückt und Jesus bitten, dort oben auf dem Berg zu bleiben. „Hier ist gut sein“. Ein echtes Bergerlebnis. Aber er muss sie enttäuschen.

Sinngemäß ist seine Antwort: „Nein, wir müssen wieder runter in die Niederungen des Alltags.“ Wir kennen das. Wir möchten das Schöne und Glückliche am liebsten festhalten, wissen aber, dass das nicht geht.

Übertragen auf das Kirchenjahr bedeutet dieses Evangelium, wir müssen den Weihnachtsfestkreis verlassen und nun uns auf den Weg der Vorbereitung der Passionszeit machen.

Mancher mag fragen, hilft dieser Aufbruch. Wir sind doch eigentlich schon die ganze Zeit durch Corona unten im Tal und haben gar keine Bergerlebnisse erlebt.

Stimmt das? Sie können sich ja mal fragen, was seit dem letzten Jahr trotz Corona und Pandemie positiv war. Wo es doch zu glücklichen Momenten gekommen ist.

Es ist eben Leben nicht nur Berg und nicht nur Tal. Nicht nur Licht und ebenso nicht nur Dunkelheit. Immer beides. Das ist oft schwer auszuhalten. Diese Ambivalenz.

Aber ich bin davon überzeugt, wir bekommen, wie Bonhoeffer es einmal ausgedrückt hat „die Kraft, die wir brauchen“.

Und wenn man aus dem Fenster schaut, ein feiner Hauch von Winter, die Tage werden spürbar länger und langsam weicht die dunkle Jahreszeit. Es ist hell draußen. Hoffentlich auch in Ihrem Herzen. Nachhaltig. In allen Berg- und Talfahrten.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Ihr Pastor Christoph Pfeifer
 

 

Gruß zum 3. Sonntag nach dem Epiphanias am 24.01.2021

gehalten von Pastor Kroglowski

 

 

Aufbruch - „wenn Heilung möglich wird“

Liebe Gemeinde,

an diesem Sonntag steht die Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum im Mittelpunkt des Gottesdienstes (Matthäus 8,5-13). Obwohl er nicht an den „einen Gott“ glaubt - vielmehr dem römischen Kaiserkult anhängt - sucht er Hilfe und Heilung für seinen kranken Knecht bei Jesus. Der Hauptmann überschreitet die Grenze seiner Uniform, seiner Fremdheit und spricht Jesus an / unterbricht den normalen Ablauf / wagt etwas Neues: „Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.“ Mehr sagt er nicht. Er bittet um nichts, er teilt den Tatbestand mit – und bringt damit seine Not vor Gott. Er vertraut. Jesus geht ohne zu zögern auf den Hautmann ein. „Ich will kommen und ihn gesund machen.“ „Sprich nur ein Wort, so wird er gesund“, antwortet der nüchterne Soldat.

Zwei Dinge fallen mir auf:  

Erstens: Was treibt diesem Hautmann dazu für einem Menschen einzutreten  - sich für seine Heilung einzusetzen? Was setzt ihn in Bewegung zu Jesus - zu Gott? Man kommt dem auf die Spur, wenn man sich einmal genau anschaut, wer denn da krank ist. Ein Knecht heißt es in der Luther Übersetzung. Aber man kann auch übersetzen. Sein Sohn - das eigene Kind liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Ich selbst bin Vater zweier Kinder und ich glaube man kommt, wenn man im Blick hat, dass das eigene Kind des Hauptmanns krank ist an den Kern der Geschichte. Dann weiß mann und frau was diesen Hauptmann in Bewegung setzt. Nicht mehr und nicht weniger als die Liebe zu seinem Kind.

Und das zweite, was mir auffällt:

Liebe - Vertrauen - Glaube braucht nur ein Wort.

Das Gespräch zwischen Jesus und dem Hauptmann lässt der Liebe - dem Vertrauen Raum. Jesus weist ihn nicht ab, sondern lässt ihn seine Lebensgeschichte – das, was er auf dem Herzen hat - erzählen. Er hat Zeit und kann zu hören. Das ist wichtig! Auch für die Erziehung unserer Kinder - für unser Zusammenleben  - für den Glauben gerade auch in der Krise der Corona Pandemie.

Und noch mehr. Jesus verspricht diesem Hauptmann zu kommen und seinen Sohn gesund zu machen.

In dem Moment, wo Jesus ganz nah an seine Seite tritt, uneingeschränkt für ihn da ist - da entsteht im Herzen des Hauptmanns Vertrauen. Wo wir mit unserer Kräften und unserer Medizin am Ende sind - gegen den Zweifel und die Angst an - wagt der Hauptmann - der Vater - Vertrauen.

Und wenn wir einen Ort finden, an dem unsere Seele abladen kann – auf tanken kann – dann gibt unser Glaube – unser Vertrauen uns Kraft –  Dinge verändern sich – etwas wird etwas neu – Heilung beginnt - wie in der Begegnung des Hauptmanns von Kapernaum mit Jesus Christus, der von sich selbst sagt, dass bei ihm die Quelle des Glaubens – des ewigen Lebens ist.

 

Eine gesegnete und heilsame Woche wünscht   

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


Gruß zum 2. Sonntag nach dem Epiphanias am 17.01.2021

gehalten von Propst Faehling

Die Hochzeit in Kana

(Züricher Bibelübersetzung)

 

1 Und am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort.

2 Aber auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.

3 Und als der Wein ausging, sagt die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

4 Und Jesus sagt zu ihr: Was hat das mit dir und mir zu tun, Frau?[1] Meine Stunde ist noch nicht da.

5 Seine Mutter sagt zu den Dienern: Was immer er euch sagt, das tut.

6 Es standen dort aber sechs steinerne Wasserkrüge, wie es die Reinigungsvorschriften der Juden verlangen, die fassten je zwei bis drei Mass.

7 Jesus sagt zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben.

8 Und er sagt zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt dem Speisemeister davon. Und sie brachten es.

9 Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, das zu Wein geworden war, und nicht wusste, woher es war - die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es -, da ruft der Speisemeister den Bräutigam

10 und sagt zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken sind, den schlechteren. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.

11 Das tat Jesus als Anfang der Zeichen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

 

Eine Geschichte zu Zeiten von Corona, wie aus einer anderen Welt. Und das stimmt übrigens – auch ohne Corona. Es war schon immer eine Geschichte aus einer anderen Welt.

Warum erzählt die Bibel diese Geschichten? Und warum macht es Sinn, dass wir sie noch heute hören und bedenken?

Meine Antwort beschreibe ich in einem Bild: Stellen Sie sich vor, Sie wandern, bergauf, bergab, vielleicht Berge, vielleicht eine schöne Gegend, vielleicht auch die eine oder andere schwierige Strecke zwischendurch; steil bergauf z.B., oder an einem Tag, an dem die Sonne heißt scheint.

 

Irgendwann werden Sie dann doch Durst kriegen. Erst nur so ein bisschen, und dann, je nach Anstrengung, auch richtig. Und irgendwann vielleicht sogar so, dass Sie sagen: Keinen Meter schaff ich mehr, wenn ich jetzt nicht zu trinken bekomme.

Leider hatten Sie zu wenig eingepackt; ihre kleine Trinkflasche ist schon alle.

Und nun, stellen Sie sich mal vor, kommen Sie an einen Brunnen; so ein alter, aus Felssteinen gemauert. Er hat ein kleines Dach darüber und eine Kurbel, mit der Sie einen Eimer in die Tiefe lassen können.

Und also schicken Sie den Eimer nach unten, damit er Ihnen Wasser aus der Tiefe bringt. Frisches, herrliches Wasser aus den tiefen Schichten der Erde. Saubergewaschen von den verschiedenen Ton- und Mergelschichten, aufbewahrt seit Menschengedenken in dieser Tiefe. Es trocknet nicht aus, es ist gerade deshalb so gut, weil es durch die Bodenschichten gelaufen, gefiltert, mit wertvollen Stoffen aufgeladen wurde. Niemand hat es für Sie dort aufbewahrt – es ist ein Geschenk des Lebens. Generationen vor Ihnen haben diesen Brunnen gegraben, gebaut, nachdem sie Wasser gesucht und gefunden hatten.

Sie löschen Ihren Durst aus der Tiefe des Leben, wie Generationen von Menschen vor Ihnen, wie durch ein Geschenk, das Ihnen das Leben über Generationen hinweg macht.

 

Für mich ist die Bibel so etwas wie ein solcher Brunnen. Da wird mein Lebens- mein Wissens-, mein Erklärungsdurst aus einer Tiefe gestillt, die ich aus mir alleine nicht erreicht hätte. Was von dort kommt, habe ich dort nicht hingebracht und auch kein anderer Mensch. Und das einfache Wasser aus der Tiefe, die oft ganz einfache Botschaft, erreicht mich aus der zeitlichen Ferne aus einer anderen Zeit.

 

Die Hochzeit zu Kanaan erzählt, wenn wir dieses Bild im Hintergrund haben, von Dingen, die Jesus mit der Fülle des Lebens, mit Feiern, mit guter Versorgung mit „genug-haben“, mit fröhlichen Festen in Verbindung bringt.

Sie erzählt aber auch, dass es gar nicht so leicht ist, die Brücke zwischen Mensch und Gott, zwischen Alltag und göttlichem Wunder, zwischen Verstehen und Glauben zu schlagen.

Und dann kommt sozusagen noch obendrauf ein Bild vom Glauben, der sich entwickelt, der sich von elterlichen Vorgaben emanzipiert und der allenthalben auch mit denen zu tun hat, die teilweise nicht oder noch nicht verstehen, skeptisch bleiben, Schwierigkeiten haben, Gottes Handeln ins eigene Leben einzuordnen.

 

Insgesamt erzählt für meine Ohren dieses sogenannte Speisewunder von einem Gott, der über den menschgewordenen Sohn unserm Menschsein immer wieder nahekommt, um vor allem Zuversicht zu wecken, dass es gut werden möge, manchmal auch auf unerwarteten Wegen.

 

Ich höre all das gerade heute in der so unübersichtlichen Zeit der Pandemie mit zwei Kernpunkten:

Zum einen ist es die Nähe Gottes zum ganz Normalen unseres Lebens: Hochzeit mitfeiern und für ausreichend Wein sorgen – das ist herrlich bodenständig.

Zum anderen ist diese Botschaft zu allen Zeiten genährt von der Hoffnung, dass Gott für ein Genug eintritt.

 

Füllt die Krüge bis oben. Gott spart nicht.

 

Das alles gilt, auch wenn die derartige Weltlage sich wie ein Grauschleier über solche Hoffnungsbotschaften legt. Und: Der Grauschleier geht auch für die, die Gott vertrauen, nicht einfach weg. Aber er verliert an Festigkeit, er verliert für mich seine erstickende Art; als weht er ein wenig im Wind, ahne ich: da gibt es eine Kraft, die für Leben und Zukunft eintritt, sich dafür mit mir verbindet und verbündet.

 

Das wird uns offenbart. Das wird uns veröffentlicht, aus dem Brunnen der Bibel in die heutige durstige Zeit hinein.

 

Amen.

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 1. Sonntag nach dem Epiphanias am 10.01.2021

gehalten von Pastorin Parra

 

 

Audiofile

Liebe Gemeinde,

seit Heiligabend schon sind die Weisen aus dem Morgenland über unsere Fensterbank in Richtung Krippe unterwegs gewesen. Darauf haben auch meine eigentlich schon so erwachsenen Kinder geachtet, dass die drei noch ein gutes Stück Wegs vor sich haben bis zum Stall. Endlich sind sie Mittwoch - am Dreikönigstag oder an Epiphanias - angekommen. Nun haben sie sich auf einem anderen Weg nach Hause aufgemacht. Das ist manchmal lästig, denn man stolpert über sie, weil man sie ja nicht dort vermutet.

In diesem Jahr geht es mir damit aber anders als in den vergangenen Jahren. Weihnachten ist in diesem Jahr erst später als sonst Schnee von gestern. Tannenbaum und Krippe stehen hier in der Kirche noch während in den Straßen schon so manches graues, nadelndes Exemplar zu sehen ist.

Die Weisen sind nicht zu spät dran, sondern wir brauchen das Licht der Weihnacht gerade jetzt, wo der Lockdown uns zusetzt. Auch wir hatten in diesem Jahr einen weiten Weg zur Weihnachtsfreude, den wir uns durch immer neue Schreckensmeldungen, Verordnungen und Gewissensentscheidungen hindurch bahnen mussten wie die drei geheimnisvollen Männer damals durch die Widrigkeiten ihrer Zeit.

Wer sie waren ist nicht ganz klar – Weise, Magier, Könige? Auf jeden Fall sahen sie ein Licht:  Jupiter, der Königsstern, und Saturn, der Stern des Sabbats, der auf das Volk Israel verweist, sollen sich um Jesu Geburt herum einmal in ihren Laufbahnen so überschnitten haben, dass sie von der Erde aus wie ein großer Stern aussahen. Vielleicht haben sie das beobachtet?

Diese Erscheinung ist so besonders, dass sie sich auf eine lange Reise machen. Die drei treffen das Kind noch im Stall, bringen ihre Geschenke und gehen einen anderen Weg nach Hause als sie gekommen sind. Sie folgen dem Licht und lassen es ihr Leben verändern.

Vielleicht fragen sie sich unterwegs manchmal: „Was tue ich da eigentlich? So eine teure und gefährliche Reise ohne eine Sicherheit: Einem Stern folgen - und wenn nun Wolken kommen?“

Der Weg ist ein Wagnis. Sich auf Gott einzulassen, ist ein Wagnis. Wir können den Mut der Weisen bewundern, sich auf die Suche nach dem Licht der Welt zu machen – gegen jeden Augenschein und doch voll Weisheit und Vernunft.

Im Predigttext für heute schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom:

„Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

(Röm 12,1-3)

Es erscheint mir plausibel, dass Körper und Geist frei sein müssen, um sich auf Gott und eine Begegnung mit ihm einzulassen. Den Weisen ist es gelungen, sich durch die Reise frei zu machen zum „Vernünftigen Gottesdienst“. Man könnte auch übersetzten: zum „wortgemäßen Gottesdienst“, denn das griechische Wort „Logos“ kann sowohl „Wort“ als auch „Vernunft“ bedeuten. Sie haben auf Gottes Wort durch den Engel gehört, sich in seinen Dienst gestellt und sind nicht zu Herodes zurückgegangen, sondern einen anderen Weg. Das war vernünftig und wortgemäß zugleich.

Paulus spricht von der Erneuerung des Sinnes auf Gott hin. Das, was den Weisen auf ihrer Reise widerfahren ist, soll für die Christen auch im Alltag möglich sein. Vernünftiger, wortgemäßer Gottesdienst - das ganze Leben, mit Leib und Seele.

Ich stelle mir das so vor, dass der Stern, zu dem uns unser Suchen und Sehnen führt, aus uns heraus strahlt, dass es uns gelingt, unsere Umwelt in einem neuen Licht zu sehen, eben die Sinne zu erneuern.

Der Motor für das Ganze ist nach Paulus die Barmherzigkeit Gottes. Die nimmt Paulus zur Hilfe, um die Römer an ihren anderen, neuen Weg zu erinnern. Im Griechischen steht da der gleiche Wortstamm wie in unserer Jahreslosung: „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Wie schön, dass uns dies lichte Wort das ganze Jahr hindurch begleitet!

Der Stern leuchtet noch, der Weihnachten aufgegangen ist. Wir tragen sein Licht in unseren Herzen, das uns auf neue Wege führt: Weg von der Suche nach persönlichem Vorteil und Erfolg oder der Resignation über das, was alles nicht geht hin zu den anderen Menschen. Gerade zu den Schwachen, Schutzbedürftigen, Einsamen. Hin zu einer Gemeinschaft im Lichte dieses Sterns.

Verlieren wir diesen Glanz nicht aus dem Blick angesichts ergrauter, nadelnder Tannenbäume in den Straßen, angesichts von Lockdown und gebotener „sozialer Distanz“, angesichts mutierender Vieren und stagnierenden Fortschritts bei den Impfungen! Die Weisen haben ihn auch bewahrt, trotz der finsteren Zeiten machtgieriger Herrscher, trotz fehlender Festbeleuchtung im Stall – oder gerade deswegen? Sie stellten sich nicht der Welt gleich sondern jenem Leuchten.

Wie die weisen Drei, über die ich dieser Tage in meinem Wohnzimmer stolpere kann ich die Welt in einem neuen Licht sehen, dem Licht der göttlichen Barmherzigkeit. Ich kann einen anderen Weg nehmen. Mit Leib und Seele. Welchen genau? Das muss ich wohl selbst herausfinden. Wozu habe ich sonst meine Vernunft und das Wort von der Barmherzigkeit Gottes?

Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 2. Sonntag nach dem Christfest am 03.01.2021

gehalten von Pastor Kroglowski

 

Aufbruch - "in ein neues Jahr"

Liebe Gemeinde,

herzlich grüße ich euch zu Beginn des neuen Jahres. Ein besonderes Jahr geht zu Ende - geprägt von der schweren Corona Pandemie. Es war bestimmt durch diese Pandemie und vielen Regeln, die wir einhalten mussten. Vom Lockdown bis zu Alltagsmasken. Manche mussten in Ouarantäne, Urlaubsplanungen gerieten durcheinander, über Wochen keine Schule, kein Breitensport. Viele Gottesdienste, Trauungen, Taufen und kirchliche Veranstaltungen mussten ausfallen.

Nun beginnt ein neues Jahr. Verbunden mit vielen Hoffnungen auf Besserung. Eine Impfwelle läuft an. Das Virus wird nicht weg sein, aber ein „normales“ Leben scheint am Horizont wieder möglich.

Am Anfang eines Jahres bedenken wir als Christen die Jahreslosung. Eine gute Tradition. Die Jahreslosung kann so etwas wie ein Kompass für das neue Jahr sein. Ein Kompass für die Dinge, die wir durchleben und auf die wir stoßen, auch wenn wir sie uns nicht herbeiwünschen. In diesem Jahr steht die Jahreslosung bei Lukas 6,36: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Barmherzigkeit – ein altes Wort. Es hat wenig mit Mitleid oder Moral zu tun. Vielmehr fängt die Bramherzigkeit bei mir an. Mit welchem Blick auf mein eigenes Leben gehe ich in das neue Jahr. Was hat mich geprägt und was macht mich aus? Barmherzigkeit hat etwas was zu tun mit einem ehrlichen Blick in den Spiegel. Zu sich stehen können mit den eigenen Stärken, Fehlern und Schwächen. Und da kommt auch mein Gottesbild zum tragen. Glaube ich – ja vielmehr vertraue ich auf Gottes Barmherzigkeit. Die große Zusage, dass er mich so geschaffen hat wie ich bin – zu mir steht – meine Wege kennt – und mit geht.

Von diesem Vertrauen getragen gelingt mir dann auch ein anderer Blick auf die Menschen um mich herum. Sowie in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, die Lukas auch erzählt: Ein Mensch fällt unter die Räuber, zwei Menschen laufen vorbei. Einer nimmt den halbtot geschlagen Menschen in den Blick. Ohne Angst, im Vertrauen stellt er sich der Krise. Bramherzigkeit braucht Mut. Mut aus der eigenen Barmherzigkeit mit sich selbst. Das Handeln kann gefährlich sein, aber ich weiß mich getragen durch Gott.

So hat der Samariter die Notlage des Kranken gesehen und erkannt und mit der nötigen Zeit und Geduld aus Barmherzigkeit gehandelt. Nehmen wir uns die Zeit genau hinzuschauen, welche Wege die richtigen sein könnten. Manchmal sollte man aus Barmherzigkeit den Kurs auch neu setzen.

Vertrauen in diese Barmherzigkeit Gottes schafft Aufbrüche, weil Gott uns sieht und kennt mit unserer Geduld und Ungeduld. Wir sind nicht allein und hilflos. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig, denn Neues kommt. Und wir können handeln mit Barmherzigkeit im Herzen, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es geduldig an!

Ein barmherziges neues Jahr 2021 - wünscht

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

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Gruß zum 1. Sonntag nach Weihnachten am 27.12.2020

gehalten von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,
das Loblied Simeons ist mir vom Klang her vertraut aus dem gregorianischen Nachtgebet, der Complet, die nicht nur im Kloster, sondern auch in vielen evangelischen Gemeinden und Gemeinschaften abends gesungen wird:

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“
( Lk2, 29-32)

Dann sind diese Worte mir eine große Hilfe, den Tag mit all dem, was er gebracht hat, auch mit dem Unvollendeten, in Gottes Hände zu legen. Nun ist alles gut und richtig, jetzt kann ich mich schlafen legen ganz im Frieden. Gott ist da.
Jeder Abend, heißt es, ist wie ein kleines Sterben und der Tod wie ein großer Schlaf. Der alte Simeon ist nun bereit, endgültig Abschied zu nehmen vom Erdenleben, denn seine Augen haben den Heiland gesehen und nicht nur das: Er hatte ihn sogar auf dem Arm, ganz dicht bei sich, hat gespürt: Gott ist Mensch geworden, ist in die Welt gekommen, berührt uns Menschen. Nun ist alles gut und richtig und Simeon kann aus dieser Welt gehen.
Loslassen und Abschied ist nie ganz leicht. Gerade wenn wir eine wichtige Aufgabe übertragen bekommen haben, die uns auch Freude macht, wenn es um Menschen geht dabei, die wir liebgewonnen haben. Ich finde es aber besonders schwer jetzt in Coronazeiten. Wie gut wäre es, alles noch einmal bewusst zum letzten Mal zu tun: Die letzte Chorprobe, das letzte Krippenspiel, das letzte Konzert, ja auch der Empfang zum Abschied: Alles fällt aus, wäre zurzeit nicht zu verantworten.
Simeon konnte seinen Heiland auf den Arm nehmen und damit sozusagen stellvertretend die ganze Welt zum Abschied umarmen. Julian Malleks Abschied von Preetz wird weitgehend ohne Umarmungen stattfinden.
Doch genug von dem, was den Abschied schwer macht, hörten wir doch gerade von Simeons leichtem, friedvollen Abschied. Vielleicht kann man sich bei ihm etwas abschauen, was es uns leichter macht?
Ich finde es wunderschön, dass Julian für nach der Predigt und vor seiner Verabschiedung „Komm Heilger Geist“ von Buxdehude spielt, denn die Geschichte von Simeon macht deutlich: Nicht nur am Anfang brauchen wir die Führung durch den Heiligen Geist sondern auf allen unseren Lebenswegen. Der Geist führt Simeon in den Tempel so dass er den Heiland in der Welt begrüßen und sich von der Welt verabschieden kann.
Dass wir heute hier in der Kirche zum Abschied zusammenkommen können, ist nicht selbstverständlich und wir denken auch an die, denen für heute wieder abgesagt werden musste, die mit ihren guten Wünschen nur aus der Ferne dabei sein können, weil wir gemäß Landesverordnung nur 50 Menschen in der Kirche sein dürfen.
Stellvertretend für die ganze Gemeinde bitten wir heute für Julian und seine Familie um den Heiligen Geist, dass er sie bei ihrem Abschied hier und dann auf ihrem Weg in die neue Heimat und zu den neuen Aufgaben begleiten möge.
Dass Simeon so in Frieden gehen kann, liegt an dieser Führung, die er erfährt und daran, dass der Geist ihm die Gewissheit schenkt: Gott ist da. Gott ist da, wo er nun weggeht, darum muss er sich nicht sorgen um das, was er zurücklässt. Und Gott ist auch da, wo er nun hingeht. Was ihn dort erwartet ist noch Zukunftsmusik für ihn, aber eine, auf die er sich freut und die er nun gerne hören möchte. Nun ist alles gut und richtig und er kann dorthin gehen.
Amen

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Gruß zum 1. Weihnachtstag am 25.12.2020

gehalten von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,

ja Krippenspiel einmal anders. Statt Herberge, Beherbungsverbot. Statt offene Türen Lockdown. Wo ist der Test? Wo ist die Maske?  Ja, so hart ist die Realität Weihnachten 2020 in Corona Zeiten. Und nicht wenige, waren sehr verunsichert, ob wir jetzt hier mit dem Besuch eines Gottesdienstes ein Risiko eingehen.

Auf der einen Seite die Angst vor der Ansteckung. Auf der anderen Seite die Botschaft der Engel: „Fürchtet euch nicht.“ Dieses Jahr ein Mutmachwort gegen eine Bedrohungslage, die so noch niemand von uns erlebt hat.

Ist das jetzt zu harmonisch? Typisch Kirche? Nein. Es ist gerade in einer Zeit der Verunsicherung ganz wichtig, dass wir liebgewordene Traditionen feiern. Dass wir uns an die Weihnachtsbotschaft erinnern. Sie ist keine Impfung gegen Corona. Aber sie ist eine ganz wichtige Verbindung zwischen Himmel und Erde, die uns die Möglichkeit gibt, Gott um Hilfe anzurufen. Um Geduld. Um die Kraft, zum Schutz der anderen Rücksicht zu nehmen.

Und da ist schon wieder ein Widerspruch. Heißt es doch, Gott kommt uns nahe. Aber Nähe ist in diesem Jahr nicht erwünscht. Statt Umarmung Begrüßung mit Ellenbogen. Oder mit der geballten Faust. Winken wäre auch eine Möglichkeit.

Lieber Gott, ist das schwer. Und das nun schon seit April. Einander nahe sein und das auf Abstand. Es muss gehen. Weil es vernünftig ist.

Maria und Joseph zeigen uns ja auch, Gott handelt nicht abseits der Welt, sondern mitten drin. Und er geht mit uns durch alle Krisen hindurch. Auch durch diese.

Noch einmal zurück zur Weihnachtsgeschichte. Eigentlich ist das alles so sorglos. Da kommen Jesu Eltern aus Galiläa am See Genezareth. Machen sich keine Gedanken, wo sie bleiben. Aber sie sind sich sicher. Gott ist mit uns. Ohne dieses Grundvertrauen geht gar nix. Und die Hirten. Die hatten von gar nix eine Vorahnung. Gott kommt auch im Tal der Ahnungslosen vorbei und bringt Licht in ihr Dunkel. Klar machen Sie sich auf den Weg. Die halten ja auf dem Feld ganz andere Sachen aus. Und da draußen an der frischen Luft bei Wind und Wetter haben sie bestimmt ein gutes Abwehrsystem.

Und dann sind da noch die Heiligen Drei Könige. Die kommen von richtig weit weg. Sie sind dem Stern gefolgt. Vielleicht war das ja auch so eine Konstellation wie in diesem Jahr, dass zwei Sterne ganz nah beieinander sind und dadurch besonders hell leuchten.  

Wieder diese Nähe. Ganz viel Nähe und Begegnung in der Weihnachtsgeschichte und wir dürfen das in diesem Jahr nur mit großer Vorsicht leben.

Weihnachten ist zu allen Zeiten wie ein Spiegel der Zeit gewesen, in der es gefeiert wurde. Ob früher armselig, ob in Zeiten von Pest und Cholera. Das war alles schon da. Zu Kriegszeiten. Auf der Flucht. Und wir haben im letzten Jahrzehnt gute Zeiten erlebt. Weitgehend sorglos. Hatten, zumindest die meisten von uns, alles. Konnten uns vieles leisten.

Nun ist das zum ersten Mal anders. Alles auf den Kopf gestellt.

Ohne diese Zeit schön zu reden oder irgendetwas verharmlosen. Das wäre gefährliches Querdenken.

Aber wir sehnen uns gerade in diesem Jahr nach Mutmachern. Nach Rückenstärkung. Nach Nahrung für die Seelen.

 

„Fürchtet euch nicht“, Es geht nicht immer nur um Gewinnen. Sieger sein, stark sein. Erfolg haben. Ein unberechenbarer Virus stellt das alles auf den Kopf. Aber er stellt unsere Beziehung zu Gott durch die Geburt Jesu Christi nicht in Frage. Im Gegenteil. „Fürchtet euch nicht“. Eine hilfreiche Botschaft gegen alle Verunsicherung.

Genau wie Gott selbst, können wir uns in dieser Zeit auch auf Abstand ganz nahe sein.

Amen

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Gruß zum Heiligabend am 24.12.2020

gehalten von Pastorin Glatthor

Liebe Gemeinde,
„fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, ...“ (Lukas 2,10-11)
Damals, als Jesus geboren war, kam ein Engel zu den Hirten auf dem Feld und sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht.“
Zu Weihnachten höre ich diese Worte jedes Mal anders – und sie begleiten mich schon seit klein auf. An stressigen Feiertagen, in der Hektik des Geschenkeverpackens, im alljährlich aufkommenden Familienstreit unterm Weihnachtsbaum, am ersten Weihnachtsfest mit meinen Kindern und auch an diesem Weihnachtsfest, dass ich nicht mit meinen Eltern und Großeltern verbringen kann. Aber auch so im Alltag, wenn viel bevorsteht, ich mich klein oder einsam fühle. Dann höre ich die Worte: „Fürchte dich nicht.“
Nicht ganz, wie damals die Hirten, aber doch auch draußen stehen wir heute vielerorts und spüren die nasse Kälte, die unter unsere Mäntel kriecht. Und wie kaum zuvor sehne ich mich nach diesen Worten des Engels: „Fürchte dich nicht. Es gibt Anlass zur Freude! Gott kommt uns ganz nahe, ist uns ganz nahe gekommen, im Kind in der Krippe; begleitet uns, fühlt mit uns mit, kennt unsere Ängste und Sorgen, hält sie aus, trägt sie mit; weint mit uns, wenn wir traurig sind und lacht mit uns, wenn wir uns freuen.“
Am liebsten würde ich mich jetzt ganz real mit Ihnen zusammen aufmachen – zu einem Stall in der Nähe, bei Ochs und Esel sitzen und mich wärmen am Kind in der Krippe, von dem so viel Hoffnung für diese Welt ausgeht.
Diese Hoffnung, die sich breit macht und seit jeher in uns Menschen ist: Die Wärme, die wir spüren können; die Ruhe, die in uns einkehrt; den Trost, den wir erfahren; die Freude, die unsere Herzen erfüllt.
Denn Weihnachten passiert im Kleinen. Im Stillen, dunklen Stall. Auf den kalten, rauen Feldern bei den Hirten. Im Einsamen, Unscheinbaren, Unperfekten, ohne viel „Tamtam“, ohne Glitzer und Kräuselband.
Gerade da – trotz allem oder allem zum Trotz hat sich Gott auf den Weg zu uns Menschen gemacht. In den unmöglichsten Momenten können wir die Worte hören und spüren: „Fürchte dich nicht. Du bist nicht allein. Ich bin bei dir!“
Solche Momente und Gefühle, die die Hoffnung und den Glauben immer wieder neu zum Leuchten bringen lassen, dass Gott uns ganz nahe ist, wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ganz besonders an diesem Weihnachtsfest!
Frohe und gesegnete Weihnachten wünsche ich Ihnen und euch!
Ihre und eure Pastorin Yasmin Glatthor

 

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Gruß zum 4. Advent am 20.12.2020

gehalten von den Vorkonfirmandinnen (Mitte) mit Pastorin Parra

hier auch zum Hören

Maria durch ein' Dornwald ging. Kyrieleison!
Maria durch ein' Dornwald ging, der hatte in sieben Jahr'n kein Laub getragen!
Jesus und Maria.

