Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

Sie sind hier: Startseite > Archiv > Reformationstag 2020

Reformationstag 2020

    Liebe Gemeinde,

Als Martin Luther damals, vor nunmehr 503 Jahren, seine Thesen an der Stattkirche zu Wittenberg anschlug, verbanden sich ganz konkrete Hoffnungen mit dieser Tat. Hoffnungen, dass sich etwas ändern würde in der Kirche, in der Gesellschaft, im Leben der Menschen. Und das ist geschehen. Martin Luthers sogenannte „Reformatorische Entdeckung“ und deren Folgen haben die Welt verändert, so wie sie zuerst ihn und sein eigenes Leben von Grund auf verändert haben.

Luther schrieb später über sich selbst: „Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben. Im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte…“ (Martin Luther, Vorrede zum ersten Band der Wittenberger Ausgabe der lateinischen Schriften (1545): WA 54, S. 176ff)

Er berichtet auch, wie sich diese innere Anspannung, unter der er litt, schließlich löste. Es geschah durch die Lektüre des Römerbriefes des Paulus. Dort heißt es in Kap 1,17:

Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

 Heute möchte ich einen Text in den Blick nehmen, den man auch als die  „Kronjuwelen der Reformation“ bezeichnen kann:

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 

Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 

sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 

und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 

begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.                          (Gal 5,1-6)

 Kein Mensch kann durch sein eigenes Tun vor Gott bestehen, so heißt es im Galaterbrief. Alle sind Sünder. Darum sind auch alle angewiesen auf die Gnade Gottes. Diese Gnade lässt Gott den Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus zuteil werden. Den „hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut“. Allein dadurch werden alle, die glauben, vor Gott gerecht. Gott nimmt also die Menschen an – allein durch Jesus Christus – allein durch die Gnade – allein durch den Glauben und ganz unabhängig von ihren eigenen Anstrengungen, ihm zu gefallen.

Diese Entdeckung veränderte alles für Luther, aber nicht nur für ihn: Sie bedeutete ein Ende der Angst vor den Strafen Gottes und vor der Verdammung durch die Kirche. Sie machte Ablassbriefe überflüssig und vieles mehr.

So war es also damals. Und heute? Moderne Menschen tun sich oft schwer mit dem Gedanken der Sünde als unausweichlicher Trennung zwischen Mensch und Gott und erst recht damit, dass ein Sühneopfer nötig sein soll, um diese Trennung zu überwinden und fragen: „Was soll das für ein Gott sein, der das Blut seines Sohnes braucht, um Gerechtigkeit herzustellen?“ Sie wollen niemanden, der sie ohne eigenen Verdienst gerecht macht, sondern allein für sich und ihre Taten verantwortlich sein.

Das Reformationsjubiläum hat 2017 die Kronjuwelen der Reformation wieder neu zum Strahlen gebracht. In diesem Jahr aber steckt die Menschheit in einer Krise, die es nötig macht, Dinge nochmals neu zu denken. Können die Kronjuwelen der Reformation auch jetzt Menschen von ihren Ängsten frei machen, so dass sie sich ganz und gar neu geboren fühlen?

Sie besiegen das Virus nicht, sind kein Impfstoff dagegen, aber sie sind sozusagen ein Impfstoff gegen Ängste und Unsicherheiten:

Ist es nun gut, dass wir zum Gottesdienst zusammenkommen, einander stärken im Glauben oder sollten wir das nicht tun, weil es ein Infektionsrisiko birgt? Das muss gründlich abgewogen werden, aber es muss uns nicht den Schlaf rauben. Wenn wir tun, was wir tun – nach bestem Wissen und Gewissen und unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen, dann ist es gut.

Außerdem: Die Pandemie ist keine Strafe. Weder direkt für die Betroffenen, die sich nicht genug geschützt hätten noch für die Menschheit an sich.

Wieso sollte Gott so etwas wollen? Er sieht uns mit aufrichtendem, gerecht machendem Blick an, obwohl er um unsere Fehler und Schwächen weiß.

Es sind nicht die Jungen schuld, die angeblich unkontrolliert feiern, noch die alten, die im Ruf stehen, zu leugnen, was sie nicht kennen. Wir sitzen im selben Boot und gehen gemeinsam gegen etwas an, was von außen kommt und uns alle trifft. Und wir tun das im gewissen Vertrauen auf Gott der für uns ist. Paul Gerhardt hat 1653 unter dem Einfluss des Dreißigjährigen Krieges und der Pest ein Rechtfertigungslied zu Röm 8,31ff verfasst, in dem es heißt:

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich;
so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott,
was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut;
das machet, dass ich finde das ewge, wahre Gut.
An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd;
was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.

Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmt mir meinen Mut;
die Höll und ihre Flammen löscht meines Heilands Blut.
Kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt,
weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt.

Sein Geist wohn mir im Herzen, regiert mir meinen Sinn,
vertreibet Sorg und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin,
gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft,
hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft.

Ihre Pastorin Ute Parra

TagesLosungen

Montag, 23. November 2020:

Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.
Jesaja 57,15

Jesus sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Markus 6,34
nach oben