Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Grußwort-Archiv

Gruß zum vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, 15.11.20

Gruß zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, 08.11.20

Gruß zum 21. Sonntag nach Trinitatis, 01.11.20

Gruß zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 25.10.20

Gruß zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 18.10.20

Gruß zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 11.10.20

Gruß zum Erntedankfest, 04.10.20

Gruß zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 20.09.20

Gruß zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 20.09.20

Gruß zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 13.09.20

Gruß zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 06.09.20

Gruß zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 23.08.20

Gruß zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 16.08.20

Gruß zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 09.08.20

Gruß zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 02.08.20

Gruß zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 26.07.20

Gruß zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 19.07.20

Gruß zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 12.07.20

Gruß zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 05.07.20

Gruß zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 28.06.20

Gruß zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 21.06.20

Gruß zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 14.06.20

Gruß zum Sonntag Trinitatis, 07.06.20

Gruß zu Pfinsten, 31.05.2020

Gruß zum Sonntag Exaudi, 23.05.2020

Gruß zu Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Gruß zum Sonntag Rogate, 17.05.2020

Gruß zum Sonntag Kantate, 10.05.2020

Gruß zum Sonntag Jubilate, 03. Mai 2020

Gruß zum Sonntag Miserikordias, 26. April.2020

Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

Gruß zum Ostersonntag, 12. April 2020

Gruß zum Karfreitag, 10. April 2020

Gruß zum Gründonnerstag, 09. April 2020

Gruß zum Palmsonntag, 5.April 2020

Gruß zum Sonntag Judika am 29. März 2020

Gruß zum Sonntag Lätare am 22.03.2020


Gruß zum vorletzten Sonntag im Kirchenjahr am 15.11.2020

gehalten von Pastor Lars Kroglowski

gehalten von Pastor Lars Kroglowski

 

Aufbruch - „für den Frieden“

Liebe Gemeinde,

Diese Woche ist Volkstrauer Tag – ein guter – ein wichtiger Tag – ein Tag gegen das Vergessen! 

Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf. Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt oben auf. Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt. Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind! Heißt es in einem Kirchenlied von Jürgen Henkys.

Wir trauern um die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, wir trauern um alle, die ihr Leben verloren haben. Über 120 Millionen Menschen - einen unvorstellbare Größe – erst da fassbar – begreifbar, wo wir den einzelnen vor Augen haben - bezahlten die beiden Weltkriege unseres 20. Jahrhunderts mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit. Unser Gedenken schließt alle ein, auch über die Grenzen der Nationen hinweg. Wir leben nach wie vor in einer gewalt- und kriegsbereiten Welt.

Angesichts dieser Tatsache und unserer eigenen Geschichte bricht sich der Wunsch bahn: Nie wieder Krieg! Diese Friedenssehnsucht ist aus Trauer gewachsen. Immer wieder wird in der internationalen Politik mit der Möglichkeit kriegerischen Eingreifens gedroht. Oft genug, zu oft, wird aus der Drohung Wirklichkeit. Wir erleben es im Irak, Syrien, Afghanistan und vielen anderen Ländern. Krieg und Terror bringen Leid, dass zeigen uns die Bilder und die Berichte überdeutlich.

Zum Sinn oder Unsinn des Krieges muss man die Opfer befragen (die Mütter, die Kinder, die Verstümmelten, die Verletzten), nicht die, die Kriege angeblich gewinnen, und erst recht nicht die, die daran verdienen. Man muss sich erinnern! Und so erinnere ich mich an einen 86. Geburtstagsbesuch eines Mannes meiner Gemeinde. Und diesem alten Mann stiegen die Tränen in die Augen als er von seiner Jugend in Dresden erzählte. In dem schrecklichen Bombenangriff auf Dresden – als die Feuerwalze durch die diese Stadt raste – hat er einer Nacht seine Eltern und Geschwister verloren. Er selbst hat überlebt, weil er zu der Zeit mit 16 ½ Jahren in die Wehrmacht eingezogen wurde und hier bei uns im Norden bei der Marine in Cuxhaven stationiert war. Der Krieg hat ihm nicht nur seiner ganzen Familie beraubt, sondern er musste dann auch noch für diese „riesengroße Scheiße“ die eigene Jugend hergeben und den Kopf riskieren. Tiefe Traumatisierungen. Erlebnisse, die sich in die Tiefe seiner Seele eingegraben haben. 

Der Krieg verändert uns Menschen und das bis in viele Generationen hinein. Ein Krieg hinterlässt Spuren auch bei den Kriegskindern. Sich erinnern lassen an seine Biographie – sich Frieden wünschen und etwas dafür zu tun, da liegt ein tiefer Grund für den Volkstrauertag.
Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres am 08. November 2020
von Propst Faehling
 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Predigttext

1. Thess 5, 1-6

1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Ein starkes Wort am Sonntag nach dem amerikanischen Wahlkrimi. Ein seltsam furchtloses Wort in Zeiten von Corona. Ein fast weltfremdes Wort, nachdem Moria gebrannt hat und schon wieder Hunderte im Mittelmeer ertrunken sind.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Wirklich? Gehen denn nicht gerade die Lichter aus, nicht nur in den geschlossenen Restaurants und Kinos, bei den Kleinkünstlern und in den Theatern?

Was sagt Paulus da?

Und mit ihm sag ich es weiter?

Kirche, die weltfremden Gutmenschen? Die, die immer alles zurecht reden? Und zugleich daran glauben, dass ihr Gott seinen Sohn opfert – wie grausam ist das? Und die doch eigentlich auf absteigendem Ast sitzen – bei den Austrittszahlen; und dann auch noch Rituale pflegen, die aus der Zeit gefallen sind.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Ja, ich glaube, das stimmt: Wir sind nicht in der Finsternis. Wir sind Kinder des Lichts. Und zwar dort, wo wir wach und nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass jede und jeder von uns doch nur einen Bruchteil des Lebens in der eigenen Hand hat. Wie wenig kann ich kontrollieren, verstehen, beherrschen in meinem Leben. Gefühle werfen mich aus der Bahn. Ein Virus, so klein, dass ich ihn nicht sehen, schmecken, riechen, fühlen kann, bringt meine ganze hochtechnisierte Welt zum Erliegen. 90% des Lebens sind unerforscht, nicht erklärbar, voller Wunder und Rätsel.

Und obwohl das so ist, leben wir, lieben wir, hoffen wir. Wir bekommen Kinder, bauen Häuser, planen Zukunft – und haben doch so wenig in der Hand.

Das kann nur bedeuten, dass wir entweder alle irgendwie irre sind und vollkommen realitätsfern. Oder es heißt: In uns brennt ein Feuer, sei es Hoffnung, sei es Mut, sei es Widerstandskraft – ein Feuer, dass dem seltsam unüberschaubaren Leben mit Freude, Mut und Zukunftshoffnung begegnet.

Für mich hat das etwas mit Gott zu tun. Aber es gilt auch für die, die nicht an Gott glauben. Auch Menschen, die nicht an den christlichen Gott glauben, können solche Lebensgewissheit haben.

Ich muss die Quelle dieser besonderen Gedanken nicht Gott nennen, aber für mich persönlich heißt sie so.

Und würden wir uns auf diese Quelle einmal gemeinsam verständigen, zunächst einmal ganz gleich, wie wir sie nennen, könnten wir uns treffen an dem Punkt, wo wir sagen: Hoffnung und Widerstand machen Sinn. Mut und Liebe sind Lebenskräfte, die uns voranbringen. Und Orte, die man z.B. als Seele bezeichnen kann, haben ein Gespür für die unfassbaren 90% des Lebens, aus denen soviel lebendige Kraft zu schöpfen sind.

Und auf einmal könnte der Satz stimmen:

Ihr aber seid nicht in der Finsternis

Auf einmal sind wir in Trumps Welt, in der Moria brennt und Ungerechtigkeit allerorten schreiendes Unrecht hervorruft, nicht mehr hilflos, sondern können gegenangehen – können auch dann sinnvoll streiten und kämpfen, wenn wir nicht alles besser schaffen als die, wir kritisieren. Wir können uns einsetzen, auch wenn wir aushalten müssen, dass wir die Welt nicht retten. Wir können glauben, hoffe, uns und anderen treu sein, obwohl wir zweifeln, scheitern, Fehler machen.

Das ist mein Glaubenskern, dass Gott uns braucht und hütet, obwohl wir nicht die Besseren sind; dass der Himmel uns gehört, auch wenn wir dauernd dran vorbeilaufen. Sinn gibt es auch da, wo Erfolg ausbleibt. Einsatz lohnt sich auch dann, wenn wir das Ziel nicht erreichen. Und immer neu sich aufmachen ist klug – kein Zeichen von Schwäche.

Weltfremd bleibe ich wohl dabei bis an mein Lebensende, womit ich meine, dass mir die Welt, wie sie ist, fremd bleibt mit ihren Ungerechtigkeiten, ihren unfairen Gesetzen, ihrer Art, gerade auch die Falschen zu Siegern zu machen.

Weltfremd bleibt auch Gott, weil er nur so die Welt korrigieren, sie zum Guten hin stören, ihr widersprechen kann.

Weltfremd ist der Glaube, der nicht loslässt von dieser oft sperrigen und paradoxen Gewissheit: Ihr aber seid nicht in der Finsternis.

Genau: Der Satz gilt am meisten, wenn es gerade finster ist.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis

Willkommen im Licht der Hoffnung, die unvernünftig weltfremd ist und deshalb mitten in Trumpscher Zeit, in brennender Moria-Schrecklichkeit und angesichts wild voranschreitender sozialer Ungerechtigkeit und Klimaverschlimmerung jeden Morgen neu aufsteht und mit einzelnen Menschen an einem lebenswerten Gesicht der Zukunft baut.

Ich finde das schön und klug. Ich tu das gerne und freu mich über jede und jeden, mit dem ich das gemeinsam tun kann.

 

Amen.

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 21. Sonntag nach Trinitatis am 01. November 2020
von Pastorin Pfeifer

 

Predigttext:Matthäus 5,38ff

 Liebe Gemeinde,

die Bergpredigt Jesu. Fast jeder Christ  kennt sie.    Oder hat zumindest die eine oder andere Passage daraus schon gehört.   Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. 

So wunderbar und so wohltuend  beginnt diese lange und großartige Rede Jesu, in der der Evangelist Matthäus viele   einzelne Worte und  überlieferte Reden Jesu zu einer einzigen großartigen Rede zusammenfasst. 

 So beginnt sie   ungemein wohltuend und tröstlich. Mit Worten die gut tun und die uns der Liebe Gottes gewiss machen wollen. Damit wir uns in dieser Liebe   geborgen und gut aufgehoben fühlen.

Diesen Worten schließt sich dann ein anderes sehr  bekanntes Wort des Zutrauens und des Vertrauens   an. Worte , die Jesus damals zu Menschen gesprochen hat. Die uns  bis heute zugesprochen werden und auch berühren, wenn wir darauf hören  

Ihr seid das Salz der Erde .Ihr seid das Licht der Welt.    So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke im Himmel sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Auf die Zusage der Liebe Gottes folgt in der Bergpredigt also das Vertrauen.   Das schier unglaubliche  Zutrauen    Gottes, dass wir bis heute Salz der Erde, Licht der Welt sind und sein können. Und   auch den Auftrag haben, Gutes zu tun und das Antlitz der Welt zu verändern, so schwach, hilflos und unfähig wir uns auch immer fühlen.

Die Zusage der Liebe Gottes, das Zutrauen und Vertrauen in uns Menschen, aber auch unser Auftrag in dieser Welt und für diese Welt liegt auch demPredigttext zugrunde,   den wir in der Evangelienlesung bereits gehört haben. Auch er ist ein Abschnitt aus der Bergpredigt         

Auch hier  ist von der   Liebe Gottes die Rede, der die Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und der regnen lässt über Gerechte und Ungerechte gleichermaßen.

Der in seiner Liebe tatsächlich überströmend großzügig ist.

Jeden und jede, uns alle meint und schier unbändig liebt.

Alle Menschen,  die sich redlich bemühen gute Christen zu sein. Die viel Gutes tun und viel Gutes bewirken. Aber auch   Fehler machen und Schwächen haben. Die immer wieder vorbei hauen und daneben tappen. Die sich selbst und ihr Leben ganz und gar nicht auf die Reihe kriegen. Die Unrecht tun und  andere Menschen verunglimpfen und verhöhnen. Gott liebt sie eben doch. Immer noch .

Weil Gott selbst die immer noch liebt, die sich längst von ihm abgewandt haben .Auch die, die sich selbst  alles andere als liebenswert fühlen. Auch die unangenehme Zeitgenossen , und die, die manchmal regelrechte Kotzbrocken sind. Gott liebt sie eben doch.

Immer noch. Weil seine Liebe vollkommen ist. Gott sei Dank.

Und so darf  ich mich mit meinen Schwächen und Fehlern immer noch von Gott gewollt und geliebt fühlen, so wie er mir das bei meiner Taufe zugesagt hat: Du bist und du bleibst meine liebe Tochter, mein lieber Sohn. Hierauf darfst du dich verlassen. 

Aber damit hört das, was Gott für mich will und mit mir vor hat  nicht auf. 

Denn schon  bei der Taufe hören wir dieses  sonderbare und  ganz enorme Zutrauen und Vertrauen. Dass Gott mir so viel mehr zutraut und von mir erwartet, als ich mir selber zutraue und zutrauen kann.Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater vollkommen ist. So, wie Jesus die vollkommenen Liebe Gottes gelebt und gezeigt hat, um uns ein, wenn auch unerreichbares Vorbild zu geben und Vorbild zu sein. Damit wir ihn nachahmen und uns an seinem Verhalten orientieren können.

Und so fordert uns Jesus in unsrem Predigttext     dazu auf, entsprechend zu leben: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder unseres Vaters im Himmel seid.

Liebe Gemeinde, was für ein ungeheurer Auftrag   . Der unsere menschliche Kraft und Fähigkeiten  wohl meistens übersteigt. Wer könnte oder würde so etwas  tatsächlich von den Männern, Frauen und Kindern, die heute vor mörderischen Banden oder Kreigherren an vielen Orten der Welt auf der Flucht sind, erwarten.  Von   Menschen die damals in unserem Land bedroht und verfolgt wurden. Die in Lager verschleppt worden sind und in den KZ´s gelitten haben.  Die heute blutigem Terror zum Opfer fallen.

Wer könnte und würde so etwas von den Opfern akuter Gewalt in welcher Form auch immer erwarten. Oder erwarten können. Etwa von Frauen , die  ins Frauenhaus fliehen , weil ihre Männer sie verprügelt haben. Wir merken wie über menschlich  dieser Anspruch  in diesen Situationen tatsächlich ist.

Wenn dich jemanden auf die rechte Backe schlägt, dem biete auch die andere dar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus so etwas zu einem geschlagenen und erniedrigten  Menschen in einer akuten Notsituation sagt  Ich gehe vielmehr davon aus, dass er sich ganz klar auf die Seite der Unterdrückten und Schwachen gestellt hat und ihnen geholfen hätte.

Aber ich kann mir vorstellen, dass er an einem anderen Ort und in einer anderen Situation, die nicht   akut bedrohlich war, so etwas gesagt und damit auch provoziert hätte.

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht wiederstreben sollt dem Übel. Sondern: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch da. Eine steile Forderung. Und eine provokante These. Ich stelle mir vor, wie Jesus dies in einer Art  Lehrgespräch  zwischen Rabbi, Lehrer und Schüler sagt.

Dass er seinen Zuhörern einen Weg aufzeigen will, wie es gelingen könnte den ständigen Kreislauf der Gewalt zu durchdringen und ihn zum Stoppen zu bringen. Wie es gelingen kann Böses mit Gutem zu überwinden. 

 Schlägen nicht mit erneuten Schlägen zu begegnen, sondern   stattdessen mit einer vollkommen unerwarteten Leidensbereitschaft. Die möglicher weise sogar verblüfft und in der persönlichen Auseinandersetzung vielleicht tatsächlich die Kraft hat, den Kampf und das Leid zu beenden. Jesus selbst ist diesen Weg der persönlichen Leidensbereitschaft und Hingabe bis zum Schluss gegangen. Mahatma Gandhi  hat mit seiner vollkommenen Friedfertigkeit  des gewaltlosen Widerstandes die Kolonialherren als Unterdrücker entlarvt und die Unterdrückung langfristig tatsächlich beendet. Und der passive, friedlich Widerstand  Martin Luther Kings hat überzeugt und das Unrecht der die Diskriminierung der schwarzen durch die weiße Bevölkerung Amerikas offensichtlich gemacht und dazu geholfen die Rassendiskriminierung  bewusst zu machen und wenigstens in vielen Bereichen geringer zu machen . Auch wenn wir heutzutage wieder merken, wieviel da gerade in den USA noch zu machen und zu verändern ist. Und dass wir auch hier bei  uns   viel tun müssen und auch an uns selbst immer wieder arbeiten müssen, um Rassismus, Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit und wahrscheinlich auch die eigene Angst vor dem Fremden zu überwinden.

Jesus lehrt seine Jünger in unsrem Predigttext was es  bedeutet, Liebe zu üben.  

Und er wählt dazu Beispiele aus der damaligen Gerichtsbarkeit aus.  Es geht ihm um Liebe- die immer noch größer und höher ist als Gerechtigkeit.

Auge um Auge , Zahn um Zahn. Nach levitischer Rechtsprechung ist das gerecht. Denn es geht darum eine Straftat und ein verhängtes Strafmaß in ein angemessenes Verhältnis  zu setzen.

 Aber Jesus geht es hier aber nicht um das Recht. Auch nicht um Gerechtigkeit. Jesus geht es um Liebe. Es geht ihm darum sogar im Täter, im Feind den Nächsten, den Mitmenschen zu erkennen. Das bedeutet allerdings auch für ihn eine schlimme Tat zu verurteilen Aber er fordert uns dazu heraus in dem Täter immer noch mehr und immer noch den Menschen zu sehen , der möglicherweise auch noch ganz andere Seiten und  Facetten hat , die wieder oder weiter wachsen und sich entfalten können.

Und wenn jemand mit dir rechten will. Wenn jemand zurecht dein Unterkleid als Pfand   haben will, weil du ihm Geld schuldig bist. Dann gib ihm auch den Mantel. Gib ihm mehr, als er verlangt und als ihm zusteht. Und wenn jemand dich nötigt eine Meile mit ihm zu gehen. So geh mit ihm zwei.

Liebe Gemeinde, wir merken. Es geht hier nicht um das rechte oder gerechte Maß. Es geht hier um Liebe. Um eine  Liebe und ein daraus folgendes Handeln, das überfließt . Um Liebe die größer und höher ist  und   alle   Gerechtigkeit weit übersteigt.  Eltern kennen das. Wenn es manchmal regelrecht schwer fällt die    widerborstigen Söhne und Töchter in den Flegeljahren auszuhalten und zu ertragen. Und gleichzeitig   zu merken, wie sehr man sie liebt. Selbst wenn das mitunter schwer fällt und   anstrengend ist. Und doch: Die Liebe ist da. Und die Liebe bleibt .Weil die Liebe eben immer noch größer und stärker ist und alles andere übersteigt So wie   Paulus das sagt: Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles. Sie duldet alles. Sie rechnet das Böse nicht zu.

Sie betrachtet jedes Kind, jeden Heranwachsenden und erwachsenen Menschen immer wieder neu mit  den Augen der Liebe. Und gibt ihm aufs Neue die Chance und die Möglichkeit sich anders zu zeigen und zu verhalten. Und nochmal neu Anlauf zu nehmen und sich zu verändern. Die Liebe   schafft es tatsächlich immer wieder nicht zu vergessen aber eben doch zu verzeihen. Und großzügig zu sein. Auch wenn das   bedeutet sich offen die Meinung zu sagen und auch Konflikte zu wagen. Um dann aber auch wieder nach Lösungen zu suchen und neue und andere Wege zu gehen.

Wahrscheinlich hat Jesus Recht und es gelingt der Liebe manchmal tatsächlich Böses mit Gutem zu überwinden. Jedenfalls will er uns sagen, dass in der Hoffnung auf Gott      mit Liebe oft viel mehr zu machen zu schaffen und auch zu lösen ist, als wir manchmal denken. Dass es sich lohnt aus der Liebe heraus zu leben und sie an andere weiter zu geben.

Und dass es Sinn macht, Gott   immer wieder um die Fähigkeit so zu lieben, zu bitten.

Gott möge uns jedenfalls immer wieder   die Kraft und die Stärke dazu geben. Amen 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 20. Sonntag nach Trinitatis am 25. Oktober 2020
von Propst Faehling

Mk 2, 23-28
23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Liebe Gemeinde,

Dorothee Sölle hat einmal Folgendes gedichtet:

Du sollst dich selbst unterbrechen.
Zwischen
Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein
und Freude.
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
Gottes altes Lied von den sechs Tagen
und dem einen, der anders ist.
Zwischen
Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern
an diesen Morgen,
an deinen und aller Anfang
als die Sonne aufging
ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit, die niemandem gehört
außer dem Ewigen.

Das ist, was die Pharisäer noch verstehen müssen: Es geht am Feiertag, am Sabbat um die heilsame Unterbrechung. Um das Leben, das Über-Leben geht es. Dazu braucht es die Pause. Aber natürlich braucht es auch in der Pause den gestillten Hunger.

Ja, natürlich darf man dann Essbares einsammeln und essen; denn was von Gott kommt, ist um der Menschen willen gemacht, es dient dem Leben der Menschen, will heilen, heilsam unterbrechen, aber nicht zwanghaft steuern.

Was braucht der Mensch? scheint Gott regelmäßig zu fragen. Deshalb hat er den siebten Tag, an dem er selbst ruhte, zum Ruhetag der Menschen gemacht. Selbst Gott braucht eine Pause. Also gönnt er diese auch dem Menschen. Er gönnt. Er zwingt nicht; schon gar nicht um der Regel willen.

Ich erlebe, dass Menschen geradezu glücklich sind, wenn sie Gott als so einen wahrnehmen, der zum Leben befreit, der einlädt, das zu tun, was dem Leben dient.
Viel zu lang wurde und wird noch Gott als Regelerfinder missbraucht, z.B. als verlängerter Arm der Moral, als verlängerter Arm derer, die etwas durchsetzen wollen, auch z.B. früher zumindest als verlängerter Arm der Eltern.
„Der liebe Gott sieht alles“.
Darüber lachten heute mehr Menschen als früher. Aber dieses Lachen hat immer noch einen leicht zynischen Beigeschmack. Das Hinschauen Gottes fühlt sich manchmal gar nicht mehr hilfreich an, so wie es ursprünglich in der Bibel gedacht war. Zu oft wurde es missbraucht, um hinter die Kulissen, durch die verschlossenen Türen, in die sogenannten verstockten Herzen zu schauen, um dort aufzudecken, was jede und jeder ansonsten ganz normal auch für sich behalten dürfte.

Gottes Alles, Gottes Regeln, Gottes Wirken ist im Ursprung daran ausgerichtet, Leben zu ermöglichen. Damit beginnt die Schöpfung; das verläuft als roter Faden quer durch zahllose Geschichten von Rettung und Bewahrung; und es gipfelt darin, dass Gott das Kreuz leer macht. Er holt nicht nur den toten Leib vom Balken; er holt auch den Tod aus seiner Macht; setzt ihm lebendige Liebe entgegen; durchbricht die Grenzen, die den Menschen soviel Mühe machen, wenn sie nicht mehr lieben, nicht mehr leben, nicht mehr ihre Wege finden können.

Dafür – ja – gibt es von Gott auch Regeln. Menschen brauchen regeln. Die bekanntesten sind die zehn Gebote. Aber genau da wird auch deutlich, dass diese allein den Zweck haben, menschliches Zusammenleben auszubalancieren. 
- Nicht töten; denn wenn alle sich daran halten, muss niemand fürchten, getötet zu werden. 
- Nicht falsch über andere reden; denn dann sind alle vor übler Nachrede und Lügengeschichten sicher.
Nicht zufällig gibt es so etwas wie die zehn Gebote in praktisch jeder Kultur der Erde. Das ist keine christliche Erfindung allein. So wird Leben geregelt. Das ist notwendig.

Aber von Gott her gedacht,, steht noch etwas über diesen Geboten, das sogenannte Doppelgebot der Liebe: Du soll Gott lieben; und: Du sollst deine Nächste und Deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Selbst- Nächsten- und Gottes-/Lebens-Liebe – das sind die Grundkräfte. Alle anderen Regeln müssen sich dieser Überschrift unterordnen.
Das gilt für das Sabbatgebot, das gilt für den Feiertag, das gilt für das gesamte Regelwerk, das wir uns schriftlich, mündlich, überliefert, gesellschaftlich geben.
Dient es den Menschen? 
Ist es liebevoll ausgerichtet?
Womit Liebe zum Leben gemeint ist.