Was trug Maria unterm Herzen? Kyrieleison!
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

Da haben die Dornen Rosen getrag'n; Kyrieleison!
Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria.

Liebe Gemeinde,
an diesem vierten Advent sollte eigentlich ein von den Vorkonfirmanden vorbereiteter Gottesdienst stattfinden. Nun verzichten wir darauf, 24 Jugendliche und ihre Familien in unsere Kirche einzuladen. Wir haben stattdessen für Sie Gedanken, Lesungen und ein Gebet zusammengetragen, die in der Gruppe entstanden sind. Hören Sie sich gern auch die beigefügte Audiodatei an, zu der außerdem unser Kantor Julian Mallek und Lina und Jan von der Evangelischen Jugend beigetragen haben.
Die Legende von dem Dornwald, durch den Maria mit dem Kind unter ihrem Herzen ging, malt deutlich aus, wie Unglaubliches geschieht. Das Wunder besteht nicht vor allem darin, dass eine Frau ohne Zutun eines Mannes schwanger geworden sein soll, wie der Evangelist Lukas berichtet, sondern dies Geschehen ist viel umfassender. Die ganze Welt ist betroffen.
Maria singt, ergriffen vom Heiligen Geist, von den großen Veränderungen, die das Kind für alle Welt bringen wird: Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Allen Menschen soll Gerechtigkeit widerfahren, weil Gott alle gleichermaßen liebt. Dazu braucht es große Umwälzungen und das Unterste wird zuoberst gekehrt. Das vertraute Bild vom kleinen Kind in der Krippe, das wir auch auf dem Fenster in der Kleinen Kirche sehen, steht in einem großen Kontext.
Auf den Bildern links davon sehen wir, wie Adam und Eva von der verbotenen Frucht essen und aus dem Paradies vertrieben werden. Die Welt, die eigentlich rundherum gut und schön sein sollte, bekommt Risse, weil die Menschen sich gegen Gott und auch gegeneinander richten. Wir beuten einander und die Umwelt aus, ziehen in den Krieg gegeneinander, stürzen und kommen zu Fall.
Aber Gott will zu neuem Leben erwecken, was durch Menschenhand abgestorben ist. Er trägt den Menschen nicht nach, dass sie mit ihm gebrochen haben, sondern hilft ihnen liebevoll auf, denn seine Liebe zu uns zerbricht nicht. Kahle Dornenzweige tragen in dem Lied plötzlich Rosen.
Uns steht ein Weihnachtsfest bevor, bei dem wir auf manches verzichten müssen. Lauschen wir der Liedstrophe von den Dornen und den Rosen und machen wir uns bereit, die Knospen an den kahlen Zweigen zu entdecken, die sich auch und gerade in diesem Jahr für uns öffnen wollen, wenn das Kind zu uns kommt.

Guter Gott,
du kommst in unsere Welt, willst ganz nahe bei uns sein im Schönen und Schweren und unser Leben verwandeln, dass Dornen Rosen tragen.
Gott, wir bitten Dich: hilf uns, dass wir gesund bleiben und dass wir Wege finden, Kontakt zu unseren Freunden zu halten;
dass wir durchhalten mit Abstand, Maske und Desinfektionsmittel, auch wenn wir wirklich keine Lust mehr haben.
Dass wir einander unterstützen und das Beste daraus machen, auch wenn uns Corona fertig machen will.
Und dass dann alle wieder gesund und fröhlich sein können – ohne Maske.
Bitte beende die Corona-Pandemie.
Wir bitten Dich, dass wir weiter in die Kirche gehen können, dass wir Wege finden können, Dir zu begegnen.
Wir bitten Dich um Gerechtigkeit zwischen Mensch und Tier und dass keine Tiere gequält werden.
Wir bitten Dich: Mach Frieden auf der ganzen Welt.
Wir wünschen uns, dass wir und alle Menschen jeden Morgen gesund und fröhlich unsere Augen öffnen und unser Leben leben, egal was auch kommen mag.
Auf Deine Nähe und Hilfe vertrauen wir, heute und alle Tage.    
Amen

Ihre Vorkonfirmandinnen (Mitte) mit Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 3. Advent am 13.12.2020

anlässlich der Konfirmation der heilpädagogischen Konfirmand*innen
gehalten von Pastor Pfeifer

Predigt über Lk 1,67-79  3. Advent 2020

Liebe Gemeinde, Sie kennen alle das bekannte Adventslied, „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Wir haben die Melodie ja auch heute Morgen gehört. Sie haben richtig gehört: Die Melodie nur gehört. Letztes Jahr um diese Zeit hätte ich noch gesagt, die Melodie gesungen.

Aber im Advent 2020 ist alles anders. Mit Maske. Auf Abstand. Ohne Gesang. Und wir befinden uns gerade an diesem Wochenende, wo wir uns normalerweise auf die letzte Hälfte der Adventszeit einstimmen, die Türen unseres Herzens weit aufmachen, in einer Phase des Umbruchs. Statt „macht auf,“ Lockerung, macht zu. Lock down. Das ist hart. Aber wie sagte es vor wenigen Tagen der Leitende Bischof der EKG Bedford –Strom, „Es ist ein Akt der Nächstenliebe, wenn wir an Weihnachten uns stark einschränken, verzichten, um Schwache zu schonen.“

An Weihnachten verzichten. Nicht auf, sondern zu. Das müssen wir erst einmal schlucken.

Aber es bleibt Advent. Es wird Weihnachten in 11 Tagen gefeiert, egal wie hoch die Fallzahlen sind. Nur anders. Das Schöne an dem Lied Macht hoch die Tür, ist ja, es wird noch am Ende eine andere Tür besungen, in der fünften Strophe: „Komm o mein Heiland Jesus Christ, meins Herzenstür dir offen ist“.

Diese Herzenstür kann durch Corona nicht verschlossen werden. Oder anders gesagt, sie sollte von uns nicht dicht gemacht werden. Damit wir in uns die Hoffnung nicht aufgeben und uns innerlich abschotten. Nicht aufhören, zu glauben. Hoffen und beten. Und dann positiv nach vorne schauen. Du schaffst das. Du kriegst das hin.

Gerade an Weihnachten wird uns in vielen Texten und Liedern diese Hoffnung, diese positive Lebenseinstellu8ng vermittelt.

Nicht nur in der Geburtsgeschichte selbst, sondern auch schon vorher, wenn die Personen, die sonst eher am Rande stehen in den Blick genommen werden. Elisabeth, die Cousine Marias und ihr Mann, Zacharias. Von ihm ist uns ein Lobgesang überliefert, den wir gerade in der Lesung gehört haben.

Zacharias nimmt das ganze Volk Israel mit hinein: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels. Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.“

Kurz vorher war berichtet, dass Zacharias die Sprache verloren hatte. Stumm geworden war. Nun, nachdem sein Sohn Johannes geboren war, löste sich seine Zunge und er konnte der Freude in seinem Herzen Luft machen.

Neben allen ernsten Gedanken im Advent, neben aller Besinnlichkeit zieht sich diese Freude durch die ganze Zeit hindurch wie ein roter Faden. Gelobt sei der Herr – so wie Zacharias sein Loblied anfängt, klingen viele Advents- und Weihnachtslieder.

Und Zacharias wird konkret: „Gott hat aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David, dass er uns errette aus der Hand unserer Feinde und all derer, die uns hassen.“

Zacharias singt seinen Lobgesang nach der Geburt seines Sohnes. Aber der Hinweis auf Jesus selbst ist unüberhörbar, so wie es später Johannes Grünewald in seinem berühmten Altarbild dargestellt hat, auf dem Johannes der Täufer mit einem überlangen Finger auf Jesus Christus zeigt.

Zacharias weist auf den, der da kommt und er weiß sich in guter Traditionen mit den Vätern des Glaubens, die auch schon in dieser Festigkeit gelebt haben: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“

Zacharias erinnert sich an den Eid, die Bundeszusage Gottes, dass er sein Volk nicht im Stich lassen werde.

Vielleicht hat der Text einmal in einem ganz anderen Zusammenhang gestanden, aber der Evangelist Lukas stellt ihn bewusst der Weihnachtsgeschichte voran, weil die Geburt des Heilandes eingebunden ist in eine lange Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk.

Und in diese Heilgeschichte gehören auch Namen wie Mose und David. Sie stehen für die Botschaft, „alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“

In dieser Tradition steht auch Zacharias, der im zweiten Teil seines Liedes das Kind selbst in den Blick nimmt: „Und du Kind wirst ein Prophet des Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk zur Vergebung der Sünden.“

Die Ausleger haben oft gerätselt, wen Zacharias hier meint, seinen Sohn Johannes, von dem auch später berichtet wird, dass er mit seiner Predigt Jesus den Weg bereitete, ihn schließlich selbst im Jordan getauft hat mit der Taufe zur Vergebung der Sünden.

Aber die Stelle, an der der Text heute steht, legt eine andere Auslegung nahe: Jesus Christus, das Kind selbst ist gemeint, von dem es im nächsten Vers heißt

„Durch die Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe.“

Es liegt nahe, hier an den Stern von Bethlehem zu denken. Das Licht aus der Höhe, dass sich am Ende für alle, die zum Stall kommen sich in dem Kind selber widerspiegelt.

Aber ganz gleich, ob wir diese Verse auf Johannes oder Jesus deuten, entscheidend ist die Wirkung des Ereignisses, auf das wir uns vorbereiten und zugehen.
Das Licht, das in der Finsternis scheint, uns neuen Mut macht, tröstet und unsere Dunkelheit erhellt. Glauben weckt.

Das Licht von Advent und Weihnachten leuchtet an vielen Stellen in unserem Leben weiter. Trotz Corona.

„Tragt in die Welt nun ein Licht. Sagt allen fürchtet euch nicht. Gott hat euch lieb Groß und Klein. Seht auf des Lichtes Schein.“

 

Zu der Vorbereitung auf Weihnachten gehört, dass wir auf diese besonderen Zeichen hingewiesen werden. Dass wir sie unter uns lebendig werden lassen und so ihre Wirkung spüren.

So steht unser Tannenbaum das erste Mal draußen vor dem Bugenhagenhaus in Preetz Süd. . Manche haben gesagt, der ist viel zu dunkel, muss doch hell leuchten. Lass noch mehr Lichter vor der Kirche aufstellen. Muss das sein? Vielleicht sind diese schwach leuchtenden Kerzen, aber in warmen Licht, wie ein Bibelvers bei Jesaja, wo es heißt: „Gott wird den glimmenden Docht nicht auslöschen.“

 

Noch einmal zurück zu Zacharias: sein Loblied schließt mit den Worten: „damit diese Licht erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“

Gerade an Weihnachten ist es wichtig, dass wir die Menschen nicht aus dem Blick verlieren, die traurig sind, denen es nicht gut geht. Gerade jetzt in Zeiten von Corona. In dem wir an sie denken, für sie beten oder ihnen einen Gruß schreiben, bringen wir das Licht in ihre Dunkelheit. Gerade in diesem Jahr, wo manche Tür verschlossen bleibt.

Dass dieses Hoffnungslicht nicht nur Kraft gibt, sondern uns auch in Bewegung setzt. So wie Zacharias es am Schluss singt: „und richte unser Füße auf den Weg des Friedens.“

Dass er unsere Schritte lenke auf den Weg des Friedens. Der Lobgesang hat in der späteren christlichen Tradition seinen festen Platz in Gebeten gefunden, die den Tag eröffnen.

Denn jeder Tag ist eine neue Chance zu Leben.

Ein neues Licht. Eine neue Hoffnung. Das wünsche ich uns allen. Bleiben Sie behütet und vor allem gesund.

Amen

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Gruß zum 2. Advent am 06.12.2020

anlässlich der Konfirmation der heilpädagogischen Konfirmand*innen
gehalten von Propst Faehling

 
Sarah Lesch
Du denkst dein Weg kann nicht mehr lange sein
Und dass ein Ziel kommt irgendwann
Die Tränen waschen dir die Seele rein
Und alles fängt von vorne an
Du sagst dir tun schon die Füße weh
Komm, ich nehm' dich bei der Hand
Ich weck dich wenn ich unsren Hafen seh'
Und lenk das Schiff ins sichre Land

Es gibt noch Inseln, die sind unberührt
Es kommen Zeiten, die sind wahr
Und ganz egal, wohin der Weg uns führt
Am Ende ist der Himmel sternenklar

Und wenn es hunderttausend Meilen sind
Und Sturm um Sturm am Segel reißt
Ich halt' den Kurs und kreuz' bei Gegenwind
Solange die Sonne Sonne heißt
Und wenn der Mast bricht und das Schiff versinkt
Zeige ich dir wie man schwimmt
Ich geb' nicht auf, solange dein Lied erklingt
Auch wenn die See mir alles nimmt

Es gibt noch Inseln, die sind unberührt
Es kommen Zeiten, die sind wahr
Und ganz egal, wohin der Weg uns führt
Am Ende ist der Himmel sternenklar
 
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Liebe Konfis, liebe kleine Konfirmationsgemeinde,
Konfirmation am Nikolaustag. Das hab ich ja noch nie erlebt. Ja, dies ist ein sehr besonderes Jahr.
Aber ich bin froh, dass wir heute in diesem besonderen Jahr dennoch Eure Konfirmation feien können.
Ganz egal, wohin der Weg uns führt, am Ende ist der Himmel sternenklar. So klang es eben in dem wunderbaren Lied von Sarah Lesch.
Genau. Gerade auch seltsame Zeiten sind dafür da, dass wir unseren Weg suchen, finden und auch gehen.
Und ich finde, der Weg ist vielleicht gar nicht so schwer. Schwer fühlt er sich manchmal an, ja, besonders für Menschen, dass sie im Moment nicht wissen, wie das alles werden soll. Das macht manchen Angst.
Aber es ist Angst vor dem Ungewissen, nicht Angst vor einer greifbaren Gefahr.
Und wenn wir genauer hinschauen, haben wir viele Dinge, die uns in der Angst gut helfen können.
Zunächst einmal haben wir uns selbst. Wir wissen, was wir können, was wir uns wünschen, was uns gelingt. Die Menschen, die ich kenne, können alle etwas Besonderes, ohne Ausnahme. Das gilt z.B. ganz klar auch für Euch als Konfis.
Dazu kommt, dass wir immer auch noch die anderen haben: Mutter, Vater, Freundin, Freund, Geschwister, Oma, Opa usw. Darunter sind ganz sicher welche, die uns helfen, uns guttun, uns stark machen.
Und dann gibt es noch die Kräfte und Mächte, die wir nicht sehen, aber von denen wir auch hoffen, dass sie uns guttun: Engel, Gott, Glück usw.
Der Tag heute heißt nach einem Menschen, der auch an all diese Kräfte und an sich selbst geglaubt hat: Nikolaus. In alter Zeit war er Bischof in einer Kirche weit weg von hier, dort, wo heute die Türkei ist. Und in ganz schwieriger Zeit hat er mit eigener Kraft, mit Mut und mit Vertrauen auf Gottes Hilfe vielen Menschen geholfen, besonders Kindern.
Er hat die Ärmel hochgekrempelt und hat für Essen gesorgt, weil die Menschen so hungrig waren.
Das war nötig. Und er hat getan, was nötig war. Mit Mut – und mit Gottes Hilfe.
Ihr Lieben. So ist das mit der Not im Leben. Zusammen mit Menschen und Gott, mit Engel und Kräften des Lebens kriegen wir das hin, wenn wir den Kopf oben behalten, die Ärmel hochkrempeln, an uns selber glauben und mit Gottvertrauen losgehen.
Dann schafft Ihr, dann schaffen wir die Wege des Lebens. Weil wir tief drinnen Kräfte spüren und kennen und nutzen können. Für diesen Mut, für dieses Vertrauen soll Ihr heute gesegnet werden. Der Segen meint für jede und jeden von Euch: Es soll gut werden, ganz besonders auch für Dich.
Und damit hat Sarah Lesch mit ihrem Lied Recht:
Ganz egal, wohin der Weg Dich führt, am Ende ist der Himmel sternenklar.

Gruß zum Ewigkeitssonntag am 22.11.2020

von Pastor Lars Kroglowski

 

Aufbruch - „NEUmachen“

Liebe Gemeinde,

Vor Ostern halte ich oft eine kleine Andacht in unserem Kindergarten Pusteblume. Es geht um das Sterben Jesu und um seine Auferstehung von den Toten am dritten Tag. Zwei Bilder faszinieren die Kinder. Jesus wie er am Kreuz hängt – und die Kinder fragen: Warum muss Jesus sterben? Hat sein Vater ihn nicht mehr lieb? Und das zweite Bild. Der auferstandene Jesus zeigt sich seinen Jüngern. Er leuchtet ganz hell – ein neues weißes Kleid scheint er zu haben. Dieser Gegensatz zwischen Tod und neuem Leben lässt die Kinder fragen: Hat Gott Jesus neu gemacht? Ja – antworte ich – Gott hat Jesus neu gemacht. So einfach und doch so schwer kann eine Antwort sein, die vom Tod zum neuen Leben führt.

Jeder Tod – jedes Sterben, wenn es uns im Herzen berührt -  lässt uns wie die Kinder nach dem Warum fragen. Und auch einige von Euch haben in diesem Jahr von einem Menschen Abschied nehmen müssen. Spüren Trauer über den leeren Platz. Empfinden aber auch Dankbarkeit über alles, was man gemeinsam erlebt hat. Abschied von einem Menschen ist auch immer Abschied von einem Abschnitt eigener Lebensgeschichte. Abschied nehmen heißt zurückblicken. Fragen: Was bleibt aus dem Leben eines Menschen, der nicht mehr ist? Das heißt auch: wir blicken nach vorn, fragen: Was wird kommen? Jeder Abschied von einem Menschen führt uns aber auch an unsere Grenzen. Wir merken auf – spüren – erkennen, dass auch unser eigenes Leben ein Ende hat.

Herr, lehre uns doch, dass wir sterben müssen – auf das wir klug werden – heißt es in einem alten Gebet, dem Psalmen. Klug werden, heißt es im Psalmwort Damit ist auch gemeint, dass wir erkennen, dass jedes Leben – auch unser eigenes – einen Anfang und ein Ende hat – dass wir aber auch eine Hoffnung auf ein gutes Ende im Herzen behalten.

Noch einmal zurück zu den Kindergartenkindern. Hat Gott Jesus neu gemacht? – so fragen sie? Ja – antworte ich. Wie leicht ist das gesagt. Doch ich weiß auch, ich habe mir diese Antwort nicht ausgedacht. Die Bibel selbst gibt diese Antwort an ganz unterschiedlichen Stellen. Dieses: Ja. Dieses: Gott schafft neues Leben durch den Tod – durch das Alte hindurch – dieses Antwort zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel hindurch.

Ein Trostbild vom „NEUmachen“ wird uns am Ewigkeitssonntag auch in der Offenbarung des Johannes vermittelt:  Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er wird selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Siehe, ich mache alles neu.

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum vorletzten Sonntag im Kirchenjahr am 15.11.2020

gehalten von Pastor Lars Kroglowski

gehalten von Pastor Lars Kroglowski

 

Aufbruch - „für den Frieden“

Liebe Gemeinde,

Diese Woche ist Volkstrauer Tag – ein guter – ein wichtiger Tag – ein Tag gegen das Vergessen! 

Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf. Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt oben auf. Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt. Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind! Heißt es in einem Kirchenlied von Jürgen Henkys.

Wir trauern um die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, wir trauern um alle, die ihr Leben verloren haben. Über 120 Millionen Menschen - einen unvorstellbare Größe – erst da fassbar – begreifbar, wo wir den einzelnen vor Augen haben - bezahlten die beiden Weltkriege unseres 20. Jahrhunderts mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit. Unser Gedenken schließt alle ein, auch über die Grenzen der Nationen hinweg. Wir leben nach wie vor in einer gewalt- und kriegsbereiten Welt.

Angesichts dieser Tatsache und unserer eigenen Geschichte bricht sich der Wunsch bahn: Nie wieder Krieg! Diese Friedenssehnsucht ist aus Trauer gewachsen. Immer wieder wird in der internationalen Politik mit der Möglichkeit kriegerischen Eingreifens gedroht. Oft genug, zu oft, wird aus der Drohung Wirklichkeit. Wir erleben es im Irak, Syrien, Afghanistan und vielen anderen Ländern. Krieg und Terror bringen Leid, dass zeigen uns die Bilder und die Berichte überdeutlich.

Zum Sinn oder Unsinn des Krieges muss man die Opfer befragen (die Mütter, die Kinder, die Verstümmelten, die Verletzten), nicht die, die Kriege angeblich gewinnen, und erst recht nicht die, die daran verdienen. Man muss sich erinnern! Und so erinnere ich mich an einen 86. Geburtstagsbesuch eines Mannes meiner Gemeinde. Und diesem alten Mann stiegen die Tränen in die Augen als er von seiner Jugend in Dresden erzählte. In dem schrecklichen Bombenangriff auf Dresden – als die Feuerwalze durch die diese Stadt raste – hat er einer Nacht seine Eltern und Geschwister verloren. Er selbst hat überlebt, weil er zu der Zeit mit 16 ½ Jahren in die Wehrmacht eingezogen wurde und hier bei uns im Norden bei der Marine in Cuxhaven stationiert war. Der Krieg hat ihm nicht nur seiner ganzen Familie beraubt, sondern er musste dann auch noch für diese „riesengroße Scheiße“ die eigene Jugend hergeben und den Kopf riskieren. Tiefe Traumatisierungen. Erlebnisse, die sich in die Tiefe seiner Seele eingegraben haben. 

Der Krieg verändert uns Menschen und das bis in viele Generationen hinein. Ein Krieg hinterlässt Spuren auch bei den Kriegskindern. Sich erinnern lassen an seine Biographie – sich Frieden wünschen und etwas dafür zu tun, da liegt ein tiefer Grund für den Volkstrauertag.
Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres am 08. November 2020
von Propst Faehling
 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Predigttext

1. Thess 5, 1-6

1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Ein starkes Wort am Sonntag nach dem amerikanischen Wahlkrimi. Ein seltsam furchtloses Wort in Zeiten von Corona. Ein fast weltfremdes Wort, nachdem Moria gebrannt hat und schon wieder Hunderte im Mittelmeer ertrunken sind.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Wirklich? Gehen denn nicht gerade die Lichter aus, nicht nur in den geschlossenen Restaurants und Kinos, bei den Kleinkünstlern und in den Theatern?

Was sagt Paulus da?

Und mit ihm sag ich es weiter?

Kirche, die weltfremden Gutmenschen? Die, die immer alles zurecht reden? Und zugleich daran glauben, dass ihr Gott seinen Sohn opfert – wie grausam ist das? Und die doch eigentlich auf absteigendem Ast sitzen – bei den Austrittszahlen; und dann auch noch Rituale pflegen, die aus der Zeit gefallen sind.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Ja, ich glaube, das stimmt: Wir sind nicht in der Finsternis. Wir sind Kinder des Lichts. Und zwar dort, wo wir wach und nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass jede und jeder von uns doch nur einen Bruchteil des Lebens in der eigenen Hand hat. Wie wenig kann ich kontrollieren, verstehen, beherrschen in meinem Leben. Gefühle werfen mich aus der Bahn. Ein Virus, so klein, dass ich ihn nicht sehen, schmecken, riechen, fühlen kann, bringt meine ganze hochtechnisierte Welt zum Erliegen. 90% des Lebens sind unerforscht, nicht erklärbar, voller Wunder und Rätsel.

Und obwohl das so ist, leben wir, lieben wir, hoffen wir. Wir bekommen Kinder, bauen Häuser, planen Zukunft – und haben doch so wenig in der Hand.

Das kann nur bedeuten, dass wir entweder alle irgendwie irre sind und vollkommen realitätsfern. Oder es heißt: In uns brennt ein Feuer, sei es Hoffnung, sei es Mut, sei es Widerstandskraft – ein Feuer, dass dem seltsam unüberschaubaren Leben mit Freude, Mut und Zukunftshoffnung begegnet.

Für mich hat das etwas mit Gott zu tun. Aber es gilt auch für die, die nicht an Gott glauben. Auch Menschen, die nicht an den christlichen Gott glauben, können solche Lebensgewissheit haben.

Ich muss die Quelle dieser besonderen Gedanken nicht Gott nennen, aber für mich persönlich heißt sie so.

Und würden wir uns auf diese Quelle einmal gemeinsam verständigen, zunächst einmal ganz gleich, wie wir sie nennen, könnten wir uns treffen an dem Punkt, wo wir sagen: Hoffnung und Widerstand machen Sinn. Mut und Liebe sind Lebenskräfte, die uns voranbringen. Und Orte, die man z.B. als Seele bezeichnen kann, haben ein Gespür für die unfassbaren 90% des Lebens, aus denen soviel lebendige Kraft zu schöpfen sind.

Und auf einmal könnte der Satz stimmen:

Ihr aber seid nicht in der Finsternis

Auf einmal sind wir in Trumps Welt, in der Moria brennt und Ungerechtigkeit allerorten schreiendes Unrecht hervorruft, nicht mehr hilflos, sondern können gegenangehen – können auch dann sinnvoll streiten und kämpfen, wenn wir nicht alles besser schaffen als die, wir kritisieren. Wir können uns einsetzen, auch wenn wir aushalten müssen, dass wir die Welt nicht retten. Wir können glauben, hoffe, uns und anderen treu sein, obwohl wir zweifeln, scheitern, Fehler machen.

Das ist mein Glaubenskern, dass Gott uns braucht und hütet, obwohl wir nicht die Besseren sind; dass der Himmel uns gehört, auch wenn wir dauernd dran vorbeilaufen. Sinn gibt es auch da, wo Erfolg ausbleibt. Einsatz lohnt sich auch dann, wenn wir das Ziel nicht erreichen. Und immer neu sich aufmachen ist klug – kein Zeichen von Schwäche.

Weltfremd bleibe ich wohl dabei bis an mein Lebensende, womit ich meine, dass mir die Welt, wie sie ist, fremd bleibt mit ihren Ungerechtigkeiten, ihren unfairen Gesetzen, ihrer Art, gerade auch die Falschen zu Siegern zu machen.

Weltfremd bleibt auch Gott, weil er nur so die Welt korrigieren, sie zum Guten hin stören, ihr widersprechen kann.

Weltfremd ist der Glaube, der nicht loslässt von dieser oft sperrigen und paradoxen Gewissheit: Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Genau: Der Satz gilt am meisten, wenn es gerade finster ist.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis

Willkommen im Licht der Hoffnung, die unvernünftig weltfremd ist und deshalb mitten in Trumpscher Zeit, in brennender Moria-Schrecklichkeit und angesichts wild voranschreitender sozialer Ungerechtigkeit und Klimaverschlimmerung jeden Morgen neu aufsteht und mit einzelnen Menschen an einem lebenswerten Gesicht der Zukunft baut.

Ich finde das schön und klug. Ich tu das gerne und freu mich über jede und jeden, mit dem ich das gemeinsam tun kann.

 

Amen.

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 21. Sonntag nach Trinitatis am 01. November 2020
von Pastorin Pfeifer

 

Predigttext:Matthäus 5,38ff

 Liebe Gemeinde,

die Bergpredigt Jesu. Fast jeder Christ  kennt sie.    Oder hat zumindest die eine oder andere Passage daraus schon gehört.   Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. 

So wunderbar und so wohltuend  beginnt diese lange und großartige Rede Jesu, in der der Evangelist Matthäus viele   einzelne Worte und  überlieferte Reden Jesu zu einer einzigen großartigen Rede zusammenfasst. 

 So beginnt sie   ungemein wohltuend und tröstlich. Mit Worten die gut tun und die uns der Liebe Gottes gewiss machen wollen. Damit wir uns in dieser Liebe   geborgen und gut aufgehoben fühlen.

Diesen Worten schließt sich dann ein anderes sehr  bekanntes Wort des Zutrauens und des Vertrauens   an. Worte , die Jesus damals zu Menschen gesprochen hat. Die uns  bis heute zugesprochen werden und auch berühren, wenn wir darauf hören  

Ihr seid das Salz der Erde .Ihr seid das Licht der Welt.    So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke im Himmel sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Auf die Zusage der Liebe Gottes folgt in der Bergpredigt also das Vertrauen.   Das schier unglaubliche  Zutrauen    Gottes, dass wir bis heute Salz der Erde, Licht der Welt sind und sein können. Und   auch den Auftrag haben, Gutes zu tun und das Antlitz der Welt zu verändern, so schwach, hilflos und unfähig wir uns auch immer fühlen.

Die Zusage der Liebe Gottes, das Zutrauen und Vertrauen in uns Menschen, aber auch unser Auftrag in dieser Welt und für diese Welt liegt auch demPredigttext zugrunde,   den wir in der Evangelienlesung bereits gehört haben. Auch er ist ein Abschnitt aus der Bergpredigt         

Auch hier  ist von der   Liebe Gottes die Rede, der die Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und der regnen lässt über Gerechte und Ungerechte gleichermaßen.

Der in seiner Liebe tatsächlich überströmend großzügig ist.

Jeden und jede, uns alle meint und schier unbändig liebt.

Alle Menschen,  die sich redlich bemühen gute Christen zu sein. Die viel Gutes tun und viel Gutes bewirken. Aber auch   Fehler machen und Schwächen haben. Die immer wieder vorbei hauen und daneben tappen. Die sich selbst und ihr Leben ganz und gar nicht auf die Reihe kriegen. Die Unrecht tun und  andere Menschen verunglimpfen und verhöhnen. Gott liebt sie eben doch. Immer noch .

Weil Gott selbst die immer noch liebt, die sich längst von ihm abgewandt haben .Auch die, die sich selbst  alles andere als liebenswert fühlen. Auch die unangenehme Zeitgenossen , und die, die manchmal regelrechte Kotzbrocken sind. Gott liebt sie eben doch.

Immer noch. Weil seine Liebe vollkommen ist. Gott sei Dank.

Und so darf  ich mich mit meinen Schwächen und Fehlern immer noch von Gott gewollt und geliebt fühlen, so wie er mir das bei meiner Taufe zugesagt hat: Du bist und du bleibst meine liebe Tochter, mein lieber Sohn. Hierauf darfst du dich verlassen. 

Aber damit hört das, was Gott für mich will und mit mir vor hat  nicht auf. 

