Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum 1. Sonntag nach Epiphanias am 11.01.2026
von Pastorin Parra

Gruß zum Epiphaniasfest:  
1. Auf, Seele, auf und säume nicht,
es bricht das Licht herfür;
der Wunderstern gibt dir Bericht,
der Held sei vor der Tür,
der Held sei vor der Tür.

2. Geh weg aus deinem Vaterhaus
zu suchen solchen Herrn
und richte deine Sinne aus
auf diesen Morgenstern,
auf diesen Morgenstern.

3. Gib Acht auf diesen hellen Schein,
der aufgegangen ist;
er führet dich zum Kindelein,
das heißet Jesus Christ,
der heißet Jesus Christ.

4. Drum mache dich behände auf,
befreit von aller Last,
und lass nicht ab von deinem Lauf,
bis du dies Kindlein hast,
bis du dies Kindlein hast.

6. Ach sinke du vor seinem Glanz
in tiefste Demut ein
und lass dein Herz erleuchten ganz
von solchem Freudenschein,
von solchem Freudenschein.

10. Der zeigt dir einen andern Weg,
als du vorher erkannt,
den stillen Ruh- und Friedenssteg
zum ewgen Vaterland,
zum ewgen Vaterland. (EG 73)

Liebe Gemeinde,
„Auf, Seele! Jetzt ist die Zeit.“ -  „Die Finsternis ist vergangen und das wahre Licht scheint jetzt!“ (1. Joh 2,8b)
So, denke ich, muss es sich für die Weisen aus dem Morgenland angefühlt haben, als sie den Stern entdeckten. Sterndeuter waren sie wohl, Magier – so werden sie im griechischen Text genannt. Vielleicht sogar Priester eines Sternkultes. Sie kamen von weit her, keiner weiß so genau von wo und alles begann mit einer nächtlichen Entdeckung am Sternenhimmel. Vielleicht ungefähr so: 
Es war mitten in der Nacht, aber Balthasar war hellwach. Das kam von dem Licht, das er durch sein Fernrohr gesehen hatte. Weit weg am Horizont und doch von einem geheimnisvollen Glanz, der ihn anrührte. Nun suchte er in den alten Schriften. Es musste etwas zu bedeuten haben! Da stand es – genau diese Sternkonstellation sollte am Himmel erscheinen und die Geburt eines ganz besonderen Königs ankündigen…
In diesem Moment klopfte es. Schweren Herzens riss er sich los, denn vor der Tür hörte er schon seinen Freund und Kollegen Melchior rufen. Draußen stand dieser reisefertig zusammen mit Caspar, den er nur flüchtig kannte. Die beiden sind augenscheinlich schon seit Beginn der Dunkelheit unterwegs. Sie haben ein Kamel dabei, beladen mit Gepäck und Vorräten, aber auch mit Geschenkschatullen. Sofort begriff Melchior: Auch sie hatten den Stern gesehen und die Schriften studiert. Auch sie hatten von diesem geheimnisvollen König gelesen, dessen Geburt die Welt verändern würde.
Es brauchte nicht viele Worte, damit Balthasar das Nötigste für die Reise zusammensuchte. Eine Schatulle mit kostbarem Weihrauch als Geschenk für den geheimnisvollen neuen Herrscher verstaute er sorgfältig in der Satteltasche und dann ging es los.
Seltsam leicht fühlten sich die drei als sie so schweigend durch die Nacht wanderten und nur hin und wieder anhielten um die genaue Richtung zu bestimmen. Tags rasten sie, aber nachts nutzen sie die Zeit. Der Stern rückte näher, doch als sie eines Morgens nach Jerusalem kamen, war deutlich zu sehen, dass er nicht über dem Palast des Herodes stand. 
„Lass uns dennoch hier den Tag verbringen und bei Herodes vorsprechen“, schlug Melchior vor. „Vielleicht weiß er etwas von dem Kind.“ 
Beim Aufbruch am Abend waren die drei noch stiller als sonst. Jeder hing seinen Gedanken nach. Die Nacht in den königlichen Schlafgemächern war nicht so erholsam gewesen wie man bei all dem Luxus hätte annehmen können.
„Irgendetwas füht Herodes im Schilde“, so sprach Balthasar aus, was sie alle dachten. „Habt ihr auch so schlecht geschlafen? Dies Glitzern in seinen Augen als er uns gebeten hat, ihm auf dem Rückweg zu berichten, wo wir das Kind gefunden haben…“ „Ja, ich habe es auch gesehen.“ „Und ich habe schlecht geträumt. Ich erinnere mich nicht mehr genau. Wir wollen uns beeilen, hier wegzukommen.“ „Jetzt, wo ich wieder hier draußen an der frischen Luft bin und den Stern sehe, fühle ich mich irgendwie erleichtert. Ich denke, es ist nicht mehr weit.“
