Grußwort-Archiv
Gruß zum 2. Sonntag nach dem Christfest am 04.01.2026
Gruß zum 1. Sonntag nach dem Christfest am 28.12.20205
Gruß zum Heiligabend am 24.12.2025
Gruß zum 4. Advent am 21.12.2025
Gruß zum 3. Advent am 14.12.2025
Gruß zum 2. Advent am 07.12.2025
Gruß zum 1. Advent am 30.11.2025
Gruß zum 2. Sonntag nach dem Christfest am 04.01.2026
von Pastor Kroglowski
„Alles hat seine Zeit“ Prediger 3
1 Alles hat seine Zeit, und alles Geschehen unter dem Himmel hat seine Stunde:
2 geboren werden hat seine Zeit und Sterben hat seine Zeit; Pflanzen hat seine Zeit und Ausrotten, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
3 Töten hat seine Zeit und Heilen hat seine Zeit, Abbrechen hat seine Zeit und Aufbauen hat seine Zeit,
4 Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit und Tanzen hat seine Zeit;
11 Er aber tut alles vortrefflich zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er in ihr Herz gelegt; und doch kann der Mensch das Werk, das Gott tut, nicht ergründen, weder Anfang noch Ende.
Ein Jahr geht zu Ende. Jeder von uns hat viel erlebt. Jahreswechsel, Sylvester auch immer Zeit um ein wenig Bilanz zu ziehen. Vieles hatte da seine Zeit. Lachen und Weinen. Tanzen und Freude. Vielleicht gehörten Abschiede dazu, neues Leben wurde geboren. Einiges ist uns gelungen, manche Dinge konnten wir nicht ändern. So fallen unsere Jahresrückblicke unterschiedlich aus. Das Glas ist für den einen halb voll, für den anderen halb leer.
Wie auch immer. Da ist der Prediger ganz nüchtern. Er ist am Ende seines Lebens angekommen und auch ans Ende seiner Illusionen. Der Prediger sagt: Alles hat seine Zeit - und auch das Gegenteil von allem. Zum einen sind wir selber dafür verantwortlich durch das, was wir tun oder wie wir es tun oder nicht tun. Zum anderen sind wir aber auch in Größeres hineingenommen und Dingen ausgesetzt, die wir nicht oder kaum beeinflussen können. Das ist normal so! Zeiten ändern sich! Und wenn Zeiten kommen, auf die wir nicht so programmiert waren oder wenn sie anders kommen, als wir sie programmiert haben, dann müssen wir schauen und unterscheiden, ob wir die Dinge ändern können oder ob wir unsere Haltung zu den Dingen ändern müssen.
Lass dir nicht weiß machen und lebe doch nicht in dem Wahn, in der Illusion, als gäbe es immer nur geboren werden und pflanzen und heilen und aufbauen und lachen und tanzen und sammeln und umarmen und bekommen und behalten und Liebe und Frieden. Nein, es gibt auch den Tod, das Ausrotten, Abbrüche und Zusammenbrüche, Weinen, Klagen, es gibt Verluste und Trennungen, es gibt das Schweigen, wo man keine Worte hat oder wo sie nur unangebracht wären, es gibt leider auch Streit und Hass und sogar Kriege. Denk nicht, dass Arbeit immer nur Spaß macht und nur Gewinn bringt und der Gewinn für immer bleibt. Freu dich an dem, was gut ist, genieße es, tu dir selber auch was Gutes, lebe nicht nur, um zu arbeiten, sondern genieße die Früchte der Arbeit, sieh das Gute in deiner Arbeit, freu dich an Essen und Trinken, das sind Gaben Gottes und lass dich immer wieder ermutigen. Das ist nichts Verbotenes! Das Leben ist eine Gabe Gottes und an allem Positiven dürfen wir uns freuen.
Und das Starke: Gott hat auch die Ewigkeit in das Herz der Menschen gelegt! Wer auf sein Herz hört, ahnt und weiß: Das hier kann nicht alles sein! Unser ständiges Vorwärtsstreben, unsere Suche nach Vervollkommnung verdanken wir letztlich unserer Sehnsucht nach Gottes vollkommener Ewigkeit, die in uns angelegt ist. Das Buch Prediger: Ein Ruf zur Nüchternheit. Jahreswechsel: Die Zeiten wechseln. Und einmal kommt der große Wechsel, wo die Zeit von der Ewigkeit abgelöst wird. Gott ist da. Auch wenn du Sein großes Tun nicht verstehst, kannst du dich in deinem kleinen Alltag auf IHN verlassen, egal, was für Zeiten kommen.
Ein gesegnetes Neues Jahr 2026, wünscht Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski
P.S. Hier steht demnächst der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!
Gruß zum 1. Sonntag nach dem Christfest am 28.12.2025
von Pastorin Parra
Liebe Gemeinde,
„Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." ( Joh 1,14b)
So heißt es im Wochenspruch für den ersten Sonntag nach dem Christfest. Aber: Gott sehen – das geht doch eigentlich nicht. Gott lässt sich nicht einfangen – auch nicht mit Blicken. Gott ist unbegreiflich, transzendent, übersteigt alles, was wir je erforschen oder beweisen könnten. Wir lesen in der Bibel, dass Mose sich in einer Felsspalte verbergen musste, die Herrlichkeit Gottes an sich vorüberziehen spürte und dann einen Blick von hinten auf sie werfen durfte. Hätte er sie direkt angeschaut, wäre er gestorben.