Können Sie als Gemeinde etwas davon wahrnehmen, wie starr die Pharisäer gedacht haben? Vielleicht, weil sie selber unter dem Druck der vermeintlich wichtigen Regeln schon so starr geworden waren. 
Vielleicht waren sie ganz irritiert, vielleicht ärgerlich, vielleicht auch neidisch, dass die Jünger so fröhlich, entspannt, den Sonntag genießend durchs Land gezogen sind und ihren Hunger spontan stillen konnten.
Vielleicht berührt diese Leichtigkeit der Jünger eine tiefe Sehnsucht in den Gesetzeslehrern, die spüren, wie sie unter ihrem Regelwerk fast zusammenbrechen, und immer mehr Leben verlieren.
Vielleicht haben sie gespürt, dass ihre vermeintlich treue Frömmigkeit sie immer weiter wegbrachte von Gott, statt Gott nahe sein zu lassen und im Licht seiner Liebe das Leben zu meistern.

Auf mich wirken sie jedenfalls unerlöst, müde, zwanghaft, verstrickt in ein Regelwerk, das von der alten guten Wirkung des Feiertagsgebotes nichts mehr enthielt, sondern nur noch Last der Kontrolle und Frust darüber, dass sie nicht funktionierte.

Mir geht es so, dass spätestens hier etwas überspringt aus dieser Geschichte in mein eigenes Sehnsuchtsbild von Kirche heute. 
Ach könnten wir doch selbst mehr von dieser Leichtigkeit leben, erfahren und weitergeben, zulassen und selbst beginnen.
Ach könnten wir doch gerade den Menschen der heutigen Zeit, die so in Hamsterrädern laufen, oder in Corona-Ängsten oder dem Zeitgeistdruck folgen möchten, von dieser Leichtigkeit der Jünger ausstrahlen, die mit ihren Händen im Wandern, im Vorbeigehen finden, was sie in dem Moment für ihr Leben brauchen.

Dazu habe ich Lust, aufmerksam die einzelnen Stellen meiner Arbeit unter diesem Licht zu betrachten und herauszufinden, wo mehr Leichtigkeit sein kann, gute, lebendige, ansteckende Leichtigkeit.
Ich finde, die passt zu einem Gott, der am Anfang das Leben schuf und seitdem größtes Interesse daran hat, es liebevoll zu ermöglichen.

Dazu lohnt es, dass wir uns immer wieder unterbrechen lassen, damit wir diese Gedanken in uns wiederfinden und neu leben lassen.

Amen.

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit! 

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Gruß zum 19. Sonntag nach Trinitatis am 18. Oktoberber 2020
von Pastorin Glatthor

Liebe Gemeinde,

der Wecker klingelt. Es ist fünf Uhr morgens. Der Wecker klingelt und er muss aufstehen. Er quält sich aus dem Bett und geht zu seinem Kleiderschrank. Er sieht sich an, was er dort hängen hat: Ein paar Hemden, ein paar Hosen – alle hängen dort schon etwas länger. Aber sie reichen. Sie haben schon immer gereicht. Eigentlich passen sie nicht mehr. Aber er trägt sie immer noch. Warum auch nicht?! Es erspart ihm Vieles: Er braucht sich nicht umgewöhnen. Nicht über Veränderungen nachdenken. Einfach den alten Gewohnheiten folgen. Den bekannten, den einfachen, leichten, bequemen Weg nehmen. Doch dann hält er inne.

Probiere doch heute mal was Anderes aus! Probiere doch heute mal was Neues aus! Wie wäre es heute mal mit diesem Outfit? Er überlegt. Er weiß nicht, ob es ihm passen würde. Ist sich unsicher, ob es widerspiegeln würde, wie es ihm geht. Ist sich nicht gewiss, ob er diese neue Kleidung tragen kann. Ob er dem gewachsen ist? Ob er es aushalten würde, den ganzen Tag?

Gewohnheiten. Bekannte Verhaltensmuster. Planbare Situationen. Routinierte Strukturen. Alte Angewohnheiten.

Der Apostel Paulus schrieb einen Brief an die Gemeinde in Ephesus, indem es auch um das Tragen von Kleidung – von etwas anderer Kleidung - ging: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Eph 4,22-32)

Als Paulus diesen Brief an die Gemeinde in Ephesus schrieb, saß er selbst vermutlich in Gefangenschaft. Auch während seiner Abwesenheit, während der Zeit in Gefangenschaft hielt er durch den Brief den Kontakt zu ihnen. Besonders wenn er von Spannungen innerhalb der Gemeinde oder in seinen Augen Fehlverhalten der Menschen hörte, wandte er sich in einem Brief an sie. In diesem Abschnitt ermahnt Paulus zur Verwirklichung der Einheit der Gemeinde. Er unterscheidet dabei in den „alten“ und den „neuen“ Menschen, den die Gemeinde „tragen“ kann. Eine Metapher, ein Bild. Zurzeit von Paulus wurden zur Taufe noch alle Kleider abgelegt. Es wurde in einen See oder Fluss gestiegen um sich dort taufen zu lassen. Aus dem Wasser stieg ein „neuer“ Mensch, der es durch das Tragen weißer Gewänder auch nach außen deutlich machte und zeigte. Ein Bild, ein starkes Bild. Die alten Kleider ablegen und die neuen anziehen. Paulus ermahnte die Gemeinde in Ephesus anhand dieses Bildes dazu, sich auch wie ein neuer Mensch zu verhalten. Die neuen Kleider nicht nur zu tragen, sondern sich auch danach zu verhalten. Und nach außen zu zeigen, so zu leben, was einen im Inneren schon trägt: Den Mitmenschen vergeben, sich vertragen, nichts falsches Reden und viele weitere Einzelermahnungen, die an den Dekalog, die 10 Gebote und das Vaterunser erinnern, führte Paulus auf.  

Paulus schrieb der Gemeinde in Ephesus von einem neuen Kleid, einem neuen Kleid, dass ihnen geschenkt ist. Ein Ideal. Es hilft ihnen, es stärkt sie, es schützt sie. Doch es fordert auch heraus: Es lädt dazu ein immer wieder neu einen Beitrag zu leisten zur Verwirklichung einer solchen Gesellschaft. Das ist im Alltag allerdings gar nicht so leicht. Eine kleine Verunsicherung oder Provokation und schon reagiert man wieder nach alten Mustern. Auch wenn man es vielleicht gar nicht möchte. Man kann durchatmen, nochmal einen Schritt zurück gehen, dem neuen Menschen eine Chance geben und ihm so dabei helfen zu einer Trendfarbe auf der Straße zu werden. So kann der alte Mensch als überwundener vorkommen und der neue Mensch zu einer Trendfarbe auf der Straße werden.

Wir sind eingeladen diesen neuen Verhaltensmustern jeden Tag aufs Neue nachzugehen. Nicht aus einer Verpflichtung heraus, sondern dank dem Geschenk Gottes, dass er uns macht – immer wieder neu. Denn wir können jeden Tag aufs Neue auf Gott, auf Gottes Begleitung und seine Vergebung zählen. Und dieses Geschenk Gottes können wir in unserem Tun und Handeln zeigen. Wenn wir Gott als Zentrum unseres Lebens haben, können wir uns angenommen fühlen. Auch wenn wir im Leben Suchende sind, die nicht wissen wie es verläuft, so sind wir immer angenommen als Kinder Gottes. Das kann uns nach Außen wachsen lassen, kann uns tragen ohne uns von den Bewertungen anderer abhängig zu machen und kann uns frei machen für Beziehungen, dafür unseren Weg in dieser Welt zu finden; nicht aufzuhören zu lernen so gut miteinander und mit uns selbst umzugehen.

Vor allem in diesem besonderen Jahr kann es uns Trost schenken und Mut machen – wir sind geliebte Kinder Gottes, mit all unserem Tun und mit all unseren Fehlern. Auch diese Pandemie müssen wir nicht alleine durchstehen.

Der Wecker klingelt. Es ist fünf Uhr morgens. Der Wecker klingelt und er muss aufstehen. Er quält sich aus dem Bett und geht zu seinem Kleiderschrank. Probiere doch heute mal das Neue aus. Wie wäre es heute mal mit diesem Outfit? Probiere es aus. Es ist ein Geschenk. Es ist gewebt aus Liebe, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Er überlegt nicht. Er weiß, es ist ihm geschenkt. Auch wenn er es vermutlich zwischendurch mal ablegen wird, traut er sich. Er traut sich, denn er vertraut darauf, dass er nicht alleine ist. So zieht er es an. Es passt wie angegossen. Er spürt, wie es ihn aufrichtet – innerlich und äußerlich.

Wäre es nicht schön, wir würden es alle tragen? Außen tragen, was uns im Inneren trägt? Demjenigen vergeben, der uns etwas Böses wollte. Der Nachbarin helfen, die kaputte Glühbirne auszutauschen. Sich einsetzen für die Menschen, denen es schlecht geht und die selbst das Wort nicht ergreifen können. Täglich? Nur mal versuchsweise? Und dann immer wieder? In täglich neuen Versuchen?

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Yasmin Glatthor

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Gruß zum 18. Sonntag nach Trinitatis am 11. Oktoberber 2020
von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,
Stellen Sie sich vor, sie sind abends spät auf dem Weg über die Felder nach Hause zurück. Die Welt sieht anders aus im Mondschein, geheimnisvoll, aber auch friedlich. Mondlicht zeichnet weiche Linien und was am Tag schwer erschien, wirkt plötzlich leicht wie der Nebel, der von der Wiese aufsteigt. Was ist wirklich wichtig am Ende eines Tages?

Auch in Büchern liest man das wirklich Wichtige erst am Ende. Und unser Predigttext heute steht fast ganz am Schluss der 5 Bücher Mose. Er enthält Worte, die Mose ganz am Ende eines Lebens gesagt haben soll.

Gleichzeitig gehört er zum Abschluss des Deuteronomiums, einer eigenen Gesetzessammlung. Hunderte von Geboten gibt es, manche sind schwer oder gar nicht einzuhalten: Nie lügen – wer kann das? Und dann sind da die ganzen Speisevorschriften, die strenge Sabbatruhe. Das ist alles schwer. Aber der alte, weise gewordene Mose behauptet, letztlich sei doch alles ganz einfach:

„Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust: Dass Du den Herrn, deinen Gott liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Rechte und Gesetze tust.“ (Dtn 30,11-14)

Liebe Gemeinde, was auf den Gesetzestafeln steht, die Mose vom Berg mitbringt, das sind Regeln, die Gott seinem Volk für ihr Leben in Freiheit schenkt, als Kompass gewissermaßen, damit sie sich nicht verirren. Sie sollen sie nicht am Leben hindern oder es schwer machen, sondern leicht und frei. Sie kommen auch nicht von weit weg, sondern sind uns ganz nah, in unserem Herzen. Eigentlich, so findet Mose auf seine alten Tage, muss man gar nicht auf einen Berg steigen, um sie zu holen.

Im Buch „Der kleinen Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry heißt es: „Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Matthias Claudius schreibt in seinem Lied „Der Mond ist aufgegangen“:

„Seht ihr den Mond dort stehen,
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht seh'n.“
 
 
Das Gebot, das Mose dem Volk übermittelt ist uns nicht zu hoch und fern, sondern ganz einfach: Wir sollen Gott lieben und ganz dicht bei ihm sein - auf seinem Weg. Wo dieser Weg ist, das können wir mit unserem Herzen sehen, wenn wir Gott lieben und seine Liebe zu uns und allen seinen Geschöpfen spüren. Dann ist es ganz leicht, die Gebote zu befolgen.

Dann müssen wir beispielsweise nicht lange Wortklauberei darüber betreiben, wo denn das Lügen anfängt und ob eine Notlüge ok ist: Wir werden im Herzen spüren, ob das, was unser Mund sagt, gut für uns und andere ist. Die Wahrheit ist so ein Ding, das man besser mit dem Herzen sieht als mit den Augen.

Das zu denken ist kein Freibrief zum Lügen, sondern eine Aufforderung, nach der Wahrheit zu suchen als etwas, das wie der Nebel von den Wiesen aufsteigt, leicht und genau richtig. Nah.

Wenn der Mond manchmal im Dunkeln liegt wissen wir trotzdem, dass er da ist. So geht es uns auch mit dem, was Gott für uns bereithält, obwohl es uns jetzt noch verborgen ist. Wir müssen nicht klug und waghalsig sein, um es zu finde: Gott lieben und einander lieben, wie er uns liebt, das ist kinderleicht, weil Gott es uns schon in unser Herz gelegt hat und er uns dort ganz nah ist.

Bei der Kinderbibelwoche haben wir die Kinder nach den Geboten gefragt, die für sie wichtig sind und die Ergebnisse in der Kirche ausgestellt. Sie wollen für Freunde eintreten, anderen helfen und sie respektieren unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aussehen und auch Tiere und die Umwelt schützen.  

Es ist eigentlich ganz einfach. Es liegt alles schon in unserem Herzen, das haben die Kinder gezeigt.  

Und doch kann es so kompliziert werden, wie wir in unserem Evangelium vom reichen Jüngling gehört haben und auch selbst von uns wissen. Es gibt so viel Ballast, den wir mit uns schleppen und der uns unverzichtbar erscheint. Loszulassen ist zugleich weise und kinderleicht. Darum singe ich so gern diese Zeilen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“:



„Lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.“
 


Das bedeutet für mich nicht: „Lass uns Scheuklappen aufsetzen, Entwicklung vermeiden, aufhören, nach Erkenntnis zu suchen.“
Mose hat in seinem Leben viel gesehen. Er hat an Gott gezweifelt, ist manchen Umweg gegangen. An seinem Lebensabend erst entdeckt er, wie einfach alles ist. Bis dahin war es ein langer Weg und seine Umwege waren nötig. Die vielen Buchseiten vorher waren nötig, damit das Buch nun so enden kann.
Wir selbst sind mitten auf dem Weg, irgendwo auf einer der vielen Seiten unseres Lebensbuches. Ebenso wie der Reiche Jüngling noch immer Ballast abwerfen und umkehren kann, können wir das auch.
Wie wird unser Lebensbuch enden? Wenn meine letzten Worte so voll von kindlichem Vertrauen und Weisheit wie die Worte des Mose sein könnten, so in Einklang mit mir selbst und Gott, wenn sie so frei und leicht sein könnten wie der Abendnebel, der aus den Wiesen aufsteigt, wäre ich glücklich.

Ihre Pastorin Ute Parra

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Gruß zum Erntedankfest am 4. Oktober 2020
von Pastorin Parra

Psalm 104 in Auszügen:
1Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, du bist sehr groß;
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
2Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;
13Du tränkst die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
14Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
15dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz glänze vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
27 Es wartet alles auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
28Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
29Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
30Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu das Antlitz der Erde.

Liebe Gemeinde,

alle warten auf Gott, dass er ihnen Speise gibt zur rechten Zeit. Davon erzählt auch unser Predigttext für den Erntedanktag:

„Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt.Sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen. “ (Mk 8,1-9)

Viertausend Menschen harren drei Tage lang aus ohne Essen und lauschen Jesu Geschichten und Predigt. Sie sind offenbar voll vertrauen, dass Gott sie hier zur rechten Zeit mit Gutem sättigen wird. Und überhaupt: Der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein, sondern vor allem vom Wort Gottes.

So vergeht der Zeitpunkt, an dem Jesus sie hätte zum Essen nach Hause schicken können. Nun ist der Rückweg aus der Einöde so weit, dass sie den Weg ohne Stärkung nicht mehr schaffen.

Sieben Brote sind da noch für Viertausend Menschen. Dass das nicht reicht, verstehe sogar ich, die ich ein leben lang nie hungern musste.

Senioren aus Preetz haben mir erzählt, was sie in ihrer Kindheit und Jugend hier erlebt haben: Zum Bauern gehen müssen und betteln, das abgeerntete Kartoffelfeld nach mageren Resten absuchen, oder selber ein Kartoffelfeld haben und das streng bewachen zu müssen, um nicht hinterher leer auszugehen. Anderswo haben manche noch viel Schrecklicheres durchgestanden.

„Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie“, so heißt es im Psalm 104. „Und wenn Du Deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst Du Dein Angesicht, so erschrecken sie. Nimmst Du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.“

Werden und Vergehen ist eng miteinander verbunden. Heute ernten wir reich, morgen kommt der Winter und die Äste der Bäume sind kahl, wie leblos. Ganz zerbrechlich ist unser Leben. Das haben viele alte Menschen damals in Ihrer Kindheit erfahren und merken es jetzt wieder, wenn Freunde sterben oder die eigenen Kräfte am Ende sind.

Jesus weiß auch darum. Die vielen, die sich ihm anvertraut haben, tun ihm leid. Er will nicht, dass sie auf dem Rückweg verschmachten. Schließlich hat er ihnen doch gesagt: „Sorgt euch nicht! Gott wird für euch sorgen.“

Aus sieben Broten und einigen Fischen wird eine Mahlzeit, die alle Viertausend satt macht. Wie hat er das angestellt und warum macht er es nicht immer so? Warum mussten die Menschen damals Hunger leiden und warum müssen das heute immer noch so viele Menschen in den Dürre- und Krisengebieten der Welt?

Für mich ist diese Geschichte von der Speisung der Viertausend nicht in erster Linie eine Wundergeschichte, in der Jesus als Einzelner auf magische Weise alles zum Guten wendet, sondern es ist eine Geschichte vom Vertrauen in das Teilen. Die Jünger haben das, was sie hatten – gerade mal genug, um selbst satt zu werden, so mag mancher denken. Aber sie tun damit, was Jesus sagt: Sie teilen sie aus und geben allen etwas ab.

Wunderbare Erfahrungen vom Teilen stammen oft gerade aus den schweren Zeiten, in denen viele selbst nicht genug zum Leben hatten. Auch davon haben die Senioren erzählt: Vier Geschwister, die immer alles genau zu gleichen Teilen untereinander aufteilen - Zwei Brüder, die ihre Schwester so verwöhnen, dass sie kaum merkt, dass die Zeiten schlecht sind - Nach Sibirien verschleppt und dort trotz aller Propaganda von denen mit versorgt, die selbst kaum etwas haben.

Heute leben wir im Überfluss und müssen nicht direkt mit ansehen, wie andere hungern. Zwar zeigen uns täglich die Nachrichten, wie Menschen vor Armut und Hunger fliehen, wie sie dabei bereit sind Kopf und Kragen zu riskieren und wie viele tatsächlich auf dem Weg verschmachten, aber: Ist das unsere Schuld? Wir haben sie schließlich nicht zu uns eingeladen.

Das hatte Jesus auch nicht. Sie waren einfach gekommen. Aber es war ihm nicht egal, was ihnen auf dem Weg zustieß. Sie taten ihm leid. Allerdings nicht auf die Weise, auf die uns die Menschen in den Flüchtlingslagern oder in den Booten auf dem Mittelmeer leid tun, wenn wir in unserem Fernsehsessel sitzen, sondern auf eine Weise, die Folgen hat.

Jesus ruft zum Teilen auf. Vielleicht ist diese Vermehrung dieser sieben Brote gar kein magisches Ereignis. Vielleicht ist es auch so, dass vielen plötzlich einfällt: „Ich habe ja auch noch ein Stück Brot dabei, das sie teilen kann!“. Das Land ist voll Früchte, die Erde voll seiner Güter. Die bunten Erntegaben auf dem Altar zeugen davon. Gottes Werke sind so groß und so viel, so weise geordnet, dass sie für alle Menschen reichen, wenn wir sie teilen-weltweit.

Wir sammeln im Erntedankgottesdienst für Brot für die Welt. Das ist ein erster Schritt. Von dem Geld wird unter anderem Kindern auf den Philippinen ermöglicht, während der Corona-Pandemie weiter zu lernen, auch wenn sie die Schule nicht besuchen dürfen. Um jedoch grundsätzlich etwas zu ändern, wird mehr nötig sein. Wir werden was wir haben – nicht nur finanziell gesehen – gerecht teilen müssen. Das wird für uns gro0e Einschnitte und Unbequemlichkeiten bedeuten und es wird uns auch eine große geistige Anstrengung abverlangen, diese Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Ich denke, dass dabei die Erfahrungen der alten Generation vom eigenen Mangel wertvoll sind, weil sie beides enthalten: Das Wissen um die Zerbrechlichkeit allen Lebens, auch des eigenen und das Wissen um die Lebensnotwendigkeit des Teilens.

Auch die Jungen setzen wichtige Impulse, wenn sie z.B. wie Greta Thunberg auf dem Klimagipfel in New York anklagen: "Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weitermacht wie vorher... Wir werden euch das nicht durchgehen lassen!"

Menschen in ihrer Lebensmitte, im Wohlstand vergessen oft über ihren alltäglichen Geschäften eins: Wir können leicht vergehen und zu Staub werden.  Was braucht es, um uns aufzurütteln: Die globale Bedrohung durch einen Virus? Auch die wird allzu oft geleugnet bis es einen selber betrifft.

Dass der Lebensatem aus uns schwindet verhindern wir nicht, indem wir Güter für uns anhäufen, im Gegenteil: Dorothee Sölle nennt das den „Tod am Brot allein“. Denn ohne den belebende Atem Gottes können wir nicht sein. Wir brauchen eine Kultur des Zuhörens, aufeinander Achtens und des Teilens über Grenzen von Nation, Generation, Religion und sozialer Schicht hinweg.

Gott sendet seinem Atem, und verwandelt die Sorge um das Eigene in Vertrauen und in Bereitschaft zum Teilen. So werden wir neu geschaffen - ganz unabhängig von Alter und Herkunft - und Gott macht neu die Gestalt der Erde. Seine Herrlichkeit bleibe ewiglich!

Ein gesegnetes Erntedankfest und bleiben Sie behütet!

 

Ihre Pastorin Ute Parra

 


 

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Gruß zum 16. Sonntag nach Trinitatis am 27. September 2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede  von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

2. Tim 1, 7-10

7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes. 9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag in deiner Liebe, Herr, wir danken dir.

So geht der Text eines meiner Lieblingsmorgenlieder. Der Text stammt aus Afrika. Er stammt aus einem Teil der Welt, der voller Freude ist bei aller Not; aus einem Teil der Welt, wo drei Mal im Jahr geerntet werden kann und zugleich Dürren ganze Völker ausrotten. Afrika, die Wiege der Menschheit und heute einer der Hauptorte, von dem aus Menschen fliehen. Wobei – genauer könnte man auch sagen: Sie reisen dem Geld hinterher, dass andere Teile der Welt mit ihrer Hilfe verdient haben durch Seltene Erden, Öl, Diamanten und vieles Weitere.

Afrika, das heißt heute Diktaturen, unüberschaubare politische Konflikte und vor allem immer noch tiefste Wunden, die letztlich aus der Kolonialzeit stammen, als die sogenannte westliche Welt christlichen Glauben und Glasperlen brachte und damit den Reichtum des Kontinents nach Europa und Amerika umleitete.

Politisch gäbe es noch viel mehr Kritisches zu sagen, z.B. wie bis heute sogenannte Entwicklungshilfe immer noch nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was die Welt an Geld in Afrika verdient, inzwischen sind Chinesen und Russen als Geschäftspartner noch hinzugekommen.

Es ließe sich auch dringend etwas sagen dazu, wie im Norden Afrikas Zäune gebaut und Allianzen geschmiedet werden, damit die betroffenen Menschen nicht weiter als Bootsflüchtlinge übers Mittelmeer zu uns kommen.

Aber mir scheint, Brandmarken der Missstände allein reicht nicht aus. Das müssen wir tun, immer wieder, immer weiter.

Wir müssen protestieren, demonstrieren, laut und deutlich sagen, wie wenig einverstanden wir sind.

Aber noch etwas anderes braucht es auch. Nämlich ein eigenes und vor allem inneres Umdenken. Es reicht nicht aus, die Handelnden in der großen Politik zu kritisieren. Vielmehr müssen Werte und Haltungen bei uns selbst verändert werden.

Es geht um die Haltung unserer Herzen.

Ich nenne es: Herzensbildung.

Erfahrungsgemäß kommen wir jedenfalls mit Kritik immer nur für den Augenblick vom Fleck. Das macht die nun seit Freitag wieder auf der Straße demonstrierenden Jugendlichen ja auch so wütend: Alle wissen, was zu tun wäre. Aber sie tun es nicht. Katastrophen, engagierte Proteste rütteln wach, für einen kurzen Moment. Und gleich darauf wird Klimaschutz wird wieder hintangestellt, Zeit wird weiter verbraucht, Industrie-, Banken- und Autolobby verfolgen weiter alte Strategien unter neuen Markenzeichen.

Umdenken ist dran.

Herzensbildung.

Der Bibeltext von heute nennt die Energie zum Umdenken:

Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Und er nennt die Verhinderungskraft beim Umdenken:

Der Geist der Furcht.

