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Gruß zum Sonntag

 

Gruß zum Sonntag Quasimodogeniti am 07. April 2024
von Pastorin Parra

Zur Tauferinnerung am 07.04.2024 über Joh 20,19ff:

Liebe Gemeinde,

meine kleine Enkelin ist 7 Monate alt und immer wenn ihre Eltern den Raum verlassen, hört sie auf, mit mir zu spielen und weint sie. Da kann ich als Oma immer wieder sagen: „Mama geht nur ganz kurz etwas holen, sie kommt gleich wieder!“ Es braucht seine Zeit und ganz viele Male, in denen genau das passiert: Mama kommt wieder und nimmt sie in den Arm.

Ich tröste mich damit, dass das in dem Alter ganz normal ist. Es zeigt, wie fest die Bindung zu den Eltern ist und dass sie nun deren Abwesenheit ganz bewusst und schmerzlich wahrnimmt. Hunderte Male den Glanz im Auge der Mutter sehen, hunderte Male vom Vater liebevoll in den Arm genommen und getröstet werden – und dann: mutig um die Ecke schauen, was das Leben noch bereithält, weil man immer zurückkehren kann. Im Herzen die Gewissheit: Meine Eltern sind für mich da, auch wenn ich sie gerade nicht sehen oder berühren kann. So funktioniert das Heranwachsen.

Und so funktioniert auch das Wachsen im Glauben. Das Evangelium für diesen Sonntag „Quasimodogeniti“ (d.h.: „Wie die neugeborenen Kinder“) erzählt davon, wie die Freunde von Jesus im Glauben wachsen, besonders einer: Thomas.

Er erinnert sich genau an alles: Sie haben so viel mit ihm erlebt. Immer waren sie zusammen und Jesus hat ihnen so viel über Gott erklärt: Dass der alle Menschen liebt und nie im Stich lässt. Dass man immer zu ihm zurückkommen kann, ganz egal, was passiert ist. Er hat es mit Worten erklärt aber auch dadurch, wie er mit ihnen umgegangen ist: In allem haben sie seine Liebe zu ihnen gespürt.

Und nun ist er fort. Thomas hat gesehen, wie er am Kreuz starb und ins Grab gelegt wurde. Kein Wunder, dass Thomas denkt, Jesus werde nie wiederkommen. Kein Wunder, dass er nicht weiß, wie es weitergehen soll, Angst hat und weint. Das ist nicht nur bei Kindern so, sondern auch bei Erwachsenen wenn plötzlich alles weg ist, worauf sie vertraut haben.

Da hilft es auch wenig, dass seine Freunde erzählen: „Wir haben Jesus gesehen!“ Thomas war nicht dabei an dem Tag. Während alle anderen schon fröhlich sind und neue Pläne schmieden, besteht er darauf: „Erst will ich selbst die Wunden von den Nägeln an seinen Händen sehen. Mit meinem Finger will ich sie fühlen. Und ich will meine Hand in die Wunde an seiner Seite legen. Sonst kann ich das nicht glauben!“

Acht Tage vergehen. Thomas ist immer noch so traurig. Aber er geht nicht fort. Er bleibt bei den anderen. Täglich hofft er, dass das alles wahr ist. Dass ein Wunder geschehen ist und Jesus lebt. Aber wirklich glauben kann er das nicht. Was, wenn die anderen sich das alles nur einbilden? Er muss Gewissheit haben.

Und dann ist Jesus plötzlich wieder da. Er fordert Thomas auf: „Leg deinen Finger hierher und sieh meine Hände an. Streck deine Hand aus und leg sie in die Wunde an meiner Seite. Sei nicht länger ungläubig, sondern komm zum Glauben!“ Und Thomas ruft aus: „Mein Herr und mein Gott!“ Er kann Jesus sehen und er darf ihn auch berühren. Er muss seinen Finger nicht mehr in die Wunde legen. Ich stelle mir vor, dass er Jesus ganz fest umarmt.

Und ich denke: Manchmal wünsche ich mir auch solche Gewissheit wie Thomas. Wie meine kleine Enkelin, wenn ihre Mama zu ihr kommt sie in den Arm nimmt.

Wir heute müssen glauben ohne zu sehen. Vielleicht können wir fühlen, dass es stimmt, dass Gott alle Menschen liebt und nie im Stich lässt. Vielleicht spürst Du es, wenn jemand sanft zu Dir spricht wie ein plätschernder Bergbach, wenn Dir die warme Frühlingssonne ins Gesicht scheint und Dich wie mit zärtlicher Hand streichelt. Vielleicht merken Sie es an der Liebe im eigenen Herz. Aber dennoch: Beweise sind das nicht. Das Glauben nimmt uns niemand ab.

Heute, wenn wir uns an unsere Taufe erinnern, bekennen wir: Wir glauben: Gott liebt uns. Er hat uns nicht im Stich gelassen. Er hat mit uns gelitten, er war tot, aber jetzt lebt er und auch wir dürfen leben!

Wir lassen uns mit einem Wasserkreuz segnen und zünden Kerzen am Osterlicht an. So können wir doch etwas spüren und sehen. Manchmal hilft das, so wie es Thomas damals geholfen hat. Hilft uns, im Glauben zu wachsen. Dazu gehört wie bei Thomas auch manchmal das Zweifeln. Dazu gehört es, hartnäckig zu bleiben und nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu sein. Dazu gehört es, trotzdem dran zu bleiben und das Unmögliche doch irgendwie für möglich zu halten – im tiefsten Innern. Und dann den Augenblick nicht zu verpassen, sich berühren, aufrichten und lebendig machen zu lassen.

Ihre Pastorin Ute Parra

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


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Freitag, 12. April 2024:

Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, sodass du erfahren sollst, dass ich der HERR bin.
Hesekiel 16,62

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9,16
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