Weihnachten macht Gott das Unmögliche möglich und lässt sich ansehen – mitten in dieser Welt. In einem stinknormalen Stall. Mitten zwischen Heu und Stroh in der Futterkrippe der Tiere. Da hätte ihn wohl niemand erwartet. Und doch können alle, die dem Stern gefolgt sind, in dem neugeborenen Kind Gott selbst und seine ganzen Pracht erkennen. Den unbegreiflichen Gott, der uns ganz nahekommt. Und sie spüren, wie sich durch diesen Blick, den Gott uns gewährt, alles wandelt. Wir haben gehört, dass die Hirten, da sie das Kind gesehen hatten, umkehrten und Gott lobten und priesen für das, was sie gehört und gesehen hatten.
Wunderbar ist diese Geschichte und verzaubert der Heilige Abend, wenn wir uns jedes Jahr ein bisschen fühlen dürfen wie die Hirten. Wenn wir singen „Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben!“
All das liegt jetzt hinter uns. Wie geht es Ihnen nach dem Fest? Wirkt das Erlebte noch nach? Bei mir entsteht nach dem Fest oft eine seltsame Mischung aus all dem, was ich erlebt habe. Mein Herz ist voller Bilder: Wie der kleine Josef im Krippenspiel das Jesuskind angesehen hat, das da vor ihm im Kerzenschein lag. Wie meine zweijährige Enkeltochter mit den Holzfiguren die Weihnachtsgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes be-griffen hat und die Finger gar nicht von dem kleinen Baby lassen konnte.
Aber da sind auch düstere Bilder von Krieg und Gewalt: Weitere Tote im Gazastreifen und in der Ukraine. Trumps Weihnachtsbotschaft nach seinen Angriffen auf IS-Terroristen-Stützpunkte in Nigeria waren: „Gott segne unser Militär und ein frohes Weihnachtsfest allen, insbesondere den getöteten Terroristen, von denen es noch viele weitere geben wird, wenn sie ihr Abschlachten von Christen fortsetzen.“ (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/usa-greifen-nigeria-an-wovon-moechte-trump-ablenken-li.10011696).
Ich könnte sagen: Die haben eben die Weihnachsbotschaft nicht begriffen, sind wie damals König Herodes machtgierig und blind. Aber so einfach ist das nicht. Auch in mir ist noch Dunkel: Ich konnte Weihnachten nicht für alle da sein, die mich gebraucht hätten. Ich habe Menschen verletzt, die mir wichtig sind.
Wenn ich so denke möchte ich klagen: Was ändert es da schon, eben noch andächtig an der Krippe gestanden zu haben, wenn meine Welt doch bleibt wie sie ist?
Unser Predigttext heute befasst sich mit dem wohl berühmtesten Klagenden, dessen Leben zu einem Scherbenhaufen geworden war - von Gott ganz und gar im Stich gelassen. Hiob klagt zu Recht über Gottes Fernbleiben:
„Wenn ich ihn auch anrufe, dass er mir antwortet, so glaube ich nicht, dass er meine Stimme hört. Er lässt mich nicht Atem schöpfen, sondern sättigt mich mit Bitternis.“ (Hi 9,16ff)
Alles wurde Hiob genommen: Seine Kinder, sein Besitz., seine Gesundheit. Er ist eigentlich so weit, dass er sich nur noch den Tod wünscht. Und dennoch ruft er aus:
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. ... Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“ (Hi 19,25)
Hiobs Wunsch geht in Erfüllung: Gott spricht zu ihm aus dem Sturm in aller seiner Macht und Größe:
„Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen? Weißt du des Himmels Ordnungen, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?“ (Hi 38,31ff)
Gott gibt sich Hiob zu erkennen und der antwortet darauf:
„Jetzt weiß ich, dass alles in deiner Macht steht und dir nichts zu schwer ist, was du vorhast. Du hast gefragt: »Wer ist es, der meinen Plan verdunkelt ohne Verstand?« Ich war’s! Ich habe ohne Einsicht geredet,
von wunderbaren Dingen, die ich nicht kannte. Du hast mich aufgefordert: »Hör zu und lass mich reden! Ich will dich fragen, dann sollst du mich belehren!« Bis dahin kannte ich dich nur vom Hörensagen. Doch jetzt hat mein Auge dich wirklich gesehen. Darum bereue ich meine Worte und lasse mich trösten, so wie ich bin – Staub und Asche.“
(Hi 42,2-6)
Und wir - heute, zwei Tage nach Weihnachten? Auch wir dürfen von uns sagen:
„Wir sahen seine Herrlichkeit…“
Gott lässt sich sehen, hören, spüren. Wenn Gottes Herrlichkeit uns nicht erschiene, was wäre ihre Bedeutung für uns? Die Bedeutung des Lichts liegt doch darin, dass es auf ein Auge trifft, das wahrnimmt, erkennt. Und das ist bei Hiob geschehen. Und auch bei allen, die damals und heute dem Stern folgen und an der Krippe ankommen.