Denn schon  bei der Taufe hören wir dieses  sonderbare und  ganz enorme Zutrauen und Vertrauen. Dass Gott mir so viel mehr zutraut und von mir erwartet, als ich mir selber zutraue und zutrauen kann.Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater vollkommen ist. So, wie Jesus die vollkommenen Liebe Gottes gelebt und gezeigt hat, um uns ein, wenn auch unerreichbares Vorbild zu geben und Vorbild zu sein. Damit wir ihn nachahmen und uns an seinem Verhalten orientieren können.

Und so fordert uns Jesus in unsrem Predigttext     dazu auf, entsprechend zu leben: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder unseres Vaters im Himmel seid.

Liebe Gemeinde, was für ein ungeheurer Auftrag   . Der unsere menschliche Kraft und Fähigkeiten  wohl meistens übersteigt. Wer könnte oder würde so etwas  tatsächlich von den Männern, Frauen und Kindern, die heute vor mörderischen Banden oder Kreigherren an vielen Orten der Welt auf der Flucht sind, erwarten.  Von   Menschen die damals in unserem Land bedroht und verfolgt wurden. Die in Lager verschleppt worden sind und in den KZ´s gelitten haben.  Die heute blutigem Terror zum Opfer fallen.

Wer könnte und würde so etwas von den Opfern akuter Gewalt in welcher Form auch immer erwarten. Oder erwarten können. Etwa von Frauen , die  ins Frauenhaus fliehen , weil ihre Männer sie verprügelt haben. Wir merken wie über menschlich  dieser Anspruch  in diesen Situationen tatsächlich ist.

Wenn dich jemanden auf die rechte Backe schlägt, dem biete auch die andere dar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus so etwas zu einem geschlagenen und erniedrigten  Menschen in einer akuten Notsituation sagt  Ich gehe vielmehr davon aus, dass er sich ganz klar auf die Seite der Unterdrückten und Schwachen gestellt hat und ihnen geholfen hätte.

Aber ich kann mir vorstellen, dass er an einem anderen Ort und in einer anderen Situation, die nicht   akut bedrohlich war, so etwas gesagt und damit auch provoziert hätte.

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht wiederstreben sollt dem Übel. Sondern: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch da. Eine steile Forderung. Und eine provokante These. Ich stelle mir vor, wie Jesus dies in einer Art  Lehrgespräch  zwischen Rabbi, Lehrer und Schüler sagt.

Dass er seinen Zuhörern einen Weg aufzeigen will, wie es gelingen könnte den ständigen Kreislauf der Gewalt zu durchdringen und ihn zum Stoppen zu bringen. Wie es gelingen kann Böses mit Gutem zu überwinden. 

 Schlägen nicht mit erneuten Schlägen zu begegnen, sondern   stattdessen mit einer vollkommen unerwarteten Leidensbereitschaft. Die möglicher weise sogar verblüfft und in der persönlichen Auseinandersetzung vielleicht tatsächlich die Kraft hat, den Kampf und das Leid zu beenden. Jesus selbst ist diesen Weg der persönlichen Leidensbereitschaft und Hingabe bis zum Schluss gegangen. Mahatma Gandhi  hat mit seiner vollkommenen Friedfertigkeit  des gewaltlosen Widerstandes die Kolonialherren als Unterdrücker entlarvt und die Unterdrückung langfristig tatsächlich beendet. Und der passive, friedlich Widerstand  Martin Luther Kings hat überzeugt und das Unrecht der die Diskriminierung der schwarzen durch die weiße Bevölkerung Amerikas offensichtlich gemacht und dazu geholfen die Rassendiskriminierung  bewusst zu machen und wenigstens in vielen Bereichen geringer zu machen . Auch wenn wir heutzutage wieder merken, wieviel da gerade in den USA noch zu machen und zu verändern ist. Und dass wir auch hier bei  uns   viel tun müssen und auch an uns selbst immer wieder arbeiten müssen, um Rassismus, Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit und wahrscheinlich auch die eigene Angst vor dem Fremden zu überwinden.

Jesus lehrt seine Jünger in unsrem Predigttext was es  bedeutet, Liebe zu üben.  

Und er wählt dazu Beispiele aus der damaligen Gerichtsbarkeit aus.  Es geht ihm um Liebe- die immer noch größer und höher ist als Gerechtigkeit.

Auge um Auge , Zahn um Zahn. Nach levitischer Rechtsprechung ist das gerecht. Denn es geht darum eine Straftat und ein verhängtes Strafmaß in ein angemessenes Verhältnis  zu setzen.

 Aber Jesus geht es hier aber nicht um das Recht. Auch nicht um Gerechtigkeit. Jesus geht es um Liebe. Es geht ihm darum sogar im Täter, im Feind den Nächsten, den Mitmenschen zu erkennen. Das bedeutet allerdings auch für ihn eine schlimme Tat zu verurteilen Aber er fordert uns dazu heraus in dem Täter immer noch mehr und immer noch den Menschen zu sehen , der möglicherweise auch noch ganz andere Seiten und  Facetten hat , die wieder oder weiter wachsen und sich entfalten können.

Und wenn jemand mit dir rechten will. Wenn jemand zurecht dein Unterkleid als Pfand   haben will, weil du ihm Geld schuldig bist. Dann gib ihm auch den Mantel. Gib ihm mehr, als er verlangt und als ihm zusteht. Und wenn jemand dich nötigt eine Meile mit ihm zu gehen. So geh mit ihm zwei.

Liebe Gemeinde, wir merken. Es geht hier nicht um das rechte oder gerechte Maß. Es geht hier um Liebe. Um eine  Liebe und ein daraus folgendes Handeln, das überfließt . Um Liebe die größer und höher ist  und   alle   Gerechtigkeit weit übersteigt.  Eltern kennen das. Wenn es manchmal regelrecht schwer fällt die    widerborstigen Söhne und Töchter in den Flegeljahren auszuhalten und zu ertragen. Und gleichzeitig   zu merken, wie sehr man sie liebt. Selbst wenn das mitunter schwer fällt und   anstrengend ist. Und doch: Die Liebe ist da. Und die Liebe bleibt .Weil die Liebe eben immer noch größer und stärker ist und alles andere übersteigt So wie   Paulus das sagt: Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles. Sie duldet alles. Sie rechnet das Böse nicht zu.

Sie betrachtet jedes Kind, jeden Heranwachsenden und erwachsenen Menschen immer wieder neu mit  den Augen der Liebe. Und gibt ihm aufs Neue die Chance und die Möglichkeit sich anders zu zeigen und zu verhalten. Und nochmal neu Anlauf zu nehmen und sich zu verändern. Die Liebe   schafft es tatsächlich immer wieder nicht zu vergessen aber eben doch zu verzeihen. Und großzügig zu sein. Auch wenn das   bedeutet sich offen die Meinung zu sagen und auch Konflikte zu wagen. Um dann aber auch wieder nach Lösungen zu suchen und neue und andere Wege zu gehen.

Wahrscheinlich hat Jesus Recht und es gelingt der Liebe manchmal tatsächlich Böses mit Gutem zu überwinden. Jedenfalls will er uns sagen, dass in der Hoffnung auf Gott      mit Liebe oft viel mehr zu machen zu schaffen und auch zu lösen ist, als wir manchmal denken. Dass es sich lohnt aus der Liebe heraus zu leben und sie an andere weiter zu geben.

Und dass es Sinn macht, Gott   immer wieder um die Fähigkeit so zu lieben, zu bitten.

Gott möge uns jedenfalls immer wieder   die Kraft und die Stärke dazu geben. Amen 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 20. Sonntag nach Trinitatis am 25. Oktober 2020
von Propst Faehling

Mk 2, 23-28
23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Liebe Gemeinde,

Dorothee Sölle hat einmal Folgendes gedichtet:

Du sollst dich selbst unterbrechen.
Zwischen
Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein
und Freude.
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
Gottes altes Lied von den sechs Tagen
und dem einen, der anders ist.
Zwischen
Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern
an diesen Morgen,
an deinen und aller Anfang
als die Sonne aufging
ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit, die niemandem gehört
außer dem Ewigen.

Das ist, was die Pharisäer noch verstehen müssen: Es geht am Feiertag, am Sabbat um die heilsame Unterbrechung. Um das Leben, das Über-Leben geht es. Dazu braucht es die Pause. Aber natürlich braucht es auch in der Pause den gestillten Hunger.

Ja, natürlich darf man dann Essbares einsammeln und essen; denn was von Gott kommt, ist um der Menschen willen gemacht, es dient dem Leben der Menschen, will heilen, heilsam unterbrechen, aber nicht zwanghaft steuern.

Was braucht der Mensch? scheint Gott regelmäßig zu fragen. Deshalb hat er den siebten Tag, an dem er selbst ruhte, zum Ruhetag der Menschen gemacht. Selbst Gott braucht eine Pause. Also gönnt er diese auch dem Menschen. Er gönnt. Er zwingt nicht; schon gar nicht um der Regel willen.

Ich erlebe, dass Menschen geradezu glücklich sind, wenn sie Gott als so einen wahrnehmen, der zum Leben befreit, der einlädt, das zu tun, was dem Leben dient.
Viel zu lang wurde und wird noch Gott als Regelerfinder missbraucht, z.B. als verlängerter Arm der Moral, als verlängerter Arm derer, die etwas durchsetzen wollen, auch z.B. früher zumindest als verlängerter Arm der Eltern.
„Der liebe Gott sieht alles“.
Darüber lachten heute mehr Menschen als früher. Aber dieses Lachen hat immer noch einen leicht zynischen Beigeschmack. Das Hinschauen Gottes fühlt sich manchmal gar nicht mehr hilfreich an, so wie es ursprünglich in der Bibel gedacht war. Zu oft wurde es missbraucht, um hinter die Kulissen, durch die verschlossenen Türen, in die sogenannten verstockten Herzen zu schauen, um dort aufzudecken, was jede und jeder ansonsten ganz normal auch für sich behalten dürfte.

Gottes Alles, Gottes Regeln, Gottes Wirken ist im Ursprung daran ausgerichtet, Leben zu ermöglichen. Damit beginnt die Schöpfung; das verläuft als roter Faden quer durch zahllose Geschichten von Rettung und Bewahrung; und es gipfelt darin, dass Gott das Kreuz leer macht. Er holt nicht nur den toten Leib vom Balken; er holt auch den Tod aus seiner Macht; setzt ihm lebendige Liebe entgegen; durchbricht die Grenzen, die den Menschen soviel Mühe machen, wenn sie nicht mehr lieben, nicht mehr leben, nicht mehr ihre Wege finden können.

Dafür – ja – gibt es von Gott auch Regeln. Menschen brauchen regeln. Die bekanntesten sind die zehn Gebote. Aber genau da wird auch deutlich, dass diese allein den Zweck haben, menschliches Zusammenleben auszubalancieren. 
- Nicht töten; denn wenn alle sich daran halten, muss niemand fürchten, getötet zu werden. 
- Nicht falsch über andere reden; denn dann sind alle vor übler Nachrede und Lügengeschichten sicher.
Nicht zufällig gibt es so etwas wie die zehn Gebote in praktisch jeder Kultur der Erde. Das ist keine christliche Erfindung allein. So wird Leben geregelt. Das ist notwendig.

Aber von Gott her gedacht,, steht noch etwas über diesen Geboten, das sogenannte Doppelgebot der Liebe: Du soll Gott lieben; und: Du sollst deine Nächste und Deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Selbst- Nächsten- und Gottes-/Lebens-Liebe – das sind die Grundkräfte. Alle anderen Regeln müssen sich dieser Überschrift unterordnen.
Das gilt für das Sabbatgebot, das gilt für den Feiertag, das gilt für das gesamte Regelwerk, das wir uns schriftlich, mündlich, überliefert, gesellschaftlich geben.
Dient es den Menschen? 
Ist es liebevoll ausgerichtet?
Womit Liebe zum Leben gemeint ist.

Können Sie als Gemeinde etwas davon wahrnehmen, wie starr die Pharisäer gedacht haben? Vielleicht, weil sie selber unter dem Druck der vermeintlich wichtigen Regeln schon so starr geworden waren. 
Vielleicht waren sie ganz irritiert, vielleicht ärgerlich, vielleicht auch neidisch, dass die Jünger so fröhlich, entspannt, den Sonntag genießend durchs Land gezogen sind und ihren Hunger spontan stillen konnten.
Vielleicht berührt diese Leichtigkeit der Jünger eine tiefe Sehnsucht in den Gesetzeslehrern, die spüren, wie sie unter ihrem Regelwerk fast zusammenbrechen, und immer mehr Leben verlieren.
Vielleicht haben sie gespürt, dass ihre vermeintlich treue Frömmigkeit sie immer weiter wegbrachte von Gott, statt Gott nahe sein zu lassen und im Licht seiner Liebe das Leben zu meistern.

Auf mich wirken sie jedenfalls unerlöst, müde, zwanghaft, verstrickt in ein Regelwerk, das von der alten guten Wirkung des Feiertagsgebotes nichts mehr enthielt, sondern nur noch Last der Kontrolle und Frust darüber, dass sie nicht funktionierte.

Mir geht es so, dass spätestens hier etwas überspringt aus dieser Geschichte in mein eigenes Sehnsuchtsbild von Kirche heute. 
Ach könnten wir doch selbst mehr von dieser Leichtigkeit leben, erfahren und weitergeben, zulassen und selbst beginnen.
Ach könnten wir doch gerade den Menschen der heutigen Zeit, die so in Hamsterrädern laufen, oder in Corona-Ängsten oder dem Zeitgeistdruck folgen möchten, von dieser Leichtigkeit der Jünger ausstrahlen, die mit ihren Händen im Wandern, im Vorbeigehen finden, was sie in dem Moment für ihr Leben brauchen.

Dazu habe ich Lust, aufmerksam die einzelnen Stellen meiner Arbeit unter diesem Licht zu betrachten und herauszufinden, wo mehr Leichtigkeit sein kann, gute, lebendige, ansteckende Leichtigkeit.
Ich finde, die passt zu einem Gott, der am Anfang das Leben schuf und seitdem größtes Interesse daran hat, es liebevoll zu ermöglichen.

Dazu lohnt es, dass wir uns immer wieder unterbrechen lassen, damit wir diese Gedanken in uns wiederfinden und neu leben lassen.

Amen.

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit! 

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Gruß zum 19. Sonntag nach Trinitatis am 18. Oktoberber 2020
von Pastorin Glatthor

Liebe Gemeinde,

der Wecker klingelt. Es ist fünf Uhr morgens. Der Wecker klingelt und er muss aufstehen. Er quält sich aus dem Bett und geht zu seinem Kleiderschrank. Er sieht sich an, was er dort hängen hat: Ein paar Hemden, ein paar Hosen – alle hängen dort schon etwas länger. Aber sie reichen. Sie haben schon immer gereicht. Eigentlich passen sie nicht mehr. Aber er trägt sie immer noch. Warum auch nicht?! Es erspart ihm Vieles: Er braucht sich nicht umgewöhnen. Nicht über Veränderungen nachdenken. Einfach den alten Gewohnheiten folgen. Den bekannten, den einfachen, leichten, bequemen Weg nehmen. Doch dann hält er inne.

Probiere doch heute mal was Anderes aus! Probiere doch heute mal was Neues aus! Wie wäre es heute mal mit diesem Outfit? Er überlegt. Er weiß nicht, ob es ihm passen würde. Ist sich unsicher, ob es widerspiegeln würde, wie es ihm geht. Ist sich nicht gewiss, ob er diese neue Kleidung tragen kann. Ob er dem gewachsen ist? Ob er es aushalten würde, den ganzen Tag?

Gewohnheiten. Bekannte Verhaltensmuster. Planbare Situationen. Routinierte Strukturen. Alte Angewohnheiten.

Der Apostel Paulus schrieb einen Brief an die Gemeinde in Ephesus, indem es auch um das Tragen von Kleidung – von etwas anderer Kleidung - ging: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Eph 4,22-32)

Als Paulus diesen Brief an die Gemeinde in Ephesus schrieb, saß er selbst vermutlich in Gefangenschaft. Auch während seiner Abwesenheit, während der Zeit in Gefangenschaft hielt er durch den Brief den Kontakt zu ihnen. Besonders wenn er von Spannungen innerhalb der Gemeinde oder in seinen Augen Fehlverhalten der Menschen hörte, wandte er sich in einem Brief an sie. In diesem Abschnitt ermahnt Paulus zur Verwirklichung der Einheit der Gemeinde. Er unterscheidet dabei in den „alten“ und den „neuen“ Menschen, den die Gemeinde „tragen“ kann. Eine Metapher, ein Bild. Zurzeit von Paulus wurden zur Taufe noch alle Kleider abgelegt. Es wurde in einen See oder Fluss gestiegen um sich dort taufen zu lassen. Aus dem Wasser stieg ein „neuer“ Mensch, der es durch das Tragen weißer Gewänder auch nach außen deutlich machte und zeigte. Ein Bild, ein starkes Bild. Die alten Kleider ablegen und die neuen anziehen. Paulus ermahnte die Gemeinde in Ephesus anhand dieses Bildes dazu, sich auch wie ein neuer Mensch zu verhalten. Die neuen Kleider nicht nur zu tragen, sondern sich auch danach zu verhalten. Und nach außen zu zeigen, so zu leben, was einen im Inneren schon trägt: Den Mitmenschen vergeben, sich vertragen, nichts falsches Reden und viele weitere Einzelermahnungen, die an den Dekalog, die 10 Gebote und das Vaterunser erinnern, führte Paulus auf.  

Paulus schrieb der Gemeinde in Ephesus von einem neuen Kleid, einem neuen Kleid, dass ihnen geschenkt ist. Ein Ideal. Es hilft ihnen, es stärkt sie, es schützt sie. Doch es fordert auch heraus: Es lädt dazu ein immer wieder neu einen Beitrag zu leisten zur Verwirklichung einer solchen Gesellschaft. Das ist im Alltag allerdings gar nicht so leicht. Eine kleine Verunsicherung oder Provokation und schon reagiert man wieder nach alten Mustern. Auch wenn man es vielleicht gar nicht möchte. Man kann durchatmen, nochmal einen Schritt zurück gehen, dem neuen Menschen eine Chance geben und ihm so dabei helfen zu einer Trendfarbe auf der Straße zu werden. So kann der alte Mensch als überwundener vorkommen und der neue Mensch zu einer Trendfarbe auf der Straße werden.

Wir sind eingeladen diesen neuen Verhaltensmustern jeden Tag aufs Neue nachzugehen. Nicht aus einer Verpflichtung heraus, sondern dank dem Geschenk Gottes, dass er uns macht – immer wieder neu. Denn wir können jeden Tag aufs Neue auf Gott, auf Gottes Begleitung und seine Vergebung zählen. Und dieses Geschenk Gottes können wir in unserem Tun und Handeln zeigen. Wenn wir Gott als Zentrum unseres Lebens haben, können wir uns angenommen fühlen. Auch wenn wir im Leben Suchende sind, die nicht wissen wie es verläuft, so sind wir immer angenommen als Kinder Gottes. Das kann uns nach Außen wachsen lassen, kann uns tragen ohne uns von den Bewertungen anderer abhängig zu machen und kann uns frei machen für Beziehungen, dafür unseren Weg in dieser Welt zu finden; nicht aufzuhören zu lernen so gut miteinander und mit uns selbst umzugehen.

Vor allem in diesem besonderen Jahr kann es uns Trost schenken und Mut machen – wir sind geliebte Kinder Gottes, mit all unserem Tun und mit all unseren Fehlern. Auch diese Pandemie müssen wir nicht alleine durchstehen.

Der Wecker klingelt. Es ist fünf Uhr morgens. Der Wecker klingelt und er muss aufstehen. Er quält sich aus dem Bett und geht zu seinem Kleiderschrank. Probiere doch heute mal das Neue aus. Wie wäre es heute mal mit diesem Outfit? Probiere es aus. Es ist ein Geschenk. Es ist gewebt aus Liebe, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Er überlegt nicht. Er weiß, es ist ihm geschenkt. Auch wenn er es vermutlich zwischendurch mal ablegen wird, traut er sich. Er traut sich, denn er vertraut darauf, dass er nicht alleine ist. So zieht er es an. Es passt wie angegossen. Er spürt, wie es ihn aufrichtet – innerlich und äußerlich.

Wäre es nicht schön, wir würden es alle tragen? Außen tragen, was uns im Inneren trägt? Demjenigen vergeben, der uns etwas Böses wollte. Der Nachbarin helfen, die kaputte Glühbirne auszutauschen. Sich einsetzen für die Menschen, denen es schlecht geht und die selbst das Wort nicht ergreifen können. Täglich? Nur mal versuchsweise? Und dann immer wieder? In täglich neuen Versuchen?

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Yasmin Glatthor

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Gruß zum 18. Sonntag nach Trinitatis am 11. Oktoberber 2020
von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,
Stellen Sie sich vor, sie sind abends spät auf dem Weg über die Felder nach Hause zurück. Die Welt sieht anders aus im Mondschein, geheimnisvoll, aber auch friedlich. Mondlicht zeichnet weiche Linien und was am Tag schwer erschien, wirkt plötzlich leicht wie der Nebel, der von der Wiese aufsteigt. Was ist wirklich wichtig am Ende eines Tages?

Auch in Büchern liest man das wirklich Wichtige erst am Ende. Und unser Predigttext heute steht fast ganz am Schluss der 5 Bücher Mose. Er enthält Worte, die Mose ganz am Ende eines Lebens gesagt haben soll.

Gleichzeitig gehört er zum Abschluss des Deuteronomiums, einer eigenen Gesetzessammlung. Hunderte von Geboten gibt es, manche sind schwer oder gar nicht einzuhalten: Nie lügen – wer kann das? Und dann sind da die ganzen Speisevorschriften, die strenge Sabbatruhe. Das ist alles schwer. Aber der alte, weise gewordene Mose behauptet, letztlich sei doch alles ganz einfach:

„Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust: Dass Du den Herrn, deinen Gott liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Rechte und Gesetze tust.“ (Dtn 30,11-14)

Liebe Gemeinde, was auf den Gesetzestafeln steht, die Mose vom Berg mitbringt, das sind Regeln, die Gott seinem Volk für ihr Leben in Freiheit schenkt, als Kompass gewissermaßen, damit sie sich nicht verirren. Sie sollen sie nicht am Leben hindern oder es schwer machen, sondern leicht und frei. Sie kommen auch nicht von weit weg, sondern sind uns ganz nah, in unserem Herzen. Eigentlich, so findet Mose auf seine alten Tage, muss man gar nicht auf einen Berg steigen, um sie zu holen.

Im Buch „Der kleinen Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry heißt es: „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Matthias Claudius schreibt in seinem Lied „Der Mond ist aufgegangen“:

„Seht ihr den Mond dort stehen,
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht seh'n.“
 
 
Das Gebot, das Mose dem Volk übermittelt ist uns nicht zu hoch und fern, sondern ganz einfach: Wir sollen Gott lieben und ganz dicht bei ihm sein - auf seinem Weg. Wo dieser Weg ist, das können wir mit unserem Herzen sehen, wenn wir Gott lieben und seine Liebe zu uns und allen seinen Geschöpfen spüren. Dann ist es ganz leicht, die Gebote zu befolgen.

Dann müssen wir beispielsweise nicht lange Wortklauberei darüber betreiben, wo denn das Lügen anfängt und ob eine Notlüge ok ist: Wir werden im Herzen spüren, ob das, was unser Mund sagt, gut für uns und andere ist. Die Wahrheit ist so ein Ding, das man besser mit dem Herzen sieht als mit den Augen.

Das zu denken ist kein Freibrief zum Lügen, sondern eine Aufforderung, nach der Wahrheit zu suchen als etwas, das wie der Nebel von den Wiesen aufsteigt, leicht und genau richtig. Nah.

Wenn der Mond manchmal im Dunkeln liegt wissen wir trotzdem, dass er da ist. So geht es uns auch mit dem, was Gott für uns bereithält, obwohl es uns jetzt noch verborgen ist. Wir müssen nicht klug und waghalsig sein, um es zu finde: Gott lieben und einander lieben, wie er uns liebt, das ist kinderleicht, weil Gott es uns schon in unser Herz gelegt hat und er uns dort ganz nah ist.

Bei der Kinderbibelwoche haben wir die Kinder nach den Geboten gefragt, die für sie wichtig sind und die Ergebnisse in der Kirche ausgestellt. Sie wollen für Freunde eintreten, anderen helfen und sie respektieren unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aussehen und auch Tiere und die Umwelt schützen.  

Es ist eigentlich ganz einfach. Es liegt alles schon in unserem Herzen, das haben die Kinder gezeigt.  

Und doch kann es so kompliziert werden, wie wir in unserem Evangelium vom reichen Jüngling gehört haben und auch selbst von uns wissen. Es gibt so viel Ballast, den wir mit uns schleppen und der uns unverzichtbar erscheint. Loszulassen ist zugleich weise und kinderleicht. Darum singe ich so gern diese Zeilen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“:



„Lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.“
 


Das bedeutet für mich nicht: „Lass uns Scheuklappen aufsetzen, Entwicklung vermeiden, aufhören, nach Erkenntnis zu suchen.“
Mose hat in seinem Leben viel gesehen. Er hat an Gott gezweifelt, ist manchen Umweg gegangen. An seinem Lebensabend erst entdeckt er, wie einfach alles ist. Bis dahin war es ein langer Weg und seine Umwege waren nötig. Die vielen Buchseiten vorher waren nötig, damit das Buch nun so enden kann.
Wir selbst sind mitten auf dem Weg, irgendwo auf einer der vielen Seiten unseres Lebensbuches. Ebenso wie der Reiche Jüngling noch immer Ballast abwerfen und umkehren kann, können wir das auch.
Wie wird unser Lebensbuch enden? Wenn meine letzten Worte so voll von kindlichem Vertrauen und Weisheit wie die Worte des Mose sein könnten, so in Einklang mit mir selbst und Gott, wenn sie so frei und leicht sein könnten wie der Abendnebel, der aus den Wiesen aufsteigt, wäre ich glücklich.

Ihre Pastorin Ute Parra

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Gruß zum Erntedankfest am 4. Oktober 2020
von Pastorin Parra

Psalm 104 in Auszügen:
1Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, du bist sehr groß;
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
2Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;
13Du tränkst die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
14Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
15dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz glänze vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
27 Es wartet alles auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
28Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
29Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
30Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu das Antlitz der Erde.

Liebe Gemeinde,

alle warten auf Gott, dass er ihnen Speise gibt zur rechten Zeit. Davon erzählt auch unser Predigttext für den Erntedanktag:

„Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt.Sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen. “ (Mk 8,1-9)

Viertausend Menschen harren drei Tage lang aus ohne Essen und lauschen Jesu Geschichten und Predigt. Sie sind offenbar voll vertrauen, dass Gott sie hier zur rechten Zeit mit Gutem sättigen wird. Und überhaupt: Der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein, sondern vor allem vom Wort Gottes.

So vergeht der Zeitpunkt, an dem Jesus sie hätte zum Essen nach Hause schicken können. Nun ist der Rückweg aus der Einöde so weit, dass sie den Weg ohne Stärkung nicht mehr schaffen.

Sieben Brote sind da noch für Viertausend Menschen. Dass das nicht reicht, verstehe sogar ich, die ich ein leben lang nie hungern musste.

Senioren aus Preetz haben mir erzählt, was sie in ihrer Kindheit und Jugend hier erlebt haben: Zum Bauern gehen müssen und betteln, das abgeerntete Kartoffelfeld nach mageren Resten absuchen, oder selber ein Kartoffelfeld haben und das streng bewachen zu müssen, um nicht hinterher leer auszugehen. Anderswo haben manche noch viel Schrecklicheres durchgestanden.

„Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie“, so heißt es im Psalm 104. „Und wenn Du Deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst Du Dein Angesicht, so erschrecken sie. Nimmst Du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.“

Werden und Vergehen ist eng miteinander verbunden. Heute ernten wir reich, morgen kommt der Winter und die Äste der Bäume sind kahl, wie leblos. Ganz zerbrechlich ist unser Leben. Das haben viele alte Menschen damals in Ihrer Kindheit erfahren und merken es jetzt wieder, wenn Freunde sterben oder die eigenen Kräfte am Ende sind.

Jesus weiß auch darum. Die vielen, die sich ihm anvertraut haben, tun ihm leid. Er will nicht, dass sie auf dem Rückweg verschmachten. Schließlich hat er ihnen doch gesagt: „Sorgt euch nicht! Gott wird für euch sorgen.“

Aus sieben Broten und einigen Fischen wird eine Mahlzeit, die alle Viertausend satt macht. Wie hat er das angestellt und warum macht er es nicht immer so? Warum mussten die Menschen damals Hunger leiden und warum müssen das heute immer noch so viele Menschen in den Dürre- und Krisengebieten der Welt?

Für mich ist diese Geschichte von der Speisung der Viertausend nicht in erster Linie eine Wundergeschichte, in der Jesus als Einzelner auf magische Weise alles zum Guten wendet, sondern es ist eine Geschichte vom Vertrauen in das Teilen. Die Jünger haben das, was sie hatten – gerade mal genug, um selbst satt zu werden, so mag mancher denken. Aber sie tun damit, was Jesus sagt: Sie teilen sie aus und geben allen etwas ab.

Wunderbare Erfahrungen vom Teilen stammen oft gerade aus den schweren Zeiten, in denen viele selbst nicht genug zum Leben hatten. Auch davon haben die Senioren erzählt: Vier Geschwister, die immer alles genau zu gleichen Teilen untereinander aufteilen - Zwei Brüder, die ihre Schwester so verwöhnen, dass sie kaum merkt, dass die Zeiten schlecht sind - Nach Sibirien verschleppt und dort trotz aller Propaganda von denen mit versorgt, die selbst kaum etwas haben.

Heute leben wir im Überfluss und müssen nicht direkt mit ansehen, wie andere hungern. Zwar zeigen uns täglich die Nachrichten, wie Menschen vor Armut und Hunger fliehen, wie sie dabei bereit sind Kopf und Kragen zu riskieren und wie viele tatsächlich auf dem Weg verschmachten, aber: Ist das unsere Schuld? Wir haben sie schließlich nicht zu uns eingeladen.

Das hatte Jesus auch nicht. Sie waren einfach gekommen. Aber es war ihm nicht egal, was ihnen auf dem Weg zustieß. Sie taten ihm leid. Allerdings nicht auf die Weise, auf die uns die Menschen in den Flüchtlingslagern oder in den Booten auf dem Mittelmeer leid tun, wenn wir in unserem Fernsehsessel sitzen, sondern auf eine Weise, die Folgen hat.

