Gruß zum Sonntag -
Gruß zum 6. Sonntag nach Trinitatis am 12.07.2026
von Pastorin Lilienthal
Die erste Ferienwoche liegt hinter uns. Am vergangenen Sonntag haben wir in unserer Kirchengemeinde mit der Sommerkirche begonnen. Es ist die Zeit des Jahres, in der sich vieles verändert. Im Sommer öffnen sich neue Räume und neue Zeiten. Die Schule schließt ihre Türen, Koffer werden gepackt, der Berufsalltag tritt für viele ein Stück in den Hintergrund. Das Leben bekommt einen anderen Rhythmus.
Vielleicht haben Sie die Ferien bereits begonnen. Vielleicht liegt der Urlaub noch vor Ihnen. Vielleicht verbringen Sie den Sommer auch ganz bewusst zu Hause. Wie auch immer diese Wochen aussehen – sie unterbrechen unseren gewohnten Alltag. Und manchmal merken wir erst dann, wie sehr wir sonst von Terminen, Aufgaben und Verpflichtungen bestimmt werden.
Gerade jetzt spielen in vielen Familien Zeugnisse und Noten eine große Rolle. Das ist verständlich. Natürlich sind sie wichtig. Und trotzdem sagen sie nicht alles über einen Menschen aus. Genauso wenig wie beruflicher Erfolg oder die Frage, wie viel wir leisten und schaffen. Der Wert unseres Lebens hängt nicht davon ab, wie wir beurteilt werden. Und letztlich auch nicht davon, wie unsere Kinder beurteilt werden. Unser Wert ist größer als jede Bewertung. Er ist uns von Gott zugesprochen. Im Buch Prediger heißt es „Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Oft lese ich diese Worte bei Trauerfeiern. Denn sie beschreiben das Leben ja insgesamt. Es gibt Zeiten voller Freude und Zeiten, in denen uns vieles leichtfällt. Es gibt aber auch Zeiten des Wartens, der Unsicherheit oder des Abschieds.
Mich beschäftigt an diesem Bibelwort immer wieder, dass der Prediger diese unterschiedlichen Zeiten gar nicht bewertet. Er sagt nicht, dass nur die guten Zeiten wertvoll sind. Er beschreibt das Leben so wie es ist. Und vielleicht liegt genau darin seine Weisheit. Nicht jede Lebensphase muss erfolgreich sein. Nicht jeder Tag muss leicht sein. Es gibt Zeiten, in denen wir handeln und gestalten können. Und es gibt Zeiten, in denen wir lernen müssen zu warten, auszuhalten oder neu anzufangen. Auch diese Zeiten gehören zum Leben dazu.
Für mich liegt darin auch eine große Freiheit. Ich muss nicht jede Phase meines Lebens gleich erleben oder gestalten. Ich muss nicht immer leistungsfähig sein. Ich muss nicht immer den Eindruck haben, allem gerecht werden zu müssen. Denn mein Leben trägt sich nicht allein aus dem, was ich tue.
Der Prediger sagt noch etwas Zweites. Vielleicht nicht ausdrücklich, aber zwischen den Zeilen. Unsere Zeiten verändern sich. Aber Gott bleibt. Das ist für mich der eigentliche Trost dieses Bibelwortes. Ich weiß nicht, welche Zeiten noch vor mir liegen. Ich weiß nicht, was das Leben bereithält. Aber ich vertraue darauf, dass Gott mich durch all diese Zeiten begleitet. Nicht nur dann, wenn alles gut läuft, sondern auch dann, wenn vieles offenbleibt oder Fragen unbeantwortet sind.
Gerade hier bei uns im Norden hilft mir manchmal schon ein Blick über die Ostsee oder über die weiten Felder. Plötzlich werden die Gedanken weiter. Das, was eben noch so groß erschien, verliert ein wenig von seiner Schwere. Erholung beginnt oft nicht erst am Urlaubsort. Sie beginnt dort, wo wir wieder wahrnehmen, dass unser Leben größer ist als der nächste Termin. Vielleicht mögen Sie diesen Gedanken mit in die kommenden Wochen nehmen. Nicht jeder Tag muss ausgefüllt sein. Nicht jede Stunde muss einen Zweck erfüllen. Unsere Zeit steht nicht nur in unserem Kalender. Sie steht, wie es ein bekanntes Kirchenlied so schön sagt, in Gottes Händen. Das ist mehr als Poesie. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit mit Momenten der Ruhe, guten Begegnungen und der Erfahrung, dass Gott Sie durch alle Zeiten Ihres Lebens begleitet.
Ihre Pastorin Carolin Lilienthal
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!



