Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum 17. Sonntag nach Trinitatis am 26. September 2021

von Pastorin Parra

 

Liebe Gemeinde, der Predigttext aus dem Römerbrief hat es in sich:

Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig. Denn die Schrift spricht (Jes 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn »wer den Namen des Herrn anruft, wird selig werden« (Joel 3,5)Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« (Röm 10,9-15)

Den Text muss man wohl mehrmals hören, um sich durch die Vielfalt alttestamentlicher Zitate und theologischer Argumentationsgänge einen gedanklichen Weg zu bahnen. Wir hören ihn heute unter dem Eindruck des Wochenspruchs: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1. Joh 5,4c). Das eröffnet uns eine Perspektive, die dem wahrscheinlich recht nahe kommt, was der Autor sagen wollte:

Paulus schrieb seinen Brief einst an die Gemeinde in Rom ohne die Adressaten zu kennen -  als eine Art Vorstellung seiner Theologie, da er eine Romreise plante und die Gemeinde dort besuchen wollte. Er erwartete wohl, bei den Adressaten noch Überzeugungsarbeit leisten zu müssen, dass die Frohe Botschaft des Evangeliums sich an alle Menschen gleichermaßen richtet, nicht nur an Juden und dass wer die Botschaft hört und glaubt, sein Leben daraufhin ausrichtet, gerettet ist, egal wo er oder sie herkommt.

Diese Botschaft untermalt er in unserem Predigttext mit einer Fülle von Schriftzitaten. Die Römer sollen sehen, dass er mit seinen Ausführungen auf dem Boden der Heiligen Schriften der Juden steht. Und gleichzeitig sollen sie merken, dass diese Ausführungen keine theoretische Fachsimpelei sind, sondern dass Paulus von diesem Glauben, über den er spricht, zutiefst ergriffen und durchdrungen ist.

Der Glaube an den einen Gott, der uns nicht im Stich lässt und all denen treu bleibt, die an ihn glauben, ist für Paulus derselbe, aus dem die Propheten lehrten: „Wer an ihn glaubt wird nicht zuschanden werden“ (Jes 28,16) und „Wer den Namen des Herrn anruft, wird selig werden!“ (Joel 3,5).

Wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig. Beides hängt für Paulus in seiner Erfahrung unmittelbar zusammen. Nicht umsonst heißt es: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Und Paulus‘ Herz ist voll von dem Glauben daran: Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt! So führt er auch stets das Bekenntnis auf den Lippen: „Jesus ist der Herr!“

Dass diese Begeisterung nicht Halt macht vor Grenzen – welcher Art auch immer – kann man sich denken, denn es gilt ja: Jeder und jede, der/die glaubt und bekennt, wird selig. „Es ist überall derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen“, da gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Heute könnte man hinzufügen: Keinen Unterschied zwischen Reichen und Armen, Dummen und Klugen, Schönen und Hässlichen, Alten und Jungen, zwischen Menschen verschiedener Kultur und Hautfarbe. Allen gilt die Botschaft.

Es ist eine Gute Nachricht, eine, die von Herz zu Herz geht und die trotz all ihrer Begeisterung die Adressaten nicht überrollt, sondern in ihrer Lebenswirklichkeit abholt, sofern sie dort abgeholt werden möchten. Das wird in Paulus` Römerbrief deutlich. Der Autor stellt sich auf die Adressaten ein und macht sich Gedanken, was sie wohl gerade beschäftigt und in welche Worte er demzufolge seine Botschaft kleiden kann, um sie zu erreichen.

Doch es ist eine Botschaft, die weitergetragen will und soll. Wie sollen die Menschen sonst den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben, wie sollen sie hören ohne Prediger? Die Botschaft braucht Prediger, Freudenboten, die zu allen Menschen der Erde gehen: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!“ So zitiert Paulus aus dem Jesajabuch. Dieser Vers stammt aus der Zeit nach der babylonischen Gefangenschaft, als Jerusalem mühsam wieder aufgebaut werden musste und den Heimkehrer Mut zugesprochen wurde: „Dein Gott ist König!“

Wer sind die modernen Freudenboten, deren Füße sich uns mit lieblichem Klang nähern? Wie sagen sie uns die Botschaft, die ihr Herz erfüllt und ihren Mund übergehen lässt?

Zwei Menschen kommen heute zu uns, weil sie mit uns zusammen ihren Glauben leben möchten und mit anderen teilen, was ihr Herz erfüllt:

Zum einen ist da unser Jugendmitarbeiter Florian Näcker. Wir haben seine Ankunft in der Tat sehnsüchtig erwartet, denn seine Stelle ist schon lange vakant. Und nun ist er da. Wenn er von Gott spricht, dann spricht er von der Kraft, die uns gerade in schweren Zeiten hält und trägt, die uns immer wieder Räume zum Leben eröffnet. Man kann das nur schwer in einem Bibelwort zusammenfassen, aber vielleicht, so sagt er, könnte es dies sein: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Ps 31,9).

Zum anderen das vierjährige Mädchen, das wir heute taufen. Sie hat sich selbst den Spruch ausgesucht: Christus spricht: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran, denn solchen gehört das Reich Gottes!“ (Mk 10,14) Sie hat sich entschlossen, heute Gottes Geist in ihrem Leben Raum zu geben, denn sie vertraut darauf, dass Gottes Liebe so groß ist, dass es nichts Größeres gibt und dass sie allen gilt.

Kinder können uns zu Freudenboten werden. Das wusste Jesus als er sagte, dass ihnen das Reich Gottes gehört. Sie können uns lehren, die Dinge klar und unverstellt zu sehen und unser Herz mutig für den Glauben zu öffnen.

Unser Glaube ist der Sieg, der die engen Grenzen unserer Welt überwunden hat! Klein und Groß, Alt und Jung, Menschen aus Preetz, Buchholz in der Nordheide, der Heimatstadt Florian Näckers, und auch von noch viel weiter weg können sich zusammen über diese Gute Nachricht freuen und ihr Leben in dieser Zuversicht gemeinsam gestalten. Zu dieser Gemeinschaft gehören auch Sie, die diese Worte zu Hause lesen und nicht in unserem Gottesdienst dabei sein können.

Eine gesegnete Zeit!                                      Ihre Pastorin Ute Parra

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Montag, 27. September 2021:

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.
Psalm 119,67

Die Betrübnis, die nach dem Willen Gottes ist, bewirkt eine Umkehr zum Heil, die niemand bereut.
2.Korinther 7,10
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