Umdenken. Und so etwas Irdisches wie Afrika könnte Vorbild sein. Drei Ernten im Jahr, ein Klima so warm, dass man ohne Vorräte sogar besser lebt. Kein Ort zum Faulenzen, sondern um in der Tiefe etwas zu spüren von der Grundversorgung Gottes.

Grundversorgung durch Gott: Zu glauben, dass eine viel größere Kraft das Leben will, dass der, den wir Gott nennen, ein grundlegendes Interesse am Überleben, an gesicherter Existenz seiner Menschen hat.

Er hat uns doch im geschaffen werden begleitet. Er hat doch sogar den Tod als Wendepunkt zum Leben definieren können. Sollte der, der das an uns tut, nicht alles und genug davon zum Leben ermöglichen?

Das ist eine Frage des Seins, nicht des Habens. Wer sein Herz so angesprochen fühlt, kann furchtloser den Alltag mit Höhen und Tiefen angehen, kann Freude tanken und Krise als Angebot zum Wachsen verstehen. Wer sein Herz so gebildet weiß, kann seine Freude wie Vögel an den Himmel werfen, immer wieder neu, weil andauernd die Nacht – die sehr wohl nicht abgeschafft ist – verflattert.

Es geht um Sein, nicht um Haben. Um Existenz, nicht um Absicherung. Es geht um Kraft, Liebe und Besonnenheit, aus deren Quelle der jeweils nächste Lebensschritt gefunden werden kann. Es geht darum, dass unsere dunklen Nächte immer wieder zu Ende gehen.

Es geht um Herzen, die davon wissen und aus diesem Wissen der Welt begegnen, sie verändern.

Natürlich geschieht das nicht von selbst und ohne Not. Natürlich brauchen wir weiterhin Helferinnen in Krisenzeiten. Und wer so weit im Norden lebt, wie wir, braucht Heizung, Steinhäuser und Vorräte.

Ich rede aber auch vor allem von Geist und Seele, die den Leib von innen her tragen, wären und hell machen. Und Geist, Leib und Seele brauchen vor allem auch spirituelle Nahrung, die die Haltung ermöglicht, aus der heraus wir der Welt und ihren Ungerechtigkeiten, Friedlosigkeiten und dem Zerstörungsgeschehen an der Schöpfung entgegentreten.

Herzensbildung, Geist und Seele, sie gehen dem Tun voraus. Nicht unser Tun bestimmt unsere Haltung, sondern unsere Haltung prägt unser Tun.

Und mit einer Haltung aus Kraft, Liebe und Besonnenheit könnte Leben wahr werden, immer wieder, nach jeder Lebensnacht:

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag in deiner Liebe, Herr, wir danken dir.

Amen.

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Gruß zum 15. Sonntag nach Trinitatis am 20. September 2020
von Pastorin Parra

Vorstellung der neuen Konfirmanden im Bezirk Mitte:

Liebe neue Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

„Alle Sorgen werft auf Gott, er sorgt für Euch!“ (1. Petr 5,7, Wochenspruch)

Das könnte man so verstehen: „Allein bekommt Ihr doch nichts gebacken, allein seid Ihr nichts. Ihr braucht jemanden, der für Euch sorgt: Gott.“

Aber es nicht so gemeint, dass wir uns ohnmächtig fühlen sollen, als Versager. Wenn Gott uns einlädt, alle Sorgen bei ihm abzulegen, dann auch gerade die, wir könnten nicht gut genug sein, mangelhaft, schwach, uninteressant für andere oder sogar eine Enttäuschung, wir könnten unser Leben verfehlen und es zu nichts bringen.

Wir können uns sagen lassen: „Du musst keine Angst haben! Du bist gut und richtig genau so wie Du bist. Mit Deinen Stärken und Schwächen, Deiner Freude und Trauer. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.“ (aus dem Lied „Vergiss es nie“ von Paul Janz/Jürgen Werth)

Wir können darum zu Gott sagen: „Ich danke Dir, dass ich wunderbar gemacht bin! Wunderbar sind all deine Werke!“ (Ps 139,14)

Deshalb ist unser Predigttext für heute die Geschichte davon, wie Gott den Menschen und die Welt schuf:

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. 7Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2,4b-9.15)

Gott hat alles so gemacht, dass wir haben, was wir zum Leben brauchen: Auf dem Feld, im Garten wächst, was wir essen können, was uns schmeckt und gut tut. Wir finden Schatten und ein Zuhause. Und Gott macht uns selbst so schön, gut und richtig wie die Blumen in ihrer Pracht. Er setzt uns in den Garten, dass wir ihn bebauen und bewahren, weil wir das können, weil wir hier hin gehören. Alles hier ist schön, gut und richtig, auch der Mensch. Gemacht aus der Erde, aus der auch die Pflanzen wachsen, beseelt mit dem Atem Gottes: Wunderbar gemacht!

Das ist gut so und das stimmt auch noch heute für jeden und jede für uns. Wir wissen aber, wie die Geschichte weitergeht. Da kommt eine Schlange und bringt alles durcheinander. Die Menschen wollen sein wie Gott und machen sich gegenseitig vor ihm schlecht, schieben einander die Schuld in die Schuhe daran, dass sie sich von Gott und seiner Schöpfung abgewendet haben und dass ihnen all das Wunderbare nicht genug war.

Plötzlich gibt es viel Grund zur Sorge. Was doch genug für alle war wird nicht mehr gerecht geteilt. Einige gehen leer aus. Die Menschen vergessen, dass sie die Schöpfung bewahren sollen und machen kaputt, was Gott für sie geschaffen hat.

Und trotzdem soll gelten, was unser Wochenspruch verspricht:  Wirf Deine Sorgen ab. Du brauchst sie nicht. Alles ist da, was Du suchst. Du bist reich, egal, ob mit, ob ohne Geld, denn Du kannst leben?

Stimmt das wirklich? Ist es so einfach? Wer kann schon ganz ohne Geld leben? Vielleicht die Vögel unter dem Himmel - aber wir? Wir müssen doch arbeiten, für die Schule lernen, unsere Mitmenschen beeindrucken, um richtig und gut leben zu können, oder?

Naja, wir müssen irgendwie klarkommen im Alltag. Aber wir können das auch: Du kannst leben! Niemand lebt wie Du!

Das heißt: Lass Dir nicht einreden, wie und wer Du sein sollst. Finde es selbst heraus. Bunt und verschieden sind Eure Wappen, die hier an den Fenstern der Logen hängen. So seht Ihr Euch und das, was jeden und jede von Euch besonders und einzigartig macht. Ihr seid wunderbar gemacht.

Und Sie auch! Was wäre auf Ihrem Wappen zu sehen? Das Wappen der Adelsfamilie Brockdorff zum Beispiel zeigt einen fliegenden Fisch. In der Wappenkunde geht man davon aus, dass diese Familie mit einem schnellsegelnden nordischen Seefahrergeschlecht in Verbindung gebracht wurde. Aber ich finde, das könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass jemand über sich hinaus wächst, Dinge schafft, die er oder sie sich gar nicht zugetraut hätte.

Bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden sieht man Lieblingstiere und -pflanzen,  Sport und Bewegung spielen eine große Rolle, aber auch Symbole wie Weg, Puzzleteil, Schloss...

Was würden Sie zeichnen?

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wenn wir uns jetzt auf den gemeinsamen Weg durch die Konfimandenzeit machen, dann dürfen wir das im Vertrauen darauf tun: Gott hat uns alle, jeden und jede in eigener Weise, wunderbar gemacht. So wollen wir uns auch untereinander behandeln: Als Wunderwerke. Wenn wir neugierig aufeinander sind und auf das, was wir von Gott und von der Welt wissen, wenn wir uns gegenseitig davon erzählen, dann wird uns das bewusst machen, wie reich beschenkt wir sind – auf ganz verschiedene Weise. Dann tun sich uns gemeinsam neue Welten auf.

Wir können die Sorge ablegen,  wir müssten uns selbst erfinden und stattdessen selbst entdecken: Ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu, das seid Ihr - jeder und jede für sich -  und gemeinsam könnt Ihr viel bewegen, könnt bebauen und bewahren: Euch einsetzten für Gerechtigkeit und Frieden, für die Umwelt und noch viel mehr. Was genau? Finden wir es gemeinsam heraus!

Eure und Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 14. Sonntag nach Trinitatis am 13. September 2020
von Prädikant Klütz

Lukas 17, 11 - 19

 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.   Amen.


Liebe Gemeinde,

was für eine Geschichte mitten in dieser Stadt Jericho! Menschen sind unterwegs; das Leben pulsiert.
Mittendrin jener Zachäus - ein Mensch, sozial wie religiös anrüchig. Den sieht man doch nicht an.
Doch im Tiefsten seines Herzens bleibt Zachäus neugierig: Dieser Jesus ist in der Stadt. Von ihm hat er schon viel gehört: von seiner Barmherzigkeit, von seiner Art, die Menschen von ihrer Schuld zu befreien. Diesen Jesus will er sehen. Zachäus weiß sich zu helfen. Durch Hindernisse lässt er sich von seinem Plan nicht abbringen. Auch vor unkonventionellen Lösungen schreckt dieser Zachäus nicht zurück.
Und dann - auf diesem Maulbeerfeigenbaum - geschieht das Unfassbare: Zachäus sieht, wie Jesus ihn wahrnimmt und sein Gast sein will. Damit hat niemand gerechnet. Zachäus nicht und auch die Menschen von Jericho nicht.
"Mit solch einem setzt man sich doch nicht auseinander. Vielleicht könnten wir ihn missionieren. Aber, ob das einen Sinn hätte?", murren die Menschen von Jericho. Und nun plötzlich wird Zachäus gesehen, wird wahrgenommen von Jesus.
Ich werde als wirklicher Mensch gesehen, mit all meinen Sorgen und Freuden! Hier wird wirklich hingeschaut. Der Blick bleibt nicht an der Oberfläche hängen. Der genauere Blick legt frei, was in mir bereits angelegt ist, aber noch nicht ganz gelebt wird.
Mein Leben wird nicht mehr auf Vergangenes und Gegenwärtiges eingeengt.  Veränderungen sind jetzt möglich!
Jesu Blick verändert Zachäus in aller Freiheit: Raus aus der Sackgasse seines Lebens. Abbiegungen wagen. Dem Leben einen neuen Sinn geben. Dem Leben Licht geben - und nicht nur Grautöne.
Zachäus lässt sich verändern. In alle Freiheit! Und darin sehe ich sein Heil!
Zachäus wird nicht gezwungen, auf den Baum zu steigen, um diesen Jesus aus der Nähe zu sehen.
Er steigt auf diesen Baum, um seiner Hoffnung auf diesen Jesus Ausdruck zu geben. Zachäus wird nicht gezwungen, Jesus in seinem Haus als Gast aufzunehmen. Er tut es freiwillig und mit Freude. Und Zachäus wird nicht gezwungen, sein Leben zu überdenken und zu ändern. Er tut es in aller Freiheit, in seinem Glauben an diesen barmherzigen und Freiheit schaffenden Jesus Christus.
Zachäus hat "Ja!" gesagt - zu diesem liebevollen Blick des Christus´, zu dieser Liebe Gottes, die auch ihm - Zachäus - gilt.
Zachäus ist voller Freude in der Mitte seines Lebens angekommen.

Von dieser Freude des Zachäus zum Leben dürfen wird uns alle anstecken lassen - auch und gerade zu dieser Zeit in dieser Welt!     Amen.

 

Herzliche Segensgrüße!

Ihr und Euer Prädikant Hans-Joachim Klütz

 

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Gruß zum 13. Sonntag nach Trinitatis am 6. September 2020
von Pastor Kroglowski

 

Aufbruch - „in Liebe“

Liebe Gemeinde,

nach den Sommerferien öffnen nun auch wieder unsere Gemeindehäuser für kleinere Formen von Andachten und Gottesdiensten; auch unsere Chorarbeit kann wieder beginnen. Wir feiern Konfirmationen und Taufen im kleinen Kreis oder kommen zu unseren Familien in die Häuser und Gärten. Kleine Schritte. Für viele Menschen in unsrer Gemeinde sind dies gute Wege. Manchen geht es aber auch zu langsam. Die Geduld lässt nach.

Ich finde diese behutsamen Schritte sind richtig. Sie denken und führen über den Tag hinaus. Schon zu Beginn der Pandemie haben wir gesagt: „Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor der Corona Zeit.“ Das stimmt! Und die Viruserkrankung zu verleugnen oder zu verharmlosen ist brandgefährlich. Aber wie wird es kommen? Wir alle wissen es noch nicht. Es ist wie ein Fahren auf Sicht. Die vorsichtigen, geduldigen, umsichtigeren und liebevollen Wege führen in die Zukunft.

Daran werden wir auch durch die biblische Geschichte vom bramherzigen Samariter (Lukas 10,25-37) an diesem Sonntag erinnert: Da fällt ein Mensch unter die Räuber; liegt am Boden; wird halbtot geschlagen. Zwei Menschen rennen an der Katastrophe vorbei. Sie werden vielfältige Gründe haben. Einer ihrer Gründe ist sicherlich auch ihre Ungeduld. Denn dem kranken und halbtoten Menschen ist auf die Schnelle nicht zu helfen. Es braucht Zeit und Geduld. Ein Samariter erkennt die Lage; nimmt sich Zeit und sieht den halbtoten Menschen am Wegesrand an. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Er verbindet die Wunden des Kranken, hebt ihn auf sein Lasttier; bringt ihn in eine Herberge und pflegt ihn.

Heilung und neue Anfänge brauchen Zeit und sie geschehen allein aus der Liebe Gottes heraus.

In einem afrikanischen Land hatte ein Bibelübersetzer beinahe seine ganze Arbeit getan, aber vergeblich nach einem Wort für „lieben“ gesucht. Das ist schlimm, denn was ist die Bibel ohne dieses Wort. Er war fast soweit sich sein Scheitern einzugestehen. Da beobachtete er wie ein junger Mann zu seiner Braut sagte: „Ich sehe dich.“ Da wurde ihm klar: „Ich sehe dich“ und „ich liebe dich“, das ist ein und dasselbe. 

So hat der Samariter die Notlage des Kranken gesehen und erkannt und mit der nötigen Zeit und Geduld aus Liebe gehandelt. Nehmen wir uns die Zeit genau hinzuschauen, welche Wege die richtigen sein könnten. Manchmal sollte man aus Liebe den Kurs auch neu setzen.

Vertrauen in diese Liebe Gottes schafft Aufbrüche, weil Gott uns sieht und kennt mit unserer Geduld und Ungeduld. Wir sind nicht allein und hilflos. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig, denn Neues kommt. Und wir können handeln mit der Liebe im Herzen, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es geduldig an!

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zum 11. Sonntag nach Trinitatis am 23. August 2020
von Pastorin Parra

 

Liebe Gemeinde,

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“, so heißt es im Wochenspruch (1. Petr 5,5b).

Mit Worten wie „Hochmut“ und „Demut“ können viele heute nicht mehr viel anfangen. Bedeutet ein Verbot von Hochmut etwa, dass ich nicht stolz und zufrieden sein darf, wenn mir etwas gelingt? Oder eine Aufforderung zur Demut, dass ich nur ordentlich unterwürfig gegenüber Gott sein muss und dann kann ich mich ansonsten so benehmen wie ich will?

Das heutige Evangelium (Lk 18,9-14) illustriert sehr anschaulich, was gemeint ist: Jesus wendet sich an eine Gruppe von Menschen, die überzeugt sind, fromm und gerecht zu sein und die die anderen verachten. Er erzählt ihnen ein Gleichnis: Zwei Menschen besuchen den Tempel und beten: Ein Pharisäer (das heißt ein Gesetzestreuer, einer, der alle Gebote befolgt, nicht stiehlt, andere gerecht behandelt, die Ehe nicht bricht, mehr als nötig fastet und spendet) und ein Zöllner (einer, der für die römischen Besatzer Steuern eintreibt und dabei einen gehörigen Anteil in die eigene Tasche steckt). „Ich danke Dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, nicht wie dieser Zöllner“, so betet der Pharisäer. Der Zöllner sagt nur mit gesenktem Blick: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Und obwohl der Pharisäer doch alles richtig gemacht hat, schenkt Gott ihm keine Gnade. Die bekommt nur der Zöllner – der Betrüger und Kollaborateur.

Das Setting eines Besuchs im Gotteshaus ist für die Menschen damals wie für uns heute vertraut: Auch die Stadtkirche ist tagsüber geöffnet. Wenn ich hier etwas vorbereite, treffe ich ganz verschiedene Menschen: Pilgerinnen, Urlauber, Marktbesucherinnen, Nachbarn aus der Seniorenwohnanlage, feine Damen und eher ärmlich gekleidete Menschen, Leute jeden Alters. Sie kommen auch in ganz verschiedene Absicht: Zur Besichtigung, um eine Kerze für jemanden anzuzünden oder ein Dankgebet in das ausliegende Buch zu schreiben, um die Stille zu genießen, oder vielleicht auch, um den Opferstock zu knacken, wie es offenbar schon manchmal passiert ist.

Ganz verschieden sind auch die Gebete, die Menschen in das Buch schreiben. Sie danken für Familie und Gesundheit, für Heilung, Freude und für die Natur, bitten um Hilfe in Schmerz und Leid, um Frieden und Ruhe, gelingende Partnerschaft und ein gutes Zuhause.

Welches ist jetzt das richtige Gebet? Wer von ihnen ist gerechtfertigt nach Hause gegangen, welcher nicht?

Im Wochenspruch erfahren wir: Demütig soll die Haltung des Betenden sein. Der Zöllner hat seinen Blick gesenkt und wagt nicht aufzublicken zu Gott. Jetzt könnte man meinen: So sollen wir beten: gesenkten Hauptes, auf Knien vielleicht, schuldbewusst und zerknirscht. Solche Sätze wie „Ich danke Dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin!“ (Ps 139,14) wären dann nicht möglich.

Wer das meint, versteht das Gleichnis falsch. Wir als Protestanten wissen: „Aus Gnade sind wir gerettet durch Glauben und nicht aus uns, sondern Gottes Gabe ist es!“ (Eph 2,8) Wir können Gottes Wohlwollen nicht verdienen durch das, was wir tun – weil er es uns schenkt! Aber das heißt nicht, dass es verboten wäre, Gutes zu tun und stolz zu sein, wenn einem das gelingt. 

Hochmut beginnt erst, wo andere herab gewertet werden, wo wir uns für etwas Besseres halten und meinen, wir kämen ohne Gott aus. In Psalm 139 heißt es nicht nur „Ich danke Dir, dass  ich wunderbar gemacht bin“, sondern auch: „Wunderbar sind alle Deine Werke. Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter!“ Der Psalmbeter versteht sich als Teil der guten Schöpfung Gottes. Es geht nicht um besser oder schlechter. Alles Geschaffene ist gut, aber alles auch begrenzt und angewiesen auf Gott. Vor ihm können wir nicht fliehen. Auch wenn wir uns im Finstern verstecken: Bei ihm ist selbst die Finsternis Licht.

Das zu erkennen, ist Demut. „Mut zum Dienen“ bedeutet das alte Wort. Mut, nicht unser eigener Herr zu sein, sondern unsere Begrenztheit zuzugeben und uns Gott anzuvertrauen mit all dem, Gelingenden in unserem Leben, aber auch mit dem Scheitern.

Die Menschen, die Gebete in das Buch in der kleinen Kirche schrieben, taten das je auf ihre Weise. Mal haben sie aus tiefer Not zu Gott geschrien, mal gedankt für das Glück, das Gott ihnen zuteil werden ließ. Beides taten sie im Vertrauen auf Gott, in Demut.

Das Gleichnis sagt also nichts darüber, was wir müssen oder nicht dürfen, sondern es erklärt, was wir nicht müssen und was wir dürfen: Wir können und müssen nicht immer alles richtig machen. Wenn er ehrlich ist, kann auch der Pharisäer aus unserer Geschichte nicht. Auch in seinem Leben gibt es sicher Dinge, die nicht perfekt sind. Wir müssen auch nicht permanent zu Kreuze kriechen wie der Zöllner und alle Freude über Gelingendes verleugnen. Wir dürfen vielmehr dazu stehen, dass wir wunderbar gemacht sind und dennoch Zuflucht nehmen zur Gnade Gottes, dürfen jeden Tag mit ihm neu beginnen, so auch diesen!

„All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag!“        (Johannes Zwick, EG 440,1)

 

Ihre Pastorin Ute Parra

 

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Gruß zum 10. Sonntag nach Trinitatis am 16. August 2020
von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,

so spreche ich Sie heute zum ersten Mal als Ihre Pastorin an, nicht mehr als Gast, als Bewerberin oder als Vertretung, sondern ganz richtig als Ihre Pastorin. Gut fühlt sich das an und wie Angekommensein. Ja, wir Menschen haben keine bleibende Stadt in dieser Welt, aber irgendwo müssen wir uns niederlassen für die Zeitspanne, die uns auf dieser Erde geschenkt ist. Diesen Ort hier habe ich mir dafür ausgesucht, diese helle freundliche Kirche am See, diese offenen und hilfsbereiten Menschen, die ich hier schon kennen gelernt habe. Und Sie haben mich ausgesucht. Dafür bin ich dankbar und hoffe sehr, dass ich einlösen kann, was Sie sich von mir versprechen. Einen wichtigen Auftrag sehe ich darin, die Botschaft der Bibel so zu Gehör zu bringen, dass sie Ihre Herzen erreicht.

Dafür gibt es kein Patentrezept. Manche sagen: Man braucht moderne Worte und Bilder. Manche sagen: Man muss in sich hineinhorchen, was der Heilige Geist einem eingibt. Beides stimmt sicher und doch gibt es niemals eine Garantie, dass es gelingt.

An diesem Israelsonntag ist vorgesehen, dass ich über einen Text aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom predige. Dort heißt es im 11. Kapitel:

Altar der Stadtkirche PreetzIch will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
(Röm 11,25-32)

Das Volk Israel, Erwählung, Berufung, Verheißung und die Frage nach Gottes Plan –  Dies Thema scheint so weit weg zu sein an einem Sommersonntag wie diesem im kleinen aber feinen Preetz, wo es wenig Möglichkeiten gibt, Menschen jüdischen Glaubens zu begegnen.

Auch vor dem Holocaust war das nicht anders. In meiner vorigen Gemeinde im Hamburger Grindelviertel zeugen fast vor jedem Haus sogenannte Stolpersteine auf den Gehweg von Menschen, die wegen ihrer Verbindung zum Volk Israel ermordet wurden.

Der Preetzer Stadtchronist, Herr Pauselius, hat mir von zwei Frauen berichtet, die hier in Preetz während der Zeit des Nationalsozialismus als Jüdinnen verfolgt wurden. Ganz verschieden war ihr Schicksal. Die eine lebte am Schellhorner Berg in einer Nervenheilanstalt: Martha Blumenfeld. Sie wurde ganz sang- und klanglos abgeholt und niemand hatte sie vermisst oder sich für sie eingesetzt. Die andere, Elsa Hirsch – später Brumm –, wohnte mitten in Preetz, arbeitete für einen Zulieferbetrieb für landwirtschaftlichen Bedarf. Ihr Chef wollte sie gerne heiraten. Sie war Teil der Stadtgemeinschaft, wurde gewarnt, wenn sie abgeholt werden sollte und überlebte. So mächtig waren die sozialen Strukturen hier. Man kannte und verstand sich und war so bereit, viel füreinander zu riskieren.

Seinen Gott lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele und den Mitmenschen wie sich selbst, das ist das höchste Gebot, da sind sich Jesus und der jüdische Schriftgelehrte in unserem Evangelium einig. Wer das weiß, ist nicht fern vom Reich Gottes und doch bleibt die Frage: Wie geht das? Können wir Menschen das?

Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit! So können Juden und Christen beten, wissend, dass sie sich so oft selbst am meisten lieben. Christen fühlen sich herausgeführt aus dieser Sackgasse durch Gottes Gnade in Jesus Christus, der für sie der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Martin Luther hat nicht verstanden, warum Juden, denen er von der Gnade in Jesus Christus erzählt hatte, sich nicht zum Christentum bekannt haben, hat sie aufs übelste beschimpft. Paulus scheint mir an dieser Stelle weiter gewesen zu sein. Er schrieb: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

Gott hält zu seinem Volk Israel. Er selbst wird auch ihnen den Weg weisen. Auch wenn Gottes erwähltes Volk das Evangelium, die Frohe Botschaft, nicht annimmt, wird es dennoch von Gott errettet. Was nicht ins Konzept unseres christlichen Glaubens passt – bei Gott ist es möglich! Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod. So sind die Juden ganz enge Geschwister der Christen im Angesicht der Barmherzigkeit Gottes, auch wenn wir auf verschiedenen Wegen gehen.