Gott wird Mensch, das Wort wird Fleisch, damit wir es sehen und spüren, damit wir staunend stehen und dann plötzlich begreifen. Danach wird manches egal und anderes wichtig. Gott schauen, das hinterlässt Spuren.
Spuren bei Hiob, Spuren bei allen, die das Kind im Stall sahen. Selbst bei dem kleinen Josef, der nur auf eine Puppe schaute oder meiner Enkelin, die die Holzfigur in Händen hielt ist etwas angekommen. Und auch bei mir.
Die Welt ist dieselbe, ich bin dieselbe, aber Gottes Herrlichkeit ist da – mitten im Dunkel, ganz nah. Trotzdem. Gerade deshalb. Voll Gnade und Wahrheit mitten in einer allzu oft unbarmherzigen und verlogenen Welt.
Weil es etwas anderes ist, Gott nur vom Hörensagen zu kennen, als ihm direkt zu begegnen, besteht auch unsere Sonntagsliturgie nicht nur aus Worten, sondern auch aus Schmecken und Sehen. Heute, wenn wir miteinander Abendmahl feiern, dürfen wir mit eigenen Augen sehen, mit dem eigenen Mund schmecken:
So freundlich ist Gott. (Ps 34,9)
Paul Gerhard dichtete:
11. Ich bin rein um deinetwillen:
Du gibst g’nug
Ehr und Schmuck,
mich darein zu hüllen.
Ich will dich ins Herze schließen,
o mein Ruhm!
Edle Blum,
laß dich recht genießen. (EG 36,11)
Wir dürfen spüren: Gott ist nicht nur unendlich groß, herrlich und überwältigend, sondern in all dem ist er mit uns und für uns. Wenn wir das erspüren, dann sind wir noch dieselben, dann ist noch Nacht und doch nicht mehr - weil etwas Neues beginnt.
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen kann unsre Nacht nicht endlos sein! (EG 56)
Eine Gesegnete Weihnachts-Zeit! Ihre und Eure Pastorin Ute Parra
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!
Gruß zum Heiligabend am 24.12.2025
von Pastorin Lilienthal
Weihnachten ist ein Fest der Fülle. Es bringt Menschen zusammen, füllt Räume mit Leben und Herzen mit Freude. In diesen Tagen spüren viele: Wir sind gesehen, gemeint und getragen. Weihnachten erzählt von Gottes Entschluss, uns nahe zu sein – verlässlich und bleibend. Darum ist dieses Fest mehr als ein Anlass im Kalender. Es gehört in die Mitte unseres Glaubens.
Der Evangelist Johannes fasst das Weihnachtsgeschehen in einen großen, weiten Satz: Im Anfang war das Wort.
Mit diesen Worten öffnet Johannes einen Horizont, der weit über die Krippe hinausreicht. Er führt Weihnachten zurück an den Ursprung allen Lebens und lädt dazu ein, größer zu denken. Gott erscheint hier als der, der sich mitteilt, der Sinn stiftet und Beziehung eröffnet. Das „Wort“ steht für die schöpferische Kraft, durch die Leben entsteht und Bestand hat. Alles, was ist, steht in Beziehung zu diesem Wort.
Johannes verbindet dieses Wort mit Leben und Licht: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Licht schenkt Orientierung. Es macht sichtbar, was trägt, und eröffnet Wege. Weihnachten ist darum ein Fest des Lebens – zugewandt, menschenfreundlich und leuchtend.
Konkret wird dieser große Gedanke dort, wo Johannes sagt:
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.
Gott tritt in die Wirklichkeit ein. Er teilt Zeit und Geschichte. Er teilt menschliches Leben.
Im Kern von Weihnachten zeigt sich ein Gott, der Nähe sucht und sich einlässt. Gott nimmt uns als Menschen ernst. Er begegnet uns mitten im Leben – im Gewöhnlichen, im Verletzlichen, im Gelebten. Diese Nähe prägt, wie wir Gott verstehen: als einen, der ansprechbar ist und bleibt.
Zugleich weiß Johannes, dass dieses Licht auf eine Welt trifft, die von Angst, Macht und Abgrenzung geprägt ist. Doch das Licht entfaltet eine eigene Kraft. Es wirkt leise, aber verlässlich. Es schenkt Orientierung und eröffnet neue Wege.
Am Ende bringt Johannes zusammen, was Weihnachten ausmacht: Gnade und Wahrheit. Beides gehört zusammen. Gnade, die trägt. Wahrheit, die aufrichtet. Weihnachten erzählt von einem Gott, der den Menschen ernst nimmt und ihm Leben zutraut – ein Leben im Licht.
So wirkt Weihnachten über die Tage hinaus. Es prägt, wie Menschen einander begegnen: wo Würde geachtet wird, wo Nähe gelingt, wo Leben geteilt wird. Dort nimmt Weihnachten Gestalt an. Es bleibt eine Einladung, aufmerksam zu leben und das Licht weiterzutragen. Wir hören von einem Anfang, der bis heute wirkt.
Wir feiern Weihnachten im Licht dieses Wortes – ein Licht, das scheint: heute, morgen und im Horizont der Ewigkeit.
Gesegnete Weihnachtstage wünscht Ihnen Pastorin Carolin Lilienthal
P.S. Hier steht demnächst der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!
