Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag -

Gruß zum Sonntag Sexagesimae am 08.02.2026
von Pastorin Parra

 

Liebe Gemeinde,

können wir uns Weichherzigkeit und Gefühl erlauben? Manchmal kommt es mir so vor, als würde das von Tag zu Tag schwerer angesichts der Nachrichten, die uns aus der Welt erreichen, aber auch angesichts der knapper werdenden Ressourcen vor Ort.

Die Städte und Gemeinden müssen beispielsweise mit immer weniger finanziellen Mitteln auskommen und es wird immer schwerer, daraus auch Projekte wie die Hilfe für Geflüchtete oder die Tafeln zu unterstützen. Auch die Kirchensteuermittel gehen zurück und wenn wir weiter wie bisher für unsere Gemeindemitglieder da sein wollen, dann muss es schon eine bewusste Entscheidung sein, die Streetworker in Preetz weiter zu fördern.

Der Ukrainekrieg hat die Einstellung zum Thema „Kriegstüchtigkeit“ verändert. Es scheint keinen anderen Weg zu geben, als immer weiter zu kämpfen. Mehr als 55000 ukrainische Soldaten sind gestorben und doch – ein Ausweg ist nicht in Sicht.

Ratlos macht auch die Gewalt im nahen Osten und der Hass zieht sich bis hinein in deutsche Hochschulen, wo die Zahl der antisemitischen Vorfälle sich vervielfacht hat.

In unserem Wochenspruch heißt es „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, macht euer Herz nicht hart!“ (Ps 95,7-8 und Hebr 3,15)

Was tun, wenn das Herz hart wird?

Einer, der darüber viel zu sagen hat, ist der Prophet Ezechiel. Er war einer der verschleppten Israeliten, der seinem Volk im Exil in babylonischer Gefangenschaft Gottes Wort verkündigte. Das ist mehr als 2500 Jahre her und doch sind manche dieser Worte von einer solchen Kraft, dass sie noch heute helfen können, Verhärtungen zu lösen.

Das Buch beginnt mit einer gewaltigen Vision – Ezechiel schaut Gott in all seiner Pracht, fällt auf den Boden, verbirgt sein Gesicht. Doch Gottes Geist richtet ihn wieder auf. Ezechiel hat eine Aufgabe zu erfüllen. Er soll Gottes Wort zu diesem Volk mit harten Köpfen und verstockten Herzen bringen. Wird das Wort zu ihnen durchdringen? Wird die Härte sich lösen? Das liegt bei ihnen.

Ezechiel aber hört und tut, was Gott ihm sagt. Eine Schriftrolle wird ihm gereicht, darin steht Klage, Ach und Weh. Die Klage über die harten Herzen, die sich verschlossen haben vor Gottes tröstendem Wort. Die Klage, die auch ihre Klage werden könnten, wenn sie an den Flüssen Babylons sitzen und weinen. Nicht nur über ihr hartes Schicksal, sondern auch über ihre eigene Härte.

Scheinbar bittere Worte– und doch schmecken sie süß wie Honig in Ezechiels Mund. Worte finden für den Schmerz, das Leid, die Ausweglosigkeit, das hilft. Nicht mehr alles in sich hineinfressen bis sich in einem ein harter Klumpen bildet, sondern Worte suchen, sich auch Worte zusprechen lassen, zuhören wenn andere Worte haben und diese verinnerlichen. Gefühl zulassen und zur Sprache bringen, das kann befreiend wirken.

Ich denke dabei auch an all die Klageworte in den Psalmen,.In Ps 22 heißt es: „Mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.“ Ein weiches Herz voll Sorge und Mitgefühl – das dürfen wir haben, wenn diese Welt uns schreckt. Wenn wir uns berühren lassen. Von Jesus wird berichtet, wie er über Jerusalem geweint hat. Das heißt: Gott selbst weint über die Verhärtung der Herzen, die ohne Liebe verkümmern müssen und stirbt am Ende am Kreuz, sie zu lösen – aus Liebe zu uns.

Jesus hat auch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählt, den es jammert als er den Verwundeten am Wegrand liegen sieht, der nicht einfach weitergeht, sondern die Wunden versorgt und den Unbekannten auf sein Kosten gesund pflegen lässt. Den Nächsten lieben wie sich selbst, so lautet das wichtigste Gebot. Aber das geht nur mit einem weichen Herzen, das Gottes Zuspruch in sich aufgenommen hat und die Süße der Worte geschmeckt hat : Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben (Ez 11,19f)

Ihr bekommt ein weiches, fühlendes Herz, eins aus Fleisch und Blut. Das lässt Gott durch Ezechiel den Israeliten ausrichten. Aber nachdem Ezechiel die Schriftrolle gegessen hat dauert es noch eine lange, stille Zeit des Hörens und Verstehens, bevor dieser sich auf den Weg macht. Die Worte wirken in ihm, weiten sein Herz. Erst dann sagt er sie weiter. Manchmal braucht es Zeit, damit die Worte in uns ihren vollen Geschmack entfalten können, damit wir die Liebe, mit der Gott uns begegnet, wirklich spüren und weitergeben können.

In zwei Wochen beginnt die Passionszeit. „Sieben Wochen ohne Härte- sieben Wochen mit Gefühl.“ – so lautet der Titel der diesjährigen Fastenaktion. Hinhören, Mitfühlen, Zulassen, das erfordert Mut. Aber es schmeckt auch süß, denn es gibt so viele gute und auch tröstliche Worte zu hören. Dass Menschen sich immer noch bewegen lassen vom Leid anderer, das haben wir durch die beiden großen Spendenaktionen um die Weihnachtszeit gemerkt: Brot für die Welt und Sternsinger. Vielen Dank allen, die sich daran beteiligt haben. Wer gibt – nicht nur materielle Dinge, sondern vor allem Liebe und Mitgefühl, Zuwendung, Aufmerksamkeit und Wertschätzung – der oder die erhält gleichzeitig auch selbst ein großes Geschenk, denn wenn das Herz weich wird können wir die Liebe spüren. Nicht immer wie rosarote Zuckerwatte, leicht und flauschig, manchmal auch mit Schmerz, mit Weh und Ach, aber sie schmeckt doch süß, oder gerade deshalb. Weil die Liebe uns erst wirklich lebendig macht, weil wir durch sie Anteil haben an der göttlichen Liebe. Wir können uns Weichherzigkeit und Mitgefühl erlauben, denn ein weiches Herz muss nicht mit den eigenen Ressourcen auskommen, sondern wird immer wieder neu gefüllt durch die Liebe Gottes. Mitten in all dem Schecklichen dieser Welt, all dem Schweren die Ohren und Herzen offenhalten für Gottes Wort der Liebe, das könnte eine gute Übung sein für die diesjährige Passionszeit. Heute, wenn wir seine Stimme hören, will Gott uns ein weiches, weites Herz schenken!

Einen gesegneten Sonntag

Eure und Ihre Pastorin Ute Parra

 

P.S. Hier steht demnächst der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

 


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1.Mose 50,17

Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Epheser 4,32
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