Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum 16. Sonntag nach Trinitatis am 27. September 2020
von Propst Faehling

Gnade sei mit euch und Friede  von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

 

2. Tim 1, 7-10

7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes. 9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,

 

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag in deiner Liebe, Herr, wir danken dir.

 

So geht der Text eines meiner Lieblingsmorgenlieder. Der Text stammt aus Afrika. Er stammt aus einem Teil der Welt, der voller Freude ist bei aller Not; aus einem Teil der Welt, wo drei Mal im Jahr geerntet werden kann und zugleich Dürren ganze Völker ausrotten. Afrika, die Wiege der Menschheit und heute einer der Hauptorte, von dem aus Menschen fliehen. Wobei – genauer könnte man auch sagen: Sie reisen dem Geld hinterher, dass andere Teile der Welt mit ihrer Hilfe verdient haben durch Seltene Erden, Öl, Diamanten und vieles Weitere.

Afrika, das heißt heute Diktaturen, unüberschaubare politische Konflikte und vor allem immer noch tiefste Wunden, die letztlich aus der Kolonialzeit stammen, als die sogenannte westliche Welt christlichen Glauben und Glasperlen brachte und damit den Reichtum des Kontinents nach Europa und Amerika umleitete.

Politisch gäbe es noch viel mehr Kritisches zu sagen, z.B. wie bis heute sogenannte Entwicklungshilfe immer noch nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was die Welt an Geld in Afrika verdient, inzwischen sind Chinesen und Russen als Geschäftspartner noch hinzugekommen.

Es ließe sich auch dringend etwas sagen dazu, wie im Norden Afrikas Zäune gebaut und Allianzen geschmiedet werden, damit die betroffenen Menschen nicht weiter als Bootsflüchtlinge übers Mittelmeer zu uns kommen.

Aber mir scheint, Brandmarken der Missstände allein reicht nicht aus. Das müssen wir tun, immer wieder, immer weiter.

Wir müssen protestieren, demonstrieren, laut und deutlich sagen, wie wenig einverstanden wir sind.

 

Aber noch etwas anderes braucht es auch. Nämlich ein eigenes und vor allem inneres Umdenken. Es reicht nicht aus, die Handelnden in der großen Politik zu kritisieren. Vielmehr müssen Werte und Haltungen bei uns selbst verändert werden.

Es geht um die Haltung unserer Herzen.

Ich nenne es: Herzensbildung.

Erfahrungsgemäß kommen wir jedenfalls mit Kritik immer nur für den Augenblick vom Fleck. Das macht die nun seit Freitag wieder auf der Straße demonstrierenden Jugendlichen ja auch so wütend: Alle wissen, was zu tun wäre. Aber sie tun es nicht. Katastrophen, engagierte Proteste rütteln wach, für einen kurzen Moment. Und gleich darauf wird Klimaschutz wird wieder hintangestellt, Zeit wird weiter verbraucht, Industrie-, Banken- und Autolobby verfolgen weiter alte Strategien unter neuen Markenzeichen.

 

Umdenken ist dran.

Herzensbildung.

Der Bibeltext von heute nennt die Energie zum Umdenken:

Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Und er nennt die Verhinderungskraft beim Umdenken:

Der Geist der Furcht.

 

Umdenken. Und so etwas Irdisches wie Afrika könnte Vorbild sein. Drei Ernten im Jahr, ein Klima so warm, dass man ohne Vorräte sogar besser lebt. Kein Ort zum Faulenzen, sondern um in der Tiefe etwas zu spüren von der Grundversorgung Gottes.

 

Grundversorgung durch Gott: Zu glauben, dass eine viel größere Kraft das Leben will, dass der, den wir Gott nennen, ein grundlegendes Interesse am Überleben, an gesicherter Existenz seiner Menschen hat.

Er hat uns doch im geschaffen werden begleitet. Er hat doch sogar den Tod als Wendepunkt zum Leben definieren können. Sollte der, der das an uns tut, nicht alles und genug davon zum Leben ermöglichen?

 

Das ist eine Frage des Seins, nicht des Habens. Wer sein Herz so angesprochen fühlt, kann furchtloser den Alltag mit Höhen und Tiefen angehen, kann Freude tanken und Krise als Angebot zum Wachsen verstehen. Wer sein Herz so gebildet weiß, kann seine Freude wie Vögel an den Himmel werfen, immer wieder neu, weil andauernd die Nacht – die sehr wohl nicht abgeschafft ist – verflattert.

 

Es geht um Sein, nicht um Haben. Um Existenz, nicht um Absicherung. Es geht um Kraft, Liebe und Besonnenheit, aus deren Quelle der jeweils nächste Lebensschritt gefunden werden kann. Es geht darum, dass unsere dunklen Nächte immer wieder zu Ende gehen.

Es geht um Herzen, die davon wissen und aus diesem Wissen der Welt begegnen, sie verändern.

 

Natürlich geschieht das nicht von selbst und ohne Not. Natürlich brauchen wir weiterhin Helferinnen in Krisenzeiten. Und wer so weit im Norden lebt, wie wir, braucht Heizung, Steinhäuser und Vorräte.

 

Ich rede aber auch vor allem von Geist und Seele, die den Leib von innen her tragen, wären und hell machen. Und Geist, Leib und Seele brauchen vor allem auch spirituelle Nahrung, die die Haltung ermöglicht, aus der heraus wir der Welt und ihren Ungerechtigkeiten, Friedlosigkeiten und dem Zerstörungsgeschehen an der Schöpfung entgegentreten.

 

Herzensbildung, Geist und Seele, sie gehen dem Tun voraus. Nicht unser Tun bestimmt unsere Haltung, sondern unsere Haltung prägt unser Tun.

 

Und mit einer Haltung aus Kraft, Liebe und Besonnenheit könnte Leben wahr werden, immer wieder, nach jeder Lebensnacht:

 

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag in deiner Liebe, Herr, wir danken dir.

 

Amen.


 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 


>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 29.08.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 15.08.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 08.08.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 25.07.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 20.06.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 06.06.2020

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Rogate) "Vater unser im Himmelreich (EG 344)

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Vater unser im Himmelreich" von G. Böhm

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Christ ist erstanden" von J. S. Bach

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "In dir ist Freude" EG 398 aus dem Orgelbüchlein von J. S. Bach.

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Quasimodogeniti) "Mit Freuden zart" EG 108

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Dic nobis Maria" von H. Scheidemann

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Karfreitag) "O Haupt voll Blut und Wunden" (EG 85)

>Orgelvideo von Julian Mallek mit Praeludium und Fuge a-Moll von J. S. Bach

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Judika) "O Mensch, bewein dein Sünde groß" (EG 76)

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Lätare) "Korn, das in die Erde" (EG 98)

 

 

TagesLosungen

Samstag, 26. September 2020:

Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.
Jeremia 30,11

Paulus schreibt: Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.
2.Timotheus 4,16-17
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