Wenige Tage später sehen die drei den Stall im Licht des Sterns liegen. Und sie wundern sich kein bisschen, dass hier ein König zur Welt gekommen sein soll. Als sie das Kind sehen, gibt es für sie erstrecht keinen Zweifel mehr: Das ist er!. Die Weissagungen in den alten Schriften und das geheimnisvolle Leuchten des Sterns haben sie auf die Spur gebracht, aber all das ist jetzt unwichtig. In diesem Kind erkennen sie Gott selbst. Die Finsternis ist vergangen und das wahre Licht scheint jetzt! In diesem Moment. Für sie. Gar nichts müssen sie tun und leisten in diesem Moment. Die hochstudierten Männer spüren, dass all ihr Wissen in diesem Moment unwichtig ist. In ihren Herzen wird es hell. Alle Geheimnisse der Welt sind offenbar geworden in diesem Kind. Auch ihre eigenen Rätsel und Schatten, die sie mit sich herumtragen, bleiben nicht verborgen. Doch das beschämt und ängstigt sie nicht. Es darf sein. Und es darf neu werden. Sie müssen nichts – müssen nicht bei den alten Mustern in ihrem Leben bleiben und können doch sie selbst sein – auf eine neue, tiefere Art.
Es wird Morgen und das Licht des Sterns verblasst als die Sonne am Horizont auftaucht. Kind und Eltern schlafen noch als die drei aufbrechen. Sie lassen ihre Gaben bei dem Kind - Gold, Weihrauch, Myrre – und verlassen den Ort mit leichtem Herzen, auch wenn dieser wunderbare Moment nun vorbei ist. 
Es war seltsam, aber nicht verwirrend, sondern es fühlte sich gut an. Als es Nacht wurde leuchtet der geheimnisvolle Stern in ihrem Rücken und obwohl sie nun dort gewesen waren, konnten sie nicht mit dem Verstand begreifen, was mit ihnen geschehen war. Sie fühlten sich heil und ganz, gesehen und geliebt. Aber noch mehr - irgendwie von innen erleuchtet. Beschenkt.
Keiner sprach groß darüber, aber sie schlugen gemeinsam einen anderen Weg ein als den, den sie gekommen waren. Sie waren ja auch andere und doch noch sie selbst. Der Weg führte nicht am Palast des Herodes vorbei und brachte sie doch nach Hause, wo sie das Licht, das sie erfüllte, an andere weitergegeben haben. Liebe, Freundlichkeit, Schutz für die Schwachen, ein zugewandter, lichter Blick auf alle, die ihnen begegneten. Gnade.
Gnade – so heißt das Geschenk, das Gott allen Menschen macht und gleichzeitig auch das Geheimnis.
Gott hält mit uns aus – mitten in dieser düsteren Welt. Und immer wieder leuchten bis heute im Dunkel lichte Momente auf. Das Geheimnis, das die ersten Christen Gnade nannten, weist uns einen anderen Weg. Einen Weg des Friedens, der sich der Machtgier der Mächtigen entzieht. Einen Weg, auf dem wir bereit sind, altes loszulassen und gerade deshalb zutiefst wir selbst werden können.
So einen Weg brauchen wir gerade zu Beginn dieses Jahres und manchmal ist es, als ob der Schnee ihn verweht hat. Im Großen wie im Kleinen liegt die Angst in der Luft: Wer denkt an mich, wenn alle nur an sich denken, wenn jeder das größte Stück vom Kuchen beansprucht – koste es was es wolle? Manchmal sieht es so aus, als könnten wir nicht anders als mitmachen: Beim Aufrüsten und Abschrecken, beim Drohen und Zuschlagen.
Aber es gibt einen anderen Weg. Die Sterndeuter haben ihn gefunden. Er führt an der Krippe vorbei, an der auch wir vor kurzem noch standen. Manches werden wir auf dem Weg herschenken, von dem wir dachten, wir bräuchten es.  Manchmal ist er steinig und unbequem, denn er verläuft abseits der großen Straßen und Paläste. Aber auch wir können ihn finden, wenn wir uns auf das Geheimnis einlassen. Das Geheimnis der Gnade Gottes mitten in dunkelster Nacht. Das Geheimnis des Kindes im Stall, Gott mit uns.
Einen gesegneten Weg durchs Neue Jahr!
 

Ihre Pastorin Ute Parra

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit! 

 


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