Jesus ruft zum Teilen auf. Vielleicht ist diese Vermehrung dieser sieben Brote gar kein magisches Ereignis. Vielleicht ist es auch so, dass vielen plötzlich einfällt: „Ich habe ja auch noch ein Stück Brot dabei, das sie teilen kann!“. Das Land ist voll Früchte, die Erde voll seiner Güter. Die bunten Erntegaben auf dem Altar zeugen davon. Gottes Werke sind so groß und so viel, so weise geordnet, dass sie für alle Menschen reichen, wenn wir sie teilen-weltweit.

Wir sammeln im Erntedankgottesdienst für Brot für die Welt. Das ist ein erster Schritt. Von dem Geld wird unter anderem Kindern auf den Philippinen ermöglicht, während der Corona-Pandemie weiter zu lernen, auch wenn sie die Schule nicht besuchen dürfen. Um jedoch grundsätzlich etwas zu ändern, wird mehr nötig sein. Wir werden was wir haben – nicht nur finanziell gesehen – gerecht teilen müssen. Das wird für uns gro0e Einschnitte und Unbequemlichkeiten bedeuten und es wird uns auch eine große geistige Anstrengung abverlangen, diese Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Ich denke, dass dabei die Erfahrungen der alten Generation vom eigenen Mangel wertvoll sind, weil sie beides enthalten: Das Wissen um die Zerbrechlichkeit allen Lebens, auch des eigenen und das Wissen um die Lebensnotwendigkeit des Teilens.

Auch die Jungen setzen wichtige Impulse, wenn sie z.B. wie Greta Thunberg auf dem Klimagipfel in New York anklagen: "Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weitermacht wie vorher... Wir werden euch das nicht durchgehen lassen!"

Menschen in ihrer Lebensmitte, im Wohlstand vergessen oft über ihren alltäglichen Geschäften eins: Wir können leicht vergehen und zu Staub werden.  Was braucht es, um uns aufzurütteln: Die globale Bedrohung durch einen Virus? Auch die wird allzu oft geleugnet bis es einen selber betrifft.

Dass der Lebensatem aus uns schwindet verhindern wir nicht, indem wir Güter für uns anhäufen, im Gegenteil: Dorothee Sölle nennt das den „Tod am Brot allein“. Denn ohne den belebende Atem Gottes können wir nicht sein. Wir brauchen eine Kultur des Zuhörens, aufeinander Achtens und des Teilens über Grenzen von Nation, Generation, Religion und sozialer Schicht hinweg.

Gott sendet seinem Atem, und verwandelt die Sorge um das Eigene in Vertrauen und in Bereitschaft zum Teilen. So werden wir neu geschaffen - ganz unabhängig von Alter und Herkunft - und Gott macht neu die Gestalt der Erde. Seine Herrlichkeit bleibe ewiglich!

Ein gesegnetes Erntedankfest und bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pastorin Ute Parra

 


 

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Gruß zum 16. Sonntag nach Trinitatis am 27. September 2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede  von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

2. Tim 1, 7-10

7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes. 9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag in deiner Liebe, Herr, wir danken dir.

So geht der Text eines meiner Lieblingsmorgenlieder. Der Text stammt aus Afrika. Er stammt aus einem Teil der Welt, der voller Freude ist bei aller Not; aus einem Teil der Welt, wo drei Mal im Jahr geerntet werden kann und zugleich Dürren ganze Völker ausrotten. Afrika, die Wiege der Menschheit und heute einer der Hauptorte, von dem aus Menschen fliehen. Wobei – genauer könnte man auch sagen: Sie reisen dem Geld hinterher, dass andere Teile der Welt mit ihrer Hilfe verdient haben durch Seltene Erden, Öl, Diamanten und vieles Weitere.

Afrika, das heißt heute Diktaturen, unüberschaubare politische Konflikte und vor allem immer noch tiefste Wunden, die letztlich aus der Kolonialzeit stammen, als die sogenannte westliche Welt christlichen Glauben und Glasperlen brachte und damit den Reichtum des Kontinents nach Europa und Amerika umleitete.

Politisch gäbe es noch viel mehr Kritisches zu sagen, z.B. wie bis heute sogenannte Entwicklungshilfe immer noch nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was die Welt an Geld in Afrika verdient, inzwischen sind Chinesen und Russen als Geschäftspartner noch hinzugekommen.

Es ließe sich auch dringend etwas sagen dazu, wie im Norden Afrikas Zäune gebaut und Allianzen geschmiedet werden, damit die betroffenen Menschen nicht weiter als Bootsflüchtlinge übers Mittelmeer zu uns kommen.

Aber mir scheint, Brandmarken der Missstände allein reicht nicht aus. Das müssen wir tun, immer wieder, immer weiter.

Wir müssen protestieren, demonstrieren, laut und deutlich sagen, wie wenig einverstanden wir sind.

Aber noch etwas anderes braucht es auch. Nämlich ein eigenes und vor allem inneres Umdenken. Es reicht nicht aus, die Handelnden in der großen Politik zu kritisieren. Vielmehr müssen Werte und Haltungen bei uns selbst verändert werden.

Es geht um die Haltung unserer Herzen.

Ich nenne es: Herzensbildung.

Erfahrungsgemäß kommen wir jedenfalls mit Kritik immer nur für den Augenblick vom Fleck. Das macht die nun seit Freitag wieder auf der Straße demonstrierenden Jugendlichen ja auch so wütend: Alle wissen, was zu tun wäre. Aber sie tun es nicht. Katastrophen, engagierte Proteste rütteln wach, für einen kurzen Moment. Und gleich darauf wird Klimaschutz wird wieder hintangestellt, Zeit wird weiter verbraucht, Industrie-, Banken- und Autolobby verfolgen weiter alte Strategien unter neuen Markenzeichen.

Umdenken ist dran.

Herzensbildung.

Der Bibeltext von heute nennt die Energie zum Umdenken:

Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Und er nennt die Verhinderungskraft beim Umdenken:

Der Geist der Furcht.

Umdenken. Und so etwas Irdisches wie Afrika könnte Vorbild sein. Drei Ernten im Jahr, ein Klima so warm, dass man ohne Vorräte sogar besser lebt. Kein Ort zum Faulenzen, sondern um in der Tiefe etwas zu spüren von der Grundversorgung Gottes.

Grundversorgung durch Gott: Zu glauben, dass eine viel größere Kraft das Leben will, dass der, den wir Gott nennen, ein grundlegendes Interesse am Überleben, an gesicherter Existenz seiner Menschen hat.

Er hat uns doch im geschaffen werden begleitet. Er hat doch sogar den Tod als Wendepunkt zum Leben definieren können. Sollte der, der das an uns tut, nicht alles und genug davon zum Leben ermöglichen?

Das ist eine Frage des Seins, nicht des Habens. Wer sein Herz so angesprochen fühlt, kann furchtloser den Alltag mit Höhen und Tiefen angehen, kann Freude tanken und Krise als Angebot zum Wachsen verstehen. Wer sein Herz so gebildet weiß, kann seine Freude wie Vögel an den Himmel werfen, immer wieder neu, weil andauernd die Nacht – die sehr wohl nicht abgeschafft ist – verflattert.

Es geht um Sein, nicht um Haben. Um Existenz, nicht um Absicherung. Es geht um Kraft, Liebe und Besonnenheit, aus deren Quelle der jeweils nächste Lebensschritt gefunden werden kann. Es geht darum, dass unsere dunklen Nächte immer wieder zu Ende gehen.

Es geht um Herzen, die davon wissen und aus diesem Wissen der Welt begegnen, sie verändern.

Natürlich geschieht das nicht von selbst und ohne Not. Natürlich brauchen wir weiterhin Helferinnen in Krisenzeiten. Und wer so weit im Norden lebt, wie wir, braucht Heizung, Steinhäuser und Vorräte.

Ich rede aber auch vor allem von Geist und Seele, die den Leib von innen her tragen, wären und hell machen. Und Geist, Leib und Seele brauchen vor allem auch spirituelle Nahrung, die die Haltung ermöglicht, aus der heraus wir der Welt und ihren Ungerechtigkeiten, Friedlosigkeiten und dem Zerstörungsgeschehen an der Schöpfung entgegentreten.

Herzensbildung, Geist und Seele, sie gehen dem Tun voraus. Nicht unser Tun bestimmt unsere Haltung, sondern unsere Haltung prägt unser Tun.

Und mit einer Haltung aus Kraft, Liebe und Besonnenheit könnte Leben wahr werden, immer wieder, nach jeder Lebensnacht:

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag in deiner Liebe, Herr, wir danken dir.

Amen.

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Gruß zum 15. Sonntag nach Trinitatis am 20. September 2020
von Pastorin Parra

Vorstellung der neuen Konfirmanden im Bezirk Mitte:

Liebe neue Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

„Alle Sorgen werft auf Gott, er sorgt für Euch!“ (1. Petr 5,7, Wochenspruch)

Das könnte man so verstehen: „Allein bekommt Ihr doch nichts gebacken, allein seid Ihr nichts. Ihr braucht jemanden, der für Euch sorgt: Gott.“

Aber es nicht so gemeint, dass wir uns ohnmächtig fühlen sollen, als Versager. Wenn Gott uns einlädt, alle Sorgen bei ihm abzulegen, dann auch gerade die, wir könnten nicht gut genug sein, mangelhaft, schwach, uninteressant für andere oder sogar eine Enttäuschung, wir könnten unser Leben verfehlen und es zu nichts bringen.

Wir können uns sagen lassen: „Du musst keine Angst haben! Du bist gut und richtig genau so wie Du bist. Mit Deinen Stärken und Schwächen, Deiner Freude und Trauer. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.“ (aus dem Lied „Vergiss es nie“ von Paul Janz/Jürgen Werth)

Wir können darum zu Gott sagen: „Ich danke Dir, dass ich wunderbar gemacht bin! Wunderbar sind all deine Werke!“ (Ps 139,14)

Deshalb ist unser Predigttext für heute die Geschichte davon, wie Gott den Menschen und die Welt schuf:

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. 7Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2,4b-9.15)

Gott hat alles so gemacht, dass wir haben, was wir zum Leben brauchen: Auf dem Feld, im Garten wächst, was wir essen können, was uns schmeckt und gut tut. Wir finden Schatten und ein Zuhause. Und Gott macht uns selbst so schön, gut und richtig wie die Blumen in ihrer Pracht. Er setzt uns in den Garten, dass wir ihn bebauen und bewahren, weil wir das können, weil wir hier hin gehören. Alles hier ist schön, gut und richtig, auch der Mensch. Gemacht aus der Erde, aus der auch die Pflanzen wachsen, beseelt mit dem Atem Gottes: Wunderbar gemacht!

Das ist gut so und das stimmt auch noch heute für jeden und jede für uns. Wir wissen aber, wie die Geschichte weitergeht. Da kommt eine Schlange und bringt alles durcheinander. Die Menschen wollen sein wie Gott und machen sich gegenseitig vor ihm schlecht, schieben einander die Schuld in die Schuhe daran, dass sie sich von Gott und seiner Schöpfung abgewendet haben und dass ihnen all das Wunderbare nicht genug war.

Plötzlich gibt es viel Grund zur Sorge. Was doch genug für alle war wird nicht mehr gerecht geteilt. Einige gehen leer aus. Die Menschen vergessen, dass sie die Schöpfung bewahren sollen und machen kaputt, was Gott für sie geschaffen hat.

Und trotzdem soll gelten, was unser Wochenspruch verspricht:  Wirf Deine Sorgen ab. Du brauchst sie nicht. Alles ist da, was Du suchst. Du bist reich, egal, ob mit, ob ohne Geld, denn Du kannst leben?

Stimmt das wirklich? Ist es so einfach? Wer kann schon ganz ohne Geld leben? Vielleicht die Vögel unter dem Himmel - aber wir? Wir müssen doch arbeiten, für die Schule lernen, unsere Mitmenschen beeindrucken, um richtig und gut leben zu können, oder?

Naja, wir müssen irgendwie klarkommen im Alltag. Aber wir können das auch: Du kannst leben! Niemand lebt wie Du!

Das heißt: Lass Dir nicht einreden, wie und wer Du sein sollst. Finde es selbst heraus. Bunt und verschieden sind Eure Wappen, die hier an den Fenstern der Logen hängen. So seht Ihr Euch und das, was jeden und jede von Euch besonders und einzigartig macht. Ihr seid wunderbar gemacht.

Und Sie auch! Was wäre auf Ihrem Wappen zu sehen? Das Wappen der Adelsfamilie Brockdorff zum Beispiel zeigt einen fliegenden Fisch. In der Wappenkunde geht man davon aus, dass diese Familie mit einem schnellsegelnden nordischen Seefahrergeschlecht in Verbindung gebracht wurde. Aber ich finde, das könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass jemand über sich hinaus wächst, Dinge schafft, die er oder sie sich gar nicht zugetraut hätte.

Bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden sieht man Lieblingstiere und -pflanzen,  Sport und Bewegung spielen eine große Rolle, aber auch Symbole wie Weg, Puzzleteil, Schloss...

Was würden Sie zeichnen?

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wenn wir uns jetzt auf den gemeinsamen Weg durch die Konfimandenzeit machen, dann dürfen wir das im Vertrauen darauf tun: Gott hat uns alle, jeden und jede in eigener Weise, wunderbar gemacht. So wollen wir uns auch untereinander behandeln: Als Wunderwerke. Wenn wir neugierig aufeinander sind und auf das, was wir von Gott und von der Welt wissen, wenn wir uns gegenseitig davon erzählen, dann wird uns das bewusst machen, wie reich beschenkt wir sind – auf ganz verschiedene Weise. Dann tun sich uns gemeinsam neue Welten auf.

Wir können die Sorge ablegen,  wir müssten uns selbst erfinden und stattdessen selbst entdecken: Ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu, das seid Ihr - jeder und jede für sich -  und gemeinsam könnt Ihr viel bewegen, könnt bebauen und bewahren: Euch einsetzten für Gerechtigkeit und Frieden, für die Umwelt und noch viel mehr. Was genau? Finden wir es gemeinsam heraus!

Eure und Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 14. Sonntag nach Trinitatis am 13. September 2020
von Prädikant Klütz

Lukas 17, 11 - 19

 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.   Amen.


Liebe Gemeinde,

was für eine Geschichte mitten in dieser Stadt Jericho! Menschen sind unterwegs; das Leben pulsiert.
Mittendrin jener Zachäus - ein Mensch, sozial wie religiös anrüchig. Den sieht man doch nicht an.
Doch im Tiefsten seines Herzens bleibt Zachäus neugierig: Dieser Jesus ist in der Stadt. Von ihm hat er schon viel gehört: von seiner Barmherzigkeit, von seiner Art, die Menschen von ihrer Schuld zu befreien. Diesen Jesus will er sehen. Zachäus weiß sich zu helfen. Durch Hindernisse lässt er sich von seinem Plan nicht abbringen. Auch vor unkonventionellen Lösungen schreckt dieser Zachäus nicht zurück.
Und dann - auf diesem Maulbeerfeigenbaum - geschieht das Unfassbare: Zachäus sieht, wie Jesus ihn wahrnimmt und sein Gast sein will. Damit hat niemand gerechnet. Zachäus nicht und auch die Menschen von Jericho nicht.
"Mit solch einem setzt man sich doch nicht auseinander. Vielleicht könnten wir ihn missionieren. Aber, ob das einen Sinn hätte?", murren die Menschen von Jericho. Und nun plötzlich wird Zachäus gesehen, wird wahrgenommen von Jesus.
Ich werde als wirklicher Mensch gesehen, mit all meinen Sorgen und Freuden! Hier wird wirklich hingeschaut. Der Blick bleibt nicht an der Oberfläche hängen. Der genauere Blick legt frei, was in mir bereits angelegt ist, aber noch nicht ganz gelebt wird.
Mein Leben wird nicht mehr auf Vergangenes und Gegenwärtiges eingeengt.  Veränderungen sind jetzt möglich!
Jesu Blick verändert Zachäus in aller Freiheit: Raus aus der Sackgasse seines Lebens. Abbiegungen wagen. Dem Leben einen neuen Sinn geben. Dem Leben Licht geben - und nicht nur Grautöne.
Zachäus lässt sich verändern. In alle Freiheit! Und darin sehe ich sein Heil!
Zachäus wird nicht gezwungen, auf den Baum zu steigen, um diesen Jesus aus der Nähe zu sehen.
Er steigt auf diesen Baum, um seiner Hoffnung auf diesen Jesus Ausdruck zu geben. Zachäus wird nicht gezwungen, Jesus in seinem Haus als Gast aufzunehmen. Er tut es freiwillig und mit Freude. Und Zachäus wird nicht gezwungen, sein Leben zu überdenken und zu ändern. Er tut es in aller Freiheit, in seinem Glauben an diesen barmherzigen und Freiheit schaffenden Jesus Christus.
Zachäus hat "Ja!" gesagt - zu diesem liebevollen Blick des Christus´, zu dieser Liebe Gottes, die auch ihm - Zachäus - gilt.
Zachäus ist voller Freude in der Mitte seines Lebens angekommen.

Von dieser Freude des Zachäus zum Leben dürfen wird uns alle anstecken lassen - auch und gerade zu dieser Zeit in dieser Welt!     Amen.

 

Herzliche Segensgrüße!

Ihr und Euer Prädikant Hans-Joachim Klütz

 

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Gruß zum 13. Sonntag nach Trinitatis am 6. September 2020
von Pastor Kroglowski

 

Aufbruch - „in Liebe“

Liebe Gemeinde,

nach den Sommerferien öffnen nun auch wieder unsere Gemeindehäuser für kleinere Formen von Andachten und Gottesdiensten; auch unsere Chorarbeit kann wieder beginnen. Wir feiern Konfirmationen und Taufen im kleinen Kreis oder kommen zu unseren Familien in die Häuser und Gärten. Kleine Schritte. Für viele Menschen in unsrer Gemeinde sind dies gute Wege. Manchen geht es aber auch zu langsam. Die Geduld lässt nach.

Ich finde diese behutsamen Schritte sind richtig. Sie denken und führen über den Tag hinaus. Schon zu Beginn der Pandemie haben wir gesagt: „Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor der Corona Zeit.“ Das stimmt! Und die Viruserkrankung zu verleugnen oder zu verharmlosen ist brandgefährlich. Aber wie wird es kommen? Wir alle wissen es noch nicht. Es ist wie ein Fahren auf Sicht. Die vorsichtigen, geduldigen, umsichtigeren und liebevollen Wege führen in die Zukunft.

Daran werden wir auch durch die biblische Geschichte vom bramherzigen Samariter (Lukas 10,25-37) an diesem Sonntag erinnert: Da fällt ein Mensch unter die Räuber; liegt am Boden; wird halbtot geschlagen. Zwei Menschen rennen an der Katastrophe vorbei. Sie werden vielfältige Gründe haben. Einer ihrer Gründe ist sicherlich auch ihre Ungeduld. Denn dem kranken und halbtoten Menschen ist auf die Schnelle nicht zu helfen. Es braucht Zeit und Geduld. Ein Samariter erkennt die Lage; nimmt sich Zeit und sieht den halbtoten Menschen am Wegesrand an. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Er verbindet die Wunden des Kranken, hebt ihn auf sein Lasttier; bringt ihn in eine Herberge und pflegt ihn.

Heilung und neue Anfänge brauchen Zeit und sie geschehen allein aus der Liebe Gottes heraus.

In einem afrikanischen Land hatte ein Bibelübersetzer beinahe seine ganze Arbeit getan, aber vergeblich nach einem Wort für „lieben“ gesucht. Das ist schlimm, denn was ist die Bibel ohne dieses Wort. Er war fast soweit sich sein Scheitern einzugestehen. Da beobachtete er wie ein junger Mann zu seiner Braut sagte: „Ich sehe dich.“ Da wurde ihm klar: „Ich sehe dich“ und „ich liebe dich“, das ist ein und dasselbe. 

So hat der Samariter die Notlage des Kranken gesehen und erkannt und mit der nötigen Zeit und Geduld aus Liebe gehandelt. Nehmen wir uns die Zeit genau hinzuschauen, welche Wege die richtigen sein könnten. Manchmal sollte man aus Liebe den Kurs auch neu setzen.

Vertrauen in diese Liebe Gottes schafft Aufbrüche, weil Gott uns sieht und kennt mit unserer Geduld und Ungeduld. Wir sind nicht allein und hilflos. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig, denn Neues kommt. Und wir können handeln mit der Liebe im Herzen, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es geduldig an!

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 11. Sonntag nach Trinitatis am 23. August 2020
von Pastorin Parra

 

Liebe Gemeinde,

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“, so heißt es im Wochenspruch (1. Petr 5,5b).

Mit Worten wie „Hochmut“ und „Demut“ können viele heute nicht mehr viel anfangen. Bedeutet ein Verbot von Hochmut etwa, dass ich nicht stolz und zufrieden sein darf, wenn mir etwas gelingt? Oder eine Aufforderung zur Demut, dass ich nur ordentlich unterwürfig gegenüber Gott sein muss und dann kann ich mich ansonsten so benehmen wie ich will?

Das heutige Evangelium (Lk 18,9-14) illustriert sehr anschaulich, was gemeint ist: Jesus wendet sich an eine Gruppe von Menschen, die überzeugt sind, fromm und gerecht zu sein und die die anderen verachten. Er erzählt ihnen ein Gleichnis: Zwei Menschen besuchen den Tempel und beten: Ein Pharisäer (das heißt ein Gesetzestreuer, einer, der alle Gebote befolgt, nicht stiehlt, andere gerecht behandelt, die Ehe nicht bricht, mehr als nötig fastet und spendet) und ein Zöllner (einer, der für die römischen Besatzer Steuern eintreibt und dabei einen gehörigen Anteil in die eigene Tasche steckt). „Ich danke Dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, nicht wie dieser Zöllner“, so betet der Pharisäer. Der Zöllner sagt nur mit gesenktem Blick: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Und obwohl der Pharisäer doch alles richtig gemacht hat, schenkt Gott ihm keine Gnade. Die bekommt nur der Zöllner – der Betrüger und Kollaborateur.

Das Setting eines Besuchs im Gotteshaus ist für die Menschen damals wie für uns heute vertraut: Auch die Stadtkirche ist tagsüber geöffnet. Wenn ich hier etwas vorbereite, treffe ich ganz verschiedene Menschen: Pilgerinnen, Urlauber, Marktbesucherinnen, Nachbarn aus der Seniorenwohnanlage, feine Damen und eher ärmlich gekleidete Menschen, Leute jeden Alters. Sie kommen auch in ganz verschiedene Absicht: Zur Besichtigung, um eine Kerze für jemanden anzuzünden oder ein Dankgebet in das ausliegende Buch zu schreiben, um die Stille zu genießen, oder vielleicht auch, um den Opferstock zu knacken, wie es offenbar schon manchmal passiert ist.

Ganz verschieden sind auch die Gebete, die Menschen in das Buch schreiben. Sie danken für Familie und Gesundheit, für Heilung, Freude und für die Natur, bitten um Hilfe in Schmerz und Leid, um Frieden und Ruhe, gelingende Partnerschaft und ein gutes Zuhause.

Welches ist jetzt das richtige Gebet? Wer von ihnen ist gerechtfertigt nach Hause gegangen, welcher nicht?

Im Wochenspruch erfahren wir: Demütig soll die Haltung des Betenden sein. Der Zöllner hat seinen Blick gesenkt und wagt nicht aufzublicken zu Gott. Jetzt könnte man meinen: So sollen wir beten: gesenkten Hauptes, auf Knien vielleicht, schuldbewusst und zerknirscht. Solche Sätze wie „Ich danke Dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin!“ (Ps 139,14) wären dann nicht möglich.

Wer das meint, versteht das Gleichnis falsch. Wir als Protestanten wissen: „Aus Gnade sind wir gerettet durch Glauben und nicht aus uns, sondern Gottes Gabe ist es!“ (Eph 2,8) Wir können Gottes Wohlwollen nicht verdienen durch das, was wir tun – weil er es uns schenkt! Aber das heißt nicht, dass es verboten wäre, Gutes zu tun und stolz zu sein, wenn einem das gelingt. 

Hochmut beginnt erst, wo andere herab gewertet werden, wo wir uns für etwas Besseres halten und meinen, wir kämen ohne Gott aus. In Psalm 139 heißt es nicht nur „Ich danke Dir, dass  ich wunderbar gemacht bin“, sondern auch: „Wunderbar sind alle Deine Werke. Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter!“ Der Psalmbeter versteht sich als Teil der guten Schöpfung Gottes. Es geht nicht um besser oder schlechter. Alles Geschaffene ist gut, aber alles auch begrenzt und angewiesen auf Gott. Vor ihm können wir nicht fliehen. Auch wenn wir uns im Finstern verstecken: Bei ihm ist selbst die Finsternis Licht.

Das zu erkennen, ist Demut. „Mut zum Dienen“ bedeutet das alte Wort. Mut, nicht unser eigener Herr zu sein, sondern unsere Begrenztheit zuzugeben und uns Gott anzuvertrauen mit all dem, Gelingenden in unserem Leben, aber auch mit dem Scheitern.

Die Menschen, die Gebete in das Buch in der kleinen Kirche schrieben, taten das je auf ihre Weise. Mal haben sie aus tiefer Not zu Gott geschrien, mal gedankt für das Glück, das Gott ihnen zuteil werden ließ. Beides taten sie im Vertrauen auf Gott, in Demut.

Das Gleichnis sagt also nichts darüber, was wir müssen oder nicht dürfen, sondern es erklärt, was wir nicht müssen und was wir dürfen: Wir können und müssen nicht immer alles richtig machen. Wenn er ehrlich ist, kann auch der Pharisäer aus unserer Geschichte nicht. Auch in seinem Leben gibt es sicher Dinge, die nicht perfekt sind. Wir müssen auch nicht permanent zu Kreuze kriechen wie der Zöllner und alle Freude über Gelingendes verleugnen. Wir dürfen vielmehr dazu stehen, dass wir wunderbar gemacht sind und dennoch Zuflucht nehmen zur Gnade Gottes, dürfen jeden Tag mit ihm neu beginnen, so auch diesen!

„All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag!“        (Johannes Zwick, EG 440,1)

 

Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 10. Sonntag nach Trinitatis am 16. August 2020
von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,

so spreche ich Sie heute zum ersten Mal als Ihre Pastorin an, nicht mehr als Gast, als Bewerberin oder als Vertretung, sondern ganz richtig als Ihre Pastorin. Gut fühlt sich das an und wie Angekommensein. Ja, wir Menschen haben keine bleibende Stadt in dieser Welt, aber irgendwo müssen wir uns niederlassen für die Zeitspanne, die uns auf dieser Erde geschenkt ist. Diesen Ort hier habe ich mir dafür ausgesucht, diese helle freundliche Kirche am See, diese offenen und hilfsbereiten Menschen, die ich hier schon kennen gelernt habe. Und Sie haben mich ausgesucht. Dafür bin ich dankbar und hoffe sehr, dass ich einlösen kann, was Sie sich von mir versprechen. Einen wichtigen Auftrag sehe ich darin, die Botschaft der Bibel so zu Gehör zu bringen, dass sie Ihre Herzen erreicht.

Dafür gibt es kein Patentrezept. Manche sagen: Man braucht moderne Worte und Bilder. Manche sagen: Man muss in sich hineinhorchen, was der Heilige Geist einem eingibt. Beides stimmt sicher und doch gibt es niemals eine Garantie, dass es gelingt.

An diesem Israelsonntag ist vorgesehen, dass ich über einen Text aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom predige. Dort heißt es im 11. Kapitel:

Altar der Stadtkirche PreetzIch will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
(Röm 11,25-32)

Das Volk Israel, Erwählung, Berufung, Verheißung und die Frage nach Gottes Plan –  Dies Thema scheint so weit weg zu sein an einem Sommersonntag wie diesem im kleinen aber feinen Preetz, wo es wenig Möglichkeiten gibt, Menschen jüdischen Glaubens zu begegnen.

Auch vor dem Holocaust war das nicht anders. In meiner vorigen Gemeinde im Hamburger Grindelviertel zeugen fast vor jedem Haus sogenannte Stolpersteine auf den Gehweg von Menschen, die wegen ihrer Verbindung zum Volk Israel ermordet wurden.

Der Preetzer Stadtchronist, Herr Pauselius, hat mir von zwei Frauen berichtet, die hier in Preetz während der Zeit des Nationalsozialismus als Jüdinnen verfolgt wurden. Ganz verschieden war ihr Schicksal. Die eine lebte am Schellhorner Berg in einer Nervenheilanstalt: Martha Blumenfeld. Sie wurde ganz sang- und klanglos abgeholt und niemand hatte sie vermisst oder sich für sie eingesetzt. Die andere, Elsa Hirsch – später Brumm –, wohnte mitten in Preetz, arbeitete für einen Zulieferbetrieb für landwirtschaftlichen Bedarf. Ihr Chef wollte sie gerne heiraten. Sie war Teil der Stadtgemeinschaft, wurde gewarnt, wenn sie abgeholt werden sollte und überlebte. So mächtig waren die sozialen Strukturen hier. Man kannte und verstand sich und war so bereit, viel füreinander zu riskieren.

Seinen Gott lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele und den Mitmenschen wie sich selbst, das ist das höchste Gebot, da sind sich Jesus und der jüdische Schriftgelehrte in unserem Evangelium einig. Wer das weiß, ist nicht fern vom Reich Gottes und doch bleibt die Frage: Wie geht das? Können wir Menschen das?

Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit! So können Juden und Christen beten, wissend, dass sie sich so oft selbst am meisten lieben. Christen fühlen sich herausgeführt aus dieser Sackgasse durch Gottes Gnade in Jesus Christus, der für sie der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Martin Luther hat nicht verstanden, warum Juden, denen er von der Gnade in Jesus Christus erzählt hatte, sich nicht zum Christentum bekannt haben, hat sie aufs übelste beschimpft. Paulus scheint mir an dieser Stelle weiter gewesen zu sein. Er schrieb: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

Gott hält zu seinem Volk Israel. Er selbst wird auch ihnen den Weg weisen. Auch wenn Gottes erwähltes Volk das Evangelium, die Frohe Botschaft, nicht annimmt, wird es dennoch von Gott errettet. Was nicht ins Konzept unseres christlichen Glaubens passt – bei Gott ist es möglich! Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod. So sind die Juden ganz enge Geschwister der Christen im Angesicht der Barmherzigkeit Gottes, auch wenn wir auf verschiedenen Wegen gehen.

Manchmal denke ich, dass eigentlich jeder Mensch nur sich selbst wirklich versteht, ja nicht einmal das. Gottes Wort so zu Gehör bringen, dass es die Herzen der Mitmenschen bewegt, geht das überhaupt? Ist es nicht vielmehr so, dass in dieser Welt allem Verstehen zwischen Mensch und Mensch Grenzen gesetzt sind, dass wir einander alle auf eine gewisse Weise fremd bleiben? Jedes Gespräch über den Glauben bleibt ein Tasten und Suchen und geleitet von der Sehnsucht, den Zwischenraum zu überwinden. Da könnte man meinen: Versuchen wir Christen doch erst einmal, einander zu verstehen im Hier und Jetzt, bevor wir mit Juden oder gar mit Muslimen in Dialog treten, bevor wir Geschichte aufarbeiten.