Gruß 4. Advent am 21.12.2025
von Pastorin Lilienthal
Liebe Gemeinde,
Heute ist der vierte Advent. Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Zeit des Wartens hat ihren Höhepunkt erreicht. Adventskalender leeren sich, Schülerinnen und Schüler haben Weihnachtsferien. Das Fest rückt näher. In unserer Stadtkirche steht nun auch der Tannenbaum. Fleißige Hände haben ihn bereits geschmückt. Die Sorgfalt zeigt: Da haben sich Menschen Zeit genommen. Wer in diesen Tagen die Stadtkirche betritt, bleibt unwillkürlich einen Moment stehen. Noch ist es ruhig um den Baum, doch er trägt schon jetzt die Vorfreude in sich. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Weihnachten vor der Tür steht.
Der vierte Advent ist ein besonderer Sonntag. Er markiert die letzte Wegstrecke. Die Erwartung wird konkreter, die Spannung greifbarer. Gerade Kinder leben diese Tage intensiv: Sie zählen, sie warten, sie freuen sich. Doch auch viele Erwachsene kennen dieses Gefühl – manchmal leise, manchmal nachdenklich: die Sehnsucht nach Licht, nach Nähe, nach einem Moment, der trägt.
Der Wochenspruch für diesen Sonntag fasst diese Erfahrung in wenige Worte: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe.“
Diese Freude wächst aus Vertrauen. Sie entsteht aus der Gewissheit, dass Gott uns entgegenkommt. Advent erzählt davon, dass Gott sich auf den Weg macht. Er kommt uns nahe, Schritt für Schritt. Auch der Apostel Paulus richtet den Blick auf das, worauf Verlass ist: auf Gottes Treue. Gottes Zusagen tragen. Sie behalten ihr Gewicht. Sie erfüllen sich in Jesus Christus. Der Advent lädt dazu ein, diese Treue neu wahrzunehmen. Weihnachten kündigt sich an. Es wächst. Gott kommt uns entgegen – mitten hinein in unseren Alltag, in unsere Fragen, in unsere Hoffnungen.
„Der Herr ist nahe“ ist eine Zusage für diese Zeit. Sie gilt den Fröhlichen ebenso wie den Erschöpften. Sie richtet sich an alle, die sich nach Frieden sehnen, nach Orientierung, nach einem guten Wort. Gottes Nähe schenkt Halt und Zuversicht.
Der geschmückte Tannenbaum in unserer Stadtkirche macht diese Nähe sichtbar. Er steht schon da, obwohl das Fest noch kommt. Er trägt den Glanz der kommenden Tage bereits in sich. Er erinnert daran: Hoffnung wächst, während wir warten. Licht kündigt sich an, bevor es hell wird.
Der vierte Advent lädt uns ein, noch einmal bewusst innezuhalten – vielleicht nur für einen Moment. Gottes Nähe gilt uns. Darauf gehen wir zu. Darauf warten wir – mit offenem Herzen. „Freuet euch! Der Herr ist nahe.“
Einen gesegneten 4. Advent wünscht Ihnen Pastorin Carolin Lilienthal.
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!
Gruß zum 3. Advent am 14.12.2025
von Pastor Lars Kroglowski
„Mein“ Engel ohne Flügel
Zu Zeit laufen bei uns die Krippenspiele oder sie sind in den letzten Vorbereitungen. Viele vertraute Figuren und Gestalten gehören dazu. Maria und Josef sind auf Befehl des Kaisers Augustus auf dem Weg nach Bethlehem. Die Hirten auf dem Feld – mitten in der Nacht wird ihre Ruhe unterbrochen. Ihr Leben ändert sich mit einem Schlag.
Eine Gestalt, die für mich besonders zum Krippenspiel gehört, ist der Engel. Der Engel, der Maria die Geburt Jesu ankündigt. Der Engel der Weihnachtsgeschichte, der die Hirten aufsucht, sie verunsichert und tröstet zugleich. Ich mag ganz besonders meinen Engel ohne Flügel, der vor vielen Jahren als Teil einer Krippe aus unserer Partnergemeinde in Tansania als Gastgeschenk mitgebracht wurde. Ein Engel ohne Flügel. Das verwundert auf den ersten Blick. Doch es ist keineswegs selbstverständlich, dass Engel Flügel tragen. Der Hebräerbrief weist darauf hin, dass Engel durchaus regelmäßig unerkannt reisen und eine menschliche Gestalt annehmen, um die Gastfreundschaft von uns Menschen zu testen. Ob der Engel der Wehnachtsgeschichte Flügel hat, erfahren wir auch nicht.
Mein Engel scheint mir zu beten. Ist nah bei sich. Und doch ausgerichtet auf das, was um ihn herum passiert. Er hat ein menschliches Gesicht - stammt aus dem Kulturkreis der Massai aus Tansania. Das zeigt mir, Engel haben eine sehr menschliche Seite - wie unser Gott - wie Jesus Christus. Engel können mir begegnen - auch in meinem Gegenüber – auch in dem Fremden – dem ganz anderen.
Und doch ohne Flügel fehlt mir etwas. Und man kann meinem Engel Flügel aufstecken. Und diese Flügel sie stehen für etwas, was der Engel weiter gibt - nicht nur für sich behält, was wir brauchen, Schutz und Bewahrung. Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorüber geht (Psalm 57,2).