Manchmal denke ich, dass eigentlich jeder Mensch nur sich selbst wirklich versteht, ja nicht einmal das. Gottes Wort so zu Gehör bringen, dass es die Herzen der Mitmenschen bewegt, geht das überhaupt? Ist es nicht vielmehr so, dass in dieser Welt allem Verstehen zwischen Mensch und Mensch Grenzen gesetzt sind, dass wir einander alle auf eine gewisse Weise fremd bleiben? Jedes Gespräch über den Glauben bleibt ein Tasten und Suchen und geleitet von der Sehnsucht, den Zwischenraum zu überwinden. Da könnte man meinen: Versuchen wir Christen doch erst einmal, einander zu verstehen im Hier und Jetzt, bevor wir mit Juden oder gar mit Muslimen in Dialog treten, bevor wir Geschichte aufarbeiten.

Ich sehe das anders: Paulus erklärt den Römern wie ihr Schicksal unauflöslich mit dem der Israeliten verwoben ist und beide einander zur Erlösung brauchen. Wir Menschen brauchen überhaupt das ganz andere, das Gegenüber –  das Du –  um uns selbst –  unser Ich –  zu verstehen.

Darum und auch besonders aufgrund der schrecklichen Dinge, die überall in diesem Land gedacht, gesagt und getan worden sind, kann alles Reden über „die Juden“ nur falsch sein. Wir brauchen ein Reden miteinander. Wir brauchen nicht nur die Momente der Übereinstimmung, in denen wir uns wie Jesus dem Schriftgelehrten im Evangelium attestieren: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes!“ Nicht nur Momente  in denen wir von der Rettung der Elsa Brumm sprechen, sondern auch die Momente, in denen wir schmerzlich an die Grenzen des Verstehens stoßen, in denen wir unser Scheitern, unsere Schuld feststellen und umkehren. Wir bräuchten auch eine Martha-Blumenfeld-Straße.

Wir brauchen heute, so meine ich, auch einen Dialog mit muslimischen Menschen, die in unserer Stadt leben und nicht nur eine Übereinstimmung im Allgemein-Menschlichen, sondern wir müssen versuchen, uns gegenseitig das Wort des Gottes Abrahams und Jakobs Gott und Heil so zu sagen und voneinander zu hören, dass es das Herz erreicht. Unmöglich? Vertrauen wir doch darauf, dass Gott größer ist als all unsere Vorstellungskraft und dass bei ihm möglich ist, was bei uns Menschen nicht möglich ist. Halten wir uns nicht selbst für klug.

Dialog und Aufarbeitung dessen, was Menschen trennt, sind schon ein großes Thema in dieser Gemeinde: Der siebenarmige Leuchter, die Menora im Altarraum zeugt davon, wie Propst Sonntag und Pastor Fölster den Dialog mit dem Judentum hier in dieser Gemeinde gepflegt haben. Die Evangelische Jugend setzt sich verstärkt historisch und politisch mit dem Problem Rassismus auseinander.

Noch bin auch ich Ihnen und Sie mir ein wenig fremd. Wie kann ich es mir anmaßen, den richtigen Ton zu treffen, damit das Wort Gottes Ihr Herz erreicht? Ich denke, es kann nur dann gelingen, wenn wir das Fremde als Chance begreifen, unseren Horizont zu erweitern, wenn wir neugierig aufeinander sind und uns nicht selbst für klug halten, wenn wir wissen: Wir sind Geschwister im Angesicht der Barmherzigkeit Gottes.

„Ach, ich bin viel zu wenig zu rühmen seinen Ruhm“, so dichtet Paul Gerhard. „Der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt ist’s billig dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.“

Weil wir zu Gott gehören und er uns schon erwählt hat, können wir beherzt losgehen auf dem Weg, den er uns weist, dürfen wir uns anmaßen, zu wählen, was gut für uns ist. Dazu gehört es, Irrwege zu gehen und dies Recht auch anderen zuzugestehen, Wege der anderen nicht zu verurteilen, aber dennoch miteinander zu ringen um den richtigen Weg. In geschwisterlicher Nächstenliebe dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott jedem Menschen den Weg weist, den er ihm und ihr bestimmt hat. Unsere Wege haben uns hier zusammengeführt. Berufung? Verheißung? Gottes Plan? Ich jedenfalls bin froh darüber und gespannt, was wir einander zu sagen haben und worauf wir gemeinsam hören werden.

Amen

 

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Gruß zum 9. Sonntag nach Trinitatis am 09. August 2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede  von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, der Predigttext für den heutigen Sonntag steht unter der Überschrift Jeremias Berufung.

Bei Jeremia, Kapitel 1, Verse 4-10 heißt es:

4 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

 

Denk Dir ein Bild …

 … weites Meer. Ein Segelschiff setzt seine Segel und gleitet hinaus auf die offene See. Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird. Am Horizont, wo Wasser und Himmel zusammenkommen, verschwindet das Schiff. Jemand, die das sieht, sagt: Nun ist es gegangen. Aber von der anderen Seite des Horizonts sagt ein anderer: Es kommt. So ist der Tod ein Horizont und die Grenze unseres Erkennens. Und während wir noch an der Grenze unseres Erkennens um Menschen trauern, freuen sich die hinter der Grenze, sie wiederzusehen.

Hat die Berufung des Jeremia das Weiterzählen solcher Bilder vor Augen gehabt? Trösten, den Tod als Horizont verstehen lernen, das Wandern des Lebens durch die Räume verstehen können? War das der Plan, als Gott den jungen Jeremia, den er schon kannte, bevor er im Mutterleib bereitet war, auswählte … und zum Propheten über die Völker bestellte?

Ist es Gottes Absicht, solche und vergleichbare Worte in die Münder seiner Propheten und Predigerinnen zu legen, damit nach dem Ausreißen und Zerstören der Welt immer neu Bauen und Pflanzen kommen kann?

Ich kann mir das vorstellen. Mein Bild von Gott ist so ein menschennahes, zugewandtes, Zukunft bauendes.

Dafür begegnet Gott Menschen, dafür begegnet Gott uns in Menschen, berührt uns durch sie, bringt uns immer neu auf den Weg.

Und wenn eine oder einer das kaum glauben kann, z.B. weil sie oder er sich für zu jung hält, sagt Gott „doch“, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Gott traut zu, nimmt ernst, hat doch die Menschen als seine Gegenüber geschaffen, als Ausdruck seiner Liebe zum Leben.

Ich verstehe ihn so, dass er immer neu die Hoffnung hegt, dass dieser Funke überspringt, Menschen sich berufen, beauftragt, stark gemacht fühlen, auf diese Art zu den Anderen zu gehen und sie mit dieser Hoffnung anzustecken und zu ermutigen.

Zugegeben ist diese Sicht auf die Berufung des Jeremia ein Stück weit entfernt von dem Leben des sogenannten großen Propheten, der damals unter Einsatz seines Lebens an Königshöfe zog, um Gottes Unheil über die Abtrünnigen anzukündigen. Und nicht zuletzt ist Jeremia ja auch einer, der die Israeliten an den Ufern Babylons hat weinen sehen, weil eben die politischen Konsequenzen aus dem Verhalten der israelitischen Könige grausame Folgen hatten.

Tatsächlich war es aber auch damals das eigentliche Erfolgsrezept der Propheten, denen, die in Tränen aufgelöst die verlorene Heimat betrauerten, immer neu Hoffnung auf Rückkehr und Zukunft zu machen – eine Hoffnung, die sich übrigens über die Generationen erfüllt hat.

Und so gehört zwar der scharfe Protest gegen Unrechtsregimes damals wie heute zur Aufgabe der Christen. Aber das eigentlich Tragende, dass wir zu verkünden haben ist nicht die bessere Weltordnung, sondern das Fortbestehen, bzw. dass immer neu Aufwachsen der Hoffnung mitten in den Irrwegen und Katastrophen des Lebens.

Christen sind nicht die Besseren, noch nicht einmal die besseren Politikerinnen – auch nicht, wenn sie prophetisch beraten werden. Stattdessen sind sie die mit der unverlierbaren Hoffnung, mit dem Mut, der nicht aufgeben muss, wie die Realität auch aussehen mag, mit der Liebe, die sich vielleicht irritieren aber am Ende nicht beirren lässt und dem Leben treu bleibt.

Das bedeutet realpolitisch, dass Christinnen und Christen immer wieder dem Rad der Geschichte in die Speichen fallen, einer Gesellschaft, die sich verzettelt, die Leviten lesen, vor allem aber denen, die aufgeben wollen, von der Zeit nach dem Kreuz erzählen, die es für die Welt allein ohne Gott und sein Kind nicht gäbe.

Denk Dir …

…. das Schiff … und die auf der anderen Seite des Horizontes erwarten es. Das ist etwas, was die Welt ohne Gott nicht aussprechen kann.

Am Ende, das ist Jeremias Hoffnung, wird sich die Gerechtigkeit Gottes durchsetzen.

Dafür brauchen wir den, der schon immer, also auch bei Jeremia und bei uns sein Wort in unseren Mund legt, damit wir vom Leben und der Hoffnung weitergeben.      

Amen.

 

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Gruß zum 8. Sonntag nach Trinitatis am 02. August 2020
von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,
haben Sie in den letzten Wochen einmal bewusst sich die Wolken angeschaut?

Vielleicht nicht. Sie sind ja einfach da und ziehen über uns hinweg.

Aber gerade die aktuelle Wetterlage der letzten Wochen mit Schauern und einem ständigen Wetterwechsel haben wunderbare Wolkenbilder an den Himmel gezaubert.

Und dann noch darunter das reife Getreide. Schöner geht es nicht.

„Himmel Erde Luft und Meer“ hat Joachim Neander 1680 gedichtet. 150 Jahre nach der Reformation. Gut 40 Jahre nach dem Dreißig jährigen Krieg, der schlimmes Leid über die deutschen Lande gebracht hat.

Und das als Krieg der großen Konfessionen – im Namen Gottes? Der Glaube der Menschen kurz vor der Aufklärung durchlebte mal wieder eine schlimme Krise. Aufgeweicht. Verweltlicht. Zweifelnd. In dieser Verunsicherung prägen, wie wir heute sagen würden, die Frommen, viele Gemeinden. Erweckung. Pietismus. Ganz nah bei Jesus und bei Gott.

Das half. Die Lieddichtungen, so auch unser Lied heute, schärfen unseren Blick für eine neue Sicht der wunderbaren Schöpfung. Gott in der Natur nicht weit weg, sondern ganz nah erleben.

1680- noch keine Klimadiskussion. Keine verschmutzten Gewässer. Keine Sorge vor dem Artensterben. Gut, so etwas, was wir im Moment mit Corona erleben, kannte man schon durch Pest und Cholera. Übrigens, der Lieddichter selbst, Johann Neander starb schon mit 30 Jahren, viel zu früh. An der Pest. Aber die wenigen Jahre vorher hat er genutzt, zu predigen und zu dichten.

Natürlich war die Verbundenheit mit der Natur ohne große Städte und Industrie noch viel unmittelbarer.

Nun leben wir nicht mehr im Jahre 1680. Aber ein Blick heute mit Worten einer sehr ernsten Glaubenseinstellung, tut immer wieder gut. „Himmel, Erde“ – damit fängt es an. Wie gut, dass wir nicht nur unseren Blick deprimiert nach unten richten müssen, sondern nach oben schauen dürfen. Dass unser Herz weit werde. Der Kopf hoch. Der Rücken gerade. Himmel – Erde – Leben zwischen zwei Polen, nicht nur abheben und wegträumen gen Himmel , sondern mit beiden Beinen auf der Erde bleiben, aber wenn es hier zu schwer wird, auch eine Offenheit, eine Freiheit und Weite vom Himmel, von Gott her spüren.

Und es ist wie mit den Wolken. Leben, nie gleich, immer in Bewegung. Wie das Leben heute so, morgen so.

Luft und Meer wer hat es nicht selbst erlebt, diese Kombination aus Wind, Wasser, Wellen, Sturm und Gischt. Zwar schon manchmal bedrohlich, aber auch faszinierend.

Alles, so dichtet Neander zeugt von Gottes Schöpfung. Und wir sind eingeladen, trotz Corona, trotz Katastrophen und Zerstörungen in der Natur, Gottes Schöpfung zu loben.

Hier drinnen. Du meine Seele singe. Schade, dass wir das jetzt nicht können. Singen. Dafür lädt die Orgelmusik uns ein, mit zu schwingen, vielleicht auch vorsichtig leise zu summen.

Dem Lob am Anfang des Liedes folgt fünf Mal der Auftrag, die Einladung, die Ermutigung, vielleicht auch ein Stück die Mahnung:  Seht. Seht. Schaut hin. Augen auf. Wirken lassen. Tag und Nacht. Gerade in der letzten Woche konnten wir das unglaublich eindrucksvoll erleben, wie sich das Sonnenlicht Bahn bricht durch die Schauerwolke. Ein schönes Symbol. Licht bricht sich immer wieder Bahn. Hoffnung. Zuversicht.

Und ebenso das Licht in der Nacht. Mitten in der Coronakrise kurz vor Ostern haben wir den Vollmond besungen. Das hat uns verbunden in dieser schweren Zeit.

Morgen ist wieder Vollmond. Licht in der Nacht. „Seht wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall Wälder, Felder, jedes Tier, zeigen Gottes Finger hier“. Seine Schöpfung. Seiner Hände Werk. Uns anvertraut? Gut Neander brauchte sich 1680 noch nicht fragen, was wir aus der anvertrauten Schöpfung gemacht haben. Aber wir müssen es.

Dann der Blick nach oben, Vögel, Blitz und Donner, Hagel Wind. Dieses Ausgesetzt sein den Naturgewalten haben die Menschen um 1680 natürlich noch viel unmittelbarer erlebt, ohne Blitzableiter, Zentralheizung und ein festes Dach über dem Kopf. Bewunderung das eine, aber auch Respekt gegenüber den Naturgewalten. Eine Balance, über die heute nur noch wenige nachdenken.

Das Wasser – wie wunderbar ist es zwischen den Meeren zu leben. Das Wasser vor der Haustür zu haben. Vielleicht haben Sie das früher auch einmal gemacht, in den Bergen, Quellwasser sprudeln gesehen und sich daran erfrischt.

Ja , in diesen Worten ist ein gläubiger Mensch wie Neander berauscht, erfüllt, schaut genau hin und lädt uns ein, es ihm nach zu tun.

Und am Schluss, schließt sich der Kreis zwischen der ersten und letzten Strophe. Hier drinnen, in unserer Seele soll das Wunder der Natur Resonanz finden

„Drücke stets in meinem Sinn, was du bist und was ich bin.“

Das ist wichtig. Die Verbundenheit aber auch der Abstand. Was du bist – wir sind Geschöpfe, nicht Schöpfer –lange genug hat der Mensch diese Grenze schon längst überschritten und muss zunehmen mit den Folgen leben.

Was ich bin, nicht ein kleines Sandkorn, nicht  ein Nichts, wie es an anderen Stellen oft heißt. Sondern ein Teil des Ganzen. Ein ganz wichtiger.

Lebendig: Eingebunden in diese Natur. Und das gibt mir Kraft auch in schweren Zeit.

Amen

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 Gruß zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 26. Juli 2020
von Pastorin Pfeifer


Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, 1.Tim 1,7

Dieses Wort, liebe Leserinnen und Leser, ist mir in den letzten Wochen und Monaten, die für uns alle durch den Coronavirus geprägt waren, immer wieder durch den Kopf gegangen.
Lock down, erste vorsichtige Öffnungen, Abstandsgebote und Maskenpflicht.
Traurige Zeiten für Senioren in den Pflegeheimen und Ihre Angehörigen, schwierige Zeiten für Familien, Jugendliche und Kinder. Finanzielle Engpässe, berufliche und wirtschaftliche Sorgen. Viele von uns kennen das. Und dann dieses Wort:

Gott hat uns nicht gegen den Geist der Furcht!

Dabei haben wir doch immer wieder allen Grund uns zu fürchten. Schon deshalb, weil Furcht oder Angst kreatürlich sind und ganz sicher ein wichtiger Bestandteil im himmlischen Schöpfungsplan. Weil Angst oder Furcht Leben erhalten und schützen. Denn erst die Angst gibt den Impuls, bei Gefahr möglichst schnell wegzulaufen oder vorsichtig zu sein. Darum sind Angst oder Furcht auch erstmal richtig und gut. Solange sie lebenserhaltend und lebensförderlich sind.
Und das gilt auch bei Corona. Eine gesunde Portion Angst liefert den Impuls uns selbst und auch andere vor dem Virus zu schützen. Also: „Abstand halten und Maske auf! Oder „Nach dem Ausflug vor dem Essen, Hände waschen nicht vergessen!“ Gut so.
Schwierig werden Angst oder Furcht aber dann, wenn sie uns über einen längeren Zeitraum nicht mehr nur schützen, sondern uns lähmen, regieren und innerlich gefangen halten. Wo Angst oder Furcht uns so sehr beherrschen, dass wir längerfristig unglücklich sind oder uns einigeln und dadurch Chancen und Möglichkeiten, die das Leben bereithält, verpassen. Gott sei Dank gibt es in diesem Fall gute und auch professionelle Hilfe.
Manchmal hilft aber auch schon der Glaube und das Vertrauen auf Gott. Die Hoffnung und Zuversicht, dass Gott sich dem, was uns Angst macht, entgegenstellt.
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!
Was das bedeutet möchte ich nun mit ein paar Gedanken entfalten.

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht…sondern der Kraft

Gott ist und bleibt eine beständige Quelle der Kraft.
Manche Menschen spüren das im Gebet, wenn sie sich darin von Gott gehalten und getragen fühlen und dabei erfahren: Ich bin nicht allein. Gott ist bei mir und mit mir, was auch immer geschieht, um mich zu halten, zu tragen und mir zu helfen.
Andere erleben die Kraft Gottes durch andere Menschen, die auch in Coronazeiten durch eine Nähe auf Abstand, da sind, nah sind, raten und helfen oder Einkäufe machen, wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist.
Durch ein Telefonat, das mich auf andere Gedanken bringt , wenn ich mal etwas anderes höre oder auch erzählen kann und mir mal von der Seele reden kann, was mich ärgert oder bedrückt.
Manchmal ist auch die Natur eine Quelle der Kraft. Dem Ziehen der Wolken hinterherblicken, den Bildern nachblicken, die den Himmel durchziehen. Einen Spaziergang oder eine Radtour machen durch unsere herrliche Landschaft; am Rand der Kornfelder auch wieder Kamille, Kornblumen oder Mohnblumen entdecken oder beobachten wie der Wind durch die Kornfelder oder über die Weiden zieht. Sich an den Sommerblumen erfreuen und auf das Summen und Brummen lauschen oder die Bienen und Hummeln beobachten, die daraus ihren Nektar ziehen. Das Wunder der Schöpfung bestaunen und neu begreifen und dabei ganz von allein eine innere Freude empfinden. Oder auch schnell mal eben, selbst bei niedrigen Temperaturen, ins Seewasser springen und dabei merken: Das gibt Kraft und erfrischt!

Gott hat und nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe.

Und dann ist da ja auch noch die Liebe!
Dieses Bollwerk gegen die Furcht, mit der Gott uns liebt und beschenkt, sodass wir selber schon immer geliebt sind und geliebt werden.
So, wie Gott das jedem von uns bei der Taufe sogar ganz persönlich zugesagt und versprochen hat.
Und uns damit beschenkt, auch selber zu lieben und lieben zu können.
Liebe, die spürbar wird in ganz unterschiedlicher Weise und in ganz vielen, verschiedenen Facetten. In einem lieben Brief, einer wohltuende WhatsApp oder einer Email, die mir zeigt, dass jemand da ist, der an mich denkt.
Liebe, die in uns wieder lebendig wird, wenn wir an einen lieben Menschen denken, der vielleicht längst schon gegangen ist; dessen Liebe aber immer noch die Kraft hat unser Herz zu wärmen , wenn wir an Begegnungen und Erlebnisse denken, in denen wir uns nah waren , die einfach schön waren und gut getan haben. Fröhliche Feiern, besondere Momente , innige Augenblicke.
Aber auch Liebe, die plötzlich und unerwartet um die Ecke biegt und uns entgegen springt in dem glucksenden Lachen eines Kindes, einer kleinen Hand, die sich in unsere große scheibt oder die uns begegnet in dem fröhlichen Winken der Nachbarin oder in einer Melodie, die uns beschwingt und beflügelt.
Wunderbar die Vielfalt der Liebe selbst in kleinen ganz unerwarteten Momenten oder Gesten. Und darin zu spüren und zu erfahren, dass das Leben immer noch und trotz allem anderen lebens- und liebenswert ist.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Wichtig für uns wohl gerade in diesen Coronazeiten ist die besondere Gabe der Besonnenheit, mit der Gott uns beschenkt. Die es uns ermöglicht, in Ruhe nachzudenken und besonnen zu handeln. Wo immer wir sind. Zu Hause, in der Familie, unter Freunden, beim Einkaufen auf dem Markt, in der Kirche und der Kirchengemeinde. Gar nicht so einfach bei plötzlichen Begegnungen an diesen Sicherheitsabstand zu denken, der einfach blöd ist und nervt, weil wir uns doch viel lieber in den Arm nehmen wollen oder es doch gewohnt sind ,uns oft und gerne die Hand zu geben. Immer wieder heißt es, sich selbst gegen das eigene Empfinden, Wünschen und Wollen an die Kandare zu nehmen und sich zu disziplinieren. So blöd und so anstrengend das auch immer ist.
Immer wieder geht es darum, besonnen sein, um andere aber auch uns selber zu schützen. Weil dieser Virus für mache Menschen wirklich verheerend sein kann und wir ihn haben und weitertragen können, selbst, wenn wir selber nichts davon merken, keinerlei Symptome haben und uns gesund fühlen.
Da ist es richtig und wichtig, besonnen zu sein und überlegt zu handeln. Sich zu überlegen, was vor Gott, für den Nächsten und für uns selber richtig und wichtig ist.
Und so werden wir uns auch in unserer Kirchengemeinde bis auf Weiteres, auf unbestimmte Zeit an alle Hygieneregeln halten müssen, die erforderlich und notwendig sind. So schwer uns das fällt und so lästig das auch immer wieder ist. Unsere Nordkirche tut gut daran, in ihren Handlungsrichtlinien das Liebesgebot und die Rücksicht auf gesundheitlich beeinträchtigte und immungeschwächte Menschen zum Maßstab Ihrer Handlungsempfehlungen zu machen. Darum sind unsere Hygieneregeln manchmal wohl auch noch etwas strenger als anderswo. Aber wir wollen möglichst allen Menschen, sofern das irgendwie möglich ist, die Teilnahme und Teilhabe am Gottesdienst und am Gemeindeleben, soweit es denn stattfinden kann, ermöglichen. Darum gilt wohl auch weiterhin: Abstand halten und Maske auf; aber leider auch der Verzicht auf mache liebgewordene Veranstaltung und Begegnung.
Und trotzdem haben wir keinen Grund mutlos zu sein. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Mögen wir diese Kraft, Liebe und Besonnenheit dann auch erleben und auch erfahren bei allem, was uns in den nächsten Wochen und Monaten möglich ist. Bleiben Sie behütet, bleibt behütet und Gott befohlen.

Ihre und Eure Anke Pfeifer

 

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Gruß zum 6. Sonntag nach Trinitatis am 19. Juli 2020
von Pastor Kroglowski

Aufbruch - „Stufen“

Liebe Gemeinde,

Sommerkirche bei uns in Preetz. Für mich ist diese Zeit immer auch Gelegenheit, einmal zu anderen Texten als den vertrauten Bibeltexten zu greifen. Seit meiner Schulzeit begleitet mich ein Gedicht von Hermann Hesse „Stufen“.

Und jeden Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu Leben
– so dichtet Herrmann Hesse in diesem Gedicht „Stufen“.

Ein bewegtes Leben hat er gelebt mit Höhen und Tiefen. Am 2. Juli 1877 wurde er in Calw geboren, seine Eltern waren zuvor für die Basler Mission in Indien tätig. Hesse wuchs im Geist des schwäbischen Pietismus auf, wurde aber auch mit weiteren Horizonten vertraut. Er besuchte verschiedene Schulen und Internate, mit bereits 15 Jahren kam er nach einem Suizidversuch in eine Nervenheilanstalt, konnte aber später das Gymnasium in Cannstadt besuchen.

Die Suche nach sich selbst hat Hesse in den kommenden Jahren an immer andere Orte getrieben. Zunächst verdiente er sein Geld mit der Arbeit in Buchhandlugen in Tübingen und Basel und fängt an, selbst Bücher zu schreiben. Mit seiner ersten Frau zog er 1904 aufs Land und suchte dort das einfache Leben. Später folgten lange Reisen nach Indonesien und Cylon. Nach dem ersten Weltkrieg ist er ins Tessin gegangen. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 9. August 1962. In seinem Gedicht „Stufen“ bringt er zum Ausdruck, wie er den Tod als Teil unseres Lebensweges versteht:
 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebensruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

So lässt sich das ganze Lebenswerk von Hesse verstehen als ein Spiegel seiner Lebenszeit, seiner Suche nach sich selbst, nach dem Sinn und Ziel des Lebens. 1946 wurde ihm dafür der Nobelpreis für Literatur verliehen und bis heute sind seine Themen aktuell geblieben.