Ich sehe das anders: Paulus erklärt den Römern wie ihr Schicksal unauflöslich mit dem der Israeliten verwoben ist und beide einander zur Erlösung brauchen. Wir Menschen brauchen überhaupt das ganz andere, das Gegenüber –  das Du –  um uns selbst –  unser Ich –  zu verstehen.

Darum und auch besonders aufgrund der schrecklichen Dinge, die überall in diesem Land gedacht, gesagt und getan worden sind, kann alles Reden über „die Juden“ nur falsch sein. Wir brauchen ein Reden miteinander. Wir brauchen nicht nur die Momente der Übereinstimmung, in denen wir uns wie Jesus dem Schriftgelehrten im Evangelium attestieren: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes!“ Nicht nur Momente  in denen wir von der Rettung der Elsa Brumm sprechen, sondern auch die Momente, in denen wir schmerzlich an die Grenzen des Verstehens stoßen, in denen wir unser Scheitern, unsere Schuld feststellen und umkehren. Wir bräuchten auch eine Martha-Blumenfeld-Straße.

Wir brauchen heute, so meine ich, auch einen Dialog mit muslimischen Menschen, die in unserer Stadt leben und nicht nur eine Übereinstimmung im Allgemein-Menschlichen, sondern wir müssen versuchen, uns gegenseitig das Wort des Gottes Abrahams und Jakobs Gott und Heil so zu sagen und voneinander zu hören, dass es das Herz erreicht. Unmöglich? Vertrauen wir doch darauf, dass Gott größer ist als all unsere Vorstellungskraft und dass bei ihm möglich ist, was bei uns Menschen nicht möglich ist. Halten wir uns nicht selbst für klug.

Dialog und Aufarbeitung dessen, was Menschen trennt, sind schon ein großes Thema in dieser Gemeinde: Der siebenarmige Leuchter, die Menora im Altarraum zeugt davon, wie Propst Sonntag und Pastor Fölster den Dialog mit dem Judentum hier in dieser Gemeinde gepflegt haben. Die Evangelische Jugend setzt sich verstärkt historisch und politisch mit dem Problem Rassismus auseinander.

Noch bin auch ich Ihnen und Sie mir ein wenig fremd. Wie kann ich es mir anmaßen, den richtigen Ton zu treffen, damit das Wort Gottes Ihr Herz erreicht? Ich denke, es kann nur dann gelingen, wenn wir das Fremde als Chance begreifen, unseren Horizont zu erweitern, wenn wir neugierig aufeinander sind und uns nicht selbst für klug halten, wenn wir wissen: Wir sind Geschwister im Angesicht der Barmherzigkeit Gottes.

„Ach, ich bin viel zu wenig zu rühmen seinen Ruhm“, so dichtet Paul Gerhard. „Der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt ist’s billig dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.“

Weil wir zu Gott gehören und er uns schon erwählt hat, können wir beherzt losgehen auf dem Weg, den er uns weist, dürfen wir uns anmaßen, zu wählen, was gut für uns ist. Dazu gehört es, Irrwege zu gehen und dies Recht auch anderen zuzugestehen, Wege der anderen nicht zu verurteilen, aber dennoch miteinander zu ringen um den richtigen Weg. In geschwisterlicher Nächstenliebe dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott jedem Menschen den Weg weist, den er ihm und ihr bestimmt hat. Unsere Wege haben uns hier zusammengeführt. Berufung? Verheißung? Gottes Plan? Ich jedenfalls bin froh darüber und gespannt, was wir einander zu sagen haben und worauf wir gemeinsam hören werden.

Amen

 

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Gruß zum 9. Sonntag nach Trinitatis am 09. August 2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede  von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, der Predigttext für den heutigen Sonntag steht unter der Überschrift Jeremias Berufung.

Bei Jeremia, Kapitel 1, Verse 4-10 heißt es:

4 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

 

Denk Dir ein Bild …

 … weites Meer. Ein Segelschiff setzt seine Segel und gleitet hinaus auf die offene See. Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird. Am Horizont, wo Wasser und Himmel zusammenkommen, verschwindet das Schiff. Jemand, die das sieht, sagt: Nun ist es gegangen. Aber von der anderen Seite des Horizonts sagt ein anderer: Es kommt. So ist der Tod ein Horizont und die Grenze unseres Erkennens. Und während wir noch an der Grenze unseres Erkennens um Menschen trauern, freuen sich die hinter der Grenze, sie wiederzusehen.

Hat die Berufung des Jeremia das Weiterzählen solcher Bilder vor Augen gehabt? Trösten, den Tod als Horizont verstehen lernen, das Wandern des Lebens durch die Räume verstehen können? War das der Plan, als Gott den jungen Jeremia, den er schon kannte, bevor er im Mutterleib bereitet war, auswählte … und zum Propheten über die Völker bestellte?

Ist es Gottes Absicht, solche und vergleichbare Worte in die Münder seiner Propheten und Predigerinnen zu legen, damit nach dem Ausreißen und Zerstören der Welt immer neu Bauen und Pflanzen kommen kann?

Ich kann mir das vorstellen. Mein Bild von Gott ist so ein menschennahes, zugewandtes, Zukunft bauendes.

Dafür begegnet Gott Menschen, dafür begegnet Gott uns in Menschen, berührt uns durch sie, bringt uns immer neu auf den Weg.

Und wenn eine oder einer das kaum glauben kann, z.B. weil sie oder er sich für zu jung hält, sagt Gott „doch“, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Gott traut zu, nimmt ernst, hat doch die Menschen als seine Gegenüber geschaffen, als Ausdruck seiner Liebe zum Leben.

Ich verstehe ihn so, dass er immer neu die Hoffnung hegt, dass dieser Funke überspringt, Menschen sich berufen, beauftragt, stark gemacht fühlen, auf diese Art zu den Anderen zu gehen und sie mit dieser Hoffnung anzustecken und zu ermutigen.

Zugegeben ist diese Sicht auf die Berufung des Jeremia ein Stück weit entfernt von dem Leben des sogenannten großen Propheten, der damals unter Einsatz seines Lebens an Königshöfe zog, um Gottes Unheil über die Abtrünnigen anzukündigen. Und nicht zuletzt ist Jeremia ja auch einer, der die Israeliten an den Ufern Babylons hat weinen sehen, weil eben die politischen Konsequenzen aus dem Verhalten der israelitischen Könige grausame Folgen hatten.

Tatsächlich war es aber auch damals das eigentliche Erfolgsrezept der Propheten, denen, die in Tränen aufgelöst die verlorene Heimat betrauerten, immer neu Hoffnung auf Rückkehr und Zukunft zu machen – eine Hoffnung, die sich übrigens über die Generationen erfüllt hat.

Und so gehört zwar der scharfe Protest gegen Unrechtsregimes damals wie heute zur Aufgabe der Christen. Aber das eigentlich Tragende, dass wir zu verkünden haben ist nicht die bessere Weltordnung, sondern das Fortbestehen, bzw. dass immer neu Aufwachsen der Hoffnung mitten in den Irrwegen und Katastrophen des Lebens.

Christen sind nicht die Besseren, noch nicht einmal die besseren Politikerinnen – auch nicht, wenn sie prophetisch beraten werden. Stattdessen sind sie die mit der unverlierbaren Hoffnung, mit dem Mut, der nicht aufgeben muss, wie die Realität auch aussehen mag, mit der Liebe, die sich vielleicht irritieren aber am Ende nicht beirren lässt und dem Leben treu bleibt.

Das bedeutet realpolitisch, dass Christinnen und Christen immer wieder dem Rad der Geschichte in die Speichen fallen, einer Gesellschaft, die sich verzettelt, die Leviten lesen, vor allem aber denen, die aufgeben wollen, von der Zeit nach dem Kreuz erzählen, die es für die Welt allein ohne Gott und sein Kind nicht gäbe.

Denk Dir …

…. das Schiff … und die auf der anderen Seite des Horizontes erwarten es. Das ist etwas, was die Welt ohne Gott nicht aussprechen kann.

Am Ende, das ist Jeremias Hoffnung, wird sich die Gerechtigkeit Gottes durchsetzen.

Dafür brauchen wir den, der schon immer, also auch bei Jeremia und bei uns sein Wort in unseren Mund legt, damit wir vom Leben und der Hoffnung weitergeben.      

Amen.

 

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Gruß zum 8. Sonntag nach Trinitatis am 02. August 2020
von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,
haben Sie in den letzten Wochen einmal bewusst sich die Wolken angeschaut?

Vielleicht nicht. Sie sind ja einfach da und ziehen über uns hinweg.

Aber gerade die aktuelle Wetterlage der letzten Wochen mit Schauern und einem ständigen Wetterwechsel haben wunderbare Wolkenbilder an den Himmel gezaubert.

Und dann noch darunter das reife Getreide. Schöner geht es nicht.

„Himmel Erde Luft und Meer“ hat Joachim Neander 1680 gedichtet. 150 Jahre nach der Reformation. Gut 40 Jahre nach dem Dreißig jährigen Krieg, der schlimmes Leid über die deutschen Lande gebracht hat.

Und das als Krieg der großen Konfessionen – im Namen Gottes? Der Glaube der Menschen kurz vor der Aufklärung durchlebte mal wieder eine schlimme Krise. Aufgeweicht. Verweltlicht. Zweifelnd. In dieser Verunsicherung prägen, wie wir heute sagen würden, die Frommen, viele Gemeinden. Erweckung. Pietismus. Ganz nah bei Jesus und bei Gott.

Das half. Die Lieddichtungen, so auch unser Lied heute, schärfen unseren Blick für eine neue Sicht der wunderbaren Schöpfung. Gott in der Natur nicht weit weg, sondern ganz nah erleben.

1680- noch keine Klimadiskussion. Keine verschmutzten Gewässer. Keine Sorge vor dem Artensterben. Gut, so etwas, was wir im Moment mit Corona erleben, kannte man schon durch Pest und Cholera. Übrigens, der Lieddichter selbst, Johann Neander starb schon mit 30 Jahren, viel zu früh. An der Pest. Aber die wenigen Jahre vorher hat er genutzt, zu predigen und zu dichten.

Natürlich war die Verbundenheit mit der Natur ohne große Städte und Industrie noch viel unmittelbarer.

Nun leben wir nicht mehr im Jahre 1680. Aber ein Blick heute mit Worten einer sehr ernsten Glaubenseinstellung, tut immer wieder gut. „Himmel, Erde“ – damit fängt es an. Wie gut, dass wir nicht nur unseren Blick deprimiert nach unten richten müssen, sondern nach oben schauen dürfen. Dass unser Herz weit werde. Der Kopf hoch. Der Rücken gerade. Himmel – Erde – Leben zwischen zwei Polen, nicht nur abheben und wegträumen gen Himmel , sondern mit beiden Beinen auf der Erde bleiben, aber wenn es hier zu schwer wird, auch eine Offenheit, eine Freiheit und Weite vom Himmel, von Gott her spüren.

Und es ist wie mit den Wolken. Leben, nie gleich, immer in Bewegung. Wie das Leben heute so, morgen so.

Luft und Meer wer hat es nicht selbst erlebt, diese Kombination aus Wind, Wasser, Wellen, Sturm und Gischt. Zwar schon manchmal bedrohlich, aber auch faszinierend.

Alles, so dichtet Neander zeugt von Gottes Schöpfung. Und wir sind eingeladen, trotz Corona, trotz Katastrophen und Zerstörungen in der Natur, Gottes Schöpfung zu loben.

Hier drinnen. Du meine Seele singe. Schade, dass wir das jetzt nicht können. Singen. Dafür lädt die Orgelmusik uns ein, mit zu schwingen, vielleicht auch vorsichtig leise zu summen.

Dem Lob am Anfang des Liedes folgt fünf Mal der Auftrag, die Einladung, die Ermutigung, vielleicht auch ein Stück die Mahnung:  Seht. Seht. Schaut hin. Augen auf. Wirken lassen. Tag und Nacht. Gerade in der letzten Woche konnten wir das unglaublich eindrucksvoll erleben, wie sich das Sonnenlicht Bahn bricht durch die Schauerwolke. Ein schönes Symbol. Licht bricht sich immer wieder Bahn. Hoffnung. Zuversicht.

Und ebenso das Licht in der Nacht. Mitten in der Coronakrise kurz vor Ostern haben wir den Vollmond besungen. Das hat uns verbunden in dieser schweren Zeit.

Morgen ist wieder Vollmond. Licht in der Nacht. „Seht wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall Wälder, Felder, jedes Tier, zeigen Gottes Finger hier“. Seine Schöpfung. Seiner Hände Werk. Uns anvertraut? Gut Neander brauchte sich 1680 noch nicht fragen, was wir aus der anvertrauten Schöpfung gemacht haben. Aber wir müssen es.

Dann der Blick nach oben, Vögel, Blitz und Donner, Hagel Wind. Dieses Ausgesetzt sein den Naturgewalten haben die Menschen um 1680 natürlich noch viel unmittelbarer erlebt, ohne Blitzableiter, Zentralheizung und ein festes Dach über dem Kopf. Bewunderung das eine, aber auch Respekt gegenüber den Naturgewalten. Eine Balance, über die heute nur noch wenige nachdenken.

Das Wasser – wie wunderbar ist es zwischen den Meeren zu leben. Das Wasser vor der Haustür zu haben. Vielleicht haben Sie das früher auch einmal gemacht, in den Bergen, Quellwasser sprudeln gesehen und sich daran erfrischt.

Ja , in diesen Worten ist ein gläubiger Mensch wie Neander berauscht, erfüllt, schaut genau hin und lädt uns ein, es ihm nach zu tun.

Und am Schluss, schließt sich der Kreis zwischen der ersten und letzten Strophe. Hier drinnen, in unserer Seele soll das Wunder der Natur Resonanz finden

„Drücke stets in meinem Sinn, was du bist und was ich bin.“

Das ist wichtig. Die Verbundenheit aber auch der Abstand. Was du bist – wir sind Geschöpfe, nicht Schöpfer –lange genug hat der Mensch diese Grenze schon längst überschritten und muss zunehmen mit den Folgen leben.

Was ich bin, nicht ein kleines Sandkorn, nicht  ein Nichts, wie es an anderen Stellen oft heißt. Sondern ein Teil des Ganzen. Ein ganz wichtiger.

Lebendig: Eingebunden in diese Natur. Und das gibt mir Kraft auch in schweren Zeit.

Amen

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 Gruß zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 26. Juli 2020
von Pastorin Pfeifer


Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, 1.Tim 1,7

Dieses Wort, liebe Leserinnen und Leser, ist mir in den letzten Wochen und Monaten, die für uns alle durch den Coronavirus geprägt waren, immer wieder durch den Kopf gegangen.
Lock down, erste vorsichtige Öffnungen, Abstandsgebote und Maskenpflicht.
Traurige Zeiten für Senioren in den Pflegeheimen und Ihre Angehörigen, schwierige Zeiten für Familien, Jugendliche und Kinder. Finanzielle Engpässe, berufliche und wirtschaftliche Sorgen. Viele von uns kennen das. Und dann dieses Wort:

Gott hat uns nicht gegen den Geist der Furcht!

Dabei haben wir doch immer wieder allen Grund uns zu fürchten. Schon deshalb, weil Furcht oder Angst kreatürlich sind und ganz sicher ein wichtiger Bestandteil im himmlischen Schöpfungsplan. Weil Angst oder Furcht Leben erhalten und schützen. Denn erst die Angst gibt den Impuls, bei Gefahr möglichst schnell wegzulaufen oder vorsichtig zu sein. Darum sind Angst oder Furcht auch erstmal richtig und gut. Solange sie lebenserhaltend und lebensförderlich sind.
Und das gilt auch bei Corona. Eine gesunde Portion Angst liefert den Impuls uns selbst und auch andere vor dem Virus zu schützen. Also: „Abstand halten und Maske auf! Oder „Nach dem Ausflug vor dem Essen, Hände waschen nicht vergessen!“ Gut so.
Schwierig werden Angst oder Furcht aber dann, wenn sie uns über einen längeren Zeitraum nicht mehr nur schützen, sondern uns lähmen, regieren und innerlich gefangen halten. Wo Angst oder Furcht uns so sehr beherrschen, dass wir längerfristig unglücklich sind oder uns einigeln und dadurch Chancen und Möglichkeiten, die das Leben bereithält, verpassen. Gott sei Dank gibt es in diesem Fall gute und auch professionelle Hilfe.
Manchmal hilft aber auch schon der Glaube und das Vertrauen auf Gott. Die Hoffnung und Zuversicht, dass Gott sich dem, was uns Angst macht, entgegenstellt.
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!
Was das bedeutet möchte ich nun mit ein paar Gedanken entfalten.

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht…sondern der Kraft

Gott ist und bleibt eine beständige Quelle der Kraft.
Manche Menschen spüren das im Gebet, wenn sie sich darin von Gott gehalten und getragen fühlen und dabei erfahren: Ich bin nicht allein. Gott ist bei mir und mit mir, was auch immer geschieht, um mich zu halten, zu tragen und mir zu helfen.
Andere erleben die Kraft Gottes durch andere Menschen, die auch in Coronazeiten durch eine Nähe auf Abstand, da sind, nah sind, raten und helfen oder Einkäufe machen, wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist.
Durch ein Telefonat, das mich auf andere Gedanken bringt , wenn ich mal etwas anderes höre oder auch erzählen kann und mir mal von der Seele reden kann, was mich ärgert oder bedrückt.
Manchmal ist auch die Natur eine Quelle der Kraft. Dem Ziehen der Wolken hinterherblicken, den Bildern nachblicken, die den Himmel durchziehen. Einen Spaziergang oder eine Radtour machen durch unsere herrliche Landschaft; am Rand der Kornfelder auch wieder Kamille, Kornblumen oder Mohnblumen entdecken oder beobachten wie der Wind durch die Kornfelder oder über die Weiden zieht. Sich an den Sommerblumen erfreuen und auf das Summen und Brummen lauschen oder die Bienen und Hummeln beobachten, die daraus ihren Nektar ziehen. Das Wunder der Schöpfung bestaunen und neu begreifen und dabei ganz von allein eine innere Freude empfinden. Oder auch schnell mal eben, selbst bei niedrigen Temperaturen, ins Seewasser springen und dabei merken: Das gibt Kraft und erfrischt!

Gott hat und nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe.

Und dann ist da ja auch noch die Liebe!
Dieses Bollwerk gegen die Furcht, mit der Gott uns liebt und beschenkt, sodass wir selber schon immer geliebt sind und geliebt werden.
So, wie Gott das jedem von uns bei der Taufe sogar ganz persönlich zugesagt und versprochen hat.
Und uns damit beschenkt, auch selber zu lieben und lieben zu können.
Liebe, die spürbar wird in ganz unterschiedlicher Weise und in ganz vielen, verschiedenen Facetten. In einem lieben Brief, einer wohltuende WhatsApp oder einer Email, die mir zeigt, dass jemand da ist, der an mich denkt.
Liebe, die in uns wieder lebendig wird, wenn wir an einen lieben Menschen denken, der vielleicht längst schon gegangen ist; dessen Liebe aber immer noch die Kraft hat unser Herz zu wärmen , wenn wir an Begegnungen und Erlebnisse denken, in denen wir uns nah waren , die einfach schön waren und gut getan haben. Fröhliche Feiern, besondere Momente , innige Augenblicke.
Aber auch Liebe, die plötzlich und unerwartet um die Ecke biegt und uns entgegen springt in dem glucksenden Lachen eines Kindes, einer kleinen Hand, die sich in unsere große scheibt oder die uns begegnet in dem fröhlichen Winken der Nachbarin oder in einer Melodie, die uns beschwingt und beflügelt.
Wunderbar die Vielfalt der Liebe selbst in kleinen ganz unerwarteten Momenten oder Gesten. Und darin zu spüren und zu erfahren, dass das Leben immer noch und trotz allem anderen lebens- und liebenswert ist.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Wichtig für uns wohl gerade in diesen Coronazeiten ist die besondere Gabe der Besonnenheit, mit der Gott uns beschenkt. Die es uns ermöglicht, in Ruhe nachzudenken und besonnen zu handeln. Wo immer wir sind. Zu Hause, in der Familie, unter Freunden, beim Einkaufen auf dem Markt, in der Kirche und der Kirchengemeinde. Gar nicht so einfach bei plötzlichen Begegnungen an diesen Sicherheitsabstand zu denken, der einfach blöd ist und nervt, weil wir uns doch viel lieber in den Arm nehmen wollen oder es doch gewohnt sind ,uns oft und gerne die Hand zu geben. Immer wieder heißt es, sich selbst gegen das eigene Empfinden, Wünschen und Wollen an die Kandare zu nehmen und sich zu disziplinieren. So blöd und so anstrengend das auch immer ist.
Immer wieder geht es darum, besonnen sein, um andere aber auch uns selber zu schützen. Weil dieser Virus für mache Menschen wirklich verheerend sein kann und wir ihn haben und weitertragen können, selbst, wenn wir selber nichts davon merken, keinerlei Symptome haben und uns gesund fühlen.
Da ist es richtig und wichtig, besonnen zu sein und überlegt zu handeln. Sich zu überlegen, was vor Gott, für den Nächsten und für uns selber richtig und wichtig ist.
Und so werden wir uns auch in unserer Kirchengemeinde bis auf Weiteres, auf unbestimmte Zeit an alle Hygieneregeln halten müssen, die erforderlich und notwendig sind. So schwer uns das fällt und so lästig das auch immer wieder ist. Unsere Nordkirche tut gut daran, in ihren Handlungsrichtlinien das Liebesgebot und die Rücksicht auf gesundheitlich beeinträchtigte und immungeschwächte Menschen zum Maßstab Ihrer Handlungsempfehlungen zu machen. Darum sind unsere Hygieneregeln manchmal wohl auch noch etwas strenger als anderswo. Aber wir wollen möglichst allen Menschen, sofern das irgendwie möglich ist, die Teilnahme und Teilhabe am Gottesdienst und am Gemeindeleben, soweit es denn stattfinden kann, ermöglichen. Darum gilt wohl auch weiterhin: Abstand halten und Maske auf; aber leider auch der Verzicht auf mache liebgewordene Veranstaltung und Begegnung.
Und trotzdem haben wir keinen Grund mutlos zu sein. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Mögen wir diese Kraft, Liebe und Besonnenheit dann auch erleben und auch erfahren bei allem, was uns in den nächsten Wochen und Monaten möglich ist. Bleiben Sie behütet, bleibt behütet und Gott befohlen.

Ihre und Eure Anke Pfeifer

 

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Gruß zum 6. Sonntag nach Trinitatis am 19. Juli 2020
von Pastor Kroglowski

Aufbruch - „Stufen“

Liebe Gemeinde,

Sommerkirche bei uns in Preetz. Für mich ist diese Zeit immer auch Gelegenheit, einmal zu anderen Texten als den vertrauten Bibeltexten zu greifen. Seit meiner Schulzeit begleitet mich ein Gedicht von Hermann Hesse „Stufen“.

Und jeden Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu Leben
– so dichtet Herrmann Hesse in diesem Gedicht „Stufen“.

Ein bewegtes Leben hat er gelebt mit Höhen und Tiefen. Am 2. Juli 1877 wurde er in Calw geboren, seine Eltern waren zuvor für die Basler Mission in Indien tätig. Hesse wuchs im Geist des schwäbischen Pietismus auf, wurde aber auch mit weiteren Horizonten vertraut. Er besuchte verschiedene Schulen und Internate, mit bereits 15 Jahren kam er nach einem Suizidversuch in eine Nervenheilanstalt, konnte aber später das Gymnasium in Cannstadt besuchen.

Die Suche nach sich selbst hat Hesse in den kommenden Jahren an immer andere Orte getrieben. Zunächst verdiente er sein Geld mit der Arbeit in Buchhandlugen in Tübingen und Basel und fängt an, selbst Bücher zu schreiben. Mit seiner ersten Frau zog er 1904 aufs Land und suchte dort das einfache Leben. Später folgten lange Reisen nach Indonesien und Cylon. Nach dem ersten Weltkrieg ist er ins Tessin gegangen. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 9. August 1962. In seinem Gedicht „Stufen“ bringt er zum Ausdruck, wie er den Tod als Teil unseres Lebensweges versteht:
 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebensruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

So lässt sich das ganze Lebenswerk von Hesse verstehen als ein Spiegel seiner Lebenszeit, seiner Suche nach sich selbst, nach dem Sinn und Ziel des Lebens. 1946 wurde ihm dafür der Nobelpreis für Literatur verliehen und bis heute sind seine Themen aktuell geblieben.

Gegensätzlich sind die Erfahrungen unseres Lebens. Gekennzeichnet durch die große Spannung zwischen Geburt und Tod, Freude und Schmerz; in Liebe und Hass vollzieht sich unser Menschenleben im Großen wie im Kleinen. In diesen gegensätzlichen Erfahrungen vollzieht sich unser Leben. Und wir können planen und machen und kalkulieren – aber das Leben ist nicht kalkulierbar. Dies erleben wir in diesen Monaten der Corona Pandemie schmerzlich. Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl ihm von deinen Plänen – heißt es in einem englischen Sprichwort.

Für mich steht Gott hinter allem. Gott hat alles und uns gemacht. Deshalb haben wir ein Stück seiner Sehnsucht – seiner Ewigkeit im Herzen. Entdecken wir in diesen Sommermonaten, wie schön die Welt ist. Entdecken wir, dass unser Leben immer wieder im Fluss ist. Lesen wir mit Staunen und Freude mal wieder ein Lieblingsgedicht!

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

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5. Sonntag nach Trinitatis am 12.07.2020
von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,
der Predigttext für den 5 Sonntag nach Trinitatis ist durch Zufall der, mit dem wir vor zwei Wochen in unser Sommerprogramm von Evangelischer Jugend, Waldtierheim und Pfadfindern gestartet sind:

 „Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.  Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.  Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!  Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.  Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.  Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.  Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.  Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,  ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“ (Lk 5,1-11
Eine große Enttäuschung für die Fischer am See Genezareth:  Wieder haben sie nichts gefangen. Die Netze sind leer geblieben und sie sind müde von der Nacht und der vergeblichen Anstrengung. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach über leere Netze, hungrige Blicke und die Sehnsucht nach einem anderen, reichen Leben in dem man nicht so dem Schicksal ausgeliefert wäre.

Enttäuschungen mussten wir alle in den vergangenen Monaten ertragen. Abgesagt: Das Konzert,  die Geburtstagsparty, das Sommerfest, der Urlaub mit Freunden, das Zeltlager!

Mitten in die Enttäuschung ruft einer: „Fahrt nochmal raus, werft Eure Netze aus!

Abstandsregeln und Masken, Kleingruppen und Hygienevorschriften, ja, leicht wird es nicht, aber gebt nicht so schnell auf. Gott hält noch etwas für Euch bereit.“
Die Idee entstand in Telefonaten und Videokonferenzen: Wir können doch noch etwas gemeinsam tun! Für die Kinder und ihre Eltern aber auch für uns selbst: Werfen wir die Netze noch einmal aus! Und so entstand die Idee zur Sommeraktion. Esther Rödel, die seit April 2020 neue Hauptamtliche für die Jugendarbeit ist, ließ nicht locker und entwickelte ein coronataugliches Konzept. So saßen wir vor zwei Wochen mit an die 100 Menschen auf den Pastoratswiesen zum Eröffnungsgottesdienst unserer Sommeraktion. Ein Kanu stach auf Anweisung Jesu in See, obwohl die Fischer doch die ganze Nacht gefischt und keinen Fisch erwischt hatten. Jugendliche Mitarbeiterinnen sammelten mit Cashern Papierfische ein, auf denen die Kinder aufgeschrieben hatten, was sie sich wünschen – für die Sommeraktion und überhaupt: Neue Freunde, Spaß, aber auch Frieden und dass die Reichen den Armen was abgeben.
Am Ende jeder Woche haben wir einander erzählt und gezeigt, was wir gemeinsam erlebt haben. Die Kinder sind bestimmt reicher nach Hause gegangen. Das haben vor allem die fast 40 jugendlichen Kleingruppenleiter und Helfer ermöglicht, die mit den Kindern gebastelt, gespielt und Ausflüge gemacht haben, aber auch ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte hatten.
Warum macht man so etwas? Warum opfert man im Alter von 14 bis 25 Jahren zwei Wochen seiner Lebenszeit dafür? Die Antworten sind sehr verschieden. Spannend ist, dass die, die ihre freie Zeit hergeschenkt haben, auch reicher nach Hause gehen als zuvor.
Die Netze sind voller Fische. Jesus sagt zu Petrus: „Von nun an wirst Du Menschen fischen.“
Diese Jungen Menschen haben sich auf das Abenteuer eingelassen, zwei Wochen Abstand zu halten, nicht drinnen zu singen, immer die gleichen Hygienevorschriften zu erklären und dennoch fröhlich und mitreißend auf die Kinder einzugehen. Das hat Kreise gezogen.
„Danke, dass Du uns trotz Corona eine so schöne Sommeraktion ermöglicht hast.“ So haben sie beim gemeinsamen Abendmahl am Schluss gebetet. Die Menschenfischer gehen selbst mit vollen Netzen nach Hause und freuen sich schon auf die Kinderbibelwoche im Herbst, die sie gerne auch inhaltlich mit gestalten wollen.
Menschenfischer werden – die jungen Menschen machen es uns vor, aber es gibt in jedem Leben Gelegenheit dazu, die Netze neu auszuwerfen.  Wo haben Sie vielleicht zu früh locker gelassen? Was geht bei Ihnen trotz Corona? Wer sind die Menschen, mit denen Sie Begeisterung teilen möchten?
Das Leben ist ein Abenteuer  wenn wir unsere Netze auswerfen, jeden Tag neu, und uns nicht entmutigen lassen.

Ihre Pastorin
Ute Parra


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4. Sonntag nach Trinitatis am 05.07.2020
von Pastorin Glatthor

„Schritte wagen im Vertrauen, dass letztlich er mich trägt“

(„Schritte wagen“ von Clemens Bittlinger)

 

Liebe Gemeinde,

Aufbruch. Umbruch. Wandel. Veränderung. In der Gesellschaft oder bei mir persönlich. Mut und Vorfreude oder Angst und Verunsicherung? Vertrautes, dass Sicherheit gibt verlassen und unbekannt Neues entdecken? Schritte wagen – von mir alleine aus oder aufgrund eines Auftrags.