Die Flügel des Engels zeigen – er wohnt im Himmel und zugleich auf Erden. Mit seinen Flügeln berührt er den Himmel und unsere Seelen und macht die Botschaft der Weihnacht sichtbar: Gott wird Mensch - breitet seine Flügel aus, damit Frieden werde bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Eine behütete Woche! Dies wünscht, Ihr / Euer Pastor Lars Kroglowski
P.S. Hier steht demnächst der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!
Gruß 2. Advent am 07.12.2025
von Pastorin Parra
Liebe Gemeinde,
Advent ist die Zeit des Wartens. Nicht des nervösen, ungeduldigen Wartens, sondern eines Wartens, das unser Herz schult. Warten hat immer zwei Seiten:
Es beinhaltet zum einen den Herzenswunsch – vielleicht sogar die Sehnsucht nach Veränderung. Wir warten auf etwas oder jemanden. Wer nichts vermisst, muss auch nicht warten. Etwas fehlt den Wartenden also, worauf es sich lohnt, zu warten. Denen, die so warten ist versprochen: Wer von ganzem Herzen sucht und sehnt, wird Gott finden (Jer 29,14a). Gott heilt die gebrochenen Herzen (Ps 147,3).
Zum anderen gilt: Wer wartet, muss Zeit mitbringen. Das Ersehnte geschieht nicht sofort, sondern das Warten ist eine Zeit, die mit nichts anderem gefüllt ist als – paradoxerweise – mit dem, das noch nicht ist. Alles, was wir während des Wartens tun, ist angesichts dessen, worauf wir warten, unwichtig. Wartende brauchen also langen Atem. Sie brauchen Geduld. Davon erzählt der Jakobusbrief.
Wartet geduldig, Brüder und Schwestern, bis der Herr wiederkommt.
Seht, wie der Bauer auf die kostbare Frucht der Erde wartet:
Er wartet geduldig, bis der Frühregen und der Spätregen gefallen sind.
8So seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn steht bevor.“
(Jak 5,7-8)
So warten zu können im Advent, voll Sehnsucht, dass Gott endlich wie Tau vom Himmel regnen möge und voll Gewissheit, dass er es schließlich auch tun wird, das lernt unser Herz auch aus den alten Kirchenliedern. „O Heiland reiß die Himmel auf“ haben wir eben gesungen – im alten, dorischen Modus, nicht Dur, nicht Moll. Die mittelalterlichen Minnesänger haben diese Tonart verwendet, denn sie rührt das Herz an, erzählt kraftvoll von Bedrängnis und Hoffnung gleichermaßen.
Warten ist also etwas, was wir mit dem Herzen lernen, nicht mit dem Kopf. Jakobus schreibt:
„Stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn steht bevor.“
Heute feiern wir Gottesdienst mit der Alzheimergesellschaft Plön. Die Mitarbeitenden dort haben Herzen aus Salzteig gebacken, die sie allen Gottesdienstbesucherinnen schenken wollen.
Herz – nicht Kopf.
Das Herz ist der Ort, an dem wir Gottes Kommen erwarten. Darum sollen wir unsere Herzen stärken. Wie das gehen kann, wissen Menschen, die mit Alzheimer zu tun haben – Betroffene und ihre Angehörigen - manchmal glaube ich besser als andere.
Wenn der Kopf immer weniger erinnert wird das Herz umso wichtiger. Wenn Namen und Gesichter verschwimmen und verschwinden erreicht oft doch der Klang einer geliebten Stimme das Herz. Wenn dem Gehirn der Fokus auf das Wesentliche verloren zu gehen scheint, wird die Sehnsucht des Herzens nach dem, was hinter den äußerlichen Wichtigkeiten des Lebens verborgen liegt manchmal viel deutlicher spürbar.
Für Angehörige ist es oft schwer, durch all diese Veränderungen hindurch noch den Menschen zu erkennen, den sie lieben. Es ist schwer, zu warten, bis sich erspüren lässt: Da ist er oder sie noch. Das Vergessen auszuhalten und geduldig immer wieder die gleichen Gespräche zu führen ist schwer. Das geht nur, wenn man weiß: Das alles ist nicht vergeblich, trägt Frucht. Jakobus schreibt:
„Seht, wie der Bauer auf die kostbare Frucht der Erde wartet:“
Der Bauer wartet nicht tatenlos. Er bereitet vor, pflegt, schützt, hofft. All sein Tun steht im Zeichen dessen, was er nicht selbst machen aber worauf er hoffen kann.
So ist Advent: kein „Hände-in-den-Schoß“–Warten, sondern ein mitgehend, mitliebend, mittragend Warten.
Menschen, die Angehörige mit Alzheimer begleiten, leben dieses Warten in besonders intensiver Form. Oft warten sie Tage und Wochen auf Momente der Klarheit, auf ein Lächeln, auf einen guten Tag. Dieses Warten ist manchmal schmerzhaft – aber es ist voller Liebe.
