Gruß zum Sonntag -
Gruß zum 20. Sonntag nach Trinitatis am 18.10.2026
von Pastorin Parra
Schmeckt und seht – so freundlich ist Gott!
Liebe Gemeinde,
ein Samstagvormittag vor etwa 2000 Jahren: Alles ist still und man spürt, Menschen und Gott ruhen aus vom Ernst des Alltags. Der Himmel strahlt im spätsommerlichen Blau und das goldene Licht der Sonne lässt die reifen Ähren aufleuchten, während sie sich in der sanften Briese wiegen wie nach einer unhörbaren Melodie.
Oder hört man sie doch ganz leise und sanft? Ein Lied aus den himmlischen Gärten, das über die Halme herüberweht zu der Gruppe, die angeschlendert kommt, ihre Blicke schweifen lässt und mit den Fingern das reife Korn streift, als könnte etwas von seinem Glanz auf sie übergehen.
Mal bleiben zwei stehen, lachen miteinander oder deuten in die Ferne, wo ein Vogel mit ausgebreiteten Schwingen ins Blau aufsteigt. Und manche behalten zwischen ihren Fingern die reifen Körner, reiben sie und pusten die Spelzen weg. Gedankenverloren kauen sie bis sie die Süße schmecken.
Das ist wohl heute ihr Frühstück, denn sie haben draußen geschlafen unter dem Sternenhimmel. Und der Weg ist noch weit bis ins nächste Dorf, wo sie vielleicht abends eingeladen werden, zu teilen, was für den Feiertag vorbereitet wurde.
Mitten unter ihnen geht Jesus, einer von ihnen und doch leicht zu erkennen, denn immer wieder sammeln sich größere Grüppchen um ihn und manchmal bleiben sie stehen, lauschen seinen Gedanken und Geschichten.
Ob er schon von der Saat spricht, die auf guten Boden fällt und hundertfach Frucht bringt? Oder davon, dass das Weizenkorn erst in die Erde fallen muss und sterben bevor es Früchte trägt? Wie kein anderer versteht er es, Gott und die Welt mit dem Naheliegenden, mit dem, was vor Augen ist, zu erklären.
Nicht jedem gefällt es, dass Jesus am Sabbat auf dem Feld so aufmerksam zugehört wird und nicht dem Rabbi in der Synagoge. Vielleicht kommen die Pharisäer, die Jesus ansprechen, von dort: „Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“
Jesus antwortet gleich wieder mit einer Geschichte: Schon der angehende König David hat die Menschen wichtiger genommen als die Vorschrift. Hat die Schaubrote im Tempel nicht nur angeschaut, sondern gemeinsam mit seinem Gefolge einfach aufgegessen – weil sie Hunger hatten.
Gott hat seine Gebote für die Menschen gemacht und nicht den Mensch für die Gebote. Seinen geliebten Geschöpfen soll es gut gehen auf diese Erde. Dafür sind die goldenen Strahlen der Morgensonne da, ebenso wie das Korn, das im Mund süß wird, wenn man es kaut. Auch der Sabbat ist für den Menschen da, dass er ausruht von der Mühe der Woche und Zeit hat, sich zu freuen: Am Blau des Himmels und am Gold der Ähren. Und an der Melodie, die aus den himmlischen Gärten zu uns weht. Die überhört man so leicht im alltäglichen Trott. Dafür ist der Sabbat da und nicht andersherum wir für den Sabbat.
Jesus darf so etwas Unerhörtes sagen, denn er spricht in Vollmacht. Er selbst ist Gott an der Seite der Menschen – in all dem Schweren, im Leid und im Tod ist er da – für uns gegeben: Gekreuzigt und gestorben – aus Liebe zu uns.
Das feiern wir, wenn wir im Abendmahl sonntags in der Kirche Brot und Traubensaft teilen. Aber nicht nur das, sondern gleichzeitig feiern wir: auch im Leichten, in der Freude am Leben, ist Gott in Jesus Christus an unserer Seite. An einem Sonntagmorgen – manchmal auch nicht in der Kirche, sondern auf dem Feld, wo die Ähren sich im Takt der Himmlischen Klänge wiegen. Fast schwerelos. Auferstanden von den Toten.
Der Prophet Micha richtet uns aus: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Mi 6,8).
Nichts, nur das? Aber das klingt doch ganz schön groß und schwer, oder?
Vielleicht wird es leichter, wenn man mit der Liebe anfängt: Liebe üben – das bedeutet, Gottes Wort mit dem Herzen verstehen, nicht als Fessel, die uns die Freude am Feiertag nimmt, sondern als Freiraum, den wir mit überströmender Freude über die Schönheit des Lebens füllen können, liebend verbunden mit unserem Schöpfer und allem, was er gemacht hat. So gesehen: Nichts leichter als das. Eine Prise solcher Leichtigkeit hätte wohl den Pharisäern in unserer Geschichte gut getan und manchmal auch uns, wenn wir sonntags mit düsteren Gesichtern auf den harten Kirchenbänken sitzen – jeder und jede für sich. Als wäre das alles eine bierernste und schwere Angelegenheit.
Schmeckt, seht und hört: So freundlich ist Gott! Damit laden wir heute zum Abendmahl ein. Brot des Lebens – Kelch des Heils. Wir wollen feiern, dass Gott da ist – im Schweren und im Schönen. Dass er sich uns schenkt. Dass die Himmelsmelodie an jedem Ort klingt, wenn man nur hinhört. Daran erinnert uns dieser Moment, in dem wir als Gemeinschaft Gottes Liebe begegnen.
Einen gesegneten Sonntag!
Ihre und Eure Pastorin Ute Parra
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!