In der Bibel gibt es viele Weg-Geschichten. Viele Geschichten, in denen Menschen solch ein Wagnis eingegangen sind. Abraham wurde beispielsweise von Gott aufgefordert zu gehen. Sein Vaterland, seine Verwandtschaft sollte er verlassen und in das von Gott vorhergesagte Land ziehen. Oder Mose. Er zieht durch die Wüste, ist schwierigen Situationen ausgesetzt. Im Aufbruch leben, Neues entdecken, das kann spannend und aufregend sein. Oft werden wir jedoch nicht gefragt, ob wir aufbrechen wollen – manchmal passiert es einfach so. Dann kann es sich wie ein Abbruch anfühlen, verbunden mit Trauer und Schmerzen. Schritte wagen – mutig mit Vorfreude oder unsicher verängstigt.

Die Sommerferien haben begonnen. Mit ihnen endet für manche Kinder die Kindergartenzeit. „Wir machen uns auf den Weg – bleib du uns auf den Fersen Gott“ – haben die zukünftigen Schulkinder unserer Kita im Abschiedsgottesdienst gesungen. Sie machen sich auf den Weg, kennen die Grundschule, die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Klasse mitunter noch nicht. Alles wird neu sein. Andere Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr ihren Abschluss geschafft. Auch für sie endet ein Lebensabschnitt. Sie verlassen nun das Bekannte, dass ihnen Sicherheit gab. Für einen neuen Weg, eine neue Richtung müssen sie sich jetzt entscheiden. Verbunden mit ambivalenten Gefühlen. Schritte wagen - Altes verlassen und Neues entdecken.

Im Lied des Pastors und Musikers Clemens Bittlinger „Schritte Wagen“ heißt es im Refrain „Schritte wagen im Vertrauen“. Schritte wagen zu gehen, ob bekannt oder unbekannt, bedeutet auch sich zu trauen, sich etwas zuzutrauen und zu vertrauen. Manchmal ist man gezwungen andere Wege zu gehen, als eigentlich geplant. Plötzliche Veränderungen im Leben können solch ein Anlass sein. Die Corona-Pandemie hat uns in den vergangenen Wochen gezeigt, dass wir in vielen Bereichen neue und andere Wege gehen müssen und auch können. Mut und Zutrauen verlangt es uns ab, kostet Kraft. Doch oftmals lohnt es sich, dass auszuhalten um ans Ziel zu kommen. Wie das „Ziel“ dann aussieht, weiß man oftmals vorher nicht. Doch muss man die Schritte wagen zu gehen, um es herauszufinden. Schritte wagen – mit Zutrauen und im Vertrauen.

Nach einem Streit einen Schritt auf Jemanden zuzugehen fällt schwer. Nach der Diagnose einer Krankheit kann das Gefühl überwiegen, das eigene Leben bliebe stehen. Auch wenn das Geschehen um einen herum weitergeht, die eigenen Füße bleiben wie gelähmt am Boden haften. Für einen Schritt nach vorne fehlt Kraft. Schritte wagen – unmöglich zu schaffen.

 Schritte wagen zu gehen. Ob es unmöglich erscheint oder nur ein Stolpern ist. Im Alltag unseres Lebens, im Wandel, der dazugehört wie das Ende der Schulzeit oder in plötzlichen, unvorhergesehenen Situationen – bei dem Wagnis Schritte zu gehen, sind wir nicht alleine. Wir können darauf vertrauen, dass Gott uns begleitet. Auch wenn mal das Gefühl überwiegt, Abschnitte alleine gehen zu müssen – besonders dann können wir darauf vertrauen, dass Gott mitgeht. Uns vielleicht sogar trägt, wie es in dem Gedicht von Margaret Fishback Powers heißt: „Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen“. Gott kennt unsere Vorfreude, weiß um unsere Ängste und trägt unsere Sorgen mit. Gott begleitet uns, wenn wir stolpern, wenn wir laufen, wenn wir einen Schritt zurückgehen oder wenn wir stehenbleiben. Wohin wir kommen, wenn wir gehen und wie es sein wird, können wir vorher oft nicht wissen. Doch auf Gottes Begleitung können wir vertrauen. Gott ist das Vertraute auf neuen, unbekannten Wegen und Gott ist das Vertraute auf Wegen, die nicht zu bewältigen sind. Das kann uns Halt und Kraft in ausweglosen Situationen geben, sowie Mut und Zutrauen schenken, um Wagnisse einzugehen. Schritte wagen – im Vertrauen, dass letztlich er mich trägt.

Amen.

 

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3. Sonntag nach Trinitatis am 28.06.2020
von Pastor Sprung

Du hältst mich bei meiner rechten Hand
und leitest mich nach deinem Rat.

 

Liebe Gemeinde,

in unserem ganzen Leben werden wir immer wieder an der Hand gehalten. Das gilt zunächst einmal ganz besonders für Kinder, wenn sie laufen lernen. Da ist die Hand eines Erwachsenen, die uns hält, damit wir nicht hinfallen. An der Straße wurden wir an die Hand genommen, damit wir nicht unter ein Auto gerieten. Dann wussten wir, dass jemand auf uns gut aufpasste, damit uns nichts passiert.

Am ersten Schultag, als alles neu war, griffen wir nach den Händen der Eltern, damit wir nicht alleine waren, als etwas Neues auf uns zukam. Und wir spürten, dass wir unbesorgt sein konnten, weil wir begleitet wurden, bis zu dem Augenblick, in dem das Neue nicht mehr so ungewohnt, aufregend und beunruhigend für uns war. Und auch, wenn es dunkel wurde, war es gut, unsere Hand in die der Mutter oder des Vaters zu legen, weil wir fühlten, ich bin nicht alleine. Dann waren wir ganz sicher.

Später, wenn man kein Kind mehr ist, dann hält man gerne während eines Spazierganges die Hand der Freundin oder des Freundes. Es braucht dann keine vielen Worte, um zu sagen: Ich habe dich lieb.

Wenn jemand unsere Hand hält, dann ist das für uns eine schöne Erfahrung. Wir wissen, hier ist jemand ganz nahe bei uns, der uns zeigt, dass wir nicht alleine sind.

Die Hand, die uns hält, spricht auch ohne Worte eine liebevolle Sprache: Ich bin für dich da, du kannst dich immer ganz auf mich verlassen.  Sie spricht, wenn Worte uns nicht mehr erreichen, wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn wir uns im Laufe des Lebens verändern. Sie sagt: Wenn du traurig bist, tröste ich dich, wenn du dich allein fühlst, bin ich für dich da, wenn du Angst hast zu fallen, halte ich dich fest. Ich bin da, wie eine Brücke über aufgepeitschtem Wasser, wie es in einem Lied heißt.

So kann eine Hand ganz direkt helfen, aufhelfen, wärmen, auf dem Weg begleiten und so vieles mehr.

Manchmal halten Hände aber auch ganz anders, durch eine sanfte Berührung, durch Zärtlichkeit, in der die Zusage liegt, du bist nicht allein mit allem, was du zu tragen hast, an Schmerzen, ,an Krankheit, an Isolation während der Quarantänezeit, an Trauer, bei dem Verlust eines lieben Menschen. Äußerlich ändert sich wohl nichts, aber wir können dunkle Momente besser überstehen, wenn eine Hand uns hält.

So groß ist die Bedeutung, dass Gott diese Geste aufnimmt und uns darin seine Zuwendung nahebringen will: Er hält uns bei unserer rechten Hand, wie der Prophet Jesaja es ausdrückt. Und der Beter des 73. Psalms sing davon, dass er diese Erfahrung gemacht hat. Gott ist bei uns, hält uns, lässt uns nicht alleine, wo immer wir auch sein mögen.

Jede Hand, die uns hält, wenn wir es brauchen, ist die Einlösung des göttlichen Versprechens. Er wird durch die Menschen tätig, die für uns da sind.

Gewiss, manchmal ist es schwer, auf diese Versprechen zu vertrauen, dann, wenn wir uns alleine fühlen, überfordert sind, niemanden sehen, der bei uns ist. Vertrauen bedeutet dann, sich auf das Versprechen Gottes zu verlassen, dass wir manches Mal vielleicht nicht so direkt in einem Augenblick spüren, aber darauf trauen können, dass er uns trotz allem halten wird. Nichts, aber auch gar nichts, kann uns aus dieser Hand herausreißen.

Wir wollen auf dieses Versprechen vertrauen, daraus Kraft schöpfen, das kein Mensch seinen Weg alleine gehen muss, dass wir alle, ob alt oder jung von Gottes Hand gehalten sind und umgeben von seiner Liebe.

Amen.


In persönlicher Sache möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass ich am 30.6. Preetz verlassen werde, denn ich werde nun tatsächlich in Pension gehen. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und bleiben Sie behütet.

Ihr Dietmar Sprung

 

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2. Sonntag nach Trinitatis am 21.06.2020
von Pastor Kroglowski 

Liebe Gemeinde,

nun feiern wir wieder Taufen in unserer Kapelle Sophienhof. Die ersten Konfirmationen sind nach der Sommerpause geplant. Die Familien und die Jugendlichen freuen sich über diese kleinen Aufbrüche. Und die Taufsprüche sowie die Konfirmationssprüche sind Vertrauensworte. Aufbruch in dem Vertrauen, dass Gott durch Jesus unsere Lebenswege kennt und begeleitet.

In dem Wochenspruch für die kommende Woche spricht Jesus: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11,28

Hilfe und Not - wie jetzt auch in der Corona Zeit - entsprechen einander. Jesus hat den Menschen gegeben, was ihnen zum Leben gefehlt hat. Wie seine Hilfe konkret aussah, erfahren wir aus den Geschichten, in denen Menschen Jesus begegnet und neu ins Leben führt.

Da ist der blinde Bartimäus. Gefangen in der Dunkelheit und seiner Angst. Jesus öffnet ihm die Augen und macht ihn sehend. Da ist das Brautpaar, dem die Hochzeit zu scheitern droht, da kein Wein mehr da ist. Heute fehlen die Möglichkeiten zum gemeinsamen Feiern. Jesus wandelt Wasser in Wein. Er nimmt die Sorgen des Paares ernst und teilt sie. Da ist der Gelähmte. Gefangen in seiner Einschränkung mit dem Wunsch nach Bewegung und Freiheit. Irgendwie kommt mir das heute bekannt vor. Freunde helfen und Jesus löst die Fesseln des Gelähmten und Freiheit beginnt. Ganz langsam, doch das Leben verändert sich. Vertrauen schafft Aufbruch!

Jesus hat vielen Menschen geholfen. Seine Hilfe scheint vordergründig die eines Zauberers zu sein. Und doch – bei näherem Hinsehen – hilft er den Menschen, indem er sich ihnen zuwandte, sie achtete und ernst nahm. Er sah sie an, hörte ihnen zu, redete mit ihnen und scheute sich nicht, sie zu berühren. Er hatte vor allem Zeit für sie.

Und die Geheilten? Sie fassten Vertrauen. Öffneten sich ihm. Breiteten ihre Lasten und Mühen vor ihm aus. Zuweilen kämpften sie um seine Zuneigung. Widersprachen seiner raschen Ablehnung. Ließen nicht locker. Hier – das spürten die Menschen – würden sie nicht mit leeren Händen zurückbleiben. Keine Not, keine Last war seiner unwürdig. Er hörte zu, fragte nach, gab Zeit zum Nachdenken, wurde auch mal handgreiflich und suchte den Schwachen gegenüber dem Stärkeren zu schützen.

Vertrauen in Jesus schafft Aufbruch. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig. Und wir können handeln mit Jesus an unserer Seite, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es an!

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

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Gruß zum 1. Sonntag nach Trinitatis am 14.06.2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe Online-Gemeinde, der Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis steht in der Apostelgeschichte des Lukas. Da heißt es in Apostelgeschichte 4, 32- 37:

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte

35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig,

37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Soweit der Bibeltext.

Alles gemeinsam, keiner hatte Mangel und der Gewinner legte es den Aposteln zu den Füßen.

Schöne heile Welt. Das war einmal, denken die Leute. Ja, zu Beginn, als Jesus gerade erst weg war. Feuer des Heiligen Geistes, gleich nach Pfingsten.

Und immer wieder gab es Zeiten, da hat man in diesen Texten und Bildern von den Anfängen der sogenannten Urgemeinde, die Blaupause für Kirche heute gesehen. So sollten wir sein. So fromm, so heil, so freundlich, so liebevoll, so bereit zu teilen.

Das stimmt. Das sollten wir auch.

Allerdings, nicht einmal, wenn das etwas Gutes ist, kann man das verordnen. Und man kann es auch nicht mit dem Willen erzwingen.

Wenn man es verordnet, laufen die Leute weg. Wenn man es erzwingt, bleibt es unecht.

Schauen wir mal auf die Hintergründe von damals. Warum konnten die Menschen so handeln?

Die Pfingstgeschichte beschreibt das, indem sie sagt: Sie waren erfüllt vom Heiligen Geist.

Erinnern wir uns: Das kam den Menschen, die das als Zeugen miterlebten, seltsam vor. Manche vermuteten geradezu, die Jünger seien betrunken. Petrus beantwortet diesen Verdacht seltsam naiv: Nein, die sind nicht betrunken. Es ist doch erst Neun Uhr morgens.

Als wenn das ein Grund wäre….

Tatsächlich waren sie vom Geist erfüllt. Wir haben ein etwas abgeflachtes Wort dafür: Sie waren begeistert. Sie waren sozusagen Fans höherer Ordnung. Sie waren angesteckt von einer Idee, deren liebevolle Kraft sich weltverändernd anfühlte. Sie hatten gänzlich neue Blicke auf ihr Leben bekommen.

Und seltsamer Weise war dieser Blick nicht durch Forderungen entstanden. Von Jesus waren nur wenig Forderungen gestellt worden. Und dann z.B. welche, die von den Menschen forderten, sich um sich selbst gut zu kümmern: Bittet, so wird euch aufgetan.

Statt Forderungen hatte Jesus vor allem Erlösungen, Vergebungen, Auflösungen von Lähmung, Blindheit und Taubheit gebracht. Sein Tun war es gewesen, die Menschen immer neu mit dem Leben zu verbinden. Bartimäus lässt er wieder sehen, dem Lahmen vergibt er seine lähmenden Sünden, dem Wartenden am Teich von Bethesda macht er Mut, sich auf eigene Beine zu stellen, der Sünderin macht er klar, dass die ganze Welt keinen Grund hat den ersten Stein auf sie zu werfen usw. Und mit all dem, was er Gutes kann und will, gibt Jesus sich dennoch in den Willen Gottes hinein: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“, sagt er in der Nacht vor dem Kreuzestod. Und so geht er am Ende sogar an das unverdiente Kreuz; aber nur, um es durchlässig zu machen für das Leben. Die Botschaft lautet seitdem bis in alle Ewigkeit: Kein Tod, kein Grab der Welt, auch keine Pandemie übrigens, kann das Leben, das von Gott kommt, hindern. Der Stein kommt weg und Jesus verlässt die Wenigen, um für alle da zu sein – das Wort dafür ist Himmel.

Das zu glauben, erleichtert die Menschen damals derartig, dass sie sich lösen von Besitz, von Eifersucht, von Raffen und Gieren. Und so kommt es dann zu diesem: Alles gemeinsam, keiner hatte Mangel und der Gewinner legt seinen Gewinn den Aposteln sogar noch zu den Füßen.

Sie handelten so, weil sie innerlich so reich waren, dass alles Äußere zweitrangig wurde. Zumindest am Anfang kam diese Haltung von innen, wie unaufgefordert.

Davon sind wir heute inzwischen relativ weit weg.

Stattdessen leben wir in einer Zeit, in der viele nach dem gelten, was sie haben. Und wir leben in einer Zeit, in der manche real und zu Recht und viele aber auch unreal und übertrieben Angst vor der Zukunft haben, als könnte man Leben finanziell absichern. Als könne man Glück kaufen und festhalten.

Und dann kommt so eine Krise wie Corona. Dann kommt so etwas nie Dagewesenes, jedenfalls zu unseren Lebzeiten, und schlägt uns das Meiste dessen, was wir kennen, aus der Hand.

Und wir sind mindestens sehr verwirrt. Zum Teil verlieren wir auch den Boden unter den Füßen. Wir laufen um- und durcheinander. Und nach der Solidarität, die wir im Lockdown noch hatten, kommen wir immer mehr in seltsame Streitsituationen, wer was darf. Und ob das alles vielleicht ein verschwörerischer Betrug ist. Und die Virologen haben vielleicht übertrieben. Und, und, und.

Und ich denke, ob nicht dieser romantische Bibeltext, der ein bisschen nach Schlaraffenland klingt und unerfüllbar in seiner liebevollen Bereitschaft zu teilen; ob der uns nicht gerade jetzt gut  an die Haltung erinnern kann, die die Menschen der ersten Christenheit hatten, und die auf Jesu Handeln und liebevoller Zuwendung beruhte und die man vielleicht am einfachsten und treffendsten mit dem Wort Gottvertrauen beschreiben kann.

Gottvertrauen.

Ich meine etwas, was tief in einem wohnt. Es berührt Herz und Seele. Es bleibt manchmal fast unvernünftig ruhig, auch in Krisen. Es orientiert sich an einer unsichtbaren Kraft und glaubt, was noch nie einer beweisen konnte. Vor allem aber ist es eine Haltung, die eine Menge Unerschütterlichkeit erzeugt. Unerschütterlich, damit meine ich diese Art, wie wir uns nach Krisen wieder zusammensammeln und aufrichten. Wie wir auch nach Verletzungen wieder heilen und notfalls mit Narben und dauerhaft versehrt dennoch unseren Weg finden; und er kann sogar dennoch gut sein. Gottvertrauen ist nicht hart, sondern weich. Gottvertrauen ist Geschenk, nicht Pflicht. Gottvertrauen kann immer neu heilen, auch an Stellen, wo Zerstörung geschah. Gottvertrauen ist die Verbindung zu einer äußeren Kraft, die wir geschenkt bekommen, ohne sie zu kontrollieren. Gottvertrauen geht über Vernunft, so sehr, dass wir manchmal übereinander den Kopf schütteln.

Gottvertrauen in Zeiten von Corona weiß von der Unverfügbarkeit des Lebens und ist dennoch genau in der Not solidarisch, gemeinschaftlich, fürsorglich. Gottvertrauen verliert die Würde des Menschen nicht aus dem Blick und schafft in Krisen wie diesen eine Balance zwischen Unfreiheit und Zukunftshoffnung. Gottvertrauen beinhaltet zugleich Eigenverantwortung. Gottvertrauen ist gut gegen Vereinsamung, gerade jetzt, wo uns manchmal die Menschen fehlen. Gottvertrauen erträgt Verzicht, Pause, Demut und Geduld, weil es vertraut, dass der ungreifbare Gott an unserer Seite bleibt. Gottvertrauen hilft, die Fehler der Vergangenheit zuzugeben und umzukehren. Gottvertrauen hilft aus Krisen wie der jetzigen reicher an Erfahrung und Menschlichkeit in eine neue Zukunft zu gehen. Gottvertrauen macht auch noch die bedrückende Lebenszeit lebenswert.

Alles gemeinsam, keiner hatte Mangel und der Gewinner legte seinen Gewinn den Aposteln zu den Füßen. So erzählt der Text.

Das ist keine Frage der Moral. Das ist eine Frage der inneren Haltung. Und die wird unter Gottvertrauen zu einer, die dem Überleben dient, dem eigenen und dem der anderen.

Darum geht es Gott.

Das kann begeistern.

Amen

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Trinitatis am 07.06.2020

 2) Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib,
er segne uns nach Seel und Leib,
und uns behüte seine Macht
vor allem Übel Tag und Nacht.

 

3) Der Herr, der Heiland, unser Licht,
uns leuchten lass sein Angesicht,
dass wir ihn schaun und glauben frei,
dass er uns ewig gnädig sei.

 

4) Der Herr, der Tröster, ob uns schweb,
sein Antlitz über uns erheb,
dass uns sein Bild wird eingedrückt,
und geb uns Frieden unverrückt.      

(EG 140: Brunn alles Heils, dich ehren wir)

 

Liebe Gemeinde,

 Trinität, dafür gibt es zwei deutsche Worte: Zum einen „Dreieinigkeit“: Gott ist einer, der die Welt schuf, uns erlöste uns im Glauben verbindet. Was Gott an uns tut auf so vielfältige Weise, das kommt alles aus derselben Quelle.

Zum anderen „Dreifaltigkeit“: Der eine Gott erscheint uns nicht nur auf dreierlei Weise, sondern war schon vor Beginn der Schöpfung nicht allein, sondern in Beziehung und Vielfalt.

Was wir da heute an Trinitatis feiern ist und bleibt ein tiefes Geheimnis. Mit logischen Erklärungen lässt es sich nur bedingt beschreiben. Lange haben die ersten Christen versucht, als Glaubenssatz zu formulieren, was sie in ihren Heiligen Schriften von diesem dreieinigen Gott erfahren. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das wir sonntags zusammen im Gottesdienst sprechen, entstand erst im 5. Jahrhundert.

Auch an diesem Bekenntnis kann man sehen: Was wir über den dreieinigen Gott sagen können, ist vor allem, dass und wie er an uns handelt und zu uns in Beziehung tritt: Segnend, behütend, liebend, rettend, verbindend... Unser Predigttext für heute ist der Aaronitische Segen:

Und der HERR redete mit Mose und sprach:  Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:  Der HERR segne dich und behüte dich;  der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;  der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.  So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. (4. Mose 6,22-27)

Die Priester werden von Gott durch Mose beauftragt, so seinen Namen auf die Israeliten zu legen. Gottes Namen - in der Lutherübersetzung liest man an Stelle dieses Namens „der HERR“ , Im Hebräischen stehen da vier Buchstaben: JHWH. Das ist der Name, mit dem sich Gott Mose als Gott seiner Väter vorgestellt hat und als Gott des Volkes Israel, der sie befreit. „Ich bin da“, so wird dieser geheimnisvolle Name oft übersetzt. Damit ist gemeint: Gott ist für uns da - unbeschreiblich, unverfügbar, aber gleichzeitig ganz uns zugewandt.

Wenn die Priester den Israeliten sagen: „Der Herr segne dich“, dann benutzen sie diesen Namen Gottes wie ein Versprechen, dass ihre Worte Wirkung haben. Diese Wirkung, der Segen, geschieht nicht durch sie selbst. Vielmehr ist es so: Wenn sie segnen machen sie sich damit gewissermaßen durchlässig für das heilsame Handeln Gottes. Sie sprechen aus, was Gott an den Israeliten tun möge, aber Gott selbst ist es, der wahr macht, was sein Name verheißt.

„Gott segne dich und behüte Dich“: Gott schenke Dir, seinem Geschöpf, Lebenskraft und Gedeihen und bewahre dich vor allem Unheil. – Gott, der Schöpfer segne dich.

„Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig“: Wohlwollend schaue er auf dich. Sein leuchtendes Angesicht sei über dir, dass dir Gerechtigkeit widerfahre wie es im Psalm heißt: „Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe, der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde; der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz.“ (Ps 113,5-7) Dieser Gott verurteilt nicht, sondern vergibt.– Gott, der Erlöser segne dich.

„Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“:  Er sei da und bleibe dir zugewandt. Auf ihn darfst du vertrauen wie ein Kind, auf dem der liebevolle Blick seiner Eltern ruht. Frieden breite sich aus in dir und zwischen dir und anderen, die ihr zusammen diesen Segen von Gott empfangt – Gott, der Tröster und Friedensstifter segne dich.

Martin Luther hat den Aaronitischen Segen am Ende der Messfeier eingeführt und in ihm eine trinitarische Segensformel gesehen. Gott wendet sich uns durch diesen Segen so zu, wie er auch schon in sich ist: Vielfalt die in Liebe verbindet. Schon als Gott Abraham ein Kind verhieß, damals in Mamre, kam er zu dritt. So stellt es Andrej Rublev auf seiner Ikone von der „Heiligen Dreifaltigkeit“ dar.

Dürfen wir Christen die alttestamentlichen Texte so interpretieren angesichts dessen, dass Juden und Muslime sie anders deuten? Angesichts dessen, dass sie in unserer trinitarischen Deutung einen Angriff auf die Einheit Gottes sehen? Ich meine: Ja, denn so können wir erspüren und anderen davon erzählen, welche Kraft dieser geheimnisvolle Gedanke von der Dreieinigkeit Gottes hat.

Es wäre doch schön, wenn ein Dialog über die Lehre von der Trinität Menschen verschiedener Überzeugung und Religion dazu bringen würde, über Verschiedenheit und Einheit neu nachzudenken. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass Menschen weltweit in ihrer Verschiedenheit auf gegenseitige Fürsorge und Anteilnahme angewiesen sind. Ganz fremde Menschen wünschen einander: „Bleiben Sie gesund und behütet!“ Das tun sie mit Worten, aber auch beispielsweise mit freundlichen Blicken beim Ausweichen auf der Straße. Oder indem sie durch Spenden die Entwicklung einer medizinischen Infrastruktur in ganz anderen Teilen der Welt unterstützen.

So sollen wir Gottes Namen aufeinander legen und gemeinsam aufblicken zu dem geheimnisvollen Gott, der seinen liebevollen Blick auf alle Menschen richtet.

Ihre Pastorin Ute Parra

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zu Pfingsten am 31.05.2020
von Pastor Lars Kroglowski

 

Aufbruch – „mit Heiligen Geist“

 Liebe Gemeinde,

nun können wir wieder Gottesdienste feiern und die Restaurants öffnen langsam. Es geht wieder los und gleich zu Anfang schlägt das Corona Virus in einer Kirche und in einem Restaurant wieder zu. So ist das. Freiheit schafft Risiko und Patent Antworten gibt es nicht. Auch in den Staaten unterschiedliche Wege. Mehr Öffnungen in Schweden. Mehr Kontrolle in Südkorea. Staatliche Gewalt in China. Und wir in Deutschland auf einem guten Mittelweg – wie ich finde. Auf einem Weg über den wir ja auch demokratisch, freiheitlich ringen.

Pfingsten steht unter dem Bibelwort: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Sacharja 4,6

Ohne Macht und Gewalt sollen wir Menschen unsere Lebenswege gehen und finden. Gut gesagt! Aber kann das funktionieren? Diese Worte sagte der Prophet Sacharja vor gut 2500 Jahren dem vom persischen König eingesetzten Statthalter in Jerusalem. Dieser wollte den Tempel wiederaufbauen, der seit der babylonischen Eroberung ausgebrannt und in Trümmern lag. Doch die Schwierigkeiten waren immens. Die wirtschaftliche Lage im Land desolat. Serubabel, der Statthalter, ist versucht, die Sache mit harten Mitteln zu regeln. Wahrscheinlich hilft jetzt nur noch Druck, nur noch Härte, nur noch Einschüchterung und Angst.

Der Prophet hält dagegen! Nicht durch Macht und Gewalt kommt eine wahre Veränderung in die Herzen von uns Menschen, sondern allein durch Gottes Geist. Friedfertigkeit versteht sich nicht von selbst. Der Egoist steckt in uns allen. Ursprünglich sind wir wohl eher darauf gepolt, aggressiv zu reagieren, Stärke zu zeigen, sich das eigene Recht zu nehmen. Unser aggressives Potential schlägt immer wieder durch.

Doch Gottes Geist hält dagegen! Dieser Geist hat in der Bibel ein anderes Gesicht. Die Apostelgeschichte zeichnet ein Gegenbild von Verständigung und Frieden über Grenzen hinweg. Aus verzagten und verunsicherten Jüngern wird durch Gottes Geist eine Gemeinschaft. Aus Menschen, die vereinzelt waren , die miteinander konkurriert haben und immer wieder misstrauisch mit einander umgegangen sind, die am Ende Jesus verraten und verlassen haben, wird durch Gottes Geist eine Gemeinschaft, die auf andere überzeugend wirkt. Verständigung wird möglich. Menschen sprechen dieselbe Sprache. Petrus, ein einfacher Fischer aus Galiläa, erzählt von seinem Glauben an Jesus und wird verstanden. Er spricht durch Gottes Geist direkt zu den Herzen von vielen Menschen und 3000 Menschen lassen sich taufen.

Diese Pfingstgeschichte erzählt wie Gottes Geist kommt. Er zeigt sich an seinen Wirkungen gegen unsere Lebenskrisen. Aus Einzelnen wird eine Gemeinschaft. Menschen verstehen einander. Menschen werden aufgerichtet und getröstet. Sie begegnen einander als Freunde – da ist nicht einer besser als der andere. Der Heilige Geist setzt fort, was Jesus mit uns Menschen begonnen hat. Menschen tun einander gut - sowie die Frau, die Jesus salbt. Menschen werden nicht mehr ausgegrenzt, auch wenn sie krankt, oder anders sind oder etwas auf dem Kerbholz haben wie Zachäus. Menschen werden gesund - wie die verkrümmte Frau oder der Gelähmte. Der Heilige Geist schafft Leben jenseits von aller menschlichen Macht. Dieser Geist verbindet uns mit Jesus und lässt uns heute nach über 2000 Jahren Pfingsten feiern und erfahren, was Menschen mit Jesus erlebt haben: Glaube, Liebe, Hoffnung und Gemeinschaft auch in der Corona Pandemie Krise.

Pfingsten. Aufbruchzeit. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig. Und wir können handeln mit Gottes Geist, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es an!

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

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Gruß zum Sonntag Exaudi am 23.05.20
von Pastorn Yasmin Glatthor

 

Liebe Gemeinde,

„du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“

Wie mag es sich wohl anfühlen, diese Worte zu hören? „Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“

Eine Herzensangelegenheit für Jemanden sein. Eine Angelegenheit fürs Herz. Eine Sache, die für Jemanden persönlich von großer Bedeutung ist. Etwas, von besonders hoher Priorität. Ein Wunsch, ein Anliegen, auf das es besonders Acht zu geben gilt.

Sein Leben verlief im Moment nicht so, wie er es sich einst ausgemalt hatte. Er saß im Wohnzimmer seiner Wohnung. Hatte gerade den Anruf seines Chefs erhalten. „Es sind schwere Zeiten für uns“, hatte er gesagt. Es sind schwere Zeiten für uns?! Es sind schwere Zeiten für ihn! Für ihn selbst und seine Familie. Die Wohnung durften sie wieder verlassen, einkaufen gehen, aber Abstand wahren, nur schnell das Wichtigste erledigen. Treffen sind nur mit ausgewählten Freunden und Verwandten erlaubt und nur mit Maske oder mit Abstand. Die Kinder hatten die Wohnung schon eine lange Zeit nicht mehr verlassen. Durften immer noch nicht wieder in Schule und Kindergarten. Und er war auch schon einige Zeit Zuhause. Und das würde sich vorerst wohl auch nicht ändern. Ungewiss, wie es weitergehen würde. An der Arbeit war nichts los und das schon über mehrere Wochen. Dass das Einbußen bedeutete, war ihm klar. Doch nun war zudem nicht sicher, ob er sein Gehalt bekommen würde, ob er seinen Arbeitsplatz überhaupt behalten könne. Was würde er dann nur tun? Wie würde es weitergehen – ohne Gehalt, ohne festen Arbeitsplatz? „Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“ Wie mag es sich wohl für diesen Mann angefühlt haben, in diesem Moment diese Worte zu hören?