Gegensätzlich sind die Erfahrungen unseres Lebens. Gekennzeichnet durch die große Spannung zwischen Geburt und Tod, Freude und Schmerz; in Liebe und Hass vollzieht sich unser Menschenleben im Großen wie im Kleinen. In diesen gegensätzlichen Erfahrungen vollzieht sich unser Leben. Und wir können planen und machen und kalkulieren – aber das Leben ist nicht kalkulierbar. Dies erleben wir in diesen Monaten der Corona Pandemie schmerzlich. Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl ihm von deinen Plänen – heißt es in einem englischen Sprichwort.

Für mich steht Gott hinter allem. Gott hat alles und uns gemacht. Deshalb haben wir ein Stück seiner Sehnsucht – seiner Ewigkeit im Herzen. Entdecken wir in diesen Sommermonaten, wie schön die Welt ist. Entdecken wir, dass unser Leben immer wieder im Fluss ist. Lesen wir mit Staunen und Freude mal wieder ein Lieblingsgedicht!

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

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5. Sonntag nach Trinitatis am 12.07.2020
von Pastorin Parra

Liebe Gemeinde,
der Predigttext für den 5 Sonntag nach Trinitatis ist durch Zufall der, mit dem wir vor zwei Wochen in unser Sommerprogramm von Evangelischer Jugend, Waldtierheim und Pfadfindern gestartet sind:

 „Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.  Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.  Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!  Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.  Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.  Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.  Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.  Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,  ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“ (Lk 5,1-11
Eine große Enttäuschung für die Fischer am See Genezareth:  Wieder haben sie nichts gefangen. Die Netze sind leer geblieben und sie sind müde von der Nacht und der vergeblichen Anstrengung. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach über leere Netze, hungrige Blicke und die Sehnsucht nach einem anderen, reichen Leben in dem man nicht so dem Schicksal ausgeliefert wäre.

Enttäuschungen mussten wir alle in den vergangenen Monaten ertragen. Abgesagt: Das Konzert,  die Geburtstagsparty, das Sommerfest, der Urlaub mit Freunden, das Zeltlager!

Mitten in die Enttäuschung ruft einer: „Fahrt nochmal raus, werft Eure Netze aus!

Abstandsregeln und Masken, Kleingruppen und Hygienevorschriften, ja, leicht wird es nicht, aber gebt nicht so schnell auf. Gott hält noch etwas für Euch bereit.“
Die Idee entstand in Telefonaten und Videokonferenzen: Wir können doch noch etwas gemeinsam tun! Für die Kinder und ihre Eltern aber auch für uns selbst: Werfen wir die Netze noch einmal aus! Und so entstand die Idee zur Sommeraktion. Esther Rödel, die seit April 2020 neue Hauptamtliche für die Jugendarbeit ist, ließ nicht locker und entwickelte ein coronataugliches Konzept. So saßen wir vor zwei Wochen mit an die 100 Menschen auf den Pastoratswiesen zum Eröffnungsgottesdienst unserer Sommeraktion. Ein Kanu stach auf Anweisung Jesu in See, obwohl die Fischer doch die ganze Nacht gefischt und keinen Fisch erwischt hatten. Jugendliche Mitarbeiterinnen sammelten mit Cashern Papierfische ein, auf denen die Kinder aufgeschrieben hatten, was sie sich wünschen – für die Sommeraktion und überhaupt: Neue Freunde, Spaß, aber auch Frieden und dass die Reichen den Armen was abgeben.
Am Ende jeder Woche haben wir einander erzählt und gezeigt, was wir gemeinsam erlebt haben. Die Kinder sind bestimmt reicher nach Hause gegangen. Das haben vor allem die fast 40 jugendlichen Kleingruppenleiter und Helfer ermöglicht, die mit den Kindern gebastelt, gespielt und Ausflüge gemacht haben, aber auch ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte hatten.
Warum macht man so etwas? Warum opfert man im Alter von 14 bis 25 Jahren zwei Wochen seiner Lebenszeit dafür? Die Antworten sind sehr verschieden. Spannend ist, dass die, die ihre freie Zeit hergeschenkt haben, auch reicher nach Hause gehen als zuvor.
Die Netze sind voller Fische. Jesus sagt zu Petrus: „Von nun an wirst Du Menschen fischen.“
Diese Jungen Menschen haben sich auf das Abenteuer eingelassen, zwei Wochen Abstand zu halten, nicht drinnen zu singen, immer die gleichen Hygienevorschriften zu erklären und dennoch fröhlich und mitreißend auf die Kinder einzugehen. Das hat Kreise gezogen.
„Danke, dass Du uns trotz Corona eine so schöne Sommeraktion ermöglicht hast.“ So haben sie beim gemeinsamen Abendmahl am Schluss gebetet. Die Menschenfischer gehen selbst mit vollen Netzen nach Hause und freuen sich schon auf die Kinderbibelwoche im Herbst, die sie gerne auch inhaltlich mit gestalten wollen.
Menschenfischer werden – die jungen Menschen machen es uns vor, aber es gibt in jedem Leben Gelegenheit dazu, die Netze neu auszuwerfen.  Wo haben Sie vielleicht zu früh locker gelassen? Was geht bei Ihnen trotz Corona? Wer sind die Menschen, mit denen Sie Begeisterung teilen möchten?
Das Leben ist ein Abenteuer  wenn wir unsere Netze auswerfen, jeden Tag neu, und uns nicht entmutigen lassen.

Ihre Pastorin
Ute Parra


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4. Sonntag nach Trinitatis am 05.07.2020
von Pastorin Glatthor

„Schritte wagen im Vertrauen, dass letztlich er mich trägt“

(„Schritte wagen“ von Clemens Bittlinger)

 

Liebe Gemeinde,

Aufbruch. Umbruch. Wandel. Veränderung. In der Gesellschaft oder bei mir persönlich. Mut und Vorfreude oder Angst und Verunsicherung? Vertrautes, dass Sicherheit gibt verlassen und unbekannt Neues entdecken? Schritte wagen – von mir alleine aus oder aufgrund eines Auftrags.

In der Bibel gibt es viele Weg-Geschichten. Viele Geschichten, in denen Menschen solch ein Wagnis eingegangen sind. Abraham wurde beispielsweise von Gott aufgefordert zu gehen. Sein Vaterland, seine Verwandtschaft sollte er verlassen und in das von Gott vorhergesagte Land ziehen. Oder Mose. Er zieht durch die Wüste, ist schwierigen Situationen ausgesetzt. Im Aufbruch leben, Neues entdecken, das kann spannend und aufregend sein. Oft werden wir jedoch nicht gefragt, ob wir aufbrechen wollen – manchmal passiert es einfach so. Dann kann es sich wie ein Abbruch anfühlen, verbunden mit Trauer und Schmerzen. Schritte wagen – mutig mit Vorfreude oder unsicher verängstigt.

Die Sommerferien haben begonnen. Mit ihnen endet für manche Kinder die Kindergartenzeit. „Wir machen uns auf den Weg – bleib du uns auf den Fersen Gott“ – haben die zukünftigen Schulkinder unserer Kita im Abschiedsgottesdienst gesungen. Sie machen sich auf den Weg, kennen die Grundschule, die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Klasse mitunter noch nicht. Alles wird neu sein. Andere Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr ihren Abschluss geschafft. Auch für sie endet ein Lebensabschnitt. Sie verlassen nun das Bekannte, dass ihnen Sicherheit gab. Für einen neuen Weg, eine neue Richtung müssen sie sich jetzt entscheiden. Verbunden mit ambivalenten Gefühlen. Schritte wagen - Altes verlassen und Neues entdecken.

Im Lied des Pastors und Musikers Clemens Bittlinger „Schritte Wagen“ heißt es im Refrain „Schritte wagen im Vertrauen“. Schritte wagen zu gehen, ob bekannt oder unbekannt, bedeutet auch sich zu trauen, sich etwas zuzutrauen und zu vertrauen. Manchmal ist man gezwungen andere Wege zu gehen, als eigentlich geplant. Plötzliche Veränderungen im Leben können solch ein Anlass sein. Die Corona-Pandemie hat uns in den vergangenen Wochen gezeigt, dass wir in vielen Bereichen neue und andere Wege gehen müssen und auch können. Mut und Zutrauen verlangt es uns ab, kostet Kraft. Doch oftmals lohnt es sich, dass auszuhalten um ans Ziel zu kommen. Wie das „Ziel“ dann aussieht, weiß man oftmals vorher nicht. Doch muss man die Schritte wagen zu gehen, um es herauszufinden. Schritte wagen – mit Zutrauen und im Vertrauen.

Nach einem Streit einen Schritt auf Jemanden zuzugehen fällt schwer. Nach der Diagnose einer Krankheit kann das Gefühl überwiegen, das eigene Leben bliebe stehen. Auch wenn das Geschehen um einen herum weitergeht, die eigenen Füße bleiben wie gelähmt am Boden haften. Für einen Schritt nach vorne fehlt Kraft. Schritte wagen – unmöglich zu schaffen.

 Schritte wagen zu gehen. Ob es unmöglich erscheint oder nur ein Stolpern ist. Im Alltag unseres Lebens, im Wandel, der dazugehört wie das Ende der Schulzeit oder in plötzlichen, unvorhergesehenen Situationen – bei dem Wagnis Schritte zu gehen, sind wir nicht alleine. Wir können darauf vertrauen, dass Gott uns begleitet. Auch wenn mal das Gefühl überwiegt, Abschnitte alleine gehen zu müssen – besonders dann können wir darauf vertrauen, dass Gott mitgeht. Uns vielleicht sogar trägt, wie es in dem Gedicht von Margaret Fishback Powers heißt: „Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen“. Gott kennt unsere Vorfreude, weiß um unsere Ängste und trägt unsere Sorgen mit. Gott begleitet uns, wenn wir stolpern, wenn wir laufen, wenn wir einen Schritt zurückgehen oder wenn wir stehenbleiben. Wohin wir kommen, wenn wir gehen und wie es sein wird, können wir vorher oft nicht wissen. Doch auf Gottes Begleitung können wir vertrauen. Gott ist das Vertraute auf neuen, unbekannten Wegen und Gott ist das Vertraute auf Wegen, die nicht zu bewältigen sind. Das kann uns Halt und Kraft in ausweglosen Situationen geben, sowie Mut und Zutrauen schenken, um Wagnisse einzugehen. Schritte wagen – im Vertrauen, dass letztlich er mich trägt.

Amen.

 

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3. Sonntag nach Trinitatis am 28.06.2020
von Pastor Sprung

Du hältst mich bei meiner rechten Hand
und leitest mich nach deinem Rat.

 

Liebe Gemeinde,

in unserem ganzen Leben werden wir immer wieder an der Hand gehalten. Das gilt zunächst einmal ganz besonders für Kinder, wenn sie laufen lernen. Da ist die Hand eines Erwachsenen, die uns hält, damit wir nicht hinfallen. An der Straße wurden wir an die Hand genommen, damit wir nicht unter ein Auto gerieten. Dann wussten wir, dass jemand auf uns gut aufpasste, damit uns nichts passiert.

Am ersten Schultag, als alles neu war, griffen wir nach den Händen der Eltern, damit wir nicht alleine waren, als etwas Neues auf uns zukam. Und wir spürten, dass wir unbesorgt sein konnten, weil wir begleitet wurden, bis zu dem Augenblick, in dem das Neue nicht mehr so ungewohnt, aufregend und beunruhigend für uns war. Und auch, wenn es dunkel wurde, war es gut, unsere Hand in die der Mutter oder des Vaters zu legen, weil wir fühlten, ich bin nicht alleine. Dann waren wir ganz sicher.

Später, wenn man kein Kind mehr ist, dann hält man gerne während eines Spazierganges die Hand der Freundin oder des Freundes. Es braucht dann keine vielen Worte, um zu sagen: Ich habe dich lieb.

Wenn jemand unsere Hand hält, dann ist das für uns eine schöne Erfahrung. Wir wissen, hier ist jemand ganz nahe bei uns, der uns zeigt, dass wir nicht alleine sind.

Die Hand, die uns hält, spricht auch ohne Worte eine liebevolle Sprache: Ich bin für dich da, du kannst dich immer ganz auf mich verlassen.  Sie spricht, wenn Worte uns nicht mehr erreichen, wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn wir uns im Laufe des Lebens verändern. Sie sagt: Wenn du traurig bist, tröste ich dich, wenn du dich allein fühlst, bin ich für dich da, wenn du Angst hast zu fallen, halte ich dich fest. Ich bin da, wie eine Brücke über aufgepeitschtem Wasser, wie es in einem Lied heißt.

So kann eine Hand ganz direkt helfen, aufhelfen, wärmen, auf dem Weg begleiten und so vieles mehr.

Manchmal halten Hände aber auch ganz anders, durch eine sanfte Berührung, durch Zärtlichkeit, in der die Zusage liegt, du bist nicht allein mit allem, was du zu tragen hast, an Schmerzen, ,an Krankheit, an Isolation während der Quarantänezeit, an Trauer, bei dem Verlust eines lieben Menschen. Äußerlich ändert sich wohl nichts, aber wir können dunkle Momente besser überstehen, wenn eine Hand uns hält.

So groß ist die Bedeutung, dass Gott diese Geste aufnimmt und uns darin seine Zuwendung nahebringen will: Er hält uns bei unserer rechten Hand, wie der Prophet Jesaja es ausdrückt. Und der Beter des 73. Psalms sing davon, dass er diese Erfahrung gemacht hat. Gott ist bei uns, hält uns, lässt uns nicht alleine, wo immer wir auch sein mögen.

Jede Hand, die uns hält, wenn wir es brauchen, ist die Einlösung des göttlichen Versprechens. Er wird durch die Menschen tätig, die für uns da sind.

Gewiss, manchmal ist es schwer, auf diese Versprechen zu vertrauen, dann, wenn wir uns alleine fühlen, überfordert sind, niemanden sehen, der bei uns ist. Vertrauen bedeutet dann, sich auf das Versprechen Gottes zu verlassen, dass wir manches Mal vielleicht nicht so direkt in einem Augenblick spüren, aber darauf trauen können, dass er uns trotz allem halten wird. Nichts, aber auch gar nichts, kann uns aus dieser Hand herausreißen.

Wir wollen auf dieses Versprechen vertrauen, daraus Kraft schöpfen, das kein Mensch seinen Weg alleine gehen muss, dass wir alle, ob alt oder jung von Gottes Hand gehalten sind und umgeben von seiner Liebe.

Amen.


In persönlicher Sache möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass ich am 30.6. Preetz verlassen werde, denn ich werde nun tatsächlich in Pension gehen. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und bleiben Sie behütet.

Ihr Dietmar Sprung

 

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2. Sonntag nach Trinitatis am 21.06.2020
von Pastor Kroglowski 

Liebe Gemeinde,

nun feiern wir wieder Taufen in unserer Kapelle Sophienhof. Die ersten Konfirmationen sind nach der Sommerpause geplant. Die Familien und die Jugendlichen freuen sich über diese kleinen Aufbrüche. Und die Taufsprüche sowie die Konfirmationssprüche sind Vertrauensworte. Aufbruch in dem Vertrauen, dass Gott durch Jesus unsere Lebenswege kennt und begeleitet.

In dem Wochenspruch für die kommende Woche spricht Jesus: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11,28

Hilfe und Not - wie jetzt auch in der Corona Zeit - entsprechen einander. Jesus hat den Menschen gegeben, was ihnen zum Leben gefehlt hat. Wie seine Hilfe konkret aussah, erfahren wir aus den Geschichten, in denen Menschen Jesus begegnet und neu ins Leben führt.

Da ist der blinde Bartimäus. Gefangen in der Dunkelheit und seiner Angst. Jesus öffnet ihm die Augen und macht ihn sehend. Da ist das Brautpaar, dem die Hochzeit zu scheitern droht, da kein Wein mehr da ist. Heute fehlen die Möglichkeiten zum gemeinsamen Feiern. Jesus wandelt Wasser in Wein. Er nimmt die Sorgen des Paares ernst und teilt sie. Da ist der Gelähmte. Gefangen in seiner Einschränkung mit dem Wunsch nach Bewegung und Freiheit. Irgendwie kommt mir das heute bekannt vor. Freunde helfen und Jesus löst die Fesseln des Gelähmten und Freiheit beginnt. Ganz langsam, doch das Leben verändert sich. Vertrauen schafft Aufbruch!

Jesus hat vielen Menschen geholfen. Seine Hilfe scheint vordergründig die eines Zauberers zu sein. Und doch – bei näherem Hinsehen – hilft er den Menschen, indem er sich ihnen zuwandte, sie achtete und ernst nahm. Er sah sie an, hörte ihnen zu, redete mit ihnen und scheute sich nicht, sie zu berühren. Er hatte vor allem Zeit für sie.

Und die Geheilten? Sie fassten Vertrauen. Öffneten sich ihm. Breiteten ihre Lasten und Mühen vor ihm aus. Zuweilen kämpften sie um seine Zuneigung. Widersprachen seiner raschen Ablehnung. Ließen nicht locker. Hier – das spürten die Menschen – würden sie nicht mit leeren Händen zurückbleiben. Keine Not, keine Last war seiner unwürdig. Er hörte zu, fragte nach, gab Zeit zum Nachdenken, wurde auch mal handgreiflich und suchte den Schwachen gegenüber dem Stärkeren zu schützen.

Vertrauen in Jesus schafft Aufbruch. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig. Und wir können handeln mit Jesus an unserer Seite, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es an!

 

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

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Gruß zum 1. Sonntag nach Trinitatis am 14.06.2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe Online-Gemeinde, der Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis steht in der Apostelgeschichte des Lukas. Da heißt es in Apostelgeschichte 4, 32- 37:

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte

35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig,

37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Soweit der Bibeltext.

Alles gemeinsam, keiner hatte Mangel und der Gewinner legte es den Aposteln zu den Füßen.

Schöne heile Welt. Das war einmal, denken die Leute. Ja, zu Beginn, als Jesus gerade erst weg war. Feuer des Heiligen Geistes, gleich nach Pfingsten.

Und immer wieder gab es Zeiten, da hat man in diesen Texten und Bildern von den Anfängen der sogenannten Urgemeinde, die Blaupause für Kirche heute gesehen. So sollten wir sein. So fromm, so heil, so freundlich, so liebevoll, so bereit zu teilen.

Das stimmt. Das sollten wir auch.

Allerdings, nicht einmal, wenn das etwas Gutes ist, kann man das verordnen. Und man kann es auch nicht mit dem Willen erzwingen.

Wenn man es verordnet, laufen die Leute weg. Wenn man es erzwingt, bleibt es unecht.

Schauen wir mal auf die Hintergründe von damals. Warum konnten die Menschen so handeln?

Die Pfingstgeschichte beschreibt das, indem sie sagt: Sie waren erfüllt vom Heiligen Geist.

Erinnern wir uns: Das kam den Menschen, die das als Zeugen miterlebten, seltsam vor. Manche vermuteten geradezu, die Jünger seien betrunken. Petrus beantwortet diesen Verdacht seltsam naiv: Nein, die sind nicht betrunken. Es ist doch erst Neun Uhr morgens.

Als wenn das ein Grund wäre….

Tatsächlich waren sie vom Geist erfüllt. Wir haben ein etwas abgeflachtes Wort dafür: Sie waren begeistert. Sie waren sozusagen Fans höherer Ordnung. Sie waren angesteckt von einer Idee, deren liebevolle Kraft sich weltverändernd anfühlte. Sie hatten gänzlich neue Blicke auf ihr Leben bekommen.

Und seltsamer Weise war dieser Blick nicht durch Forderungen entstanden. Von Jesus waren nur wenig Forderungen gestellt worden. Und dann z.B. welche, die von den Menschen forderten, sich um sich selbst gut zu kümmern: Bittet, so wird euch aufgetan.

Statt Forderungen hatte Jesus vor allem Erlösungen, Vergebungen, Auflösungen von Lähmung, Blindheit und Taubheit gebracht. Sein Tun war es gewesen, die Menschen immer neu mit dem Leben zu verbinden. Bartimäus lässt er wieder sehen, dem Lahmen vergibt er seine lähmenden Sünden, dem Wartenden am Teich von Bethesda macht er Mut, sich auf eigene Beine zu stellen, der Sünderin macht er klar, dass die ganze Welt keinen Grund hat den ersten Stein auf sie zu werfen usw. Und mit all dem, was er Gutes kann und will, gibt Jesus sich dennoch in den Willen Gottes hinein: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“, sagt er in der Nacht vor dem Kreuzestod. Und so geht er am Ende sogar an das unverdiente Kreuz; aber nur, um es durchlässig zu machen für das Leben. Die Botschaft lautet seitdem bis in alle Ewigkeit: Kein Tod, kein Grab der Welt, auch keine Pandemie übrigens, kann das Leben, das von Gott kommt, hindern. Der Stein kommt weg und Jesus verlässt die Wenigen, um für alle da zu sein – das Wort dafür ist Himmel.

Das zu glauben, erleichtert die Menschen damals derartig, dass sie sich lösen von Besitz, von Eifersucht, von Raffen und Gieren. Und so kommt es dann zu diesem: Alles gemeinsam, keiner hatte Mangel und der Gewinner legt seinen Gewinn den Aposteln sogar noch zu den Füßen.

Sie handelten so, weil sie innerlich so reich waren, dass alles Äußere zweitrangig wurde. Zumindest am Anfang kam diese Haltung von innen, wie unaufgefordert.

Davon sind wir heute inzwischen relativ weit weg.

Stattdessen leben wir in einer Zeit, in der viele nach dem gelten, was sie haben. Und wir leben in einer Zeit, in der manche real und zu Recht und viele aber auch unreal und übertrieben Angst vor der Zukunft haben, als könnte man Leben finanziell absichern. Als könne man Glück kaufen und festhalten.

Und dann kommt so eine Krise wie Corona. Dann kommt so etwas nie Dagewesenes, jedenfalls zu unseren Lebzeiten, und schlägt uns das Meiste dessen, was wir kennen, aus der Hand.

Und wir sind mindestens sehr verwirrt. Zum Teil verlieren wir auch den Boden unter den Füßen. Wir laufen um- und durcheinander. Und nach der Solidarität, die wir im Lockdown noch hatten, kommen wir immer mehr in seltsame Streitsituationen, wer was darf. Und ob das alles vielleicht ein verschwörerischer Betrug ist. Und die Virologen haben vielleicht übertrieben. Und, und, und.

Und ich denke, ob nicht dieser romantische Bibeltext, der ein bisschen nach Schlaraffenland klingt und unerfüllbar in seiner liebevollen Bereitschaft zu teilen; ob der uns nicht gerade jetzt gut  an die Haltung erinnern kann, die die Menschen der ersten Christenheit hatten, und die auf Jesu Handeln und liebevoller Zuwendung beruhte und die man vielleicht am einfachsten und treffendsten mit dem Wort Gottvertrauen beschreiben kann.

Gottvertrauen.

Ich meine etwas, was tief in einem wohnt. Es berührt Herz und Seele. Es bleibt manchmal fast unvernünftig ruhig, auch in Krisen. Es orientiert sich an einer unsichtbaren Kraft und glaubt, was noch nie einer beweisen konnte. Vor allem aber ist es eine Haltung, die eine Menge Unerschütterlichkeit erzeugt. Unerschütterlich, damit meine ich diese Art, wie wir uns nach Krisen wieder zusammensammeln und aufrichten. Wie wir auch nach Verletzungen wieder heilen und notfalls mit Narben und dauerhaft versehrt dennoch unseren Weg finden; und er kann sogar dennoch gut sein. Gottvertrauen ist nicht hart, sondern weich. Gottvertrauen ist Geschenk, nicht Pflicht. Gottvertrauen kann immer neu heilen, auch an Stellen, wo Zerstörung geschah. Gottvertrauen ist die Verbindung zu einer äußeren Kraft, die wir geschenkt bekommen, ohne sie zu kontrollieren. Gottvertrauen geht über Vernunft, so sehr, dass wir manchmal übereinander den Kopf schütteln.