Wie die Melodien der alten Adventslieder den Schmerz nicht ausklammern aber dessen, was sie erwarten gewiss sind:
„Es kommt ein Schiff geladen bis an sein höchsten Bord“ - es kommt gewiss. Das Segel ist die Liebe: Unsere Liebe und die Liebe Gottes zu uns, beide treiben das Schiff an. Unser und Gottes Sehnen und Hoffen sind die Kraft, die Gott bei uns ankommen lässt. Eigentlich sind beide eins, denn:
Advent ist die Zeit des Wartens und Warten braucht Zeit und ein geschultes Herz. Aber dass Gott ankommt hängt nicht davon ab, ob wir alles richtig machen. Eigentlich bedeutet Warten ja wie gesagt gerade: Nichts machen, sondern dem entgegenspüren, was kommt.
Und wenn es dann kommt, dann ist es ein Geschenk:
Gott hat die Geduld mit uns, die wir im Alltag manchmal nicht aufbringen können. Er kommt uns entgegen, auch wenn ganz vergessen haben, ihn zu suchen.
Gott ist es, der unser Herz kraftvoll macht und es mit der Gewissheit füllt: Bei ihm sind wir für immer erinnert, getragen, geliebt, was auch geschieht. Er will in unserem Herzen wohnen und seine Liebe macht es weit, frei und stark.
Auf so ein Geschenk lohnt es sich zu warten. Und das tolle: Eigentlich ist es schon da. In jedem Moment des Advents, in jedem schwebenden Klang der Adventslieder ist schon die Gewissheit angelegt: Hab keine Angst, du darfst dich freuen, denn Gott ist da! – mitten in deinem Warten und Sehnen ist er da und hält und trägt dich.
Eine segensreiche Adventszeit!
Ihre und Eure Pastorin Ute Parra
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!
Gruß zum 1. Advent am 30.11.2025
von Bischöfin Steen
Joh. 6, 1
Der Friede Gottes sei mit euch allen!
Wandel säen. Samen in die Erde der Gegenwart streuen. Mit der Möglichkeit rechnen, dass die Früchte irgendwann geerntet werden können. Wenn möglicherweise auch nicht von mir, sondern von denen, die nach mir kommen.
Vor einigen Wochen saß ich mit jungen Theologinnen und Theologen aus unserer Kirche zusammen. Sie sind gerade in der praktischen Ausbildung zur Pastorin, zum Pastor, im Vikariat. Ihr Hauptwunsch: Dass wir in der Kirche im Miteinander der verschiedenen Generationen im Blick haben, dass wir mit unserem Wirken immer auch den Grundstein für die Arbeit derer legen, die nach uns kommen. Dass wir möglicherweise Bäume pflanzen, deren Früchte aber erst die genießen können, die nach uns diese Welt aktiv gestalten werden.
Dieses Bild gefällt mir. Weil es zeigt: Bereit sein, Wandel zu säen, bedarf eines weiten Horizonts. Denn es bedeutet – im übertragenen Sinn –, dass ich nicht nur für den Eigenbedarf anpflanze und nicht nur zum Ziel habe, meine eigenen individuellen Bedürfnisse innerhalb meiner privaten Grenzen zu befriedigen.
Wandel säen. Hin und wieder diese Erkenntnis ins Herz lassen, dass mein persönliches Universum und meine persönlichen Bedürfnisse für mich zwar im Zentrum stehen, für alle anderen acht Milliarden Menschen auf der Welt aber nicht. Und auch unsere individuellen Universen hier im Dom – sie werden nicht in jeder Hinsicht kompatibel miteinander sein.
Wandel säen. Das bedeutet – es geht um mehr als um das Aufrechterhalten meiner persönlichen Komfortzone. Und dass wir weltweit auch dann nicht zu einer guten Zukunft kommen, wenn wir uns einfach damit zufriedengeben, dass da acht Milliarden kleine Universen nebeneinanderher existieren und jeweils um sich selbst kreisen und ihre Vorgärten pflegen.
Rein rational wissen wir das ja längst. So funktioniert gesellschaftliches Zusammenleben nicht. Nicht vor Ort und nicht global. Alles hängt miteinander zusammen. Die Art und Weise, wie ich mein eigenes kleines Universum gestalte, hat Auswirkungen und hört nicht an meinem Gartenzaun auf. Meine Entscheidung, welche Produkte ich einkaufe, was bei mir auf den Teller kommt, hat Konsequenzen für andere. Für die Landwirtschaft hier in Schleswig-Holstein, genauso aber auch weltweit.
Dass rund 800 Millionen Menschen an Hunger leiden – das ist keine Tatsache, mit der wir hier einfach so ruhig weiterleben können innerhalb unserer eigenen kleinen Grenzen.
Und: Natürlich wissen wir das alles. Wie aber geht das – Wandel nicht nur säen, sondern dann auch ganz praktisch umsetzen? Vom Wissen um die Notwendigkeit nach einer raschen Transformation unseres Lebens wirklich ins Tun zu kommen?
Hier ist der Knackpunkt. Nahezu in allen Bereichen unseres Lebens. Egal ob Klimawandel, Ernährungsgerechtigkeit, Flüchtlingspolitik oder die soziale Schere, die auch in unserem Land immer weiter auseinandergeht. Wir wissen, dass es so nicht weitergeht. Dass Wandel nötig ist. Aber: Wir wissen nicht, wie.
