Gruß zum Sonntag
Gruß zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 19.07.2026
von Pastor Kroglowski
"Koffer packen"
Nun ist der Sommer da. Reisezeit. Koffer packen. Im Grunde stehe ich als Mensch immerzu am Anfang – am Anfang eines Tages, des Urlaubs, des neuen Lebensabschnitt. Beim Kofferpacken für eine Reise wird das besonders deutlich. Was packt man da nicht alles ein „für wenn mal was ist“: Pullis, Kohletabletten und zwei, drei Unterhosen mehr als nötig. Man weiß ja nicht, was passiert. Gott kennt solche Bedenken angesichts neuer Anfänge. Darum gibt er seinen Segen – Abraham bekommt Gottes Segen einmal in einer entscheidenden Lebenssituation zugesagt:
Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zu einem großen Volk machen und ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein. Da zog Abram aus, wie der Herr gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. (1. Mose 12,1-4).
Abraham soll seine Koffer packen. „Geh aus deinem Vaterland“, bekommt er von Gott zu hören. Wo seine neue Heimat sein wird, und wozu das gut sein soll – dazu schweigt die freundliche Reiseleitung. Der gute Mann ist 75. Da fängt man doch nichts Neues mehr an. Oder? Mit 75 achtet man auf seinen Blutdruck und geht mit dem Hund spazieren. Und wenn man mit 75 noch mal umziehen muss, dann sicher nichts ins Abenteuerland, sondern in eine seniorengerechte Wohnung ohne Garten aber mit einem schönen Balkon mit Blick auf unseren Kirchsee. Aber Aufbrüche sind kein Spezialthema für jüngere Menschen. Für solche, die ständig vor neuen Herausforderungen stehen, weil sie die Schule oder die Arbeitstelle wechseln, oder sie ziehen mit dem Liebsten in eine gemeinsame Wohnung. Jedes Mal heiß das, die Koffer packen. Es passiert häufig, Neues anzufangen oder anfangen zu müssen, es geschieht und ist manchmal notwendig, egal wie alt man ist. Auch im übertragenen Sinne packen wir unsere Koffer oft neu – mit neuen Erkenntnissen, alten Verletzungen und ewigen Standpunkten.
Jetzt beginnt die Reisezeit. Es ist egal, ob die Reise diesmal zu einem Ziel in Deutschland, nach Dänemark, Italien, Frankreich, England, auf die Balearen oder an einen anderen Ort führt. Anschließend packt man die Koffer wieder aus: die schmutzige Wäsche, die Badehose, die Kohletabletten. Doch wie sieht es mit dem Lebenskoffer aus? Was packe ich ein, wann packe ich aus, was hat sich da so angesammelt? Mein Lebenskoffer ist ein Segenskoffer. In einen Koffer oder in eine Kiste lege ich bewusst Gegenstände aus meinen Alltag, die für den Segen stehen können, der auf meinen Lebensweg liegt. Zum Beispiel eine Jacobs- oder Pilgermuschel: Auf manchen Wegen bin ich ein bisschen weiser geworden. Ich danke, dass Gott mich dabei begleitet hat. Ein kleiner Bronzeengel erinnert mich an die Menschen, die für mich zu Engeln geworden sind. Ein Salzstreuer steht für ein Wort aus der Bergpredigt von Jesus: „Ihr seid das Salz der Erde“. Ich konnte einmal hilfreich sein. Ein kleines Kreuz erinnert mich an schwere Zeiten, in denen ich aber nicht allein war. Bewusst Dinge in meinen persönlichen Segenskoffer packen, die mir halt geben auf meiner Lebensreise.
Wenn ich alles angeschaut und mich dabei wie von selbst mit Gott unterhalten habe, packe ich alles wieder ein – vor allen in Gedanken. Ich packe meinen Koffer und gehe weiter in jeden Tag, in jede Stunde, ja, in jede Minute. Auch wer in diesem Sommer keine Urlaubsreise unternimmt, kann den Segenskoffer packen und so auf Reisen gehen. Vielleicht sieht man dabei nichts Neues, dafür Bekanntes neu.
Gesegnete Reise, wünscht Euer Pastor Lars Kroglowski
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!