Gottvertrauen in Zeiten von Corona weiß von der Unverfügbarkeit des Lebens und ist dennoch genau in der Not solidarisch, gemeinschaftlich, fürsorglich. Gottvertrauen verliert die Würde des Menschen nicht aus dem Blick und schafft in Krisen wie diesen eine Balance zwischen Unfreiheit und Zukunftshoffnung. Gottvertrauen beinhaltet zugleich Eigenverantwortung. Gottvertrauen ist gut gegen Vereinsamung, gerade jetzt, wo uns manchmal die Menschen fehlen. Gottvertrauen erträgt Verzicht, Pause, Demut und Geduld, weil es vertraut, dass der ungreifbare Gott an unserer Seite bleibt. Gottvertrauen hilft, die Fehler der Vergangenheit zuzugeben und umzukehren. Gottvertrauen hilft aus Krisen wie der jetzigen reicher an Erfahrung und Menschlichkeit in eine neue Zukunft zu gehen. Gottvertrauen macht auch noch die bedrückende Lebenszeit lebenswert.

Alles gemeinsam, keiner hatte Mangel und der Gewinner legte seinen Gewinn den Aposteln zu den Füßen. So erzählt der Text.

Das ist keine Frage der Moral. Das ist eine Frage der inneren Haltung. Und die wird unter Gottvertrauen zu einer, die dem Überleben dient, dem eigenen und dem der anderen.

Darum geht es Gott.

Das kann begeistern.

Amen

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Trinitatis am 07.06.2020

 2) Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib,
er segne uns nach Seel und Leib,
und uns behüte seine Macht
vor allem Übel Tag und Nacht.

 

3) Der Herr, der Heiland, unser Licht,
uns leuchten lass sein Angesicht,
dass wir ihn schaun und glauben frei,
dass er uns ewig gnädig sei.

 

4) Der Herr, der Tröster, ob uns schweb,
sein Antlitz über uns erheb,
dass uns sein Bild wird eingedrückt,
und geb uns Frieden unverrückt.      

(EG 140: Brunn alles Heils, dich ehren wir)

 

Liebe Gemeinde,

 Trinität, dafür gibt es zwei deutsche Worte: Zum einen „Dreieinigkeit“: Gott ist einer, der die Welt schuf, uns erlöste uns im Glauben verbindet. Was Gott an uns tut auf so vielfältige Weise, das kommt alles aus derselben Quelle.

Zum anderen „Dreifaltigkeit“: Der eine Gott erscheint uns nicht nur auf dreierlei Weise, sondern war schon vor Beginn der Schöpfung nicht allein, sondern in Beziehung und Vielfalt.

Was wir da heute an Trinitatis feiern ist und bleibt ein tiefes Geheimnis. Mit logischen Erklärungen lässt es sich nur bedingt beschreiben. Lange haben die ersten Christen versucht, als Glaubenssatz zu formulieren, was sie in ihren Heiligen Schriften von diesem dreieinigen Gott erfahren. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das wir sonntags zusammen im Gottesdienst sprechen, entstand erst im 5. Jahrhundert.

Auch an diesem Bekenntnis kann man sehen: Was wir über den dreieinigen Gott sagen können, ist vor allem, dass und wie er an uns handelt und zu uns in Beziehung tritt: Segnend, behütend, liebend, rettend, verbindend... Unser Predigttext für heute ist der Aaronitische Segen:

Und der HERR redete mit Mose und sprach:  Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:  Der HERR segne dich und behüte dich;  der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;  der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.  So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. (4. Mose 6,22-27)

Die Priester werden von Gott durch Mose beauftragt, so seinen Namen auf die Israeliten zu legen. Gottes Namen - in der Lutherübersetzung liest man an Stelle dieses Namens „der HERR“ , Im Hebräischen stehen da vier Buchstaben: JHWH. Das ist der Name, mit dem sich Gott Mose als Gott seiner Väter vorgestellt hat und als Gott des Volkes Israel, der sie befreit. „Ich bin da“, so wird dieser geheimnisvolle Name oft übersetzt. Damit ist gemeint: Gott ist für uns da - unbeschreiblich, unverfügbar, aber gleichzeitig ganz uns zugewandt.

Wenn die Priester den Israeliten sagen: „Der Herr segne dich“, dann benutzen sie diesen Namen Gottes wie ein Versprechen, dass ihre Worte Wirkung haben. Diese Wirkung, der Segen, geschieht nicht durch sie selbst. Vielmehr ist es so: Wenn sie segnen machen sie sich damit gewissermaßen durchlässig für das heilsame Handeln Gottes. Sie sprechen aus, was Gott an den Israeliten tun möge, aber Gott selbst ist es, der wahr macht, was sein Name verheißt.

„Gott segne dich und behüte Dich“: Gott schenke Dir, seinem Geschöpf, Lebenskraft und Gedeihen und bewahre dich vor allem Unheil. – Gott, der Schöpfer segne dich.

„Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig“: Wohlwollend schaue er auf dich. Sein leuchtendes Angesicht sei über dir, dass dir Gerechtigkeit widerfahre wie es im Psalm heißt: „Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe, der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde; der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz.“ (Ps 113,5-7) Dieser Gott verurteilt nicht, sondern vergibt.– Gott, der Erlöser segne dich.

„Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“:  Er sei da und bleibe dir zugewandt. Auf ihn darfst du vertrauen wie ein Kind, auf dem der liebevolle Blick seiner Eltern ruht. Frieden breite sich aus in dir und zwischen dir und anderen, die ihr zusammen diesen Segen von Gott empfangt – Gott, der Tröster und Friedensstifter segne dich.

Martin Luther hat den Aaronitischen Segen am Ende der Messfeier eingeführt und in ihm eine trinitarische Segensformel gesehen. Gott wendet sich uns durch diesen Segen so zu, wie er auch schon in sich ist: Vielfalt die in Liebe verbindet. Schon als Gott Abraham ein Kind verhieß, damals in Mamre, kam er zu dritt. So stellt es Andrej Rublev auf seiner Ikone von der „Heiligen Dreifaltigkeit“ dar.

Dürfen wir Christen die alttestamentlichen Texte so interpretieren angesichts dessen, dass Juden und Muslime sie anders deuten? Angesichts dessen, dass sie in unserer trinitarischen Deutung einen Angriff auf die Einheit Gottes sehen? Ich meine: Ja, denn so können wir erspüren und anderen davon erzählen, welche Kraft dieser geheimnisvolle Gedanke von der Dreieinigkeit Gottes hat.

Es wäre doch schön, wenn ein Dialog über die Lehre von der Trinität Menschen verschiedener Überzeugung und Religion dazu bringen würde, über Verschiedenheit und Einheit neu nachzudenken. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass Menschen weltweit in ihrer Verschiedenheit auf gegenseitige Fürsorge und Anteilnahme angewiesen sind. Ganz fremde Menschen wünschen einander: „Bleiben Sie gesund und behütet!“ Das tun sie mit Worten, aber auch beispielsweise mit freundlichen Blicken beim Ausweichen auf der Straße. Oder indem sie durch Spenden die Entwicklung einer medizinischen Infrastruktur in ganz anderen Teilen der Welt unterstützen.

So sollen wir Gottes Namen aufeinander legen und gemeinsam aufblicken zu dem geheimnisvollen Gott, der seinen liebevollen Blick auf alle Menschen richtet.

Ihre Pastorin Ute Parra

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Gruß zu Pfingsten am 31.05.2020
von Pastor Lars Kroglowski

 

Aufbruch – „mit Heiligen Geist“

 Liebe Gemeinde,

nun können wir wieder Gottesdienste feiern und die Restaurants öffnen langsam. Es geht wieder los und gleich zu Anfang schlägt das Corona Virus in einer Kirche und in einem Restaurant wieder zu. So ist das. Freiheit schafft Risiko und Patent Antworten gibt es nicht. Auch in den Staaten unterschiedliche Wege. Mehr Öffnungen in Schweden. Mehr Kontrolle in Südkorea. Staatliche Gewalt in China. Und wir in Deutschland auf einem guten Mittelweg – wie ich finde. Auf einem Weg über den wir ja auch demokratisch, freiheitlich ringen.

Pfingsten steht unter dem Bibelwort: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Sacharja 4,6

Ohne Macht und Gewalt sollen wir Menschen unsere Lebenswege gehen und finden. Gut gesagt! Aber kann das funktionieren? Diese Worte sagte der Prophet Sacharja vor gut 2500 Jahren dem vom persischen König eingesetzten Statthalter in Jerusalem. Dieser wollte den Tempel wiederaufbauen, der seit der babylonischen Eroberung ausgebrannt und in Trümmern lag. Doch die Schwierigkeiten waren immens. Die wirtschaftliche Lage im Land desolat. Serubabel, der Statthalter, ist versucht, die Sache mit harten Mitteln zu regeln. Wahrscheinlich hilft jetzt nur noch Druck, nur noch Härte, nur noch Einschüchterung und Angst.

Der Prophet hält dagegen! Nicht durch Macht und Gewalt kommt eine wahre Veränderung in die Herzen von uns Menschen, sondern allein durch Gottes Geist. Friedfertigkeit versteht sich nicht von selbst. Der Egoist steckt in uns allen. Ursprünglich sind wir wohl eher darauf gepolt, aggressiv zu reagieren, Stärke zu zeigen, sich das eigene Recht zu nehmen. Unser aggressives Potential schlägt immer wieder durch.

Doch Gottes Geist hält dagegen! Dieser Geist hat in der Bibel ein anderes Gesicht. Die Apostelgeschichte zeichnet ein Gegenbild von Verständigung und Frieden über Grenzen hinweg. Aus verzagten und verunsicherten Jüngern wird durch Gottes Geist eine Gemeinschaft. Aus Menschen, die vereinzelt waren , die miteinander konkurriert haben und immer wieder misstrauisch mit einander umgegangen sind, die am Ende Jesus verraten und verlassen haben, wird durch Gottes Geist eine Gemeinschaft, die auf andere überzeugend wirkt. Verständigung wird möglich. Menschen sprechen dieselbe Sprache. Petrus, ein einfacher Fischer aus Galiläa, erzählt von seinem Glauben an Jesus und wird verstanden. Er spricht durch Gottes Geist direkt zu den Herzen von vielen Menschen und 3000 Menschen lassen sich taufen.

Diese Pfingstgeschichte erzählt wie Gottes Geist kommt. Er zeigt sich an seinen Wirkungen gegen unsere Lebenskrisen. Aus Einzelnen wird eine Gemeinschaft. Menschen verstehen einander. Menschen werden aufgerichtet und getröstet. Sie begegnen einander als Freunde – da ist nicht einer besser als der andere. Der Heilige Geist setzt fort, was Jesus mit uns Menschen begonnen hat. Menschen tun einander gut - sowie die Frau, die Jesus salbt. Menschen werden nicht mehr ausgegrenzt, auch wenn sie krankt, oder anders sind oder etwas auf dem Kerbholz haben wie Zachäus. Menschen werden gesund - wie die verkrümmte Frau oder der Gelähmte. Der Heilige Geist schafft Leben jenseits von aller menschlichen Macht. Dieser Geist verbindet uns mit Jesus und lässt uns heute nach über 2000 Jahren Pfingsten feiern und erfahren, was Menschen mit Jesus erlebt haben: Glaube, Liebe, Hoffnung und Gemeinschaft auch in der Corona Pandemie Krise.

Pfingsten. Aufbruchzeit. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig. Und wir können handeln mit Gottes Geist, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es an!

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

 

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Gruß zum Sonntag Exaudi am 23.05.20
von Pastorn Yasmin Glatthor

 

Liebe Gemeinde,

„du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“

Wie mag es sich wohl anfühlen, diese Worte zu hören? „Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“

Eine Herzensangelegenheit für Jemanden sein. Eine Angelegenheit fürs Herz. Eine Sache, die für Jemanden persönlich von großer Bedeutung ist. Etwas, von besonders hoher Priorität. Ein Wunsch, ein Anliegen, auf das es besonders Acht zu geben gilt.

Sein Leben verlief im Moment nicht so, wie er es sich einst ausgemalt hatte. Er saß im Wohnzimmer seiner Wohnung. Hatte gerade den Anruf seines Chefs erhalten. „Es sind schwere Zeiten für uns“, hatte er gesagt. Es sind schwere Zeiten für uns?! Es sind schwere Zeiten für ihn! Für ihn selbst und seine Familie. Die Wohnung durften sie wieder verlassen, einkaufen gehen, aber Abstand wahren, nur schnell das Wichtigste erledigen. Treffen sind nur mit ausgewählten Freunden und Verwandten erlaubt und nur mit Maske oder mit Abstand. Die Kinder hatten die Wohnung schon eine lange Zeit nicht mehr verlassen. Durften immer noch nicht wieder in Schule und Kindergarten. Und er war auch schon einige Zeit Zuhause. Und das würde sich vorerst wohl auch nicht ändern. Ungewiss, wie es weitergehen würde. An der Arbeit war nichts los und das schon über mehrere Wochen. Dass das Einbußen bedeutete, war ihm klar. Doch nun war zudem nicht sicher, ob er sein Gehalt bekommen würde, ob er seinen Arbeitsplatz überhaupt behalten könne. Was würde er dann nur tun? Wie würde es weitergehen – ohne Gehalt, ohne festen Arbeitsplatz? „Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“ Wie mag es sich wohl für diesen Mann angefühlt haben, in diesem Moment diese Worte zu hören?

Ihr Leben verlief nicht so, wie sie es sich vielleicht ausgemalt hatten. Sie hatten viel erlebt. Mussten Unheilsworte gegen sich hören und deren Vollzug aushalten, Schreckensherrschaften erleben, Deportationen, Leben auf der Flucht, Leben im Exil, Zurückführungen ins eigene Land – aber unter fremder Herrschaft… Viele solcher Szenarien hatten sie in den vergangenen Jahren erlebt oder erleben müssen. Doch eines Tages richtete der Prophet Jeremia andere Worte an sie: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ (Jeremia 31,31-34) Wie mag es sich wohl für die Menschen damals angefühlt haben, in dieser schweren Zeit diese Worte zu hören?

Wir befinden uns aktuell auch in solch einer Zwischenzeit - zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Und dazwischen? Das eine endet und wird verabschiedet oder muss verabschiedet werden, das andere ist noch nicht da. Wie ging es den Jüngern Jesu damals? Jesus war in den Himmel aufgefahren, der verheißene Geist Gottes noch nicht über sie gekommen. Und sie?  

In einer Zwischenzeit. Unsicher, wie es weitergehen würde. Ungeklärte Fragen, noch keine Antworten. Zeit zum Nachdenken, über sich selbst. Hinterfragen, was gewesen ist. Träumen von dem, was kommt. Doch man wird auch dazu gezwungen auszuhalten und zu warten, die Situation abzuwarten, die Unsicherheit auszuhalten. „Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“ Wie fühlt es sich an, diese Worte zu hören?

Die Worte des Propheten Jeremia stehen im sogenannten „Trostbüchlein“, in den Kapiteln des Buches mit weiteren Heilsworten, die er Israel und Juda prophezeite. Worte Gottes, die Jeremia dem Volk offenlegte und ihnen so prophezeite, wie es weitergehen würde. Gott verhieß ihnen in diesem Abschnitt einen neuen Bund, den er mit ihnen eingehen wollte. Einen neuen Bund aus reiner Gnade, einfach so, wie ein Geschenk, ohne die alten Vergehen zu bedenken. Einen neuen Bund, mit dem Gott den Menschen vergeben und ihnen ermöglichen wollte, ihn zu erkennen. Eine Beziehung, die nicht mehr abbrechen könnte, da sie ins Herz eingeschrieben sei. Das war Gottes Zusage an die Menschen. Sie brauchen nichts tun, müssten es nur zulassen, annehmen, ihr Herz öffnen. „Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“ Wie fühlt es sich heute für Sie an, diese Worte zu hören?

Mein Herz kann sich von Gottes Liebe erfüllt anfühlen. Eine Zusage Gottes. Und ich kann darauf vertrauen, kann es zulassen und annehmen, kann mein Herz öffnen und Gott auch zu meiner Herzensangelegenheit machen. Daraus kann ich Kraft ziehen, das kann mir Halt geben, kann mir Trost schenken, kann mich stärken und kann mir helfen, Zwischenzeiten und Unsicherheiten auszuhalten. Denn ich vertraue darauf, dass mein Herz von Gottes Liebe erfüllt ist.

„Du bist mir wichtig. Ich möchte immer mit dir verbunden sein. Ich möchte, dass ich eine Herzensangelegenheit für dich bin.“

Amen.

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 Gruß zu Christi Himmelfahrt am 21.05.2020
 von Pastor Christoph Pfeifer

Liebe Gemeinde,

in diesem Jahr erleben wir den Abschnitt im Kirchenjahr Passion Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten unter völlig veränderten Bedingungen. Die Passionszeit war in diesem Jahr eine richtige Leidenszeit. Schwer zu tragen das Kreuz: keine Gottesdienste, keine Konfirmationen, keine Besuche, Lock down in der Kirche. Das haben wir uns nie vorstellen können. . Wir sind diese Durststrecke miteinander gegangen, aber auf Abstand. Auch eine neue Erfahrung in Kirche: Nähe auf Abstand vermitteln und einüben.

Dann das Osterfest. Strahlender Sonnenschein. Ein Flugzeug fliegt über den Kirchenkreis. Glaube Hoffnung Liebe- die Mut machende Botschaft vom Himmel. Auferstehung. Stark sein in der Pandemie. So wie der Engel es selbst am Ostermorgen verheißt: „Fürchtet euch nicht“.

Und damals: Hoffnung keimt auf unter den Jüngern. Sie erleben den Herrn. Feiern Abendmahl wie früher. Möchten, dass es so bleibt.

Hoffnung heute in Corona-Zeiten? Nach Ostern- Maske, Lockerung, nicht unvorsichtig werden. Es stand und steht viel auf dem Spiel in den nächsten Wochen.

Und wie ist es den ersten Jüngern damals ergangen? Es kam Himmelfahrt. Dieser Einschnitt, den wir heute feiern. Dieses Ereignis ist in der Geschichte Jesu mit seinen Jüngern so etwas wie ein Schwellenereignis. Ein Wendepunkt. Denn der Auferstandene bleibt nicht bei seinen Jüngern. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Als es am schönsten ist, geht er. Salopp gesagt: macht er sich einfach aus dem Staub.

Abschied. Trennung. Loslassen. Immer schwer. In solchen Situationen wird noch einmal versucht, auszusprechen, was wichtig ist. Im Moment des Abschieds liegt eine Schwere. Und an diese letzten Worte erinnert man sich erst viel später so richtig und beginnt vielleicht erst aus dem Abstand zu verstehen. Auch Jesus erklärt und deutet in der Himmelfahrtsgeschichte nach Lukas das Geschehen. Stellt diesen Moment in einen größeren Zusammenhang. Fängt zwar nicht bei Adam und Eva an, aber bei Mose und den alten Propheten. Der Auferstandene erinnert sie an ihre Zeugenschaft, Umkehr zur Vergebung der Sünden. Zeugen- Ihr seid Zeugen. Ihr seid diejenigen, die meine Botschaft weiter bezeugen.

Und dann geht er hinaus. Bis nach Betanien. Aber bevor er in den Himmel auffährt, geschieht etwas ganz Entscheidendes. Er segnet sie. So wie wir es tun am Ende, immer, bevor wir wieder zurückkehren in den Alltag.

In der Fassung des Evangelisten ist hier die Geschichte zu Ende. Statt Frust Freude. Lobpreis.

Kritisch könnte man fragen: haben sie wirklich begriffen, was da geschehen ist?

Die Apostelgeschichte- wohl auch vom selben Evangelisten verfasst, ist da noch etwas ausführlicher in der Beschreibung des Himmelfahrtsgeschehens. Er verspricht Ihnen schon hier kurz vor Pfingsten den Heiligen Geist. Die Kraft des Heiligen Geistes.

Mehr noch, er beauftragt sie: ihr werdet meine Zeugen sein. Apostel- gesandt bis an das Ende der Welt.

Für mich bildet sich in Christi Himmelfahrt das ab, was geschieht, wenn z.B. Eltern Kinder ins Erwachsenenleben loslassen. Gut, als Eltern sind wir zwar noch da. Aber vergleichbar ist dieser Übergang schon: gesandt in die Welt. Ausgestattet mit guten Gaben, gesegnet, einen Mut machenden Geist im Gepäck. „Jetzt müsst ihr ohne uns klar kommen!“

Was wäre passiert, wenn Jesus das damals auch ganz direkt gesagt hätte: so, ich bin jetzt mal weg. Ihr müsst alleine klarkommen. Hätten Sie dann immer noch laut Hurra geschrien?

Dieses, alleine klar kommen, da ist kein Meister, der predigt. Da ist keiner der dich persönlich tröstet. Da ist keiner, in dessen Kielwasser sie das Interesse der Menschen miterleben. Nein. Auf sich alleine gestellt. Ganz bei sich. Wir Gemeinde ganz bei uns.

Die Corona Krise war auch für die Aktiven in der Kirche, und ganz besonders für unsere Senioren eine große Herausforderung. Oft auf uns alleingestellt. Aber doch nicht alleine. Nah beieinander. Verbunden im Geiste Jesu Christi.

Ganz sicher gab es unter den Jüngern Stress und Ängste: wie soll das weitergehen? Brauchen wir einen Wortführer? Aus der Rückschau wissen wir. Das Pfingstereignis war der Neuanfang. Sie haben viel bewegt, die Apostel. In der Kraft des Heiligen Geistes. Und die Jünger und wir selber können seit Himmelfahrt eines gewiss sein: Jesus Christus sitzt zur rechten Gottes. Unser Fürsprecher im Himmel. Manchmal in Krisen vielleicht zuerst gefühlt weit entrückt. Aber dann wieder ganz nah.

Vielleicht wie am Fest der Auferstehung mit einer Leichtigkeit flatternd am Himmel: Glaube. Hoffnung Liebe. Wir hier unten müssen nicht gesenkten Hauptes deprimiert nach unten schauen, sondern mit gradem Rücken nach oben. In den Himmel.

Amen

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Geistliches Wort zum Sonntag Rogate, den 17.Mai

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Das Vaterunser ist heute Predigttext

Für mich ist dieses Gebet wie ein Geschenk Gottes an die Menschen.

Darum geht es Gott im Eigentlichen, dass wir Leben so gestalten, dass es gelingt. Und rund um diese Gestaltung herum: Sorgt er für möglichst wenig Angst. Glaube ist gut gegen die Angst.

Und gegen die Angst wurde das Vaterunser erfunden.
Vielleicht deshalb hat das Vaterunser seit 2000 Jahren so einen fantastischen Ruf bei den Menschen. Ich hab schon viel Spott über Gott und Glauben gehört. Aber über das Vaterunser nicht. Im Gegenteil: Ich weiß, dass das Vaterunser auch von Menschen gebetet wird, denen der Glauben ansonsten fern ist. Vielleicht, weil es ein unfassbar kurzer Draht zwischen den Menschen und Gott ist.

Selbst auf meine früheren Konfis wirkte das ansteckend. Vaterunser ging immer – reibungslos – zu jedem Stundenende, ernsthaft – außer, wenn man gerade unbedingt mal kichern musste. Aber das macht ein Gebet nicht kaputt.

Draht zu Gott, unmittelbar, direkt, angstlindernd. Für mich ist das, als würden wir - klein wie wir sind – bei einer großen Kraft zapfen. Als gäbe es eine uns umgebende, durchdringende und allumfassende Energie, die Gott bereit hält; und über das Gebet kommen wir ran. Und das Vaterunser ist das Gebet für alle und alles. Grundsätzlich, übergreifend, umschließend, vollständig. Ohne dabei je auszuleiern.

Beim Vaterunser steht: Euer Vater weiß, was ihr braucht.
Ist das nicht herrlich? Wir stammeln, wir schluchzen, wir suchen nach Worten, im Glück, wie im Unglück. Und Gott sieht die zitternden Lippen und die flatternden Herzen und - weiß …

Gott weiß …..
Das Gebet im Vertrauen darauf verändert die Person, die betet. Am massivsten erlebe ich das bei Jesus: Er will nicht ans Kreuz: Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber er weiß auch: Selbst am Kreuz wird Gott ihn bewahren. Und o betet er: Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Wer betet, sortiert sich bei Gott ein – und behält freien Willen.

Merken wir das? Jesus selbst benutzt das Vaterunser. Jesus selbst braucht einen Gott, der weiß ….

Ich fühle mich entlastet, wenn ich das höre und bedenke. Mir geht das Herz auf. Ich bin nicht allein. Die Angst wird weniger.

Gott weiß, was ich brauche. Er ist an meiner Seite.
Aus dieser Gewissheit, die jetzige Zeit und ihre Herausforderungen angehen. Schutz, Gesundheit, Solidarität sind wichtig. Ruhiger Atem, beieinanderbleiben. Klagen und Gehör finden. Rufen und Hilfe bekommen. Einsam sein und Besuch bekommen, wenigstens am Telefon.

Die eigenen Ängste dürfen wir Gott sagen. Wir müssen sie nicht ummünzen und anderen als Streit um die Ohren hauen. Aushalten, dass wir mehr Fragen als Antworten haben. Und deshalb die Herzen warmhalten, damit sie nicht frieren und zittern und zürnen und zagen. Unsere Kraft gehört ins Beieinanderbleiben, nicht ins Recht haben.