Führende Kommunikationsagenturen sagen – ihr müsst Lust machen auf Wandel. Erzählt Geschichten des Gelingens. Gebt positive Beispiele dafür, dass Wandel nicht nur möglich ist, sondern schon geschieht. Hier und jetzt.
Dieser Ansatz gefällt mir. Weil sich immer wieder in der Geschichte gezeigt hat: Aus exemplarischem Handeln – der Salzmarsch in Indien, die erst nur individuellen Proteste gegen Rassismus in den USA – wurden große Bewegungen und führten schließlich zu einschneidenden politischen Veränderungen.
Ich möchte Ihnen heute auch eine solche positive Geschichte eines gelingenden Wandels erzählen. Nur, sie ist nicht aktuell, sondern vor rund 2000 Jahren geschehen. Sie steht in dem Buch, das voll solcher Geschichten ist – in denen Menschen Vertrautes verlassen und sich einlassen auf Neues. In denen Menschen über sich hinauswachsen. Ihren Platz finden. Frieden stiften. Menschen zum Aufbrechen ermutigen und sie dann begleiten, bis zum Ziel. In dem Buch, das von Anfang bis Ende voller Lust und Leiden am Leben, am Lieben ist und das Mut macht, selbst loszugehen: der Bibel. Dem großen Handbuch für Wandel und Transformation. 2000 Jahre alt.
Jesus kommt am Ufer des Sees Tiberias an. Dort warten Menschen auf ihn. 5000 Menschen steht da. Sie warten schon lange. Haben Erwartungen an den, von dem gesagt wird, er könne unheilbar Kranke heilen, Ausgestoßene rehabilitieren. Sie warten, dass endlich was passiert. Dass endlich einer sagt, wie es anders werden kann.
Und: Sie haben Hunger.
Jesus sieht sie. Die vielen. Und fordert seine Jünger, die immer um ihn sind, heraus. Fragt: Wie viel Brot brauchen wir, damit alle hier satt werden? Und was kostet das? Und einer von ihnen, Philippus, rechnet. Und er muss eigentlich gar nicht rechnen, denn er weiß auch so – der Haushalt ist zu knapp. Das wird nicht reichen. Niemals.
Klar also schon im ersten Moment: Auf diesem konventionellen Weg, nach den Gesetzen des Marktes – Kaufen, Nehmen und Geben – ist dieses Problem nicht zu lösen. In Zeiten von drohenden Haushaltssperren nur allzu gut nachvollziehbar.
Und da ist ein Junge. Der hat fünf Brote und zwei Fische. Bedeutsame Zahlen. Fünf Brote – die fünf Bücher Mose, die Thora, die jüdische Bibel. In ihnen steht alles, was wir brauchen, um in Freiheit und Würde zu leben. Und zwei Fische – Der Fisch als geheimes Zeichen für Jesus bei den ersten christlichen Gemeinden. Und die Zahl zwei – die zwei Gesetzestafeln, die Mose von Gott auf dem Berg Sinai entgegennahm. Die 10 Gebote. Die alle Regeln umfassen, die unser Miteinander auf diesem Planeten menschenwürdig machen.
Die Thora und die 10 Gebote also – Worte, die Menschen satt machen. Weil sie für Gerechtigkeit untereinander sorgen und für Würde.
Und dieses Wenige, diese fünf Brote und zwei Fische, dieses Wenige wird verteilt. Hoffnungsbrot könnte man sagen, denn rational betrachtet ist diese Menge ein Witz angesichts des so großen Bedarfs.
Aber: sie sind mehr als genug. Zwölf Körbe an Resten sind übrig. Auch die Zwölf steht natürlich für etwas. Für die zwölf Stämme Israels. Das Gottesvolk. Zwölf ist die Zahl, die sagt: Es ist alles richtig und vollkommen.
Und die Menschen dort am Ufer des Sees Tiberias verstehen sofort: Hier ist etwas geschehen, das die normalen Erwartungen übersteigt. Hier ist ein Miteinander entstanden, das alle satt macht. Und das sogar noch über sich hinauswächst. Gutes im Überfluss. Teilhabe für Alle. Ein Gefühl dafür, wie es sein muss, wenn in unserer Welt alles gut ist.
Ja, diese Geschichte ist ein Gleichnis. Ein Gleichnis, das mit viel Metaphorik spielt. Aber das zugleich zeigt, dass nicht immer der Weg des haushalterisch klaren Denkens, des genauen gegeneinander Rechnens, zum Wandel führt.
Dass es vielmehr manchmal gut ist, der Dynamik unserer Gemeinschaft zu vertrauen. Einfach etwas reinzugeben, so wenig es auch sein mag – ohne genau absehen zu können, was damit geschieht.
Einfach loslegen mit dem Handeln. Darauf vertrauen, dass auch wir als Weltgemeinschaft in der Lage sind, das Visier unserer 7,5 Milliarden persönlichen Universen herunterzulassen und anzuerkennen: Eine gerechte Verteilung von Nahrung gibt es nur, wenn wir das Beziehungsnetz, das uns mit den Bäuerinnen in Kenia und dem Landwirt in Kappeln verbindet, wahrnehmen und sehen: Für den Eigenbedarf zu pflanzen ist schön, aber das reicht nicht. Nicht mehr. Denn die Welt ist komplexer denn je. Und dass fast jedes fünfte Kind weltweit unterentwickelt ist, weil es an ausreichender und gesunder Nahrung fehlt, kann uns nicht kaltlassen, auch wenn es im eigenen Vorgarten sprießt und wächst und die Ernte reichlich ist.