Ihr Leben verlief nicht so, wie sie es sich vielleicht ausgemalt hatten. Sie hatten viel erlebt. Mussten Unheilsworte gegen sich hören und deren Vollzug aushalten, Schreckensherrschaften erleben, Deportationen, Leben auf der Flucht, Leben im Exil, Zurückführungen ins eigene Land – aber unter fremder Herrschaft… Viele solcher Szenarien hatten sie in den vergangenen Jahren erlebt oder erleben müssen. Doch eines Tages richtete der Prophet Jeremia andere Worte an sie: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ (Jeremia 31,31-34) Wie mag es sich wohl für die Menschen damals angefühlt haben, in dieser schweren Zeit diese Worte zu hören?

Wir befinden uns aktuell auch in solch einer Zwischenzeit - zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Und dazwischen? Das eine endet und wird verabschiedet oder muss verabschiedet werden, das andere ist noch nicht da. Wie ging es den Jüngern Jesu damals? Jesus war in den Himmel aufgefahren, der verheißene Geist Gottes noch nicht über sie gekommen. Und sie?  

In einer Zwischenzeit. Unsicher, wie es weitergehen würde. Ungeklärte Fragen, noch keine Antworten. Zeit zum Nachdenken, über sich selbst. Hinterfragen, was gewesen ist. Träumen von dem, was kommt. Doch man wird auch dazu gezwungen auszuhalten und zu warten, die Situation abzuwarten, die Unsicherheit auszuhalten. „Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“ Wie fühlt es sich an, diese Worte zu hören?

Die Worte des Propheten Jeremia stehen im sogenannten „Trostbüchlein“, in den Kapiteln des Buches mit weiteren Heilsworten, die er Israel und Juda prophezeite. Worte Gottes, die Jeremia dem Volk offenlegte und ihnen so prophezeite, wie es weitergehen würde. Gott verhieß ihnen in diesem Abschnitt einen neuen Bund, den er mit ihnen eingehen wollte. Einen neuen Bund aus reiner Gnade, einfach so, wie ein Geschenk, ohne die alten Vergehen zu bedenken. Einen neuen Bund, mit dem Gott den Menschen vergeben und ihnen ermöglichen wollte, ihn zu erkennen. Eine Beziehung, die nicht mehr abbrechen könnte, da sie ins Herz eingeschrieben sei. Das war Gottes Zusage an die Menschen. Sie brauchen nichts tun, müssten es nur zulassen, annehmen, ihr Herz öffnen. „Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“ Wie fühlt es sich heute für Sie an, diese Worte zu hören?

Mein Herz kann sich von Gottes Liebe erfüllt anfühlen. Eine Zusage Gottes. Und ich kann darauf vertrauen, kann es zulassen und annehmen, kann mein Herz öffnen und Gott auch zu meiner Herzensangelegenheit machen. Daraus kann ich Kraft ziehen, das kann mir Halt geben, kann mir Trost schenken, kann mich stärken und kann mir helfen, Zwischenzeiten und Unsicherheiten auszuhalten. Denn ich vertraue darauf, dass mein Herz von Gottes Liebe erfüllt ist.

„Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“

Amen.

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 Gruß zu Christi Himmelfahrt am 21.05.2020
 von Pastor Christoph Pfeifer

Liebe Gemeinde,

in diesem Jahr erleben wir den Abschnitt im Kirchenjahr Passion Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten unter völlig veränderten Bedingungen. Die Passionszeit war in diesem Jahr eine richtige Leidenszeit. Schwer zu tragen das Kreuz: keine Gottesdienste, keine Konfirmationen, keine Besuche, Lock down in der Kirche. Das haben wir uns nie vorstellen können. . Wir sind diese Durststrecke miteinander gegangen, aber auf Abstand. Auch eine neue Erfahrung in Kirche: Nähe auf Abstand vermitteln und einüben.

Dann das Osterfest. Strahlender Sonnenschein. Ein Flugzeug fliegt über den Kirchenkreis. Glaube Hoffnung Liebe- die Mut machende Botschaft vom Himmel. Auferstehung. Stark sein in der Pandemie. So wie der Engel es selbst am Ostermorgen verheißt: „Fürchtet euch nicht“.

Und damals: Hoffnung keimt auf unter den Jüngern. Sie erleben den Herrn. Feiern Abendmahl wie früher. Möchten, dass es so bleibt.

Hoffnung heute in Corona-Zeiten? Nach Ostern- Maske, Lockerung, nicht unvorsichtig werden. Es stand und steht viel auf dem Spiel in den nächsten Wochen.

Und wie ist es den ersten Jüngern damals ergangen? Es kam Himmelfahrt. Dieser Einschnitt, den wir heute feiern. Dieses Ereignis ist in der Geschichte Jesu mit seinen Jüngern so etwas wie ein Schwellenereignis. Ein Wendepunkt. Denn der Auferstandene bleibt nicht bei seinen Jüngern. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Als es am schönsten ist, geht er. Salopp gesagt: macht er sich einfach aus dem Staub.

Abschied. Trennung. Loslassen. Immer schwer. In solchen Situationen wird noch einmal versucht, auszusprechen, was wichtig ist. Im Moment des Abschieds liegt eine Schwere. Und an diese letzten Worte erinnert man sich erst viel später so richtig und beginnt vielleicht erst aus dem Abstand zu verstehen. Auch Jesus erklärt und deutet in der Himmelfahrtsgeschichte nach Lukas das Geschehen. Stellt diesen Moment in einen größeren Zusammenhang. Fängt zwar nicht bei Adam und Eva an, aber bei Mose und den alten Propheten. Der Auferstandene erinnert sie an ihre Zeugenschaft, Umkehr zur Vergebung der Sünden. Zeugen- Ihr seid Zeugen. Ihr seid diejenigen, die meine Botschaft weiter bezeugen.

Und dann geht er hinaus. Bis nach Betanien. Aber bevor er in den Himmel auffährt, geschieht etwas ganz Entscheidendes. Er segnet sie. So wie wir es tun am Ende, immer, bevor wir wieder zurückkehren in den Alltag.

In der Fassung des Evangelisten ist hier die Geschichte zu Ende. Statt Frust Freude. Lobpreis.

Kritisch könnte man fragen: haben sie wirklich begriffen, was da geschehen ist?

Die Apostelgeschichte- wohl auch vom selben Evangelisten verfasst, ist da noch etwas ausführlicher in der Beschreibung des Himmelfahrtsgeschehens. Er verspricht Ihnen schon hier kurz vor Pfingsten den Heiligen Geist. Die Kraft des Heiligen Geistes.

Mehr noch, er beauftragt sie: ihr werdet meine Zeugen sein. Apostel- gesandt bis an das Ende der Welt.

Für mich bildet sich in Christi Himmelfahrt das ab, was geschieht, wenn z.B. Eltern Kinder ins Erwachsenenleben loslassen. Gut, als Eltern sind wir zwar noch da. Aber vergleichbar ist dieser Übergang schon: gesandt in die Welt. Ausgestattet mit guten Gaben, gesegnet, einen Mut machenden Geist im Gepäck. „Jetzt müsst ihr ohne uns klar kommen!“

Was wäre passiert, wenn Jesus das damals auch ganz direkt gesagt hätte: so, ich bin jetzt mal weg. Ihr müsst alleine klarkommen. Hätten Sie dann immer noch laut Hurra geschrien?

Dieses, alleine klar kommen, da ist kein Meister, der predigt. Da ist keiner der dich persönlich tröstet. Da ist keiner, in dessen Kielwasser sie das Interesse der Menschen miterleben. Nein. Auf sich alleine gestellt. Ganz bei sich. Wir Gemeinde ganz bei uns.

Die Corona Krise war auch für die Aktiven in der Kirche, und ganz besonders für unsere Senioren eine große Herausforderung. Oft auf uns alleingestellt. Aber doch nicht alleine. Nah beieinander. Verbunden im Geiste Jesu Christi.

Ganz sicher gab es unter den Jüngern Stress und Ängste: wie soll das weitergehen? Brauchen wir einen Wortführer? Aus der Rückschau wissen wir. Das Pfingstereignis war der Neuanfang. Sie haben viel bewegt, die Apostel. In der Kraft des Heiligen Geistes. Und die Jünger und wir selber können seit Himmelfahrt eines gewiss sein: Jesus Christus sitzt zur rechten Gottes. Unser Fürsprecher im Himmel. Manchmal in Krisen vielleicht zuerst gefühlt weit entrückt. Aber dann wieder ganz nah.

Vielleicht wie am Fest der Auferstehung mit einer Leichtigkeit flatternd am Himmel: Glaube. Hoffnung Liebe. Wir hier unten müssen nicht gesenkten Hauptes deprimiert nach unten schauen, sondern mit gradem Rücken nach oben. In den Himmel.

Amen

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Geistliches Wort zum Sonntag Rogate, den 17.Mai

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Das Vaterunser ist heute Predigttext

Für mich ist dieses Gebet wie ein Geschenk Gottes an die Menschen.

Darum geht es Gott im Eigentlichen, dass wir Leben so gestalten, dass es gelingt. Und rund um diese Gestaltung herum: Sorgt er für möglichst wenig Angst. Glaube ist gut gegen die Angst.

Und gegen die Angst wurde das Vaterunser erfunden.
Vielleicht deshalb hat das Vaterunser seit 2000 Jahren so einen fantastischen Ruf bei den Menschen. Ich hab schon viel Spott über Gott und Glauben gehört. Aber über das Vaterunser nicht. Im Gegenteil: Ich weiß, dass das Vaterunser auch von Menschen gebetet wird, denen der Glauben ansonsten fern ist. Vielleicht, weil es ein unfassbar kurzer Draht zwischen den Menschen und Gott ist.

Selbst auf meine früheren Konfis wirkte das ansteckend. Vaterunser ging immer – reibungslos – zu jedem Stundenende, ernsthaft – außer, wenn man gerade unbedingt mal kichern musste. Aber das macht ein Gebet nicht kaputt.

Draht zu Gott, unmittelbar, direkt, angstlindernd. Für mich ist das, als würden wir - klein wie wir sind – bei einer großen Kraft zapfen. Als gäbe es eine uns umgebende, durchdringende und allumfassende Energie, die Gott bereit hält; und über das Gebet kommen wir ran. Und das Vaterunser ist das Gebet für alle und alles. Grundsätzlich, übergreifend, umschließend, vollständig. Ohne dabei je auszuleiern.

Beim Vaterunser steht: Euer Vater weiß, was ihr braucht.
Ist das nicht herrlich? Wir stammeln, wir schluchzen, wir suchen nach Worten, im Glück, wie im Unglück. Und Gott sieht die zitternden Lippen und die flatternden Herzen und - weiß …

Gott weiß …..
Das Gebet im Vertrauen darauf verändert die Person, die betet. Am massivsten erlebe ich das bei Jesus: Er will nicht ans Kreuz: Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber er weiß auch: Selbst am Kreuz wird Gott ihn bewahren. Und o betet er: Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Wer betet, sortiert sich bei Gott ein – und behält freien Willen.

Merken wir das? Jesus selbst benutzt das Vaterunser. Jesus selbst braucht einen Gott, der weiß ….

Ich fühle mich entlastet, wenn ich das höre und bedenke. Mir geht das Herz auf. Ich bin nicht allein. Die Angst wird weniger.

Gott weiß, was ich brauche. Er ist an meiner Seite.
Aus dieser Gewissheit, die jetzige Zeit und ihre Herausforderungen angehen. Schutz, Gesundheit, Solidarität sind wichtig. Ruhiger Atem, beieinanderbleiben. Klagen und Gehör finden. Rufen und Hilfe bekommen. Einsam sein und Besuch bekommen, wenigstens am Telefon.

Die eigenen Ängste dürfen wir Gott sagen. Wir müssen sie nicht ummünzen und anderen als Streit um die Ohren hauen. Aushalten, dass wir mehr Fragen als Antworten haben. Und deshalb die Herzen warmhalten, damit sie nicht frieren und zittern und zürnen und zagen. Unsere Kraft gehört ins Beieinanderbleiben, nicht ins Recht haben.

Das sage ich bewusst in einer Zeit, in der ich Menschen treffe, die an Gott zweifeln und verzweifeln. Ich sage das in einer Zeit, die sich sehnt nach kurzen und heftigen Lösungen. Die Krankheit weg, die Menschen weg, die Bösen weg. Egal, Hauptsache weg.

Und zugleich der Ruf nach einer Kirche, die die Pandemie als Strafe Gottes benennt. Die die Frage nach Schuld klärt. So, wie Trump auf die Chinesen zeigt, wollen manche, dass Gottes Finger auf uns zeigt, oder auf welche von uns. Damit wir wenigstens wissen, was ist und etwas tun können.

Aber so einfach ist das nicht mit der Schuld. Wir sind nicht Schuld, einfach so. Sondern wir sind verwoben in Schuld. Schuld ist Teil jedes Menschen Leben, so wie Liebe zu jedem Menschen gehört. Und nicht Trennung heißt der Weg, sondern Integration. Man wird die Schuld nicht los, auch durch Gottes Zeigefinger nicht. Sondern wir müssen sie solange mit der Liebe auf die Waage lege, bis die Liebe überwiegt. Das nennen wir Christen dann Erlösung. Dann können wir inmitten von Schuld leben.

Und dann stellen wir zwar fest: Ja, die Welt ist wie krank, wie krebskrank geworden. Aber wir stellen auch fest: Es begann schon vor langer Zeit. Und wir müssen auch ehrlich sein und sagen: Das hört nicht einfach durch das Aussortieren von Schuld wieder auf. Sondern als wären wir in einer Krebsbekämpfung angekommen, müssen wir jetzt ernsthaft unser Leben ändern, die Schwerpunkte verschieben, die wesentlichen Punkte des Lebens wieder nach vorne holen und das so konsequent, dass wir die Not überwinden.

Aber nicht Spaltung überwindet die Krise, sondern in der Not beieinander zu bleiben, sich zu erinnern, sich zu halten, sich zu mahnen, sich gegenseitig zu stärken. Bis die Liebe ins Übergewicht kommt.

Klingt nach kleinen Schritten. Aber nur so werden wir es schaffen.

Lasst uns die Herzen auf weit stellen. Lasst uns besinnen auf unsere Kernbegriffe: Glaube, Liebe, Hoffnung. Lasst uns das ausleben als Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung.

Diese Zeit bedeutet Lernen. Und ich weiß, dieses Lernen fällt schwer. Ich weiß, dass viele schwer durchmüssen, z.B.  wirtschaftlich, oder seelisch, oder in ihren Beziehungen, dass sie sagen: Auf diese Lernerfahrung tät ich gern verzichten.

Aber wir alle wissen auch dies: Der einzige Weg, etwas zu überstehen, ist hindurch zu gehen.

Also lasst uns gehen und beten, z.B. das Vaterunser, und Schritt um Schritt den Weg schaffen.
Gott ist an unserer Seite.
Amen.

Bleiben Sie gesund und behütet!  
Herzlich
Erich Faehling, Propst

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Geistliches Wort zum Sonntag Kantate, den 10.Mai

Liebe Gemeinde, liebe Leserin und Leser,

Eigentlich hätten wir heute am Sonntag Kantate alle kräftig und fröhlich miteinander gesungen. Zusammen mit Jung und Alt, so wie es in unseren Mal Zeit –Gottesdiensten üblich ist.  

Und wie es auch der 98. Psalm, der Psalm dieses Sonntags zur Sprache bringt:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder… Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den Herren… mit Harfen und Saitenspiel…mit Trompeten und Posaunen, jauchzet vor dem Herrn, dem König!  

So oder ähnlich aus vollem Herzen zusammen zu jubeln und gemeinsam zu singen geht heute nicht.

Aber wer in den letzten Tagen in die Kirche gekommen ist, wird sich wahrscheinlich genauso gefreut haben wie ich über die toll geschmückte Mensa und den bunten Strauß, wo Kinder und Erwachsene ihre Gebetsanliegen anbringen konnten.

Danke an diejenigen aus dem Bezirksausschuss und Kinderkirchenteam, die das alles so schön   geplant und vorbereitet haben!

Heute zur Gottesdienstzeit werde ich die Gebetsanliegen in einer Fürbitte aufgreifen und sie vor Gott bringen. Und dann gegen 11:15 Uhr das Vater Unser beten mit dem Gefühl, dass viele Menschen Zuhause das Gleiche tun.

So sind wir zwar noch immer getrennt aber vereint im Geist.  

Weil Gottes guter Geist eben doch die Kraft hat alle Entfernungen zu überwinden und uns auch auf den Weg bringt, selber Distanzen zu überwinden, Verbindungen zu pflegen und Gemeinschaft zu spüren. Durch ein Telefonat, einen Brief, eine Mail oder eine Wads App, die das Gefühl geben, dass da jemand ist, der an mich denkt und mit dem ich auch in der Ferne verbunden bin.

 Am kommenden Sonntag, den 17. Mai wird es dann endlich auch hier in der Stadtkirche den ersten Gottesdienst nach langer Zeit geben. Und damit die Gelegenheit einander, wenn auch in geübtem Abstand, zu begegnen.

Immer noch ohne Gesang, weil wir als Gemeinde zum Schutz vor Corona nicht singen dürfen. Aber gut vorbereitet, weil das Hygienekonzept dann umgesetzt ist.

Und trotzdem: Es ist schon ein seltsames Gefühl, dass wir uns in der nächsten Woche telefonisch im Kirchenbüro zum Gottesdienst anmelden müssen, weil zur Zeit nur maximal 49 Personen anwesend sein dürfen. Immerhin tröstlich, dass es dann um 10:30 Uhr noch einen weiteren Gottesdienst geben wird, falls es mehr Menschen sein werden, die Gottesdienst feiern möchten.

Es sind schon besondere Umstände und Bedingungen in dieser Zeit, die wir gemeinsam zu meistern haben und die wir mit Gottes Hilfe auch gemeinsam bewältigen werden.

Auch wenn das nicht einfach ist, wenn Singen und Jubel unmöglich erscheint, weil Menschen den Tod eines lieben Angehörigen beklagen, Angst angesichts einer Krankheit oder Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz haben.

Vieles ist einfach nicht schön und wird auch nicht gut .Manches ist richtig schlimm und auch nur schwer zu ertragen. Aber wir können und sollen Gott das alles sagen und klagen.  

Interessant finde ich, dass es nach dem 98. Psalm trotz aller menschlichen Schwierigkeiten und Probleme gute Gründe zum Jubeln gibt.

Denn besungen wird Gott, der Wunder tut, der Heil schafft, der sein Heil verkündigen lässt und  dessen Gerechtigkeit offenbar wird.

Gott, der Wunder tut- das lässt uns fragen, wo wir in unserem Leben so etwas wie ein Wunder erleben oder auch schon erlebt haben.

Etwa, dass ich bewahrt wurde in schlimmer Zeit, dass ich nach dem Krieg meinen Mann, meine Frau, Sohn, meine Tochter wiedergefunden habe, dass ich mich verliebt und den Mann oder die Frau meines Lebens gefunden habe oder es mir gelungen ist nach einer schlimmen Trennung wieder Fuß zu fassen.

Junge Eltern bestaunen nach der Geburt ihres Kindes vollkommen zurecht das Wunder des Lebens. Wunderbar und wundersam tatsächlich dieser innere Bauplan des Menschen. Überhaupt aller Lebewesen, der uns werden und wachsen und dann irgendwann auch wieder gehen lässt.

Wunder gibt es immer wieder –heute oder morgen können sie geschehen.

Erinnern Sie sich noch an diesen alten Schlager?

Gar nicht so schlecht, wenn wir durch solche profanen Dinge an Wunder erinnert werden oder das Wundern neu lernen.

Weil uns das auf die Spur bringt danach zu fragen, was in unserem persönlichen Leben tatsächlich ein Wunder ist. Etwas ganz Wunderbares, woran ich denken kann und was mir das Herz wärmt, worüber ich wirklich von Herzen dankbar bin.

Ich lade Sie ein, mal ganz bewusst nach diesen Ereignissen und Erfahrungen in Ihrem Leben zu suchen und auch zu fanden. Zu überlegen, wofür Sie heute dankbar sind, um daraus dann vielleicht auch wieder Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft zu schöpfen.

Ein weiterer Grund des Jubelns in unserem Psalm ist die Hoffnung auf Heil, auf Heilung, auf ganz werden des Menschen.

Das bringt uns auf eine weitere interessante Frage: Wo habe ich in meinem Leben erlebt, dass ich körperlich oder seelisch Heilung erfahren habe, dass ich heil und gesund geworden bin.

Ich denke da kommt für viele nach einem langen Leben eine ganze Menge an wunderbarer Heilwerdungs-Erfahrung zusammen. Viele Krankheiten, die ich mit Gottes Hilfe und dank einer guten medizinischen Versorgung überwunden habe. Oder auch die Erfahrung, dass ich mit einer Krankheit dank guter Medikamente zurechtkommen und leben kann. Leben ist ja immer und zu jeder Zeit riskant und gefährdet. In Coronazeiten spüren wir wieder, dass gesund sein, werden und bleiben nicht selbstverständlich sondern tatsächlich Grund zur Dankbarkeit ist. 

Und wir haben im Blick auf Gott tatsächlich einen Grund auf Heilwerden, auf Ganzwerden zu hoffen.

Auch wenn mit Heil noch etwas ganz anderes gemeint ist, als körperliche Heilung zu erfahren.

Heil werden war schon zu biblischen Zeiten ganzheitlich zu verstehen, bezog sich auf Körper, den Geist und das Denken, die Psyche und wie die Bibel es schreibt: Die Seele. Den inwendigen, geistlichen Menschen,  die Beziehung zu Gott. Eine Beziehung, die eben auch nicht einfach so da oder einfach zu haben und selbstverständlich ist. Schon Petrus bat: Ich glaube, Herr hilf meinem Unglauben!

Glaube bleibt, neben aller persönlichen Hinwendung und Beschäftigung immer auch unverfügbar und   ein Geschenk. Aber wir können Gott immer wieder um dieses Geschenk des Glaubens bitten.

Und dürfen darum auch auf Heilungserfahrungen im Blick auf den Glauben hoffen. Auf Momente der inneren Zuversicht und Gewissheit, dass Gott mir ganz nah, für mich da und an meiner Seite ist.  Erfahrungen, die mir dann vielleicht auch in Stunden des Zweifelns und Haderns gut tun und Hoffnung geben.

In unserem Psalm geht es aber auch um Gerechtigkeit, die Gott uns ermöglicht und möglich macht. Eine Gerechtigkeit, für die wir und an der wir arbeiten müssen und die wir leben sollen. Gerecht war zur Zeit des Alten Testament und der Psalmen immer das, was der Gemeinschaft, dem Gemeinwohl und damit dem Frieden dient. Geprägt war diese Vorstellung durch die Erfahrung, dass es dem einzelnen Menschen nur gut gehen kann, wenn es der Gemeinschaft, der Gesellschaft als ganzer gut geht.

Dieser Gedanke prägt unsere Rechtsprechung und unser Grundgesetz bis heute, nach dem immer noch gilt, dass das Gemeinwohl vor dem Eigennutz geht.

Da gibt es Manches, was hier schon viel besser als anderswo ist. Grundsicherung, Krankenversicherung, medizinische Versorgung und Bildung. 

Aber eben auch Vieles, was noch viel besser gemacht werden könnte und was auf der Kippe steht.

Die Pandemie zeigt uns darüber hinaus, wie ungleich und ungerecht die menschlichen Lebensverhältnisse sind. Wie gut wir hier in Deutschland versorgt sind und wie bitter die Krankheit die Menschen in den ärmeren Ländern, in den Slums und Elendshütten Afrikas und Lateinamerikas treffen wird, wo nicht mal eine ausreichende Versorgung mit Wasser gegeben ist. Aber auch wieviel schlechter die medizinische Versorgung im europäischen Ausland und in den USA ist.

Die Pandemie zeigt aber auch wie eng und wie sehr wir weltweit miteinander verbunden und verflochten sind. Dass es eben nicht nur um die bundesrepublikanische Wirklichkeit, sondern um die weltweite Gerechtigkeit geht, wenn wir langfristig in Frieden leben wollen. Und viele weisen zurecht darauf hin, dass wir unseren Wohlstand hier aufgebaut haben und weiter ausbauen zu Lasten der Armen.

Im Blick auf die Gerechtigkeit gibt es weltweit und hier bei uns, im gesellschaftlichen und im persönlichen Bereich immer wieder vieles, woran wir arbeiten, was wir erreichen und machen müssen. Und das hört auch nicht auf. Auch wenn, es immer mal wieder Gelungenes und Gerechtes gibt und Gerechtigkeit entsteht, worüber wir uns dann freuen und wofür wir dankbar sein können.

Vor allem haben wir allen Grund, wenn wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten am Ende sind , auf Gott zu hoffen,  bei dem und durch den  immer noch Neues, immer noch so viel mehr möglich ist , als Menschen denken, machen und schaffen können. Das ist unsere Zuversicht von der her wir leben,   hoffen, singen und manchmal sogar jubeln können. So, wie es in den Worten des 98.Psalms steht :

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

Jauchzet dem Herrn alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker wie es recht ist.

 

Gott möge uns helfen, seiner Gerechtigkeit und vor allem seiner Liebe und Güte zu vertrauen.

Mit herzlichen Grüßen und bleiben Sie behütet,                         
Ihre und Eure Anke Pfeifer

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> Videoandacht zum Gruß zum Sonntag Jubilate

 

Gruß zum Sonntag Jubilate am 3. Mai 2020

Aufbruch – „Der Mai ist gekommen“

 

Liebe Gemeinde,

nun ist das Holzkreuz auf dem Markt abgebaut. Der Maibaum wurde aufgestellt. Mai Zeit. Aufbruchzeit. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus. Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt, so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Für uns alle ungewohnte und andere Aufbrüche in der Zeit der Corona Pandemie. Für einige aber auch Stillstand und Sorge. Doch ins uns allen viel Frühlingssehnsucht und der Wunsch nach Weite und Freiheit. Langsam ändern sich die Dinge und Mut tut gut. Jeder kann etwas tun – auch in unsrer Kirchengemeinde, in unserer Stadt und auf den Dörfern. Zeit der kleinen, mutigen Schritte.

Der Mai steht unter dem biblischen Monatsspruch:

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1. Petrus 4,10 (Einheitsübersetzung)

Manchmal muss jemand sagen, wo es lang geht, wie man so sagt. In welche Richtung wir denken und vielleicht handeln müssten. Das war bei den ersten Christen ähnlich. Bei ihnen kam noch dazu, dass es ja – etwa siebzig Jahre nach Jesu Auferstehung – noch keine christlichen Handbücher gegeben hat. Eine feste Lehre war noch nicht in Sicht, die kleinen christlichen Gemeinden in Stadt und Land hatten kaum Verbindung miteinander. Einige Gemeinden hatten Glück und kannten einen Apostel oder einen seiner Schüler persönlich. Die Gemeinden bekamen dann manchmal Briefe von den Aposteln – oder von einem Gefährten. So kommt es auch zu Briefen mit dem Absender „Petrus“. Vermutlich lebte Petrus aber schon nicht mehr, sondern ein weniger bekannter Schüler bediente sich des großen Namens, damit man ihm größeren Glauben schenkte.

Und in den aufgeregten Zeiten der ersten Christen, die sich gegen eine ihnen mindestens unfreundliche Nachbarschaft zu behaupten hatten, schrieb ihnen der Verfasser dann, wo es lang geht; und wie sie sich bitte im Alltag, im Leben und in ihren Geschäften mit anderen zu verhalten hätten: Dient einander. Nicht nur die Christen dienen einander, sondern die Christen dienen auch denen, die mit dem Christentum nichts im Sinn haben. Ihr seid begnadet, schreibt ein Schüler des Petrus – und diese Gnadengabe gebt Ihr bitte an die anderen weiter.

Jeder und jede hat eine Gabe. Ob sie nun klein oder groß ist, mögen andere beurteilen. Jeder hat mindestens die Gabe der Freundlichkeit, der Güte, der Herzenswärme und des Mutes. Die lassen wir nicht verkümmern, sondern setzen sie ein. Christen sollte man vor allem an ihrem Mut erkennen können, nicht so sehr an ihrem vielen Reden über Gott. Worte sind wertvoll, Taten sind wertvoller. Wir lassen uns möglichst nicht beirren in unserem Vertrauen auf Gott; schon gar nicht lassen wir uns verbittern. Wir dienen einander und wir dienen Gott – da geht es lang. Wer das im Herzen trägt, braucht nicht mehr so viele Lebensweisheiten.

Mai Zeit. Aufbruchzeit. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig. Und wir können handeln, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es an!

 Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Miserikordias domini am Sonntag, 26.04.2020

23.Psalm

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

Der 23.Psalm. Wie gern hätte ich den heute am Sonntag des guten Hirten bei der Konfirmation meiner Konfirmandinnen und Konfirmanden gelesen.

Stattdessen mussten wir die ganze Konfirmation wegen Corona bis auf weiteres auf unbestimmte Zeit verschieben, weil völlig offen ist, wann wir sie feiern können.

Meinen Konfirmanden habe ich geschrieben: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.  Feiern werden wir euch und eure Konfirmation sowieso. Und trotzdem ist das schade und tut es mir wirklich leid diese schöne Feier, auf die wir uns alle schon so gefreut haben, zu verschieben.

Gleichzeitig tröstet mich in dieser Situation der 23.Psalm:

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Mir ist, als bekomme ich durch diese Worte plötzlich einen längeren Atem. „Mein Leben lang…bleiben im Hause des Herrn …immerdar.“

Was ist schon ein einziger Tag in einem langen Leben, erst recht in der Ewigkeit Gottes. Weniger als ein Hauch.

Es kommt ja wohl doch auf das Leben als Ganzes an - selbst der festliche Moment einer Einsegnung, so wichtig und stärkend der ist, ist vielleicht auch nur eine Etappe auf einer hoffentlich langen Lebensstrecke.

Auch wenn niemand weiß, wieviel Zeit uns hier auf Erden tatsächlich gegeben ist. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen machen uns ja auch unsere eigene Vergänglichkeit und Endlichkeit wieder bewusst.

Wichtig ist dem Verfasser des 23.Psalms das Vertrauen auf Gott.

Dass Gott bei uns, bei mir und an meiner Seite ist, immer und überall ,ein Leben lang.

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.“

Vielleicht merke ich das sogar heute, morgen oder erst später – aber immer wieder.