Das sage ich bewusst in einer Zeit, in der ich Menschen treffe, die an Gott zweifeln und verzweifeln. Ich sage das in einer Zeit, die sich sehnt nach kurzen und heftigen Lösungen. Die Krankheit weg, die Menschen weg, die Bösen weg. Egal, Hauptsache weg.

Und zugleich der Ruf nach einer Kirche, die die Pandemie als Strafe Gottes benennt. Die die Frage nach Schuld klärt. So, wie Trump auf die Chinesen zeigt, wollen manche, dass Gottes Finger auf uns zeigt, oder auf welche von uns. Damit wir wenigstens wissen, was ist und etwas tun können.

Aber so einfach ist das nicht mit der Schuld. Wir sind nicht Schuld, einfach so. Sondern wir sind verwoben in Schuld. Schuld ist Teil jedes Menschen Leben, so wie Liebe zu jedem Menschen gehört. Und nicht Trennung heißt der Weg, sondern Integration. Man wird die Schuld nicht los, auch durch Gottes Zeigefinger nicht. Sondern wir müssen sie solange mit der Liebe auf die Waage lege, bis die Liebe überwiegt. Das nennen wir Christen dann Erlösung. Dann können wir inmitten von Schuld leben.

Und dann stellen wir zwar fest: Ja, die Welt ist wie krank, wie krebskrank geworden. Aber wir stellen auch fest: Es begann schon vor langer Zeit. Und wir müssen auch ehrlich sein und sagen: Das hört nicht einfach durch das Aussortieren von Schuld wieder auf. Sondern als wären wir in einer Krebsbekämpfung angekommen, müssen wir jetzt ernsthaft unser Leben ändern, die Schwerpunkte verschieben, die wesentlichen Punkte des Lebens wieder nach vorne holen und das so konsequent, dass wir die Not überwinden.

Aber nicht Spaltung überwindet die Krise, sondern in der Not beieinander zu bleiben, sich zu erinnern, sich zu halten, sich zu mahnen, sich gegenseitig zu stärken. Bis die Liebe ins Übergewicht kommt.

Klingt nach kleinen Schritten. Aber nur so werden wir es schaffen.

Lasst uns die Herzen auf weit stellen. Lasst uns besinnen auf unsere Kernbegriffe: Glaube, Liebe, Hoffnung. Lasst uns das ausleben als Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung.

Diese Zeit bedeutet Lernen. Und ich weiß, dieses Lernen fällt schwer. Ich weiß, dass viele schwer durchmüssen, z.B.  wirtschaftlich, oder seelisch, oder in ihren Beziehungen, dass sie sagen: Auf diese Lernerfahrung tät ich gern verzichten.

Aber wir alle wissen auch dies: Der einzige Weg, etwas zu überstehen, ist hindurch zu gehen.

Also lasst uns gehen und beten, z.B. das Vaterunser, und Schritt um Schritt den Weg schaffen.
Gott ist an unserer Seite.
Amen.

Bleiben Sie gesund und behütet!  
Herzlich
Erich Faehling, Propst

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Geistliches Wort zum Sonntag Kantate, den 10.Mai

Liebe Gemeinde, liebe Leserin und Leser,

Eigentlich hätten wir heute am Sonntag Kantate alle kräftig und fröhlich miteinander gesungen. Zusammen mit Jung und Alt, so wie es in unseren Mal Zeit –Gottesdiensten üblich ist.  

Und wie es auch der 98. Psalm, der Psalm dieses Sonntags zur Sprache bringt:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder… Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den Herren… mit Harfen und Saitenspiel…mit Trompeten und Posaunen, jauchzet vor dem Herrn, dem König!  

So oder ähnlich aus vollem Herzen zusammen zu jubeln und gemeinsam zu singen geht heute nicht.

Aber wer in den letzten Tagen in die Kirche gekommen ist, wird sich wahrscheinlich genauso gefreut haben wie ich über die toll geschmückte Mensa und den bunten Strauß, wo Kinder und Erwachsene ihre Gebetsanliegen anbringen konnten.

Danke an diejenigen aus dem Bezirksausschuss und Kinderkirchenteam, die das alles so schön   geplant und vorbereitet haben!

Heute zur Gottesdienstzeit werde ich die Gebetsanliegen in einer Fürbitte aufgreifen und sie vor Gott bringen. Und dann gegen 11:15 Uhr das Vater Unser beten mit dem Gefühl, dass viele Menschen Zuhause das Gleiche tun.

So sind wir zwar noch immer getrennt aber vereint im Geist.  

Weil Gottes guter Geist eben doch die Kraft hat alle Entfernungen zu überwinden und uns auch auf den Weg bringt, selber Distanzen zu überwinden, Verbindungen zu pflegen und Gemeinschaft zu spüren. Durch ein Telefonat, einen Brief, eine Mail oder eine Wads App, die das Gefühl geben, dass da jemand ist, der an mich denkt und mit dem ich auch in der Ferne verbunden bin.

 Am kommenden Sonntag, den 17. Mai wird es dann endlich auch hier in der Stadtkirche den ersten Gottesdienst nach langer Zeit geben. Und damit die Gelegenheit einander, wenn auch in geübtem Abstand, zu begegnen.

Immer noch ohne Gesang, weil wir als Gemeinde zum Schutz vor Corona nicht singen dürfen. Aber gut vorbereitet, weil das Hygienekonzept dann umgesetzt ist.

Und trotzdem: Es ist schon ein seltsames Gefühl, dass wir uns in der nächsten Woche telefonisch im Kirchenbüro zum Gottesdienst anmelden müssen, weil zur Zeit nur maximal 49 Personen anwesend sein dürfen. Immerhin tröstlich, dass es dann um 10:30 Uhr noch einen weiteren Gottesdienst geben wird, falls es mehr Menschen sein werden, die Gottesdienst feiern möchten.

Es sind schon besondere Umstände und Bedingungen in dieser Zeit, die wir gemeinsam zu meistern haben und die wir mit Gottes Hilfe auch gemeinsam bewältigen werden.

Auch wenn das nicht einfach ist, wenn Singen und Jubel unmöglich erscheint, weil Menschen den Tod eines lieben Angehörigen beklagen, Angst angesichts einer Krankheit oder Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz haben.

Vieles ist einfach nicht schön und wird auch nicht gut .Manches ist richtig schlimm und auch nur schwer zu ertragen. Aber wir können und sollen Gott das alles sagen und klagen.  

Interessant finde ich, dass es nach dem 98. Psalm trotz aller menschlichen Schwierigkeiten und Probleme gute Gründe zum Jubeln gibt.

Denn besungen wird Gott, der Wunder tut, der Heil schafft, der sein Heil verkündigen lässt und  dessen Gerechtigkeit offenbar wird.

Gott, der Wunder tut- das lässt uns fragen, wo wir in unserem Leben so etwas wie ein Wunder erleben oder auch schon erlebt haben.

Etwa, dass ich bewahrt wurde in schlimmer Zeit, dass ich nach dem Krieg meinen Mann, meine Frau, Sohn, meine Tochter wiedergefunden habe, dass ich mich verliebt und den Mann oder die Frau meines Lebens gefunden habe oder es mir gelungen ist nach einer schlimmen Trennung wieder Fuß zu fassen.

Junge Eltern bestaunen nach der Geburt ihres Kindes vollkommen zurecht das Wunder des Lebens. Wunderbar und wundersam tatsächlich dieser innere Bauplan des Menschen. Überhaupt aller Lebewesen, der uns werden und wachsen und dann irgendwann auch wieder gehen lässt.

Wunder gibt es immer wieder –heute oder morgen können sie geschehen.

Erinnern Sie sich noch an diesen alten Schlager?

Gar nicht so schlecht, wenn wir durch solche profanen Dinge an Wunder erinnert werden oder das Wundern neu lernen.

Weil uns das auf die Spur bringt danach zu fragen, was in unserem persönlichen Leben tatsächlich ein Wunder ist. Etwas ganz Wunderbares, woran ich denken kann und was mir das Herz wärmt, worüber ich wirklich von Herzen dankbar bin.

Ich lade Sie ein, mal ganz bewusst nach diesen Ereignissen und Erfahrungen in Ihrem Leben zu suchen und auch zu fanden. Zu überlegen, wofür Sie heute dankbar sind, um daraus dann vielleicht auch wieder Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft zu schöpfen.

Ein weiterer Grund des Jubelns in unserem Psalm ist die Hoffnung auf Heil, auf Heilung, auf ganz werden des Menschen.

Das bringt uns auf eine weitere interessante Frage: Wo habe ich in meinem Leben erlebt, dass ich körperlich oder seelisch Heilung erfahren habe, dass ich heil und gesund geworden bin.

Ich denke da kommt für viele nach einem langen Leben eine ganze Menge an wunderbarer Heilwerdungs-Erfahrung zusammen. Viele Krankheiten, die ich mit Gottes Hilfe und dank einer guten medizinischen Versorgung überwunden habe. Oder auch die Erfahrung, dass ich mit einer Krankheit dank guter Medikamente zurechtkommen und leben kann. Leben ist ja immer und zu jeder Zeit riskant und gefährdet. In Coronazeiten spüren wir wieder, dass gesund sein, werden und bleiben nicht selbstverständlich sondern tatsächlich Grund zur Dankbarkeit ist. 

Und wir haben im Blick auf Gott tatsächlich einen Grund auf Heilwerden, auf Ganzwerden zu hoffen.

Auch wenn mit Heil noch etwas ganz anderes gemeint ist, als körperliche Heilung zu erfahren.

Heil werden war schon zu biblischen Zeiten ganzheitlich zu verstehen, bezog sich auf Körper, den Geist und das Denken, die Psyche und wie die Bibel es schreibt: Die Seele. Den inwendigen, geistlichen Menschen,  die Beziehung zu Gott. Eine Beziehung, die eben auch nicht einfach so da oder einfach zu haben und selbstverständlich ist. Schon Petrus bat: Ich glaube, Herr hilf meinem Unglauben!

Glaube bleibt, neben aller persönlichen Hinwendung und Beschäftigung immer auch unverfügbar und   ein Geschenk. Aber wir können Gott immer wieder um dieses Geschenk des Glaubens bitten.

Und dürfen darum auch auf Heilungserfahrungen im Blick auf den Glauben hoffen. Auf Momente der inneren Zuversicht und Gewissheit, dass Gott mir ganz nah, für mich da und an meiner Seite ist.  Erfahrungen, die mir dann vielleicht auch in Stunden des Zweifelns und Haderns gut tun und Hoffnung geben.

In unserem Psalm geht es aber auch um Gerechtigkeit, die Gott uns ermöglicht und möglich macht. Eine Gerechtigkeit, für die wir und an der wir arbeiten müssen und die wir leben sollen. Gerecht war zur Zeit des Alten Testament und der Psalmen immer das, was der Gemeinschaft, dem Gemeinwohl und damit dem Frieden dient. Geprägt war diese Vorstellung durch die Erfahrung, dass es dem einzelnen Menschen nur gut gehen kann, wenn es der Gemeinschaft, der Gesellschaft als ganzer gut geht.

Dieser Gedanke prägt unsere Rechtsprechung und unser Grundgesetz bis heute, nach dem immer noch gilt, dass das Gemeinwohl vor dem Eigennutz geht.

Da gibt es Manches, was hier schon viel besser als anderswo ist. Grundsicherung, Krankenversicherung, medizinische Versorgung und Bildung. 

Aber eben auch Vieles, was noch viel besser gemacht werden könnte und was auf der Kippe steht.

Die Pandemie zeigt uns darüber hinaus, wie ungleich und ungerecht die menschlichen Lebensverhältnisse sind. Wie gut wir hier in Deutschland versorgt sind und wie bitter die Krankheit die Menschen in den ärmeren Ländern, in den Slums und Elendshütten Afrikas und Lateinamerikas treffen wird, wo nicht mal eine ausreichende Versorgung mit Wasser gegeben ist. Aber auch wieviel schlechter die medizinische Versorgung im europäischen Ausland und in den USA ist.

Die Pandemie zeigt aber auch wie eng und wie sehr wir weltweit miteinander verbunden und verflochten sind. Dass es eben nicht nur um die bundesrepublikanische Wirklichkeit, sondern um die weltweite Gerechtigkeit geht, wenn wir langfristig in Frieden leben wollen. Und viele weisen zurecht darauf hin, dass wir unseren Wohlstand hier aufgebaut haben und weiter ausbauen zu Lasten der Armen.

Im Blick auf die Gerechtigkeit gibt es weltweit und hier bei uns, im gesellschaftlichen und im persönlichen Bereich immer wieder vieles, woran wir arbeiten, was wir erreichen und machen müssen. Und das hört auch nicht auf. Auch wenn, es immer mal wieder Gelungenes und Gerechtes gibt und Gerechtigkeit entsteht, worüber wir uns dann freuen und wofür wir dankbar sein können.

Vor allem haben wir allen Grund, wenn wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten am Ende sind , auf Gott zu hoffen,  bei dem und durch den  immer noch Neues, immer noch so viel mehr möglich ist , als Menschen denken, machen und schaffen können. Das ist unsere Zuversicht von der her wir leben,   hoffen, singen und manchmal sogar jubeln können. So, wie es in den Worten des 98.Psalms steht :

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

Jauchzet dem Herrn alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker wie es recht ist.

 

Gott möge uns helfen, seiner Gerechtigkeit und vor allem seiner Liebe und Güte zu vertrauen.

Mit herzlichen Grüßen und bleiben Sie behütet,                         
Ihre und Eure Anke Pfeifer

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> Videoandacht zum Gruß zum Sonntag Jubilate

 

Gruß zum Sonntag Jubilate am 3. Mai 2020

Aufbruch – „Der Mai ist gekommen“

 

Liebe Gemeinde,

nun ist das Holzkreuz auf dem Markt abgebaut. Der Maibaum wurde aufgestellt. Mai Zeit. Aufbruchzeit. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus. Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt, so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Für uns alle ungewohnte und andere Aufbrüche in der Zeit der Corona Pandemie. Für einige aber auch Stillstand und Sorge. Doch ins uns allen viel Frühlingssehnsucht und der Wunsch nach Weite und Freiheit. Langsam ändern sich die Dinge und Mut tut gut. Jeder kann etwas tun – auch in unsrer Kirchengemeinde, in unserer Stadt und auf den Dörfern. Zeit der kleinen, mutigen Schritte.

Der Mai steht unter dem biblischen Monatsspruch:

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1. Petrus 4,10 (Einheitsübersetzung)

Manchmal muss jemand sagen, wo es lang geht, wie man so sagt. In welche Richtung wir denken und vielleicht handeln müssten. Das war bei den ersten Christen ähnlich. Bei ihnen kam noch dazu, dass es ja – etwa siebzig Jahre nach Jesu Auferstehung – noch keine christlichen Handbücher gegeben hat. Eine feste Lehre war noch nicht in Sicht, die kleinen christlichen Gemeinden in Stadt und Land hatten kaum Verbindung miteinander. Einige Gemeinden hatten Glück und kannten einen Apostel oder einen seiner Schüler persönlich. Die Gemeinden bekamen dann manchmal Briefe von den Aposteln – oder von einem Gefährten. So kommt es auch zu Briefen mit dem Absender „Petrus“. Vermutlich lebte Petrus aber schon nicht mehr, sondern ein weniger bekannter Schüler bediente sich des großen Namens, damit man ihm größeren Glauben schenkte.

Und in den aufgeregten Zeiten der ersten Christen, die sich gegen eine ihnen mindestens unfreundliche Nachbarschaft zu behaupten hatten, schrieb ihnen der Verfasser dann, wo es lang geht; und wie sie sich bitte im Alltag, im Leben und in ihren Geschäften mit anderen zu verhalten hätten: Dient einander. Nicht nur die Christen dienen einander, sondern die Christen dienen auch denen, die mit dem Christentum nichts im Sinn haben. Ihr seid begnadet, schreibt ein Schüler des Petrus – und diese Gnadengabe gebt Ihr bitte an die anderen weiter.

Jeder und jede hat eine Gabe. Ob sie nun klein oder groß ist, mögen andere beurteilen. Jeder hat mindestens die Gabe der Freundlichkeit, der Güte, der Herzenswärme und des Mutes. Die lassen wir nicht verkümmern, sondern setzen sie ein. Christen sollte man vor allem an ihrem Mut erkennen können, nicht so sehr an ihrem vielen Reden über Gott. Worte sind wertvoll, Taten sind wertvoller. Wir lassen uns möglichst nicht beirren in unserem Vertrauen auf Gott; schon gar nicht lassen wir uns verbittern. Wir dienen einander und wir dienen Gott – da geht es lang. Wer das im Herzen trägt, braucht nicht mehr so viele Lebensweisheiten.

Mai Zeit. Aufbruchzeit. Die Krise bleibt, aber sie bleibt nicht ewig. Und wir können handeln, Dinge zum Besseren beeinflussen und einander beistehen mit dem, was wir an Gaben haben. Packen wir es an!

 Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

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Miserikordias domini am Sonntag, 26.04.2020

23.Psalm

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

Der 23.Psalm. Wie gern hätte ich den heute am Sonntag des guten Hirten bei der Konfirmation meiner Konfirmandinnen und Konfirmanden gelesen.

Stattdessen mussten wir die ganze Konfirmation wegen Corona bis auf weiteres auf unbestimmte Zeit verschieben, weil völlig offen ist, wann wir sie feiern können.

Meinen Konfirmanden habe ich geschrieben: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.  Feiern werden wir euch und eure Konfirmation sowieso. Und trotzdem ist das schade und tut es mir wirklich leid diese schöne Feier, auf die wir uns alle schon so gefreut haben, zu verschieben.

Gleichzeitig tröstet mich in dieser Situation der 23.Psalm:

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Mir ist, als bekomme ich durch diese Worte plötzlich einen längeren Atem. „Mein Leben lang…bleiben im Hause des Herrn …immerdar.“

Was ist schon ein einziger Tag in einem langen Leben, erst recht in der Ewigkeit Gottes. Weniger als ein Hauch.

Es kommt ja wohl doch auf das Leben als Ganzes an - selbst der festliche Moment einer Einsegnung, so wichtig und stärkend der ist, ist vielleicht auch nur eine Etappe auf einer hoffentlich langen Lebensstrecke.

Auch wenn niemand weiß, wieviel Zeit uns hier auf Erden tatsächlich gegeben ist. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen machen uns ja auch unsere eigene Vergänglichkeit und Endlichkeit wieder bewusst.

Wichtig ist dem Verfasser des 23.Psalms das Vertrauen auf Gott.

Dass Gott bei uns, bei mir und an meiner Seite ist, immer und überall ,ein Leben lang.

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.“

Vielleicht merke ich das sogar heute, morgen oder erst später – aber immer wieder.

Für manche Menschen ist es hilfreich ein kleines Glücks- oder Danktagebuch zu führen, um dort hineinzuschreiben, wofür sie heute an diesem Tage dankbar sind, was schön war oder gut getan hat. Erstaunlicher Weise sind es oft die kleinen, unscheinbaren Dinge, die plötzlich wahrgenommen werden und wichtig sind.

Die heiße Tasse Tee, die ich mir nach einem zermürbenden Heimunterrichts-Vormittag gönne, der Spaziergang an der frischen Luft, das Glitzern des Wassers unter strahlend blauem Himmel. Ein kurzes Gespräch mit der Nachbarin oder ein freundlicher Blick. Ein kleiner Gruß oder auch eine Maske , die mir eine nähfreudige Bekannte plötzlich schenkt und schickt , nachdem ich mir schon den Kopf zerbrochen habe, wo ich so ein Ding denn nun herbekomme.

Manchmal ist ganz erstaunlich, was ich da plötzlich mitten in dieser furchtbaren Corona-Krise an positiven Momenten und Impulsen entdecke. Immerhin.

Mich tröstet am 23.Psalm aber vor allem der Gedanke, dass Gott immer und überall bei mir ist, dass er mich führt „auf einer grünen Aue…zum frischen Wasser… auf rechter Straße …im finstern Tal.“ Gott ist bei mir und führt mich. „ Er erquickt meine Seele… und tröstet mich… er bereitet mir einen Tisch ... und schenkt mir voll ein.“

Es tut einfach gut diese Verheißung zu hören und sich dadurch getragen und gehalten zu fühlen. Was auch immer geschieht.

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Gut, dass Gott auch dann - gerade dann bei mir ist, wenn alles dunkel und schwer und aussichtlos scheint, um mich zu tragen, um mir zu helfen und mich zu trösten.

Ein sehr lieber Mann hat mir jedes Mal, wenn ich ihn besucht habe, zum Abschied gesagt: „Ich kann nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand “ oder hat zur Erinnerung an dieses Wort seine Hand zu einer liebevollen, haltenden Geste geformt.

Als er dann starb, musste ich an dieses Wort und an diese kleine Geste denken.

Das hat mir dann auch selber Mut gemacht und mich angesichts seines Todes getröstet. Und hat mich mit ihm und für ihn darauf hoffen lassen, dass er nun bei Gott geborgen und in seiner Hand gut aufgehoben ist.

Mir tun die Worte des 23. Psalms einfach gut.

Als ob diese Worte den Trost, von dem sie erzählen, auch mit sich bringen. Als ob der Trost, von dem hier gesprochen wird, sich selber Raum schafft in mir.

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang“.

Mein Leben lang.

So gesehen können wir dann auch die Konfirmation, so schade das ist, auf später verschieben. Und dann ganz bestimmt festlich, fröhlich und guter Dinge in die Kirche einziehen.

Darauf freue ich mich schon jetzt und heute!

Herzliche Grüße und Gott befohlen,

Ihre und Eure Anke Pfeifer

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Quasimodogeniti am Sonntag, den 19.04.2020

-> Videoandacht zum Sonntag

Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Weißt du denn nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott,
der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt.
Er gibt dem Müden Kraft
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie ein Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

( Jesaja 40, 26, 28,29,31)

Liebe Gemeinde,Pastor Sprung


seit Wochen bestimmt das Coronavirus unseren Alltag. Von kaum etwas anderem wird noch in den Nachrichten gesprochen. Fast alle Zeitungen, Radio- und Fernsehsender beginnen ihre Meldungen mit den neuesten Infektionszahlen. Und auch unser ganz persönlicher Tagesablauf ist dem Virus unterworfen.
Schulen und Kitas sind geschlossen, Menschen arbeiten im Home-Office und nur noch wenige Läden dürfen geöffnet haben. Jene, die von einer Auslandsreise zurückgekehrt sind, müssen im Hause bleiben, ebenso jene, die positiv auf das Virus getestet sind. Altersheime haben Besuchsverbot und die Bewohner müssen im Hause ausharren, die Krankenstationen sind nahezu überbelegt. Es ließe sich noch weiter fortsetzen. Die Aufzählung der Maßnahmen, die gegen eine Ansteckungsgefahr getroffen wurden, nimmt gar kein Ende.
Anfangs haben die Menschen all das geduldig ertragen, haben verstanden, dass die Vorschriften wichtig sind, um Schlimmeres zu vermeiden. Doch nun beginnen einige zu fragen:“ Wie lange soll das noch so weitergehen? Ist es nicht an der Zeit, dass die Verordnungen gelockert werden?“  
Bei anderen schwindet langsam die Zuversicht und noch andere beginnen in eine depressive Phase abzurutschen. Was wird werden?
Diese Fragen sind nicht neu. Schon oft hat der Mut die Menschen in scheinbar aussichtslosen Situationen verlassen.
So auch vor etwa 2500 Jahren. Die Israeliten befanden sich in der babylonischen Gefangenschaft und hatten keine Hoffnung auf Zukunft und glaubten nicht mehr eine Rückkehr in ihre Heimat.
Da tritt ein Prophet auf, spricht die Menschen, die nur noch gebückt zu gehen scheinen, in ihrer Niedergeschlagenheit und Trostlosigkeit an. Spricht hinein in ihre Müdigkeit, mit Worten, die das Herz des ganzen Volkes erreichen.
„Schaut nicht nur auf den Boden, seht auf zum Himmel. All das hat unser Gott geschaffen. Er ist größer, als alles, was ihr für groß haltet, lasst euch beeindrucken von den Sternen, dem Sonnenaufgang und schließt euer Herz für diesen Gott auf, der bei euch ist, wo ihr auch seid, der sich an eure Seite stellt, auch in der tiefsten Not. Er schenkt euch Kraft in der Zeit der Schwachheit und Müdigkeit.
Inmitten einer trostlosen Zeit ist die Botschaft des alttestamentlichen Propheten nahezu von einer österlichen Hoffnung geprägt. Die Israeliten werden erfahren, was für sie in jener Lage Auferstehung bedeutet: Gott ist da! Er wird sie aufwecken aus ihrer Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit.
Dadurch, dass der Prophet von Gottes Schöpfermacht, von seinen Taten, von seiner Zugewandtheit erzählt, führt er einen Perspektivwechsel herbei. Die Menschen schauen nicht mehr gebeugt nach unten, sondern können sich erheben, nach oben sehen, aufrecht stehen. Es gibt eine Zukunft, auch wenn sie für sie noch nicht sichtbar ist.
Dann verspricht der Prophet, dass Gott sein Volk wieder in seine Heimat zurückführen wird. Da mag so jeder seine eigene Vorstellung von der Rückführung gehabt haben. Und doch wird sie ganz anders gewesen sein. Langsam ging es vonstatten, in Etappen kehrte das Volk zurück. Und die Heimat war nicht mehr dieselbe, wie sie einst vor dem Exil gewesen war. Aber die neue Gemeinsamkeit bot auch Chancen. Gemeinsam wurden die Felder wieder urbar gemacht, gemeinsam wurde gesät und geerntet, gemeinsam wurden Häuser und Städte gebaut und von allem das wichtigste, es wurde der Tempel in Jerusalem gemeinsam wieder neu errichtet. Jeder nahm den anderen wahr, konnte sich auf ihn verlassen, ihn annehmen und achten als ein von Gott gewolltes wichtiges Glied in der Gemeinschaft.
Langsam wird unsere Zeit auch von dem Virus befreit werden und die Menschen werden zurückkehren in ihren Alltag. Wie es vonstattengehen wird, wissen wir nicht. Langsamer vielleicht, als es vielen lieb sein mag. Aber ich denke, das ist auch gut so, weil uns allen denn einmal die Augen geöffnet werden für die Menschen, die immer wie selbstverständlich für andere da waren, aber niemals eine Anerkennung für ihre wichtige Arbeit erhalten haben. Sehen wir sie dann mit anderen Augen, jene, die täglich in der Kita den Kleinsten die Welt erklären und die Tränen trocknen, jene, die auch den widerspenstigsten Kindern Wissen vermitteln, jene die in Pflegeheimen den alten Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben, zuhören und ihre Wirklichkeit teilen, jene, die bemüht sind, die Kranken zu heilen und sie pflegen, bis sie wieder gesund sind, jene, die jeden Tag an den Kassen der Läden sitzen und die Waren einsortieren, damit wir alle gut versorgt sind? Wir brauchen sie alle, die klaglos ihren Dienst versehen. Ihnen können wir nach dieser Zeit in ganz besonderer Weise Augen, Ohren, Hände und Herzen öffnen.
Wie lange unsere Isolation noch dauern wird, wie sie enden wird und was danach sein wird, wissen wir nicht. Aber seit Ostern wissen wir, dass wir Gottes Zusage haben, dass er uns begleitet und uns die Chance zu einem ganz neuen Anfang gibt.
Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag; Bleiben Sie behütet,
Ihr Dietmar Sprung

P.S. Hier steht der Gruß zum Ostersonntag als PDF zum Download bereit!