Die 5000 Menschen dort am See Tiberias haben erlebt, wie das gehen kann. Fünf Brote und zwei Fische – und alle wurden satt. Und zwar nicht nur physisch, sondern auch ihre Seele wurde satt. Sie spürten – da hat jemand erkannt, was wir brauchen. Hier werden wir gesehen.
Hier, an solchen Orten, beginnt der Wandel. Und wie wir heute Morgen sehen – das ist keine neue, sondern eine alte Erkenntnis. Mindestens 2000 Jahre alt.
Und ich bin davon überzeugt: Die Möglichkeit, auch im Jahr 2023 den ersten Stein für Veränderungen ins Rollen zu bringen, gibt es auch heute. Aber sie bedeutet: Wir müssen überhaupt noch daran glauben, dass Wandel möglich ist. Und dass er durch zivilgesellschaftliches Engagement beginnt und wir nicht abwarten können, bis die Politik entscheidet.
Natürlich sehe ich auch: Wir sind müde geworden. Die Zeiten stehen nicht gut – die Pandemie steckt uns noch in den Knochen, die so entsetzlichen Kriege vor unserer Haustür mit so wenig Aussicht auf Frieden. Dennoch. Wir werden gebraucht. Abschottung und ein Rückzug ins Private ist nichts, was uns weiterbringt.
Und ich wünsche mir so sehr: Lasst uns weiter Geschichten vom gelingenden Wandel erzählen. Um zu ermutigen, um an der Hoffnung festzuhalten, dass Veränderung möglich ist und dass wir, in unserem kleinen privaten Kosmos, tatsächlich etwas zum Wandel beitragen können.
Geschichten vom Wandel erzählen. Das tut auch die große evangelische Hilfsorganisation Brot für die Welt. Und das ist gut so. Weil wir dadurch hören, was alles anders werden kann in Kenia und anderswo – wenn wir selbst unser Verhalten ändern. Weil wir nur so spüren – Teilen hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern Teilen bereichert. Wenn ich weiß, dass auch die, die die Lebensmittel produziert haben, von ihrem Lohn angemessen leben können, schmeckt es mir auch besser.
Wandel säen. Samen in die Erde der Gegenwart streuen. Mit der Möglichkeit rechnen, dass die Früchte irgendwann geerntet werden können. Wenn möglicherweise auch nicht von mir, sondern von denen, die nach mir kommen.
Die Konfis haben gestern in der Backstube beim Bäcker Brot gebacken. Sie erzählen ja auch gleich noch davon. Und vielleicht habt ihr gemerkt, was alles dahintersteckt, bis so ein Brot bei euch zu Hause angekommen ist.
Genauso kann es losgehen mit dem Wandel. Mal über den eigenen Gartenzaun hinausschauen. Brot backen. Merken, dass die Welt ist größer als das, was ich selbst in meinem kleinen Leben davon wahrnehme.
Dafür steht Brot für die Welt – das Hilfswerk der evangelischen Kirchen für weltweite Entwicklungszusammenarbeit.
Und es ist gut und hilfreich, heute am 1. Advent wach zu werden dafür, dass unsere Welt nur dann eine gute Zukunft hat, wenn wir die globalen Folgen unseres Handelns hier vor Ort nicht aus dem Blick verlieren. Und mehr noch, wenn wir zulassen, dass diese Tatsache unser Herz und unseren Verstand erreicht und wir nicht unberührt bleiben.
Wandel – eine Änderung unseres Verhaltens – das gibt es nur, wenn unser Herz erkannt hat: So wie es ist, kann es nicht weitergehen. Berechnungen, Strukturveränderungen allein – so wichtig sie natürlich sind – reichen nicht. Politische Entscheidungen reichen nicht, wenn sie von der Gesellschaft, von uns, nicht mit Leben gefüllt werden. Es braucht uns!
Und, es braucht noch etwas anderes. Und hier kommen wir zu einer Kernbotschaft des christlichen Glaubens: Es braucht Vertrauen. Ohne Vertrauen darauf, dass es anders werden kann, wird Wandel nicht gelingen. Ohne das Vertrauen der 5000, dass da am Ufer des Sees Tiberias irgendwas geschehen wird, was ihr Leben möglicherweise für immer verändern könnte und sie deshalb einfach losgegangen sind dorthin – ohne genau zu wissen, was sich da ereignet, wäre diese Geschichte mit den fünf Broten und zwei Fischen nicht geschehen.
Ohne Vertrauen geht es nicht. Vertrauen darauf, dass eine gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln kein Wunschtraum bleibt, sondern Wirklichkeit werden kann – denn ist ja genug für alle da, würden wir es gerecht verteilen.
Losgehen. Unsere eigenen Geschichten vom Wandel schreiben. Im Vertrauen darauf, dass wir das Rüstzeug dafür haben. Dass Veränderung möglich ist. Dazu helfe uns Gott.
Amen