Für manche Menschen ist es hilfreich ein kleines Glücks- oder Danktagebuch zu führen, um dort hineinzuschreiben, wofür sie heute an diesem Tage dankbar sind, was schön war oder gut getan hat. Erstaunlicher Weise sind es oft die kleinen, unscheinbaren Dinge, die plötzlich wahrgenommen werden und wichtig sind.

Die heiße Tasse Tee, die ich mir nach einem zermürbenden Heimunterrichts-Vormittag gönne, der Spaziergang an der frischen Luft, das Glitzern des Wassers unter strahlend blauem Himmel. Ein kurzes Gespräch mit der Nachbarin oder ein freundlicher Blick. Ein kleiner Gruß oder auch eine Maske , die mir eine nähfreudige Bekannte plötzlich schenkt und schickt , nachdem ich mir schon den Kopf zerbrochen habe, wo ich so ein Ding denn nun herbekomme.

Manchmal ist ganz erstaunlich, was ich da plötzlich mitten in dieser furchtbaren Corona-Krise an positiven Momenten und Impulsen entdecke. Immerhin.

Mich tröstet am 23.Psalm aber vor allem der Gedanke, dass Gott immer und überall bei mir ist, dass er mich führt „auf einer grünen Aue…zum frischen Wasser… auf rechter Straße …im finstern Tal.“ Gott ist bei mir und führt mich. „ Er erquickt meine Seele… und tröstet mich… er bereitet mir einen Tisch ... und schenkt mir voll ein.“

Es tut einfach gut diese Verheißung zu hören und sich dadurch getragen und gehalten zu fühlen. Was auch immer geschieht.

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Gut, dass Gott auch dann - gerade dann bei mir ist, wenn alles dunkel und schwer und aussichtlos scheint, um mich zu tragen, um mir zu helfen und mich zu trösten.

Ein sehr lieber Mann hat mir jedes Mal, wenn ich ihn besucht habe, zum Abschied gesagt: „Ich kann nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand “ oder hat zur Erinnerung an dieses Wort seine Hand zu einer liebevollen, haltenden Geste geformt.

Als er dann starb, musste ich an dieses Wort und an diese kleine Geste denken.

Das hat mir dann auch selber Mut gemacht und mich angesichts seines Todes getröstet. Und hat mich mit ihm und für ihn darauf hoffen lassen, dass er nun bei Gott geborgen und in seiner Hand gut aufgehoben ist.

Mir tun die Worte des 23. Psalms einfach gut.

Als ob diese Worte den Trost, von dem sie erzählen, auch mit sich bringen. Als ob der Trost, von dem hier gesprochen wird, sich selber Raum schafft in mir.

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang“.

Mein Leben lang.

So gesehen können wir dann auch die Konfirmation, so schade das ist, auf später verschieben. Und dann ganz bestimmt festlich, fröhlich und guter Dinge in die Kirche einziehen.

Darauf freue ich mich schon jetzt und heute!

Herzliche Grüße und Gott befohlen,

Ihre und Eure Anke Pfeifer

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Quasimodogeniti am Sonntag, den 19.04.2020

-> Videoandacht zum Sonntag

Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Weißt du denn nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott,
der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt.
Er gibt dem Müden Kraft
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie ein Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

( Jesaja 40, 26, 28,29,31)

Liebe Gemeinde,Pastor Sprung


seit Wochen bestimmt das Coronavirus unseren Alltag. Von kaum etwas anderem wird noch in den Nachrichten gesprochen. Fast alle Zeitungen, Radio- und Fernsehsender beginnen ihre Meldungen mit den neuesten Infektionszahlen. Und auch unser ganz persönlicher Tagesablauf ist dem Virus unterworfen.
Schulen und Kitas sind geschlossen, Menschen arbeiten im Home-Office und nur noch wenige Läden dürfen geöffnet haben. Jene, die von einer Auslandsreise zurückgekehrt sind, müssen im Hause bleiben, ebenso jene, die positiv auf das Virus getestet sind. Altersheime haben Besuchsverbot und die Bewohner müssen im Hause ausharren, die Krankenstationen sind nahezu überbelegt. Es ließe sich noch weiter fortsetzen. Die Aufzählung der Maßnahmen, die gegen eine Ansteckungsgefahr getroffen wurden, nimmt gar kein Ende.
Anfangs haben die Menschen all das geduldig ertragen, haben verstanden, dass die Vorschriften wichtig sind, um Schlimmeres zu vermeiden. Doch nun beginnen einige zu fragen:“ Wie lange soll das noch so weitergehen? Ist es nicht an der Zeit, dass die Verordnungen gelockert werden?“  
Bei anderen schwindet langsam die Zuversicht und noch andere beginnen in eine depressive Phase abzurutschen. Was wird werden?
Diese Fragen sind nicht neu. Schon oft hat der Mut die Menschen in scheinbar aussichtslosen Situationen verlassen.
So auch vor etwa 2500 Jahren. Die Israeliten befanden sich in der babylonischen Gefangenschaft und hatten keine Hoffnung auf Zukunft und glaubten nicht mehr eine Rückkehr in ihre Heimat.
Da tritt ein Prophet auf, spricht die Menschen, die nur noch gebückt zu gehen scheinen, in ihrer Niedergeschlagenheit und Trostlosigkeit an. Spricht hinein in ihre Müdigkeit, mit Worten, die das Herz des ganzen Volkes erreichen.
„Schaut nicht nur auf den Boden, seht auf zum Himmel. All das hat unser Gott geschaffen. Er ist größer, als alles, was ihr für groß haltet, lasst euch beeindrucken von den Sternen, dem Sonnenaufgang und schließt euer Herz für diesen Gott auf, der bei euch ist, wo ihr auch seid, der sich an eure Seite stellt, auch in der tiefsten Not. Er schenkt euch Kraft in der Zeit der Schwachheit und Müdigkeit.
Inmitten einer trostlosen Zeit ist die Botschaft des alttestamentlichen Propheten nahezu von einer österlichen Hoffnung geprägt. Die Israeliten werden erfahren, was für sie in jener Lage Auferstehung bedeutet: Gott ist da! Er wird sie aufwecken aus ihrer Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit.
Dadurch, dass der Prophet von Gottes Schöpfermacht, von seinen Taten, von seiner Zugewandtheit erzählt, führt er einen Perspektivwechsel herbei. Die Menschen schauen nicht mehr gebeugt nach unten, sondern können sich erheben, nach oben sehen, aufrecht stehen. Es gibt eine Zukunft, auch wenn sie für sie noch nicht sichtbar ist.
Dann verspricht der Prophet, dass Gott sein Volk wieder in seine Heimat zurückführen wird. Da mag so jeder seine eigene Vorstellung von der Rückführung gehabt haben. Und doch wird sie ganz anders gewesen sein. Langsam ging es vonstatten, in Etappen kehrte das Volk zurück. Und die Heimat war nicht mehr dieselbe, wie sie einst vor dem Exil gewesen war. Aber die neue Gemeinsamkeit bot auch Chancen. Gemeinsam wurden die Felder wieder urbar gemacht, gemeinsam wurde gesät und geerntet, gemeinsam wurden Häuser und Städte gebaut und von allem das wichtigste, es wurde der Tempel in Jerusalem gemeinsam wieder neu errichtet. Jeder nahm den anderen wahr, konnte sich auf ihn verlassen, ihn annehmen und achten als ein von Gott gewolltes wichtiges Glied in der Gemeinschaft.
Langsam wird unsere Zeit auch von dem Virus befreit werden und die Menschen werden zurückkehren in ihren Alltag. Wie es vonstattengehen wird, wissen wir nicht. Langsamer vielleicht, als es vielen lieb sein mag. Aber ich denke, das ist auch gut so, weil uns allen denn einmal die Augen geöffnet werden für die Menschen, die immer wie selbstverständlich für andere da waren, aber niemals eine Anerkennung für ihre wichtige Arbeit erhalten haben. Sehen wir sie dann mit anderen Augen, jene, die täglich in der Kita den Kleinsten die Welt erklären und die Tränen trocknen, jene, die auch den widerspenstigsten Kindern Wissen vermitteln, jene die in Pflegeheimen den alten Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben, zuhören und ihre Wirklichkeit teilen, jene, die bemüht sind, die Kranken zu heilen und sie pflegen, bis sie wieder gesund sind, jene, die jeden Tag an den Kassen der Läden sitzen und die Waren einsortieren, damit wir alle gut versorgt sind? Wir brauchen sie alle, die klaglos ihren Dienst versehen. Ihnen können wir nach dieser Zeit in ganz besonderer Weise Augen, Ohren, Hände und Herzen öffnen.
Wie lange unsere Isolation noch dauern wird, wie sie enden wird und was danach sein wird, wissen wir nicht. Aber seit Ostern wissen wir, dass wir Gottes Zusage haben, dass er uns begleitet und uns die Chance zu einem ganz neuen Anfang gibt.
Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag; Bleiben Sie behütet,
Ihr Dietmar Sprung

P.S. Hier steht der Gruß zum Ostersonntag als PDF zum Download bereit!

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Ostersonntag am 12. April 2020

-> Videoandacht zum Ostersonntag

Christ ist erstanden von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. (EG99)

So beginnt die frohe Botschaft eines alten Osterliedes.
Wie sehr wünschen wir uns das in dieser Zeit:  Auferstehen aus der Marter des Coronavirus, der   unser ganzes Leben überschattet, bedroht und lähmt.
Angst vor dem Virus, vor Krankheit und Tod, Angst um unsere Lieben , besonders um diejenigen, die in besonderer Weise gefährdet sind. Zuhause bleiben, Kontaktsperre, Lahmlegung des öffentlichen Lebens. Zurückgeworfen sein auf die eigenen vier Wände, eng aufeinander hocken samt allem Stress,  den das bedeutet. Angst um das Auskommen, den Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen, Existenzängste.  
Der Coronavirus hat uns im Griff und ist eine Marter in vielerlei Hinsicht.
Und dann lesen, singen oder hören wir mitten in dieser Zeit die frohe Botschaft:
Christ ist erstanden –von der Marter alle.
Des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Christ unser Trost. Wie kann das gehen?
Wenn wir das verstehen wollen, müssen wir, meine ich, noch einmal einen Schritt zurückgehen und uns an Karfreitag, an die Kreuzigung Jesu erinnern.  
Jesus am Kreuz ist Inbegriff menschlicher Not, von menschlichem Leiden, Sterben und Tod.
Aber sein Kreuzestod eröffnet auch eine besondere Perspektive:
Jesu Sterben und Tod will uns zeigen, dass wir in aller Not, im Sterben und Tod nicht alleine sind.
Dass Gott bei uns und an unserer Seite ist, auch heute in dieser Zeit.  
Gott lässt uns nicht allein. Auf seine Nähe und Hilfe, auf seinen Beistand und Trost können und sollen wir uns verlassen. Und wir können ihm genauso, wie Jesus das am Kreuz getan hat, unsere persönliche Not sagen und klagen ; genau wie Jesus für andere Bitten ; genau wie Jesus alles, unser Leben und unsere Lieben in seine Hand legen und geben.
Um dann wie er mit Gottes Hilfe auch selber zu spüren und zu erfahren, dass wir darin geborgen und  gut aufgehoben sind . Dass Gott uns die Kraft gibt, auch schlimme Zeiten auszuhalten und durchzustehen.
 Aber Gott will und wird uns auch immer wieder neue Perspektiven zum Leben eröffnen. In dieser Welt und nach dieser Welt. So wie er auch für Jesus neues Leben jenseits dieser Welt eröffnet hat. Denn Christ ist erstanden, von der Marter alle. Des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.
Und so dürfen wir nun auch für uns selbst und für unsere Lieben auf neues, anderes Leben nach dem Tod hoffen. So, wie wir aber auch darauf hoffen können, dass es mit Gottes Hilfe immer wieder mitten im Leben neue Perspektiven und Möglichkeiten gibt. Dass Gott uns auch in und nach der Pandemie neue Perspektiven eröffnet.
Manche Perspektiven, die sich auch jetzt schon abzeichnen: Dass es Hoffnung auf wirksame Medikamente und einen Impfstoff gibt. Dass viel getan wird, um die wirtschaftlichen Not wenigstens zu mildern. Dass Menschen, wenn auch nicht körperlich, näher zusammenrücken und viel Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfen nicht nur im Blick auf das Einkaufen entstehen. Beifall und Anerkennung für alle KassiererInnen, VerkäuferInnen und PflegerInnen, Ärzte und Ärztinnen, die in dieser Zeit besonders hart arbeiten, Anrufe oder Whats Apps, die Mut machen, musikalische Ständchen von außen, die den isolierten  Senioren in den Seniorenheimen Freude machen. Viel Kreativität und Phantasie, die in diesen Zeiten plötzlich da sind , die gut tun und dabei helfen, das alles ein wenig besser aushalten zu können. Glockenläuten, als Ruf zum  gemeinschaftlichen Gebet, auch wenn wir dabei Zuhause alleine sind. Immer wieder die Erinnerung an unseren Gott , der uns Hoffnung schenkt und Perspektiven eröffnet.
Denn: Christ ist erstanden von der Marter alle; des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein . Kyrieleis.
Diese Hoffnung und Zuversicht wünsche ich Ihnen und Euch allen. In diesem Sinne:
Frohe Ostern!                                                               Ihre und Eure Anke Pfeifer

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Karfreitag am 10. April 2020

-> Videoandacht zum Karfreitag

Gedanken zum Karfreitag

Gegen die Angst

Angst isst die Seele auf. Ich glaube, an der Angst und ihren Folgen sterben mehr Menschen als an jedem Virus dieser Welt. Menschen können das Leben nicht kontrollieren. Wir haben die Zukunft nicht in der Hand. Diese Ungewissheit nagt. Und es hilft nicht, sie zu überdecken. Und auch Versicherungen, vielfältige Ablenkungen, Weggucken, Kopf in den Sand stecken hilft nicht weiter.
Was aber dann tun gegen die Angst? Vielleicht in die Augen schauen? Vielleicht ins Gesicht lachen? Sich besinnen auf die alten Kräfte gegen die Angst: Liebe, Nähe, Vertrauen. Gemeinschaft hilft. Sich zu öffnen für Kräfte von außen, hilft. Familie, Freunde und auch der Glaube in der Gemeinschaft helfen. Gemeinsam Gedanken teilen, sich von Muterfahrungen erzählen, singen, beten hilft. Von Gott gibt es das Versprechen, dass sein Segen nicht aufhört, solange es die Erde gibt. Ich glaube, solche Versprechen sind gut gegen die Angst. Ich glaube, Gott hat überhaupt vor allem dafür den Glauben zu den Menschen gebracht: Gegen die Angst.

Halt behalten

Mein Gott, warum hast Du mich verlassen. Das ist eine Momentaufnahme von Jesus am Kreuz. Selbst das Kind zweifelt in dieser dunklen Stunde am eigenen Vater. Dieser Zweifel ist menschlich. Angst darf sein. Ich glaube, diese Geschichte steht in der Bibel, um zu zeigen, dass Gott ehrlich ist und es ernst meint. Da wird kein heimlicher Prinz am Übel der Welt vorbei auf einen Thron gesetzt und anschließend fein angebetet. Da geht einer denselben Weg in den Tod, wie jede und jeder von uns. Aber dann wendet sich das Blatt. Der Tod wird nicht zur Grube, sondern zur Tür. Der Anfang folgt dem Ende. Die Hoffnung ist der nächste Schritt. Das Leben gewinnt. Das muss man uns sagen. Von selbst kämen wir nicht darauf. Wir sind sehr gefangen im Jetzt und Hier. Das ist ok, wo es uns hilft, jetzt Verantwortung zu übernehmen. Und es ist gut, denn hier sollen wir das Leben schätzen, schützen und genießen. Aber wenn die Angst kommt, sollen wir immer noch wissen, wer da ist. Und der ist da, der die Tür kennt, die vom Tod ins Leben führt. So sollen wir Halt behalten und nicht verloren gehen.

Ausblick sehen

Kreuz und Grab sind am Ostermorgen leer. Da ist Jesus nicht. Er lebt. Das wird kommen, auch für jede von uns. Allerdings kennt das Leben keine Abkürzungen. In Wirklichkeit gehen wir immer den langen Weg. Und der führt durch Krisen und Täler hindurch. Das letzte Wort hat dann Gott.
Ich male Ihnen ein Bild vom Leben hinter dem Horizont mit Worten:

Stell Dir vor ….
…. das weite Meer, ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und gleitet hinaus auf die offene See. Du stehst am Strand und siehst, wie es kleiner und kleiner wird. Und am Horizont, dort, wo Wasser und Himmel zusammentreffen, verschwindet das Schiff aus Deinem Blick. Und dann sagst Du: Nun ist es gegangen.
Aber es gibt die andere Seite des Horizontes. Und die auf der anderen Seite des Horizontes sehen das Schiff mit ihren Augen und sagen: Da erscheint es.

Bleiben Sie gesund und behütet!  
Herzlich
Erich Faehling, Propst

-> Homepagegottesdienst zum Karfreitag

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Karfreitag als PDF zum Download bereit!

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Gründonnerstag am 09. April 2020

 

Brich mit den Hungrigen Dein Brot
Sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
such mit den Fertigen ein Ziel,
teil mit den Einsamen das Haus.
Dieses Lied singen wir oft und gerne in Gottesdiensten bei Abendmahlsfeiern. Es geht um Gemeinschaft. Um das Teilen. Heute ist Gründonnerstag. Der Tag, an dem wir uns an Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern erinnern. In vielen Gemeinden würde heute Abend das Abendmahl gefeiert. Zum Teil auch in ganz modernen Formen. In diesem Jahr ist das anders. Durch die Coronainfektion dürfen wir keine Gottesdienste feiern. Dürfen wir uns nicht in größeren, selbst nicht einmal in kleinen Gruppen versammeln. Das ist hart. Das fehlt vielen. Keine Gemeinschaft am Tisch des Herrn. Nicht einmal das „teil mit den Einsamen dein Haus“ geht in diesen Zeiten.
Wie damit umgehen?  Das Verbot, sich in Gruppen zu treffen, hat viel Kreativität ausgelöst. Wir nutzen die neuen Medien, um die Menschen mit unserer Botschaft zu erreichen. Spielen vom Kirchturm. Packen Ostertüten. Beten füreinander, vor Ort und Weltweit. Fast drei Wochen dauert nun schon dieser Zustand an und keiner weiß, wann und wie er langsam aufgelöst und verändert wird.
Die Hilfsbereitschaft ist groß. Teilen gelingt anders durch Einkaufshilfen, Leute kaufen in Geschäften Gutscheine, damit wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt.
Letztlich wird weltweit unser Glaube, nicht nur im Christentum, sicher auch in den anderen Religionen auf eine harte Probe gestellt. Es geht um Vertrauen, Zuversicht, Geduld haben und auch auf Abstand Nähe zu anderen zu spüren.
Jesus feiert das Abendmahl mit seinen Jüngern als Gemeinschaftsmahl. Als Stärkung kurz vor seinem Tod. Tod und Abendmahl, Karfreitag und Gründonnerstag liegen ganz dicht beieinander. Wie nah uns der Tod ist und welcher Ängste er auslöst, das spüren wir tagtäglich.
Gerade deshalb, dürfen wir nicht mutlos sein. Können wir Gemeinschaft neu entdecken. In der Familie, die sich und ihre Hausgemeinschaft schützen muss. Unter Nachbarn. Menschen, die alleine sind oder bedrückt sind, anzurufen. Ihnen einen Brief zu schreiben. Vielleicht sogar noch per Hand.
Das zweite, das Jesus beim Abendmahl herausstellt ist der Zuspruch der Vergebung. Und ohne diese Vergebung gibt es keine Zukunft für uns Menschen. Wie oft wird gerade in diesen Tagen in der Krise ein Schuldiger gesucht. Entweder ist es der Virenspezialist, oder irgendeine Regierung, sogar die Weltgesundheitsbehörde wird angegriffen. Ja, so eine Krise deckt menschliche Schwachstellen auf. Ohne Frage.
Aber helfen diese zusätzlichen Belastungen?
Brich mit, teilt mit, such mit sprich mit- vier Einladungen, nicht egoistisch zu leben, schon gar nicht, den Druck auf anderen noch zu erhöhen.
Möge die Kraft der Tischgemeinschaft unter Brot und Kelch, auf die wir im Moment verzichten müssen, uns irgendwann wieder stärken und zusammenführen.
Bis dahin  behüte Sie Gott und gesegnete Ostern
Ihr Pastor Christoph Pfeifer

 P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum Sonntag zu Mk 13, (1-2) 3-9. Palmsonntag, 5.April 2020

Videoandacht zum Sonntagsgruß

Liebe Gemeinde,
eine Spannung war zu spüren, damals in Jerusalem und Betanien: Große Freude und vermehrte Angst zugleich. Große Freude über den Einzug Jesu nach Jerusalem. Große Freude über den Einzug des Mannes, von dem gesagt wurde, er mache Blinde sehend, heile Kranke und helfe den Armen. Große Freude diesen Mann bei sich im Haus in Betanien zu haben und mit ihm den Abend verbringen zu können. Und zugleich wurde dieser Mann von hohen Schriftgelehrten, dem Kaiser gesucht, seine Taten hinterfragt, er verachtet. Sogar er selbst sprach von der Endgültigkeit seiner Zeit auf Erden, von seinem Tod in absehbarer Zeit.
Unsicherheit. Hilflosigkeit. Einsamkeit. Anspannung. Ohnmacht. Existenzangst.
Eine Spannung ist zu spüren, heute, hier bei uns in Preetz und auf der ganzen Welt: Große Freude und vermehrte Angst zugleich. Große Freude über den Frühling, die ersten warmen Sonnenstrahlen an der frischen Luft, die blühenden Bäume im Garten, die ersten Fahrradtouren mit den Kindern, das erste Stück Kuchen auf der Terrasse. Und zugleich große Fragezeichen den Corona-Virus betreffend, Angst vor Infizierungen, abgesperrte Spielplätze, Besuchsverbote, Angst um das eigene Einkommen.
Unsicherheit. Hilflosigkeit. Einsamkeit. Anspannung. Ohnmacht. Existenzangst.
Mitten in diese Spannung hinein trat eine Frau, damals in Betanien. Ohne abzuwarten, ohne zu zögern platzte sie in dieses Treffen hinein, ging direkt zu Jesus, an den Jüngern vorbei und salbte ihn mit dem kostbarsten Öl. Sie handelte intuitiv, wartete nicht ab, hatte ein Gespür für diese einmalige Situation, trat mutig und entschlossen auf. Eine einfühlende Geste aus Nähe und Zuwendung, damals in Bethanien.
Mut. Trost. Füreinander. Kraft. Hoffnung.
Mitten in diese Spannung hinein kommt ein Telefonanruf der Nachbarin mit der Frage nach dem eigenen Befinden; grüßt ein Mann einen anderen auf der Straße mit dem Wunsch gesund zu bleiben; legt ein Kind seiner Oma eine volle Einkaufstasche vor die Tür. Einfühlende Gesten aus Nähe und Zuwendung, heute, hier in Preetz und auf der ganzen Welt.  
Mut. Trost. Füreinander. Kraft. Hoffnung.
Handlungen, die Nähe und Zuwendung enthalten, die Angst und Einsamkeit lindern wollen. Handlungen, die Kraft, Halt, Trost und Mut geben wollen um die Spannung auszuhalten und durchzustehen. Handlungen, in denen spürbar wird, es wird weitergehen. Handlungen, die Hoffnung ausstrahlen und den Glauben an ein Danach wachhalten.
Denn es gibt ein Danach, damals in Betanien und Jerusalem und heute, hier bei uns in Preetz und auf der ganzen Welt. Ein Danach auf das gehofft werden kann, ein Danach an das geglaubt werden kann, ein Danach, aus dem Kraft gezogen werden kann.
Wie es sein wird, wissen wir nicht. Doch gehen wir den Weg dorthin und durch die Spannungen nicht alleine. Weder (Freude noch) Angst oder Hilflosigkeit müssen wir alleine erleben oder alleine durchstehen. Denn wir können darauf vertrauen, dass Gott den Weg mit uns geht auch und besonders durch das tiefste Leid und die größte Unsicherheit. Gott begleitet uns. Gott ist da: Damals in Betanien, in Jerusalem und heute hier bei uns, in Preetz und auf der ganzen Welt.
Amen.
Ihre/Eure Pastorin Yasmin Glatthor

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Gruß zum Sonntag Judika am 29. März 2020
Die Suche nach der bleibenden Stadt
Liebe Gemeinde,
das Leben in unserer Stadt und auf unseren Dörfern hat sich in den letzten Wochen rasant verändert. „So etwas gab es seitdem Krieg nicht mehr …“ solche Sätze kann man hören. Kontaktsperre. Keine Gottesdienste. Nie gekannt. Wir lernen anders miteinander umzugehen. „Wann hört das auf? Und: Wie lange wird das dauern und wann ist alles sowie immer?“

Fragen und Sätze der Verunsicherung, der Sorge und natürlich auch der Angst. Christen haben in vielen Zeiten bis heute in der Welt in Angst und Sorge gelebt. Auch zu Zeiten des Hebräerbriefes war die Sorge um die Zukunft der Gemeinde groß. Im Predigtext für heute lesen wir:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräerbrief 13,14)

Dieser Vers am Ende des Hebräerbriefes ist eingebettet in letzte Bitten an die Gemeinde wie:
-    Bleibt fest in der brüderlichen Liebe
-    Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt
-    Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an den, was da ist

Gerade bei dem letzten Gedanken musste ich im Blick auf den Ansturm der letzten Tage auf das Toilettenpapier schmunzeln.

Doch mit Ernst zurück zum Ausgang. Christen haben zu allen Zeiten – in Freud und Leid - darauf vertraut: Unsere Zeit liegt in Gottes Händen, auch unsere Zukunft. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ In meinen Ohren klingt das tröstlich. Wenn ich mir unsere Welt zu Zeit anschaue, fühle ich die Erschütterung und manchmal auch eine an Verzweiflung grenzende Hilflosigkeit angesichts der Corona Pandemie. Alte Sicherheiten gelten nicht mehr. Die mächtigen „Maulhelden“ wie Trump, Putin und Xi Jinping führen uns mit ihren Halbwahrheiten hinters Licht. Erst komme ich, dahinter kommt wenig bis nichts. Schlagbäume gehen runter. Grenzen werden abgeriegelt. Kennt Corona Grenzen?

Doch wir dürfen nach der „zukünftigen Stadt“ Gottes suchen. Ein Trost! Diese Hoffnung, dass es da eine „zukünftige Stadt“ gibt, dass es für uns eine Zukunft gibt, ist eine Kraftquelle. Wenn ich nur auf das schaue, was auf dieser Erde gerade geschieht, möchte ich am liebsten die Augen davor verschließen. Aber, und das ist ein großes „Aber“ – unsere Zukunft liegt in Gottes Hand! Darauf zu vertrauen gibt Kraft, genau hinzuschauen, sich einzusetzen, nicht aufzugeben. An einer anderen Stelle in der Bibel heißt es. „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7). Darum geht es! Nicht wegschauen, nicht die Welt ihren Weg ins Verderben gehen lassen, sondern immer wieder nach Wegen suchen, die zum Frieden, zur Heilung, zur Gerechtigkeit und zur Begegnung führen. Auch ein guter Impfstoff!

Ein von mir sehr geschätzter Theologe und Weltenkenner Helmut Thielicke schreibt:
Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, wer kommt! Darauf lasst uns vertrauen!

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

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Gruß zum Sonntag Lätare am 22.03.2020:
Liebe Preetzerinnen  und Preetzer, „Freut Euch!“ Dazu werden wir heute mitten in der Passionszeit aufgefordert. Mitten in all dem, was in diesen Tagen fremd und beängstigend über uns hereinbricht.  Im Predigttext für heute aus dem Buch Jesaja heißt es:
 
„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. (...)Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will
euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; (Jes 66,10.12.13a)
 
Enguerrand Charonton: Die barmherzige Jungfrau, 1452, Musée Condé in Chantilly, Heiligenlexikon.de  
Als diese Verse entstanden- gut 500 Jahre vor Christi Geburt - war Jerusalem lange eine ausgestorbene Stadt gewesen – der Tempel zerstört, die Menschen verschleppt. Nun kehren die ersten zurück in die noch immer öd daliegende Stadt, fühlen sich verloren, hilflos und fragen sich, ob sie  sich je wieder mit Leben füllen wird.
Bei mir in Hamburg wie wohl auch bei Ihnen in Preetz sind Straßen und Spielplätze, Cafés und Geschäfte jetzt ausgestorben. Wir wissen nicht, für wie lange. Wir hören aus italienischen Städten von überfüllten Krankenhäusern und von Menschen, denen niemand in ihrem Leid beistehen kann, wir trauern und sind verunsichert: Wird es bald vielerorts so kommen?
Mitten in unserer Sorge, damals und auch noch heute, ruft Gott uns  zu: „Freut euch! Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“
Viele brauchen in diesen Tagen noch mehr als sonst Zuwendung, nicht nur oder vor allem Kinder. Darum finde ich es bemerkenswert, dass da im Hebräischen steht: „Ich will euch trösten, wie einen Mann seine Mutter tröstet.“
Ich selber denke zum Beispiel an meinen Sohn, der zurzeit im Abitur steht. Manches lässt sich von zu Hause erledigen. Wenn alles gut läuft wird er im Sommer trotz allem sein Abizeugnis in der Hand halten. Aber zur Schule wird er nicht mehr gehen. Sein letzter Schultag war vor den Frühjahrsferien ohne dass er es wusste. Es wird keinen Abistreich und wohl auch keinen Abiball geben.
Das ist alles ja nicht lebensbedrohlich und doch macht es bedrückt und traurig. Fast jeder und jede erlebt solche Dinge: Abgesagte Traumreisen, runde Geburtstage, Konfirmationen, Arbeitsprojekte. Manch Erwachsener mag auch Sehnsucht nach dem Trost der Mutter oder des Vaters bekommen, die er oder sie nicht besuchen kann, weil sie zur Risikogruppe gehören.
Was mich trotz alldem froh macht ist die Aufmerksamkeit, mit der Menschen den Kontakt untereinander nicht abreißen lassen und alle noch verbliebenen Kanäle nutzen, um zu fragen: Wie geht es Dir? Was brauchst Du jetzt?
Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran festhalten, so füreinander da zu sein. Lassen Sie uns einander mütterlich und väterlich Hoffnung und Trost zu schenken im Namen Gottes, der Trost und Grund zur Freude für alle seine Kinder bereithält!
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!
Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg von Ihrer neuen Pastorin Parra

 

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TagesLosungen

Montag, 17. Mai 2021:

Der HERR war mit Josef, und was er tat, dazu gab der HERR Glück.
1.Mose 39,23

Paulus schreibt: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.
1.Korinther 3,6
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