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Ostersonntag am 12. April 2020

-> Videoandacht zum Ostersonntag

Christ ist erstanden von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. (EG99)

So beginnt die frohe Botschaft eines alten Osterliedes.
Wie sehr wünschen wir uns das in dieser Zeit:  Auferstehen aus der Marter des Coronavirus, der   unser ganzes Leben überschattet, bedroht und lähmt.
Angst vor dem Virus, vor Krankheit und Tod, Angst um unsere Lieben , besonders um diejenigen, die in besonderer Weise gefährdet sind. Zuhause bleiben, Kontaktsperre, Lahmlegung des öffentlichen Lebens. Zurückgeworfen sein auf die eigenen vier Wände, eng aufeinander hocken samt allem Stress,  den das bedeutet. Angst um das Auskommen, den Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen, Existenzängste.  
Der Coronavirus hat uns im Griff und ist eine Marter in vielerlei Hinsicht.
Und dann lesen, singen oder hören wir mitten in dieser Zeit die frohe Botschaft:
Christ ist erstanden –von der Marter alle.
Des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Christ unser Trost. Wie kann das gehen?
Wenn wir das verstehen wollen, müssen wir, meine ich, noch einmal einen Schritt zurückgehen und uns an Karfreitag, an die Kreuzigung Jesu erinnern.  
Jesus am Kreuz ist Inbegriff menschlicher Not, von menschlichem Leiden, Sterben und Tod.
Aber sein Kreuzestod eröffnet auch eine besondere Perspektive:
Jesu Sterben und Tod will uns zeigen, dass wir in aller Not, im Sterben und Tod nicht alleine sind.
Dass Gott bei uns und an unserer Seite ist, auch heute in dieser Zeit.  
Gott lässt uns nicht allein. Auf seine Nähe und Hilfe, auf seinen Beistand und Trost können und sollen wir uns verlassen. Und wir können ihm genauso, wie Jesus das am Kreuz getan hat, unsere persönliche Not sagen und klagen ; genau wie Jesus für andere Bitten ; genau wie Jesus alles, unser Leben und unsere Lieben in seine Hand legen und geben.
Um dann wie er mit Gottes Hilfe auch selber zu spüren und zu erfahren, dass wir darin geborgen und  gut aufgehoben sind . Dass Gott uns die Kraft gibt, auch schlimme Zeiten auszuhalten und durchzustehen.
 Aber Gott will und wird uns auch immer wieder neue Perspektiven zum Leben eröffnen. In dieser Welt und nach dieser Welt. So wie er auch für Jesus neues Leben jenseits dieser Welt eröffnet hat. Denn Christ ist erstanden, von der Marter alle. Des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.
Und so dürfen wir nun auch für uns selbst und für unsere Lieben auf neues, anderes Leben nach dem Tod hoffen. So, wie wir aber auch darauf hoffen können, dass es mit Gottes Hilfe immer wieder mitten im Leben neue Perspektiven und Möglichkeiten gibt. Dass Gott uns auch in und nach der Pandemie neue Perspektiven eröffnet.
Manche Perspektiven, die sich auch jetzt schon abzeichnen: Dass es Hoffnung auf wirksame Medikamente und einen Impfstoff gibt. Dass viel getan wird, um die wirtschaftlichen Not wenigstens zu mildern. Dass Menschen, wenn auch nicht körperlich, näher zusammenrücken und viel Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfen nicht nur im Blick auf das Einkaufen entstehen. Beifall und Anerkennung für alle KassiererInnen, VerkäuferInnen und PflegerInnen, Ärzte und Ärztinnen, die in dieser Zeit besonders hart arbeiten, Anrufe oder Whats Apps, die Mut machen, musikalische Ständchen von außen, die den isolierten  Senioren in den Seniorenheimen Freude machen. Viel Kreativität und Phantasie, die in diesen Zeiten plötzlich da sind , die gut tun und dabei helfen, das alles ein wenig besser aushalten zu können. Glockenläuten, als Ruf zum  gemeinschaftlichen Gebet, auch wenn wir dabei Zuhause alleine sind. Immer wieder die Erinnerung an unseren Gott , der uns Hoffnung schenkt und Perspektiven eröffnet.
Denn: Christ ist erstanden von der Marter alle; des sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein . Kyrieleis.
Diese Hoffnung und Zuversicht wünsche ich Ihnen und Euch allen. In diesem Sinne:
Frohe Ostern!                                                               Ihre und Eure Anke Pfeifer

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Karfreitag am 10. April 2020

-> Videoandacht zum Karfreitag

Gedanken zum Karfreitag

Gegen die Angst

Angst isst die Seele auf. Ich glaube, an der Angst und ihren Folgen sterben mehr Menschen als an jedem Virus dieser Welt. Menschen können das Leben nicht kontrollieren. Wir haben die Zukunft nicht in der Hand. Diese Ungewissheit nagt. Und es hilft nicht, sie zu überdecken. Und auch Versicherungen, vielfältige Ablenkungen, Weggucken, Kopf in den Sand stecken hilft nicht weiter.
Was aber dann tun gegen die Angst? Vielleicht in die Augen schauen? Vielleicht ins Gesicht lachen? Sich besinnen auf die alten Kräfte gegen die Angst: Liebe, Nähe, Vertrauen. Gemeinschaft hilft. Sich zu öffnen für Kräfte von außen, hilft. Familie, Freunde und auch der Glaube in der Gemeinschaft helfen. Gemeinsam Gedanken teilen, sich von Muterfahrungen erzählen, singen, beten hilft. Von Gott gibt es das Versprechen, dass sein Segen nicht aufhört, solange es die Erde gibt. Ich glaube, solche Versprechen sind gut gegen die Angst. Ich glaube, Gott hat überhaupt vor allem dafür den Glauben zu den Menschen gebracht: Gegen die Angst.

Halt behalten

Mein Gott, warum hast Du mich verlassen. Das ist eine Momentaufnahme von Jesus am Kreuz. Selbst das Kind zweifelt in dieser dunklen Stunde am eigenen Vater. Dieser Zweifel ist menschlich. Angst darf sein. Ich glaube, diese Geschichte steht in der Bibel, um zu zeigen, dass Gott ehrlich ist und es ernst meint. Da wird kein heimlicher Prinz am Übel der Welt vorbei auf einen Thron gesetzt und anschließend fein angebetet. Da geht einer denselben Weg in den Tod, wie jede und jeder von uns. Aber dann wendet sich das Blatt. Der Tod wird nicht zur Grube, sondern zur Tür. Der Anfang folgt dem Ende. Die Hoffnung ist der nächste Schritt. Das Leben gewinnt. Das muss man uns sagen. Von selbst kämen wir nicht darauf. Wir sind sehr gefangen im Jetzt und Hier. Das ist ok, wo es uns hilft, jetzt Verantwortung zu übernehmen. Und es ist gut, denn hier sollen wir das Leben schätzen, schützen und genießen. Aber wenn die Angst kommt, sollen wir immer noch wissen, wer da ist. Und der ist da, der die Tür kennt, die vom Tod ins Leben führt. So sollen wir Halt behalten und nicht verloren gehen.

Ausblick sehen

Kreuz und Grab sind am Ostermorgen leer. Da ist Jesus nicht. Er lebt. Das wird kommen, auch für jede von uns. Allerdings kennt das Leben keine Abkürzungen. In Wirklichkeit gehen wir immer den langen Weg. Und der führt durch Krisen und Täler hindurch. Das letzte Wort hat dann Gott.
Ich male Ihnen ein Bild vom Leben hinter dem Horizont mit Worten:

Stell Dir vor ….
…. das weite Meer, ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und gleitet hinaus auf die offene See. Du stehst am Strand und siehst, wie es kleiner und kleiner wird. Und am Horizont, dort, wo Wasser und Himmel zusammentreffen, verschwindet das Schiff aus Deinem Blick. Und dann sagst Du: Nun ist es gegangen.
Aber es gibt die andere Seite des Horizontes. Und die auf der anderen Seite des Horizontes sehen das Schiff mit ihren Augen und sagen: Da erscheint es.

Bleiben Sie gesund und behütet!  
Herzlich
Erich Faehling, Propst

-> Homepagegottesdienst zum Karfreitag

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Karfreitag als PDF zum Download bereit!

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Gründonnerstag am 09. April 2020

 

Brich mit den Hungrigen Dein Brot
Sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
such mit den Fertigen ein Ziel,
teil mit den Einsamen das Haus.
Dieses Lied singen wir oft und gerne in Gottesdiensten bei Abendmahlsfeiern. Es geht um Gemeinschaft. Um das Teilen. Heute ist Gründonnerstag. Der Tag, an dem wir uns an Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern erinnern. In vielen Gemeinden würde heute Abend das Abendmahl gefeiert. Zum Teil auch in ganz modernen Formen. In diesem Jahr ist das anders. Durch die Coronainfektion dürfen wir keine Gottesdienste feiern. Dürfen wir uns nicht in größeren, selbst nicht einmal in kleinen Gruppen versammeln. Das ist hart. Das fehlt vielen. Keine Gemeinschaft am Tisch des Herrn. Nicht einmal das „teil mit den Einsamen dein Haus“ geht in diesen Zeiten.
Wie damit umgehen?  Das Verbot, sich in Gruppen zu treffen, hat viel Kreativität ausgelöst. Wir nutzen die neuen Medien, um die Menschen mit unserer Botschaft zu erreichen. Spielen vom Kirchturm. Packen Ostertüten. Beten füreinander, vor Ort und Weltweit. Fast drei Wochen dauert nun schon dieser Zustand an und keiner weiß, wann und wie er langsam aufgelöst und verändert wird.
Die Hilfsbereitschaft ist groß. Teilen gelingt anders durch Einkaufshilfen, Leute kaufen in Geschäften Gutscheine, damit wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt.
Letztlich wird weltweit unser Glaube, nicht nur im Christentum, sicher auch in den anderen Religionen auf eine harte Probe gestellt. Es geht um Vertrauen, Zuversicht, Geduld haben und auch auf Abstand Nähe zu anderen zu spüren.
Jesus feiert das Abendmahl mit seinen Jüngern als Gemeinschaftsmahl. Als Stärkung kurz vor seinem Tod. Tod und Abendmahl, Karfreitag und Gründonnerstag liegen ganz dicht beieinander. Wie nah uns der Tod ist und welcher Ängste er auslöst, das spüren wir tagtäglich.
Gerade deshalb, dürfen wir nicht mutlos sein. Können wir Gemeinschaft neu entdecken. In der Familie, die sich und ihre Hausgemeinschaft schützen muss. Unter Nachbarn. Menschen, die alleine sind oder bedrückt sind, anzurufen. Ihnen einen Brief zu schreiben. Vielleicht sogar noch per Hand.
Das zweite, das Jesus beim Abendmahl herausstellt ist der Zuspruch der Vergebung. Und ohne diese Vergebung gibt es keine Zukunft für uns Menschen. Wie oft wird gerade in diesen Tagen in der Krise ein Schuldiger gesucht. Entweder ist es der Virenspezialist, oder irgendeine Regierung, sogar die Weltgesundheitsbehörde wird angegriffen. Ja, so eine Krise deckt menschliche Schwachstellen auf. Ohne Frage.
Aber helfen diese zusätzlichen Belastungen?
Brich mit, teilt mit, such mit sprich mit- vier Einladungen, nicht egoistisch zu leben, schon gar nicht, den Druck auf anderen noch zu erhöhen.
Möge die Kraft der Tischgemeinschaft unter Brot und Kelch, auf die wir im Moment verzichten müssen, uns irgendwann wieder stärken und zusammenführen.
Bis dahin  behüte Sie Gott und gesegnete Ostern
Ihr Pastor Christoph Pfeifer

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Gruß zum Sonntag zu Mk 13, (1-2) 3-9. Palmsonntag, 5.April 2020

Videoandacht zum Sonntagsgruß

Liebe Gemeinde,
eine Spannung war zu spüren, damals in Jerusalem und Betanien: Große Freude und vermehrte Angst zugleich. Große Freude über den Einzug Jesu nach Jerusalem. Große Freude über den Einzug des Mannes, von dem gesagt wurde, er mache Blinde sehend, heile Kranke und helfe den Armen. Große Freude diesen Mann bei sich im Haus in Betanien zu haben und mit ihm den Abend verbringen zu können. Und zugleich wurde dieser Mann von hohen Schriftgelehrten, dem Kaiser gesucht, seine Taten hinterfragt, er verachtet. Sogar er selbst sprach von der Endgültigkeit seiner Zeit auf Erden, von seinem Tod in absehbarer Zeit.
Unsicherheit. Hilflosigkeit. Einsamkeit. Anspannung. Ohnmacht. Existenzangst.
Eine Spannung ist zu spüren, heute, hier bei uns in Preetz und auf der ganzen Welt: Große Freude und vermehrte Angst zugleich. Große Freude über den Frühling, die ersten warmen Sonnenstrahlen an der frischen Luft, die blühenden Bäume im Garten, die ersten Fahrradtouren mit den Kindern, das erste Stück Kuchen auf der Terrasse. Und zugleich große Fragezeichen den Corona-Virus betreffend, Angst vor Infizierungen, abgesperrte Spielplätze, Besuchsverbote, Angst um das eigene Einkommen.
Unsicherheit. Hilflosigkeit. Einsamkeit. Anspannung. Ohnmacht. Existenzangst.
Mitten in diese Spannung hinein trat eine Frau, damals in Betanien. Ohne abzuwarten, ohne zu zögern platzte sie in dieses Treffen hinein, ging direkt zu Jesus, an den Jüngern vorbei und salbte ihn mit dem kostbarsten Öl. Sie handelte intuitiv, wartete nicht ab, hatte ein Gespür für diese einmalige Situation, trat mutig und entschlossen auf. Eine einfühlende Geste aus Nähe und Zuwendung, damals in Bethanien.
Mut. Trost. Füreinander. Kraft. Hoffnung.
Mitten in diese Spannung hinein kommt ein Telefonanruf der Nachbarin mit der Frage nach dem eigenen Befinden; grüßt ein Mann einen anderen auf der Straße mit dem Wunsch gesund zu bleiben; legt ein Kind seiner Oma eine volle Einkaufstasche vor die Tür. Einfühlende Gesten aus Nähe und Zuwendung, heute, hier in Preetz und auf der ganzen Welt.  
Mut. Trost. Füreinander. Kraft. Hoffnung.
Handlungen, die Nähe und Zuwendung enthalten, die Angst und Einsamkeit lindern wollen. Handlungen, die Kraft, Halt, Trost und Mut geben wollen um die Spannung auszuhalten und durchzustehen. Handlungen, in denen spürbar wird, es wird weitergehen. Handlungen, die Hoffnung ausstrahlen und den Glauben an ein Danach wachhalten.
Denn es gibt ein Danach, damals in Betanien und Jerusalem und heute, hier bei uns in Preetz und auf der ganzen Welt. Ein Danach auf das gehofft werden kann, ein Danach an das geglaubt werden kann, ein Danach, aus dem Kraft gezogen werden kann.
Wie es sein wird, wissen wir nicht. Doch gehen wir den Weg dorthin und durch die Spannungen nicht alleine. Weder (Freude noch) Angst oder Hilflosigkeit müssen wir alleine erleben oder alleine durchstehen. Denn wir können darauf vertrauen, dass Gott den Weg mit uns geht auch und besonders durch das tiefste Leid und die größte Unsicherheit. Gott begleitet uns. Gott ist da: Damals in Betanien, in Jerusalem und heute hier bei uns, in Preetz und auf der ganzen Welt.
Amen.
Ihre/Eure Pastorin Yasmin Glatthor

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Gruß zum Sonntag Judika am 29. März 2020
Die Suche nach der bleibenden Stadt
Liebe Gemeinde,
das Leben in unserer Stadt und auf unseren Dörfern hat sich in den letzten Wochen rasant verändert. „So etwas gab es seitdem Krieg nicht mehr …“ solche Sätze kann man hören. Kontaktsperre. Keine Gottesdienste. Nie gekannt. Wir lernen anders miteinander umzugehen. „Wann hört das auf? Und: Wie lange wird das dauern und wann ist alles sowie immer?“

Fragen und Sätze der Verunsicherung, der Sorge und natürlich auch der Angst. Christen haben in vielen Zeiten bis heute in der Welt in Angst und Sorge gelebt. Auch zu Zeiten des Hebräerbriefes war die Sorge um die Zukunft der Gemeinde groß. Im Predigtext für heute lesen wir:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräerbrief 13,14)

Dieser Vers am Ende des Hebräerbriefes ist eingebettet in letzte Bitten an die Gemeinde wie:
-    Bleibt fest in der brüderlichen Liebe
-    Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt
-    Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an den, was da ist

Gerade bei dem letzten Gedanken musste ich im Blick auf den Ansturm der letzten Tage auf das Toilettenpapier schmunzeln.

Doch mit Ernst zurück zum Ausgang. Christen haben zu allen Zeiten – in Freud und Leid - darauf vertraut: Unsere Zeit liegt in Gottes Händen, auch unsere Zukunft. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ In meinen Ohren klingt das tröstlich. Wenn ich mir unsere Welt zu Zeit anschaue, fühle ich die Erschütterung und manchmal auch eine an Verzweiflung grenzende Hilflosigkeit angesichts der Corona Pandemie. Alte Sicherheiten gelten nicht mehr. Die mächtigen „Maulhelden“ wie Trump, Putin und Xi Jinping führen uns mit ihren Halbwahrheiten hinters Licht. Erst komme ich, dahinter kommt wenig bis nichts. Schlagbäume gehen runter. Grenzen werden abgeriegelt. Kennt Corona Grenzen?

Doch wir dürfen nach der „zukünftigen Stadt“ Gottes suchen. Ein Trost! Diese Hoffnung, dass es da eine „zukünftige Stadt“ gibt, dass es für uns eine Zukunft gibt, ist eine Kraftquelle. Wenn ich nur auf das schaue, was auf dieser Erde gerade geschieht, möchte ich am liebsten die Augen davor verschließen. Aber, und das ist ein großes „Aber“ – unsere Zukunft liegt in Gottes Hand! Darauf zu vertrauen gibt Kraft, genau hinzuschauen, sich einzusetzen, nicht aufzugeben. An einer anderen Stelle in der Bibel heißt es. „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7). Darum geht es! Nicht wegschauen, nicht die Welt ihren Weg ins Verderben gehen lassen, sondern immer wieder nach Wegen suchen, die zum Frieden, zur Heilung, zur Gerechtigkeit und zur Begegnung führen. Auch ein guter Impfstoff!

Ein von mir sehr geschätzter Theologe und Weltenkenner Helmut Thielicke schreibt:
Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, wer kommt! Darauf lasst uns vertrauen!

Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski

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Gruß zum Sonntag Lätare am 22.03.2020:
Liebe Preetzerinnen  und Preetzer, „Freut Euch!“ Dazu werden wir heute mitten in der Passionszeit aufgefordert. Mitten in all dem, was in diesen Tagen fremd und beängstigend über uns hereinbricht.  Im Predigttext für heute aus dem Buch Jesaja heißt es:
 
„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. (...)Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will
euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; (Jes 66,10.12.13a)
 
Enguerrand Charonton: Die barmherzige Jungfrau, 1452, Musée Condé in Chantilly, Heiligenlexikon.de  
Als diese Verse entstanden- gut 500 Jahre vor Christi Geburt - war Jerusalem lange eine ausgestorbene Stadt gewesen – der Tempel zerstört, die Menschen verschleppt. Nun kehren die ersten zurück in die noch immer öd daliegende Stadt, fühlen sich verloren, hilflos und fragen sich, ob sie  sich je wieder mit Leben füllen wird.
Bei mir in Hamburg wie wohl auch bei Ihnen in Preetz sind Straßen und Spielplätze, Cafés und Geschäfte jetzt ausgestorben. Wir wissen nicht, für wie lange. Wir hören aus italienischen Städten von überfüllten Krankenhäusern und von Menschen, denen niemand in ihrem Leid beistehen kann, wir trauern und sind verunsichert: Wird es bald vielerorts so kommen?
Mitten in unserer Sorge, damals und auch noch heute, ruft Gott uns  zu: „Freut euch! Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“
Viele brauchen in diesen Tagen noch mehr als sonst Zuwendung, nicht nur oder vor allem Kinder. Darum finde ich es bemerkenswert, dass da im Hebräischen steht: „Ich will euch trösten, wie einen Mann seine Mutter tröstet.“
Ich selber denke zum Beispiel an meinen Sohn, der zurzeit im Abitur steht. Manches lässt sich von zu Hause erledigen. Wenn alles gut läuft wird er im Sommer trotz allem sein Abizeugnis in der Hand halten. Aber zur Schule wird er nicht mehr gehen. Sein letzter Schultag war vor den Frühjahrsferien ohne dass er es wusste. Es wird keinen Abistreich und wohl auch keinen Abiball geben.
Das ist alles ja nicht lebensbedrohlich und doch macht es bedrückt und traurig. Fast jeder und jede erlebt solche Dinge: Abgesagte Traumreisen, runde Geburtstage, Konfirmationen, Arbeitsprojekte. Manch Erwachsener mag auch Sehnsucht nach dem Trost der Mutter oder des Vaters bekommen, die er oder sie nicht besuchen kann, weil sie zur Risikogruppe gehören.
Was mich trotz alldem froh macht ist die Aufmerksamkeit, mit der Menschen den Kontakt untereinander nicht abreißen lassen und alle noch verbliebenen Kanäle nutzen, um zu fragen: Wie geht es Dir? Was brauchst Du jetzt?
Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran festhalten, so füreinander da zu sein. Lassen Sie uns einander mütterlich und väterlich Hoffnung und Trost zu schenken im Namen Gottes, der Trost und Grund zur Freude für alle seine Kinder bereithält!
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!
Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg von Ihrer neuen Pastorin Parra

 

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TagesLosungen

Dienstag, 24. November 2020:

Aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Psalm 98,3

Zündet man denn ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Und nicht, um es auf den Leuchter zu setzen?
Markus 4,21
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